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 Die bekanntesten Seuchen des Mittelalters

  Vorwort

 Seuchen waren für die Menschen des Mittelalters [1] [2] [3] nicht einfach nur Krankheiten, die es zu bekämpfen galt, sondern Prüfungen oder Strafen, die von höheren Wesen auferlegt wurden (vergl. Malleus Maleficarum [1] [2], Institoris Heinrich Kramer - Der Hexenhammer, welcher seien Ursprung im Ketzerhammer [materia haereticorum -  Institoris Zanchinus Ugolini] hatte). Vermeindlicher Schadenzauber war im Mittelalter ein weit verbreiteter ,,Tatbestand” der viele Menschen auf den Scheiterhaufen führte. Die am häufigsten erwähnten Formen bei Schadenzauberei waren:

  • Hagel und Regen, der die Ernte vernichtete
  • Milch die sauer wurde
  • die Anhexung von Krankheiten (hierbei sei insbesondere die Pest genannt)
  • und der Bann- sowie Liebeszauber2

  Die Rote Ruhr [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] war neben den einzelnen Formen der Pest [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] die größte ,,nichtmenschliche Gefahr für den Handel der Hanse. Nachfolgend werden wir den Bezug der bekanntesten Krankheiten des Mittelalters mit dem Handel der Hanse erläutern.

  Auch heute geben einige Krankheiten noch ungeklärte Rätsel auf, die nur bruchstückhaft ihre Geheimnisse preisgeben. In unseren einzelnen Artikeln stellen wir die bekanntesten Krankheiten vor und knüpfen die Beziehungen zu dem Handel der Hanse und der heutigen Zeit. Einst besiegt geglaubte Krankheiten wie die Pest gewinnen durch die wirtschaftliche und touristische Globalisierung eine neue, ungeahnte Aktualität.

  Die enge Verwandtschaft der Pest mit anderen Seuchen eröffnet möglicherweise neue Behandlungsmöglichkeiten, die in absehbarer Zeit zu weiteren Erfolgen führen könnten - in diesem Zusammenhang stellen wir auch die Rezeptorgenmutation  CCR5Δ32 vor.

  Der Arzt, Alchimist, Pharmazeut und Universalgelehrte Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, Paracelsus genannt, führte die mittelalterliche Medizinforschung mit handfesten Heilungsergebnissen in eine moderne Medizin. Die teilweise bahnbrechenden Forschungsergebnisse von Paracelsus endeten allerdings in diversen Fällen in massive Anfeindungen. Paracelsus erlangte in Ferrara durch die Pflege diverser Seuchenkranker und seinen hiermit verbundenen großen Erfolgen die Doktorwürde. Parcelsus war auch massgeblich mit der Erforschung der Pest beschäftigt und entwickelte erste Behandlungsmethoden, die die Symptome der Pest unterdrückte.

   Paracelsus, Forscher und Mediziner   Das Werk Opus chyrurgicum von Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, Paracelsus genannt, mit der folgenden interessanten Deckblattbeschreibung: Opus chyrurgicum, des Weitberumbten Hochgelehrten und Erfarnen Aureoli Theophrasti Paracelsi Medici / &c. Wund und Artzney Buch. ... Sampt vier Büchern wolermeldts Theophrasti Paracelsi / so jetzt erst hinzu kommen. Alles mit sonderlichem fleiß durch Herrn Adam von Bodenstein / beyder Artzneyen Doctorn / zu nutzen und wolfart Teutscher Nation in Truck geben. Mit vielen schönen auch lustigen und zu diesem werck notwendigen Figuren.  -  Für eine größere Bilddarstellung klichen Sie bitte auf das Photo.

↑ (links) Paracelsus auf einer zeitgenössischen Darstellung des Augustin Hirschvogel.

↑ (rechts) Paracelsus Opus Chyrurgicum Opus chyrurgicum, des Weitberumbten Hochgelehrten und Erfarnen Aureoli Theophrasti Paracelsi Medici / &c. Wund und Artzney Buch. ... Sampt vier Büchern wolermeldts Theophrasti Paracelsi / so jetzt erst hinzu kommen. Alles mit sonderlichem fleiß durch Herrn Adam von Bodenstein / beyder Artzneyen Doctorn / zu nutzen und wolfart Teutscher Nation in Truck geben. Mit vielen schönen auch lustigen und zu diesem werck notwendigen Figuren.

 

  Ein Kernsatz war prägend für das Handeln und Forschen des Paracelsus:

„… Das soll ein Arzt wissen, was schmilzt im Blei? Was ist das, das im Wachs zergeht? Was ist das, das im Demant so hart ist? Und was ist das, das im Alabaster so weiß ist? So er nun das weiß, so mag er sagen, was das sei, das ein Geschwür macht, was ein Karbunkel macht, was die Pest macht.“

 

Wer war Paracelsus? - Erfahren Sie mehr auf unserer Sonderseite ,,Paracelsus - Pionier in der Bekämpfung der Pest”  -  HIER KLICKEN

 

  Die Rote Ruhr - die selten erwähnte Krankheit des Mittelalters

  Die Rote Ruhr [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]  war und ist auch heute noch eine Krankheit, die sich unbehandelt in dem nahen Umfeld der infizierten Personen schnell ausbreiten kann. Bereits die Schüler des Hippokrates erwähnten eine Darmerkrankung, die sie als Difficultates bezeichneten. Die Armee des Xerxes, mit der er Griechenland und Thessalien eroberte, soll unter Difficultates gelitten haben. Aulus Cornelius Celsus [1P] behandelte in seinem 8-bändigen Werk “De Medicina” unter anderem die Cholera, Diarrhoe und Difficultates. Noch heute geht man davon aus, daß ca. 165 Millionen Infizierte unter der Erkrankung leiden, von denen etwa 1,1 Millionen sterben. Dieses betraf im Mittelalter auch die Schifffahrt. Die Gründe für die immer wiederkehrenden Erkrankungen von Schiffsbesatzungsmitglieder, sind in der allgemeinen Mangelwirtschaft der damaligen Zeit und den örtlichen Gegebenheiten (die Enge auf den Schiffen, sowie die hygienischen Umstände) zu sehen. Aufzeichnungen einiger  Chronisten prangerten schon zu damaliger Zeit eine mangelhafte Ausrüstung der Kriegs- und Handelsschiffe an (besonders genannt sei hier die schwedische Nation sowie Städte der Hanse). Verregnete Jahre führten im Mittelalter zu katastrophalen Missernten, teilentvölkerte Landstriche erschwerten zusätzlich den Nahrungsmittelanbau. Die frühe Christianisierung begünstigte während ihrer Anfangszeit zusätzlich die Verbreitung von Krankheiten - so wurde die körperliche Reinigung mit einer Beeinträchtigung des Seelenheils in Verbindung gebracht.

  Während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 - 1865) erkrankten ca. 725.675 Soldaten an der Ruhr und es waren ca. 11.560 Todesfälle zu beklagen. In der Weltgeschichte sind eine Vielzahl von Epidemien bekannt, die fast ausnahmslos durch kriegerische Konflikte entstanden waren; in diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, daß epidemiologisch betrachtet die Ruhr häufig mit der Cholera und Typus zusammen auftrat.

 

  Kiyoshi Shiga - Der Mann, der den Ruhr-Bazillus entdeckte

  Kiyoshi Shiga entdeckte 1897 den Erreger der Bakterienruhr, Shigella dysenteriae. Shiga war bereits während seines Studiums (1892 – 1896) mit Forschungsarbeiten bei Shibasaburo Kitasato (Entdecker des Wundstarrkrampferregers) betraut. Das große Interesse, sowie einige aufsehenerregende Experimente des jungen Shiga erweckten schon Früh die Aufmerksamkeit des renommierten Professor Dr. Shibasaburo Kitasato, der bei Robert Koch von 1885 - 1892 in Berlin gemeinsam mit Emil Behring an immunologischen Experimenten gearbeitet hatte. Die sogenannte ,,Koch-Schule” war in der damaligen Zeit richtungsweisend  für einen modernen an vielen internationalen Forschungsinstituten weltweit - so auch in Japan.

Kiyoshi Shiga,  japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des spaeter nach ihm bezeichenten Erregertyps  Shigella dysenteriae  -  Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Bild.     -  Für eine größere Bilddarstellung klichen Sie bitte auf das Photo.   Kitasato Shibasaburo - japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des Wundstarrkrampferregers.     -  Für eine größere Bilddarstellung klichen Sie bitte auf das Photo.

↑ (links) Kiyoshi Shiga,  japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des später nach ihm bezeichenten Erregertyps  Shigella dysenteriae.

↑ (rechts) Shibasaburo Kitasato, japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des Wundstarrkrampferregers und Mentor von Kiyoshi Shiga.

 

  1900 gelang Kiyoshi Shiga mit der Entwicklung eines Immunserums ein wichtiger medizinischer Erfolg (das Serum sollte sich allerdings später als nicht so “wirkungsstabil” herausstellen wie anfänglich gehofft). In der Folgezeit arbeitete er von 1901 bis 1903 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Königlichen Institut für experimentelle Therapie unter der Leitung von Professor Dr. Paul Ehrlich [1P] und veröffentlichte in späterer Zeit zahlreiche Forschungsarbeiten, die eine wesentliche Grundlage für die japanische und internationale Forschung darstellte. Das Lebenswerk von Professor Dr. Kiyoshi Shiga wurde durch zahlreiche Auszeichnungen gewürdigt.

  Shiga begann seine Forschungstätigkeit auf der Tuberkulose- und Diphteriestation des Kaiserlichen Institut für Infektionskrankheiten zu Tokio (das Institut wurde 1914 in die Tokioter Universität integriert). Der Ausbruch einer Ruhrepidemie im Jahr 1897 machte ein intensives Forschen aller verfügbaren Wissenschaftler notwendig. Japan war wiederholt von Ruhrepidemien betroffen, die saisonal bedingt jährlich eine große Anzahl von Opfer forderte (insbesondere Kinder). Im Jahre 1897 sollen mehr als 91.000 Menschen infiziert gewesen sein. Noch 1897 konnte Shiga den Erreger der Krankheit aus einer Stuhlprobe isolieren und das Bakterium im Indol-Test gramnegativ klassifizieren.

  Für eine exakte Nachweissicherung untersuchte Shiga insgesamt 36 Dysenteriepatienten im Forschungsinstitut und verfütterte mit Subkulturen präparierte Köder an Hunde; die Hunde litten nachfolgend an Durchfällen. Die Entdeckungen konnten Shiga letztendlich durch Zellverklumpungen (Agglutination) gesichert nachweisen. Dr. Shibasaburo Kitasato (bekannt geworden durch seine Forschungstätigkeit bei der Beulenpest-Epedemie in Hong-Kong im Jahre 1894 und die anschließenden Veröffentlichungen im Fachmagazin “Lancet”) unterstützte Shiga bei der Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse.

  Kiyoshi Shiga stellte in weiteren Untersuchungen fest, daß der erst als ,,einfacher“ Bacillus Dysenterie betrachtete Erreger, Toxine produziert. Der Erreger der Dysenterie, sowie seine Toxine wurden später nach Shiga benannt (Shigella dysenteriae und Shiga-Toxin). Wissenschaftler fanden in der Folgezeit weitere Erregerarten, die frappierende Ähnlichkeiten mit dem als so einfach strukturierten Bacillus Dysenterie aufwiesen. In dem Bergey's Manual of Determinative Bacteriology aus dem Jahre 1930 wurde die Stereotype Gattung das erste Mal als Shigella bezeichnet.

  Parallel zu seinen Entdeckungen versuchte Shiga auf Basis eines Ganzkeimimpfstoffes, der durch Hitze abgetötet war, ein wirksames Serum zu entwickeln. Ein erstes Testserum injizierte er in einem Selbstversuch. Shiga entwickelte letztendlich einen Passivimpfstoff auf Serumbasis und später einen Oral-Impfstoff. Bemerkenswert - aus heutiger Sicht - ist, daß das Serum anschließend in großen Mengen an die japanische Bevölkerung “verimpft” wurde, bevor eine klinische Versuchsreihe abgeschlossen war - Resultate und Erkenntnisse wurden vornehmlich in japanischen - und deutschen Fachzeitschriften veröffentlicht.

  In späterer Zeit äußerte Kiyoshi Shiga wiederholt seine Bedenken gegen eine volle Wirksamkeit der Ruhrimpfstoffe, vielmehr sollte das öffentlichen Gesundheitswesen eine präventive Bekämpfung ins Auge fassen. Shiga forschte in der Folgezeit noch weiter an dem Ruhrerreger, sowie seinen epidemischen Auswirkungen. Im Jahre 1906 veröffentlichte er auf dem ersten Congress for Asian Tropical Medicine in Manila diesbezüglich eine neuere Studie.

 

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  Die medizinischen und historischen Ursachen für die Infektion

  Verunreinigtes Trinkwasser, verschmutze Nahrungsmittel, mangelnde Hygiene, Unterernährung und die orale Infektion (Schmierinfektion) durch die gemeinschaftliche Nutzung von Abortgefäßen waren die Hauptgründe für das massenhafte Sterben auf den Schiffen von Kriegführenden Parteien während der hansischen Kriege. Die Verluste in den Reihen der Mannschaften durch die Rote Ruhr sollen zeitweise erheblich höher gewesen sein, als durch direkte Kampfhandlungen und zwangen die verbündeten Seestreitkräfte und auch die Schwedens in die Häfen.

  Zu den möglichen Risikogruppen und gefährdeten Orten der Shigellose (Bazillenruhr/Bakterienruhr) zählen:

  • Schwangere
  • Kinder
  • geschwächte Personen
  • HIV-Infizierte
  • Obdachlose
  • orthodoxe Juden * 1
  • Homosexuelle * 1, 2
  • internationale Reisende * 1
  • Kindergärten
  • Krankenhäuser
  • Gebäude, mit öffentlich zugänglichen sanitären Räumen
  • Wohnstätten ohne Handwaschgelegenheiten
  • öffentliche Küchen

* 1 Angaben entstammen der behördlichen Internetpräsenz der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA - http://www.cdc.gov

   2 Angabe entstammt der Internetpräsenz des RKI - beachten Sie hierzu auch die Angaben des RKI im “Epidemiologisches Bulletin 29 / 2002” - http://www.rki.de

   Die vorgestellten Angaben spiegeln kein Meinungsbild der u~m~d~h~T und seiner Vertreter / Mitglieder wieder, sondern wurden aus den vorgenannten wissenschaftlichen Quellen entnommen.

  Als wesentlich und zugleich auch charakteristisch, kann die starke Verbreitung während bestimmter Jahreszeiten betrachtet werden. Die Umgebungstemperatur ist von grundsätzlicher Bedeutung für die Entwicklungsgeschwindigkeit der Bazillenruhr. In den kühleren Breiten Nordeuropas sind hauptsächlich zwei Erregertypen der Gattung Shigella vertreten, Shigella sonnei (Typ D - ca. 70 bis 80 %) und Shigella flexneri (Typ B - ca. 10 bis 20 %). Relativ genaue statistische Erhebungen erleichtern in der heutigen Zeit eine exaktere Einschätzung (nach dem Infektionsschutzgesetz - IfSG, besteht in der Bundesrepublik Deutschland eine Meldepflicht).

  Die Erregertypen Shigella dysenteriae (Typ A) und Shigella boydii (Typ C) können aller Wahrscheinlichkeit nach somit als der Auslöser der Roten Ruhr des Mittelalters ausgeschlossen werden, übrig bleiben die unter Typ B und D genannten Serotypen. Eine genaue Festlegung auf eine Serovarietas ist aus heutiger Position nicht möglich, weil sich Shigella flexneri (Typ B - acht Serovaren) und Shigella sonnei (Typ D - ein Serovar in 2 serologischen Formen) in weitere Serovaren untergliedern. Ähnlich wie bei der Justinianischen Pest (6. bis 8. Jahrhundert n. Chr.), weisen Symptome der Krankheitsverläufe auf verschiedene Krankheiten, oder zumindest “Überlappungen” hin.

  Allen Shigellenarten ist Endotoxin gemeinsam, daß aus Lipopolysacchariden besteht, welches bei bakteriellem Zerfall toxisch wirkt und zu entzündlichen Reizungen an der Darmschleimhaut führen kann.

  Eine funktionierende Trinkwasserversorgung stellt einen wesentlichen Punkt in der Vorbeugung von Krankheiten dar. Die Wasserversorgung des frühen Mittelalters war in den städtischen Bereichen  Südeuropas durch marode bzw. völlig defekte Bleiwasserleitungen, Aquädukte und Zisternen aus römischer Zeit geprägt. In Nordeuropa schöpfte die städtische Bevölkerung Wasser aus Brunnen, die nicht selten neben Abfallgruben oder Latrinen lagen. Die sehr häufig mangelhafte Wasserqualität rückte allerdings bereits ab dem 14. Jahrhundert in den Fokus vieler Bürgerschaften; so verbietet eine Nürnberger Polizeiordnung aus dem 14. Jahrhundert das Waschen von Händen, Füßen oder Wäsche, im Brunnen auf dem Milchmarkt:

,,Ez ist auch gesetzzet, wer der ist, der den brunnen an dem milchmarkt unreinet oder darein wezschet oder sein hente darein wesschet oder sein fuez, der sol geben ij sol.; und wer daz siht, der mag in pfenten, ob er wil, und sol daz pfant dem pfenter geben; der sol in danne geben iiij haller von dem pfante.”

,,Es ist auch Satzung, wer den Brunnen am Milchmarkt verunreinigt, oder darin wäscht (Wäsche, Kleidung), oder seine Hände darin wäscht, oder seine Füße, der soll 2 Heller strafe zahlen; und wer das sieht, der mag bei ihm 4 Heller pfänden wenn wer will und dem Pfenter (gleichzusetzen mit Gerichtsvollzieher) geben.”

  Neben Brunnenwasser fand das Regenwasser der Dächer auch eine häufige Verwendung, das so manchen Bürger durch die Veräußerung von Rechten wohlhabend machte - so war es im Wien des 14. Jahrhundert bereits eine gängige Praxis, daß Gebäudebesitzer Anderen das Recht vermieteten, oder verkauften, Regenrinnen an die Hausdächer zu montieren. Ein Vertrag aus dem Jahre 1455 belegt, daß das Bürgerspital der Stadt Wien für 20 Pfund Pfennige das Recht abtrat ein Gebäude zur ,,Regenwassergewinnung” mit einem Ziegeldach und Dachrinnen auszustatten. Eine weitere Variante in der mittelalterlichen Wasserversorgung waren so genannte Teuchel (auch Deichel, Tüchel, oder auch Pipen genannt), hierbei handelte es sich um Wasserrohre, die aus Baumstämmen gefertigt waren. Neben einer fehlenden, oder unzureichenden Wasserversorgung, barg die Beschaffenheit und häufig auch der Zustand der Straßen Nährböden für die Ausbreitung von Krankheiten in den mittelalterlichen Metropolen Europas.

Römisches Bleirohr mit Inschrift der Legio XIV Gemina aus Wiesbaden - Aquae Mattiacorum

↑ Fragment einer römischen Wasserleitung aus Wiesbaden (Aquae Mattiacorum) mit der Inschrift: Legio XIV Gemina. Wasserrohre aus Blei waren bereits in der römischen Zeit häufig anzutreffen und bildeten neben Aquädukten und Zisternen das Rückrad in der Wasserversorgung antiker Städte. Nach dem Untergang des Römischen Reiches, zerfielen vielerorts die ausgeklügelten Wasserversorgungssysteme. Neben der Versorgung hatten die Römer allerdings auch ein hervorragend funktionierendes Kanalisationssystem für Brauchwasser entwickelt.

 

  Die Städteplaner und Baumeister mittelalterlicher Metropolen konnten für eine funktionierende Trinkwasserversorgung auf ausführliche Fachliteratur zurückgreifen. Marcus Vitruvius Pollio (auch Vitruv genannt), ein römischer Ingenieur und Architekt des 1. Jahrhunderts v. Chr., schuf zu Zeiten Kaiser Augustus ein Werk, daß als Standardwerk der Architektur unter der Bezeichnung „De architectura libri decem - Die Zehn Bücher über Architektur“ einging.

  Kanalisationen waren bis auf Teile Südeuropas häufig unbekannt - das wohl bekanntesten Beispiele bildet hier allerdings die Cloaca Maxima. Als ein Prototyp in der antiken Abwasserentsorgung gilt die Cloaca Maxima, die als ein Teil der römischen Kanalentwässerung erschaffen worden war. Tarquinius Priscus, einiger Sagen zufolge der 5. König von Rom, soll während seiner Regierungszeit von 616 bis 578 v. Chr. eine städtische Entwässerung in Auftrag gegeben haben - ob die Erstellung der Cloaca Maxima in diese Zeit fällt, ist nicht bekannt. Die Cloaca Maxima wurde aus unterschiedlichen Gründen erbaut und einer der wichtigsten Punkte war die Flächenentwässerung, die den alljährlichen Ungezieferplagen, sowie den vorhandenen Feuchtgebieten ein Ende bereiten sollte. Vor der römischen Expansionspolitik bestanden größere Teile Südeuropas aus Sumpf- und Urlandschaften. Die vorhandenen Feuchtgebiete boten für Anophelesmücken, dem Überträger der Malaria, ideale Brutgebiete. Der Landflächenhunger der noch jungen Römischen Republik [1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9] war geprägt von der Trockenlegung von Flächen, der Rodung von Wäldern und dem Bau gepflasterter Straßen. In späteren Zeiten waren durch die Völkerwanderung einzelne Landflächen Südeuropas der Verwilderung preisgegeben, die häufig von einer Vermoorung und Versumpfung von Landschaftsflächen begleitet wurde.

  Hygiene und Sauberkeit wurden in der antiken Zeit in vielen Bereichen zu ersten Blüten geführt. Bereits im Altertum erkannte der römische Universalgelehrten Marcus Terentius Varro Bezüge zwischen Krankheiten und mangelnder Hygiene. Während der Zeit der Völkerwanderung verfielen nicht nur diverse Ver- und Entsogungsbauwerke (Aquädukte, Wasserleitungen, Zisternen ...), sondern wurden auch vorsätzlich durch kriegerische Eingriffe zerstört. - Ein trauriges Beispiel bietet hierfür die Eifelwasserleitung (auch Römerkanal genannt), die im Jahre 260 n. Chr. durch die Germanen zerstört wurde und nicht wieder aufgebaut wurde, sondern etwa 500 Jahre in Vergessenheit geriet. Ab etwa 751 n. Chr. wurde der Römerkanal systematisch als Steinbruch für städtische Wehranlagen wie zum Beispiel die Stadtmauer der Stadt Rheinbach genutzt.

  Verschmutzte Straßen stellten ein weiteres grundsätzliches Problem dar, obwohl seit römischer Zeit in Südeuropa vielerorts eine eingeschränkte Straßenreinigung existierte, waren städtische Straßen häufig unbefestigt und für Krankheitserreger ideale Brut- und Verbreitungsstätten. Vielerorts erleichterte sich die Bevölkerung ungeniert öffentlich vor aller Augen auf den Straßen, Nachttöpfe wurden aus den Wohnhäusern direkt auf die Straßen entleert - zeitgenössische Holzschnitte illustrierten hierzu diverse Werke. So genannte Abortgruben, die häufig mit Lehm und Holzbohlen ausgekleidet waren, sollten die öffentlichen Straßen des Mittelalters entlasten. Für gewöhnlich befanden sich die Abortgruben hinter, oder neben den Häusern und wurden spätestens alle zehn Jahre geleert, aber auch hier gab es unerfreuliche ,,Ausnahmen“: So beklagt Johann Wolfgang von Goethes Vater, Johann Caspar Goethe, im Jahre 1773 in einer Korrespondenz die hohen Kosten von 10 Gulden, die nach vierzig Jahren für eine ,,jjaupt-Säuber – und Reinigung“ nötig gewesen sei. Weiter bezeichnete Goethe in seinem Brief die Ausmaße der Abortgrube seines Hauses als ,,Privat-Gewölbe unter unserem Hoff im Hauss auf dem Hirschgraben“ - die unterirdische Abortgrube entsprach somit der gesamten Gebäudeausdehnung. Eines der bekanntesten Gebäude mit einer Abortgrube, die im übrigen direkt neben dem Herd der Küche lag und noch heute besichtigt werden kann, ist das Nürnberger Albrecht-Dürer-Haus [1P]. Die Abortgrube des Albrecht-Dürer-Hauses befand sich unter der Küche, direkt neben der Abortgrube war der Brunnen für das Trinkwasser - Hygienische Probleme waren somit vorprogrammiert.

  In größeren Gebäuden waren überdimensionale ,,heimliche Gemächer“ nicht unüblich und boten auch zugleich den ,,Stoff“ für so manch interessante Geschichte:

  Der Chronist Johann Bange berichtet in der Thüringischen Chronik, daß König Heinrich VI. [1P] (ab 1191 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches) am 26.09. 1184 nur knapp dem Tode entronnen war. König Heinrich VI. befand sich auf einem Feldzug nach Polen, wo er in der Erfurter Dompropstei des Marienstiftes einkehrte um Hof zu halten. Heinrich wollte einen Streit schlichten, der zwischen dem Landgrafen Ludwig III. [1P] von Thüringen und dem Erzbischof Konrad I. ausgebrochenen war. Das große königliche Tross soll sich in einer Oberstufe der Dompropstei befunden haben, worauf der morsche Fußboden unter der Last zusammengebrochen sein soll und die vielen “Edlen” in die Tiefe riss; der Fußboden der darunterlegenden Etage soll ebenfalls durchgebrochen sein in eine darunterlegende Abortgrube - dieses Unglück ging als der “Erfurter Latrinensturz” in die Geschichte ein.

  Ein Auszug aus der Chronik von St. Peter zu Erfurt gibt hierzu Auskunft:

„König Heinrich kam auf dem Zuge gegen Polen nach Erfurt und fand daselbst Cunrad von Mainz in heftigem Streit mit dem Landgrafen Lodewig ob des dem Bisthum zugefügten Schadens. Als er, bemüht den Frieden zwischen denselben herzustellen, von Vielen umgeben in einer Oberstube zu Rath saß, brach plötzlich das Gebäude zusammen und Viele stürzten in die darunter befindliche Abtrittsgrube, deren einige mit Mühe gerettet wurden, während andere im Morast erstickten. Daselbst starben: Friderich, Graf von Abinberc, Heinrich, ein Graf aus Thüringen, Gozmar, ein hessischer Graf, Friderich, Graf von Kirchberg, Burchard von Wartburg und Andere geringeren Namens am 26. Juli eines kläglichen Todes.“

  Abortgruben und ,,Privat-Gewölbe“ sorgten neben sonstigem Unrat für eine permanente Grundwasserverseuchung in den Städten, die als ,,Brunnenverqätungen” (Brunnenvergiftungen) in die Geschichtsschreibung einging (Die kausalen Zusammenhänge von verseuchten Brunnenwasser mit Abortgruben und Müll- bzw. Misthaufen waren den meisten Menschen der damaligen Zeit nicht bewusst. Vielerorts wiesen allerdings jüdische Ärzte frühzeitig die jüdische Bevölkerung an, Brunnenwasser abzukochen - auf Grund dieser Voraussicht erkrankten nur sehr vereinzelt Juden. Die übrige Bevölkerung nahm dieses zum Anlass den Juden Brunnenvergiftungen zu unterstellen, zumal öffentliche Brunnen häufig an, oder in jüdischen Wohnbezirken lagen - erste Parallelen zur Hexenverfolgung waren erkennbar.). Im Straßburg des Jahres 1346 und 1360 sollen jeweils 6.000 Menschen an Brunnenwasservergiftung gestorben sein; 1414 und 1417 sollen jeweils 5.000 Opfer zu beklagen gewesen sein.

  Im Mittelalter kam auf innerstädtischen Straßen der allgemeine Gebrauch von Trippen [1P] auf, die bereits seit dem Altertum in ähnlicher Form bekannt waren und häufig in öffentlichen Badeanstalten Verwendung fanden, um die Fußsolen vor den beheizten Fußböden zu schützen. Vielerorts waren gepflasterte Straßen noch unüblich, so daß sich bei Regenfällen die Straßen in übel riechende morastige Wege verwandelten. Häufig waren die Straßen zur Entwässerung mit flachen Gräben ausgestattet. Die Bewohner kippten vielerorts nicht nur Abfälle und Fäkalien auf die Straßen, sondern nutzten sie auch als Auslaufflächen für ihr Hausvieh, das die Straßen zusätzlich verschmutzte und die Handelswege behinderte. In Hamburg sah man sich im Jahre 1383 zu der Auflage einer so genannten Bursprake (alte Bezeichnung für Verordnung) gezwungen, die wichtige Verkehrswege und Handelsplätze schützten sollte. Vor dem Jahre 1383 belastete eine zum Großteil rücksichtslose Viehhaltung der städtischen Bürger das öffentliche Leben der Hansestadt Hamburg auf unerträgliche Weise - noch vor 1383 war es jedem Bürger freigestellt, wie viele Schweine er halten durfte. Die Neue Bursprake (Petri - Bursprake) von 1383 schränkte den Besitz erheblich ein, so durften die Bürger nur maximal 8 Schweine halten (Bäcker waren hiervon mit maximal 12 ausgenommen) - 1492 wurde in Hamburg aus Gründen des Seuchenschutzes, das Amt des Fleischbeschauers eingeführt.

  Den herausragenden Stellenwert des Handels in der Hansestadt Hamburg unterstrichen diverse einzelne Burspraken, in denen die Verschmutzung der Elbe, Alster sowie der Fleete durch sperrigen Müll unter Strafe gestellt wurde - die Bürger schienen sich allerdings nicht sonderlich hierfür interessiert zu haben, so daß eine Bursprake von nach 1500 diesen Tatbestand mit 3 Mark Silber unter Strafe stellte und sollte der Verursacher diese Strafe nicht tilgen können, so hatte er die nachfolgende Strafe zu erwarten:

"Hett he der penninge nicht, har he stnen brokes (Bugeld) mede legeren mach, so schal he gaen in de hechte (Kerker) unde schal veer weken (4 Wochen) eten water unde brod unde den ut der stad unde nimmer hlr wedder intokamende."

"Hat er die Pfennige nicht, kann er das Bußgeld (Bugeld, oder auch Bruchgeld) nicht aufbringen, so soll er für vier Wochen in den Kerker bei Wasser und Brot und anschließend nicht mehr wiederkehren dürfen in die Stadt."

  Ein Beschluss der Hansestadt Hamburg aus dem Jahre 1268 verdeutlicht ein völlig anderes Selbstverständnis; so wurde der Bau von Lauben, oder Schweinekoben auf Pfählen, die in städtische Wasserstraßen (Fleete) ragten untersagt, aber nicht aus hygienischen Gründen, sondern um eine Behinderung des Schutenverkehrs zu verhindern.

 

  Die Erreger der Ruhr

  Es gibt insgesamt 4 unterschiedliche Hauptformen der Ruh (Synonym Shigellose, Shigellendysenterie, Shigellenruhr und Bazillenruhr), dem das Bakterium der Gattung Shigella zu Grunde liegt. Die Erscheinungsformen ähneln sich sehr stark, allerdings in ihren Auswirkungen weisen Sie unterschiedliche Intensitäten auf. Es werden die nachfolgenden Serogruppen (Erregertypen) unterschieden:

  • A: Shigella dysenteriae [A03.0*]
  • B: Shigella flexneri [A03.1*]
  • C: Shigella boydii [A03.2*]
  • D: Shigella sonnei [A03.3*]

  Weitere Serogruppen (Erregertypen), die nicht in die Hauptgruppe der oben genannten Formen fallen:

  • Sonstige Shigellosen [A03.8*]
  • nicht näher bezeichnete Shigellose [A03.9*]
  • * ICD-10 International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems - Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. International anerkanntes diagnostisches Klassifizierungs- und Verschlüsselungsverfahren in der Medizin, das von der WHO herausgegeben wurde.

  Die starke Resistenz der einzelligen Erreger wird durch ihre Säurestabilität 101 - 102 KbE hervorgerufen. Shigellen sind unbewegliche Gramnegative Stäbchenbakterien der Familie Enterobacteriaceae.

Shigella dysenteriae: Stäbchenförmiges, nicht-sporenbildendes, Gram-negatives, nicht-bewegliches Bakterium, welches in sauterstofffreiem Milieu existiert; benannt nach seinem Entdecker Kiyoshi Shiga.                           Sihgella boydii: Gram-negatives, nicht-sporenbildendes, nicht-bewegliches Bakterium, welches in sauterstofffreiem Milieu existiert; benannt nach seinem Entdecker Mark Frederick Boyd.

↑ (links) Shigella dysenteriae: Stäbchenförmiges, nicht-sporenbildendes, Gram-negatives, nicht-bewegliches Bakterium, welches in sauterstofffreiem Milieu existiert; benannt nach seinem Entdecker Kiyoshi Shiga.

↑ (rechts) Sihgella boydii: Gram-negatives, nicht-sporenbildendes Bakterium, welches in sauterstofffreiem Milieu existiert; benannt nach seinem Entdecker Mark Frederick Boyd.

 

  Die Wirkungsweise der Bakterien und die Inkubationszeit im menschlichen Organismus

  Die Ruhr ist eine Krankheit, die häufig in Notzeiten auftritt und in ihren Verlaufsformen, auf Grund der einzelnen Erregertypen, verschiedene Schweregrade aufweist.

  Bei der aggressivsten Art (Typ A: Shigella dysenteriae) bilden sich nach der Infektion im menschlichen Dickdarm Erregerreservoire, die durch die Aussonderung von Endo- und Ektotoxine die Schleimhaut des Dickdarms angreifen (bei Blutkontakt können Endotoxine eine Vielzahl von Kettenreaktionen auslösen - unter anderem auch einen programmierten Zelltod [1] [2]). Der charakteristische Krankheitsverlauf der aggressiven Form (toxische Bakterienruhr) drückt sich aus in:

  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • blutig-schleimigen Durchfall
  • Fieber
  • hohen Flüssigkeits- (Exsikkose) und Elektrolytverlust (Mineralverlust)
  • starken Bauchschmerzen
  • Koliken und Tenesmen (schmerzhafter Stuhlgang)

  Als häufige Komplikationen des Krankheitsverlaufes können Darmblutungen und Geschwürperforationen [1] auftreten, die zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen. Eine Narbenbildung im Darmgewebe kann bei ungünstigen Umständen zu einem Darmverschluß führen. Amöben, die im Darm die Schleimhäute angreifen, können sich durch die Darmschleimhaut in das Blutsystem ausbreiten und Organe durch Abszesse befallen. Die Austrocknung (Exsikkose) führt zu Nierenversagen, Kreislaufkollaps, starken Tenesmen einer sinkenden Krampfschwelle und letztendlich zum Koma. Die toxische Bakterienruhr (Typ A: Shigella dysenteriae) weist Parallelen zu Paratyphus auf.

  Die leichteren Ruhrformen ähneln der aggressiven Art (Typ A: Shigella dysenteriae), allerdings in abgeschwächter Form (Durchfall mit Schleim- und Blutanreicherungen, Erbrechen, Fieber und Tenesmen). Die Typen B - D weisen Ähnlichkeiten mit der infektiösen Gastroenteritis auf. Die Serogruppen A - D splitten sich in 41 Untergruppen auf.

  Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt je nach Schwere und angegriffenen Organismus 2 bis 7 Tage. Noch bis zu 4 Wochen nach der Genesung scheiden Erkrankte  Erreger aus.

 

  Die Behandlung der Bazillenruhr / Amöbenruhr

  Äußerlich betrachtet, fällt die Krankheit durch eine belegte Zunge, sowie einen aufgetriebenen Bauch (eine besonders hohe Druckempfindlichkeit im Bereich des absteigenden Dickdarmes ist charakteristisch) auf. Die Krankheit ist verbunden mit einem starken Durstgefühl, sowie einer permanenten Appetitlosigkeit und wird begleitet von Durchfällen, die während der ersten Zeit nicht auffallen, aber alsbald schleimige und später auch blutige Beimengungen aufweisen; zusätzlich kann mäßiges Fieber auftreten. Die Durchfälle, die in immer kürzeren Zyklen erfolgen, führen nicht selten zu einem Analprolaps und / oder Rektumprolaps (insbesondere bei Kindern).

  Bei einem schwererem Krankheitsverlauf hat der Stuhlgang einen aasartigen Geruch und weist brandige Dickdarmschleimhautfetzen [1] [2] auf. Ein flacher, beschleunigter Puls, eine sinkende Körpertemperatur und ein allgemeiner Erschöpfungszustand, sind Zeichen für einen  bevorstehenden Tod.  Vereinzelt wurde zusätzlich beobachtet, daß bedrohliche Blutungen in Teilen der Darmschleimhaut auftraten. Als besonders gefährliche Kombinationskrankheit zu der  Bazillenruhr kann eine Bauchfellentzündung auftreten, die durch wuchernde Geschwüre im Bereich des Dickdarmes und den unteren Partien des Dünndarmes ausgelöst wird. Eine Abheilung bei einem Einsatz moderner Behandlungsmethoden ist möglich, wird aber nicht selten begleitet von Narbenbildungen in Bereichen Darm und Bauchfell [1].

  Eine weitere, sehr gefährliche Variante der Ruhr, ist die Amöbenruhr (Amöbendysenterie); unzulänglich behandelt, neigt der Körper in späteren Jahren zu wiederholten Rückfällen. Charakteristisch wird das Krankheitsbild der Amöbendysenterie von Schleimhautgeschwüren und häufig auch von Leberabszessen geprägt (Darmgeschwüre [1], die nicht selten aufplatzen, können zu lebensbedrohlichen Blutungen führen); eine hohe fäkulente Beimengung im Stuhl während des gesamten Krankheitsverlaufes ist typisch. Im Gegensatz zu der Bazillenruhr, wird die Amöbenruhr hauptsächlich durch Schmierinfektion Verbreitung – die Auslöser der Krankheit bleiben somit nicht selten unentdeckt.

  Die Geschwürausbreiungsformen bei der Ruhr unterscheiden sich wie folgt:

  • Bazillenruhrflache Ausbreitungsform
  • Amöbenruhrbreite und tiefe Ausbreitungsform in tiefere Schleimhautschichten

  Entsprechend der körperlichen Verfassung unterscheiden sich die Therapien:

  • Bei leichteren Krankheitsbildern reicht die Verordnung von Bettruhe, sowie die Zufuhr größerer Wassermengen  (6 bis 8 Liter abgekochtes Wasser täglich, mit exakt dosierten Mengen an Kaliumchlorid, sowie gelöstem Traubenzucker. Der dargereichten Trinklösung wird Täglich 2 x eine geringe Menge Kochsalz beigemengt, zusätzlich werden Fruchttees oder Fruchtsäfte dargereicht). Sobald der Zustand des Patienten als stabil anzusehen ist wird der weitere Heilungsverlauf durch die Darreichung von feingeriebenen Zwieback, gesalzener Möhrensuppe und Haferschleim mit Apfelstücken unterstützt – feste Nahrung ist noch als Tabu anzusehen.
  • Bei schwereren Krankheitsbildern empfiehlt sich eine begleitende Antibiotikabehandlung  – das RKI empfiehlt den Einsatz von Antibiotika mit dem Hinweis auf die hohe Infektiosität der Shigellose und schlägt gleichzeitig die Verwendung eines Antibiogrammes vor, die eine genauere Spezifizierung erlaubt. Geeignet sind Antibiotika aus der Stoffgruppe der  Chinolone:

  Alte Behandlungsformen und Medikamente:

Bereits in früher Zeit, waren Bettruhe, Diäten – insbesondere Flüssigkeitsdiäten, sowie die Zufuhr größerer Wassermengen üblich. Als Medikamente / Spezifikasubstanzen waren gebräuchlich:

  • Antidysentericum, Nerium [1P] – Die Rinde (Cortex Conessi) des Nerium Antidysentericum  (Konessioleander) , einer in Ostindien wachsenden Baum- / Strauchart, die gegen chronische Durchfälle, sowie die Ruhr ihre Anwendung fand.
  • Brechwurzel [1P] – Die Brechwurzel (auch bezeichnet als Ruhrwurzel, oder Ipecacuanha, ist Alkaloidhaltig und somit nur emetinfrei verwendbar) wurde in Europa erstmals ab etwa 1680 zur Behandlung der Ruhr eingesetzt und ist in Mittel- und Südamerika beheimatet.
  • Calomel [1P] (auch bezeichnet als Kalomel, „schönes Schwarz“, Hornquecksilber, oder Quecksilber(I)-chlorid) – Calomel, kann als eines der Universalmittel in der alten Medizin betrachtet werden, weil es ein breites Behandlungsspektrum abdeckte. Kalomel wurde bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts in chemischen Verhütungsmitteln eingesetzt. Calomel wurde in früheren Jahrhunderten auch bei der Behandlung von Syphilis eingesetzt.
  • Granatwurzelrinde [1P] – Aus dem eingekochten Sud der Granatwurzelrinde, sowie den Granatwurzeln wurden im Mittelalter Entwurmungsmittel hergestellt (einschließlich Bandwurmentwurmung); zusätzlich wurde das Mittel auch bei Darmspülungen eingesetzt – Granatwurzelrinde enthält starke Gerbstoffe.
  • Salinische Abführmittel – Der Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber, entdeckte im Jahre 1625, das später nach ihm benannte Natriumsulfat [1P] und entwickelte insgesamt 26 mögliche medizinische Verwendungsformen (unter anderem auch als Abführmittel zur Behandlung der Ruhr).
  • Simarubarinde [1P] – Die Rinde des Simaruba-Baumes (aus der Familie der Balsambaumgewächse) wurde zu einem Sud eingekocht und als Einlauflösung, oder auch Oral angewandt. Das Gomartharz des Bursera simaruba findet noch heute Anwendung in der Volksmedizin Mittelamerikas.
  • Kreosot – Das im Jahre 1832 von Freiherr Carl Ludwig von Reichenbach entdeckte Kreosot wurde alsbald auf Grund seiner antiseptischen Eigenschaften als universelles Mittel eingesetzt. Neben der Behandlung von Lungenkrankheiten wurde Kreosot auch als Trinklösung zur Behandlung von Magen- und Darmerkrankungen eingesetzt. Aus heutiger Sicht erscheinen die Anwendungsgebiete als geradezu haarsträubend, weil die Verwendung auf Grund seiner Toxizität und Krebsgefahr weltweit stark beschränkt ist (Kreosot besteht aus Guajacol und Kresolen; Kresole führen ab 3 Gramm zu Vergiftungserscheinungen und ab 10 Gramm zu tödlichen Schock).

  Einläufe mit sogenannten Irrigatoren [1P] zählten bereits seit dem Altertum zu den universellen Behandlungsformen; hierbei wurden zum Beispiel 0,5 prozentige Lösungen auf Tannin- oder Kreosotbasis eingesetzt, die auf Grund ihrer antibakteriellen und antiseptischen Eigenschaften durchaus sinnvoll waren - viele Pflanzen und auch einige Lebensmittel (zum Beispiel Tee und Rotwein) sind reich an natürlichen Tannin. Einfache Kochsalzlösungen oder Lösungen auf der Basis von Iodoform (auch Jodoform, Triiodmethan oder Formyltriiodid genannt) beziehungsweise Jodoformglyzerin wurden im 19. Jahrhundert eingesetzt.

Die Wechsel- und Nebenwirkungen mit und ohne andere Medikamente können bei den vorgestellt genannten Medikamenten bzw. Substanzen zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, oder sogar zum Tod führen. Die umdht übernimmt keine Haftung für entstehende Schäden und verweist in diesem Zusammenhang auf ihr Impressum – HIER KLICKEN. Es wird keine Gewähr für eine Richtigkeit bei den Dosierungshinweisen, Substanzhinweisen, Medikamentenhinweisen und Zeitzyklen übernommen. Im übrigen können aufgeführte Hinweise durch aktuellere Forschungsergebnisse überholt sein. Wir empfehlen dringend zu den aufgeführten Arzneistoffen und Substanzen die Gegenanzeigen zu lesen, diese finden Sie auf unseren Ergänzungsseiten.

 

  Die Ruhr im Mittelalter und in der Antike

  Der Ruhr wurde in der Geschichtsschreibung nur wenig Beachtung beigemessen. Neu ausgewertete Zeitberichte von einigen namhaften Persönlichkeiten stellen allerdings eine Vielzahl von Krankheiten in ein neues Licht. Die Pest, oder auch die spanische Grippe, waren zu fast allen Zeiten durch Massensterben sowie Massengräber “auffälliger” als eine Vielzahl von anderen Krankheiten. Als grundsätzliche Problematik kann die Vermischung von Krankheiten angeführt werden, die eine Auswertung zeitgenössischer Aufzeichnungen und Berichte erschweren. Exhumierte Gräber weisen neben den bekannten Seuchen häufig auch Hinweise auf Mangelerscheinungen, parasitären Befall, sowie diverse Krankheiten auf.

  In der Kriegsgeschichte der Hansezeit fiel eine breitflächige Schwächung der Seestreitkräfte auf besondere weise auf (Im Jahre 1564 waren beispielsweise die hansischen Seestreitkräfte krankheitsbedingt so stark geschwächt, daß sie Angriffe nicht mehr abwehren konnten - es kann zu damaliger Zeit bei den Kranken von einer Überlebensrate von nur etwa 3 - 10 % ausgegangen werden). Die krankheitsbedingten Verlustraten der damaligen Zeit waren auf beiden Seiten so stark, daß sowohl die hansische- als auch die gegnerische Flotte nicht auslaufen konnten.

 

  Wichtige Anmerkung zur Ruhr

Der obige Artikel bezieht sich zum größten Teil auf die Ruhr im Mittelalter. Ähnlich wie bei der Pest sind neuere Erkenntnisse über möglicherweise mutierte Erregerstämme und veränderte Verbreitungsmöglichkeiten nicht auszuschließen.

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Der König - Holzstich von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1538.  Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Bild.Das Jüngste Gericht - Holzstich von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1538.  Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Bild.Die Äbtissin - Holzstich von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1538.  Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Bild.Der Schiffer - Holzstich von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1538.  Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Bild.

↑ Hans Holbein der Jüngere griff in seiner Interpretation des Totentanz die Ängste der Menschen über alle Stände hinweg auf und schuf ein Werk, das auch als der “Große Totentanz” bezeichnet wird. 40 unterschiedliche Holzstiche, die bei einigen “Themenblättern” personalisierte Gesichtszüge aufweisen, waren eine geradezu unerhörte Neuheit der damaligen Zeit.

 

Der große Totentanz in 40 Holzstichen - auf unserer Sonderseite ,,Der Totentanz von Hans Holbein dem Jüngeren”HIER KLICKEN

 

 

 Die Pest und die Hanse

  Vorwort zur Pest

  Die Pest ist die bekannteste Krankheit des Mittelalters und wurde anfänglich in die Hexenverfolgung als Zauberei mit einbezogen. Prominente Opfer bei der Verfolgung waren nicht nur Bevölkerungsschichten, die als die üblichen bekannten Hexen verfolgt wurden, sondern auch jüdische Gemeinden in ganz Europa. Die ,,Große Pestilenz”, so wurde die Pest bis in das 16. Jahrhundert genannt, breitete sich nach einschlägigen Meinungen aus dem asiatischen Raum auf dem Schiffsweg in Teilbereiche Südeuropas aus. - Hierzu mehr im Abschnitt ,,Das Ausbreitungsschema der Pest ” -  HIER KLICKEN.

  Unter Historikern und Ärzten gilt es als erwiesen, daß der Handel die Ausbreitung förderte, wenn nicht sogar ermöglichte. Insbesondere der schon länger und intensiver betriebene Handel in Südeuropa führte über Venedig den Erreger in das nördliche Europa ein. Die Kriege in Nordeuropa bereiteten für die “Große Pestilenz” einen weiteren “Nährboden”, der die Ausbreitung förderte. Schon im Altertum war die Pest im Römischen Reich und im antiken Griechenland keine Unbekannte. Der Römische Kaiser Mark Aurel war nur eines von vielen prominentes Opfer, das 180 nach Christi an der Pest verstarb.

  Die Wissenschaftler und Ärzte des Mittelalters bewegten sich auf einem schmalen Rechtsgrad. Einerseits waren die Universitäten zu einem Grossteil hervorragend ausgestattet und wurden durch die Herrscher großzügig mit finanziellen Mitteln ausgestattet, andererseits wachte die Kirche auf akribische Weise auf die Einhaltung der kirchlichen Doktrinen. Medizinische Untersuchungen am offenen menschlichen Körper waren strikt verboten und wurden anfänglich nur im verborgenen durchgeführt. Pastillen aus Kräutern und Rosenblättern, die den Pestopfern vielfach dargereicht wurden, erregten die Aufmerksamkeit der kirchlichen Inquisitoren. - Hierzu mehr im Abschnitt “Die Pest und der Hexenhammer” - HIER KLICKEN.

 

  Alexandre Èmile Jean Yersin - Der Mann, der den Pesterreger entdeckte

  Sowohl der Auslöser der Pest, als auch der Übertragungsweg des Erregers waren bis zum Jahre 1893 unbekannt. Alexandre Émile Jean Yersin [1P] gelang im Juni des Jahres 1894 mit der Isolierung des Pesterregers eine spektakuläre Entdeckung, die eine Grundlage für zukünftige Forschungsergebnisse liefern sollte. Im Auftrag des Institut Louis Pasteur [1] [2] und des französischen Staates war Yersin nach Hongkong gereist um die über die Mongolei ausgebreitete Beulenpest zu erforschen. Eine mangelhafte Ausstattung, sowie Behinderungen seitens der englischen Kolonialbehörden, erschwerten die Forschung in erheblichen Umfang. Das Fehlen eines Brutschrankes bescherte Yersin allerdings einen unbewussten Vorteil. Die in der als Forschungslabor genutzten Bambushütte vorherrschenden natürlichen klimatischen Bedingungen waren für eine künstliche Anzucht des Pesterregers ideal (Eine Temperatur von 24 bis 27° C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 bis 85 %, die unter der menschlichen Körpertemperatur liegt, begünstigt eine besonders schnelle Entwicklung der Pestkulturen).

Alexandre Émile Jean Yersin, schweizerisch-französischer Arzt und Bakteriologe - Entdecker der nach ihm benannten Erreger-Gattung Yersinia.  -   Für eine größere Bilddarstellung klicken Sie bitte auf das Photo.   Kitasato Shibasaburo - japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des Wundstarrkrampferregers.     -  Für eine größere Bilddarstellung klichen Sie bitte auf das Photo.

↑ (links) Alexandre Émile Jean Yersin, schweizerisch-französischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker der nach ihm benannten Erreger-Gattung Yersinia.

↑ (rechts) Shibasaburo Kitasato, japanischer Arzt und Bakteriologe, Entdecker des Wundstarrkrampferregers und Konkurrent von Yersin.

 

  Parallel war eine japanische Forschergruppe unter der Führung von Shibasaburo Kitasato damit beschäftigt, den Erreger zu identifizieren. Kitasatos überlegenere technische Ausstattung, als auch seine hervorragenden Beziehungen zu bedeutenden Wissenschaftlern, versetzten den Bakteriologen in eine Vorteilsposition, die er allerdings nicht auszunutzen wusste. Anfänglich schien es, daß Kitasato den lange gesuchten Pesterreger in einer Bakterienkultur isoliert hätte, ein hierzu voreilig veröffentlichtes Ergebnis stellte sich allerdings später als falsch heraus. Kitasatos Versuchsträger waren nach jetzigen Erkenntnisse höchstwahrscheinlich mit Pneumokokken kontaminiert gewesen.

  Yersin wies in der Folgezeit durch Testverfahen an unterschiedlichen Rattenpopulationen einen Bezug von massiven Rattensterben und dem Pesterreger nach. Die Übertragung durch Flöhe wurde allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt.

  Noch im Jahre 1895 versuchte Yersin ein funktionierendes Serum zu entwickeln und teste die Wirkung im Jahre 1897 beim Ausbruch der Pest in Bombay. Ein Erfolg sollte sich allerdings nicht einstellen. Aus dem jetzigen Kenntnisstand betrachtet, fehlte Yersin die wichtige Information der Verbreitungskette des Pesterregers. Waldemar Mordecai Haffkine führte im Jahre 1897 einen stabilen Impfstoff gegen die Pest ein, den er in den Jahren 1893 bis 1895 in einzelnen Feldversuchen zusammen mit dem Choleraimpfstoff entwickelt hatte.

Mikroskopische Darstellung von Yersinia pestis  in fluoreszierter Form.     Yersinia pestis

 ↑ Der Pesterreger Yersinia pestis in unterschiedlicher Darstellungsform

 

Wer war Alexandre Yersin? - Erfahren Sie mehr auf unserer Sonderseite ,,Alexandre Yersin - Der Mann, der den Pesterreger entdeckte”  -  HIER KLICKEN

 

  Gegen die anfängliche Annahme, daß der “Schwarze Tod” ausschließlich durch den oben genannten Erreger hervorgerufen wurde, sprechen neueren Erkenntnissen in der Geschichtsforschung. Unbestritten ist allerdings die Tatsache, daß das Bakterium Yersinia pestis in großen Teilen der damals bekannten Welt eine tragende Rolle spielte. Einige Wissenschaftler diskutieren zwischenzeitig die Theorie einer Mutation des Erregers und einer möglichen Verbindung mit anderen Erregern. Diese Mutationsformen sollen sich aber örtlich begrenzt und möglicherweise in ihrer Art variiert haben. Zweifelsfrei konnten in menschlichen Zahnmarkproben des 8. und 14. Jahrhunderts DNA [1P] des Yersinia pestis Bakteriums nachgewiesen werden. Bei der Exhumierung von englischen Massengräbern, die aus anderen Jahrhunderten stammen, konnten in London weitere DNA-Bruchstücke nachgewiesen werden.

  Ein entscheidender Schlüssel für die Ausbreitung der Krankheit in der damals bekannten Welt fand sich in der Vielzahl von Wirten und Übertragungsmöglichkeiten, die den Erreger transportierten:

  • Der indische Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) transportierte in einer späteren Zeit, über Nordafrika kommend, den Erreger nach Europa. Im Gegensatz zu seinem europäischen Ableger (Nosopsyllus fasciatus) befiehl er Menschen häufiger.
  • Der Menschenfloh (Pulex irritans) bietet eine weitere Verbreitungsform, indem er von infizierten - auf gesunde Personen springen kann. Eine besondere Eigenart besteht in der Nahrungsaufnahme: Pulex irritans sticht mit seinem Saugrüssel in vorwiegend feucht-warme Körperregionen und saugt nicht selten eine geringere Menge Blut, diesen Vorgang wiederholt er, wobei er einen Teil seiner vorangegangenen Mahlzeit erbricht und sozusagen in die neue Einstichstelle injiziert - hierbei können Krankheitserreger ausgeschüttet werden; der Menschenfloh ist ein Vektor von diversen Krankheitserregern.
  • Die Kleiderlaus (Pediculus humanis coporis) konnte den Pesterreger ca. 14 Tage lang transportieren und schied konstant den Erreger in Sekretform aus. Hiermit verbunden muß angemerkt werden, daß die Menschen ihre Kleider fast nie wuschen und das Waschen an sich als krank machend galt!
  • Übertragungen von Mensch zu Mensch durch infizierte Kleider und Waren wird auch als ein entscheidender Faktor angesehen.
  • Mangelnde Hygiene, das Fehlen von Kanalisationen und die freie Haltung von Tieren waren weitere Gründe. Üblicherweise wurden städtische Straßen durch Fäkalien und Unrat verunreinigt, die von den Stadtbewohnern gleichzeitig als Auslauffläche für das Vieh genutzt wurden. In späteren Jahrhunderten sprachen die städtischen Räte vielerorts entsprechende Verbote aus. Die Gründe für ein striktes Verbot der Verschmutzung öffentlicher Straßen und Wege war allerdings anfänglich nicht auf die Sorge um die Gesundheit zurückzuführen, sondern vielmehr wegen des strengen Geruches der Städte. Bereits 1477 verbannte der Rat der Hansestadt Lübeck das Kerzenmachergewerbe vor die städtischen Tore.
  • Verseuchte Nahrung mit Pesterregern und anderen Erregern spielten bei der Übertragung eine weitere nicht zu unterschätzende Rolle (nachweislich sind Exkremente von infizierten Ratten und Flöhen ansteckend).
  • Andere immunschwächende Krankheiten wie Cholera, Fleckfieber, Pocken und Typhus bildeten vereinzelte “Grundfundamente”, für den Pesterreger, der die geschwächte Bevölkerung leichter mit einem tödlichen Ausgang befallen konnte. Neuere Diskussionen gehen der Frage nach, ob die Pest mit anderen Bakterien und Vieren mutierte, oder sogar zu einer genetischen Veränderung bei Teilen der Bevölkerung führte. Es ist anzunehmen, daß Infizierte, die die Pest überlebten, Erbgutteile der Pestbakterien im Körper speicherten. Einen entsprechenden Rückschluss auf diese Theorie  liefert eine bei ca. 10 Prozent der europäischen Bevölkerung nachgewiesene genetischen Mutation mit dem Namen “CCR5Δ32” (auch bezeichnet als CCR5Delta32, CCR5-Delta32, oder CCR5Gen EB- Puffer).

  Die erfolgreiche Verbreitung des Pesterregers innerhalb von Europa wurde zu einem großem Teil durch eine Verkettung der vorgenannten Punkte ermöglicht, wobei der Mensch in einigen Fällen die Verbreitung bewusst förderte. So katapultierte ein Belagerungsheer der Tataren im Jahre 1347 ihre Pesttoten in die  Schwarzmeerstadt Caffa (Feodossija) und sorgte somit gezielt für den Ausbruch dieser Krankheit. Die Auswirkungen dieser Handlungsweise waren verheerend, Flüchtlinge, die auf dem Seeweg aus Caffa entkamen, verbreiteten das Bakterium in Südeuropa. - Nach Vermutungen einiger Wissenschaftler starben in den darauf folgenden 5 Jahren über 20 Millionen Menschen an der Pest.

 

 Die Pest im Zusammenhang mit Darminfektionen und Missernten

  Wie bereits im Vorweg beschrieben, bereiteten einigen Krankheiten der Pest einen “bequemen” Weg zu einer großflächigen Ausweitung, die abschnittsweise in eine Pandemie endete. Mindestens 19 Missernten zwischen den Jahren 1290 und 1348 ließen den Weizenpreis im englischen Norfolk sprunghaft ansteigen, was zu einer allgemeinen Unterernährung der englischen Bevölkerung führte. Auf dem Nordeuropäischen Festland zeichnete sich in den Jahren 1302 bis 1348 eine vergleichbare Katastrophe ab; die südeuropäische Bevölkerung hungerte in den Jahren 1346 und 1347.

  Hungerkatastrophen begünstigten auf besondere Weise allerdings auch Krankheiten wie den Mutterkornbrand [1] [2] (auch bekannt als St. Antoniusfeuer, Ergotismus gangraenosus, oder Heiliges Feuer), welches anfänglich als eine ansteckende Erkrankung angesehen wurde. Erst im 17. Jahrhundert wurde als Grund der Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) erkannt.  -  Hierzu mehr im Abschnitt “Mutterkorn, die Lebensmittelverseuchung des Mittelalters” - HIER KLICKEN.

  Hungerperioden innerhalb der Bevölkerung zogen vielerorts Darminfektionen in den ärmeren Bevölkerungsschichten nach sich, die ihren Weg auch in die Patrizierhäuser [1] fanden. Die durch Darminfektionen hervorgerufene Sterberaten, sind in einigen städtischen Chroniken und Privataufzeichnungen erhalten geblieben, werden allerdings häufig völlig verkannt. Als förderlich für die Ausbreitung des Pesterregers wirkte sich auch die Tatsache aus, daß die Bevölkerung vielerorts Ratten zu Nahrung verarbeitete, die den Rattenflöhen als Wirte dienten (Rattenflöhe dienen dem Pesterreger Yersina pestis als Vektor [1] [2]). Allerdings ist dieses nur eine Möglichkeit der Verbreitung der Pest gewesen.

  Der Handel unter den Völkern ist als der Schlüssel für die Ausbreitung der Pest im Mittelalter zu betrachten. Es gilt als bewiesen, dass die Pest in Norwegen und Schweden durch eine hansische Kogge in das skandinavische Bergen eingeschleppt wurde.

Segnung von Seuchenkranken um 1360 / 1375      Darstellung der Beulenpest in der Toggenburgbibel um 1411

 In den mittelalterslichen Klosterskriptorien fanden auch wichtige Ereignisse wie Seuchen ihren Weg in bekannte Werke.

Bei beiden Werken ist es wahrscheinlich, dass nicht Pest-, sondern Pockenkranke dargestellt sind.

↑ (links) Illustration in einem Buch: Segnung von Seuchenkranken um 1360 / 1375

↑ (rechts) Illustration aus der “Toggenburg Bibel*” von 1411: Behandlung von Kranken.

*Die “Toggenburg Bibel” war eine Abschrift der Weltchronik des Rudolf von Ems (um 1230 / 1250).

 

  Die isländische Lögmannsannáll berichtet von einer aus England nach Bergen gesegelten Kogge, die die Beulen- und Lungenpest einschleppte. Historiker vermuten als Ladung lynner Korn, das zwei hansische Kaufleute nach Norwegen lieferten. Dem Handel lag ein königliches Privileg vom 08.05. 1349 zugrunde, nach dem explizit zwei Kaufleute die Verschiffung von 1.000 Quarter (ca. 12.700 Kg.) Korn nach Norwegen gestattet wurden.

  Für die Ausbreitung durch den Handel spricht auch die Tatsache, dass erst 1350 die Pest im schwedischen Hinterland urkundlich erwähnt wurde. Der Grund ist in dem wesentlich geringeren Warenaustausch zu sehen, insbesondere von Korn.

  Als ein zusätzlicher Aspekt sei die nicht unübliche Spekulation mit Grundnahrungsmitteln genannt. So wurde Korn bewusst in Speichern gelagert, bis eine gewünschte Verknappung der Ware gewährleistet war. Handelsblockaden während der Kriege forcierten diese Methodik. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unsere Seite „Seekriege der Hanse“ – HIER KLICKEN.

  Durch die längere Lagerung verdarben die Rohstoffe verständlicherweise schneller und führten nicht selten zu einer allgemeinen Schwächung der Gesundheit. In diesem Zusammenhang muß man sich vor Augen führen, dass die Versorgung mit vitaminreichem Obst eine Nahrungsergänzung war, die auf einen saisonalen Zeitraum begrenzt war.

  Die Bakteriengattung der Yersinien untergliedert sich in zwei Krankheitsbilder:

  Die enge Verwandtschaft bereitete der Pest somit nicht selten ein bequemes Grundfundament.

  Ähnlich wie bei dem Bakterium Yersinia enterocolitica diente bei der Pest auch das Vieh als tierisches Reservoire. Auch heute noch ist dieses ein nicht bewältigtes Problem.

  Die Krankheitsverläufe fielen bei Yersinia enterocolitica in einer breit gefächerten Facette aus. Säuglinge und Kleinkinder wurden 1-2 Wochen auf andauernde Weise durch Gastroenteritis geplagt (Fieber, Erbrechen und blutiger Durchfall. – In diesem Fall maximiert sich die Gefahr für den menschlichen Organismus durch einen konstanten Mineralstoff- und Wasserverlust.).

  Bei Kindern und Jugendlichen bereitet das Yersinia enterocolitica Bakterium einer Vielzahl weiterer Krankheitserreger den Weg. Eine Entzündung des Gekröses einschließlich des Darms mit auftretenden Polypen führt in häufigen Fällen zu einer Blinddarmentzündung. Eine Ausweitung zu einer Bauchfellentzündung ist nicht unüblich. Zusätzlich erfolgt eine Entzündung der Lymphknoten (Lymphadenitis). Begleitet wurde die Krankheit sehr häufig durch Fieber und heilt in heutiger Zeit sehr häufig nach etwa 2 Wochen aus.

  Weiterhin ist eine Schädigung von Gelenken durch Nicht-infektionsbedingte Arthritiden zu beobachten. Hierbei greift das Autoimmunsystem körpereigene Substanzen an, die fälschlicherweise als „fremd“ eingestufte wurden. Als Folge entstehen Schwellung und Wucherungen an der Schleimhautschicht von Gelenkknorpeln, die zu einer Schädigung Desselbigen führen kann.

  Eine weitere Komplikation kann das Auftreten der Morbus Reiter, bzw. Reiter-Krankheit sein, welche ebenfalls zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen zählt. Die Symptome der Krankheit ähneln den o. beschriebenen Arthritiden, die Krankheit weist allerdings ein breiteres Schädigungsspektrum auf als die Arthritiden. Etwa 15% der Patienten erfahren in ihrem Krankheitsbild einen chronischen Verlauf, der zu einer endgültigen Gelenkzerstörung führt. Die Morbus Reiter, bzw. Reiter-Krankheit ist eine Krankheit, die eventuelle Geschlechtspartner anstecken kann. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unseren Artikel über die Syphilis – HIER KLICKEN.

  Wie zuvor bereits erwähnt stand die Viehzucht auch in einem engen Zusammenhang zur Ausbreitung der Bakteriengattung Yersinien. Vor allem die in den Straßen frei laufenden Schweine waren tierische Reservoire für das Bakterium Yersinia enterocolitica. Das Fatale an dem Erreger war, dass die Schweine zu einem Großteil eine Resistenz entwickelten und eine Infektion nicht immer erkennbar war. War ein Schwein mit diesem Erreger infiziert, so stellte es einen lebenslangen Reservoirträger dar.

  Für alle vorgenannten Krankheiten gilt entsprechend dem § 7 des Infektionsschutzgesetzes eine namentliche Meldepflicht. Gleichfalls verweisen wir in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf unseren Gesundheitshinweis – HIER KLICKEN.

 

 Erscheinungsformen der Pest / “Pestarten”

  Es werden vier Pestformen unterschieden (zuzüglich “Künstliche Pestform”):

  • Beulenpest (auch Bubonenpest genannt. – Bubo, aus dem lat. für „Beule“)
  • Lungenpest, wie folgt unterteilt:
    • Sekundäre Lungenpest (Erregerverbreitung durch Pestseptis)
    • Primäre Lungenpest (Tröpfcheninfektion)
  • Pestseptis (“Vergiftung” des Blutkreislaufes durch Yersina pestis)
  • Abortive Pest (Schwache Pestform mit Bildung von Antikörpern)

 

 Die Beulenpest

 Begriffsdefinition und Einführung in die Beulenpest

  Die wohl bekannteste Pestform ist die Beulenpest, die schon äußerlich durch bis zu 10 Zentimeter große Beulen erkennbar ist. Im Mittelalter verstarben etwa 95 % der infizierten Personen meist innerhalb von 5 bis 7 Tagen (Einzelne Historiker zweifeln allerdings eine Zeitspanne von maximal 7 Tagen an und halten 12 Tage für wahrscheinlicher), heute wären bei unbehandelter Patienten Opferzahlen von ca. 75 % wahrscheinlich.

  Die umdht schließt sich dieser Meinung nur bedingt an und verweist auf die nachfolgenden Punkte:

  • Eine Genmutation des Rezeptorproteins CCR5 wurde bei ca. 10 % der Bevölkerung Europas nachgewiesen. Die Mutation mit der Bezeichnung CCR5Δ32 wurde in der Vergangenheit sehr häufig als Blockade von Yersinia pestis in Verbindung gebracht. Neuere Forschungsergebnisse zeigten, dass eine gegenteilige Funktion auftrat, zusätzlich fanden sich in älteren Knochenfrakmenten Spuren von CCR5Δ32, ein Alter von über 750 Jahren ist somit nicht auszuschließen (Medical Genetics, 42, 2005).
  • Sitten und Gebräuche führten weltweit zu unterschiedlichen Kenntnisständen in der menschlichen Anatomie und insbesondere auch auf dem Gebiet der Hygiene. Während die Kunst der arabischen Ärzte auch in der christlichen Welt bekannt für ihre Qualitäten war, wurden Patienten in Europa vielerorts noch zur Ader gelassen. Die ärztliche Kunst hatte auf diesem Sektor seit dem Römischen Reich eine Rückentwicklung erfahren. - Der römische Arzt Marcus Terentius Varro erkannte als einer der ersten Mediziner seiner Zeit einen möglichen Zusammenhang von Infektionen mit mangelhaft gesäuberten Operationsbestecken. Diese Erkenntnis war fast europaweit verloren gegangen. Einzelne Ärzte versuchten sich mit Wachsmänteln, Gesichtsmasken in „Vogelkopfform“ (in den Schnabel wurden duftende Ingredienzien eingebracht), Hüte bzw. Hauben, Lederhandschuhe und einem Stock (als Abstandshalter zum Pestpatienten) zu schützen. Das wohl bekannteste Beispiel bietet hierfür der Kupferstich des Paulus Fürst aus dem Jahre 1656 (nach J. Columbina), auf welchem der „Doctor Schnabel von Rom“ dargestellt ist. Erst Ignaz Semmelweis bewies in den 40er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts als Assistenzarzt in einer Wiener Klinik einen Zusammenhang zwischen dem Kindbettfieber und der Desinfektion der Hände.
  • Der Pestfloh (Xenopsylla cheopsis) dient dem Yersinia pestis Bakterium als Überträger der Beulenpest und diktiert auch gleichzeitig die Übertragungsgeschwindigkeit. Die Reproduktion der Pestflöhe nimmt bei der Verbreitung der Beulenpest eine Schlüsselstellung ein, die sich in den saisonalen Populationsgrößen ausdrückt. Für die Entwicklung des Flohes vom Ei bis zum erwachsenen Tier sind drei Faktoren massgebend:
    • Die Temperatur ist der Hauptregulator für den Entwicklungszyklus der Pestflohpopulation. Die fruchtbarste Temperatur bewegt sich zwischen 24 und 27°C, wobei sich die Entwicklung auch unten optimalsten Bedingungen in einem Zeitzyklus von 25 bis 30 Tagen bewegt. Bei ungünstigeren Temperaturen kann sich die Entwicklung einer Flohpopulation auf bis zu 70 Tage hinauszögern. Ab einer Lufttemperatur von unter 12°C verfällt der Floh in eine Kältestarre, wodurch die Eierproduktion stoppt. Die größte Flohpopulation tritt ausnahmslos im September auf. Temperaturen unter 3°C, sowie Temperaturen über 35°C wirken auf Floheier tödlich. Die verpuppten Larven sind sowohl gegenüber der Temperatur, als auch gegenüber der Luftfeuchtigkeit wesentlich unempfindlicher. Temperaturen über 35°C, sowie 1 Tag bei - 1°C, 5 Tage bei 3°C, oder 20 Tage bei 8°C wirken allerdings auf die Puppen des Flohes tödlich.
    • Die relative Luftfeuchtigkeit ist ein weiterer entscheidender Faktor, der über die Entwicklung eines Floheies entscheidet. Als eine günstiger Luftfeuchtigkeitsgehalt gelten 50 bis 92 % bei einer Temperatur von 16 bis 27°C. Höhere Temperaturen erfordern einen Luftfeuchtigkeitswert, der über 75 % liegt um eine Austrocknung der Eier vorzubeugen. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 bis 85 % sind für die Entwicklung der Larven erforderlich, ein Luftfeuchtigkeitsgehalt unter 45 % führt zu einer Austrocknung der Larven.
    • Die Nahrungsaufnahme des Pestflohs (Xenopsylla cheopsis) und seines europäischen Verwandten Nosopsyllus fasciatus, sind ein weiterer wichtiger Faktor. Abhängig von der Qualität der Blutmahlzeit beginnt 8 bis 24 Stunden später die Paarung der Flöhe (Kortikosteroide und Östrogene beeinflussen diesen Zyklus). Nach weiteren 16 bis 24 Stunden beginnt die Eiablage. Die durchschnittliche Eiproduktion kann bis zu 100 Tage andauern und beträgt die ersten 50 Tage durchschnittlich 27 Eier, wobei die ersten Tage eine Eiproduktion von 40 bis 50 Eier pro Tag nicht selten ist. Ein einzelner weiblicher Floh kann bis zu 2000 Eier während eines Lebens legen.
  • Mangelhafte sanitäre Anlagen, oder nicht vorhandene Sanitäranlagen, sowie eine hohe Bevölkerungsdichte, führen mit einer hohen Anzahl an Nagetieren zu einem idealen Nährboden für die Flöhe. Bekannterweise wurden Fäkalien und Abfälle von den Bewohnern der mittelalterlichen Städte einfach auf die zum teil nichtbefestigten Straßen gekippt. Das Resultat waren übelriechende Straßen und Wege. Die Bürger der Städte betraten die Straßen der damaligen Zeit häufig nur mit Trippen (hölzerne Unterschuhe). Der Nürnberger Rat erkannte bereits im 14. Jahrhundert die große Gefahr der Trinkwasserverunreinigung und erliess in der städtischen Satzung eine polizeiliche Anordnung, welche die Reinhaltung der Brunnen am Milchmarkt sicherstellen sollte. So wurde das Waschen von Hände, oder der Kleidung im Brunnen mit 2 Schilling Heller Strafe belegt, die jeder pfänden durfte, welcher der Tat angesichtig wurde, die er dem städtischen Pfänder gegen 4 Heller Pfand aushändigen sollte.

  Wir vertreten die Meinung, dass der Pesterreger auf unterschiedliche Weise über die Jahrhunderte in Europa wütete. Ein Hinweis auf diese These könnte unter anderem das Rezeptorprotein CCR5Δ32 liefern. Die blockierende Wirkungsweise von CCR5delta32 kann die Andockung von Yersinia pestis zwar nicht verhindern aber möglicherweise um einige Stunden hinauszögern. - Hierzu teilen sich allerdings die Meinungen. Der HIV-Virus weist zum Bakterium Yersinia pestis Parallelen auf, die in einzelnen Eckpunkten auf den Pesterreger übertragbar sein könnten. Die Andockung des HIV-Virus wird durch die Mutation des Rezeptorproteins verhindert. Eine Aufschlüsselung der mit der CCR5delta32 Mutation ausgestatteten Bevölkerungsgruppen in Homozygote Träger (1 % der weißen Bevölkerung) und Heterozygote Träger (ca. 10 % der weißen Bevölkerung), offenbaren weitere wichtige Unterschiede in der Wirkungsweise der Mutation. Wo Homozygote Träger (genetischer Begriff für Reinerbigkeit - z. B. Blutgruppe “AA”) fast völlig geschützt gegen den HIV-Virus sind, weist die Immunität von Heterozygote Träger (genetischer Begriff für Mischerbigkeit - z. B. gemischte Blutgruppe) gegen den HIV-Virus Lücken auf. Human Leukocyte Antigen (HLA) sind zu der vorgenannten Reaktion eine weitere Möglichkeit, die allerdings durch die Verschiedenartigkeit der Antigenvarianten eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. HLA B27/B57 zeigt bei HIV-Infektionen einen verzögerten Krankheitsverlauf.

  Indirekt entscheidend wirken sich saisonale und umweltbedingte Einflüsse auf die Verbreitung des Pesterregers Yersinia pestis aus. Zeitgenössische Dokumente und Aufzeichnungen verweisen wiederholt auf besonders große Opferzahlen in den August- und insbesondere Septemberwochen. Die Floharten Xenopsylla cheopsis und Nosopsyllus fasciatus nahmen bei der Verbreitung des Pesterregers eine besondere Schlüsselstellung ein, die vor allem in der Entwicklung der neuen Flohpopulation begründet ist. Wie bereits erwähnt, entwickeln sich Flöhe am schnellsten in einem Temperaturspektrum 24 bis 27° C, bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 bis 85 %. Ein Infektionsrisiko mit dem Bakterium Yersinia pestis durch einen Flohbiss in den Monaten August und September ist somit um ein vielfaches höher. – Im August des Jahres 1519 wurden in St. Gallen mit einer täglichen Opferzahl von durchschnittlich 30 Toten die höchsten Pesttotenzahlen verzeichnet (1519 wurden alleine in St. Gallen 1.700 Pesttote beklagt).

  Im Winter verfallen Xenopsylla cheopsis und Nosopsyllus fasciatus in einem Temperaturabschnitt von 12°C bis 11°C in einen Trägheitszyklus. Bei einem weiteren Temperaturabfall unter 10°C fallen die Flöhe in eine Kältestarre, die zu einer erheblichen Reduktion der Infektionszahlen führt. Der September kann zusätzlich als ein besonders gefährlicher Monat betrachtet werden, weil bei eintreten Kälte- und Nässeperioden zusätzlich eine Verbreitung über die primäre Lungenpest (Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch) erfolgt. Eine kurze Inkubationszeit von ein bis drei Tagen sorgt für eine rasche Ausbreitung der Krankheit, die im Endstadium durch blutigen Husten begleitet wird, der hoch infektiös ist (Y. pestis bleibt auch in getrocknetem Blut und Sekret noch etwa 3 Wochen hoch infektiös).

  Die Gefährlichkeit der Lungenpest drückte sich in neuerer Zeit in den Jahren 1910 bis 1911 mit etwa 60.000 Pestopfern in der Mandschurei (China) aus. Innerhalb von 7 Monaten wurde der Pesterreger hauptsächlich in den Wintermonaten von Sepember – April auf den 2.700 Km langen Handelswegen verbreitet. Als Auslöser der mandschurischen Pest werden zwei Gründe aufgeführt:

  • Infizierte Reisende, die die primäre Lungenpest in Tröpfchenform übertrugen.
  • Mit der Beulenpest infizierte Murmeltiere, die wegen ihrer Pelze gejagt wurden.

Eine einheitliche Zeitspanne von Infektion, Inkubation und Exitus ist somit nicht wahrscheinlich. Die vorgestellten Aspekte bilden eine kleine Auswahl von Anhaltspunkten und können trotz aller Bemühungen in kein einheitliches Raster gepresst werden. Erneut möchten wir auf die nicht zu unterschätzenden Umweltbedingungen verweisen, die auch gleichzeitig Auswirkungen auf die Hexenverfolgungen und Judenverbrennungen des Mittelalters hatten. – Hierzu empfehlen wir unsere Seite „Hexenhammer / Ketzerhammer / Hexenverfolgung / Judenverbrennung“ – HIER KLICKEN.

  Die Beulenpest, oder auch Bubonenpest ist grob umschrieben eine bakterielle Infektionskrankheit, welche in der Regel durch Flohbisse hervorgerufen wird. Dabei hat sich der Pesterreger Yersinia pestis in dem Darm des Flohes festgesetzt und sorgt durch eine „Verklumpung“ für eine Verstopfung des Verdauungssystems. Bei einer erneuten Nahrungsaufnahme wird ein reflexartiger Würgereiz ausgelöst, bei dem der Floh Magen-Darminhalt samt Yersinia pestis in die frische Bisswunde erbricht – das Pestbakterium wird somit in den Blutkreislauf injiziert.

  Der aus dem griechischen stammende Begriff Bubonen bezeichnet Anschwellungen der Leistendrüsen und auch im weitesten Sinne Anschwellungen der Lymphdrüsen in den Achselgruben und an dem Hals. Wie bereits im Vorwege beschrieben, verbreitet sich die Beulenpest im Winter durch die temperaturbedingte Kältestarre der Flöhe wesentlich langsamer, als im Sommer.

  Mit einer Inkubationszeit von 2 Stunden bis 7 Tagen zählt die Beulenpest zu den besonders schnell ausbrechenden Krankheiten. Ein Krankheitsausbruch nach nur 2 Stunden wird allerdings nur in den seltensten Fällen beobachtet, in der Regel treten die ersten sichtbaren Symptome nach 2 Tagen auf.

  Äußere Erscheinungsform der Beulenpest:

  • Unmittelbar nach den Flohbissen setzt eine punktuelle Hautrötung bei den Bissstellen ein, die in eine Pustelbildung übergeht.
  • Die Pusteln entwickeln sich zu kleineren Bläschen, in denen sich Wundsekrete ansammeln.
  • Infizierte Lymphknoten schwellen bis zu hühnereigroßen Beulen (Bubonen) an und verfärben sich durch Einblutzungen in das Gewebe häufig dunkelblau bzw. schwarz.
  • Andere Bubonen bilden in ihrem Inneren Eiter; die Bubonen sind äußerst druckempfindlich und können sowohl äußerlich als auch innerlich auf- bzw. einplatzen.
  • Massive Blutungen einzelner Hautpartien führen zu einer weiteren allgemeinen Schwächung der körperlichen Konstitution.
  • Die Krankheit wird begleitet von Desorientierung, Niedergeschlagenheit und Angstzuständen. Zusätzlich ist ein allgemeiner Schmerzanstieg mit steigendem Fieber und anschließendem Schüttelfrost, sowie Kopf- und Gliederschmerzen die Regel.

  Chronologischer Krankheitsverlauf bei Beulenpest:

  • Übertragung des Pesterregers durch Flohbisse.
  • Bläschen- und Pustelbildung an den Bissstellen mit häufig beginnender Streuung in die Lymphbahn, beginnendes Fieber.
  • Rasch ansteigendes Fieber mit Schüttelfrost entsteht in der Regel wenn eine Streuung von Yersinia pestis eingesetzt hat.
  • Zusätzlich zu hohem Fieber (ca. 38,4 bis 40,5°C) und Schüttelfrost leiden die Patienten an Kopf- und Gliederschmerzen, sowie unbestimmtem Schwindelgefühl. Weiterhin plagen nicht selten starke Angstzustände die Patienten, die das Herz-Kreislaufsystem belasten und auch zu einer Beschleunigung von Puls und Atmung führen.
  • Spätestens ab dem zweiten Tag des Krankheitsausbruches stellt sich zusätzlich zu den oben aufgeführten Symptomen eine zusätzliche Ausweitung des Krankheitsbildes auf das Lymphsystem ein. Infizierte Lymphknoten schwellen an (Hühnereigröße) und verändern sich zu Bubonen. Die inneren Blutungen der Lymphknoten führen nicht selten zu einer Charakteristischen blauen Verfärbung.
  • Die blutig angeschwollenen Lymphknoten bilden vereinzelt zusätzliches Wundsekret, das sich in Eiterherde verwandelt. Eine weitere Entwicklung führt häufig zum absterben einzelner Lymphknoten. Die druckempfindlichen Bubonen können einerseits äußerlich aufplatzen, aber auch im schlimmsten Fall in den Körper einplatzen und so zu einer zusätzlichen Ausstreuung von Yersina pestis führen. Eine chirurgische Eröffnung der Bubonen kann zu mehreren schwerwiegenden Problemen führen:
    • Kontaminierte Körperflüssigkeiten sind hochinfektiös (Yersinia pestis ist auch nach längeren Zeitspannen in eingetrocknetem Blut reaktivierend!)
    • Eine Einplatzung von Bubonen in den Körper führen zu einer weiteren Verseuchung.
  • Eine, wenn noch nicht schon erfolgte, einsetzende bakterielle Streuung (25 bis 50%) sorgt für eine Infektion einzelner Organe, insbesondere die Lunge, Leber, sowie die Nieren sind hiervon betroffen. – Es entsteht eine Pestsepsis. Massive Blutungen einzelner Hautpartien, sowie Organblutungen führen zu einer weiteren allgemeinen Schwächung (In diesem Stadium ist ein Tod nach spätestens 36 Stunden die Regel).
  • Der sich rasch entwickelnde Krankheitsverlauf führt schon sehr frühzeitig zu einer Verringerung der geistigen Wahrnehmung. Viele Patienten gleiten in den Zustand des Dahindämmern und im späteren Stadium in die Bewusstlosigkeit.
  • Während des Krankheitsverlaufes ist ein stetiger Schmerzanstieg zu verzeichnen, der zusätzlich zu einem konstanten Angstanstieg führt. Eine kontinuierlicher Angstanstieg ist eng gekoppelt mit dem Blutdruck.
  • Multi-Organversagen, welches zum Tod führt.

 Heute wird unter ungünstigen Bedingungen eine Sterblichkeitsrate von 50 bis 60% zugrunde gelegt. Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine frühzeitige Diagnostizierung ausschlaggebend für einen hinreichenden Behandlungserfolg. Behandelt wird die Krankheit dem Krankheitsbild und Zustand des Patienten entsprechend mit kombinierten Antibiotikapräparaten in Kombination mit der Verordnung eines Psychopharmakamedikamentes. Ein gleichzeitiges umschlagen von der Beulenpest in eine kombinierte Lungen- Beulenpest sorgt für ein zusätzliches Ansteckungspotenzial für Behandlungspersonal und Mitmenschen (Tröpfcheninfektion und Bluthusten).

 

 Therapieformen (allgemein)

Doktor Schnabel von Rom, Kupferstich von 1656

↑ (oben) Doktor Schnabel von Rom, Kupferstich von 1656

  Zu allen Zeiten versuchten die Menschen gegen die Pest einen wirksamen Schutz zu entwickeln, was nicht selten zu sehr eigentümlichen Verkleidungen führte. Der durch den Kupferstich des „Doctor Schnabel von Rom“ bekannt gewordene Nürnberger Kunsthändler und Kupferstichkünstler Paulus Fürst, dokumentierte durch sein Werk die übliche Schutzausstattung eines damaligen Pestarztes. Zeitgenössische Berichte beschrieben die Ausstattung der Ärzte wie folgt:

„... Also gehen die Doctores medici daher zu Rom, weann sie die an der Pest erkrankte Personen beschen, sie zu curiren und tragen, sich vor dem Gift zu sichern, ein langes Kleid von gewäxtem Tuch. Ihr Angesicht ist verlarvt, für den Augen haben grosse crystalline Brillen, vor den Nasen einen langen Schnabel voll wohlriechender Specerey, in der Hände, welche mit Handschuhe wohl versehen ist, eine lange Ruthe und damit deuten sie, was man thun und gebrauchen soll. …“

  Die auf den ersten Anblick sehr skurrile Schutzausstattung entsprach den damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen und ist auch aus heutiger Position in einigen Punkten durchaus logisch.

„...weann sie die an der Pest erkrankte Personen beschen, sie zu curiren und tragen, sich vor dem Gift zu sichern, ein langes Kleid von gewäxtem Tuch. „...wenn sie[die Ärzte] die an der Pest erkrankten Personen besuchen um sie zu behandeln, tragen sie [die Ärzte] ein langes Kleid aus gewachstem Tuch.[*1] Ihr Angesicht ist verlarvt, für den Augen haben grosse crystalline Brillen, vor den Nasen einen langen Schnabel voll wohlriechender Specerey, in der Hände, welche mit Handschuhe wohl versehen ist, eine lange Ruthe und damit deuten sie, was man thun und gebrauchen soll. …“ Ihr Gesicht ist maskiert [*2], vor den Augen haben sie [die Ärzte] große Brillen aus Kristall [*3], vor der Nase einen langen Schnabel [*4], voll wohlriechender Specereyen [*5], in der Hände, welche mit Handschuhen gut geschützt sind, eine lange Rute [*6] und damit zeigen sie [die Ärzte] auf das, was man tun und gebrauchen soll [*7]. …“

  • [*1] Üblich war ein Mantel aus dünnem einfachem Tuch, der zu Schutzzwecken gewachst war. Bei einem direkten Kontakt mit Pestinfizierten wurde der Mantel oftmals verbrannt. Die offensichtliche Schutzfunktion dieser Kleidungsform führte in späterer Zeit zur Übernahme einer veränderten Form an den ersten Universitäten.
  • [*2] Der Ausdruck „verlavt“ bedeutet situationsabhängig: unkenntlich machen, maskieren, verstellen, vorgeben, verkappt, zeudonymisieren. In diesem Fall ist das Maskieren mit einer Ledermaske gemeint.
  • [*3] Der Ausdruck „Brille“ leitet sich von Bergkristallen (Berylle) ab, die zu einer Linsenform geschliffen wurden und entweder als Einglas (Monokel, Wortschöpfung aus dem griechischen „mono“ [ein] und lateinischen „oculus“ [Auge]), oder als genietete Klemmberille (Brille, die auf die Nase geklemmt wurde) genutzt wurde. Die Ärzte des Mittelalters verwendeten häufig Klemmbrillen, die an den Schnabelmasken fixiert waren.
  • [*4] In historischen Darstellungen ist die Schnabelmaske am weitesten verbreitet und bildet auch heute noch im venezianischen Karneval eine feste Größe. Die eigentümliche Form der Schnabelmaske resultierte aus der Nutzung des Schnabels für Specereyen [*5], hierbei wurden die Ingredienzien in den nach unten gebogenen Schnabel gesteckt. Die Maske war aus Leder oder Holz gefertigt und deckte die Stirn, Wangen und Nase ab. Der Mund und Halsbereich wurde durch eine gesonderte Binde abgedeckt, die aus gewachsten Stoff, bzw. einer Stoff-Lederkombination bestand. Die Augen wurden durch eine Klemmbrille geschützt, die an der Maske fixiert wurde. Die Schnabelmaske ist das markanteste Beispiel für „Pestmasken“; es gab allerdings auch Masken, die weniger spektakulär wirkten, aber in ihrer Funktion gleich waren. Ein bekanntes anderes Beispiel für eine Pestmaske ist die Abgewandelte Nasenform in eine „Schweinenase“, die Ähnlichkeiten mit modernen ABC-Schutzmasken (bei abgeschraubten Filtern) aufweist. In die „Schweinenase“ wurden die Ingredienzien in eine separate „Kammer“ eingefüllt, die mit Lederriemen auf der Maske aufgesetzt wurde.
  • [*5] Specereyen ist der altertümliche Überbegriff für pharmazeutische Kräuter, Duftessenzen und Gewürze (insbesondere der Pfeffer). In diesem Fall ist eine Kombination aus unterschiedlichen Kräutern und Duftessenzen gemeint, die sowohl einen desinfizierenden als auch desorientierenden Charakter haben. Bis in das 18. Jahrhundert gab es Händler, die sich eigens auf den Handel mit Specereyen spezialisiert hatten.
  • [*6] [*7] Die Vorstellungen von der Pest liefen im Mittelalter stark auseinander. Einige Ärzte vertraten die Meinung, dass „die große Pestilenz“ eine Krankheit war, die durch Giftstoffe hervorgerufen war. Mit behandschuhten Händen und einem langen Zeigestock versuchten sich die Ärzte vor der Krankheit zu schützen. Die in alten Schriften beschriebene „Ruthe“ hatte die Funktion eines Zeigestockes und diente auch als Distanzmaß.

 ! Achtung ! Die Wechsel- und Nebenwirkungen mit und ohne andere Medikamente können bei den nachfolgend genannten Medikamenten bzw. Substanzen zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, oder sogar zum Tod führen. Die u~m~d~h~T übernimmt keine Haftung für entstehende Schäden und verweist in diesem Zusammenhang auf sein Impressum – HIER KLICKEN. Es wird keine Gewähr für eine Richtigkeit bei den Dosierungshinweisen, Substanzhinweisen, Medikamentenhinweisen und Zeitzyklen übernommen. Im übrigen können aufgeführte Hinweise durch aktuellere Forschungsergebnisse überholt sein. ! Hinweis !   Wir empfehlen dringend zu den nachfolgenden Arzneistoffen die Gegenanzeigen zu lesen – HIER KLICKEN.

 Medikamentenapplikationen

  • Isolation in einem Unterdruckraum (vorrangig bei Lungenpest).
  • Darreichungsformen bei klinischen Verdachtsfällen, oder bestätigten klinischen Fällen (Zeitlicher Ablauf: Linie eins bis drei 10 Tage):
    • Erwachsene / Schwangere:
      • Erste Linie:   Gentamicin (5 mg/kg i.v. 1 bis 2 x täglich), Intervall 24, bzw. 12 Stunden, oder: Stremptomycin (1 g i.m. 2 x täglich), Intervall 12 Stunden.
      • Zweite Linie: Ciprofloxacin (400 mg i.v. 2 x täglich, anschließend 500 mg per os 2 x täglich), Intervall 12 Stunden, Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration), oder: Ofloxacin (400 mg i.v. 2 x täglich, anschließend 400 mg per os 2 x täglich), Intervall 12 Stunden, oder Levofloxacin ( 500 mg i.v.1 x täglich, anschließend 500 mg per os 1 x täglich), Intervall 24 Stunden.
      • Dritte Linie:  Doxycyclin (100 mg i.v. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, anschließend 100 mg per os 1 x täglich, Intervall 24 Stunden).
    • Kinder:
      • Erste Linie:   Gentamicin (2,5 mg/kg i.v. 3 x täglich, Intervall 8 Stunden), oder: Streptomycin (15 mg/kg i.m. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, allerdings höchstens 2 g).
      • Zweite Linie: Ciprofloxacin (10 – 15 mg/kg i.v. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, anschließend 10 – 15 mg/kg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden). Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration).
      • Dritte Linie:  Doxycyclin (.> 8 Jahre sowie > 45 kg - 100 mg i.v. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, anschließend 100 mg per os 1 x täglich, Intervall 24 Stunden; > 8 Jahre und < 45 kg, oder < 8 Jahre: 2,2 mg/kg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, allerdings höchstens 200 mg/täglich).
  • Darreichungsformen bei prophylaktischer Übertragung (Zeitlicher Ablauf: Linie eins bis zwei 7 Tage):
    • Erwachsene / Schwangere:
      • Erste Linie:   Ciprofloxacin (500 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden), Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration), oder: Ofloxacin (400 mg per os. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden), oder Levofloxacin ( 500 mg per os.1 x täglich, Intervall 24 Stunden).
      • Zweite Linie: Doxycyclin (100 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden).
    • Kinder:
      • Erste Linie:   Ciprofloxacin (10 – 15 mg/kg per os. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden).Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration).
      • Zweite Linie: Doxycyclin (.> 8 Jahre sowie > 45 kg - 100 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden; .> 8 Jahre und < 45 kg, oder < 8 Jahre 2,2 mg/kg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, allerdings höchstens 200 mg/täglich).

     Nachfolgend werden die Kurzformen von unterschiedlichen Medikamentenapplikationen erläutert:

    • i.v.  = Intravenös, auch endovenös  (Arzneimittelzuführung über das Venensystem des Körpers. – Vorteil einer stark verkürzten Reaktionszeit)
    • i.m. = Intramuskuläre Injektion (Darreichung eines Flüssigarzneistoffes in Form einer Spritze).
    • os    = Peroral – lat. oris, Mund (Arzneimittelgabe erfolgt durch den Mund. Absorbierung durch Mundschleimhaut, oder Magenschleimhaut – z. B. Tablettenapplikation).

 Yersinia pestis als Kampfstoff in der modernen Kriegsführung

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 Vorbeugung der Pest

Paracelsus, Arzt, Alchimist und Universalgelehrter Vergleichsweise antiquierte Ansichten der Mediziner und okkulte Tradition der Bevölkerung erschwerten eine nachhaltige Forschungsarbeit. Anfeindungen und auch Morddrohungen gegenüber erfolgreichen Forschern und Medizinern standen auf der Tagesordnung.

Philippus Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, kurz Paracelsus genannt, soll in Ferrara bei der Behandlung von Pestkranken erste tiefgreifende Erfolge erzielt haben. Seine fortschrittlichen Argumentationen gegen die bis dahin dominierende  „Viersäftelehre“ (1. Das Blut, welches in der Leber gebildet wird. 2. Die gelbe Galle, die ebenfalls aus der Leber entstammt und Cholerikern zugeordnet wird. 3. Die schwarze Galle, die in der Milz produziert wird und den Charakter formt. 4. Der Schleim, der im Gehirn produziert wird und das Wesen des Menschen formt. Die Viersäftelehre ist zusätzlich eng mit den Sternzeichen verknüpft.) stellte den visionären Arzt und Alchemisten wiederholt in ein Abseits. Hieraus resultierende Anfeindungen nahmen zum Teil groteske Ausmaße an. Paracelsus zählt zu den bedeutenden Wissenschaftlern seiner Zeit; im Jahre 1534 verfasste Paracelsus die Schrift “Büchlein von der Pest”, 1536 wurde das wohl bedeutendste Werk veröffentlicht, die “Große Wundarzney”, das der große Arzt zeit seines Lebens nie vollendete.

  • Ungezieferbekämpfung / Rattenbekämpfung
  • Eine intensive Rattenbekämpfung stellte sich als maßgeblicher Schlüssel zur Pestbekämpfung heraus. Die in den Wintermonaten der Jahre 1910/11 grassierende mandschurische Pestepedemie resultierte nachweisbar aus Nagetierpopulationen, die mit Y. pestis verseuchten Flöhen befallen waren. Das russische Forschungsinstitut NPO Vector verweist in seiner Veröffentlichung „Session 1“ auf ein verseuchtes Nagerreservoir in den USA, bei dem Y. pestis Lipopolysaccharide nachgewiesen wurde. Die besondere Gefährlichkeit dieser Art offenbart sich unter anderem in den toxischen Zerfallprodukten der Bakterien. – Parallelen zu der mandschurischen Pestepedemie sind nicht unwahrscheinlich.

    In der Vergangenheit beschränkte sich die Rattenbekämpfung fast ausschließlich auf Fangkörbe und Rattengift. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die „Familie“ der Rodentizide, die durch ihre Substanzenvielfalt auch heute noch eine ideales Rattengift darstellt. Eine wiederholte Resistenz einzelner Rattenpopulationen (hauptsächlich gegen Warfarin, ein dem Rodentizid untergeordneter Stoff) erforderte allerdings ein wiederholtes Absetzen über längere Zeit.

    Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) galt lange Zeit als die große Hoffnung in der Insektizidbekämpfung. Während des 2. Weltkrieges setzten die Armeen DDT als Kontakt- und Fraßgift gegen diverse Schädlinge ein. In der US-Armee ging man sogar soweit, dass Dichlordiphenyltrichlorethan in Sprühdosen zu der Grundausstattung der Soldaten gehörte. Das im Pazifikkrieg im großen Stil versprühte DDT, sollte als Malariamückenkiller die US-Truppen schützen. In Pulverform wurde Dichlordiphenyltrichlorethan auch als Entlausungsmittel mit Blasebaken direkt auf die Haut und Kleidung aufgepustet. DDT wurde als Giftstoff gegen Kerbtiere eingesetzt und deckte somit auch Flöhe ab. Heute ist die Produktion und Anwendung von DDT nur in Ausnahmefällen zulässig (z. B. gegen Malariemücken).

    Die Rattenbekämpfung ist auch heut noch ein wichtiges Element in der Pestbekämpfung. Ratten richteten in der Vergangenheit großflächige Fraßschäden an und verunreinigten Waren und Nahrungsmittel zusätzlich durch Kot und eingeschlepptes Ungeziefer; die Lösung für derartige Probleme brachten begaste Silos und Container.

    • Rodentizide als Rattenbekämpfungsmittel:
    • Rodentizide wirken als Gerinnungshemmer und weisen eine stark leberschädigende Wirkung auf. Die bekanntesten Substanzen der „Rodentizidfamilie“:

      • Warfarin (Cumarin-Derivat) Wirkungsweise: Blutungen im Magen-Darm-Trakt und der Harnwege, Hirnblutungen, Gerinnungshemmung bei kleinsten Wunden, Embryonalschädigung, Leberschädigend.
      • Cumarine Wirkungsweise:  In Kleinstdosen hoch Toxisch, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und der Harnwege, Hirnblutungen, Gerinnungshemmung bei kleinsten Wunden(Strukturelle Anlehnung an Vitamin K, das die Ausschüttung von Gerinnungsstoffen auslöst.), Embryonalschädigung, Leberschädigend.
      • Bromadiolon ist in Kleinstdosen hoch Toxisch (in Rattengift wird es auf Grund der hohen Toxizität in Kleinstmengen verarbeitet [maximal 50 Milligramm pro Kilogramm, dieses entspricht 0,005%]). Bromadiolon kann als aerosoles Gift, orales Gift und Kontaktgift eingesetzt werden, es ist für Säugetiere und Geflügel hochgiftig. Wirkungsweise: Blutungen im Magen-Darm-Trakt und der Harnwege, Hirnblutungen, Gerinnungshemmung bei kleinsten Wunden(Strukturelle Anlehnung an Vitamin K, das die Ausschüttung von Gerinnungsstoffen auslöst.), Embryonalschädigung, Leberschädigend.
      • Difenacoum Wirkungsweise: Blutungen im Magen-Darm-Trakt und der Harnwege, Hirnblutungen, Gerinnungshemmung bei kleinsten Wunden, Embryonalschädigung, Leberschädigend.
      • Chlorphacinon Wirkungsweise: Gerinnungshemmer, in Kleinsten Dosen hoch Toxisch.
      • Phosphinbildner – Phosphide Wirkungsweise: Einsatz als Begasungs- und Fraßgift.
      • Calciumcarbid (eigenständiger Stoff, der nicht zu den Rodentiziden zählt) Wirkungsweise: Calciumcarbid reagiert mit Wasser und bildet Acetylengas sowie Ammoniak, Phosphorwasserstoff und Schwefelwasserstoff.

 

      Neuere Seuchenbekämpfungsmethoden haben sich mittlerweile auf die Genforschung verlagert; ein Beispiel bildet hierzu ein Projekt des russischen Institutes NPO Vektor, das in Kooperation mit der CDC steht:

        Impfinjektionen mit I-2683 (200 LD50) bilden neue Versuchsreihen, die zwar keine Ungeziefer- bzw. Rattenbekämpfung zur Grundlage haben, allerdings auf eine „Immunität“ von der Wirkungsweise des Y. pestis abzielen. NPO Vector kann bei seinen Forschungsarbeiten erste diesbezügliche Erfolge Vorweisen. – Eine spätere Impfung, die eine Veränderung der DNS - Struktur zur Folge haben könnte wäre ein interessantes Ziel.

        Die Zukunft der Schädlingsbekämpfung ist somit auf indirekter Weise auch auf dem Gebiet der Genforschung zu sehen.

         

    • Insektizide als Flohbekämpfungsmittel:
    • Der Einsatz von Insektiziden hat sich in der Vergangenheit vielerorts bewährt und wird millionenfach tagtäglich von Tierbesitzern und Pflanzenzüchtern durchgeführt. Zu den bekanntesten Grundsubstanzen zählen:

        Fipronil ist ein Kontaktgift, das zu der Gruppe der Chitininhibitoren zählt. Es findet vorwiegend Verwendung als Insektizid und Pflanzenschutzmittel. Chitininhibitoren eignen sich hervorragend zur Bekämpfung von Flöhe, Läuse, Raubmilben, Zecken, Herbstgrasmilben und Raubmilben auf der Basis eines Häutungshemmers. Fipronil ist ein Langzeitgift, das zusätzlich auch bei Pilzbefall eingesetzt werden kann. Die geringe Wasserlöslichkeit von nur 2,4 mg/l bei einer durchschnittlichen Umgebungstemperatur von durchschnittlich etwa 20 °C begünstigen den Einsatz in Pflanzenschutzmitteln und Bioziden.

        Lufenuron zählt wie Fipronil zu den Chitininhibitoren und wirkt als Häutungshemmer. Es findet vorwiegend Verwendung gegen Insektenlarven, insbesondere Flohlarven. Lufenuron wird als Kombinationswirkstoff eingesetzt.

        Selamectin ist eine Substanz, die vorwiegend in Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln Verwendung findet und einen makrozykischen Laktronen Wirkungsmechanismus, sowie eine Avermectine Wirkungsweise aufweist. Der makrozykische Laktronen – Mechanismus erzeugt eine bakteriostatische Wirkung, durch die die Eiweißsynthese blockiert, bzw. abgebrochen wird. Der Avermectine Wirkungskomplex beeinflusst die Membrandurchlässigkeit von Wirbellosen Organismen bei Nerven- und Muskelzellen, was letztendlich zu einer Lähmung, sowie dem anschließenden Tod führt. Speziell bei Flöhen wurde nachgewiesen, dass mit Selamectin kontaminierte Flöhe Selamectin auch in ihrem Kot mit ausscheiden. Die aus den Eiern geschlüpften Flohlaven ernähren sich von dem Flohkot, der zu einem Großteil unverdautes Blut enthält. Die Flohlaven werden unterliegen als Wirbellose Organismen dem zuvor beschriebenen makrozykischen Laktronen Wirkungsmechanismus. Selamectin ist somit als ein Langzeitgift anzusehen und wird auch gerne prophylaktisch eingesetzt.

        Metaflumizon ist ein insektizider Wirkstoff, der wie Selamectin Nerven- und Muskelzellen lähmt und zum Tod von Insekten führt.

      Auf dem Gebiet der Häuslichen Flohbekämpfung haben sich sogenanntes „Foggern“ bewährt, hierbei wird raummittig ein Luftzerstäuber platziert, der Räumlichkeiten systematisch einnebelt. Vorteil ist eine großflächige Erfassung, Nachteil ist ein höherer Säuberungsaufwand.

    • Biologische Insektizid und Flohbekämpfung:
    • Insektizide sind zu einem Großteil als Nervengift oder Häutungshemmer konzipiert. Die Auswirkungen auf Geflügel und Menschen sind zu einem großen Teil toxisch, oder zumindest nicht zu unterschätzen.

      Bei der Flohbekämpfung hat sich bewährt:

      • Waschen von Stoff im Kochwaschgang mit Beigabe von desinfizierenden Waschsubstanzen, bei anschließend min. 24stündiger Tiefkühlung bei min. – 18 °C.
      • Oder zweitägige Tiefkühlung bei – 18 °C.
      • Oder hermetische Abdichtung des Gebäudes und kontrollierte Behandlung mit Heißluft. Hierbei sollte eine Materialkerntemperatur von 52 bis 55 °C erreicht werden. Die Einblastemperatur beträgt 120 bis 180 °C. Bei der gesamten Durchführung ist eine Luftfeuchtigkeit unter 45 % einzuhalten. Es sollte eine Behandlungszeit von 3 bis 20 Stunden angesetzt werden. Dieser Punkt bezieht sich auf die Bekämpfung von Eiern und Puppen der Flöhe.
      • Absaugen von Teppichen und Böden – hierbei sind besonderes intensiv Fußleisten, Ritzen und Spalten abzusaugen. Teppiche und Fußböden sollten anschließend mit desinfizierenden gewischt werden, hierbei sollten Lösungen angewandt werden, die hüllenlose und umhüllte Bakterien abtöten, um Flohkot und eingetrocknetes Blut zu entfernen (der Flohkot besteht zu einem Großteil aus unverdauten Blut, in welchem Yersina pestis über eine längere Zeit überleben kann [auch in getrockneten Blut]). Die Behandlung ist mehrfach über längere Zeitspannen zu wiederholen.

       

  • Impfstoffe (ab 1897)
  • Die Impfung gegen Krankheiten gilt als die Wunderwaffe der modernen Medizin. Erst 1897 führte Waldemar Mordecai Haffkine ein stabiles Impfpräparat gegen die Pest in Indien ein, welches er ab dem Jahre 1895 in einem groß angelegtem Feldversuch entwickelt hatte. Bereits 1893 konnte Haffkine 45.000 Personen erfolgreich gegen Cholera impfen, was mit einem Rückgang der Opferzahl um ca. 70% belohnt wurde.

    Der anfänglich eingesetzte Impfstoff bestand aus Todimpfstoff. Die japanischen Wissenschaftler Prof. Dr. Kitasato, Prof. Dr. Shibayama und Dr. Hada erprobten 1899 in weiteren umfangreichen praktischen Tests Impfstoffe.

    Heute existieren sowohl Todimpfstoffe (in den USA und Kanada zugelassen), als auch Lebendimpfstoff (in Russland zugelassen). Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei den Antibiotika Streptomycin (eingeführt 1943), Chloramphenicol (eingeführt 1947), Tetracycline (1955 patentiert) und Sulfonamide schwer und besonders risikobehaftet. Die Immunität bewegt sich je nach Impfstoff, Situation und Organismus zwischen 3 und maximal sechs Monate.

    Impfstoffe sind allerdings eine Erfindung der Neuzeit und standen zu Zeiten der „Großen Pestilenz“ nicht zur Verfügung. Erste Impfversuche gegen die Kuhpocken in den Jahren um 1802 riefen Proteststürme hervor, die von zeitgenössischen Karikaturen begleitet wurden.

  • Landflucht
  • Die effektivste Form der „Vorbeugung“ umschreibt der alte Merkspruch, der schon in der Antike Anwendung fand:

    „Fleuch pald, fleuch ferr, kum wider spat – das sind drei Krewter in der Not!“

    „Fliehe bald, fliehe fern, komm spät wieder – das sind die drei Kräuter in der Not!“

    Anwendung fand diese Redewendung unter anderem im Jahre 1562 in Nürnberg. Im August 1562 flüchtete der Nürnberger Stadtrat mit seinen Familienangehörigen in das 93 Km süd-westlich gelegene Nördlingen. Die insgesamt 31 Patrizierfamilien verweilten etwa ein halbes Jahr als Gäste des Nördlinger Rates und stifteten der Ratsstube als Abschied ein Bild (als Motiv waren die 31 Familienwappen der Gastfamilien auf einer Holztafel gemahlt).

  • Bauliche Veränderungen
  • Die baulichen Veränderungen der Städte führten zu einem natürlichen Rückgang der Rattenpopulationen, die ursächlich für die Ausbreitung der Beulenpest ist. Wiederholte Feuersbrünste verwüsteten die europäischen Innenstädte. Als Folgen waren nicht nur erschreckend viele Tote, sondern auch große wirtschaftliche Verluste zu beklagen. Viele städtische Räte erließen zu diesem Zweck Verordnungen, dass Neubauten ausschließlich aus Steinen erstellt werden sollten. Als weitere Maßnahme wurden Reetdächer in den Städten verboten und gebrannte Dachziegel verbindlich vorgeschrieben. Bauwerke aus Steinen und Dachziegeln boten sowohl den Wirten der Rattenflöhe, als auch den Floheiern schlechtere Überlebenschance (Gefahr der Austrocknung, durch eine zu geringe relative Luftfeuchtigkeit). Aspekte der Bautechnischen Hygiene überschneiden zusätzlich diesen Punkt (siehe unten).

  • Hygiene
  • Der Oberbegriff „Hygiene“ kann als ein weiterer wichtiger Punkt aufgeführt werden. Hierbei ist im weitesten Sinne in körperlicher Hygiene und der bautechnischer Hygiene zu unterscheiden. Der von dem griechischen Hygiéia abgeleitete Begriff „Hygiene“ bezieht sich auf die hygieiné téchne (gesunde Kunst – im übertragenen Sinn gesunde Baukunst), sowie auf Hygiéia, die griechische Göttin der Gesundheit. Die körperliche Hygiene ist eng mit der bautechnischen Hygiene verbunden. In den mittelalterlichen Städten waren öffentliche Badehäuser und Brunnen von besonderer Bedeutung. Bereits im 14. Jahrhundert hatte der Nürnberger Rat die große Gefahr der Trinkwasserverunreinigung erkannt und eigens aus diesem Anlass eine polizeiliche Anordnung erlassen, die das Waschen von Kleidung oder Händen im Bereich des Brunnens mit zwei Schilling Heller Strafe belegte, die jeder pfändenBehandelt wurde die Pest auch durch den Aderlass. Dieser Bildausschnitt aus dem Jahr 1555 zeigt die Körperteile  bzw. Körperseiten auf, die für den Aderlass geeignet erschienen. durfte, welcher der Tat angesichtig wurde.

    Badehaus mit angeschlossenen Bordellräumen im Paris des 15. Jahrhunderts.Städtische Badehäuser wurden aufgrund der hohen Preise häufig nur von den wohlhabenden gesellschaftlichen Schichten genutzt. Eine Brennstoffverknappung, die unter anderem durch erhöhte Schiffsbauzahlen ausgelöst wurde, führte ab dem 15. Jahrhundert zu einer Verteuerung der Badehäuser. Mangelnde Sauberkeit, die mehrfache Nutzung des Badewassers, sowie Prostitution begünstigten die Ausbreitung diverser Krankheiten. Das weit verbreitete Schröpfen und Aderlassen waren unter anderem auch typische Dienstleistungen der Badehäuser, was wiederholt zu Direktansteckungen führte. Die Sterilisation von Geräten und Werkzeugen war unbekannt, es erfolgte in der Regel nur eine oberflächliche Säuberung aus kosmetischen Zwecken. Seuchen wie Syphilis und Pest führten in den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 zu wiederholten Schließungen der Wiener Badestuben. Kriegsausbrüche und insbesondere der Dreißigjährige Krieg führten zu einer weiteren Verschlechterung der hygienischen Bedingungen. Der erste verzeichnete Fall von Syphilis innerhalb von Deutschland, stammt aus dem Jahre 1495 und wird Landsknechten zugeschrieben, die dem französische König Karl VIII. bei der Belagerung Neapels (22.02. 1495) gedient hatten.

    Eine stete Verringerung der Badestuben war ein weiterer Grund, der eine Ausbreitung der Seuchen förderte. Im 14. Jahrhundert wurden in Frankfurt am Main noch 15 Badehäuser betrieben, 1555 nur noch 2, die nur zwei Tage in der Woche bewirtschaftet wurden. Die mittelalterlichen Badehäuser waren städtische Einrichtungen, die durch einen Angestellten, oder in einigen Fällen auch von einem Pächter, betrieben wurden. Die Bader und ihre Badergesellen hatten die Aufgabe ein streng vorgegebenes Regel- und Verhaltenswerk (die Badeordnung) zu überwachen und nötigenfalls durchzusetzen. Den Badegast erwarteten in den Badehäusern eine weitgefächerte Dienstleistungspalette. Neben dem wohl temperierten Badezuber wurden auch leibliche Genüsse feilgeboten. Es gab drei unterschiedliche Arten von Badehäuser:

    • Badehäuser nach geschlechtlicher Trennung waren die Regel und in den meisten Städten anzutreffen.
    • Geschlechtlich gemischte Badehäuser waren in den Städten seltener Anzutreffen und wurden strenger kontrolliert als Badehäuser mit geschlechtlicher Trennung.
    • Badehäuser mit angeschlossenen Bordellen wurden, wie Bordell auch, als ein Übel betrachtet, das nur in den äußeren städtischen Randbezirken geduldet wurde. Diverse Städte schrieben die Ansiedlung in eigens ausgewiesenen Straßen vor.

       

    Augustinus von Hippo (*13.11. 354 in Tagaste, Numidien; † 28.08. 430 in Hippo Regius, ebenda) prägte bis weit in das Mittelalter mit seiner asketischen Lehre die europäische Gesellschaft. So vertrat Augustinus die Meinung, dass maximal ein Bad im Monat mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren sei. Augustinus vertrat in seinen Schriften (zu den bedeutendsten Werken des Augustinus von Hippo zählen: „crede, ut intelligas“ – „glaube, damit du erkennst“ und „Confessiones“ – „Bekenntnisse“) die Meinung, dass Mönche (somit auch der spätere Klerus) maximal einmal im Jahr baden dürften und das auch nur vor hohen Feiertagen (hiermit war Ostern und Weihnachten gemeint).

    Diese gefährliche Ideologie wurde auch durch die Ritterlichen Tugenden gestützt, die auch das Nicht-Baden propagierte. – Dieses stand allerdings gleichzeitig in einem krassen Gegensatz zu den Tugenden, die die Schwimmfertigkeit als eine der sieben ritterlichen Fertigkeiten benennt (in diesem Zusammenhang berichten zeitgenössische Schriften davon, dass Karl der Große nicht nur ein begeisterter Schwimmer gewesen sei, sondern mit Vorliebe in den warmen Aachener Schwefelquellen gebadet hätte).

    Nicht alleine die bautechnische Hygiene war entscheidend für eine nachhaltige Eindämmung der Pest, sondern auch die Behandlungsmethoden der Ärzte (Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unseren Abschnitt über das „Schröpfen“ – HIER KLICKEN). Bereits in der Antike war die Pest eine Krankheitsform, die unter anderen Bezeichnungen aufgetreten war (Attische Seuche, Pest des Thukydides) und dieses obwohl Kanalisationen, sowie eine Frischwasserversorgung durch Aquädukte und Bleirohre in den antiken Metropolen keine Unbekannte darstellte.

    Anmerkung: In den antiken Metropolen wie zum Beispiel Rom waren hauptsächlich nur die Häuser der gesellschaftlichen Oberschicht, gehobenen Mittelschicht, sowie öffentliche Gebäude angeschlossen. Erst im Jahre 1739 war Wien als erste Europäische Stadt vollständig an das Kanalisationsnetz angeschlossen worden.

    Die Versorgung der Bevölkerung mit Frischwasser war ein maßgeblicher Punkt, der auch über die Volksgesundheit entschied. Insbesondere die Verseuchung des Frischwassers mit Fäkalbakterien stellte ein zu lösendes Problem dar (Beachten Sie hierzu unseren Artikel über die Cholera – HIER KLICKEN). Die Architekten der Antike hatten dieses Problem zu einem Großteil durch Aquädukte gelöst, die in einzelnen bereichen durch Steinplatten abgedeckt waren. Die Nutzung der Aquädukttechnik stellte die Ingenieure und Städteplaner allerdings schon sehr schnell vor weitere einschneidende Probleme: Eine stetig anwachsende Bevölkerung musste mit unverseuchten Nahrungsmitteln und immer mehr sauberem Trinkwasser versorgt werden. Die Lebensmittelverunreinigung durch Parasiten und bei Korn mit Mutterkorn waren zusätzliche Gefahrenquellen für die Bevölkerung. Mehr Informationen zum Thema Hygiene lesen Sie auf unser Themenseite „Hygiene in Mittelalter und Neuzeit“ – HIER KLICKEN.

  • Quarantäne, Tentana & Dokumente (Pestbrief, Cholerabrief, Reisedokumente)
  • Venedig hatte sich im 14. Jahrhundert zu einer der führenden Handelsmetropolen des Mittelmeerraumes entwickelt und gleichzeitig eine Vielzahl von Krankheiten angezogen. 1347 bis 1348 grassierte in weiten Teilen Europas eine Seuche, die unter der Bezeichnung „Der Schwarze Tod“ in die europäische Geschichte eingehen sollte. In dieser Zeit starben alleine in Venedig von 24 Ärzten 20 an der Pest. Bis zum Jahr 1348 soll Aufzeichnungen zufolge, etwa die Hälfte (ca. 70.000) der venezianischen Bevölkerung durch die Pest dahingerafft worden sein. In der Folgezeit hatte Venedig wiederholt Pestopfer zu beklagen.

    1374 führte Venedig Gesundheitspässe, sogenannte Pestbriefe ein, die eine zusätzliche Kontrollfunktion zu der vor dem Jahre 1374 eingeführten Trentana (Trenta = Dreißig) darstellen sollte. Die Trentana war der Vorläufer der 1377 eingeführten Quarantäne und bestimmte eine 30-tägige Isolation von Reisenden und Waren auf einer Insel sofern diese keinen Pestbrief vorweisen konnten, der sie als „rein“ auswies (Mehr Informationen zu Pestbriefen - HIER KLICKEN). Die später unter dem Namen Lazzaretto Vecchio bekannt und berüchtigt gewordene Lazarettinsel liegt südlich vor der Handelsmetropole, unmittelbar vor dem Lido und war bis Anfang 1423 mit wenigen einfachen Gebäuden bebaut. 1423 ließ der Magistrat erstmals ein Pestkrankenhaus auf der Insel errichten, das Lazzaretto Vecchio, das allerdings mehr den Charakter eines großangelegten Sterbehauses hatte. Die vielen Pesttoten wurden anfänglich in Gräbern bestattet, die mit Löschkalk abgestreut waren. Später wurden die vielen Toten verbrannt. Korrespondenzen der damaligen Zeit sprechen von Miasmen, die die Luft verunreinigten und die Insel förmlich verhüllte.

Luftaufnahme vom Lazzaretto Vecchio , Venedig

  Luftaufnahme der venezianischen Quarantäneinsel mit dem Lazzaretto Vecchio vor Venedig.

    1468 wurde eine weitere Insel ca. 3 Kilometer nordöstlich von Venedig zu einer Lazarettinsel umgebaut. Auf der neuen Insel wurde das Lazzaretto Nuovo errichtet und drei Jahre später mit einer Isolationsstation ausgestattet. Im Gegensatz zu der bisher gängigen Praxis wurden hier ausschließlich Personen untergebracht, die noch nicht erkennbar erkrankt waren, sowie Überlebende des Lazzaretto Vecchio. Im Gegensatz zum Lazzaretto Vecchio wurden die Insassen der Isolierstation in ausreichendem Umfang mit frischen Nahrungsmitteln versorgt. Alle Anstrengungen des 15. Jahrhunderts führten allerdings nicht zu den gewünschten Erfolgen. 1630 hatte sich die Lage soweit zugespitzt, dass die venezianische Bevölkerung sowohl den Magistrat der Untätigkeit bezichtigte, als auch diverse Randgruppen. Neben Bettlern (venezianische und ausländische Bettler), Türken, Spaniern - Kriegsfeinde Venedigs, wurden wieder einmal die Juden für die Ausbreitung der Pest verantwortlich gemacht.

    In Venedig wurde das erste mal der Begriff des Judenghettos geprägt. Der Senat von Venedig ordnete im Jahre 1516 bei Geldstrafe und im Wiederholungsfall bei Gefängnisstrafe an, dass alle Anhänger des mosaischen Glaubens (ca. 5.000 Personen) in einem kleinen Bezirk bei San Girolamo leben müssten. Die akute Raumnot erforderte eine Gebäudeaufstockung auf bis zu neun Etagen. Die offensichtliche Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung beschränkte sich allerdings nicht auf diese Details. Das Ghetto war durch die natürlichen Wasserwege und hohe Mauern eingegrenzt und nur über Brücken zu erreichen. Die Brücken waren mit insgesamt zwei Toren ausgestattet, die beim Geläut der Marangona-Glocke geschlossen, bzw. geöffnet wurden. Die Tore wurden durch christliche Wachen bewacht, die von den Juden zu entlohnen waren – die Höhe der Zahlung legte der Magistrat nach seinem Ermessen fest. Ausgenommen von den zeitlichen Beschränkungen waren jüdische Ärzte.

    Bereits vor 1630 wurden massenhaft Personen, die mit Pestkranken nur in Kontakt gekommen waren auf die Quarantänestation des Lazzaretto Nuovo verbracht. Tote und Erkrankte wurden samt ihrer Habseligkeiten auf die Lazzarettinsel Vecchio verbracht und die Häuser gründlich ausgeräuchert. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf den Abschnitt Flohbekämpfung – HIER KLICKEN.

    Die Dramatik der damaligen Zeit lässt sich auch daran ablesen, dass im November 1630 ca. 10.000 Personen im Lazzaretto Nuovo untergebracht waren. Das Pestkrankenhaus galt mit einhundert Krankenzimmern und Krankensälen als eines der größten auf die Pest spezialisierten Krankenhäuser seiner Zeit. Wiederholte Fluchtversuche von den Lazarettinseln zwangen die Behörden zu drastische Maßnahmen. Gefasste Flüchtlinge wurden an Galgen hingerichtet, die gleichzeitig eine „Demarkationslinie“ bildeten. – Bis zu diesem Punkt durften die Pestkranken und nicht weiter.

    Die häufigen Pestwellen führten zu einer nachhaltigen Destabilisierung der Handelsmetropole. Explodierende Lebensmittelpreise und Arbeitslosenzahlen erschwerten auf eine indirekte Weise die Pestbekämpfung. – Die Zahlen der Unternährung stiegen und schlossen gleichzeitig den Weg für weitere Krankheiten auf.

    Als das maßgebliche Instrument der Quarantäne kann neben den Lazarettinseln die Pestbriefe angesehen werden. Das Dokument wurde von einem besonders Beauftragten Agenten der Stadt Venedig auf einem vor dem Hafen liegenden Schiff ausgestellt und mit eisernen Zangen von Bordwand zu Bordwand gereicht. In der Regel kontrollierte der Agent die vorhandenen Schiffspapiere und stellte hiervon abhängig einen Pestbrief aus, der den Inhaber als „rein“ oder „unrein“ auswies. Ausgetauschte Dokumente wurden über einer Räucherpfanne entseucht, in der Schwefel verglimmt wurde (die Beimischung von Specereyen – Gewürz- und Kräutermischungen war nicht unüblich). In der damaligen Zeit wurde maßgeblich Miasma für die Verbreitung der Pest verantwortlich gemacht. Miasma, ursprünglich aus dem griechischen, war fast als ein universeller Effekt anzusehen und beinhaltete sowohl die verunreinigte, befleckte Luft mit üblen Düften, als auch im übertragenen Sinn, die Ausbreitung auf die geistige Ebene (Schadenzauber). Der Hexenhammer des Heinrich Kramer beschreibt in seinem zweiten Teil einige, nach damaliger Meinung und Vorstellung „erwiesene“ Möglichkeiten, schwere Krankheiten durch einen Schadenzauber zu verbreiten:

     [II/1,11] „Über die Weise, wie sie jede Art von Krankheit zufügen können; und zwar im allgemeinen über die schweren. Kapitel 11“:

    „… In der Diözese Konstanz endlich, zwischen Breisach und Freiburg, pflegt eine aussätzige Frau – nur dass sie schon vor zwei Jahren gestorben ist – vielen zu erzählen, dass sie aus einem ähnlichen Grund, infolge eines Streites, der sich zwischen ihr und einer anderen Frau entsponnen hatte. Als sie nämlich bei Nacht aus dem Haus vor die Tür gegangen sei und ein warmer Wind aus dem Haus der anderen Frau, welches dem ihrigen gegenüber lag, ins Gesicht, woher sie nach ihrer Versicherung den Aussatz, den sie an sich hatte, bekommen habe.

    Als schließlich in derselben Diözese, und zwar in der Gegend des Schwarzwaldes, eine Hexe durch den Henker für den von ihr angestifteten Brand vom Boden auf Holzstoß gehoben wurde, sagte sie: „Ich werde dir eine Belohnung geben“, wobei sie ihm in das Gesicht hauchte: sofort war er am ganzen Körper mit schauerlichem Aussatz geschlagen und überlebte sie danach nur um wenige Tage. …“

    Die ausgestellten Pestbriefe, sowie die Trentana (dreißigtägige Absonderung) stellten allerdings keine Problemlösung dar. 1377 weitete die dalmatinische Stadtrepublik Ragusa die Isolierungszeit auf 40 Tage aus – der heute allgemein gebräuchliche Begriff Quarantäne war entstanden (ital.: quaranta giorni – vierzig Tage; franz.: quarantaine de jours – vierzig Tage ). 1383 schlossen sich mit Marseille weitere Handelsmetropolen dieser Praxis an.

    Venedig richtete 1486 mit dem Gesundheitsmagistrat ein Kontrollorgan ein, welches einen großen Vorsprung in der Seuchenbekämpfung darstellen sollte. Dem Magistrat oblag die Kontrolle der nachfolgenden wichtigen Punkte:

    Trinkwasserversorgung, Abfallbeseitigung, Lebensmittelversorgung und -transport, Krankenhäuser und medizinisches Personal, Gasthäuser, Hotels und Pensionen, Dirnen sowie Kuppler, Bettler und Juden.

    Venedig, Vorreiter in der Seuchenbekämpfung

    Der venezianische Senat bereitete mit der Beschlussfassung vom 07.01. 1486 die Gründung eines neuen Amtes vor, das mit einer Vielzahl von Rechten ausgestattet wurde. Die neue Gesundheitsbehörde Magistrato della sanitá setzte sich aus insgesamt 16 Personen zusammen, die sich wie folgt aufteilten:

    • 1 Notar für die Siegelung der amtlichen Anweisungen.
    • 1 Schreiber für die Abfassung der Vorgaben, sowie für die amtliche Korrespondenz.
    • 1 Capitano als Polizeioffizier.
    • 6 Gehilfen, die in der Funktion mit Bütteln vergleichbar waren und unter anderem als äußerliches Zeichen, sowie als „Abstandshalter“ (wie die Pestärzte auch) einen weißen Stock führten.
    • 1 Schiffsaufseher, der die Schiffsregister führte.
    • 1 Herold, der die amtlichen Dekrete öffentlich verkündete.
    • 3 Leichenträger, die Pestleichen, sowie deren mobilen Besitz abtransportierten (der Anweisung entsprechend wurde die weniger wertvolle, sowie verschmutzte Habe verbrannt).
    • 1 Kaplan für die Sterbesakramente und den geistigen Beistand.
    • 1 Wächter am Lido, der die Schiffspapiere und Warenpapiere der einlaufenden Schiffe und Reisenden kontrollierte.

     

    Dem Magistrat oblag die Kontrolle wichtiger städtischer Schlüsselfunktionen (Die Trinkwasserversorgung, Abfallbeseitigung, Lebensmittelversorgung, sowie der Nahrungsmitteltransport. Zusätzlich kontrollierte die Vertreter des Magistrato della sanitá Krankenhäuser und ihr medizinisches Personal und niedergelassene Ärzte. Gasthäuser, Hotels und Pensionen waren weitere zu überwachende Einrichtungen die das öffentliche Leben gefährden konnten. Dirnen und Kuppler wurden bereits vor der Pest nur in besonderen Bezirken Venedigs geduldet, die Überwachung dieser Berufsgruppen wurde verschärft und für Dirnen ab dem späten 16. Jahrhundert im Zuge der sich ausbreitenden Syphilis spezielle Untersuchungen eingeführt. Die Bettler traf ein besonders schweres Los, sie wurden unter anderem mit den Juden direkt für die Ausbreitung der Pest verantwortlich gemacht. Juden wurden verpflichtet, in einem besonders bewachten Ghetto zu wohnen – siehe den Punkt Quarantäne, Tentana & Dokumente (Pestbrief, Cholerabrief, Reisedokumente) – HIER KLICKEN. Anfänglich wurden einheimische Bettler und Obdachlose mildtätig versorgt, die Situation verschlechterte sich allerdings zusehends. Ab dem 22.10. 1630 wurden erkrankte Bettler auf der Lazarettinsel Lazzaretto Vecchio interniert. Gesunde Bettler verpflichtete der Senat zum Galeerendienst. Ortsfremde Bettler wurden ausgewiesen.), gleichzeitig wurde die venezianische Gesundheitsbehörde medizinisch beraten. Die einflussreichen Paduaner Professoren Mercurialis und Capiraccio vertraten die weit verbreite Meinung, dass die Krankheit vor allem durch das zuvor bereits erwähnte Miasma verbreitet und auch ausgelöst werde. Der Magistrato della sanitá bezog eine gegensätzliche Stellung und verwies auf Reagenzien, die als mögliche Auslöser und Verbreitungsart der Krankheit infrage kämen. – Diese Interpretation kann aus der heutigen Perspektive als eine Sensation betrachtet werden, weil eine direkte Beziehung zu infektiösen Sekreten hergestellt wird. Diese neue Theorie, die sich als ein wichtiger Schlüssel in der Übertragung herausstellte, erklärt auch gleichzeitig die Anordnung der Verbrennung von geringwertigen Vermögenswerten von infizierten und Verstorbenen, sowie die Säuberung hochwertiger Gegenstände durch Essig.

    Entscheidende Erfolge stellten sich allerdings auf Grund des umfangreichen Maßnahmenkataloges nicht ein. Als Gründe kann die allgemeine Uneinsichtigkeit der Bevölkerung und die Gier einiger Mitglieder des Magistrato della sanitá angeführt werden. Nicht selten wurden Pestkranke ausgeraubt und Gesunde ermordet.

  • Vorbeugende Medikamention

 ! Achtung ! Die Wechsel- und Nebenwirkungen mit und ohne andere Medikamente können bei den nachfolgend genannten Medikamenten bzw. Substanzen zu starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen, oder sogar zum Tod führen. Die u~m~d~h~T übernimmt keine Haftung für entstehende Schäden und verweist in diesem Zusammenhang auf sein Impressum – HIER KLICKEN. Es wird keine Gewähr für eine Richtigkeit bei den Dosierungshinweisen, Substanzhinweisen, Medikamentenhinweisen und Zeitzyklen übernommen. Im übrigen können aufgeführte Hinweise durch aktuellere Forschungsergebnisse überholt sein. ! Hinweis !   Wir empfehlen dringend zu den nachfolgenden Arzneistoffen die Gegenanzeigen zu lesen – HIER KLICKEN.

    Darreichungsformen bei prophylaktischer Übertragung (Zeitlicher Ablauf: Linie eins bis zwei 7 Tage):

    • Erwachsene / Schwangere:
      • Erste Linie:   Ciprofloxacin (500 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden), Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration), oder: Ofloxacin (400 mg per os. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden), oder Levofloxacin ( 500 mg per os.1 x täglich, Intervall 24 Stunden).
      • Zweite Linie: Doxycyclin (100 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden).
    • Kinder:
      • Erste Linie:   Ciprofloxacin (10 – 15 mg/kg per os. 2 x täglich, Intervall 12 Stunden) Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration).
      • Zweite Linie: Doxycyclin (.> 8 Jahre sowie > 45 kg - 100 mg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden; .> 8 Jahre und < 45 kg, oder < 8 Jahre 2,2 mg/kg per os 2 x täglich, Intervall 12 Stunden, allerdings höchstens 200 mg/täglich).

     

     Nachfolgend werden die Kurzformen von unterschiedlichen Medikamentenapplikationen erläutert:

    • i.v.  = Intravenös, auch endovenös  (Arzneimittelzuführung über das Venensystem des Körpers. – Vorteil einer stark verkürzten Reaktionszeit)
    • i.m. = Intramuskuläre Injektion (Darreichung eines Flüssigarzneistoffes in Form einer Spritze).
    • os    = Peroral – lat. oris, Mund (Arzneimittelgabe erfolgt durch den Mund. Absorbierung durch Mundschleimhaut, oder Magenschleimhaut – z. B. Tablettenapplikation).

 

Ciprofloxacin in Tablettenform Ciprofloxacin Häufige Nebenwirkungen (jedoch nicht mehr als 10 %) sind Durchfall, Hautausschläge und Übelkeit. Zusätzliche Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsbenennung: Allergische Reaktionen, gestörtes Knorpelwachstum (Von einer Verabreichung an Personen von 5 – 17 Jahren, sowie Schwangere, Frauen in der Stillzeit und Epileptiker sollte abgesehen werden!) Lebertoxizität (Hepatotoxizität), Neurotoxizität (Nervengift) und das „Red man syndrome“ (Meistens leichter, flüchtiger Juckreiz. Selten stärkerer Juckreiz, brennende gerötete Haut, Blutdruckabfall, Schwellungen von Haut und Schleimhäuten, Schwindel, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Atemnot. Eine mögliche zeitliche Entwicklung der vorgenannten Symptome steht in einem engen Zusammenhang mit der Verabreichungsgeschwindigkeit des Ciprofloxacin.) Weiterhin kann Ciprofloxacin in einzelnen Fällen zu einer Absenkung der Krampfschwelle führen. Bei älteren Patienten kann Ciprofloxacin bei gleichzeitiger Einnahme von Hormonpräparaten zu einem Festikeitsverlust der Sehnen führen. Eine zu schnelle intravenöse Einspülung kann das Risiko der oben genannten Nebenwirkungen fördern. Ciprofloxacin wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und dem Robert Koch-Institut auf Grund von einzelner Therapieversagern nicht empfohlen. Bei Ciprofloxacin ist in Deutschland in den Altersgruppen von 5 bis 17 Jahren nur eine eingeschränkte Behandlung zugelassen. vergl. Hierzu: die Vorgaben und Anmerkungen des RKI und des FDA (Food and Drug Administration).

     Ofloxacin  Ähnlich wie bei Ciprofloxacin sollte Ofloxacin nicht bei folgenden Personengruppen angewandt werden: Epileptikern, Patienten mit einer niedrigen Krampfschwelle, Personen bis zum 18. Lebensjahr, Schwangere in der Stillzeit. Bei älteren Patienten kann Ofloxacin bei gleichzeitiger Einnahme von Hormonpräparaten zu einem Festikeitsverlust der Sehnen führen. Von einer Einnahme, bei gleichzeitiger Einnahme von Antazidum (Magensäureblogger) bzw. Mineralstoffpräparaten ist dringend abzuraten, eine Aufnahe des Ofloxacin wäre nicht mehr gewährleistet. Von einer Kombination mit Natriumhydrogencarbonat ist ebenfalls abzuraten. Eine Vorbehandlung mit Cumarinderivaten (Blutverdünnern / Blutgerinnungshemmern) erfordert eine vorherige Blutgerinnungskontrolle und eine der Behandlung angegliederte Gerinnugskontrolle (Verstärkte Blutungen sind nicht auszuschließen!). Eine Einnahme von Glibenclamid (Blutzuckersenker) mit Ofloxacin erhöht das Hypoglykämierisiko (ein zu geringer Blutzuckerspiegel) und erfordert eine häufigere Blutzuckermessung. Eine Verabreichung von Ofloxacin bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva, oder Neuroleptikum (Beruhigungspräparate), oder Antiarrhythmikum (gegen Herzrhythmusstörungen), oder Makrolide (Antibiotikum), kann zu einer Veränderung des Elektrokardiogramm (insbesondere des QT-Intervalls) führen. – Eine permanente und sorgfältige Überwachung ist unumgänglich.

     Levofloxacin  Wie bei Ciprofloxacin und Ofloxacin, kann Levofloxacin bei älteren Patienten zu einem Festigkeitsverlust der Sehnen führen, wenn die Arzneisubstanz parallel mit Hormonpräparaten eingenommen wird.

     Doxycyclin  An die nachfolgend aufgeführten Personengruppen sollte Doxycyclin nicht verabreicht werden: Säuglinge und Kinder bis zum 8. Lebensjahr, Schwangere und Personen, die an einer Photosensibilität (Sonnen- und UV-Empfindlichkeit) leiden. In seltenen Fällen wurde eine Überempfindlichkeit der Mund- und Rachenschleimhaut, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und ein vorübergehender Verlust des Geruch- und Geschmacksinnes (in sehr wenigen Fällen konstant andauernd) festgestellt. In einigen Fällen wurde eine Anschwellung von Zunge und Kehlkopf festgestellt, die zu Atemnot, Erstickungsanfällen und möglicherweise zu einem lebensbedrohlichen Schock führen kann. Eine Kombination des Präparates mit calcium- und oder magnesiumhaltigen Arzneistoffen oder Lebensmitteln, behindert die Aufnahme von Doxcyclin im Magen-Darm-Trakt. Anmerkung: Doxycyclin findet Anwendung in einem breiten Krankheitsspektrum (Pest, Milzbrand, bei Atemwegserkrankungen auch in aerosoler Form, Entzündungen des Harn- und Geschechtstraktes (Urogenitaltrakt), Entzündungen des Magen-Darm-Trakts und der Gallenwege, bei Akne, Rosazea / Rosacea / Akne rosacea, gegen Chlamydien, Lyme-Borreliose. Doxycyclin wurde des weiteren erfolgreich als Malarie-Prophylaxe eingesetzt und von namhaften Instituten empfohlen. Doxycyclin ist in Deutschland nicht für Indikationszwecke zugelassen.

  • Opfergaben der Antike
  • Bereits in der Antike war die Pest keine Unbekannte. Im Gegensatz zum Mittelalter wurde nicht nur Zauberei als ursächlicher Grund angenommen, sondern auch der göttliche Unwille. Die alten Sagen des griechischen Altertums können hierfür in häufiger Form herangezogen werden. Apollo, oder auch Apollon genannt, war nicht nur der Gott der Heilkunst, sowie der sittlichen Reinheit und Mäßigung, sondern auch der Gott der Sühne. Im Trojanischen Krieg bestrafte er die Griechen durch gezielte Bogenschüsse in das griechische Lager. Entsprechend der Mythologie soll Apollon die Gefangennahme und anschließende Versklavung der Tochter eines Apollonpriesters gesühnt haben. Hierbei schoss er, wie anfangs schon erwähnt, pestverseuchte Pfeile in das Lager der Griechen. Die Bevölkerung der Antike versuchte nicht selten im Vorwege den Unbilden der Götter durch eine vorgeschobene „Entsühnung durch Opfer“ entgegenzutreten. Zur Besänftigung der Götter opferten beispielsweise die Athener in Krisenzeiten Schafe, vereinzelte Menschenopfer finden sich in der Geschichtsschreibung der Antike auch wieder. – „Hierbei wurde das teuerste geopfert, der erstgeborene Sohn und Stammhalter.“

  • Seuchenschutzvorschriften / Seuchenschutzgesetze
  • Die Kapitel 13 und 14 des 3. Buch Mose beschäftigen sich eingehend mit dem Umgang von Aussätzigen und setzen sich mit diversen Vorsichtsmaßregeln auseinander, die auch aus heutiger Perspektive durchaus fundierte Erkenntnisse beinhalten. Das 3. Buch Mose, Kapitel 13, Vers 28, beschreibt, wie bei Auffälligkeiten der Haut zu verfahren ist:

    „Ist`s aber gestanden an dem Brandmal und hat nicht weitergefressen an der Haut und ist dazu verschwunden, so ist`s ein Geschwür des Brandmals. Und der Priester soll ihn rein urteilen; denn es ist die Narbe des Brandmals.“ - „Wenn sich jemand an der Haut am Feuer brennt (Der Vers 28 bezieht sich nach Expertenmeinung auf die Lepra. Der Lepraerreger [Bakterium Mycobacterium leprae] zerstört die Thermorezeption und Mechanorezeption der Haut. Lepra-Infizierte Personen verfügen somit häufig über ein sehr eingeschränktes Schmerzempfinden, welches oft zu Verbrühungs- bzw. Verbrennungsunfällen führt. Das Mycobacterium leprae-Bakterium zählt, wie das Streptokokken-Bakterium, zu den grampositiven Erregern.) und das Brandmal weißrötlich oder weiß ist und der Priester ihn besieht und findet das Haar in Weiß verwandelt an dem Brandmal und das Ansehen tiefer denn die andere Haut, so ist's gewiß Aussatz, aus dem Brandmal geworden. (Im Frühstadium [indeterminierter Lepra] sind die typischen Hautflecken der Lepra bei dunkelhäutigen Menschen heller als die gesunde Haut. – Das 3. Buch Mose bezieht sich ursprünglich auf die Gebiete des alten Testamentes und die dunkelhäutigere Bevölkerung. In der Regel befindet sich der Patient nach dem Auftreten der Hautveränderungen an einem Scheideweg, der interessanter weise bereits im 3. Buch des Mose beschrieben wurde.) Darum soll ihn der Priester unrein urteilen; denn es ist ein Aussatzmal. Sieht aber der Priester und findet, daß die Haare am Brandmal nicht in Weiß verwandelt und es nicht tiefer ist denn die andere Haut und ist dazu verschwunden, soll er ihn sieben Tage verschließen; (Die unterschiedlichen Lepraformen spiegeln sich auf entscheidende Weise in dem 28. Vers wieder. Eine letztendliche Abheilung, oder auch Stagnation entschieden somit über das weitere Vorgehen der Priester.) und am siebenten Tage soll er ihn besehen. Hat's weitergefressen an der Haut, so soll er unrein urteilen; denn es ist Aussatz. Ist's aber gestanden an dem Brandmal und hat nicht weitergefressen an der Haut und ist dazu verschwunden, so ist's ein Geschwür des Brandmals. Und der Priester soll ihn rein urteilen; denn es ist die Narbe des Brandmals.

    Das Infektionsschutzgesetz (IfSG), das mit 01.01. 2001 in Deutschland in Kraft trat, benennt im 3. Abschnitt, § 6 meldepflichtige Krankheiten (Botulismus, Cholera, Diphtherie, humaner spongiformer Enzephalopathie [ausgenommen familiär - hereditärer Formen], akuter Virushepatitis, enteropatischem hämolytisch-urämischem Syndrom [HUS], virusbedingtem hämorrhagischen Fieber, Masern, Meningokokken-Meningitis oder – Sepsis, Milzbrand, Poliomyelitis [akute schlaffe Lähmung, ausgenommen traumatisch bedingte Lähmung], Pest, Tollwut, Typhus abdominalis/Paratyphus,  Tuberkulose). In Anlehnung an das IfSG führt das Robert-Koch-Institut ein Infektionsepidemiologisches Jahrbuch, das in der Jahresstatistik die Bundesländer berücksichtigt. Die vollständige Einführung des IfSG (bereits am 26.07. 2000 wurden mit Inkraftsetzung der §§ 37 und 38 des IfSG und der außer Kraftsetzung des § 47 des BSeuchenG wichtige Vorbereitungen vorausgenommen worden) setzte gleichzeitig sechs bestehende Gesetze außer Kraft (Bundesseuchengesetz, Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Laborberichtsverordnung, Verordnung über die Ausdehnung der Meldepflicht auf die humanen spongiformen Enzephalopathien, Erste Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten). Die Einführung des IfSG führte gleichzeitig zu einer Verlagerung von Landesrecht zu Bundesrecht, was verständlicherweise auch eine bessere Sicherheitsstruktur zur Folge hatte. Durch das Seuchenrechtsneuordnungsgesetz – SeuchRNeuG vom 20.07. 2000 wurde das IfSG in Kraft gesetzt.

  • Seuchenschutzbehörden / Gesundheitsbehörden / Hochsicherheitslabors
    • Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten  Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) wurde mit der Verordnung (EG) Nr. 851/2004 nach einem Beschluss des Europäischen Parlaments, sowie Rates vom 21.04. 2004 eingerichtet und nahm seine Arbeit am 20.05. 2005 in Stockholm, Schweden auf. Die Zielsetzung des ECDC untergliedert sich wie folgt:
      • Auf-, bzw. Ausbau einer vernetzten Präventivstruktur zur Abwehr von Seuchen und Krankheiten.
      • 24-stündige Bereitstellung eines Expertenteams für einen internationalen Einsatz.
      • Eigenverantwortliche Initiative bei einer Bedrohung der Europäischen Union durch eine unbekannte Krankheiten und Seuchen.

      http://www.ecdc.europa.eu

    • Bundesministerium für Gesundheit  Das Bundesministerium für Gesundheit wurde im Jahre 1969 als „Bundesministerium für Gesundheitswesen (BMG)“ gegründet. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Behörde mehrfach umbenannt. – 1969:Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (mit fachlicher Eingliederung in das Ressort „Familie und Jugend“); 1986: Bundesministerium für Jugend, Frauen und Gesundheit; 1991: Bundesministerium für Gesundheit (BMG); 2002: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS); 2005: Bundesministerium für Gesundheit. Zu den Aufgaben des Bundesministeriums für Gesundheit gehören unter anderem auch:
      • Die Prävention von Krankheiten und Seuchen (hieraus resultiert unter anderem auch das Infektionsschutzgesetz).
      • Internationale und Europäische Gesundheitspolitik (hieraus ergibt sich beispielweise auch eine enge Zusammenarbeit mit dem ECDC und den Gesundheitsministerien anderer Staaten).
      • Erarbeitung von Gesetzesvorlagen und Vorschriften, welche die Rahmenbedingungen für Herstellung, klinische Prüfung (insbesondere gleichbleibende Fertigungsnormen, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit).
      • Unter anderem Fach- und Dienstaufsicht über:
        1. Robert Koch-Institut (RKI – Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten)
        2. Paul-Ehrlich-Institut (PEI – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel)
        3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
        4. Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

      http://www.bmg.bund.de

    • Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten  -  Robert Koch-Institut (RKI)  Das RKI ist eine zentrale Forschungs- und Überwachungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland, das dem Bundesministerium für Gesundheit unterstellt ist. Die Hauptaufgaben des RKI sind im § 4 des Infektionsschutzgesetzes definiert:
    • „Der dem Robert Koch-Institut erteilte Auftrag umfasst sowohl die Beobachtung des Auftretens von Krankheiten und relevanter Gesundheitsgefahren in der Bevölkerung als auch das Ableiten und wissenschaftliche Begründen der erforderlichen Maßnahmen zum wirkungsvollen Schutz der Gesundheit der Bevölkerung. Dazu gehört auch die Entwicklung erforderlicher diagnostischer, experimenteller oder epidemiologischer Methoden, die nicht anderweitig verfügbar sind, sowie die Bewertung gentechnischer Arbeiten und umweltmedizinischer Einflüsse und Methoden.“

      Die Erfolgsgeschichte des RKI begann indirekte durch den 10. Internationalen Medizinischen Kongress im Berlin des Jahres 1890, auf dem Heinrich Hermann Robert Koch einen aus Tuberkelbakterien gewonnen Impfstoff gegen die TBC vorstellte. – Die Erwartungen an den neuen Impfstoff erfüllten sich allerdings nicht und Prof. Dr. Robert Koch wertete den Misserfolg als persönliches Fiasko; Koch bat als Konsequenz um seinen Rücktritt von seinem Direktorenposten bei dem Hygiene – Institut, sowie von dem Lehramt der Universität Berlin, das im Jahre 1885 eigens für Koch eingerichtet worden war. Im Kampf um die Bekämpfung von Infektionskrankheiten regte Koch unter anderem auch den Bau eines Kanalsystems für Abwässer an. – Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf interessante Parallelen zu den in London aufgetretenen Choleraepidemien. Gleichzeitig schlug Koch die Einrichtung einer wissenschaftlichen Abteilung im „Königlich Preußischen Institut für Infektionskrankheiten“ vor, in deren Vorsitz er berufen wurde. Robert Koch leitete vom 01.07. 1891 bis 1904 das „Koch`sche Institut“, wie es inoffiziell seit seiner Gründung genannt wurde.

      Mit dem RKI sind weitere große Namen verbunden, die maßgeblich mit der Erforschung der Diphtherie und der Syphilis verbunden werden. – Paul Ehrlich und Adolf Behring seien hier nur als die bekanntesten Beispiele genannt, die weitere wichtige Rollen in der deutschen Medizingeschichte bekleideten. Die Bedeutung des RKI spiegelt zugleich die wiederholte Angliederung von zusätzlichen Fachressourcen und ehemaligen DDR-Behörden wieder. Heute setzt sich das RKI aus folgenden Abteilungen und Forschungsgruppen zusammen:

      • Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung
      • Abteilung für Infektionsepidemiologie
      • Abteilung für Infektionskrankheiten
      • Zentrum Biologische Sicherheit
      • Zentrum Gentechnologie
      • Projektgruppen Infektionsbiologie und Epidemiologie
      • Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Bibliotheken
      • Forschungsangelegenheiten und Koordination
      • Referat Rechtsangelegenheiten
      • Leitungsbereich und Zentrale Verwaltung

      http://www.rki.de

      Wie viele andere souveräne Länder auch, unterhalten z. B. die Vereinigten Staaten von Amerika ein eigenständiges Gesundheitsministerium, dem eine Vielzahl von Ämter und Behörden zugegliedert sind – ähnlich wie das Bundesministerium für Gesundheit.  Das „United States Department of Health and Human Services“ (Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten) zählt weltweit zu den Ministerien, die den größten Haushaltsetat verplanen (noch vor dem US-Verteidigungsbudget). Gegründet wurde die Behörde durch die Gesetzesvorlage „Deprtment of Education Organization Act“, die eine Umstrukturierung zur Folge hatte am 04.05. 1980; vergleichbare Parallelen waren in Deutschland zu sehen. Die Vorläuferbehörde war das „Gesundheits-, Bildungs- und Wohlfahrtsministerium“. Zu den unterstellten Behörden zählen:

      • Administration for Children and Families (ACF)
      • Administration on Aging (AoA)
      • Agency for Healthcare Research and Quality (AHRQ)
      • Agency for Toxic Substances and Disease Registry (ATSDR)
      • Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
      • Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS)
      • Food and Drug Administration (FDA)
      • Health Resources and Services Administration (HRSA)
      • Indian Health Service (IHS)
      • National Institutes of Health (NIH)
      • Program Support Center (PSC)
      • Substance Abuse and Mental Health Services (SAMHSA)

 

    • Centers for Disease Control and Prevention  (CDC)  Die Aufgaben  des CDC sind vergleichbar mit denen des Robert Koch-Institutes, wobei das Auftragsspektrum breiter gefächert ist. Die Bekämpfung und Prävention von Infektionskrankheiten und unbekannten Krankheiten zählt ebenso zu den Aufgaben des CDC, wie die Prävention von umweltbedingten Krankheiten; Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung und die gesundheitliche Aufklärung sind weitere „Standbeine“ des CDC.
    • Das „Centers for Disease Control and Prevention”  (CDC) entstand während des 2. Weltkrieges im Jahre 1942, aus dem “Office of National Defense Malarie Control Activities”, das mit Beteiligung der Rockefeller Foundation zur Bekämpfung des Sumpffiebers gegründet wurde. – In den Südstaaten der USA stand der „US Gesundheitswesen – Dienst“ häufig wiederkehrenden Epidemien gegenüber, die sowohl zu einer wirtschaftlichen, als auch militärischen Schwächung führten. 1946 steuerte der „US Gesundheitswesen – Dienst“ mit der Gründung des CDC entgegen. Das CDC nahm mit einem Budget in Höhe von 1 Million $ und 49 Mitarbeitern den Kampf gegen die Malaria auf. Groß angelegte Feldversuche mit DDT in den Jahren 1942 bis 1944 waren fehlgeschlagen; hierbei wurde DDT in Pulverform als Entlausungsmittel erprobt. Bis zum Kriegsende versprühten die US-Streitkräfte im Südpazifischen Raum 1350 Tonnen DDT als Lösung und Pulver. Der Rege Einsatz des DDT wurde auf Betreiben des “Office of National Defense Malarie Control Activities”, realisiert. Die angenommenen Erfolge mit DDT erwiesen sich in späterer Zeit allerdings als Trugschluss. Nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigte das Institut in Spitzenzeiten noch 369 CDC-Angestellte mit der Erforschung von DDT als Insektizid gegen Malariamücken.

      http://www.cdc.gov/deu

    • NPO Vector / NPO Wektor (State Research Center of Virology and Biotechnology VECTOR) in der Russischen Föderation  Die Russische Föderation unterhält, wie die vorgenannten Institutionen auch, ein BSL-4-Labor (mit Ausnahme des RKI, hier erst ab 2011). Die in der „Wissenschaftsstadt“ Kolzowo ansässige Institution, beschäftigt sich mit Bakteriologie, Virologie, Biotechnologie und Gentechnik.
    • NPO Vector” beschreibt sich als das einzige Forschungszentrum in der Russischen Föderation, das in Anlehnung an das internationale Niveau Forschung betreibt. Zu den Auftragsbeschreibungen gehört:

      • Die Erforschung von hoch pathogenen menschlichen Viren, einschließlich der Pocken.
      • Vorausbestimmung möglicher infektiöser Gefahren und Entwicklung von diagnostischen, vorbeugenden und  therapeutischen Methoden und Produkten.
      • Internationale Verknüpfung und Zusammenarbeit mit anderen Partnerinstitutionen (CDC, RKI …).
      • Analyse von möglichen Gefahren durch biologischen Terrorismus und Entwicklung von Gegenlösungen.
      • Wissenschaftliche Arbeiten mit Langzeitperspektiven
      • Aufschließen von Finanziers, Kapitalanlegern und Partnern.

      http://www.vector.nsc.ru

    • BSL-4-Labor (Biosafety Level-4-Labor)  Weltweit existieren nur 34 Laboratorien, die den BSL-4-Laborstandard erfüllen (Stand 2007). Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen mit 11 Labors dieses Typs an der Spitze, es folgt die Bundesrepublik Deutschland mit 4 Labors, die Schweiz und Indien mit jeweils 3 Labors; die Russische Föderation unterhält in der „Wissenschaftsstadt“ Kolzowo ein BSL-4-Labor, das dem NPO Wektor Institut angegliedert ist (siehe den vorhergehenden Punkt „NPO Vecor / NPO Wektor – HIER KLICKEN)
    • Entsprechend der EU-Richtlinie 2000/54/EG erfordert der Status eines Biosafety Level-4-Labors die nachfolgende Ausstattung / Bauweise (Auszug):

      • Bauliche Abtrennung von anderen Gebäuden.
      • Filtrierung von Zu- und Abluft.
      • Unterdruck im Labor.
      • Zu- und Abgang über atmosphärisches Schleusensystem.
      • Möglichkeit der hermetischen Versiegelung zwecks Desinfektion.
      • Bodenflächen und Decken müssen wasserundurchlässig, leicht reinigungsfähig, säure-, laugen-, lösungsmittel- und desinfektionsmittelbeständig sein.
      • Eine unmittelbare Vernichtung von Tierkörpern in den Labors muss gewährleistet sein.
      • Einzelne Labors müssen mit eigenständigen Ausrüstungsgegenständen ausgestattet sein.
      • Level-3, Level-2 und Level-1 Richtlinien finden ergänzende Anwendung.

       

      Ein Beispiel für die hohen Erstellungskosten eines solchen Labors liefert das 11,5 Millionen teure Biosafety Level-4-Labor der Philipps-Universität in Marburg, das am 05.12.2007 eröffnet wurde. Das viergeschossige Gebäude weist eine Hauptnutzfläche von 663 m² auf, wovon 285 m² als Laborfläche zur Verfügung stehen. Die Merkmale des Biosafety Levels 4 orientieren sich unter anderem an der Gentechnik-Sicherheitsverordnung, die als untergesetzliches Regelwerk in dem  deutschen Gesetz zur Regelung der Gentechnik (GenTG) integriert ist; das GenTG wurde 1990 erlassen.

    • Hochsicherheitsklinikum für Infektionskrankheiten   Das Bezirkskrankenhaus Parsberg, im Volksmund auch “Zauberberg” genannt, ist nur ein interessantes Beispiel für Spezialkliniken, die sich auf die Heilung hochansteckender Krankheiten spezialisiert hat. Die in die “Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz GmbH” (MedBO GmbH) integrierte Fachklinik hat sich auf die Behandlung von TBC-Patienten spezialisiert.
    • Das Bezirkskrankenhaus Parsberg zählt zu den deutschen Kliniken, die am seltensten erwähnt werden und doch für die Volksgesundheit existenziell wichtig sind und mit einer hermetischen Abschottung zur Außenwelt Patienten behandeln. Nur 30 Patienten, die auf Grund eines gerichtlichen Unterbringungsbeschlusses eingewiesen wurden, werden mit einem großen Aufwand behandelt. Fachpresse führt anfallende Kosten wie folgt auf:

      • Durchschnittlich anfallende Tagesterapiekosten über 300 Euro á Patient.
      • Durchschnittliche Therapiekosten nach 7 Monaten 80.000 Euro.
      • Durchschnittliche Therapiezeit ca. 130 Tage
      • Quelle: Ärzte-Zeitung

      http://www.medbo.de/67.0.html

       

  • Wissenschaftliche Knüpfwerke und Institutionen
    • ISID  International Society for Infectious Diseases (Internationale Gesellschaft für ansteckende Krankheiten)   Das ISID ist ein Zusammenschluss von über 20.000 Wissenschaftlern, Ärzten und Interessierten in mehr als 155 Staaten weltweit. Die Society ist ein anerkanntes Wissenschaftliches Netzwerk, das jedes Jahr einige Fachpuplikationen veröffentlicht, die zugleich auch als Austauschmedien dienen. Zu den Veröffentlichungen zählt das einmal Jährlich erscheinende ,,International Journal of Infectious Diseases” (Stand 2010), der Society´s Newsletter (ISID News) mit Internen Informationen - hierzu gehören unter anderem auch die Termindaten zu den ISID-Kongressen, sowie Neuerungen.
    • http://www.isid.org

    • ProMed-mail   Das der ISID angegliederte globale Notfallmeldesystem für Ausbrüche von Infektionskrankheiten (Diseases Outbreaks) ist ein Emailsystem, das als Meldesystem für hochansteckende infektiöse Krankheiten geschaffen wurde. ProMed-mail hat sich in diversen Fällen bereits bewährt und konnte die globale Ausbreitung von Krankheiten auf indirekte Weise Verhindern bzw. abmildern, so zum Beispiel Jahre 2002 auch bei SARS.
    • http://promedmail.oracle.com

     

  • Forschung mit Y. pestis
  • Das russische Forschungsinstitut Vector betreibt seit geraumer Zeit experimentelle Forschungen auf dem Gebiet des Pesterregers.

    Die Zielsetzung ist wie folgt:

    • Bekämpfung und Vorbeugung von Bioterrorismus
      • Entwicklung von systematischen Früherkennungskonzepten z. B. auf Detektorbasis.
      • Entwicklung von Aerosolen und geletierend ,,entfaltenden“ bzw. aufschäumenden Bakteriziden Kombinationspräparaten, die über Landstriche oder Städte mit Flugzeugen versprüht werden können.
    • Entwicklung von Impfseren mit Langzeitwirkung (die jüngste Entwicklung soll auf ein Sub-Unit-Impfstoff / Subunit-Impfstoff [gentechnisch hergestellter Impfstoff] mit F1-Antigenen und rekombinierten V-Antigenen abzielen. Erste Versuche bei Mäusen verliefen positiv.).
    • Entwicklung von Medikamenten, die sowohl in kürzeren Zeitzyklen anschlagen, als auch ein geringeres Nebenwirkungsspektrum aufweisen (vgl. Sie hierzu unseren Beitrag zu Medikamentenapplikationen – HIER KLICKEN)

     

    Bereits am 10.01. 2006 wurde ein Impfstoff vorgestellt, der in einer deutsch-amerikanischer Forschungsgemeinschaft entwickelt wurde und auf genetisch veränderten Tabakpflanzen basierte. Hierzu wurden Antigene Proteine aus den Tabakpflanzen extrahiert, die als Impfstoff eine immunogene Reaktion bewirken.

    Die Anzüchtung von Y. pestis aus Blut, Absonderungen der Atemwegsschleimhaut (Sputum), Lymphknotenflüssigkeiten (Aspiraten) sowie zerebrospinaler Flüssigkeit (Rückenmarksflüssigkeit) zählt zu den bewährten Methoden; zusätzlich können Bakterien auch auf Kasein, chemisch aufgespalteten Rindfleisch ( nach ,,Hydrolysemethode“), oder auf Fischmehl angezüchtet werden – die Medien sind bei 25 bis 37°C anzusetzen (Vgl. Forschungsinstitut Vector, Session 1).

    Yersinia pestis zählt neben Yersinia pseudotuberculosis und Yersinia enterocolitica zu insgesamt 11 Yersinia – Arten, wobei für die Humanmedizin die vorgenannten Arten am bedeutungsvollsten sind.

    In seiner Session 2 berichtet Vector, dass sich Y. pestis in 5 Unterarten auffächert, die mit unterschiedlichen Auslösermechanismen (Zündvorrichtungen) ausgestattet sind (AP40-47, ERIC,M13a und PS1 in Kombination mit DNA-Abweichungen).

    Planungsspiele bilden eine weitere wichtige Grundlage, um realistische Risikoabschätzungen durchführen zu können. Das US-amerikanische Planungsspiel ,,top officials“ simulierte im Mai 2000 die absichtliche Freisetzung von aerosolisiertem Y. pestis. Einschätzungen zufolge wären von 3.700 bis 4.000 Lungenpestfällen über 2.000 Tote zu beklagen gewesen – dieses vermittelt die offensichtliche Gefahr von Y. pestis für die Öffentlichkeit.

    Einige aktuelle Arzneimittel  und Substanzen finden Sie auf den Seiten der EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products/CPMP) als Liste und Produktbeschreibung. - http://www.ema.europa.eu

    Die Y. pestis - Forschung ist eng mit der Bakterien- und Archaeenforschung verbunden. Im Gegensatz zu Bakterien ist bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Fall bekannt, wo Archaeen, die in einer engen Verwandtschaft zu Bakterien stehen, Krankheiten ausgelöst hätten. Im Gegensatz zu Bakterien, existieren diverse Archaeenarten unter widrigsten Lebensbedingungen (z. B. 100 °C Umgebungstemperatur, Saurem Milieu, sauerstoffarmen / sauerstofflosen Umgebungen, gewöhnlich toxischen Verhältnissen). Schätzungen zufolge, sind bisher nur etwa 5 % der vorhandenen Bakterienarten entdeckt. Der Bezug der einzelnen Archaeenarten zu den unterschiedlichen Bakterienstämmen und dem gesamten Ökokreislauf ist nicht eindeutig geklärt, es bestehen allerdings Vermutungen, dass Archeen entscheidend für den Schwefel- und Stickstoffkreislauf verantwortlich sind.

    Alle zellulären Lebewesen sind in drei Domänen eingeteilt:

      • Archaeen
      • Bakterien
      • Eukaryoten

     

    Neben den Bakterien werden nach Meinung der u~m~d~h~T die Archaeen als die interessantesten Forschungsobjekte anzusehen sein; die häufig unbeachteten Archaeenarten, früher auch Urbakterien genannt, bieten der technischen Entwicklung ein ungeahntes Entwicklungspotenzial (Existenz in Sauerstofflosigkeit. Halophile Archaeen wandeln über Umwege Lichtenergie mittels -Synthese [Energiewandler] um.

    Die Forschung mit Y. pestis ist auch mit zahlreichen dunklen Kapiteln verbunden, Generalleutnant Ishii Shirō von der Kaiserlichen Japanischen Armee betrieb während des Japanisch-Chinesischen Krieges von 1937 bis 1945 als Kommandeur der Einheit 731 intensive Kampfmittelforschung. Die als Wasseraufbereitungseinheit getarnte Kampfmittelforschungseinheit sollte Chemische und Biologische Kampfstoffe entwickeln, die in Trägerwaffen oder als Aerosole Form eingesetzt werden könnten. Ishii baute vor der chinesischen Stadt Harbin auf insgesamt 6 km² eine Forschungseinrichtung, die aus mehr als 150 Gebäuden bestand. Ishiis Versuchsreihen wurden in der Folgezeit berüchtigt für ihre Grausamkeit.

    Neben der Herbeiführung von künstlichen Herz- und Hirnschlägen, Abtreibungen und Sezierungen an lebenden Menschen wurde Ishii auch für die Besprühung von Dörfern mit Chemischen und Biologischen Stoffen bekannt. Schätzungen zu Folge fielen ,,der Forschung im Namen der Wissenschaft“ bis zu 30.000 Menschen zum Opfer.

    Ishii experimentierte mit Cholera-, Milzbrand- und Pesterregern und gilt unter Historikern als der ,,japanische Mengele“. Nach Kriegsende schlossen die USA auf betreiben des US-amerikanischen Geheimdienstchefs ([SCAP]) Generalmajor Charles Willoughby mit Ishii, sowie anderen Wissenschaftlichern seines Stabes ein geheimes Vertragswerk, was ihnen Verfolgungsfreiheit zusicherte; im Gegenzug händigten die Japaner Forschungsmaterialien aus.

    Hierzu mehr Informationen auf unserer Seite ,,Kampfmittelforschung“ – HIER KLICKEN.

  • Medikamentenforschung
  • In der Medikamentenforschung stellt sich in immer kürzeren Abständen die Problematik von Resistenzen. Eine entscheidende Schlüsselrolle ist in dem horizontalen Gentransfer zu sehen, der mit dem beständigen Genaustausch unter Bakterien, die üblichen Angriffsmechanismen von Antibiotika aushebelt, aber was ist der horizontale Gentransfer?

    Horizontaler Gentransfer

    Als Horizontaler Gentransfer (HGT) wird allgemein der nicht geschlechtliche Fortpflanzungsprozess bezeichnet, der zum Beispiel nach Meinung einiger Wissenschaftler auch über die Arten hinaus erfolgen kann – dieses ist allerdings nur sehr bedingt erwiesen. Der HGT wird auch als Lateraler Gentransfer (LGT) bezeichnet; eine weitere Form des Gentransfer ist die vertikale Transmission, bei der Viren ihr Erbgut von einer Generation auf die nächste übertragen. Die Besonderheit des HGT ist aber in dem auf Bakterielle Arten übergreifende Genaustausch zu sehen, der die Wirkungsbeständigkeit von Antibiotika erheblich verkürzt. Die genetische Vererbung geht bei der vertikalen Transmission sogar soweit, daß bei der Vererbung auch die geschlechtsspezifische Entwicklung betroffen ist – Wolbachia pipientis (Gattung der Wolbachia; gramnegative, parasitisch lebende Bakterienart) ist hierfür ein interessantes Beispiel; infizierte Wirtorganismen werden von Wolbachia sogar soweit verändert, daß das Geschlecht der neuen Generation beeinflusst wird (weibliche Insekten gebären z. B nur Weibchen).

    Penizillin mit seinem Spektrum an medikamentösen Unterarten galt lange Zeit als ein medizinisches Wundermittel, dem kein Erreger widerstand – die Realisiert sah allerdings anders aus. Das 1959 freigegebene Methicillin war als Ersatzmedikament für Penizillin entwickelt worden und bereits nach zwei Jahren traten vereinzelt in europäischen Krankenhäusern methicillinresistente Stämme auf; bis Mitte der 90er Jahre traten immer häufiger ein Bakterienstamm auf, der als Methicillin-resistener Staphylococcus aureus, kurz MRSA, bezeichnet wurde. Die Behandlung wird durch die allgemeine Resistenz gegen die gesamte Klasse der Beta-Lactram-Antibiotika erschwert, hierbei erzeugt der Erreger ein Enzym, das Beta-Lactram spaltet und inaktiviert – hieraus ergibt sich ein außerordentlich eingeschränktes Präparatesprektrum. Vergleichen Sie hierzu unsere Liste ,,Medikamentenapplikationen“ – HIER KLICKEN.

     

 

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