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Nordsee-Ostsee-Straße

Die Nordsee-Ostsee-Straße ist ein historischer Handelsweg der Hanse, der von Lübeck nach Hamburg führte, und so die Ostsee mit der Nordsee verband.

Geschichte

Als um 1230 ein verstärkter Handel Lübecks in Richtung Westen nach Hamburg einsetzte, gewann die Nordsee-Ostsee-Straße, auch Elbe-Trave-Weg genannt, an Bedeutung. Im Jahr 1241 schlossen beide Städte einen Vertrag zum Schutz ihrer Verbindungswege. Für Lübeck war die Straße wichtig für den expandierenden Handel nach Flandern und England, für Hamburg hatte die Straße große Bedeutung für die Kolonisation der Ostgebiete, wo mit Rostock, Wismar, Stettin, Stralsund, Danzig, Riga und Reval neue Städte begründet wurden.

Die Nordsee-Ostsee-Straße führte vom Lübecker Marktplatz über die Holstenstraße, die Holstenbrücke und das spätere Holstentor (erbaut 1469-1476) und die Puppenbrücke zum Hof Nebenhof, dessen Name sich heute noch in der Nebenhofstraße wiederfindet. Über das Gut Bunte Kuh nach Padelügge, Hohenstiege, Hamberge, Stubbendorf, das Kloster Reinfeld, Steinfelderhude und Kneeden nach Oldesloe. Bis hier reichte im Mittelalter der Einflussbereich der Stadt Lübeck.

Von Oldesloe führte die Straße auf zwei Trassen weiter. Der nördliche Weg führte über Blumendorf, Neritz und Elmenhorst nach Bargteheide. Die südliche Streckenführung verlief von Oldesloe über den Rümpeler Weg durchs Quellental und das Dorf Rümpel über das Flüsschen Beste und Hölten Klinken, Fischbek, Mönkenbrook und Hüls nach Bargteheide.

Von hier erstreckte sich der letzte Teil der Strecke, der heute den Namen "Alte Landstraße" trägt, über Timmerhorn, Hunnau und Hoisbüttel nach Bergstedt, von wo er über Sasel, Bramfeld und Barmbek bei der Kuhmühle die damalige hamburgische Landwehr erreichte. Von hier führte der Weg durch den ehemaligen Siechenort St. Georg und das Spitaler Tor in die Hansestadt Hamburg hinein. Ein weiterer Weg führte über das etwas südlich gelegenere Steintor in die Stadt hinein.

Literatur

Erika Dreyer-Eimbcke: Alte Straßen im Herzen Europas, Frankfurt 1989, ISBN 3-524-69078-5

 

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Nowgoroder Schra

Die Nowgoroder Schra (auch: Skra; Mehrzahl: Schraen oder Schragen) war die Hofordnung des Peterhof, dem Kontor der Hanse in Nowgorod.

Die Hofordnung des Peterhof ist die einzige vollständig in Schriftform überlieferte Hofordnung eines der vier Hansekontore überhaupt. Gleichzeitig handelt es sich wohl auch um die strengste Hofordnung eines Hansekontors. Die Schra beinhaltet die Regeln des Zusammenlebens der hanseatischen Kaufleute (Nowgorodfahrer) und die gesamte eigene Judikative als isolierte "Stadt" in der Stadt, weitgehend abgeschlossen von der örtlichen Bevölkerung und deren Ortsrecht unter Führung eines Ältermannes als Träger von Verwaltung und Gerichtsbarkeit.

Von der Schra sind sieben Fassungen überliefert, die vom Inhalt her stadtrechtliches Regelwerk mit dem der Kaufmannsgenossenschaften kombinieren. Die erste Fassung ist wohl schon Mitte des 13. Jahrhunderts noch unter der Dominanz Gotlands entstanden, die zweite vor 1295 erkennt Lübeck erstmals als Oberhof an, die letzte aus dem Jahr 1466. Aufgrund der Stellung der Stadt Lübeck als Vorort der Hanse und der Kontrolle der Kontore durch deren Rat als letzte Instanz sind die Schragen ab der zweiten Fassung stark vom Lübischen Recht beeinflusst. Eine gedruckte Veröffentlichung aller sieben Fassungen erschien 1911 in Dorpat. Kürzlich wurde eine digitale Edition an der Universität Erlangen erstellt.

Siehe auch

  • Die Schrae des Soester Stadtrechts (der nordische Begriff Schra bedeutet ursprünglich "Haut, Pergament" und wurde später insbesondere für darauf verfasste juristische Texte benutzt).

Literatur

  • Wolfgang Schlüter: Die Nowgoroder Schra in sieben Fassungen vom XIII. bis XVII. Jahrhundert. Mattiesen, Dorpat 1911 (Digitalisat ).
  • Stuart Jenks: Die mittelalterlichen Nowgoroder Schraen als digitale Edition. In: Rolf Hammel-Kiesow (Hrsg.): Das Gedächtnis der Hansestadt Lübeck. Festschrift für Antjekathrin Graßmann zum 65. Geburtstag. Schmidt-Römhild, Lübeck 2005, ISBN 3-7950-5555-5, S. 393–403, (Mit CD-ROM u.d.T.: Stuart Jenks: Die mittelalterlichen Schraen des hansischen Kontors in Nowgorod).

 

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Pleskow (Lübecker Ratsfamilie)

Die deutsche Kaufmannsfamilie der Pleskow stellte in den Hansestädten Visby und Lübeck im 13.-15. Jahrhundert über Generationen Ratsherren und Bürgermeister. In Lübeck waren sie von 1299 bis 1451 ratssässig. Als Patrizier der Reichsstadt gehörten die Pleskows nach der Rekonstitution von 1429 der Zirkelgesellschaft an.

Wappen

Das Wappen wird meist nach einem Siegel des Jordan Pleskow an einer Urkunde von 1408 beschrieben: In einem aus vier Kreisbögen und vier Spitzen zusammengesetzten Vierpaß lehnt ein kleiner Schild mit herausschauendem Kopf mit Spitzen aufwärts an beiden Seiten, darunter eine sechsblättrige Rose. Über dem Schild der Helm mit Krone und mit Blättern an den Spitzen von Stengeln an Stelle der Helmdecke. Helmzier anscheinend ein seitwärts schauender bärtiger Kopf, der auch als Russenkopf bezeichnet wird.[1] Das Wappen legt einen Ursprung der Familie in der (auf deutsch) namensgleichen russischen Stadt Pleskau (Pskow) nahe.

Bekannte Familienmitglieder

Linie Hinrich Pleskow

  • Jacov Plescov
    • Johannes Pleskow (* Visby, um 1205-1265), Ratsherr in Visby
      • Henrik Pleskow (um 1230-1292), Ratsherr und Bürgermeister von Visby
        • Johann Pleskow I (* zwischen 1260 und 1280; † 1325), Bürger von Lübeck[2]
          • Johann Pleskow II (* (vor) 1308; † 1367), Ratsherr in Lübeck[3]
        • Arnold Pleskow I (zwischen 1270 und 1280; † 1327), Ratsherr in Visby[4]
          • Bernhard Pleskow († 1368), Ratsherr in Lübeck[5]
        • Hinrich Pleskow I (* um 1260 in Visby; † 1340), war seit 1320 Bürgermeister der Hansestadt Lübeck[6]
          • Hinrich Pleskow II (* vor 1292, spätestens vor 1308; † 1358), war seit 1348 Ratsherr und um 1357 Bürgermeister der Hansestadt Lübeck[7]
            • Bernhard Pleskow (* (vor) 1304; † 1412), Ratsherr in Lübeck[8]
          • Arnold Pleskow II (* spätestens 1317; † 1363), Ratsherr in Lübeck[9]
            • Jordan Pleskow († 1425), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
              • Jordan Pleskow († 1451), Ratsherr in Lübeck, Mitglied der Zirkelgesellschaft, Opfer der Pest[10]

 

        • Jacob Pleskow (um 1265-1327), Ratsherr in Visby
          • Johannes Pleskow (ca. 1290-1339), Ratsherr in Visby
            • Jakob Pleskow (* um 1330; † 1381), Bürgermeister der Hansestadt Lübeck[11]
                • Godeke Pleskow (1371-1451), Ratsherr in Lübeck seit 1433, Mitglied der Zirkelgesellschaft[12]
        • Arnold Pleskow I (zwischen 1270 und 1280; † 1327), Ratsherr in Visby
      • Markward Pleskow (um 1240-1305/10), Ratsherr in Visby

Denkmäler

Das Wappen des Bürgermeisters und Vorstehers der Marienkirche Jakob Pleskow († 1381) hing an der Innenseite des dritten nördlichen Chorpfeilers der Kirche. Zwei weitere Pleskowsche Schilde, jedenfalls diejenigen des Bürgermeisters Jordan Pleskow († 1425) und des Ratsherrn Gottfried Pleskow († 1451) hingen an der Nordseite des ersten Süderpfeilers, wo sie Jacob von Melle noch verzeichnete. Sie sind wohl im späten 18. Jahrhundert beseitigt worden, ebenso wie der Grabstein von Bürgermeister Jakob Pleskow († 1483) im Altarraum.[13]

Literatur

  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie, Lübeck 1925
  • Ahasver von Brandt: Geist und Politik in der lübeckischen Geschichte, Schmidt-Römhild, Lübeck 1954
  • Philippe Dollinger: Die Hanse, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-37102-2
  • Jürgen Wiegandt: Die Plescows - Ein Beitrag zur Auswanderung Wisbyer Kaufmannsfamilien nach Lubeck im 13. und 14. Jahrhundert: (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte) 1988

Einzelnachweise

  1. ↑ Siegel des Mittelalters aus den Archiven der Stadt Lübeck. Hrg. vom Verein für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde, Heft 10, S. 87; Tafel 15, 94
  2. ↑ Wiegandt: Die Plescows, S. 135 - 139
  3. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 361; Wiegandt: Die Plescows, S. 140 - 192
  4. ↑ Wiegandt: Die Plescows, S. 88 - 113
  5. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 358; (falsch?) Sohn von Nr. 294; Wiegandt: Die Plescows, S. 113 - 134
  6. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 294; Wiegandt: Die Plescows, S. 32 - 55
  7. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 362; Wiegandt: Die Plescows, S. 56 - 75
  8. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 431
  9. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 383; Wiegandt: Die Plescows, S. 75 - 88
  10. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 523
  11. ↑ Wiegandt: Die Plescows, S. 193 - 257
  12. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 518
  13. ↑ Gustav Schaumann, Friedrich Bruns (Bearbeiter): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Hrsg. von der Baudeputation. Band 2, Teil 2: Die Marienkirche. Nöhring, Lübeck 1906, S. 336.387

 

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Retabel der Mittelaltersammlung des St.-Annen-Museums

Liste der Retabel in der Mittelaltersammlung des St.-Annen-Museums in Lübeck.

Sammlung

Die Sammlung entstand mit Einrichtung des St.-Annen Museums unter Übernahme der Bestände des Lübecker Dommuseums, das seinerseits die im Hochchor der Katharinenkirche im 19. Jahrhundert entstandene Sammlung des Konservators Carl Julius Milde übernommen hatte.

 

Altar

Datierung

Bildschnitzer

Maler

Herkunft

Besonderheiten

Warendorp-Altar

1340 (Skulptur)

1400 (Malerei)

unbekannt

unbekannt

Lübecker Dom

Flügelaltar (117 x 116,5 x 10,5cm) mit der Tugendkreuzigung, aus der Warendorp-Kapelle, später in der Brömbsen-Kapelle, seit 1948 als Leihgabe im St.-Annen Museum. Der älteste hölzerne Flügelaltar in Lübeck. Neufassung der Bemalung der Flügelaußenseiten um 1400.[1]

Grönauer Altar

1420er-1430

unbekannte Werkstatt in Flandern

unbekannt, Lübeck 1430

Aegidienkirche

Der einzige Hochaltar in der Sammlung des St.-Annen-Museums stammt ursprünglich aus der Aegidienkirche und wurde von dort nach Aufstellung des heute noch vorhandenen Barockaltars 1709 der Siechenkapelle in Klein Grönau überlassen. Von dort kam er 1911 in das Museum. Mittelschrein 149 x 300 x 18cm.[2]

Zirkelbrüder-Altar auch:Schwartauer Altar

1408 bzw. früher (Sandsteinrelief)

1430 (Flügelmalerei)

Westfälische Werkstatt

unbekannter Lübecker Maler

Katharinenkirche

Stiftung der Angehörigen der Zirkelgesellschaft, später in der Georgskapelle des Schwartauer Siechenhauses.[3]

Passionsaltar

1440er (Steinmetzarbeit)

1470er (Bildschnitzerei)

unbekannte Werkstatt südl. Niederlande (Steinmetzarbeit) unbekannter Meister Lübeck (Bildschnitzerei)

./.

St.-Jürgen-Kapelle

Mittelteil (156 x 178 x 14cm) als Fragment eines Flügelaltars, seit 1916 im Museum. Das Bildprogramm zeigt (unvollständig) die Passionsgeschichte. Die fehlenden Bilder werden auf den ehemaligen Altarflügeln vermutet.[4]

Johannesaltar der Schonenfahrer

1475

./.

Bernt Notke

Lübecker Marienkirche

Fragment des Altars der Schonenfahrer bestehend nur aus den Rückseiten der Außenflügel (101 x 71 x 12,5cm).[5]

Altar des Kranenconvents

1470er

Johannes Stenrat (Umkreis)

Hermen Rode (Werkstatt)

Kranen-Konvent

Flügelaltar aus der Hauskapelle des ehemaligen Beginenhauses (101,5 x 171cm), seit 1848 im Museum.[6]

Annen-Schrein

1480-1500

Bernt Notke (Umkreis)

Wilm Dedeke (Umkreis)

Aegidienkonvent oder Michaeliskonvent

Flügelaltar (131 x 57,5 x 29cm) aus einem der beiden Beginenhäuser; Figur der Anna selbdritt mit dem Jesuskind auf dem Arm, daneben kleiner, die gekrönte Maria. Die Flügelmalerei thematisiert die Heilige Sippe.[7]

Schlutuper Altar

1500 (ca.)

Meister des Schlutuper Altars

Bernt Notke (Umkreis, Meister der Revaler Passion)

Katharinenkirche

Der Doppelflügelaltar (Mittelschrein 177 x 116 x 27,5cm; Flügel 177 x 57,5 x 14cm) kam 1848 in die Sammlung des Museums. Der Altar ist eine Kombination von Teilen zweier Altäre der Katharinenkirche.[8]

Lukas-Altar

1484

Johann Stenrat (Umkreis)

Hermen Rode

Katharinenkirche

Der Doppelflügelaltar der Lübecker Lukasbruderschaft mit Predella (Mittelschrein 174 x 115 x 22cm; Flügel 174 x 57 x 22cm) kam 1892 in das Museum.[9]

Annen-Altar

1488

./.

unbekannt

Sammlung Karl Ludwig Roeck

Flügelaltar (67,5 x 51cm) erworben aus dem Nachlass 1869; wohl Hausaltar unbekannter Vorprovenienz.[10]

Greveraden-Altar

1491

./.

Hans Memling

Lübecker Dom

Flügelretabel mit der Passion Christi (Mitteltafel 221,5 167cm; Flügel 221,5 x 83cm), Stiftung der Familie Greverade für die Greveraden-Kapelle des Doms, dort 1939 gesichert gelagert und seit 1945 im St.-Annen-Museum als Eigentum der Hansestadt Lübeck, die Rechtsnachfolgerin der Familienstiftung ist.[11]

Fronleichnamsaltar

1496

Henning von der Heyde

Wilm Dedeke (Altarflügel) Meister des Bützow-Altars (Standflügel)

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Doppelflügelaltar mit einem Paar festen Standflügeln sowie Predella (Mittelschrein 238,5 x 134,5 x 30cm; Flügel 238,5 x 67 x 22cm; Standflügel 256 x 67cm). Auftragsarbeit der aus Lübecker Patriziern bestehenden Heiligen Leichnamsbruderschaft im Wert von 451 Mark lübisch.[12]

Rese-Altar

1499

Imperialissima-Meister (Umkreis)

unbekannt, dem Meister des Güstrower Altars nahestehend

Marienkirche

Flügelaltar mit Predella (Mittelschrein 174 x 114 x 20,5cm; Flügel 174 x 57,5 x 12,5). Letztwillige Stiftung in Zusammenhang mit der Einrichtung einer Vikarie in der Marienkirche durch den Bergenfahrer Hans Rese.[13]

Vierzehn Nothelfer-Altar

1510 (ca.)

./.

unbekannt, dem Meister des Hamburger Domaltars nahestehend

Aegidienkonvent oder Michaeliskonvent

Flügelaltar aus einem der beiden Beginenhäuser. Seit 1848 im Museum.[14]

Gertruden-Altar

1509

Henning von der Heyde (Umkreis)

Hermen Rode (Umkreis)

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Flügelaltar (Mittelschrein 138 x 181 x 20cm; Flügel 138 x 90 x 18,5cm). Stiftung der Gertrudenbruderschaft der Träger, daher steht die heilige Gertrud im Mittelpunkt der Heiligen Sippe.[15]

Sippenaltar der Georgsbruderschaft

1510/15

Meister des Sippenaltars

unbekannt

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Flügelaltar (Mittelschrein 181 x 118 x 23cm; Flügel 181 x 58 x 15,5cm) der Georgsbruderschaft, in der die Reitenden Diener des Rates der Stadt Lübeck verbunden waren. Er ist seit 1848 im Museum.[16]

Wurzel Jesse-Altar

1515

Meister der Burgkirchenaltäre

unbekannt, von Erhart Altdorfer beeinflusst

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Flügelaltar.[17]

Kreuzaltar

1515/20

Henning von der Heyde-Nachfolger (Mittelschrein) Benedikt Dreyer (Flügel)

Hermen Rode-Schüler

Katharinenkirche

Flügelaltar (Mittelschrein 177 x 150 x 30cm; Flügel 177 x 75 x 13,5cm); kam 1892 in die Sammlung des Museums.[18]

Maria Magdalenen-Altar der Bruderschaft der Schneider

1519

Meister der Burgkirchenaltäre

Erhart Altdorfer

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Fragment des von den Schneidergesellen an ihre Bruderschaft gestifteten Doppelflügelaltars mit Predella, die Außen- und Standflügel wurden abgetrennt und gelangten als einzelne Tafelbilder an den Kunstmarkt und in die Sammlung des Kunstliebhabers Johann Nepomuk Graf Wilczek auf Burg Kreuzenstein, zwei davon befinden sich heute im Allen Memorial Art Museum im Oberlin College in Ohio, die zwei weiteren wurden dort ebenfalls katalogisiert, sind aber nicht mehr auffindbar. Der Mittelschrein misst 231 x 132 x 26cm, die Flügel 231 x 66 x 17,5cm und kam 1848 in die Sammlung des Lübecker Museums.[19]

Thomas-Altar der Bruderschaft der Brauerknechte

1520

Meister der Burgkirchenaltäre

Meister des Thomasaltars (Flügel)

Erhart Altdorfer (Standflügel)

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Doppelflügelaltar mit Standflügeln und Predella. Seit 1848 im Museum.[20]

Kerckring-Altar

1520

./.

Jacob van Utrecht

Besitz des Lübecker Ratsherrn Hinrich Kerckring

Flügelaltar, geschaffen als Hausaltar für Hinrich Kerckring. Die Mitteltafel (76 x 61cm) zeigt eine Maria lactans, die Innenseiten der Flügel den Stifter und seine Frau. Weitere Provenienzgeschichte über Jahrhunderte ungeklärt. Im 19. Jahrhundert Bestandteil der Sammlung Friedrich Wilhelm Brederlo in Riga. Einer der spannden Lübecker Geschichten über glückliche Restitution von Beutekunst.[21]

Antonius-Altar

1522

Benedikt Dreyer

Hans von Köln

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Flügelaltar (239 x 134,5 x 28cm) mit der Statue des heiligen Antonius, Auftragsarbeit der Antoniusbruderschaft (1520) im Wert von 310 Mark lübisch.[22]

Laurentius-Altar der Bruderschaft der Brauerknechte

1522

Meister des Prenzlauer Hochaltars

Jacob van Utrecht (Umkreis), früher Zuschreibung an Hans Kemmer

Maria-Magdalenenkirche (Burgkirche)

Der Doppelflügelaltar der Bruderschaft der Brauersknechte (Mittelteil 150 x 150 x 20cm; Flügel 148 x 75 x 20cm) gelangte 1848 in die Sammlung des Museums.[23]

Verkündigungsaltar

1523/25

 

Jacob van Utrecht

Aus Privatbesitz. 2011 bei Christie’s in London ersteigert.

Triptychon mit den Bildern des Stifters und Ratsherrn Hermann Plönnies und seiner Frau, früher in der Sammlung Reedtz-Thott auf Schloss Gavnø auf der Insel Gavnø bei Næstved auf Seeland, seit 2012 im St. Annen-Museum in Lübeck.

Marienaltar auch: Rosenkranzaltar

1525 (ca.)

unbekannter Meister in Hildesheim oder Mecheln

übermalt

Heiligen-Geist-Hospital

Flügelaltar mit Predella (Mittelschrein 222,5 x 217 x 27cm; Flügel 235,5 x 85,5 x 16cm) als Leihgabe der Stiftung Heiligen-Geist-Hospital seit 1989 im St.-Annen-Museum. Er stellt den prunkvollsten Schrein der Sammlung dar.[24]

Antwerpener Wurzel Jesse Altar

1510 (ca.)

./.

unbekannt

Jakobikirche

Fragment eines Flügelaltars bestehend aus vier Altarflügeln (ohne Mittelteil), Flügelmaß 191 x 49,5cm, mit Antwerpener Brandzeichen. 1848 von der Jakobikirche dem Museum überwiesen, ursprünglich dort in einer Seitenkapelle. Malereien im Stile von Hugo van der Goes bzw. Geertgen tot Sint Jans. Das St.-Annen-Museum verfügt auch über eine kleine Wurzel Jesse-Figur, die aus dem verlorenen Mittelteil des Altars stammen soll.[25]

 

Literatur

  • Kerstin Petermann: Bernt Notke. Arbeitsweise und Werkstattorganisation im späten Mittelalter. Berlin: Reimer 2000, ISBN 3-496-01217-X
  • Uwe Albrecht, Jörg Rosenfeld, Christiane Saumweber: Corpus der Mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein, Band I: Hansestadt Lübeck, St. Annen-Museum. Ludwig, Kiel 2005, ISBN 3-933598-75-3
  • Brigitte Heise, Hildegard Vogler: Die Altäre des St. Annen Museums. 2. Auflage. Lübeck 2008, ISBN 978-3-937900-05-6
  • Uwe Albrecht: Kostbarer Flügelaltar des 16. Jahrhunderts kehrt zurück - Lübeck erwirbt das Gavnø-Retabel in London. In: Lübeckische Blätter 2012, S. 44-45

Einzelnachweise

  1. ↑ Corpus, Band I, Nr. 5, S. 52–59; Heise, Vogler (2008), S. 128–131.
  2. ↑ Corpus, Band I, Nr. 26, S. 114–122; Heise, Vogler (2008), S. 48–51.
  3. ↑ Corpus, Band I, Nr. 27, S. 123–129; Heise, Vogler (2008), S. 136–141.
  4. ↑ Corpus, Band I, Nr. 62, S. 190–194; Heise, Vogler (2008), S. 96–98.
  5. ↑ Corpus, Band I, Nr. 64, S. 199–203; Heise, Vogler (2008), S. 110–112.
  6. ↑ Petermann (2000), S. 42–44, 232; Corpus, Band I, Nr. 79, S. 225–232; Heise, Vogler (2008), S. 16–19.
  7. ↑ Corpus, Band I, Nr. 81, S. 234–237; Heise, Vogler (2008), S. 23–25.
  8. ↑ Corpus, Band I, Nr. 82, S. 237–247; Heise, Vogler (2008), S. 104–109.
  9. ↑ Corpus, Band I, Nr. 83, S. 248–257; Heise, Vogler (2008), S. 67–73.
  10. ↑ Corpus, Band I, Nr. 84, S. 258–261; Heise, Vogler (2008), S. 20–22.
  11. ↑ Corpus, Band I, Nr. 85, S. 261–271; Heise, Vogler (2008), S. 86–95.
  12. ↑ Corpus, Band I, Nr. 86, S. 272–282; Heise, Vogler (2008), S. 36–42.
  13. ↑ Corpus, Band I, Nr. 87, S. 283–287; Heise, Vogler (2008), S. 99–102.
  14. ↑ Corpus, Band I, Nr. 88, S. 288–292; Heise, Vogler (2008), S. 124–127.
  15. ↑ Corpus, Band I, Nr. 157, S. 397–405; Heise, Vogler (2008), S. 43–47.
  16. ↑ Corpus, Band I, Nr. 158, S. 406–414; Heise, Vogler (2008), S. 113–116.
  17. ↑ Corpus, Band I, Nr. 159, S. 415–420; Heise, Vogler (2008), S. 132–135.
  18. ↑ Corpus, Band I, Nr. 160, S. 421–429; Heise, Vogler (2008), S. 57–61.
  19. ↑ Corpus, Band I, Nr. 161, S. 430–439; Heise, Vogler (2008), S. 74–80.
  20. ↑ Corpus, Band I, Nr. 162, S. 440–451; Heise, Vogler (2008), S. 117–123.
  21. ↑ Corpus, Band I, Nr. 163, S. 452–456; Heise, Vogler (2008), S. 52–56.
  22. ↑ Corpus, Band I, Nr. 164, S. 457–466; Heise, Vogler (2008), S. 26–30.
  23. ↑ Corpus, Band I, Nr. 165, S. 467–473; Heise, Vogler (2008), S. 62–66.
  24. ↑ Corpus, Band I, Nr. 166, S. 474–482; Heise, Vogler (2008), S. 81–85.
  25. ↑ Corpus, Band I, Nr. 169, S. 491–496; Heise, Vogler (2008), S. 31–35.

 

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Schonische Messe

Die Schonische Messe (dänisch Skånemarkedet; schwedisch Skånemarknaden; deutsch: „Schonenmarkt“) war im Mittelalter während der Zeit des Heringfangs eine jährlich stattfindende Messe in Skanör-Falsterbo auf der Halbinsel Falsterbo im damals dänischen Schonen, auf dem aber auch alle anderen Arten von Fertig- und Halbfertigprodukten bis hin zu Rohstoffen gehandelt wurden.

Die reichen Fanggründe nördlich der Halbinsel Falsterbo für den Hering, eine beliebte und notwendige Fastenspeise des an Fastentagen reichen Mittelalters, begründete am Anfang des 12. Jahrhunderts diese größte nordeuropäische Handelsveranstaltung des Mittelalters und den rasanten Aufstieg und Reichtum der Hansestädte des Wendischen Viertels der Hanse, insbesondere von Lüneburg, Lübeck, aber auch von Wismar, Rostock, Stralsund und Danzig. Die Messe fand zwischen Ende Juli und Ende Oktober statt, wurde jedoch in manchen Jahren bis in die Mitte des Novembers hinein verlängert. Zur Konservierung der Fische für den Transport nach Kontinentaleuropa wurden Fässer und Salz benötigt. Die nächsten reichen Salzvorkommen waren in Lüneburg und wurden von dort über die Alte Salzstraße nach Lübeck gebracht, von dort samt Fässern nach Falsterbo, hinzu kamen die Lieferungen der Güter des täglichen Bedarfs für die in der Saison dort bis 20.000 anwesenden Menschen (Bier als damaliges Grundnahrungsmittel, Fleisch). Auch die dort tätigen Hilfskräfte wurden zum Großen Teil aus den deutschen Städten der Ostseeküste mit Schiffen mitgebracht. So lagen im Öresund vor Falsterbo bis Dragør auf der Insel Amager am Westufer des Sunds zeitweilig gleichzeitig bis zu 500 Schiffe unterschiedlicher Größenordnung, die kleinen konnten 4-5 Fass Heringe laden, die großen um die 400. Ab 1398 erfolgte der Salztransport zwischen Lüneburg und Lübeck über den ersten Kanal Europas, der eine Wasserscheide überwand, den Stecknitz-Kanal. Der Rücktransport der gepökelten Heringe in den Fässern erfolgte auf dem gleichen Weg. Die Dänische Krone vergab an die Städte der Hanse, aber sehr zum Leidwesen der Hanse auch an die Umlandfahrer genannten Kaufleute aus England und den Niederlanden, sogenannte Vitten, Konzessionen auf ein bestimmtes Stück Land auf den Wiesen der Halbinsel, von Stadt zu Stadt durchaus von unterschiedlicher Größe, auf der diese die für die Fischfangsaison notwendigen Gebäude errichteten. Die größten Vitten waren die von Lübeck und Danzig mit je 6 - 10 Hektar. Die Vitten unterstanden Älterleuten der jeweiligen Städte, die auch die Jurisdiktion innehatten. Die dort tätigen Kaufleute aus den Städten waren in speziellen Kaufleutekorporationen, den Schonenfahrer-Gilden ihrer Herkunftsstädte organisiert, die dort wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für ihre Städte auch erheblichen Einfluss auf den Rat der Stadt hatten. Aus Sicht der Dänischen Krone waren Vitten Konzessionen, die in der Summe erheblich zum dänischen Staatshaushalt beitrugen, wie später auch der Sundzoll.

Der Kampf um die Privilegien in diesem Geschäft war einer der Kernpunkte der ständigen und häufig auch kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Hansestädten und den dänischen Königen. Im Frieden von Stralsund (1370) konnte für einen Zeitraum bis 1385 der Heringsmarkt in Schonen von der Hanse als Monopol gesichert und der zunehmende Wettbewerbsdruck der Umlandfahrer völlig zurückgeführt werden. Damit wurde der Messecharakter zugunsten der heimischen Stapelrechte aufgehoben und der Markt auf einen reinen Heringsmarkt reduziert.

Das Ausbleiben der Heringe um 1560 beendete die große Zeit der Märkte in Schonen, Skanör und Falsterbo devastierten nahezu, einher ging allerdings auch der wirtschaftliche Niedergang der Städte des Wendischen Viertels der Hanse.

Literatur

  • Philippe Dollinger: Die Hanse. 2. überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1976, ISBN 3-520-37102-2 (Kröners Taschenausgabe 371).
  • Carsten Jahnke: Das Silber des Meeres. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien, 2000, ISBN 3-412-10599-6.

 

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Wendischer Münzverein

Als Wendischer Münzverein bezeichnet man den vertraglichen Zusammenschluss norddeutscher Hansestädte von 1379 bis in 16. Jahrhundert zum Zweck einheitliche Münzregelungen.

Die daran beteiligten Städte waren hauptsächlich Lübeck, Hamburg, Wismar, Lüneburg und zeitweilig Rostock, Stralsund sowie Hannover. Grundlage war die Lübische Mark, von der etliche Münznominale mit Teilwerten von Witten zu vier Pfennigen, Viertelwitten, Hohlpfennige, Dreilinge, Sechslinge, Blafferte sowie Schillinge geprägt wurden. Lüneburg prägte auch den so genannten Wendentaler, der ebenfalls Gültigkeit im Münzverein besaß. Gemeinsames Zeichen auf den Münzen war ein sechsstrahliger Stern in der Mitte eines Kreuzes. Dieses Zeichen wurde in der Folgezeit von vielen Städten in Mecklenburg, Pommern und Holstein nachgeahmt, ohne dass diese dem Wendischen Münzverein angehörten.

Ein ähnlich funktionierender Münzbund war der Rheinische Münzverein.

Luebecker Goldgulden von 1341a
Wendentaler, Lueneburg, 1541a
Witten, Wismar, nach 1379

Nach Erlass der Augsburger Reichsmünzordnung von 1566 und der Bildung des niedersächsischen Münzkreises akzeptierten auch die im Wendischen Münzverein zusammengeschlossenen Städte die Talerwährung. Offizielles Zahlungsmittel bis in das 19. Jahrhundert war die Lübecker Courantmark. Der Münztag vom 7. Februar 1569 war wahrscheinlich der letzte des wendischen Münzvereins. In den Kreisordnungen für das Münzwesen von 1568 und 1572 wurde nach den neuen Bestimmungen gemünzt, womit sich der Bund von selbst auflöste.

Literatur

  • Wilhelm Jesse: Der Wendische Münzverein. Neudruck mit Nachträgen und Verbesserungen, Braunschweig 1967. VIII S., 1 Bl., 322 S., 37 Tafeln.

 

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Lübecker Münzgeschichte

Die Lübecker Münzgeschichte geht bis ins 12. Jahrhundert zurück; für die Hansestadt Lübeck wurden frühestens seit dem Jahr 1159 Münzen geprägt. Die Münzprägung in Lübeck endete im Jahr 1801. In den Jahren 1901 bis 1912 wurden die letzten Münzen im Namen der Hansestadt Lübeck in Berlin geprägt. Die Münzen des Bistums Lübeck gehören dagegen nicht zur Münzgeschichte der Stadt Lübeck.

Die hochmittelalterlichen Anfänge

Heinrich der Löwe begann als Stadtherr frühestens im Jahr 1159 mit der Prägung von beidseitig geprägten Denaren für die neue Stadtgründung Lübeck, die für Heinrich den Ostseehandel erschließen sollte.[1]

Mit der Verleihung des Münzregals – zunächst nur für Silbermünzen – im Jahr 1226 begann die Prägung eigener Münzen, also nicht die eines Stadtherren. Dabei handelte es sich zunächst um einseitig geprägte Brakteaten mit geringerem Gewicht als dem vorherigen Denar. Im Jahr 1255 vereinbarten Hamburg und Lübeck ein einheitliches Gewicht für ihre Brakteaten mit 0,5 Gramm. In der Folgezeit verloren diese Pfennige nicht nur an Gewicht, sie wurden auch mit geringerem Feinsilberanteil ausgeprägt. Dieser Feinsilbergehalt sank in den folgenden Jahren um 40 Prozent.[2]

Nach der Erweiterung des Münzregals auf Goldmünzen begann Lübeck unter dem Münzherrn Tidemann von Güstrow im Jahr 1341 mit der Ausprägung von (Gold)Gulden, die aber nicht im innerstädtischen Zahlungsverkehr, sondern im beschränkten Umfang als Fernhandelsmünze Verwendung fand.[3]

Der Wendische Münzverein

Frühestens seit dem Jahr 1356 prägte Lübeck ein silbernes 4 Pfennigstück, den Witten mit einem Gesamtgewicht von anfangs 1,33 Gramm, was bei einem Feinsilberanteil von 0,875 einem Feinsilbergewicht von 1,16 Gramm entsprach.[4] Von ihm sollen in den zehn Jahren nach 1367 etwa 15 Millionen Stück in Lübeck geprägt worden sein.[5]

Dieses Nominal wurde von anderen Städten nachgeahmt, so dass das Bedürfnis entstand, den Wert dieser Prägungen verlässlich zu standardisieren. Mit dem Rezess von 1379 entstand der Wendische Münzverein, dem neben Lübeck auch Hamburg und Wismar angehörten. 1381 trat auch Lüneburg bei. Weitere Hansestädte (vor allem Rostock, Stralsund) und Mecklenburg prägten später ebenfalls nach den Vorschriften des Wendischen Münzvereins.[6]

Seit 1388 und endgültig nach dem Rezess von 1422 wurden die Witten von 3 und 6 Pfennigmünzen ("Dreilinge" und "Sechslinge") abgelöst. Seit 1433 wurden diese beiden Nominale um den Schilling ergänzt, der den Wert von 12 Pfennigen hatte. Der Schilling wurde in der Folgezeit immer mehr zur Hauptmünze, auch wenn mit ihm Dreilinge und Sechslinge bis in das 18. Jahrhundert weitergeprägt wurden. Später folgte noch der Doppelschilling als weiteres Nominal. Der Feinsilbergehalt aller Nominale wurde zwischenzeitlich stetig reduziert. Zum Beispiel enthielten die ersten Lübecker Doppelschillinge nach Vereinbarungen mit Hamburg 0,8125 Feinsilberanteil, aber schon 1468 vereinbarten die beiden Städte, den Feingehalt auf 0,750 abzusenken.[7]

Der Goldgulden wurde Ende des 15. Jahrhunderts einem Wert von 32 Schillingen gleichgesetzt. Später wurde eine Großsilbermünze im Wert und mit der Nominalbezeichnung 32 Schillinge geprägt, die bis zum 18. Jahrhundert die wichtigste Großsilbermünze werden sollte.[8]

Die Mark als Münze

Die Mark war ursprünglich eine noch aus germanischer Zeit stammende Gewichtseinheit von ca. 234 Gramm. 1502 wurde die Mark, zunächst im Wert von 1 1/3 Mark (entsprach dem rheinischen Silbergulden), erstmals als Münze ausgeprägt. Ab 1507 wurde die ganze Mark (Courantmark) als Nominal geprägt, die 16 Schillingen entsprach. 32 Schillinge entsprachen somit 2 Mark.[9] Die Münzen dieser Reihe, bis hinunter zum Dreiling, wurden alle in Silber bzw. in Billon geprägt.

Die Prägung von Scherfen aus Kupfer im Wert von halben Pfennigen war dagegen eine Ausnahme (1542 bis 1570).[10]

Der Taler

Die große Akzeptanz des zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstmals ausgeprägten Talers, veranlasste auch Lübeck unter Bürgermeister Nikolaus Brömse dieses neue Großsilbernominal 1537 erstmals herzustellen.[11] Es pendelte sich ein Gesamtsystem ein, nach dem der Gulden den Wert von 2/3 Taler erhielt. Der Gulden entsprach weiterhin 32 Schillingen (gleich 2 Mark) und der Taler 48 Schillingen (gleich 3 Mark). Bei diesem Grundsystem blieb es bis zum Ende der Lübecker Silbermünzenprägung im 18. Jahrhundert.

Die Nominalstruktur der ausgeprägten Lübecker Münzen im 18. Jahrhundert war wie folgt:[12]

  • "48 Schillinge" (= 3 Mark) = 1 Taler = 576 Pfennige
  • "32 Schillinge" (= 2 Mark) = 1 Speziesreichstaler = 384 Pfennige
  • "16 Schillinge" (= 1 Mark) = 1/2 Speziesreichtstaler = 192 Pfennige
  • "8 Schillinge" (= 1/2 Mark) = 1/4 Speziesreichstaler = 96 Pfennige
  • "4 Schillinge" (= 1/4 Mark) = 1/8 Speziesreichstaler = 48 Pfennige
  • "1/24 Reichstaler" (= 1 Groschen) = 24 Pfennige
  • "2 Schillinge" (= 1/8 Mark) = 1/16 Speziesreichstaler = 24 Pfennige
  • "1 Schilling" (= 1/16 Mark) = 1/32 Speziesreichstaler = 12 Pfennige
  • "1 Sechsling" (= 1/2 Schilling)= 1/64 Speziesreichtstaler = 6 Pfennige
  • "1 Dreiling" (= 1/4 Schilling)= 1/128 Speziesreichstaler = 3 Pfennige
  • "1/192 Taler" (= 1 Dreiling) = 3 Pfennige

Der 1/24 Reichstaler und der 1/192 Taler sind Bruchstücke des Talers zu 48 Schillingen, nicht des Speziestalers zu 32 Schillingen. Das Dreischillingstück ("Dütchen") wurde in Lübeck im 18. Jahrhundert nicht mehr geprägt. Die Prägungen von Doppeldukaten, Dukaten, Halbdukaten und Vierteldukaten aus Gold können nicht in ein festes rechnerisches Wertverhältnis zu den vorgenannten Silber- und Billonmünzen gebracht werden (Bimetallismus). Der Pfennig oder sein Halbstück ("Scherf") wurden im 18. Jahrhundert nicht mehr ausgeprägt. Eine Kupfermünzenherstellung wurde nach dem Versuch im 16. Jahrhundert mit dem Kupferscherf, trotz gegenläufiger Tendenzen in vielen anderen Regionen in Deutschland, im 18. Jahrhundert nicht wieder aufgenommen.

Das Ende der Lübecker Münzprägung

Das Hamburgisch-Lübische Schillingsystem war eines der sieben Währungsysteme, die bei der Einführung der einer gemeinsamen Reichswährung nach der Reichsgründung 1871 noch bestanden.[13] Während Hamburg im 19. Jahrhundert noch gelegentlich 32 Schillingstücke, sowie Kleinmünzen im Wert von 1 Schilling und Sechslinge und Dreilinge ausmünzte, endete die Silbermünzenprägung der Lübecker Münze in der Fleischhauerstraße 18 im Jahr 1797. Die Lübecker Schillingenominale, sowie die Sechslinge und Dreilinge aus dem 18. Jahrhundert liefen bis zur Einführung der Reichsmünzen, neben zunehmend mehr fremden Münzen, immer noch um.

Die letzte Goldmünze, ein Dukat, wurde in Lübeck 1801 geprägt. Für genau 100 Jahre wurden dann weder in Lübeck, noch in anderen Münzstätten für Lübeck Münzen geprägt. Zwischen 1901 und 1912 wurden 2, 3, und 5 Mark-Silbermünzen, sowie 10 und 20 Mark-Goldmünzen der Reichswährung geprägt. Die Rückseiten dieser Nominale durften die Mitgliedsstaaten des Deutschen Reichs mit dem Bildnis ihres Fürsten, bzw. die Stadtstaaten mit ihrem Wappen gestalten (Artikel 3, § 2 des Reichsmünzgesetzes vom 9. Juli 1873) . Auf die eigentlichen Parameter der Münzpolitik hatten die Mitgliedsstaaten jedoch keinen Einfluss mehr.

Lübecker Münzherren und Münzmeister

  • Adolf Mattheus Rodde, Münzherr 1716–1729

Literatur

  • Dieter Dummler: Die Münzsammlung der Reichs- und Hansestadt Lübeck, Reihe "Handel, Geld und Politik", Heft 12, (Hrsg. Rolf Hammel-Kiesow), Lübeck 2012, ISBN 978-3-7950-4511-1
  • Heinrich Behrens: Die Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck, Lübeck 1905
  • Wilhelm Jesse: Der Wendische Münzverein., Neudruck mit Nachträgen und Verbesserungen, Braunschweig 1967. VIII S., 1 Bl., 322 S., 37 Tafeln.
  • Herbert Rittmann: Über die historische Entwicklung der Stadt Lübeck und ihre geldgeschichtliche Bedeutung, in: Geldgeschichtliche Nachrichten November 1971, Seite 358–360
  • Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, Battenberg Verlag München, 3. Auflage 2002, S. 519–522, ISBN 3-89441-525-8
  • Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland, Reclam Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-018026-0

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieter Dummler, Die Münzsammlung der Reichs- und Hansestadt Lübeck, S. 10 f
  2. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 11–14
  3. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 16–18
  4. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 19–20
  5. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 18–19
  6. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 20–21
  7. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 30
  8. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 24–28
  9. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 32 ff
  10. ↑ Heinrich Behrens, Münzen und Medaillen der Stadt und des Bisthums Lübeck, S. 185 f
  11. ↑ Dieter Dummler, a.a.O., S. 38 f
  12. ↑ Gerhard Schön, Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, S. 519–522
  13. ↑ Wolfgang Trapp, Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland, S. 102 f

 

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Münzvertrag

Ein Münzvertrag ist eine rechtlich verbindliche Vereinbarung zwischen mehreren Münzständen, die ihr Münzrecht nach vereinheitlichten Grundsätzen ausüben. Ein Synonym ist der Begriff "Münzkonvention". Der Zusammenschluss dieser Vertragspartner wird auch "Münzverein" genannt. Werden diese Verträge zwischen Staaten geschlossen sind sie völkerrechtliche Verträge. Bis in das 19. Jahrhundert hinein hatten aber auch Gebietskörperschaften das Münzrecht inne, denen keine Staatsqualität zukam. Auch solche Städte oder Landschaften konnten Vertragspartner von Münzverträgen sein.

Regelungsinhalt

Typischerweise regeln Münzverträge welche Münznominale mit welchem Edelmetallgehalt geprägt werden und ob und wie diese Nominale unterteilt werden sollen. Dazu wird zunächst meist ein Münzgrundgewicht, wie zum Beispiel die Kölner Mark mit circa 234 Gramm Feinsilber festgelegt. Anschließend folgt die Festlegung eines Münzfußes, der bestimmt, wie viele Münzen eines Nominals, zum Beispiel des Talers, aus diesem Münzgrundgewicht geprägt werden. Werden zum Beispiel 10 Taler aus der Kölner Mark geprägt, spricht man von einem 10-Taler-Fuß.

Geregelt wird meist auch eine gegenseitige Annahmepflicht und die Verpflichtung zur Einziehung, wenn durch Abrieb eine festgelegte Gewichtstoleranz unterschritten wird.

Geschichtliche Entwicklung

Bereits in der griechischen Antike verabredeten verschiedene Städtebünde ein festgelegtes Gewicht für die Griechischen Drachmen, ihre Vielfachen und Teilstücke. Das Römische Reich kannte immer nur ein im ganzen Reich gültiges Münzsystem. Eines Münzvertrages bedurfte es deshalb nicht.

Im Spätmittelalter wurde zwischen einigen Hansestädten der Wendische Münzverein gegründet. Im Westen Deutschlands war der Rheinische Münzverein von besonderer Bedeutung.

Beispiele in der Neuzeit waren der Zinnaer Münzverein von 1667 und die Bayrisch-österreichische Münzkonvention von 1753. Im 19. waren in Deutschland der Münchner Münzvertrag von 1837, mit dem der Süddeutsche Münzverein gegründet wurde, der Dresdner Münzvertrag von 1838 und der Wiener Münzvertrag von 1857 von besonderer Bedeutung. Einige west- und südeuropäische Länder schlossen sich im Jahr 1865 zur Lateinischen Münzunion zusammen.

Literatur

  • Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland. Reclam Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-15-018026-0.

 

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Mecklenburgische Münzgeschichte

Sieht man von Funden antiker und früh- und hochmittelalterlicher Münzen ab, die durch Handel nach Mecklenburg gelangt sind ab, beginnt die Mecklenburgische Münzgeschichte mit der Prägung eigener Münzen zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Sie sollte erst mit der Einführung der Reichswährung durch die Reichsmünzgesetze von 1871 und 1873 enden.

ie Prägung von einseitig geprägten Brakteaten mit dem mecklenburgischen Stierkopf begann ab etwa dem Jahr 1201.[1] Diese kleinen Silbermünzen ähnelten, vom Motiv des Stierkopfs abgesehen, den zu gleicher Zeit zum Beispiel in Hamburg und Lübeck geprägten Hohlpfennigen. Während im Westen die Prägung dieser Brakteaten länger beibehalten wurde, ging der Osten dazu über zweiseitig geprägte Denare und sogenannte "Finkenaugen" nach pommerschen und brandenburgischen Vorbild herzustellen.[2]

Wendischer Münzverein

Die mecklenburgischen Städte Rostock und Wismar erwarben im 14. Jahrhundert das Münzrecht.[3] Sie konnten deshalb dem Wendischen Münzverein beitreten und ab dem Jahr 1379 den Witten, ein silbernes Vierpfenningstück, prägen. Die mecklenburgischen Landesherren prägten ebenfalls den Witten, ohne jedoch Mitglied des Wendischen Münzvereins zu werden.

Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Prägung des Wittens durch die Prägung zwei weiterer Nominale ergänzt: dem Dreiling (ein 3 Pfennigstück) und dem Sechsling (seinem Doppelten, einem 6 Pfennigstück). Ab 1432 folgte die Prägung des Schillings im Wert von 12 Pfennigen und ab 1468 der Doppelschilling im Wert von 24 Pfennigen.[4] Dieses System sollte bis zum Ende der mecklenburgischen Münzprägung beibehalten werden, auch wenn diese Münzen später im 18. und 19.Jahrhundert nur noch Kleinmünzen waren.

Frühe Neuzeit

Mit der Prägung von 2/3 Markstücken ab 1502 orientierte sich Mecklenburg zunächst am hamburgisch-lübschen Vorbild, wechselte dann aber ab 1540 zur Talerprägung nach sächsischen Vorbild.[5]

Im Dreißigjährigen Krieg blieb auch Mecklenburg nicht von der Überschwemmung mit minderjährigen, kaum noch silberhaltigen Kippermünzen, verschont, während das besserhaltige Geld aus dem Geldumlauf verschwand ("Greshamsches Gesetz"). Aber auch nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde auch am Ende des 17. Jahrhunderts der Geldumlauf durch minderwertige Münzen aus sogenannten "Heckenmünzstätten" überschwemmt.[6]

18. Jahrhundert

Nach der preußischen Münzreform von 1750 prägte Mecklenburg deutlich geringhaltigere Münzen, deren Umlauf in Preußen verboten wurde.[7] Ab 1763 wurde das mecklenburgische Münzsystem stabilisiert. Mecklenburg-Schwerin folgte dem 11 1/3 Talerfuß des hamburgisch-lübschen Münzsystems, während Mecklenburg-Strelitz den 13 1/3 Talerfuß einführte.[8]

19. Jahrhundert

Bis 1847 ließen beide Mecklenburg in der Münzstätte Schwerin prägen. Nach der Schließung der Schweriner Münzstätte wurde für beide Großherzogtümer in der preußischen Münzstätte geprägt.[9]Wismar und Rostock übten ihr Münzregal für die Kupfermünzen durch die Prägung von kupfernen 1 und 3 Pfennigen noch bis 1854 (Wismar) bzw. 1864 (Rostock) aus.[10]

Nach der Reichsgründung 1871 und der Verabschiedung des ersten Reichsmünzgesetzes im selben Jahr ließen beide Mecklenburg durch die sächsische Münzstätte Dresden 1, 2 und 5 Pfenningmünzen aus Kupfer prägen, die sich als Kleinmünzen in die neue Reichswährung "Mark" einfügen sollten. Diese Münzen enthielten Umschriften, die das Verhältnis der Münzen zur neuen Mark angaben, die nun nach dem Dezimalsystem in 100 Pfennige geteilt wurden. Da sie nicht den Bestimmungen des zweiten Reichsmünzsystems entsprachen, wurden diese Münzen 1878 außer Kurs gesetzt.[11]

Reichsmünzen mit mecklenburgischer Rückseite

geprägte Münzen der Reichswährung, deren Rückseten nach Artikel 3, § 2 des Reichsmünzgesetzes vom 9. Juli 1873 mit einem mecklenburgischen Bild versehen waren. Neben Kursmünzen waren der Regierungsantritt von Grossherzog Friedrich Franz IV. nach erreichter Volljährigkeit, die Hochzeit von Friedrich Franz IV. und Alexandra von Hannover und Cumberland 1904 und die Jahrhundertfeier des Großherzogtums 1915 Anlass und Motiv der Münzen.

Literatur

  • Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, Schriftenreihe des Regionalmuseums Neubrandenburg, Nr. 27, (Jahr 1995)
  • Hermann Junghans, Die letzten Pfennige Mecklenburgs, in: Geldgeschichtliche Nachrichten, März 2010 und "Stier und Greif" - Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg - Vorpommern, S. 79-83
  • Michael Kunzel, Das Münzwesen Mecklenburgs von 1492 - 1872, Berlin 1994
  • AKS, Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute, Battenberg Verlag, 16. Auflage, München 2000, ISBN 3-89441-469-3

Einzelnachweise

  1. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 9
  2. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 13
  3. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 13
  4. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 14-17
  5. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 20
  6. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 26 ff
  7. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 35
  8. ↑ Aus 1000 Jahren mecklenburgischer Münzgeschichte, S. 35
  9. ↑ AKS, Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute, S. 218 und 229
  10. ↑ AKS, Großer Deutscher Münzkatalog von 1800 bis heute, S. 233-235
  11. ↑ Hermann Junghans: Die letzten Pfennige Mecklenburgs. S. 80-83

 

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Wendischer Städtebund

Der Wendische Städtebund entstand 1259 zwischen Lübeck, Kiel, Wismar, Rostock und Stralsund. Er diente der Sicherung der Handelswege auf dem Land und zur See und gilt als Keimzelle sowohl des späteren wendischen Quartiers als auch der Deutschen Hanse insgesamt. Seine Wurzeln lagen im Bündnis zwischen Hamburg und Lübeck von 1230, vertraglich festgelegt 1241. Verstärkt wurde er durch das traditionell mit Hamburg verbündete Lüneburg sowie später durch die pommerschen Städte Greifswald, Stettin und Anklam. Zum Teil waren diese Städte auch im Wendischen Münzverein zusammengeschlossen.

Literatur

  • Philippe Dollinger: Die Hanse. 5. Auflage, Stuttgart 1998, ISBN 3520371057.

 

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Wenden

Wenden (auch Winden, lateinisch Venedi) bezeichnet diejenigen Westslawen, die vom 7. Jahrhundert an große Teile Nord- und Ostdeutschlands (Germania Slavica) bewohnten, heute meist als Elbslawen bezeichnet. Sie dürfen nicht mit den „Windischen“ (Slowenen) im Alpenraum verwechselt werden, die zu den Südslawen gehören und deren deutsches Ethnonym auf dieselbe Wortwurzel wie „Wenden“ zurückgeht.

Wortherkunft

Das Ethnonym „Wenden“ ist in verschiedenen Varianten seit dem 6. Jahrhundert in der schriftlichen Überlieferung nachweisbar. Verwendet wurde es zuerst als unpräziser Sammelbegriff für verschiedene Gruppen von Menschen, heute als Slawen bezeichnet, und geht auf eine germanische Fremdbezeichnung zurück.

Im Lateinischen ist die Bezeichnung weiterhin Vandalia bzw. Vandalorum (Wendenland) geblieben.

Im östlichen Germanien, wo einst Wandalen wohnten, kamen mit der Völkerwanderung und den Anstürmen aus Asien späterhin verschiedene Volksgruppen, die dann zusammengefasst Wenden genannt wurden. Der polnische Chronist Vinzenz Kadlubek ging noch einen Schritt weiter und erfand die Wanda (Sage), um dem neu geschaffenen Herzogtum der Polanen eine weit zurückreichende Geschichte zu beschaffen. Kadlubeks vielfach wiederholte und als wahr ausgelegte Geschichte setzte Polen mit Wandalen gleich und nannte den Fluss, an dem seine „Wanda“ und ihr Volk lebte, „Wandalus“ (Weichsel).

Der Slawist Aleksander Brückner stellte folgendes über Mag. Vincenz Kadlubek und dessen Sagenerfindungen fest: „Nur ein einziger von allen, die sich je mit polnischer Urgeschichte beschäftigt haben, hat das Richtige eingesehen, der Lemberger Erzbischof Gregor von Sanok im XV. Jahrh. (…) (er hat) die Angabe des Mag. Vincentius zurückgewiesen (…) Gregor erkannte richtig, dass allein die falsche Gleichung Poloni = Vandali den Mag. Vincentius zur Ansetzung seiner Vanda verführt hatte und wies sie folgerichtig ab; alle seine Nachfolger sind weniger vorsichtig gewesen und haben nur Irrthümer auf Irrthümer gehäuft. Da die Polen keinerlei Tradition aufweisen konnten, hat Mag. Vincentius die Legenden erfunden.“[1]

Das Wort Wenden wird auch im Zusammenhang mit dem lateinischen (und altgriechischen) Namen Venetae gebracht, mit dem zur Zeitenwende und in der römischen Kaiserzeit drei verschiedene Völker bezeichnet wurden: Die keltischen Veneter lebten zur Zeit Caesars nördlich der Loiremündung in Gallien. Die Veneter der östlichen Alpen und nördlichen Adria haben kurze schriftliche Zeugnisse zurückgelassen und werden unsicher als italisch oder illyrisch eingeordnet. Die dritten Venetae oder Venedae waren im römischen Reich nur vom Hörensagen bekannt. Den Autoren Plinius, Tacitus, Ptolemaios und im frühesten Mittelalter Jordanes zufolge lebten sie im Baltikum oder anderweitig östlich der Weichsel. Nach der differenziertesten Darstellung des Ptolemäus dürften sie Balten gewesen sein. Als slawisch kommen nach seiner Beschreibung eher die Sulones und die Stavani infrage, deren Gebiet sich weit bis zu den Alauni (Alanen) erstreckte.[2]

Aus den überlieferten Aufzeichnungen frühmittelalterlicher Autoren wird allgemein geschlossen, das aus der Antike überkommene Wort sei mit dem Erscheinen der Slawen von den Germanen auf ihre neuen unbekannten slawischen Nachbarn übertragen worden, ähnlich wie welsch, Welsche oder Wallische, das etymologisch auf einen keltischen Stamm der Volcae zurückgeht und dann auf die Romanen (Schweiz, Italien), in Britannien auf die keltischen Cymrer (Kambrier) in Wales angewandt wurde.

Das finnische Wort für Russland ist „Venäjä“, das für Russen „Venäläiset“, die schwedischen Wörter sind „Ryssland“ bzw. „Ryss“. Die finnischen Wörter „Ruotsi“ und „Ruotsalaiset“ bezeichnen hingegen das Land und das Volk der Schweden – eine Erinnerung an den skandinavischen Ursprung der einst im Gebiet des heutigen Russland siedelnden Waräger und ein möglicher Hinweis auf eine von antiken Vorbildern unabhängige Bezeichnung für Slawen mit dem Wortstamm „ven…“.

Die Bezeichnung Wenden findet sich in diesem Sinne mehrfach:

  • Die Veneter an der mittleren Weichsel wurden Jordanes zufolge um 350 von den Ostgoten unterworfen.
  • Die im bairischen bzw. oberdeutschen Sprachraum übliche Version „Windisch“ wurde ursprünglich für slawische Nachbarn sowohl nördlich als auch südlich der Alpen gebraucht. Später bezeichnete „Wendisch“ bzw. „Wenden“ nur noch die Elbslawen, während „Windisch“ die Bezeichnung für die slowenische Sprache wurde.
  • Die Baiuwaren bezeichneten vor allem einen zu den Alpenslawen als Teil der Südslawen gerechneten Stamm als Windische. In Verbindung mit der zeitgenössischen Latinisierung als Veneti, Vineti, Vinedi könnte dies eine sekundäre Übertragung des ursprünglich auf die antiken Alpenbewohner bezogenen Namens sein. Die Eigenbezeichnung dieser Slawen war Karantanen. 631 wird in der Fredegar-Chronik Karantanien als marcha Vinedorum (‚Mark der Wenden/Windischen‘) genannt. Seine Bewohner gehören zu den Vorfahren der heutigen Slowenen, wie sie etwa seit dem 16. Jahrhundert heißen.
  • „Windisch“ ist allerdings auch Namensbestandteil mehrerer einstmals slawisch besiedelter Orte nördlich der Donau, etwa Windischeschenbach im Norden der Oberpfalz, der Weiler Windisch Bockenfeld westlich von Rothenburg ob der Tauber und Windischbuch beim nordbadischen Boxberg.

„Wendisch“ und „Windisch“

„Windisch“ ist die traditionelle deutsche Bezeichnung für die slowenische Sprache. Seit dem Zerfall der Donaumonarchie wurde diese Bezeichnung aus politischen Gründen auf die Slowenischsprachigen in der Republik Österreich eingegrenzt und dem Slowenischen in Jugoslawien bzw. der Republik Slowenien gegenübergestellt. So ist im heutigen Österreich „Windische“ eine verbreitete Bezeichnung für die im Grenzgebiet lebenden Kärntner sowie die Eigenbezeichnung derjenigen, die diese Sprache (Mundart) verwenden, aber nicht als Slowenen gelten wollen.

„Wendisch“ (elbslawisch) und „Sorbisch“

Die deutsche Eigenbezeichnung der alteingesessenen Slawen in der (brandenburgischen) Niederlausitz ist Gegenstand von Auseinandersetzungen. Während vor allem in der DDR die einheitliche Bezeichnung Sorben für die Slawen der Nieder- und Oberlausitz verwendet wurde, verstehen sich viele Niederlausitzer als Wenden in Abgrenzung zu den Sorben in der (sächsischen) Oberlausitz. In diesem Sinne wird auch die slawische Sprache in der Niederlausitz als Wendisch oder Niedersorbisch bezeichnet, wovon sich das (Ober-)Sorbische in der Oberlausitz unterscheidet. Mittlerweile tritt nur die Bezeichnung Sorbisch als kulturelle Einheit und anerkannte Minderheit in der gesamten Lausitz heraus.

Geschichte

Seit dem späten 6. Jahrhundert und im 7. Jahrhundert wanderten Slawen in die oben genannten Gebiete der Germania Slavica ein. Dabei wurden in der Zeit um 600 und in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts zunächst die Gebiete entlang der Elbe und unteren Saale aufgesiedelt. Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts und verstärkt im 8. Jahrhundert erfolgte die Besiedlung der nördlich davon liegenden Regionen bis zur Ostsee. Zu einer Herausbildung von „Stämmen“ und „Stammesverbänden“ (Ethnogenese) kam es erst infolge der Landnahme in den neu erschlossenen Siedlungsräumen. Einen Höhepunkt der westslawischen Entwicklungsgeschichte stellt die frühe „Staatsbildung“ der Abodriten im Raum des heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburgs im 11. Jahrhundert dar. Die Slawen kämpften gegen Dänen und Deutsche um die Vorherrschaft im südlichen Ostseeraum (etwa im Wendenkreuzzug) und unterlagen schließlich. Auch auf den dänischen Inseln Lolland und Falster gab es slawische Siedlungen.

Im Laufe der mittelalterlichen Ostkolonisation ab dem 11. Jahrhundert, verstärkt aber erst im 12. Jahrhundert und 13. Jahrhundert, kam es zu einer Verschmelzung der Elbslawen mit den neu zugewanderten deutschen Siedlern und zur Herausbildung sogenannter „deutscher Neustämme“ der Brandenburger, Mecklenburger, Pommern, Schlesier und Ostpreußen (Die Ostpreußen sind jedoch nicht aus Deutschen und Wenden, sondern aus Deutschen, baltischen Pruzzen, Litauern und polnischen Masowiern entstanden). Die westslawischen Sprachen und Dialekte im Heiligen Römischen Reich wurden in einem jahrhundertelangen Prozess der Germanisierung – nicht selten durch Restriktionen (Gebrauchsverbote) – zurückgedrängt. Im 15. Jahrhundert wurde der Gebrauch der wendischen Sprache auf den Gerichten in Anhalt untersagt. Sie wurde jedoch im Alltag weiter verwendet, und noch Martin Luther schimpfte über „wendisch sprechende“ Bauern in der Gegend von Wittenberg. In einigen Gebieten wie im niedersächsischen Wendland (siehe auch Drawehn) oder in der brandenburgisch-sächsischen Lausitz konnten die Slawen ihre kulturelle Eigenständigkeit und ihre Sprachen bis weit ins 18. Jahrhundert beziehungsweise bis heute bewahren.

„Schwebendes Volkstum“ nach 1945

Ein recht widersprüchliches Schicksal erlebten die von der polnischen Regierung als „autochthone Slawen“ betrachteten Bevölkerungsteile der deutschen Ostgebiete nach 1945 (im südlichen Ostpreußen, Ostpommern und in Oberschlesien). Teilweise waren sie 1945 mit den anderen Bewohnern vor der Roten Armee in den Westen geflüchtet oder wurden unmittelbar nach Kriegsende als Deutsche vertrieben und gingen dann in der neuen Heimat in der deutschen Bevölkerung auf. Nach einer kurzen Übergangszeit hinderten die polnischen Behörden jedoch als Slawen betrachtete Bevölkerungsteile am Verlassen der Heimat und zwangen sie zu einer s.g. „Verifikation“ (weryfikacja)[3] als ethnische Polen. Sie sind nach 1945 teilweise im polnischen Volk aufgegangen (Masuren, Schlesier), haben zu ihrer eigenen Identität gefunden (Kaschuben in den ostpommerschen Landkreisen Bütow und Lauenburg) oder aber definieren sich nunmehr – sich der Polonisierung widersetzend – als deutsche Minderheit, mitunter auch einfach als „Schlesier“. Die Wissenschaft hatte diesen Zustand der nichteindeutigen Volkszugehörigkeit früher „schwebendes Volkstum“ genannt:[4][5][6][7] Diese Menschen waren der Abstammung nach eher Slawen, bedienten sich aber nur noch teilweise der slawischen Sprache (oft nur als „Haussprache“), fühlten sich aber eher als Deutsche. Nach 1945, als die deutschen Provinzen östlich der Oder an Polen fielen, sollten ihre Nachfahren zunächst „polonisiert“ (als eigentliche Slawen ins polnische Volk integriert) werden. Da sie sich dem aber widersetzten, weil sie sich inzwischen längst als Deutsche fühlten, ließ man sie schließlich in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen.[8]

Geschichtsschreibung

Geschichtliches über die Wenden ist bereits von zeitgenössischen Chronisten aufgeschrieben worden, insbesondere von Thietmar von Merseburg, Adam von Bremen, Helmold von Bosau und Saxo Grammaticus, allerdings nicht unter langfristiger Perspektive. Im 15. Jahrhundert waren die Wenden in die im Rahmen der deutschen Ostsiedlung gebildeten Neustämme, an deren hochmittelalterlichem Landesausbau sie teilnahmen, zwischen Elbe und Oder, Ostsee und Fläming nahezu restlos integriert. Den ersten großen Rückblick auf die insoweit abgeschlossene Geschichte der Wenden gab 1519 der Hamburger Gelehrte Albert Krantz. Der Kurztitel “Wandalia“ seiner “Beschreibung Wendischer Geschicht“ zeigt, dass er im Rückgriff auf antike römische Schriftsteller die Wenden irrigerweise für die Nachkommen der Vandalen (nicht der Veneter) hielt, also eines ostgermanischen Stammes; allerdings war diese falsche Gleichsetzung bereits im Mittelalter gängig gewesen. Der auch in Lübeck tätig gewesene Staatsmann Krantz begann sein Werk mit den Worten:

    „In diesem Strich deß Wendischen Lands Seewärts, an den die Wenden (welche die unserigen auch Sclauen heissen) vor Jahren und jetzt die Sachsen bewohnen, haben ehemals schöne herrliche Städte gelegen, deren Macht so groß gewesen, daß sie auch den gewaltigen Königen von Dennemarck offtmals zu schaffen gegeben, die nun theils gantz umbgekehret, theils aber wie sie außgemergelt zu geringen Flecken und Vorwercken seyn gemacht worden. Gleichwol seyn unter Regierung der Sachsen, an deren stadt andere, so Gott lob jetzt in vollem Reichthumb und Macht stehen, erbawet, die sich auch deß alten Nahmens dieser Länder nicht schämen und daher noch heutiges Tages die Wendischen Städt heissen. Umb deren willen bin ich desto williger gewesen, diese Wendische Historien zu schreiben. Unnd will nunmehr hinfort anzeigen, was diese Nation vor vndenklichen Jahren für Thaten außgerichtet, was für Fürsten darinn erzogen und geboren vnnd was noch jetzunder für schöne Städte in dieser gegend an der See vorhanden.“

    – Albert Krantz Wandalia

Im „V. Capitel“ fährt er fort:

    „Nach dem die Sachsen diese Wendische länder unter sich vnnd in die eusserste Dienstbarkeit gebracht, ist dieser Nahme dermassen verächtlich, daß, wenn sie erzürnen, einen der Leibeigen vnd ihnen stets vnter den Füssen ligen muß, anderst nicht denn einen Sclauen schelten. Wenn wir aber vnser Vorfahren Geschichte vnd Thaten vns recht zu gemüht führen vnd erwegen, werden wir vns nicht für ein Laster, sondern für eine Ehre zu ziehen, daß wir von solchen Leuten hergeboren.“

    – Albert Krantz Wandalia

Krantz bezieht sich immer wieder auf die bekanntesten Chronisten Adam, Thietmar, Helmold und Saxo, wobei er vor allem das Rühmliche hervorhebt, zum Beispiel die von Adam geschilderte Pracht von Vineta. Das Heidentum der Slawen erwähnt er zwar auch, aber ohne die bei den Chronisten übliche Abscheu, denn für Krantz sind die Wenden ja ursprünglich ein Stamm der Germanen gewesen, die ebenso heidnisch waren. In ihrem Kampf gegen das Reich unterscheiden sich für ihn die Wenden nicht von den Dänen. Krantz behandelt alle slawischen Völker Europas, aber im Mittelpunkt seines Interesses steht das Land der Obotriten, auf dem das „Wendische Quartier“ der Hanse entstand. Auch auf die Mark Brandenburg geht er ein („Die Marck Brandenburg ist der vornembsten theile einer mit von den Wendischen landen“), zunächst auf den markgräflichen Besitz auf dem Westufer der Elbe:

    „Vnd will ich erachten, daß zu den zeiten der dreyer Ottonum die Sachsen nach außtreibung der Wenden diese Länder albereit innegehabt. Denn auch Keiser Heinrich, Ottonis des grossen Vater, hat die eroberte Stadt Brandenburg zu einer Sächsischen Colonien gemachet vnnd dahin einen Marggraffen verordnet, dessen Nachkömmlinge einen herrlichen Tittel von ihm auff sich gestammet. […] Wie nun die Sachsen wiederumb sich gesterckt [nach dem Slawenaufstand 983], haben sie durch beider Herren Hertzogen Heinrich und Marggraf Albrechten macht den mehrer theil der Wenden erschlagen vnnd die vbrigen vertrieben.“

    – Albert Krantz Wandalia

Die märkischen Geschichtsschreiber Johann Christoph Bekmann (1641–1717) und Jacob Paul von Gundling (1673–1731) haben in ihren Geschichtswerken „Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ beziehungsweise „Leben und Thaten des Herrn Albrechten des Ersten, Markgrafen zur Brandenburg“ ausdrücklich Bezug genommen auf den „berühmten Skribenten Crantzius“, haben aber dessen Sicht auf die Wenden nichts qualitativ Neues hinzugefügt. Alle drei kannten die für die Entstehung der Mark Brandenburg wichtigste Quelle (Heinrich von Antwerpen, etwa 1150 bis 1230) nur in Bruchstücken ohne Kenntnis der Zusammenhänge und des Autors.

Dies war auch der Kenntnisstand Fontanes, als er 1873 im Band „Havelland“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ das Kapitel schrieb: „Die Wenden und die Kolonisation der Mark durch die Zisterzienser.“ Wie auch Bekmann und Gundling übernahm er von Krantz die Stichworte „Ermordung und Vertreibung der Wenden durch die Sachsen“ und „Kolonie“ („Ostkolonisation“). Ohne die Quelle Heinrich von Antwerpen (und die heutigen Forschungsergebnisse) war ihnen nicht oder nicht ausreichend bewusst, dass Albrechts Zeitgenossen Pribislaw-Heinrich von Brandenburg und Jaxa von Köpenick bereits seit Geburt Christen waren, wie nahezu alle slawischen Fürsten dieser Zeit. Auch war ihnen der bereits zu Beginn seiner Regierungszeit von Pribislaw mit Albrecht dem Bären abgeschlossene Erbvertrag über seine Nachfolge im Hevellerland unbekannt. Die beiden klassischen Topoi der Geschichtsschreibung über die Wenden in der Mark Brandenburg, nämlich „blutiger Kampf“ und „Christianisierung“ haben daher nicht die Bedeutung, die die heutige Populärliteratur ihnen noch immer beimisst. Der Erbvertrag mit Pribislaw und das Christentum von Jaxa werden zwar inzwischen korrekt berichtet, ohne aber das Gesamtbild der Wenden als kampfwütige Heiden ohne Kultur (Fontane: „Unkultur“[9]) zu korrigieren. Dies ist um so erstaunlicher, als der Hamburger Staatsmann Krantz, der am Anfang der Geschichtsschreibung über die Wenden stand, es sich als Ehre anrechnete, von den Wenden abzustammen.

Siedlungsformen

Typisch für die Siedlungsform der Wenden sind Rundlingsdörfer. Die im Mittelalter während der Binnenkolonisation entstandene Dorfform weist eine hufeisenförmige Anordnung der Bauernhäuser und Grundstücke auf. Der Verbreitungsraum des Rundlings erstreckt sich streifenförmig zwischen der Ostsee und dem Erzgebirge in der damaligen Kontaktzone zwischen Deutschen und Slawen. Am besten erhalten haben sich Rundlingsdörfer in der wirtschaftsschwachen Region des hannoverschen Wendlands. Die slawischen Siedlungsformen vor den Rundlingen sind bisher nicht ausreichend archäologisch erforscht.[10]

Religion und Kultur der Elbslawen

Bis in das 11. und 12. Jahrhundert hinein waren die nördlichen Elbslawen von nichtchristlichen Kulten dominiert. Während zunächst Heilige Haine und Gewässer als Kultorte verehrt wurden, bildeten sich im 10. und 11. Jahrhundert allmählich ein Priestertum und Kultstätten heraus, die oft auch überregionale Bedeutung hatten. Beispiele sind hier die Tempelburgen in Kap Arkona (Rügen) und Rethra. Wichtige slawische Gottheiten waren Radegast und Triglaw. Die Götter der Götterwelt anderer slawischer Völker existierten auch hier, jedoch bildeten sich stärker als anderswo Stammesgottheiten heraus. Oftmals veränderten alte Götter ihre Bedeutung.

Die Slawen im Elbe-Saale-Gebiet und in der Lausitz gerieten schon früher unter den Einfluss der christlichen Kirche. 968 wurde das Erzbistum Magdeburg mit den Suffraganen Zeitz, Merseburg und Meißen eingerichtet und die Christianisierung weiter vorangetrieben.

Sprachen und Dialekte der Elbslawen

Jahrhundertelang war das Deutsche Reich östlich von Elbe und Saale zweisprachig. Neben den deutschen Dialekten wurden noch lange Zeit westslawische Sprachen und Dialekte gesprochen. Im 15. Jahrhundert starb der Dialekt der Ranen auf der Insel Rügen aus, erst im 18. Jahrhundert der polabische der Drevanen/Drevänopolaben im Hannoverschen Wendland. Der protestantische Teil der Kaschuben, die Slowinzen, die in Hinterpommern lebten, verloren ihr kaschubisches Idiom etwa um 1900. Die kaschubische Sprache wird allerdings noch heute weiter östlich im ehemaligen Westpreußen und der jetzigen polnischen Woiwodschaft Pommern gesprochen. Neben dem Kaschubischen ist die sorbische Sprache der Lausitzer Sorben die einzig noch verbliebene Sprache der Wenden. Die Zahl der Sorbischsprecher schätzt man heute auf 20.000 bis 30.000 Menschen, um 1900 noch etwa 150.000. Kaschubisch wird heute von 50.000 Menschen als Alltagssprache benutzt.

Elbslawische Stämme und Stammesverbände

In Quellen aus dem ostfränkisch-Deutschen Reich werden eine große Zahl von Stämmen und Stammesverbänden, insbesondere seit dem 8. Jahrhundert, genannt. Die größten Verbände waren die der Abodriten, Wilzen und Sorben (von Nord nach Süd). Jedoch bleibt häufig unklar, was sich hinter diesen Namen verbirgt. Es dürfte sich nicht, wie im 19. und 20. Jahrhundert zumeist angenommen, um festgefügte, homogene und scharf umrissene Gruppierungen gehandelt haben. Vielmehr ist von recht mobilen Gruppierungen auszugehen, die in ihrer Zusammensetzung und Abgrenzung relativ flexibel waren.

In der Beschreibung des so genannten Bayerischen Geographen (Geographus Bavarus) aus der Mitte des 9. Jahrhunderts mit späteren Überarbeitungen und Zusätzen werden die zu dieser Zeit bekannten Stämme und die Zahl der ihnen zugehörigen civitates – Siedlungskammern mit einer zentralen Burganlage und zugehörigen Siedlungen und kleinere Befestigungen – genannt (Völkertafel von St. Emmeram).

  • Abodriten/Obodriten mit mehreren Teilstämmen; zwischen Kieler Förde und mittlerer Warnow
    • Obodriten im engeren Sinne von der Wismarer Bucht bis südlich des Schweriner Sees, Hauptburgen Dobin, Mecklenburg, Schwerin)
    • Wagrier in Ostholstein, Hauptburg: Starigard/Oldenburg in Holstein
    • Polaben zwischen Trave und Elbe, Lübeck
    • Warnower an der oberen Warnow und Mildenitz
    • Linonen an der Elbe um Lenzen (Lunzini)
  • Wilzen' (seit dem Ende des 10. Jahrhundert auch Liutizen, Lutizen) mit vier Teilstämmen:
    • Kessiner an der unteren Warnow
    • Zirzipanen zwischen Recknitz, Trebel und Peene
    • Tollenser östlich und südlich der Peene am Tollensesee
    • Redarier südlich und östlich des Tollensesees und an der oberen Havel
  • Retschanen im Raum Templin-Lychen und nördliche Oberhavel
  • Rujane/Ranen auf Rügen
  • Ukranen an der Uecker
  • Mürizer an der Müritz
  • Dosane an der Dosse
  • Zamzizi im Ruppiner Gebiet
  • Recanen an der oberen Havel
  • Drevanen im Hannoverschen Wendland
  • Bethenzer (auch Bethelici oder Belczem) im Raum Goldberg (Mecklenburg)/Plau[11]
  • Smeldinger an der Elde
  • Morizani (nördlich der Saalemündung an der Elbe) mit 11 civitates
  • Brizanen bei Havelberg
  • Heveller/Stodoranen im mittleren Havelgebiet und Havelland mit 8 civitates
  • Sprewanen an der unteren Dahme und Spree
  • Sorben im Elb-Saale-Gebiet mit mehreren Teilstämmen wie Colodici und Siusili beziehungsweise Kleinregionen (pagi) wie Chutici und Plisni (um Altenburg), Neletici (um Wurzen und um Torgau), Quesici/Quezizi (um Eilenburg), die aber erst im 10. Jahrhundert in den Quellen erscheinen. Das Gebiet der Sorben umfasste laut dem Bayrischen Geographen etwa 50 civitates.

In den mittelalterlichen Quellen werden deutlich von den Sorben geschieden die

  • Daleminzier/Glomaci an der Elbe und in der Lommatzscher Pflege
  • Nisanen um Dresden
  • Milzener in der Oberlausitz rund um Bautzen
  • Besunzanen um Görlitz
  • Lusitzi in der Niederlausitz

Böhmen und Oberpfalz

In der Oberpfalz ist der Name „Windisch“ nicht nur als Familienname anzutreffen, sondern ist auch Bestandteil von Ortsnamen wie Windischeschenbach und Windischbergerdorf. Während der Völkerwanderung waren heimatsuchende „Windische“ bis nach Slowenien (Windischgrätz), Böhmen (Windisch Kamnitz) und in die Oberpfalz gekommen und hatten spärlich besiedeltes Gebiet angetroffen. Bei ihnen wird die Problematik der Mehrdeutigkeit der Bezeichnung „Wenden“ besonders deutlich, weil sie weder zu den Elbslawen im engeren Sinne noch zu den Nordwestslawen im weiteren Sinne zu rechnen sind.

Ortsnamen

Folgende Orte und Ortsteile[12] führen das Wort Wenden und Wendisch, aber auch Windisch im Namen und nehmen – wenigstens teilweise – damit auf einen wendischen Ursprung Bezug. Nicht in jedem Falle ist bei diesen Ortsnamen sicher davon auszugehen, dass die Orte wendische Siedlungen waren. Einige liegen dafür allerdings zu sehr im deutschen Kerngebiet westlich der Elbe; ihre Ortsnamen dürften sich daher vom prähistorischen Bachnamen wend ableiten.[13] Mit dem Zusatz wendisch kann auch eine Richtung beschrieben worden sein.

  • diverse Orte namens Wendorf, Wenddorf und Wendtorf
  • Wendeburg bei Braunschweig, Niedersachsen
  • Wehnde im Eichsfeld, Thüringen
  • Wenden (Sauerland) im Kreis Olpe, Nordrhein-Westfalen
  • Wenden, in Ebhausen, Baden-Württemberg
  • Wenden in Stöckse, Niedersachsen
  • Wenden in Braunschweig, Niedersachsen
  • Wendenborstel in Steimbke, Niedersachsen
  • Wendenschloß, Ortslage in Berlin-Köpenick
  • Wendehausen im Eichsfeld, Thüringen
  • Wendessen in Niedersachsen
  • Wendewisch in Niedersachsen
  • Wendezelle in Niedersachsen
  • Wendhausen in Lehre, Niedersachsen
  • Wendisch Baggendorf in Mecklenburg-Vorpommern
  • Wendischbaselitz in Sachsen (gehört noch heute zum sorbischen Siedlungsgebiet)
  • Wendischbora in Sachsen
  • Wendisch Buckow (1937–1945: Buckow (Pom.), Kreis Schlawe) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Buckow (1937–1945: Buchenstein, Kreis Stolp) in Pommern (Polen)
  • Wendischbrome in Jübar in Sachsen-Anhalt
  • Wendischfähre in Sachsen Gemeinde Rathmannsdorf
  • Wendisch Evern in Niedersachsen
  • Wendischhorst in Dähre in Sachsen-Anhalt
  • Wendisch Karstnitz (1937–1945: Ramnitz, Kreis Stolp) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Musta (1937–1945: Birkfähre, Kreis Rothenburg) in Schlesien (Polen)
  • Wendisch Ossig (1937–1945: Warnsdorf (Niederschlesien), Kreis Görlitz) in Niederschlesien (Polen)
  • Wendisch Plassow (1937–1945: Plassenberg, Kreis Stolp) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Pribbernow in Pommern (Polen)
  • Wendisch Priborn in Mecklenburg-Vorpommern
  • Wendisch Puddiger (1937–1945: Puddiger, Kreis Rummelsburg) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Rambow, ein Dorf bei Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern
  • Wendisch Rietz in Brandenburg
  • Wendisch Sagar (1937–1945: Bobertal, Kreis Crossen (Oder)) in Brandenburg (Polen)
  • Wendisch Silkow (1937–1945: Schwerinshöhe, Kreis Stolp) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Tychow (1937–1945: Tychow, Kreis Schlawe) in Pommern (Polen)
  • Wendisch Waren in Mecklenburg-Vorpommern
  • Wendland in Niedersachsen
  • Wendschott in Wolfsburg, Niedersachsen
  • Wendsee in Brandenburg an der Havel (Brandenburg)
  • diverse Orte namens Wentorf
  • Windehausen, Ortsteil von Heringen/Helme, Landkreis Nordhausen, Thüringen
  • Windischenbach, Gemeinde Pfedelbach, Baden-Württemberg
  • Windischenbernsdorf, Stadtteil von Gera, Thüringen
  • Windischengrün, Ortsteil von Schauenstein, Bayern
  • Windischenlaibach, Ortsteil von Speichersdorf in Oberfranken, Bayern
  • Windischbergerdorf, bei Cham in der Oberpfalz, Bayern
  • Windischeschenbach in der Oberpfalz, Bayern
  • Windischgaillenreuth, Ortsteil von Ebermannstadt, Oberfranken, Bayern
  • Windischhausen in Mittelfranken, Bayern
  • Windischholzhausen, Ortsteil von Erfurt, Thüringen
  • Windisch-Marchwitz in Schlesien
  • Windisch Kamnitz im Sudetenland
  • Windisch Proben in der Slowakei
    • Anm.: Ortsnamen auf Windisch- südlich der Donau sind dem eingangs erläuterten Siedlungsraum der Karantanen/Slowenen zuzuordnen, und nicht hier angeführt, siehe dazu Windisch (Slowenisch)

  • Abtswind in Bayern
  • Burgwindheim in Bayern
  • Geiselwind in Bayern
  • Geisenfeldwinden in Bayern
  • Großwenden und Klein-, Ortsteile von Großlohra im Landkreis Nordhausen, Thüringen
  • Kurzewind in Bayern
  • Thalwenden in Thüringen
  • Bernhardswend, Stadtteil der Großen Kreisstadt Dinkelsbühl in Mittelfranken, Bayern
  • Veitswend, Stadtteil der Großen Kreisstadt Dinkelsbühl in Mittelfranken, Bayern
  • Bernhardswinden, Nähe Ansbach, Mittelfranken, Bayern
  • Brodswinden, Nähe Ansbach, Mittelfranken, Bayern
  • Meinhardswinden, Nähe Ansbach, Mittelfranken, Bayern

Literatur

  • Sebastian Brather: Archäologie der westlichen Slawen. Siedlung, Wirtschaft und Gesellschaft im früh- und hochmittelalterlichen Ostmitteleuropa. In: Herbert Jankuhn, Heinrich Beck u. a. (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände. 2. Auflage. 30, Walter de Gruyter Inc., Berlin, New York NY 2001, ISBN 3-11-017061-2.
  • Christian Lübke: Slaven zwischen Elbe/Saale und Oder. Wenden – Polaben – Elbslaven? Beobachtungen zur Namenwahl. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands. Nr. 41, 1991, S. 17–43.
  • Christian Lübke: Die Deutschen und das europäische Mittelalter. Das östliche Europa. 1. Auflage. 2, Siedler Verlag, München 2004, ISBN 3-88680-760-6.
  • Madlena Norberg: Sammelband zur sorbischen/wendischen Kultur und Identität. Sind die sorbische/wendische Sprache und Identität noch zu retten?. In: Potsdamer Beiträge zur Sorabistik. Nr. 8, Universitäts-Verlag, Potsdam 2008, ISBN 978-3-940793-35-5 (PDF vom Opus- und Archivierungsdienst des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg, http://xxx , abgerufen am 28. Februar 2010).
  • Alfried Wieczorek, Hans-Martin Hinz (Hrsg.): Europas Mitte um 1000. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1545-6.
  • Felix Biermann, Thomas Kersting (Hrsg.): Beiträge der Sektion zur Slawischen Frühgeschichte des 5. Deutschen Archäologenkongresses in Frankfurt an der Oder, 4. bis 7. April 2005. Siedlung, Kommunikation und Wirtschaft im westslawischen Raum. Langenweißbach 2007.
  • Felix Biermann u. a. (Hrsg.): Beiträge der Sektion zur Slawischen Frühgeschichte der 17. Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Halle an der Saale, 19. bis 21. März 2007. Siedlungsstrukturen und Burgen im westslawischen Raum. Langenweißbach 2009.
  • Roland Steinacher: Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihr Nachleben bis ins 18. Jahrhundert. In: W. Pohl (Hrsg.): Auf der Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters. Wien 2004, S. 329–353. (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8)
  • Jerzy Okulicz: Einige Aspekte der Ethnogenese der Balten und Slawen im Lichte archäologischer und sprachwissenschaftlicher Forschungen. Quaestiones medii aevi, Bd. 3, 1986, S. 7–34.
  • Julius Pokorny: Indogermanisches Etymologisches Wörterbuch. Francke, Bern/ München 1959.
  • Michał Parczewski: Die Anfänge der frühslawischen Kultur in Polen. Österreichische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Wien 1993. (Veröffentlichungen der österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte; Bd. 17)
  • Andrej Pleterski: Model etnogeneze Slovanov na osnovi nekaterih novejših raziskav / A model of an Ethnogenesis of Slavs based on Some Recent Research. In: Zgodovinski časopis. (= „Historische Zeitschrift“) 49, Nr. 4, 1995, ISSN 0350-5774 , S. 537–556. (Englisch Zusammenfassung: (COBISS))
  • Alexander M. Schenker: The Dawn of Slavic: an Introduction to Slavic Philology. Yale University Press, New Haven 1996, ISBN 0-300-05846-2.

Frühe Werke

  • Albert Krantz: Wandalia. Des Fürtrefflichen Hochgelahrten Herrn Albert Crantzii Wandalia. Oder: Beschreibung Wendischer Geschicht: Darinnen der Wenden eigentlicher Vrspuung mancherley Völcker vnd vielfaltige Verwandlungen … Daraus was sol wol in … Königreichen … Wendischer vnd anderer Nationen in Dennemarcken/ Schweden/ Polen/ Vngarn/ Böhemen/ Oesterreich/ Mährern/ Schlesien/ Brandenburg/ Preussen/ Reussen/ Lieffland/ Pommern/ Mecklenburg/ Holstein. Junge, Lübeck 1636.
  • Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Die Wenden in der Mark. III, 1873.

Einzelnachweise

  1. ↑ A. Brückner, Archiv für slavische Philologie, V. Jagic, Berlin 1901, S. 224–230.
  2. ↑ Andrej Pleterski (Inštitut za arheologijo, Ljubljana): Modell der Ethnogenese der Slawen auf der Grundlage einiger neuerer Forschungen
  3. ↑ Jan Misztal: Weryfikacja narodowościowa na Śląsku Opolskim 1945-1950. Opole 1984
  4. ↑ Robert A. Beck: Schwebendes Volkstum im Gesinnungswandel: Eine sozial-psychologische Untersuchung. In: Schriftenreihe der Stadt der Auslandsdeutschen. Nr. 1, W. Kohlhammer, Stuttgart 1938 (xxx.com ).
  5. ↑ Walter Kuhn: „Schwebendes Volkstum“ und künftige Landgestaltung in Südost-Oberschlesien. In: Neues Bauerntum. Nr. 33, 1941, S. 26–30 (xxx.com ).
  6. ↑ Theodor Veiter: Das Recht der Volksgruppen und Sprachminderheiten in Österreich. Mit einer ethnosoziologischen Grundlegung und einem Anhang (Materialien). Braumüller, Wien 1970, S. 83, 291, 292 xxx.com ).
  7. ↑ Verband schlesischer Bauern: Schlesien und die deutsche Minderheit
  8. ↑ Stanisław Senft, Oppeln: Nationale Verifikation und Repolonisierung in Schlesien 1945-1950 . Aus dem Ausstellungskatalog: „Wach auf mein Herz und denke!“
  9. - Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Schlesien und Berlin-Brandenburg. Hrsg.: Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch - Berlin / Stowarzyszenie Instytut Śląskie - Opole. Berlin/Oppeln 1995, ISBN 3-87466-248-9, ISBN 83-85716-36-X.
  10. ↑ Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. 2, Berlin/Weimar 1994, S. 41.
  11. ↑ Hardt, Matthias: Das „slawische Dorf“ und seine kolonisationszeitliche Umformung nach schriftlichen und historisch-geographischen Quellen. In: Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 17/1999, S. 269–291.
  12. ↑ Fred Ruchhöft, Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei; die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (Archäologie und Geschichte im Ostseeraum, Band 4), Rahmen/Westf. 2008 ISBN 978-3-89646-464-4; ders., Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im Mittelalter. (Rostocker Studien zur Regionalgeschichte 5), Rostock 2001
  13. ↑ J. Leupold: Orte mit „Wendisch“ im Namen.  In: Wendisch Evern-Informationen. Abgerufen am 28. Februar 2010.
  14. ↑ Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt : etymologisches Lexikon der Fluss- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunf. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 978-3-518-37721-5, S. 529.

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Vandalen

Die Vandalen (auch Wandalen, Vandali, Vandili, Vandilier und Vanduli genannt; griechisch Οὐανδαλοί Vandaloi, Βανδῆλοι Wandeloi, Βανδίλοι Wandiloi) waren ein germanisches Volk, das zur ostgermanischen Sprachgruppe gezählt wird. Zur Zeit des Tacitus siedelten die Vandalen zunächst im nordöstlichen Germanien, breiteten sich später aber weiter aus und wanderten im 5. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung größtenteils nach Spanien und schließlich nach Nordafrika aus. Mit der Zerschlagung des Vandalenreichs im 6. Jahrhundert durch oströmische Truppen verlieren sich ihre Spuren.

Geschichte der Vandalen

Die Frühzeit

Über die Ursprünge der Vandalen werden in den schriftlichen Quellen nur verstreute Aussagen gemacht, in der Forschung werden sie intensiv diskutiert. Nach Plinius dem Älteren und Tacitus siedelten Vandalen in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder, aber südlich der damals dort siedelnden Burgunden.[1]

Eine Zugehörigkeit zum Kultverband der Lugier ist möglich, wenigstens werden die frühen Vandalen in den Quellen mit diesen oft gleichgesetzt.[2] Im 2. Jahrhundert sind unterschiedliche Teilstämme der Vandalen nachweisbar: Die Silingen in Schlesien und die Asdingen oder auch Hasdingen im späteren Ungarn und Rumänien, von wo sie unter Mark Aurel während der Markomannenkriege ins Römische Reich eindrangen. Allerdings ist – wie bei fast allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit – unklar, welche Verbindungen zwischen den Völkern dieses Namens und jenen Verbänden, die dann in der Spätantike in den Quellen erscheinen, bestanden. Unter Konstantin ist jedenfalls eine Ansiedlung der Hasdingen in Pannonien bezeugt.

Vandalen und Völkerwanderung

Siehe auch: Völkerwanderung

Herkunft und Abstammung der Völkergruppe der Vandalen sind nicht restlos geklärt. Im Gegensatz zur älteren Forschung versucht man heute, die Prozesse zu verstehen, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, und geht nicht mehr von „wandernden“, fertig ausgebildeten Völkern aus. Von Plinius, Tacitus und Ptolemaios werden die Vandilier als Völkergruppe im Weichselgebiet erwähnt, aber verschieden definiert. Wie bei den „Gotonen“/„Gutonen“/„Goten“ ist zwar eine Namenskontinuität bekannt, jedoch kann über die ethnischen Prozesse hinter diesen Namen keine Aussage gemacht werden.

Um das Jahr 400 kann man nördlich der unteren und mittleren Donau große Wanderungen und Umwälzungen feststellen, wahrscheinlich ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen. Die Vandalen zogen gemeinsam mit den Alanen und Sueben westwärts nach Gallien.

Seit dem 1. Jahrhundert versuchte die römische Politik, die Hegemonie des Römischen Reiches außerhalb der Reichsgrenzen auf friedlichem Wege zu erreichen: durch Verträge mit Föderaten, durch die Anwerbung von Soldaten und durch den Handel mit Gewerbe- und Luxusgütern. Das Imperium Romanum war ein wirtschaftlich und politisch stabiler Raum mit einer enormen Sogwirkung auf „barbarische“ Gesellschaften. Langsam entstanden spezialisierte Krieger, soziale Unterschiede und innere Konflikte. Stämme zerfielen, und es bildeten sich neue Einheiten wie eben die in historischen Texten erwähnten Völker der Vandalen und Sueben. Nicht, wie in der spätantiken Literatur häufig gemutmaßt, Flucht vor Hunger und Kälte war der Grund für die Aufgabe alter und den Aufbau neuer Identitäten, sondern der Aufbruch zu neuen Möglichkeiten in der mediterranen Städtelandschaft.

Eindringen ins römische Reich

In der Silvesternacht 406 überschritt ein vandalischer Verband gemeinsam mit einer großen Gruppe von Alanen und Sueben den Rhein und fiel in die römische Provinz Gallien ein (siehe Rheinübergang von 406); Grund war vermutlich Flucht vor den weiter vordrängenden Hunnen. Fränkische Foederati, die sich ihnen entgegenstellten, wurden geschlagen.[3] Die Geschichte des 5. Jahrhunderts ist eine Folge von Machtkämpfen, und jedes Mal wurden nichtrömische Truppen gegeneinander aufgeboten. Die unabhängig operierenden Gruppen der Goten unter Alarich I. in Italien und der Vandalen, Alanen und Sueben stellten einen eigenen Machtfaktor dar.

Im Jahre 409 zog der alanisch-vandalisch-suebische Verband nach Spanien und begründete dort verschiedene kurzlebige Staatswesen. Das suebische Königreich in Galicien bestand bis ins späte 6. Jahrhundert. In der Vergangenheit wurde vermutet, dass der arabische Name für Spanien, Al-Andalus (der sich bis heute in der Landschaftbezeichnung Andalusien erhalten hat) eine arabische Bezeichnung für das „Land der Vandalen“ sei. Diese Auffassung ist heute umstritten. Nach einem römischen Feldzug, in dessen Verlauf auch westgotische Heere eingesetzt worden waren, brachen diese politischen Gebilde in Spanien zusammen; die silingischen Vandalen wurden in der Baetica fast restlos vernichtet, die asdingischen Vandalen vereinigten sich mit den Alanen. Gemeinsam setzten sie im Mai 429 nach Africa über.

Das vandalische Königreich in Afrika

Der junge König Geiserich führte die Vandalen (rund 15.000 bis 20.000 Krieger und ihre Familien - Prokopios spricht von insgesamt 80.000 Menschen) 429 nach Nordafrika.[4] Nach Prokopios hatte der römische General Bonifatius die Vandalen „eingeladen“, um sich mit ihrer Hilfe einer noch nicht offenbaren Intrige des Kaiserhauses zu erwehren, habe sich dann aber den Invasoren entgegengestellt. Allerdings ist diese Darstellung umstritten, zumal Bonifatius zu diesem Zeitpunkt wieder in gutem Einvernehmen mit Ravenna stand. Sicher ist, dass die Vandalen auf die Reichtümer der römischen Provinz Africa aus waren, des Herzstücks des westlichen Restreiches, welches Italien mit Getreide versorgte und einen nicht geringen Teil der Steuereinkünfte erwirtschaftete. Die Vandalen marschierten durch das heutige Marokko und Algerien und belagerten bzw. plünderten mehrere Städte. Dabei kam in Hippo Regius Augustinus ums Leben. Einige Berberstämme schlossen sich ihnen an. Auch Vertreter der christlichen Glaubensströmung des Donatismus unterstützten die Vandalen, da sie sich unter deren Herrschaft Schutz vor der Verfolgung durch die römische Staatskirche versprachen. Bonifatius, der sich mit dem Kaiserhaus arrangiert hatte, bekämpfte sie nun, wurde aber nach Italien abberufen, um gegen Aëtius zu kämpfen. Dabei fand er den Tod.

Erringung der Seeherrschaft im westlichen Mittelmeer

Nach der Eroberung größerer Gebiete durch Geiserich schloss die Reichsregierung 435 einen Vertrag mit den Eroberern, der ihnen Gebiete in Mauretanien (den beiden Provinzen Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis) und Numidien zugestand. 439 wurde unter Bruch des Vertrags Karthago erobert, die größte Stadt des Westens nach Rom, wobei den Vandalen die dort stationierte römische Flotte in die Hände fiel. Die Vandalen und Alanen errichteten ein Königreich in den reichen afrikanischen Provinzen Byzacena und Proconsularis (etwa im Gebiet des heutigen Tunesien), das 442 auch von Valentinian III. anerkannt wurde. Mit Hilfe der erbeuteten Schiffe (die Vandalen unterhielten als einziger germanischer Verband eine nennenswerte Flotte) gelang ihnen die Eroberung Sardiniens, Korsikas und der Balearen. In Nordafrika übernahm Geiserich die Kaisergüter als eigenen Besitz, tastete römisches Privateigentum jedoch kaum an. Schnell übernahmen die Vandalen den römischen Lebensstil, schotteten sich jedoch durch ihren arianischen Glauben von der Oberschicht der Region ab.

Die Plünderung Roms 455

455 plünderten die Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich Rom. Der im 18. Jahrhundert aus dieser Begebenheit hergeleitete Begriff Vandalismus als Bezeichnung für „fanatisches Zerstören um seiner selbst willen“ ist dabei historisch sowie sachlich unkorrekt. Die Vandalen plünderten die Stadt Rom zwar gründlich und nicht ohne Brutalität (wobei die Bewohner aber auf Bitten des Papstes weitgehend geschont wurden), doch ohne blinde Zerstörungswut; vielmehr wurden systematisch Wertgegenstände geraubt. Dies war auch kein reiner Beutezug, sondern auch ein Eingreifen in die höchste Ebene der Reichspolitik: Kaiser Valentinian III. hatte seine Tochter Eudocia als Braut für den vandalisch-alanischen Thronfolger Hunerich versprochen, und auch um diese vorteilhafte dynastische Verbindung nach der Ermordung Valentinians zu sichern, wurde die Hauptstadt angegriffen. Die Vandalen brachten wertvolle Beute nach Hause, ebenso wurden zahlreiche Menschen entführt, darunter die Witwe Valentinians, aber vor allem Handwerker, die im vandalischen Königreich benötigt wurden. Gleichzeitig wurden Sardinien, Korsika, die Balearen und schließlich auch Sizilien (wenn auch nur kurzfristig) in den vandalischen Herrschaftsraum einbezogen. Zudem kontrollierten die Vandalen nun endgültig die Getreideversorgung des Westreiches.

Während der Plünderung von Rom kam auch Kaiser Petronius Maximus zu Tode. Dies geschah jedoch nicht, wie oft behauptet, durch die Hand der Vandalen (beispielsweise gibt es ein Bild aus dem 19. Jahrhundert, auf welchem seine Enthauptung gezeigt wird): Petronius Maximus wurde in Wirklichkeit auf der Flucht aus Rom, als einfacher Bürger verkleidet, erkannt und von burgundischen Hilfstruppen gesteinigt. Der weströmische Kaiser Majorian stellte neue Truppen auf und verlegte sie mit einer gewaltigen Flotte nach Cartagena. Als die römische Flotte jedoch unbewacht im Hafen von Alicante ankerte, wurde sie 461 von den Vandalen überrascht und vernichtet. Das römische Landheer fiel beim Rückmarsch nach Italien auseinander, Majorian wurde auf Befehl Ricimers getötet.

Von 468 bis zum Ende des Reiches

Das vandalische Königreich wurde 468 Ziel einer großangelegten gemeinsamen Militäroperation des Westreiches unter Anthemius und des Oströmischen Reiches unter Leo I., die jedoch grandios scheiterte. Geiserich gelang es, die gewaltige römische Flotte in Brand zu setzen und zu vernichten. Nach dem Scheitern eines weiteren römischen Feldzugs 470 wurde daher 474 den Vandalen in einem Vertrag zwischen dem oströmischen Kaiser und Geiserich der Besitz der Provinz Africa und der Inseln garantiert, doch waren die Vandalen wohl schon bald nicht mehr in der Lage, diese Regionen immer effektiv zu kontrollieren.

Im Inneren ergaben sich unter Geiserichs Nachfolgern mehrere Problemen, da die Vandalen Arianer waren, die Mehrheit der römischen Bevölkerung jedoch katholisch blieb; es kam zu mehreren Verfolgungen, wobei eine wichtige Quelle das (freilich tendenziöse) Werk des Victor von Vita ist. Vor allem aber mussten sich die Vandalen der immer heftigeren Angriffe der Mauren bzw. Berber erwehren, die unter Masties rasch die Kontrolle über das Bergland erlangten. Zudem kam es zu dynastischen Auseinandersetzungen um die Herrschaftsnachfolge. Ob hingegen der von spätantiken Quellen erhobene Vorwurf der massiven Dekadenz der Vandalen zutrifft, darf bezweifelt werden - schließlich mussten sich diese permanent äußerer Angriffe erwehren.

Das Ende kam erst, als Ostrom Thronstreitigkeiten innerhalb des Vandalenreiches zum Anlass für eine erneute Militärexpedition nahm: Nach Ansicht der Römer hatte der Vertrag von 474 nur für Geiserich und seine rechtmäßigen Nachfolger gegolten; als der Usurpator Gelimer 530 widerrechtlich den Thron bestieg, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Karthago und Konstantinopel daher rasant. 533/34 eroberten oströmische Truppen unter Belisar, einem Feldherren des Kaisers Justinian I., das vandalische Königreich. Die Zahl der vandalischen Krieger war zu gering, um die beiden schweren Niederlagen (Ad Decimum, Tricamarum), die ihnen Belisar mit Glück und Geschick zufügte, verkraften zu können. Gelimer wurde nach Konstantinopel gebracht und musste sich im Rahmen des Triumphzuges dem Kaiser unterwerfen, verbrachte seinen Lebensabend aber komfortabel auf einem Landgut in Galatien. Eine große Zahl vandalischer Kriegsgefangener wurde im Sommer 534 nach Konstantinopel verbracht und später von Ostrom in den Perserkriegen eingesetzt. Nordafrika wurde wieder in das Imperium Romanum integriert. Der letzte bewaffnete, vandalische Widerstand unter Guntarith erlosch 546[5]. In den Quellen erscheinen von da an keine Vandalen mehr. Die Reste der geringen germanischen Zivilbevölkerung wurden wohl größtenteils nach Osten deportiert, während mehrere Vandalen in der kaiserlichen Armee dienten.

Geschichte der Vandalen im Überblick

  • Um 375: Die vor den Hunnen ausweichenden Goten drängen die Vandalen nach Westen.
  • Rheinübergang von 406: die Vandalen setzen mit den nicht-germanischen Alanen und den Sueben über den Rhein und plündern Gallien.
  • 409 Zug nach Spanien;
  • 411 Niederlassung in der Baetica und in Galicien
  • 415-418 schwere Niederlagen gegen die für die Römer intervenierenden Westgoten, fast vollständige Vernichtung der silingischen Vandalen
  • 429 dringen die hasdingischen Vandalen zusammen mit restlichen Silingen und Alanen unter König Geiserich von Südspanien aus nach Nordafrika vor und erobern die dortigen römischen Provinzen. Von 430 bis 439 ist Hippo Regius die vandalische Hauptstadt. Während der vandalischen Belagerung von Hippo Regius stirbt in der Stadt deren Bischof Augustinus von Hippo.
  • 439 erobern die Vandalen die reiche Provinz Africa Proconsularis, das heutige nördliche Tunesien, und machen Karthago zur Hauptstadt des Vandalenreiches.
  • 455 Besetzung und Plünderung Roms; die Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien kommen zum Vandalenreich.
  • Ebenfalls 455 Konfiszierung katholischer liturgischer Gegenstände und Kirchenschließungen.
  • 474 erkennt der oströmische Kaiser Zenon die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika an.
  • 477 Geiserich stirbt und sein Sohn Hunerich wird König.
  • 483- 484 Große Katholikenverfolgungen unter Hunerich
  • 24. Februar 484: Ein Dekret verlangt den Übertritt aller Katholiken zum Arianismus bis zum 1. Juni.
  • 484 Gunthamund wird König.
  • 496 König Gunthamund wird durch Thrasamund abgelöst.
  • 523 König Hilderich erlaubt den Katholizismus.
  • 530 Gelimer stürzt Hilderich und wird König, erneute Repressalien gegenüber den Katholiken
  • 534 endet die Herrschaft der Vandalen in Nordafrika mit der Eroberung des Gebiets durch den oströmischen Kaiser Justinian I..
  • 553 König Gelimer, der letzte König der Vandalen, stirbt im Exil (im Oströmischen Reich).

Wirtschaft, Gesellschaft, Sprache und Kultur

Über die mit dem Gotischen nah verwandte Vandalische Sprache ist wenig bekannt.

Den Asdingen standen anfangs zwei, später nur noch ein aus adligem Geschlecht stammende Könige vor. Sie waren mit den Sueben verschwägert.

Die Vandalen wurden um 350 zu arianischen Christen. Über Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Vandalen vor dem Beginn der großen Wanderung ist nur sehr wenig bekannt. Die im heutigen Polen liegende Przeworsker Kultur wird meist mit den Vandalen in Verbindung gebracht. Diese Zuweisung ist jedoch sehr unsicher. In Gallien und Spanien lassen sich keine archäologischen Funde mit den Vandalen in Verbindung bringen.

In Nordafrika ersetzten die Vandalen die Elite des römischen Afrika und profitierten von dem Reichtum dieser Provinz. Die Vandalen scheinen in Afrika einen in jeder Hinsicht römischen Lebensstil gepflegt zu haben, was sich aus der Kunst und Architektur dieser Zeit, aber auch aus den Schriftquellen erschließen lässt. Im Wesentlichen integrierten sich die vandalischen Herren in die ökonomischen Strukturen der spätantiken Mittelmeerwelt, und auch die Kultur des Altertums wurde im vandalischen Nordafrika gepflegt. Die vandalische Münzprägung ist Gegenstand von Diskussionen.

Liste der vandalischen Könige und deren dynastische Verbindung

  • Visimar (um 331–337, König der Hasdinger)
  • Godigisel (?–406, König)
    • Gunderich (?–428, König 406–428)
    • Geiserich (ca. 389-477, König 428–477)
      • Theoderich (?–ca. 480)
        • Godagis († vor 484)
      • Hunerich (um 420–484, König 477–484)
        • Hilderich (König 26. Mai 523–530; 533 hingerichtet)
      • Gento († vor 477)
        • Gunthamund (?–496, König 484–496)
        • Thrasamund (?–523, König 496–523)
        • Hoamer (Vater ungesichert, Neffe Hilderichs), († vor 533)
        • Euagees (Vater ungesichert, Neffe Hilderichs), († 533)
        • Geilarith (auch Gelaris)
          • Gelimer (?–553, König 530–534)
          • Ammatas (?–† 533)
          • Tzazo (?–† 533)
            • Gibamund (Vater ungesichert, Neffe Gelimers), (?–† 533)

Gleichsetzung der Begriffe Vandalen und Wenden

In mittelalterlichen Überlieferungen wurde die Bezeichnung Vandali mit der Bezeichnung Wenden bzw. Slawen gleichgesetzt. Die Vermischung dieser Bezeichnungen konnte in der Forschung bisher nicht abschließend geklärt werden.

Seit dem 8. Jahrhundert war der Name der Vandalen in Bezug auf die Slawen vor allem im süddeutschen Raum gebräuchlich. Im europäischen Raum kam im 12. Jahrhundert eine Diversifizierung und Nationalisierung der Geschichtsforschung auf. Auch in den slawischen Königreichen machte die Geschichtsschreibung diese Entwicklung mit. Die polnischen Beispiele solcher Geschichtswerke, die Chronica Polonorum des Vincentius Kadlubek, wobei er aber in seiner Wanda (Sage) erklärt, dass Wanda am Fluss Wandalus unter den Wandalen wohnt. Die Fortsetzung derselben Sage durch Dierszwa und die Chronik des Baszko/Boguphal beinhalten eine Geschichtsschreibung, die die Polen (angeblich) von den Vandalen abstammen lässt.

Noch im Geschichtswerk des Jan Dlugosz aus dem 15. Jahrhundert findet sich der Satz: „Vandali, qui nunc Poloni dicuntur“. Gestützt wurden die polnischen Geschichtsmodelle des 12. bis 15. Jahrhunderts mit der Völkergenealogie, die in der sogenannten „Fränkischen Völkertafel“ enthalten ist. Diese, in einer Beziehung zu Tacitus stehende, Quelle war wahrscheinlich vor dem achten Jahrhundert im fränkischen Raum die Ausgangsbasis für die Gleichsetzung der Slawen/Wenden mit den Vandalen. Mit der Gleichsetzung wurden die Verhältnisse, die die slawischen Ethnogenesen in den Jahrhunderten zuvor geschaffen hatten, in ein europäisch-fränkisches Geschichtsbild integriert.

Die Verwendung des Vandalennamens hatte auf Basis der mittelalterlichen Traditionen sowohl für die slawische Bevölkerung, als auch als Selbstbezeichnung politischer Gebilde im „Wendenland“ eine lange Tradition. Der Humanist Albert Krantz nahm diese Tradition in seiner 1519 posthum erschienenen „Wandalia“ auf. Darin behandelt er die Geschichte verschiedener slawischer Völker, hanseatischer Städte und des herzoglich mecklenburgischen Hauses, deren Herkunft und Entstehung er auf die antiken Vandalen zurückführte. Der Rückschluss auf diesen Zusammenhang wurde wesentlich auf den sogenannten „Pseudo-Berossos“ des Humanisten Annius von Viterbo gestützt. Es handelte sich bei diesem erstmals 1499 gedruckten Text um eine humanistische Fälschung, die Elemente der Biblische Erzählung mit den germanischen Genealogien des Tacitus zu verbinden beabsichtigte. Die von Krantz vor allem auf Basis des „Pseudo-Berossos“ vollzogene Germanisierung der Slawen wurde im polnischen Humanismus, namentlich vom im Auftrag des Königs Sigismund August schreibenden Martin Cromer, zurückgewiesen.

Eine weitere Vermengung der Namen kam seit dem 14. Jahrhundert durch die lateinischen Übersetzungen für die Bezeichnung der „wendischen Städte“ Danzig, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Königsberg, Riga und andere Hansestädte auf. Latinisiert wurden diese Städte als „vandalicae urbes“ bezeichnet. Die Bezeichnung wendische Städte stand im Zusammenhang mit der Einteilung der Hanse in Quartiere. Das Hansequartier mit dem Vorort Lübeck, das die aufgezählten Städte umfasste, wurde als wendisches Quartier bezeichnet.

Auch im Namen des pommerschen Teilherzogtums Wenden findet sich im Lateinischen die Form „Ducatus Vandaliae“. Erst diese gelehrte Latinisierung beinhaltete eine historische Dimension, die von der humanistischen Geschichtsschreibung zu Spekulationen verwendet werden konnte. Die Wurzeln der Bezeichnung reichen weit ins frühe Mittelalter. Vor diesem Hintergrund kann eine Reihe von Geschichtskonzeptionen aus dem Umkreis des mecklenburgischen Hofes gedeutet, erklärt und in einen Zusammenhang gestellt werden.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert setzte sich in der Geschichtsforschung eine Negierung der Gleichsetzung Wenden und Vandalen durch, die die Wortverwendung auf einen Irrtum der mittelalterlichen Autoren zurückführt.[6]

Quellen

  • Prokopios von Caesarea, Historien (oder Bella, Buch 3 und 4).
  • [Zeitgenössische Beschreibung aus oströmischer Sicht.]
  • Victor von Vita, Historia persecutionis Africanae provinciae
  • [Tendenziöse, aber nicht unwichtige Quelle zu den inneren Vorgängen im Vandalenreich in Nordafrika]

Literatur

  • Guido Berndt, Roland Steinacher (Hrsg.): Das Reich der Vandalen und seine (Vor-)geschichten (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 13, OeAw Denkschriften der phil.-hist. Klasse 366). Wien 2008.
  • Guido M. Berndt: Konflikt und Anpassung. Studien zu Migration und Ethnogenese der Vandalen (Historische Studien 489). Husum 2007, ISBN 978-3-7868-1489-4.
  • Helmut Castritius: Die Vandalen. Etappen einer Spurensuche. Stuttgart u.a. 2007, ISBN 3-17-018870-4
  • Christian Courtois: Les Vandales et l'Afrique. Paris 1955
  • Nach wie vor das unübertroffene monografische Standardwerk.
  • Pierre Courcelle: Histoire littéraire des grandes invasions germaniques. 3. Auflage, Paris 1964 (Collection des études Augustiniennes: Série antiquité, 19).
  • Hans-Joachim Diesner: Vandalen. In: Paulys Realencyclopädie der class. Altertumswissenschaft (RE Suppl. X, 1965), S. 957-992.
  • Hans-Joachim Diesner: Das Vandalenreich. Aufstieg und Untergang. Stuttgart 1966.
  • Frank M. Clover: The Late Roman West and the Vandals. Aldershot 1993 (Collected studies series 401), ISBN 0-86078-354-5.
  • Christoph Eger: Silbergeschirr und goldene Fibeln. Die vandalische Oberschicht im Spiegel der Schatz- und Grabfunde Nordafrikas. Antike Welt35/2, 2004,71-76.
  • L’Afrique vandale et byzantine. Teil 1. Turnhout 2002 (Antiquité Tardive 10), ISBN 2-503-51275-5.
  • L’Afrique vandale et byzantine. Teil 2, Turnhout 2003 (Antiquité Tardive 11), ISBN 2-503-52262-9.
  • Die beiden Bände der Antiquité Tardive mit archäologischen, historischen und numismatischen Beiträgen von Javier Arce, Aicha BenAbed, Fatih Bejaoui, Frank M. Clover, Noel Duval, Cécile Morrisson, Jörg Kleemann, Yves Moderan, Philipp von Rummel u.a.; aktueller Stand der Forschung zum afrikanischen Vandalenreich.
  • Walter Pohl: Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration. Stuttgart 2002, S. 70-86, ISBN 3-17-015566-0.
  • Roland Steinacher: Vandalen - Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte. In: Hubert Cancik (Hrsg.): Der Neue Pauly. Stuttgart 2003, Band 15/3, S. 942-946, ISBN 3-476-01489-4.
  • Andy Merrills, Richard Miles: The Vandals. Oxford-Malden/MA 2010.
  • Yves Modéran: Les Maures et l'Afrique romaine. 4e.-7e. siècle. Rom 2003 (Bibliothèque des Écoles françaises d'Athènes et de Rome, 314), ISBN 2-7283-0640-0.
  • Die Vandalen: die Könige, die Eliten, die Krieger, die Handwerker. [Publikation zur Ausstellung „Die Vandalen“; eine Ausstellung der Maria-Curie-Sklodowska-Universität Lublin und des Landesmuseums Zamość …; Ausstellung im Weserrenaissance-Schloss Bevern …. Nordstemmen 2003. ISBN 3-9805898-6-2
  • Ludwig Schmidt: Geschichte der Wandalen. 2. Auflage, München 1942.
  • R. Steinacher: Wenden, Slawen, Vandalen. Eine frühmittelalterliche pseudologische Gleichsetzung und ihr Nachleben bis ins 18. Jahrhundert. In: W. Pohl (Hrsg.): Auf der Suche nach den Ursprüngen. Von der Bedeutung des frühen Mittelalters (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8). Wien 2004, S. 329-353.
  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika. Philipp von Zabern, Mainz 2009, ISBN 978-3-8053-4083-0.

Anmerkungen

  1. ↑ Zu den Anfängen der Vandalen siehe Castritius, Die Vandalen, S. 15ff.
  2. ↑ Castritius, Die Vandalen, S. 16f.
  3. ↑ Castritius, Die Vandalen, S. 54ff.
  4. ↑ Castritius, Die Vandalen, S. 76ff.
  5. ↑ Castritius, Die Vandalen, S. 159ff.
  6. ↑ Roland Steinacher: Studien zur vandalischen Geschichte. Die Gleichsetzung der Ethnonyme Wenden, Slawen und Vandalen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Diss. Wien 2002 (online ).

 

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Witte (Münze)

Witte (auch Witten, Wittenpfennig, Veerling) war die Bezeichnung für eine zweiseitig geprägte Münze im Wert von vier Pfennigen. Diesen umgangssprachlichen Namen erhielt die Münze wegen ihres weißen ("witte") Aussehens, das durch den Weißsud entstand. In Urkunden wurde der Witte "penningh van veer penninghen" genannt. In Dänemark-Norwegen hieß die Münze „Hvide“.

Vorder- und Rückseite eines Witten aus Hamburg, geprägt zwischen 1379 und 1387

Die Witten wurden nach 1330, von Lübeck ausgehend, in den norddeutschen Städten Hamburg und Wismar geprägt. Es folgten die Städte Lüneburg, Rostock und Stralsund, die sich in unterschiedlicher Zusammensetzung in Rezessen innerhalb des Wendischen Münzvereins über Aussehen, Gewicht und Feingehalt der Witten einigten. Außerhalb des Wendischen Münzvereins entstanden Witten in Städten in Pommern und in Holstein.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde der Witte von anderen Nominalen, dem Dreiling, Sechsling, Schilling und Doppelschilling abgelöst. Nur noch einmal, und dann auch nur für kurze Zeit wurde am Anfang des 16. Jahrhunderts im Wendischen Münzverein der Witte geprägt. Diese Witten wurden in der Grafschaft Hoya, in Diepholz und Rietberg, im Bistum Verden und in Stade nachgeahmt.

 

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Archiv der Hansestadt Lübeck

Das Archiv der Hansestadt Lübeck ist das Stadtarchiv der Hansestadt Lübeck und befindet sich am Mühlendamm direkt neben dem Lübecker Dom gemeinsam mit dem Museum für Natur und Umwelt. Der Neubau der 1960er Jahre umschließt die Reste des mittelalterlichen Kreuzganges des Doms an zwei Seiten. Das Archiv war bis zum Verlust der Reichsunmittelbarkeit durch das Groß-Hamburg-Gesetz 1937 ein Staatsarchiv. Es enthält Informationen zur Geschichte der Stadt und der Hanse.

Entstehung

Das Archiv wurde 1298 erstmals erwähnt. [1] Aus dem Amt des Registrators der Kanzlei entstand seit dem 16. Jahrhundert die Stelle des 3. (jüngsten) Ratssekretärs, der ab 1809 amtlich auch als Stadtarchivar bezeichnet wurde. Diesem oblag auch die Verantwortung für die Trese in der Lübecker Marienkirche. Der Richter Carl Wilhelm Pauli hatte 1834 bereits verloren geglaubte Bestände wieder aufgefunden und gab damit den Anstoß zur Erfassung, Sicherung und Erforschung der umfangreichen Bestände in Lübeck. Als erster Archivar wurde 1854 der damalige Leiter der Ernestinenschule Carl Friedrich Wehrmann bestellt, der dieses Amt bis 1892 innehatte. Vorher war jeweils der dritte Ratssekretär für die in der Trese der Lübecker Marienkirche seit 1298 verwahrten Urkundenbestände zuständig gewesen. Nachfolger Wehrmanns wurde Paul Ewald Hasse, ein Schüler des Göttinger Mediävisten Georg Waitz. Hasse begründete damit die Tradition, das die jeweiligen Leiter des Archivs gleichzeitig auch einen Lehrauftrag oder eine aoProfessur an der Universität Kiel wahrnehmen. Weitere bekannte Lübecker Archivleiter waren Johannes Kretzschmar, Georg Fink, Ahasver von Brandt, Olof Ahlers und als erste Frau in dieser Position Antjekathrin Graßmann. Das Archiv wurde nie zerstört. [2]

Bestände

Der Bestand umfasst über 6.000 Meter Archivalien. Die Sammlungsbestände des Archivs umfassen nicht nur Lübecker Urkunden seit dem Mittelalter, sondern aufgrund der herausragenden Stellung Lübecks als Vorort der Hanse handelt es sich auch um das bedeutendste Archiv für die Hansezeit, zumal die älteren Bestände des Hamburger Staatsarchivs beim großen Stadtbrand 1842 vernichtet wurden. Daneben verwahrt das Archiv z. B. auch Akten des Reichskammergerichts und des Oberappellationsgerichts der vier Freien Städte. Das Lübecker Stadtarchiv besitzt mehr als 3.000 historische Münzen. [3]

Die Lübecker Urkundenbestände wurden im 19. Jahrhundert im Codex diplomaticus Lubecensis, dem Urkundenbuch der Stadt Lübeck, zusammengefasst. Außerdem werden Verträge, Grundbücher und Dokumente aufbewahrt. Die Bestände wurden mit dem Findbuch im März 2010 erstmals online gestellt.

Daneben besteht für Schleswig-Holstein das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig, wo beispielsweise die Archivalien des ehemaligen Fürstentum Lübeck aufbewahrt werden.

Literatur

  • Antjekathrin Graßmann (Hg.): Beständeübersicht des Archivs der Hansestadt Lübeck. (Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, Reihe B Band 29) Lübeck: Schmidt-Römhild 1998 ISBN 3-7950-0467-5
  • Das Gedächtnis der Hansestadt Lübeck: Festschrift für Antjekathrin Graßmann zum 65. Geburtstag. In Verbindung mit dem Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde und dem Hansischen Geschichtsverein hrsg. von Rolf Hammel-Kiesow und Michael Hundt. Lübeck: Schmidt-Römhild, 2005. ISBN 3-7950-5555-5
  • Meike Kruse: Wo finde ich was? Handbuch zur Familien-, Personen- und Hausforschung im Archiv der Hansestadt Lübeck. Lübeck 2005. ISBN 3-7950-3117-6 (online
  • Jürgen Feldhoff: Das Gedächtnis der Stadt. In: Lübecker Nachrichten vom 20. November 2009, S. 17

Einzelnachweise

  1. ↑ Torsten Teichmann: Zurück in die sechziger Jahre. In: Lübecker Nachrichten vom 15. November 2011, S. 11
  2. ↑ Torsten Teichmann: Zurück in die sechziger Jahre. In: Lübecker Nachrichten vom 15. November 2011, S. 11
  3. ↑ Jürgen Feldhoff: Das Gedächtnis der Stadt. In: Lübecker Nachrichten vom 20. November 2009, S. 17

 

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BuddenbrookhausDas Buddenbrookhaus in Lübeck bei Nacht  -   Für eine größere Darstellung auf das Bild klicken.

Das Buddenbrookhaus (Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum) in Lübeck ist seit 1993 eine Gedenkstätte in Trägerschaft der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Es beherbergt den Förderverein Buddenbrookhaus, die Deutsche Thomas Mann-Gesellschaft, die Heinrich Mann-Gesellschaft und die Erich-Mühsam-Gesellschaft.

Im Haus befindet sich ein Museum mit zwei festen Ausstellungen: „Die Buddenbrooks – Ein Jahrhundertroman“ und „Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“. Ferner gibt es eine Etage für wechselnde Sonderausstellungen. Das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum ist Forschungsstätte und Trägerorganisation der Ausstellungen und literarischen Veranstaltungen.

Geschichte des Hauses

Das Haus in der Mengstraße 4 blickt mit der Fassade direkt auf die Marienkirche. Die erste Eintragung eines Besitzers für das Grundstück der Mengstraße 4 findet sich in den Lübecker Oberstadtbüchern im Jahr 1289. Es wird dort notiert, Arnoldus Calvus besitze ein Haus (domus) auf ebendiesem Grundstück. Bis zum Jahr 1537 sind ein gutes Dutzend weiterer Eigentümer verzeichnet, in der Regel Fernhändler, ausnahmslos Ratsherren, Bürgermeister oder Ratsverwandte wie beispielsweise die Familie Warendorp. Dann kauft Hermann von Dorne das Haus. In der von Dorneschen Familie, – sie stellte in jeder Generation einen Ratsherren – blieb das Haus rund 220 Jahre bis 1750.

1758 kaufte der Nowgorodfahrer Johann Michael Croll (1706–1777) das Anwesen Mengstr. 4 und ließ dort neu bauen. Von der Fertigstellung dieses Hauses zeugt auch heute – zusammen mit der Inschrift „Dominus providebit“ (Der Herr wird vorsorgen) – das noch sichtbare Datum „1758“ über dem Portal. Das Crollsche Haus erstreckte sich auf einem 12 Meter breiten Streifen von der Mengstraße etwa fünfzig Meter tief in den Baublock hinein. Auf dem Grundstück befanden sich das ungefähr 29 Meter tiefe Hauptgebäude, der östlich angebaute Seitenflügel, ein Gartenhaus (Portal) und ein Speicher. Es gab auch einen Durchgang zur Beckergrube. Das Haus war also, zumindest zu Fuß, von zwei Seiten her erreichbar. Die weiße Fassade ist unterhalb des Giebels mit zwei Figuren geschmückt, auf der linken Seite wird „Zeit“ und auf der Rechten „Wohlstand“ symbolisiert.

Das Vorderhaus beherbergte den Geschäftsbetrieb und diente zur vorübergehenden Lagerung der Waren. Auf der Diele im Erdgeschoss befand sich die Küche, die in nächster Nähe zum Zugang zum Gewölbekeller unter dem Vorderhaus lag. Das Dienstpersonal war meist in kleinen Räumen über der Küche (den Hangekammern) oder unter der Treppe untergebracht, die von der Diele in die Obergeschosse führte. Diese Haupttreppe führt in das erste Stockwerk des Hauses – in das Wohngeschoss. Das darüberliegende flache Dachgeschoss des Haupthauses war vermutlich von Anbeginn nicht mehr als Speicherraum vorgesehen.

An das Haus schloss sich ein Seitenflügel an, dessen Breite weniger als die Hälfte des Hauses betrug. Er gilt als der eigentliche Wohntrakt, wohingegen die Zimmer in der ersten Etage des Haupthauses repräsentative Zwecke erfüllen. Diese Belétage war auch nach außen in der Fassadengestaltung des 18. Jahrhunderts betont, einmal durch die besonders hohen Fenster und zum anderendurch die fünfachsige Fenstergliederung.

Den Raum zwischen Seitenflügel und nachbarlicher Hausmauer nahm der Hof ein. Direkt dahinter schloss sich der Garten an, der durch das Gartenhaus (oder Portal), das sich über die gesamte Grundstücksbreite erstreckte, abgeschlossen wurde. Hinter dem Gartenhaus lag ein zweiter Hof, begrenzt durch ein abschließendes Quergebäude, das als Speicher genutzt wurde. Johann Wilhelm Croll (1753–1807) übernahm 1777 das Geschäft des Vaters. Er war wie dieser Mitglied der Nowgorodfahrer und betrieb zusätzlich einige Kupfermühlen in der Umgebung der Stadt Mit seiner Frau und sieben Kindern bewohnte er nun das väterliche Haus. Sein einziger überlebender Sohn Johannes (1798–1847) war beim Tod des Vaters noch ein Kind, führte aber nach seiner Ausbildung zum Kaufmann das Geschäft weiter. Er ließ das Haus in den Jahren von 1822 bis 1824 durch den renommierten dänischen Architekten Joseph Christian Lillie (1760–1827) renovieren. Lillie, ein Vertreter des Kopenhagener Klassizismus, ist ab 1800 mit zahlreichen Neubauten, Aus- und Umgestaltungen von Häusern der ersten Kreise Lübecker Bürger betraut.

Familie Mann

1842 verkaufte Johann Wilhelm Croll das Haus an Johann Siegmund Mann jun. (1797–1863), auf Wunsch von dessen zweiter Ehefrau Elisabeth Marty, deren Mutter dort aufgewachsen war. Thomas Johann Heinrich Mann (1840–1891) übernahm das Handelsgeschäft seines Vaters Johann Siegmund Mann jun. am 1. Januar 1863. Er leitete die Firma Johann Siegmund Mann in dritter Generation und beließ den Firmensitz zunächst in der Mengstraße, verlegte ihn aber 1882 in die Beckergrube 52 in sein neu erbautes Wohnhaus. Die Mengstraße blieb das Wohnhaus seiner Eltern, der Großeltern Thomas Manns. Es verkörperte die bürgerliche Tradition, die seine Kinder später als ihren Hintergrund verstanden, büßte jedoch mit der Ausgliederung der Firma aus dem Haus an geschäftlicher Funktion ein. Die Großmutter Heinrich und Thomas Manns, die Konsulin Elisabeth Mann, geb. Marty, lebte bis zum 6. Dezember 1890 im Buddenbrookhaus.

Nach den Manns

Nach dem Verkauf aus dem Besitz der Manns 1891 ging das Haus an verschiedenste Eigentümer, bis es im Jahre 1894 in den Besitz des Staates kam. Eine Phase von Umbauten begann: 1895 wurden die Hintergebäude abgerissen (Speicher und Gartenhaus), um Platz für den Bau einer städtischen Markthalle zu schaffen. 1896 nahm man im ersten Stock alte Tapeten ab. 1898 zog eine Volkslesehalle in das Hauptgebäude. 1904 riss man für die Lübeckische Staatslotterie eine Wand ein, um einen Ziehungssaal zu schaffen.

Im Jahre 1912 verlegte die 81. Infanterie-Brigade ihren Sitz von der Parade 1 (dem Schloss Rantzau) hierher. Hier blieb sie etwa drei Jahre und zog dann in die Braunstraße 12 weiter. Aus dem Lübecker Adressbuch von 1913 ergibt sich, dass neben der Brigade auch das Garnisonskommando, die Bier-Verlags-Gesellschaft, der Lübecker Fremdenverkehrsverein, Polizeikasse sowie Laternenwart und -wache Mieter in dem Haus waren. Die Buddenbrook-Buchhandlung, zu deren Eröffnung am 5. März 1922 Thomas Mann anreiste[1], war hier bis 1929 untergebracht und schaffte wohl am ehesten die Verbindung zum Werk. Jedoch fand eine völlige Umgestaltung des Interieurs statt: Die Architekten Schöß und Retelsdorff ließen vielleicht noch vorhandene Originaleinrichtungen einreißen, um links und rechts der Eingangstür comptoirähnliche Einbauten zu errichten.

Nach 1933 wurde, um die ständige Erinnerung an Thomas Mann zu vermeiden, das Gebäude in Wullenweberhaus umbenannt.[2] Während des Luftangriffs auf Lübeck in der Nacht des Palmsonntag 1942 wurde auch das Haus in der Mengstraße 4 ein Opfer des Infernos, das zwei Fünftel der historischen Altstadt zerstörte. Vom Buddenbrookhaus stand nur noch die Fassade mit blinden Fensterhöhlen. Sie und der barocke Gewölbekeller blieben als einzige erhalten.

1957/58 veranlasste eine Genossenschaftsbank den Wiederaufbau des Hauses. Die Fassade wurde durch den Steinrestaurator Ludwig Schirrmeister originalgetreu wiederhergestellt. Beim Wiederaufbau wurden die Keller respektiert. Der Neubau ist gut fünf Meter kürzer und damit fast ebenso lang wie der 1758 abgerissene mittelalterliche Baukubus. Der Seitenflügel wurde nicht wieder errichtet, die Brandmauer zum Haus Mengstraße 2 abgerissen und die westliche Mauer bis zur Mitte des ersten Obergeschosses abgetragen. Die Dielenhöhe blieb erhalten, das erste Obergeschoss wurde jedoch um 45 Zentimeter abgesenkt. Auf die Raumaufteilung nach dem historischen Vorbild wurde bei der Innengestaltung keine Rücksicht mehr genommen.

Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum

1991 entschloss sich die Hansestadt Lübeck mit Unterstützung unter anderem durch die Bundes- und Landesregierung und die Lübecker Bürgerschaft, das Buddenbrookhaus zu kaufen und zu einem Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum auszubauen, das Forschungs- und Gedenkstätte zugleich werden sollte. Dieses Vorhaben war nicht grundsätzlich neu: Schon 1975 wurde im Zwischengeschoss des Hauses ein „Thomas-Mann-Zimmer“ eingerichtet.

Am 6. Mai 1993, im Jahr des 850. Stadtjubiläums der Hansestadt Lübeck, wurde mit einem Festakt unter Anwesenheit des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in der Mengstraße 4 eingeweiht - 90 Jahre nach dem Erscheinen des Romans Buddenbrooks, der dem Haus den Namen gegeben hat. Das Haus beherbergte in der Zeit bis Ende 1999 neben einer Dauerausstellung Sammlungen, eine Spezialbibliothek und ein Archiv. Es wurde zu einem modernen Zentrum, in dem Ausstellungen, Lesungen, Tagungen und Workshops stattfinden, die sich nicht nur mit Heinrich und Thomas, sondern auch mit der ganzen Familie Mann beschäftigten.

Seit Juni 2000 hat das Haus zwei neue Dauerausstellungen: „Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“ und „Die ‚Buddenbrooks’ – ein Jahrhundertroman“. Das Buddenbrookhaus als Gedenkstätte veranstaltet Kolloquien, Lehrerfortbildungen, Tagungen der Mann-Gesellschaften, Lesungen, Vorträge und Führungen.

Außerdem befindet sich im Gebäude im Erdgeschoss ein Museumsshop, in dem man alle literarischen Werke und andere Produkte zur Familie Mann erhalten kann, sowie verschiedenen Artikel zum Thema Lübeck, attraktive Geschenke oder interessante Bücher aus anderen Themenbereichen. Hier liegt auch ein Gästebuch aus, in dem man seinen eigenen Kommentar zum Buddenbrookhaus hinterlassen oder die Eindrücke anderer Besucher nachlesen kann.

„Buddenbrookhaus“

Seine herausragende Bedeutung erhält das Haus dadurch, dass es in die Weltliteratur eingegangen ist, indem es den Schauplatz für den Roman Buddenbrooks abgegeben hat. Die sich über vier Generationen hinziehende Geschichte der Romanfamilie Buddenbrook, die in vielen, aber lange nicht in allen Details der Geschichte der Familie Mann gleicht, spielte sich zu großen Teilen hinter der heute noch stehenden spätbarocken Fassade ab.

Als weltweit einziges Literaturprojekt der EXPO wurde es im Jahr 2000 vollständig umgebaut. Seither beherbergt es mit „Die ‚Buddenbrooks‘ – ein Jahrhundertroman“ und „Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“ zwei völlig neu konzipierte Dauerausstellungen. Für die Neugestaltung seiner beiden Ausstellungen wurde das Buddenbrookhaus 2002 mit dem Museumspreis des Europarates ausgezeichnet. Im Zuge der Umgestaltung richete das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum einen Museumsshop ein sowie die Samuel-Fischer-Bibliothek, die als Archiv und wissenschaftliche Forschungsstelle dient.

Herzstück des Literaturhauses mit der weißen Barockfassade sind seit dem Umbau die beiden neuen ständigen Ausstellungen. „Die Manns – eine Schriftstellerfamilie“ bietet einen Überblick über die wichtigsten Werk- und Lebensstationen der Familie Mann. In sechs Sektionen werden mit umfangreichem Bildmaterial in den Vitrinen ihre Lebenswege von den Lübecker Anfängen bis zu ihren in die heutige Zeit reichenden Spuren nachgezeichnet. Umrahmt werden diese von einem Zusammenschnitt zentraler Filmaufnahmen. Ferner finden sich Hörinseln, die die verschiedenen Stimmen der Familienmitglieder laut werden lassen. Die Ausstellung „Die ‚Buddenbrooks‘ – ein Jahrhundertroman“ holt den Roman an den Schauplatz seiner Handlung zurück. Genau an jenem Ort, wo die Familie Mann eine Beletage bewohnte, finden sich heute die das Landschaftszimmer und den Speisesaal umfassenden Rauminszenierungen aus den Buddenbrooks: Die Besucher finden einen begehbaren Roman vor. Um diese Romanräume rankt sich eine Dokumentation zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Romans, die wissenschaftliche Genauigkeit und Schaulust vereint: Die Ebene der Erstinformation lässt sich vertiefen durch Hörinseln und Lesepulte. Führungen durch das Haus werden fast ganzjährig um 14 Uhr angeboten. Die Literarischen Spaziergänge auf den Spuren der Brüder Mann und zu anderen Schwerpunkten rund um die schriftstellernde „Mann“-Schaft sowie die literarischen Fahrradtouren sind weitere Bestandteile des gut frequentierten Programms an Führungen.

Literatur

  • Thomas Radbruch (Fotos)/Hans Wißkirchen (Texte): Das Buddenbrookhaus. Verlag die Hanse, Hamburg 2001, ISBN 3-434-52577-7.
  • Björn R. Kommer: Das Buddenbrookhaus in Lübeck. Geschichte, Bewohner, Bedeutung (Hefte zu Kultur und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck; Bd. 6). Coleman, Lübeck 1993, ISBN 3-87128-036-4.
  • Britta Dittmann und Hans Wißkirchen (Hg.): Das Buddenbrookhaus. Schmidt Römhild, Lübeck 2008, ISBN 978-3-7950-1286-1.
  • Thomas Mann: Buddenbrooks, S. Fischer Verlag, Erstausgabe: 1901, ISBN 978-3-596-29431-2.

Einzelnachweise

  1. ↑ Von Lübecks Türmen; Lübeck, den 25. März 1922, Artikel: Das Buddenbrookhaus in Lübeck
  2. ↑ Vgl. Thomas Mann: Deutsche Hörer! 2 (April 1942): "An Ort und Stelle freilich heißt es schon längst nicht mehr das Buddenbrook-Haus. Die Nazis, verärgert darüber, daß immer die Fremden noch danach fragten, hatten es umgetauft in Wullenweber-Haus. Das dumme Gesindel weiß nicht einmal, daß ein Haus, das den Stempel des achtzehnten Jahrhunderts an seinem Rokoko-Giebel trägt, nicht gut mit dem verwegenen Bürgermeister des sechzehnten etwas zu tun haben kann. Jürgen Wullenweber hat seiner Stadt durch den Krieg mit Dänemark viel Schaden zugefügt, und die Lübecker haben mit ihm getan, was die Deutschen denn doch vielleicht eines Tages mit denen tun werden, die sie in diesen Krieg geführt haben: sie haben ihn hingerichtet."

 

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Stadtbibliothek (Lübeck)

Die Stadtbibliothek in Lübeck (offizieller Name: Bibliothek der Hansestadt Lübeck) ist öffentliche und wissenschaftliche Bibliothek, als letztere auch Schwerpunktbibliothek für Musik des Landes Schleswig-Holstein.

Geschichte

Die Gründung geht auf eine Anregung des Reformators Johannes Bugenhagen in seiner Kirchenordnung von 1531 zurück, die allerdings erst ab 1616 durch den Bürgermeister Alexander Lüneburg sowie den Ratsherrn Jürgen Pavels gemeinsam mit dem Superintendenten Georg Stampelius und dem Rektor des Katharineums Johann Kirchmann aufgegriffen wurde[1] Die in der Stadt verstreuten Bestände, etwa der Ratsbibliothek und der Bibliotheken der Kirchen und ehemaligen Klöster (mit Ausnahme des Doms), wurden in Räumen des ehemaligen Katharinenklosters zusammengefasst, die durch die Katharinenkirche zugänglich waren, und ab 1619 der allgemeinen Öffentlichkeit im dazu mit einer eichenen Regalanlage versehenen Dormitorium des ehemaligen Klosters zugänglich gemacht. Die 61 geschnitzten Wappen und Namensinschriften aus Rat, Geistlichkeit und Schule zeigen, dass die Bibliothek eine gemeinsame Sache der weltlichen und geistlichen Stadt-Obrigkeit war.

Vorgeschichte 1616 übernommener Bestände

Allein die Geschichte der von der Stadtbibliothek übernommenen Bestände der Ratsbibliothek reicht zurück in die Zeit des Spätmittelalters. Sie besteht zur Hälfte aus der umfangreichen Bibliothek des Lübecker Ratssyndikus Simon Batz (1420-1464), die der Lübecker Rat bei dessen Tod gegen Zahlung eines Betrages von 300 Rheinischen Gulden übernahm.[2]

Die Erweiterung der Bestände nach Gründung der Bibliothek

1624 erhielt die Bibliothek zwei große Globen des niederländischen Kartographen Willem Blaeu und 1668 zwei darauf bezogene programmatische Gemälde Der alte Gelehrte und Der junge Gelehrte der Brüder Johann Zacharias und Gottfried Kniller (heute im St. Annen-Museum). Die Bibliothek erfreute sich von Anfang an einer Vielzahl von Zustiftungen von privater Hand und zählte 1754 bereits über 9.000 Bände, darunter seit 1648 auch die vom Rat angekaufte Nachlass-Bibliothek des Universalgelehrten Joachim Morsius. 1756 erhielt die Bibliothek das Pflichtexemplar-Recht für alle in Lübeck veröffentlichten Werke. Durch das Vermächtnis des Predigers an St. Aegidien Heinrich Scharbau erhielt die Stadtbibliothek 1759 neben einem Stiftungskapital von 16.000 Mark auch 6.000 weitere Bände seiner Privatbibliothek. Diese wurden in einem eigenen Raum (dem ehemaligen Sitzungssaal des Konsistoriums) neben dem Bibliotheksgründungssal, der Scharbau zu Ehren den Namen Scharbausaal erhielt, aufgestellt.

Die Stadtbibliothek im 19. Jahrhundert

Nach der Säkularisierung des Domkapitels wurde 1804 auch die Dom-Bibliothek (130 Handschriften und 500 Drucke) in die Stadtbibliothek eingegliedert. Zwei Jahre später wurde die an das Waisenhaus übergegangene Bibliothek des Michaeliskonvents der Schwestern vom Gemeinsamen Leben (Beginen) in die Stadtbibliothek eingegliedert, die damit einen einzigartigen Schatz an mittelniederdeutschen Handschriften aus dem 15. Jahrhundert erhielt. 1817 wurden die Bestände durch die Stiftung von weiteren 6.000 Bänden der Privatbibliothek des Dompropstes Johann Carl Heinrich Dreyer (1723-1802) ergänzt. Seither dürfte die Schwerpunktbildung für Deutsche und Lübecker Geschichte sowie die Deutsche Rechtsgeschichte anerkannt sein. 1821 umfasste der Bibliotheksbestand bereits etwa 35.000 Bände. Um 1830 erstellte Ernst Deecke den ersten Inkunabel-Katalog der Bibliothek und bereitete so den Weg für die Mittelalterforschung in den Beständen.

Bis 1903 oblag die Aufsicht über die Bibliothek nebenamtlich einem Lehrer des Katharineums. In diesem Jahr wurde Carl Curtius (1841-1922), der die Bibliothek seit 1879 in Personalunion mit der "dritten Professur" am Katharineum geleitet hatte, von seinen Lehrverpflichtungen an der Schule freigestellt. Curtius hob die im Scharbau-Testament von 1759 begründete Trennung der Bestände in Scharbauische Bibliothek (Bibliotheca Scharbovia) und Stadtbibliothek (Bibliotheca Publica) auf. Dies machte erstmals eine umfangreiche Neuaufstellung und Katalogisierung möglich, die am Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte.

1879 entstand neben der sich zur Archivbibliothek entwickelnden Stadtbibliothek eine Volksbibliothek, zunächst als Verein innerhalb der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, dann als eigenständige Öffentliche Bücherei mit mehreren Zweigstellen in den Stadtteilen.

Zeitgeschichte

Einen Rückschlag erlitt die Lübecker Bibliothek, die schon überregionale Bedeutung vergleichbar einer Staatsbibliothek besaß, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Der Direktor, Willy Pieth, wurde am 1. Juli 1933 entlassen. Berufsbibliothekar wurde ein NS-Parteimitglied, und das Interesse der Nazis bestand auf der Aussonderung „gefährdender“ Schriften und Autoren. Nach dem Luftangriff der Engländer 1942 auf die Lübecker Altstadt wurden die wichtigsten Bestände (28.000 Bände) in den Stollen Plömnitz (Gemeinde Preußlitz, Salzlandkreis) in Sachsen-Anhalt ausgelagert, von wo aus sie später als Beutekunst in die Sowjetunion gelangten und auf Teilrepubliken verteilt wurden. Bis heute sind davon, vor allem aus Armenien und Georgien 7.718 Bände zurückgekehrt, während bei anderen die Rückgabe offen ist.[3]

Nach dem Krieg hatte die Bibliothek einige Schwierigkeiten, ihre dezimierten Bestände wiederaufzubauen. Nach intensiver Diskussion wurde 1971 die Zusammenlegung von wissenschaftlicher Stadtbibliothek und Öffentlicher Bücherei zu einer Institution nach dem Vorbild der englischen Public Library beschlossen. 1979 wurde dafür ein weiterer Neubau fertiggestellt, und die Bibliothek stand allen offen. Teilkontingente der Auslagerungsbestände aus den GUS-Staaten kehrten zurück und die Musikabteilung (teilweise in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Lübeck) entwickelte ein umfangreiches Programm zur Veröffentlichung und Aufführung von Musik aus ihrem reichhaltigen Bestand.

2007 übernahm Bernd Hatscher die Leitung der Stadtbibliothek von Dr. Jörg Fligge.

Heutiger Schwerpunkt ist die Ausrichtung auf den Bildungsauftrag beispielsweise durch die Einführung eines Spiralcurriculums (stufenweise Lernangebote für Vorschule und Schule) oder Angebot von schulorientierten Unterrichtsmöglichkeiten. Dabei sind auch Medienpräsentation und Aufenthaltsqualität in den nächsten Jahren allmählich zu verbessern.

Gebäude

Die Stadtbibliothek ist in einem in Deutschland einzigartigen Ensemble untergebracht, das Gebäudeteile aus sieben Jahrhunderten vereinigt. Die mittelalterlichen Gebäudeteile des alten Katharinenklosters werden gemeinsam mit dem Katharineum genutzt. Ebenso gehört der südliche Oberchor der Katharinenkirche zur Bibliothek. 1994-2002 wurden diese Räume grundlegend restauriert. Dabei wurden im Konsistorialsaal, der ab 1760 zur Unterbringung der Scharbau'schen Bibliothek diente, mehrere Ausmalungsschichten freigelegt.

Erst 1877 wurde auf Anregung des damaligen Bibliotheksleiters, des Historikers Friedrich Wilhelm Mantels, in die gotischen Klosterräume ein neugotischer erster Neubau eingefügt, der sowohl der Schule als auch der Bibliothek Erweiterungsfläche bot. Der Saal im Obergeschoss dieses Baus, heute Mantelssaal, wurde 1992-1994 restauriert und als Galeriebibliothek eingerichtet.

Vom Eingang in der Hundestraße sind diese Raumteile nicht sichtbar, da hier 1926 nach einem Entwurf von Friedrich Wilhelm Virck ein Erweiterungsbau zur Straße hin im Stil des norddeutschen Klinkerexpressionismus mit dem Magazin, das eine damals hochmoderne, freitragende Magazinanlage (Lipman-Regale, System Wolf Netter & Jacobi) erhielt, und einem Lesesaal angelegt wurde. Die dabei von Erwin Bossanyi geschaffenen Fresken des Lesesaals wurden 1937 als "Entartete Kunst" übermalt und erst 1960 wieder freigelegt. 1992 wurde der Lesesaal grundlegend restauriert.

Im Zuge der Zusammenlegung von Stadtbibliothek und Öffentlicher Bücherei und der dafür benötigten Flächenerweiterung wurde der Komplex 1979 durch einen weiteren Neubau im Stil der Zeit sowie durch den Ausbau zweier mittelalterlicher Bürgerhäuser ergänzt.

Bestände

Heute hat die Bibliothek ein reiches Medienangebot, eine umfassende Kinder- und Jugendbibliothek, ein steigendes Angebot von E-Books, CDs, CD-ROMs, DVDs, Zeitschriften, Zeitungen (u.a. alle Ausgaben der Lübecker Nachrichten seit dem Ende des 18. Jahrhunderts).

Der Gesamtmedienbestand betrug im Jahr 2012 1.079.393 mit 1.181.410 Ausleihen.[4]

Über den Altbestand liest man im Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland: "Bei einem Gesamtumfang von ca. 1,16 Millionen Bdn zählt der historische Bestand heute 81.536 Titel (1900 bereits 120.000 Titel). Davon sind 40 Inkunabeln (nicht eingerechnet die 45 Inkunabelfragmente), 5.552 Titel entfallen auf das 16. Jh., 10.879 auf das 17. Jh., 15.223 auf das 18. Jh. und 49.842 auf das 19. Jh. Die umfangreichste Gruppe ist die Theologie mit 15 Prozent des gesamten Altbestandes, gefolgt von der Geschichte mit 13 Prozent und Jura sowie der Altphilologie mit jeweils 12 Prozent. Diese Gruppen vereinigen 52 Prozent des alten Schrifttums auf sich gegenüber nur 7 Prozent, die auf die Naturwissenschaften (ohne Medizin) und Technik entfallen" [5].

Spezielle Sammelgebiete sind die Geschichte und Landeskunde Lübecks und der Hanse.

Schulprogammschriften

Durch die enge Verzahnung mit dem Katharineum, für das die Stadtbibliothek bis ins 20. Jahrhundert auch als Schulbibliothek diente, besitzt sie eine umfangreiche Sammlung an Schulprogrammschriften. Die fast 40.000 Exemplare sind seit 2000 mit Hilfe der DFG durch einen eigenen Katalog erschlossen und in der Zeitschriftendatenbank verzeichnet.

Musikabteilung

Von überregionaler Bedeutung ist die Musikabteilung mit einem reichen Altbestand an Musikalien, der durch liturgische Handschriften bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Die Stadtbibliothek besitzt einen Kantatenband von Dietrich Buxtehude sowie mehrere Abendmusiken in autographen Partituren von Adolf Karl Kunzen. Sie verwahrt das Hugo Distler-Archiv[6] sowie (Teil)nachlässe der Kirchenmusiker Johann Georg Witthauer, Walter Kraft, Erwin Zillinger und Jan Bender, aber auch von dem in Lübeck geborenen Opernkomponisten Karl Grammann.

Nachlässe und Sammlungen

Die Stadtbibliothek bewahrt auch die Nachlässe von Friedrich Overbeck[7] und Emanuel Geibel sowie Sammlungen, die von Karl von Schlözer und von Carl Julius Milde gestiftet wurden.

Kunst- und Gemäldebesitz

Der umfassende Kunstbesitz dieser alten Bibliothek erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Eine Darstellung des damaligen Bibliotheksdirektors Peter Karstedt 1957[8] griff diese Thematik als Aufgabenstellung auf. Karstedt verstand unter dem „musealen“ Tätigkeitsfeld die „Verpflichtung der Landes- und Stadtbibliotheken, das regional, historisch und persönlich Einschlägige als Illustration ihres kulturellen Raumes an sich zu ziehen.“[9] Im Falle der Lübecker Stadtbibliothek gehören dazu neben den wertvollen Altbeständen in historischer Umgebung von Fresken und antiken Einrichtungsgegenständen auch ihr Besitz an Kunstgegenständen. Dazu gehören eine Vielzahl von Porträts der Personen, die für die Entstehung und Entwicklung der Bibliothek von Bedeutung waren. Rektoren und Professoren des Katharineums, Angehörige des Rates der Stadt, Superintendenten ihrer Kirche, später Mitglieder des Geistlichen Ministeriums sowie der Bibliothek verbundene Gelehrte. Einen erheblichen Teil dieser Sammlungen hat die Stadtbibliothek seit dem Ende des 19. Jahrhunderts an die Sammlungen der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck abgegeben. So ging die reichhaltige Sammlung von Werken Friedrich Overbecks an das Behnhaus und die Sammlung von Porträts Lübecker Bürgermeister an das Lübecker Rathaus. Der reiche Restbestand bezieht sich nach den Abgaben konkreter auf die Geschichte der Bibliothek selbst. Dazu gehören beispielsweise

  • Porträt des Reformators Johannes Bugenhagen
  • das Gemälde des Rektors des Katharineums Johannes Kirchmann postmortem 1648 von Zacharias Kniller
  • das Porträt Scharbau
  • Porträts von Johannes und Emanuel Geibel[10]

Literatur

  • Heinrich Christian Zietz: Ansichten der Freien Hansestadt Lübeck und ihrer Umgebungen, Frankfurt a.M, 1822, S. 350 ff.
  • Willy Pieth (Hg.): Bücherei und Gemeinsinn. Das öffentliche Bibliothekswesen der Freien und Hansestadt Lübeck. Lübeck: Otto Quitzow 1926
  • Paul Brockhaus: Verborgene Schätze. In: Der Wagen 1958, S. 75 - 103. (Überblick über den damaligen Kunst- und Gemäldebesitz der Stadtbibliothek mit Abbildungen.)
  • Bibliothek der Hansestadt Lübeck: Bibliotheksführer zum 375-jährigen Jubiläum. Lübeck 1997.
  • Jörg Fligge/Robert Schweitzer, Aus Georgien zurück. In: Bibliotheksdienst 31 (1997) (PDF-Datei; 440 KB) )
  • Jörg Fligge: Die Lübecker Stadtbibliothek 1990 bis 2005. Ein Bericht. In: Der Wagen 2006, S. 73-109 ISBN 978-3-87302-110-5

Kataloge

  • Paul Hagen: Die deutschen theologischen Handschriften der Lübeckischen Stadtbibliothek. Lübeck: Schmidt-Römhild 1922 (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek der freien und Hansestadt Lübeck 1,2)
  • Digitalisat  im Internet Archive
  • Paul Hagen: Friedrich Overbecks handschriftlicher Nachlaß in der Lübeckischen Stadtbibliothek. Lübeck: Schmidt-Römhild 1926 (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek der Freien und Hansestadt Lübeck 2)

Fußnoten

  1. ↑ Manfred Eickhölter: Quellen zur Entstehungsgeschichte der Lübecker Stadtbibliothek, erste Bibliotheksförderer und frühe Buchgeschenke, in: Die wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Entwicklung kommunaler Bibliotheksstrukturen in Europa seit 1945. Hrsg. von Jörg Fligge und Peter Borchardt. Wiesbaden 2000, S. 259–289.
  2. ↑ Robert Schweitzer / Ulrich Simon: Boeke, gude unde böse - Die Bibliothek des Lübecker Syndikus Simon Batz von Homburg: Rekonstruktionsversuch anhand seines Testaments und der Nachweise aus dem ehemaligen Bestand der Ratsbibliothek in der Stadtbibliothek Lübeck. In: Das Gedächtnis der Hansestadt Lübeck: Festschrift für Antjekathrin Graßmann zum 65. Geburtstag. In Verbindung mit dem Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde und dem Hansischen Geschichtsverein hrsg. von Rolf Hammel-Kiesow und Michael Hundt. Lübeck: Schmidt-Römhild, 2005. ISBN 3-7950-5555-5 S. 127ff
  3. ↑ Anm.: Ein entsprechendes Schicksal erlitten ein Drittel der Bestände der Butendach-Bibliothek der Reformierten Gemeinde
  4. ↑ Bibliotheksdaten 2012 in Kürze , abgerufen am 14. Februar 2013
  5. ↑ Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, S. 119
  6. ↑ Ein Teil des Archivs wurde nach Rückgabe an die Erben von diesen im August 2010 der Bayerischen Staatsbibliothek geschenkt: Information der Bayerischen Staatsbibliothek vom 17. August 2010 , Hugo-Distler-Nachlass .
  7. ↑ Beispielsweise den Brief Karl Ludwig Roecks an Overbeck, als Volltext im Wikisource-Projekt, siehe s:de:Karl Ludwig Roeck an Friedrich Overbeck, 1810.
  8. ↑ Das museale Moment in der Stadtbibliothek von Lübeck. in Festnummer der Lübeckischen Blätter zum 47. Deutschen Bibliothekartag im Juni 1957 in Lübeck.
  9. ↑ Zitiert nach Paul Brockhaus: Verborgene Schätze, S. 75 (76. ff.).
  10. ↑ Weitere Nachweise mit Abbildungen bei Paul Brockhaus, Verborgene Schätze.

 

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Tresekammer (Lübeck)

Die Tresekammer oder kurz Trese (von Altgriechisch thesaurus ‚Schatz‘ bzw. Latein tresecamere oder Althochdeutsch treserye ‚Schatzkammer‘) war die alte Schatzkammer des Rates der Hansestadt Lübeck zur Aufbewahrung von Urkunden und Wertsachen. Sie ist seit 1298 ein weltlicher Baukörper in der Lübecker Marienkirche.

Geschichte der Tresekammer

Die Marienkirche wurde in Lübeck vom Rat in Konkurrenz zum bischöflichen Lübecker Dom direkt neben dem Rathaus erbaut. An die Südostecke des Chorumgangs neben der heute als Haupteingang genutzten Süderhalle baute der Rat der Stadt im 13. Jahrhundert eine eigene Kapelle, die Bürgermeisterkapelle, die im Außenmauerwerk am Wechsel von schwarz glasiertem und unglasiertem rotem Backstein deutlich abgesetzt zu erkennen ist. Nach Walter Paatz soll mit ihrem Bau bereits 1289 begonnen worden sein.[1] In ihrem noch erhaltenen gotischen Gestühl aus dem 15. Jahrhundert wurde jeweils der neugewählte Rat in sein Amt eingesetzt. Die Schnitzarbeiten, insbesondere an den Wangen dieses Gestühl, verweisen auf den Humor der damaligen Zeit.

Im Obergeschoss dieser Kapelle befindet sich die Trese, der besonders gesicherte Aufbewahrungsort der städtischen Privilegien, Urkunden, Handfeste und der Verträge des Lübecker Rates und Dokumente der Hanse. Sie wurde 1298 erstmals urkundlich erwähnt.[2] Die Trese ist gut an den starken Vergitterungen zu erkennen, die schon das Fenster der darunter liegenden Bürgermeisterkapelle sichern. Die Trese wird über einen Wendelstein erschlossen. Auch heute noch ist dieser Teil der Kirche in städtischem Besitz des Archivs der Hansestadt Lübeck, das hier 1854 unter dem ersten Staatsarchivar Carl Friedrich Wehrmann seinen organisatorischen Anfang nahm. Das städtische Eigentum an den Räumen in der Kirche wurde allerdings 1971 durch einen entsprechenden Nießbrauch der Stadt am Kirchengrundstück ersetzt. Im Inneren der Trese finden sich hinter sieben Schlössern und zwei schweren Türen an den Wänden rundum Einbauschränke und Truhen zur Lagerung der Wertsachen, die hier seit den Auslagerungen wegen des Zweiten Weltkrieges 1940 aber nicht mehr verwahrt werden. Durch die Abgrenzung vom Kirchenraum wurde die Trese selbst, ebenso wie die Bürgermeisterkapelle darunter, nicht durch das Feuer in der Kirche infolge des Luftangriffs auf Lübeck im März 1942 in Mitleidenschaft gezogen. Nach einer Begehung durch Vertreter des Archivs und der Denkmalpflege 2009 wurde ein zum Verschluss der Archivschränke benutzer Splint als Lübecks ältester Münzstempel von 1250 identifiziert. [3]

In der Zeit von 1469 bis 1496 waren die von König Christian I. an Lübeck verpfändeten dänischen Kronjuwelen in der Trese unter Verschluss. In der Trese sammelte der Rat unter dem Bürgermeister Jürgen Wullenwever auch das 1531 beschlagnahmte Lübecker Kirchensilber. Es handelte sich um mehr als 96 Zentner Silber, das 1533 zur Finanzierung der Grafenfehde und eines Kaperkrieges gegen die Umlandfahrer aus den Niederlanden eingeschmolzen wurde.[4]

Der östliche Anbau der jüngeren Molenkapelle, auch düstere Kapelle genannt, an die Bürgermeisterkapelle erfolgte erst um 1395.

Literatur

  • Antjekathrin Graßmann: Lübeckische Geschichte. 2. Auflage, Lübeck 1989. ISBN 3-7950-3203-2.
  • Walter Paatz: Die Marienkirche zu Lübeck, Burg bei Magdeburg, 2. Auflage 1929.

Einzelnachweise

  1. ↑ Walter Paatz: Die Marienkirche zu Lübeck, S. 20, unter Hinweis auf eine Urkunde des Nikolaus Vrowedhe.
  2. ↑ Paatz aaO, S. 20.
  3. ↑ Rostiger Türriegel entpuppt sich als Lübecks ältester Münzstempel  (PDF; 1,8 MB), Lübeckische Blätter, abgerufen am 14. Dezember 2009.
  4. ↑ Lübeckische Geschichte, S. 396.

 

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Kapellen der Lübecker Marienkirche

Die neunzehn heute noch vorhandenen Kapellen prägen den Innenraum der Lübecker Marienkirche als sogenannter Ruhmeshalle des Lübschen Patriziats und vermitteln gemeinsam mit den verbliebenen Epitaphien der Lübecker Marienkirche heute noch einen Eindruck von der Verbindung der Stadt und ihren dominierenden Bürgerfamilien mit ihrer Rats- und Marktkirche. Die Grabkapellen an der Nordseite des Langhauses entstanden zwischen 1328 und 1350 von Ost nach West. Sie wurden 1837 umgestaltet. Von 1350 bis 1385 wurden die Grabkapellen an der Südseite errichtet. Durch den Luftangriff auf Lübeck 1942 wurde der überwiegende Teil der Ausstattung der Kapellen wie auch viele der verblieben Altarretabel der Lübecker Marienkirche zerstört. Die nachfolgende Liste führt zunächst die Kapellen an der Nordseite von West nach Ost auf, sodann dem Uhrzeigersinn folgend die Kapellen im Chor. Es folgen die Kapellen im Bereich der beiden Türme von Nord nach Süd und die Kapellen an der Südseite des Kirchenschiffs ebenfalls von West nach Ost. Beschrieben werden die jeweilige Geschichte, der Zustand und die Ausstattung bis 1942 sowie die heutige Nutzung und Ausstattung nach dem Wiederaufbau des Gotteshauses.

N1: Rodde-Kapelle

Die Rodde-Kapelle ist die westlichste Grabkapelle am nördlichen Seitenschiff der Marienkirche. Sie trägt ihren Namen nach der ratssässigen Kaufmannsfamilie Rodde. Gestiftet wurde sie zwischen 1359 und 1387 von Heinrich Witte. 1497 Stiftung einer Vikarie durch Christian Northoff und seine Geschwister.

N2: Bremer-Kapelle

Der ursprünglich Stifter dieser Kapelle ist unbekannt; vermutlich Kapelle des Michael Schutte und seiner Familie. Seit 1553 im Familienbesitz der Familie Bremer und von den Vorstehern des Bremer-Testaments verwaltet.

N3: Köhler-Kapelle

Diese Grabkapelle ist 1336 erstmals erwähnt; sie wurde von dem Ratsherrn und Kirchenvorsteher Gottschalk Warendorp errichtet [1] Die Kapelle war im 16. Jahrhundert im Besitz der Familie von Wickede. Sie wurde 1635 von dem Lübecker Bürgermeister Anton Köhler als Grabkapelle für die Familie erworben und wurde 1942 zerstört. Ein Teil des schmiedeeisernen barocken Gitters der Kapelle ist erhalten und befindet sich an der Warendorp-Kapelle.

N4: Wöhrmann-Kapelle

1347 erwähnt als Kapelle des Bürgers Hermann Keiser. Sie gelangte im 16. Jahrhundert in den Besitz der Familie Runge. 1776 wurde sie von dem Seidenhändler und Vorsteher der Kirche Hinrich Wöhrmann als Grablege für sich († 1785) und seine Frau Catharina Engel, geb. Tesdorpf († 1789) erworben und enthält einen Gedenkstein für seinen Urenkel Christian Heinrich von Wöhrmann.

N5: Küster-Kapelle

1328 errichtet durch den Ratsherrn und Vorsteher der Kirche Arnold Wlome († 1329)[2] und dem Heiligen Johannes dem Evangelisten geweiht. Wlome hat der Kirche drei Vikarien gestiftet und 1326 im Lübecker Dom eine Präbende errichtet. Seit 1627 Küsterkapelle.

Totentanzkapelle

Eigentlich keine Kapelle, sondern das nördliche Querschiff mit zwei Gewölbejochen. Bis zur Zerstörung 1942 befand sich hier der Lübecker Totentanz von Bernt Notke, das 1634 entstandene Epitaph für den Bürgermeister Lorenz Möller aus der Werkstatt des Eckernförder Bildschnitzers Gudewerth und über dessen Tür das 1913 vom Kaiser bei dessen Besuch in Lübeck der Stadt geschenkte sogenannte Kaiserfenster.

Das Kaiserfenster war 11m hoch. An seinem Sockel befanden sich die Wappen der Hohenzollern und der Nürnberger Burggrafen. Dessen bildliche Darstellungen stellten Episoden aus der lübeckischen Geschichte dar. Das Hauptbild zeigte die Bestätigung der Privilegien durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1181. Im oberen Drittel deuteten Bibel und Kelch auf die Einführung der Reformation in Lübeck hin. Zu beiden Seiten befanden sich Medaillien mit dem Bildnis des Reformators Bugenhagen (erster Lübecker Superintendent). In der Spitze war die Lubeca mit dem Modell eines Segelschiffes und dem Stadtwappen dargestellt, im Spitzbogen selbst das von schwebenden Puten umkränzte alte schwäbische Wappenschild der Hohenstaufen.[3]

An der Ostwand der Kapelle befand sich bis 1942 mit der Totentanzorgel die älteste Orgel der Marienkirche.

Heute befindet sich in der Totentanzkapelle an der Stelle der früheren Totentanzorgel die neue Astronomische Uhr des Lübecker Uhrmachers Paul Behrens. Die neue Totentanzorgel wurde deshalb im nördlichen Seitenschiff eingebaut. Die Fensterverglasung stammt von Alfred Mahlau und nimmt Themen des verbrannten Totentanzes auf.

N6: St.-Johannis-und-Nikolai-Kapelle (†); N7: Oldesloe-Kapelle (†) [Bearbeiten]

Zwischen der Totentanzkapelle und dem nördlichen Seitenschiff war die N7: Oldesloe-Kapelle (gestiftet 1398 von Gerhard Oldesloe) eingebaut, und im Querschiff an der Nordwestseite des Pfeilers die N6: St.-Johannis-und-Nikolai-Kapelle (1425 nachgewiesen). Beide sind heute nicht mehr vorhanden.

O1: Alte Sakristei

Auch Gerwekammer (Kammer, wo die liturgischen Gewänder aufbewahrt wurden) genannt. 1847 durch Carl Julius Milde restauriert zur Aufstellung von Friedrich Overbeck: Die Trauer um den eingeborenen Gottesssohn und Jost de Lavals Anbetung und Taufe Christi.[4] Messing-Grabplatte des 1505 verstorbenen Hermen Hutterock und seiner Frau, vermutlich ein Entwurf Bernt Notkes. Heute Gebetskapelle. Im Obergeschoss war früher die Bibliothek.

O2: Gallin- und Alen-Kapelle

Zweigeschossiger Anbau; im Erdgeschoss Kapelle der Familie Gallin, erbaut von den Testamentsvollstreckern des in ihr beerdigten Bürgermeisters Hermann Gallin († 1365)[5]. Hermann Gallin hatte auch eine Vikarie gestiftet. Im Obergeschoss befindet sich die Kapelle der Brüder Nikolaus und Eberhard von Alen, gestiftet zum Andenken an ihren 1367 verstorbenen Vaterm den Ratsherrn Holto von Alen.[6] Umbau 1849/50 gemeinsam mit der Alten Sakristei. Seit 1851 Sakristei. Hier standen die Reste des gotischen Hochaltars der Marienkirche.

O5: Sängerkapelle

Die Sängerkapelle, auch Marientiden- oder Beichtkapelle, hinter dem Altar im Osten des Chors ist eine Chorerweiterung der Marienkirche durch den Lübecker Rat vor 1444. Zeitgleich entstand auch die Marientidenkapelle des Lübecker Doms. Eine Stiftung an die Sängerkapelle für regelmäßige Messen erfolgte durch den Bürgermeister Hinrich Castorp und weitere Mitglieder des Rates im Jahr 1462. Im 19. Jahrhundert wurden hier Friedrich Overbecks Einzug Christi in Jerusalem und der Greveradenaltar aus der Greveraden-Kapelle gezeigt. Die geborgene gotische Glasmalerei der Fenster der Burgkirche aus der abgebrochenen Kirche des Burgklosters wurde 1840 in die Fenster der Kapelle eingesetzt. Diese Kunstwerke wurden 1942 zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier der Antwerpener Altar mit der Verkündigungsszene des Meisters von 1518 wieder aufgestellt, der die Zerstörungen in der Briefkapelle überstanden hatte.

W1: Greveraden-Kapelle

Adolf Greverade 1493. Unter dem Norderturm, hatte gotische Glasfenster aus der abgebrochenen Burgkirche. Neben der Greveradenkapelle befand sich noch eine weitere und mit ihr nicht identische[7]Kapelle unter dem Nordturm: die Heilig-Kreuz-Kapelle (W2). Das Paulusfenster aus der ehemaligen Burgkirche des Burgklosters wurde 1840 restauriert und im Zuge der neugotischen Renovierung der Westfassade 1868 in das Fenster der Greveradenkapelle in der Westfront der Marienkirche eingesetzt.[8]

Weiter verlorene ehemalige Kunstwerke der Greveradenkapelle:

Als Geschenk des Lübecker Bürgermeisters Johann Martin Andreas Neumann entstand 1927 für die Ausstellung Lübeckische Kunst außerhalb Lübecks die Nachbildung des Kruzifix aus der Klosterkirche Vadstena[9] als Gipsabguss. Das Original wird dem Meister der Darsow-Madonna zugeschrieben.

W3: Bergenfahrer-Kapelle

Die Bergenfahrer hatten ihre Kapelle mit dem Bergenfahreraltar zwischen den beiden Türmen. Sie wurde um 1400 eingerichtet, als ihr St-Olavs-Altar erstmalig erwähnt wird. Die Kapelle war reich ausgestattet. Das 1518 erbaute Bergenfahrergestühl befand sich bereits im Hauptschiff direkt vor der Kapelle links und rechts der bis zum Zweiten Weltkrieg dort stehenden Taufe unter der Großen Orgel. Das Kreuzigungsfenster aus der ehemaligen Burgkirche des Burgklosters befand sich ursprünglich gemeinsam mit dem Hieronymusfenster an der Nordseite des Chors der Burgkirche. Es wurde im Zuge der neugotischen Umgestaltung der Westfassade der Marienkirche im 19. Jahrhundert über dem Westportal der Marienkirche in der Bergenfahrer-Kapelle eingebaut. Es wurde ergänzt mit der 1521 vom Lübecker Rat gestifteten Marienkrönung, die 1839 aus der Sängerkapelle ausgebaut worden war, um dort Platz für weitere Fenster der Burgkirche zu schaffen.

W4: Schinkel-Kapelle

Unter dem Süderturm liegende Kapelle benannt nach dem Kaufmann Arnd Schinkel, der hier 1497 eine Vikarie stiftete.[10]

Heute Gedenkstätte mit den zertrümmerten Glocken, die beim Brand 1942 herabstürzten.

S1: Briefkapelle

Erbaut ab 1310 als St. Annen-Kapelle; der Name Briefkapelle ist nachreformatorisch und leitet sich von den Schreibern her, die in der Kapelle ihre Stände hatten. In der Kapelle, die 1942 weitgehend unbeschädigt blieb, befand sich zu diesem Zeitpunkt der Antwerpener Altar von 1518, der heute wieder in der Marientidenkapelle aufgestellt ist.

Spätgotischer Wandschrank, Bildnis des Schiffbruch des Bergenfahrers Hans Ben, Grabplatte des Bruno von Warendorp, Orgel aus Ostpreußen; heute Nutzung als Winterkirche.

S2: Divessen-Kapelle

Gestiftet durch das Testament des 1367 gestorbenen Bürgers Heinrich Vlint, 1438 übergegangen an Heinrich Divessen und seine Familie. Heute enthält sie eine moderne Toilettenanlage für die Besucher.

S3: Segeberg-Kapelle

Begründet durch Timm von Segeberg († 1364) und ausgestattet mit zwei Vikarien. Später von der Segeberg-Stiftung gemeinsam mit dem Segeberg-Armenhaus in der Johannisstraße verwaltet.

Heute Gedenkkapelle für Angehörige der Familie Eschenburg.

S4: Stotebrügge-Kapelle

Errichtet aus dem Nachlass von Arnold Levendige († 1352). Später im Besitz der Familien Muter und Stotebrügge; unter der Kapelle eine Gruft mit 18 Grablegen.

S5: Warendorp-Kapelle

Gestiftet von dem 1359 verstorbenen Wilhelm Warendorp, den Sohn des Bürgermeisters Bruno Warendorp; Grabkapelle der Patrizierfamilie von Warendorp. Enthält das klassizistische Denkmal des Bürgermeisters Joachim Peters von Landolin Ohmacht aus dem Jahr 1788 und einen Rest des Gitters der Köhler-Kapelle von 1656.

S6: Heilige Drei-Königs-Kapelle der Nowgorodfahrer (†)

Die Kapelle befand sich an der Ostwand der Südervorhalle und ist seit 1439 als Kapelle der Nowgorodfahrer bezeugt. Seit 1653 Lagerraum eines Buchhändlers, wurde die Kapelle 1768 abgebrochen. Lediglich Spuren in der Ostwand deuten auf eine Halterung hin, in der sich Holzskulpturen einer Anbetung der Heiligen Drei Könige befanden.

S7: Tesdorpf-Kapelle

Ursprünglich als Heilig-Kreuz-Kapelle von Berthold Holthusen gestiftet und wegen ihrer kastenförmig aus der Außenmauer herausragenden Form als Vynkenbur bezeichnet. In der Südostecke des Südervorhalle genannten Haupteingangsbereichs im südlichen Querschiff. Benannt nach dem Bürgermeister Peter Hinrich Tesdorpf, der die Grabkapelle für die Familie erwarb und in ihr 1723 bestattet wurde. Sein Epitaph an der Südwand der Südlichen Vorhalle ist erhalten. In der Kapelle befindet sich das klassizistische Denkmal des Bürgermeisters Johann Matthaeus Tesdorpf von Gottfried Schadow aus dem Jahr 1823.

O8: Bürgermeisterkapelle

Erster urkundlicher Nachweis 1289, im ersten Stock wird seit 1289 die Trese als Schatzkammer und Urkundenarchiv des Rates der Stadt Lübeck genutzt.

O6: Molen-Kapelle

Die Molen-Kapelle, auch düstere Kapelle genannt, wurde 1395 aus dem Nachlass des Hermann van der Molen errichtet. Auf ihrem Altar befand sich das gotische, von Christian Swarte 1495 gestiftete Marienretabel (heute auf dem Hochaltar). Sie hatte einen heute vermauerten eigenen Zugang vom Chorumgang.

Literatur

  • Gustav Schaumann, Friedrich Bruns (Bearbeiter): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Hrsg. von der Baudeputation. Band 2, Teil 2: Die Marienkirche. Nöhring, Lübeck 1906 (Digitalisat )
  • Walter Paatz: Die Marienkirche zu Lübeck. Band 5 der Reihe Deutsche Bauten, 2. Auflage, Burg bei Magdeburg 1929
  • Max Hasse: Die Marienkirche zu Lübeck. Deutscher Kunstverlag, München 1983, ISBN 3-422-00747-4, besonders S. 167-173: Die Privatkapellen und die Nebenaltäre mit ihren Vicarien und Commenden und Plan S. 243
  • Antje Grewolls: Die Kapellen der norddeutschen Kirchen im Mittelalter: Architektur und Funktion. Kiel: Ludwig 1999, ISBN 3-9805480-3-1, S. 179-194
  • Adolf Clasen: Verkannte Schätze - Lübecks lateinische Inschriften im Original und auf Deutsch. Lübeck 2002, S. 48 f. ISBN 3795004756

Einzelnachweise

  1. ↑ Die BuK-Angabe, sie sei von Johann Geismar, Ratsherr in Stockholm, gestiftet, bezieht sich auf einen Altar, nicht auf diese Kapelle.
  2. ↑ Fehling, Ratslinie Nr. 313.
  3. ↑ Das Kaisergeschenk für die Marienkirche, In Vaterstädtische Blätter: Ausgabe des 13. Juni 1914
  4. ↑ Walter Paatz: Die Marienkirche zu Lübeck, S. 35.
  5. ↑ Fehling: Ratslinie, Nr. 368.
  6. ↑ Nach Grewolls, S. 186; BuK und Hasse identifizierten die Alen-Kapelle mit der Alten Sakristei/Gerwekammer, was aber der Überlieferung nicht entspricht.
  7. ↑ So Grewolls gegen Hasse u.a.
  8. ↑ Abbildung Buk II, S. 183
  9. ↑ Abbildung des Originals in Vadstena
  10. ↑ Fehling, Ratsline, zum Nachfahren und Ratsherrn Konrad Schinkel, Nr. 786, unter Hinweis auf BuK II, S. 171, 213.

 

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Kaperbrief

Der Kaperbrief war ein Dokument, das eine Regierung einem Privatmann ausstellte, der dadurch zur Kaperfahrt berechtigt wurde. Dies bedeutet, dass der Kaperkapitän das Recht bzw. den Auftrag hatte, Schiffe einer anderen Nation zu kapern (entern) oder zu versenken. Der Kaperer handelte dabei offiziell im Auftrag des ausstellenden Staates. Zugleich wurde dem Kaperfahrer Schutz in den Häfen der ausstellenden Nation zugesagt. Im Gegenzug musste der Kaperkapitän einen Teil der Beute, der sogenannten Prise, an den ausstellenden Staat abführen. An Bord wurde der Beuteanteil oder der Erlös daraus, das Prisengeld, nach einem festgelegten Schlüssel verteilt.

Geschichte

Kaperbriefe entstanden im 12. Jahrhundert im Zuge der Regelung des bis dahin praktisch rechtsfreien Zustands auf See. Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Kaperei ein akzeptierter Teil der Seekriegsführung. Mit dem Kaperbrief wurde „Seekriegsführung im Auftrag“ von Piraterie abgegrenzt. Teilweise nutzten Kaperkapitäne aber den Kaperbrief aus, nebenbei Piraterie zu betreiben.

Ziel der Kaperschiffe waren in erster Linie Handelsschiffe.

Kaperbriefe wurden insbesondere dann ausgestellt, wenn Staaten kurzfristig ihre Seemacht verstärken wollten oder schlicht Geld brauchten. Ein typisches Beispiel ist das elisabethanische England, das Francis Drake und andere Kapitäne anwarb, um einerseits Spanien zu schwächen und sich andererseits Einnahmen für den Aufbau einer großen Kriegsflotte zu verschaffen. Auf diese Weise gelangten sie an nautisch hochqualifizierte Kapitäne anderer Nationen. Teilweise wurde das Mittel des Kaperbriefes auch eingesetzt, um Piraten von der Bedrohung eigener Schiffe abzuhalten.

Kaperbriefe wurden insbesondere von Großbritannien, Frankreich, den Hansestädten und den USA ausgestellt. Die Verfassung der Vereinigten Staaten (Artikel 1, Sektion 8) weist die Kompetenz zur Ausstellung von Kaperbriefen ausdrücklich dem Kongress zu. Die legale Kaperei im Unabhängigkeitskrieg Nordamerikas kostete England mutmaßlich den Gegenwert von sechs Millionen Dollar an Handelsgütern. 1812 liquidierten 500 US-Kaperschiffe 13 Prozent des britischen Seehandels.

Die Ausstellung von Kaperbriefen wurde international 1856 durch die Deklaration von Paris geächtet. Die USA, Spanien und Mexiko schlossen sich dieser Seerechtsdeklaration nicht an, im Fall der USA allerdings, weil sie eine weitergehende vollständige Abschaffung des Beuterechts wollten, was wiederum an Großbritannien scheiterte. Die Deklaration bedeutete nämlich nicht das Ende der Seekriegsführung gegen Handelsschiffe. Das Prisenrecht war von nun an lediglich auf reguläre Kriegsschiffe beschränkt.

Bekannte Kaperfahrer und Kaperschiffe

  • die Vitalienbrüder unter Klaus Störtebeker (Dänisch-Mecklenburgischer Konflikt im späten 14. Jahrhundert), später als Piraten
  • Paul Beneke (Hansisch-Englischer Krieg 1469–1474)
  • Sir Francis Drake (englisch-spanischer Konflikt ab 1585 im Rahmen des Achtzigjährigen Krieges), vorher Piraterie unter Duldung der Krone
  • Sir Walter Raleigh (englisch-spanischer Konflikt ab 1585 im Rahmen des Achtzigjährigen Krieges), als Reeder, betrieb persönlich keine Kaperei
  • Benjamin Hornigold (Spanischer Erbfolgekrieg), später kurzzeitig Pirat, schließlich Piratenbekämpfer
  • Woodes Rogers (Spanischer Erbfolgekrieg)
  • Robert Surcouf (Koalitionskriege), auch als Reeder

Fälschlicherweise werden manchmal auch Seeoffiziere bzw. Kriegsschiffe, die Handelskrieg führten, als Kaperfahrer bezeichnet z. B.:

  • Piet Heyn (Achtzigjähriger Krieg)
  • Graf Luckner (der „Seeteufel“) auf dem Hilfskreuzer SMS Seeadler im Ersten Weltkrieg
  • Leichter Kreuzer Emden (Deutschland) im Ersten Weltkrieg
  • der deutsche Hilfskreuzer Pinguin im Zweiten Weltkrieg

Etymologie

Kapern ist ein Lehnwort aus dem Friesischen, das über die niedersächsische Sprache und das Niederländische in die Deutsche Sprache gelangte. Es bedeutete zunächst Freibeuterschiff, später auch Freibeuter und ist abgeleitet von kapia (kaufen), vielleicht auch von kapen (Ausschau halten, auflauern) oder vom lateinischen capere (fangen).

Verwandte Themen

  • Von Handelskrieg spricht man, wenn das Ziel die Schädigung des Gegners durch Schädigung des Handels (Beschädigung von Hafenanlagen, Blockade von Schiffahrtsrouten, Eroberung oder Schikanen von Handelsschiffen) ist. Dabei kann es auch Gewinne für den Eroberer geben, zum Beispiel durch Prisengelder oder Versteigerungsgewinne.

Literatur

Sachbücher

  • Robert Bohn: Die Piraten. 2. Aufl., Verlag C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-48027-6.
  • David Cordingly: Unter schwarzer Flagge. Legende und Wirklichkeit des Piratenlebens. dtv, München 2001, ISBN 3-423-30817-6.

Belletristik

  • Heinrich Hasebeck (Autor), Andreas Venzke (Herausgeber): Gasparan oder Die letzte Fahrt des Francis Drake. Benziger-Verlag, Zürich 1996, ISBN 3-545-36531-X (literarischer Bericht und Schilderung einer typischen Kaperfahrt).

 

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Paul Beneke

Paul Beneke (* Anfang des 15. Jh.; † um 1480) war ein deutscher Kaperkapitän der Hanse und Ratsherr aus Danzig.

Leben

Beneke zeichnete sich in den Kriegen der Hanse gegen Dänemark bereits in der Seeschlacht bei Bornholm am 26/27. September 1455 und beim Überfall auf Anholt 1466 aus.

Im Krieg der Hanse gegen England kaperte Beneke zu Neujahr 1470 mit seiner Mariendrache die John of Newcastle, sein erstes größeres englisches Schiff. 1471 setzte er den Bürgermeister von Dover gefangen, nachdem er ihn durch Hissen der französischen Fahne getäuscht und an Bord gelockt hatte. Dann schoss er 18 vor der Küste liegende englische Handelsschiffe in Brand.

Später überfiel er französische Schiffe mit dem Londoner Lord-Mayor, der von einem Besuch in Frankreich heimkam, nahm die englischen Würdenträger gefangen und beschlagnahmte alles britische Gut, bevor er die Schiffe wieder entließ. Danach kaperte er vor der holländischen Küste weitere englische Schiffe, darunter die Saint John.

Berühmt wurde Beneke besonders als Kapitän der mächtigen Kraweel Peter von Danzig (1462), die er seit Juni 1472 führte. Zu den berühmtesten Kaperzügen mit ihr gehört der Überfall vom 27. April 1473 auf das unter burgundischer Flagge für England segelnde Handelsschiff Thomas Portinari (in einigen Quellen auch St. Thomas genannt) einer florentinischen Gesellschaft. An Bord befand sich ein Triptychon zum Jüngsten Gericht, das der flämische Künstler Hans Memling im Auftrag eines italienischen Kaufmanns für eine Medici-Kirche in Florenz gemalt hatte. Beneke schaffte das Bild nach Danzig. Später wurde es – florentinischen Protesten zum Trotz – von Bürgermeister Reinhold Niederhoff der Marienkirche vermacht. Dort hängt heute eine Kopie, das Original befindet sich im Danziger Nationalmuseum.

1474 bat England um Frieden, der daraufhin am 28. Februar 1474 geschlossene Friede von Utrecht gab der Hanse wieder alle Handelsprivilegien zurück.

Literatur

  • Karl Koppmann: Beneke, Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2. Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 329 f.
  • Kapitel 3: Paul Beneke, in: Wilhelm Wolfslast: Helden der See. Band 1. Entdecker und Admirale, Berlin 1944, S. 40–54.

 

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Hansisch-Englischer Krieg

Der Hansisch-Englische Krieg von 1469 bis 1474 war ein Krieg zwischen dem Städtebund Hanse und dem Königreich England.

Vorgeschichte

Das aufstrebende englische Handelsbürgertum bemühte sich immer mehr, die Vorrechte der Hanse im Ostseehandel zu brechen. 1437 erreichte es mit Unterstützung des Königtums die prinzipielle Anerkennung des Rechtes auf die Teilnahme am Ostseehandel. 1447 entzog König Heinrich VI. der Hanse alle Privilegien. Im Mai 1449 kaperten die Engländer eine hansische Baiensalzflotte, wobei Lübeck 16 und Danzig 14 große Schiffe verlor. Nach zähen Verhandlungen wurde 1456 ein achtjähriger Waffenstillstand abgeschlossen, in dem die Schadensersatzforderungen vertagt und die Privilegien vom englischen König verlängert wurden.

Bereits 1458 und nach Ablauf des Waffenstillstandes erneut, brachten englische Kaperschiffe wiederholt Handelsschiffe der Hanse auf. Die ergebnislosen Friedensverhandlungen von 1465 in Hamburg brachten die Differenzen innerhalb der Hanse zutage. Englands Friedensangebot schloss Entschädigungen aus, und der größte Teil der Hansestädte war nicht bereit, der Linie Lübecks zu folgen.

Den Anlass zum Krieg lieferte schließlich eine Auseinandersetzung zwischen England und Dänemark, wobei 1468 mit Hilfe von der dänischen Krone gecharterten Danziger Kapern im Sund englische Schiffe aufgebracht und beschlagnahmt wurden. Daraufhin ließ Eduard IV. im Frühjahr 1469 den Stalhof stürmen und plündern. Die Kaufleute wurden zeitweilig inhaftiert und mussten für den im Sund entstandenen Schaden mit ihrem Vermögen haften.

Im April 1469 versammelte sich die Hanse in Lübeck. Sie beschloss den Krieg gegen England, verbot die Einfuhr englischen Tuches und ordnete den Einsatz von Kaperschiffen gegen die englischen Seeverbindungen an.

Kriegsverlauf

Die führende Rolle auf Seiten der Hanse übernahmen Lübeck, Danzig, Hamburg und Bremen, während sich Köln, Wesel und Arnheim neutral verhielten. Im Herbst 1469 liefen die ersten hansischen Kaperschiffe gegen England aus. Herzog Karl der Kühne erlaubte zunächst die Öffnung der niederländischen Häfen für hansische Kaperschiffe, zog diese Erlaubnis aber zu Beginn des Jahres 1470 zurück. So mussten die hansischen Kaperschiffe in Hamburg und ihren Heimathäfen überwintern, um dann im Frühjahr wieder auf dem Seekriegsschauplatz zu erscheinen. Die Hauptlast des Krieges trug Danzig, während sich Lübeck unter Führung seines Bürgermeisters Hinrich Castorp relativ wenig engagierte.

Andererseits war auch England durch die Rosenkriege erheblich geschwächt. Nachdem König Eduard IV. aufgrund der inneren Machtkämpfe im Herbst 1470 nach Holland geflüchtet war, gestattete Karl der Kühne hansischen Schiffen den Zugang zu seinen Landeshäfen für ein Jahr, um mit ihrer Hilfe die Rückkehr Eduards zu unterstützen. Bei dieser Gelegenheit kaperten die hanseschen Schiffe nicht nur mehrere Schiffe von Eduards Gegnern, sondern gaben ihm 1471 bei seiner Rückkehr nach England sogar Geleitschutz. Nach Eduards Rückkehr konnte der Danziger Kaperkapitän Paul Beneke die Schiffe von Eduards Feinden Magdalena von Dieppe und Schwan von Caen aufbringen, die mit dem Lord Mayor of London auf dem Weg nach Frankreich waren.

Nachdem Eduard wieder in England war, verbot Karl der Kühne, auf hansischen Schiffen Söldnerdienste anzunehmen, hansische Kaper zu proviantieren und Prisengut von ihnen aufzukaufen. Damit verloren die hansischen Kaper erneut die flandrischen Häfen als Operationsbasis.

Im Jahr 1472 begann die Hanse mit größeren Verbänden zu operieren. Im Hamburger Geschwader befanden sich unter anderem die Große Marie und der Fliegende Geist, im Lübecker Geschwader der Mariendrachen und der Georgsdrachen. Ein Verband der Hauptleute Michel Ertmann und Jacob Heymann mit dem Großen Kraweel segelte bis zur Insel Ouessant, wo ein Teil der Schiffe in einem Sturm verlorenging. Bei der Rückfahrt erlitt das Große Kraweel ein Leck und konnte nur mit Mühe gehalten und zur Reparatur nach Brügge gebracht werden. Nun kreuzte die französische Flotte auf und blockierte mit 29 Kampfschiffen die Schiffe der Hanse. Da erschien eine englische Flotte von 20 Schiffen, woraufhin die Franzosen in Richtung Normandie abliefen. Der englische Befehlshaber Lord Howart griff nun die zwischen der Insel Walcheren und der Scheldemündung blockierten hansischen Schiffe an und brachte sie auf.

Das Große Kraweel kehrte nach Beseitigung der Schäden nach Hamburg zurück. Danzig ermächtigte drei seiner Bürger durch Kaperbriefe, auf eigenen Gewinn und Verlust Krieg gegen England zu führen. Ab 1473 führte Paul Beneke mit der Peter von Danzig erfolgreich mehrere Kaperfahrten gegen England durch. Als britische Händler auf neutralen Schiffen ihre Waren nach England einführten, scheute Beneke die zu erwartenden diplomatischen Verwicklungen nicht. Vor der englischen Küste kaperte er unter anderem das mit besonders kostbarer Fracht beladene, unter burgundischer Flagge segelnde Schiff St. Thomas. Im Jahr 1474 verheerte eine Flotte der Hanse die Ostküste von England.

Friedensschluss

Im Frieden von Utrecht von 1474 konnte die Hanse ihre Ziele erreichen. Sie erlangte ihre Rechte und Privilegien in England wieder, erhielt den Stalhof und ihre Niederlassungen in Boston und Lynn zurück und wurde mit 10 000 englischen Pfund entschädigt.

Literatur

  • Konrad Fritze/Günter Krause: Seekriege der Hanse. Militärverlag der DDR, Berlin 1989, ISBN 3-926642-02-5

 

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Peter von Danzig (1462)

Der Peter von Danzig, auch Dat grote Kraweel, vormals „Peter von La Rochelle“ genannt, war das erste große Kraweel im Ostseeraum zur Zeit der Hanse im 15. Jahrhundert.

Kraweel „Peter von La Rochelle“

Ein großes französisches Kraweel aus La Rochelle segelte mit einer Landung Baiensalz 1462 nach Danzig. Zu Pfingsten wurde ihm auf See vor Danzig durch Blitzeinschlag der Mast zerstört.[1] Es kam zur Reparatur in den Danziger Motlau-Hafen. Das Schiff lief unter den Namen „Peter van Rosseel“, „Sanctus Petrus de Rupella“ oder auch „dat grote schipp van Rossele“.[2] Der Besitzer des Schiffes war ein Kaufmann aus La Rochelle namens Marcus Boeff. Er musste kurzfristig aus Danzig abreisen und bevollmächtigte einen Peter Byszert zur Abwicklung der Schiffsinstandsetzung. Byszert starb jedoch bald und setzte kurz vor seinem Tod wiederum einen Bevollmächtigten für sich, einen Peter de Nantes ein. Dieser verpfändete das Kraweel gegen eine beträchtliche Summe an die beiden Danziger Roloff Veltstede und Jaspar Lange. Diese Verpfändung wurde aber von Marcus Boeff nach seiner Rückkehr nicht anerkannt, zumal er nun den französischen König Louis XI. als Besitzer anführte. De Nantes hatte Teile der Pfandsumme offenbar veruntreut und wurde ins Gefängnis geworfen. Die Angelegenheit schlug nun große diplomatische Wellen. Das Hansekontor in Brügge verhandelte mit den Abgesandten des Königs, Lübeck wurde eingeschaltet und schließlich zog Danzig den polnischen König als ihren Territorialherren hinzu. Danzig hielt das Schiff, das über die nächsten Jahre nicht überholt wurde, zurück. 1470, also nach 8 Jahren, war das Schiff in der Motlau verrottet und eine Gefahr für den Hafen geworden. Es wurde jedoch nicht abgewrackt, sondern von Danzig instandgesetzt und ausgerüstet[3] und lief 1471 als „Grotes Craveel“ und als „Peter von Danczk“ zum ersten Mal unter Kommando des Danziger Ratsherrn Berndt Pawest nach Brügge in Flandern aus.[4]

Kraweel „Peter von Danzig“

Die Städte des Wendischen und Preußischen Viertels hatten England unter König Eduard IV. den Krieg erklärt, weil dieser ihre Handelsprivilegien zunehmend beschnitt. Der Hansisch-Englische Krieg wurde als Kaperkrieg geführt und Pawest ging vor Ort gegen Behinderungen des hansischen Handels durch Franzosen und Engländer vor. 1472 kauften die Danziger Bürger Johann Sidinghusen, Tideman Valandt und Reinhold Niederhoff das Schiff von der Stadt. Ab 1473 führte dann Kapitän Paul Beneke erfolgreich mehrere Kaperfahrten gegen das durch die Rosenkriege ohnehin geschwächte England durch. Vor der englischen Küste kaperte Beneke das mit besonders kostbarer Fracht beladene britische Schiff St. Thomas. Die Prise betrug 60.000 Pfund, eine für die damalige Zeit unerhörte Summe. Unter dem Schutz des Erzbischofs von Bremen Heinrich II. Graf von Schwarzburg wurde die Prise zwischen den Schiffseignern und der Besatzung aufgeteilt. Unter der Beute befand sich auch das Triptychon „Das jüngste Gericht“ von Hans Memling, das eine Auftragsarbeit der Medici war. Es wurde von Reinhold Niederhoff der Marienkirche zu Danzig geschenkt, wenngleich sich die rechtmäßigen florentinischen Eigentümer um Rückgabe bemühten. Daraus entspannen sich diplomatische Verwicklungen, die bis zur Androhung des Kirchenbannes durch den Papst führten.

Der Seekrieg zwischen der Hanse und England wurde mit dem Frieden von Utrecht (1474) beendet.

1478 erlitt der Peter von Danzig Schiffbruch und wurde abgewrackt.

Einzelnachweise

  1. ↑ Theodor Hirsch / F. A. Vossberg (Hrs.), Caspar Weinreich's Danziger Chronik,(Unveränd. Neudr. der Ausg. von 1855), Vaduz 1973=1855, S. 1
  2. ↑ Quellennachweis: Hansisches Urkundenbuch 9, Nr. 95, 122, 123, 127, 262, 263, 294, 296, 297, 307, 313, 314, 330, 449 und HUB 10, Nr. 703, 385.
  3. ↑ Caspar Weinreich's Danziger Chronik, S.6
  4. ↑ Caspar Weinreich's Danziger Chronik, Beilage II, S. 102ff, bes. Nr. 12, 13 (S. 111-113)

Literatur

  • Jochen Brennecke: Geschichte der Schiffahrt. 2. Auflage. Künzelsau 1986, ISBN 3-89393-176-7, S. 62.
  • Karl-Heinz Ludwig, Volker Schmidtchen: Metalle und Macht. 1000 bis 1600. Propyläen Ullstein, Berlin, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-549-05227-8 (Propyläen Technikgeschichte. Band 2. Hrsg. Wolfgang König).
  • Carl Crome-Schwienening: Der Peter von Danzig. Kasemann, Danzig, 1923.
  • Caspar Weinreich's Danziger Chronik: ein Beitrag zur Geschichte Danzigs, der Lande Preussen und Polen, des Hansabundes und der nordischen Reiche. Stargardt, Berlin 1855.

 

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Bunte Kuh

Die Bunte Kuh war eine vermutlich in Flandern gebaute Schnigge, die als eines der Führungsschiffe der hansischen Flotte im Jahre 1401 den Angriff auf den Seeräuber Klaus Störtebeker führte.

Geschichte

Zur Sicherung des Seehandels mit England und Holland vor Piratenangriffen finanzierte die Stadt Hamburg den Kaufleuten Simon von Utrecht und Hermann Nyenkerken zwei damals moderne Schniggen samt Waffen und Seeleuten. Das eine der Schiffe, die Bunte Kuh, wurde Hermann Nyenkerken übertragen, und das zweite, namentlich nicht überlieferte, dem aus Flandern in die Hansestadt gezogenen Simon von Utrecht. Die leichten Schniggen konnten berudert werden und eigneten sich ideal zur Jagd auf Seeräuber, da sie den großen Handelskoggen durch ihre Schnelligkeit und Wendigkeit überlegen waren.[1] Ab dem Jahr 1400 diente sie der Verfolgung und Bekämpfung Störtebekers und Gödeke Michels, die mit mehreren Schiffen, eines davon trug den Namen Seetiger, den Seehandel in der Nordsee bedrohten. Entgegen der Legende um Simon von Utrecht wurde die Bunte Kuh von Hermann Nienkerken kommandiert. Die Bunte Kuh wurde begleitet von einer Flotte bewaffneter Kauffahrteischiffe, Fredekoggen genannt, die von den Hamburger Ratsherren Nikolaus Schocke und Hermann Langhe geführt wurden. Störtebeker konnte schließlich vor Helgoland gestellt werden. Die Seeräuber wurden besiegt und auf der Bunte Kuh nach Hamburg transportiert, wo Störtebeker und andere 1401 auf dem Grasbrook vor den Toren der Stadt enthauptet wurden.

Schiffstyp

Von dem historischen Fahrzeug ist nicht mehr bekannt als dessen Name, Schiffsführer sowie Kosten für Anschaffung und Unterhalt. In Hamburger Kämmererbüchern wurden über mehrere Jahre die Ausgaben der Stadt für den Unterhalt der Bunten Kuh vermerkt. Die Höhe der für die Bunten Kuh aufgezeichneten Kosten lassen den Schluss zu, dass es sich bei dem Schiff um eine Schnigge handelte, da die Kosten für Bau und Unterhalt einer Kogge mehr als doppelt so hoch gewesen wären. Die fehlerhafte Klassifizierung der Bunten Kuh als Kogge sowie die Zuschreibung des Schiffs zu Simon von Utrecht geht vermutlich auf die im 17. Jahrhundert erneuerte Grabplatte Simons von Utrecht zurück, die mit einer fehlerhaften Lobesinschrift versehen wurde.[1]

Nachwirkungen

Trotz fehlender zeitgenössischer Bildquellen existieren zahlreiche Modelle und Abbildungen der Bunten Kuh aus späterer Zeit. Meist wurde das Schiff als koggenähnlicher Schiffstyp dargestellt. So befinden sich Modelle der Bunten Kuh im Hamburger Ratskeller und im Museum für Hamburgische Geschichte. In Lübeck, der damaligen „Königin der Hanse“, gibt es einen Stadtteil mit dem Namen Buntekuh, dessen Name mit dem Schiff aber nicht in Zusammenhang steht.

Literatur

  • Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2.
  • Angus Konstam: Piracy – The Complete History. Osprey, Oxford 2008, ISBN 978-1-84603-240-0 (englisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Jörgen Bracker (Hrsg.): Gottes Freund – aller Welt Feind: von Seeraub und Konvoifahrt; Störtebeker und die Folgen. Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg 2001, ISBN 3-9805772-5-2, S. 26–28.

 

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Adler von Lübeck - Schiff

Die Adler von Lübeck, auch Der Große Adler oder Lübscher Adler genannt, war ein Kriegsschiff der Hansestadt Lübeck im 16. Jahrhundert. Sie war mit einer Länge über alles von ca. 78,30 m und einer geschätzten Wasserverdrängung von 1.000[4] bis 2.000 t[5] eines der größten Schiffe ihrer Zeit.

Die Adler wurde 1567 als Führungsschiff der Lübecker im Nordischen Krieg gegen Schweden in Dienst gestellt, gelangte aber nicht mehr zum geplanten Kampfeinsatz. Mit knapp 150 Artillerierohren auf drei Geschützdecks kam das Kriegsschiff, das als ein Mischtyp aus Galeone und Karacke anzusehen ist, der Konzeption der späteren Dreidecker bereits recht nahe. Auch die viermastige Takelage bis zu rund 62 m Höhe nahm die Dimensionen der nachfolgenden Ära der Linienschiffe weitgehend vorweg. Nach Ende des Krieges 1570 wurde die Adler zum Frachtsegler umgebaut und u.a. für den Salzhandel mit der Iberischen Halbinsel eingesetzt, wo das für den Frachtbetrieb eigentlich ungeeignete Schiff schließlich 1581 leckschlug und abgewrackt wurde.

Derzeit plant die Deutsche Museumswerft, einen originalgetreuen Nachbau der Adler von Lübeck im Maßstab 1:1 anzufertigen. Ziel der Rekonstruktion ist es, traditionelle Schiffbautechniken wiederzubeleben und an die Nachwelt weiterzureichen.[6]

Quellenlage

Insgesamt konnten bislang eher wenige Unterlagen über die Adler von Lübeck ausfindig gemacht werden, obwohl sich in Stadt- und Museumsarchiven noch etliches unbekanntes Material über das Schiff befinden dürfte. Immerhin liegt das Artilleriebuch der Adler von Lübeck vor[3] sowie einige – freilich unterschiedliche – Angaben über die Ausmaße des Schiffs. Diese sind in mehreren Quellen aus dem 16. und 17. Jahrhundert enthalten, namentlich in den Chroniken der Lübecker Stadtschreiber von Hoeveln (um 1565), Heinrich Rehbein (1568–1619/29) und Detlef Dreyer (um 1600). Auch der Chronist Johann Peter Willbrand äußerte sich Mitte des 18. Jahrhunderts über das Schiff. Eine wichtige Quelle stellt die Schifffahrtsgeschichte von Peter van der Horst dar,[1] die neben dem Geschützbuch als Grundlage für die nebenstehenden Tabellenangaben dient (siehe dortige Fußnoten für genaue Quellennachweise).

Genaue Bauzeichnungen sind bisher nicht aufgetaucht, so dass nur die allgemein bekannten Merkmale der Schiffstypen der Karacke und der Galeone als Orientierungshilfe dienen können. Entsprechend stark weichen die bestehenden Modellnachbauten voneinander ab. Es ist davon auszugehen, dass keine Bauzeichnungen angefertigt wurden, da Schiffbaumeister im 16. Jahrhundert sich in erster Linie auf ihre praktische Erfahrung und handwerklichen Fähigkeiten verließen.[A. 3] Einzig aus dem Bauzerter (Baukontrakt) lassen sich grobe Richtwerte für die Schiffsabmessungen gewinnen. Hierbei darf aber nicht vergessen werden, dass alte Maße wie Elle oder Fuß sich von Ort zu Ort unterscheiden konnten.[A. 4]

Geschichte

Die Adler von Lübeck wurde 1565 von dem Schiffbaumeister Sylvester Franke (auch: Francke) auf einem Bauplatz an der Trave auf Kiel gelegt.[A. 5] Auftraggeber war die Hansestadt Lübeck, die sich im Nordischen Krieg mit Schweden befand, und nach dem Verlust ihres bisherigen Flaggschiffs Engel[A. 6] ein neues Führungsschiff benötigte.[7] Hauptaufgabe der Adler sollte es sein, Handelsschiffen der Hanse auf der Ost- und Nordsee Geleitschutz zu bieten.[A. 7] Bereits im März 1566 konnte das Schiff vom Stapel gelassen und nach Fertigstellung im folgenden Jahr in Dienst gestellt werden. Den Oberbefehl über die Adler als neues Flaggschiff übernahm bis 1569 der spätere Bürgermeister von Lübeck Johann Brockes (auch: Brokes) und ab 1570 der Ratsherr Johann von Wickede.[8]

In der Zwischenzeit hatte die Lübecker Admiralität jedoch große Verluste zu beklagen. So sanken im Juli 1566 nach einem Gefecht mit den Schweden die Morian samt Bürgermeisteradmiral Bartholomeus Tinnappel sowie zwölf weitere dänische und Lübecker Schiffe vor Gotland in einem Sturm, bei dem die Anker nicht gehalten hatten. Nach diesem Unglück war die Flotte der Hansestadt nur noch bedingt einsatzfähig.

Da die Kriegsparteien sich mittlerweile am Verhandlungstisch eingefunden hatten, kam die Adler nicht mehr zum vorgesehenen Einsatz. Ohne Kampfhandlungen gesehen zu haben, wurde das Schiff, dessen Kriegsausstattung nach dem Frieden von Stettin im November 1570 endgültig überflüssig wurde, zum Frachtsegler umgebaut und für Fahrten zur Iberischen Halbinsel eingesetzt.[A. 8] Nicht zuletzt durch die Wegnahme etlicher Geschütze konnte dabei die Ladekapazität der Adler von 1250 t (625 Lasten) auf etwa 1600 t (800 Lasten) erhöht werden.[A. 9] Trotzdem gelang es nicht, die Adler von Lübeck zu einem wirklichen Handelssegler umzufunktionieren, da sie für den Frachtbetrieb zu aufwendig gebaut war und sich für die damals übliche Salzbefrachtung als ungeeignet erwies. Zudem nahm das Schiff viel Wasser, was vermutlich damit zusammenhing, dass der Kielbalken sich mittschiffs nach oben durchbog und die gegebene Spantenkonstruktion für ein derart großes kraweel gebautes Schiff nicht geeignet war.[9]

1581 schlug die Adler von Lübeck auf einer Rückfahrt von Lissabon etwa 200 Kilometer vor der Tejo-Mündung leck und musste zur portugiesischen Hauptstadt gebracht werden. Das Schiff wurde nach Begutachtung des Schadens für rund 2000 Dukaten verkauft und seine Hölzer einer anderen Nutzung zugeführt.[A. 10]

Schiffstyp

Die Adler von Lübeck wurde in den (wenigen bisher gefundenen) Quellen unterschiedlich klassifiziert, darunter als Hansekogge, Holk, Karacke oder Galeone. Wie fast alle Schiffe jener Zeit war die Adler jedoch nicht genau einem bestimmten Schiffstyp zuzuordnen, da Schiffbaumeister häufig gut befundene Elemente von anderen Bauarten übernahmen und so Mischformen entstanden. Zudem weisen eine Reihe von Konstruktionsmerkmalen die Adler als ein Schiff des Überganges aus. So rührte etwa die Klinkerung am oberen Achterschiff noch aus der nordeuropäischen Bautradition des 15. Jahrhunderts her, wohingegen das Spiegelheck, das hinter den Vordersteven zurückgezogene vordere Kastell, der niedrigere achterliche Aufbau und der unterteilte Fock- und Großmast schon Entwicklungen des ausgehenden 16. und kommenden 17. Jahrhunderts vorwegnahmen.

Insgesamt aber lässt die Adler von Lübeck sich am ehesten dem Typus einer frühen nordeuropäischen Galeone zurechnen, obwohl noch einige Baulichkeiten auf eine späte Karacke hinweisen.

Baumerkmale im Überblick

Die Adler von Lübeck hatte eine Länge über alles von 78,30 m, eine Breite von 14,50 m und eine Wasserverdrängung von ca. 2000 t.[1][5][A. 11] Andere Quellen nennen sogar 3000 t.[10][11] Einige Autoren sprechen vom ersten Linienschiff der Geschichte, da ihre Größe ungefähr einem mittleren Linienschiff der späteren Nelson-Ära entsprach,[11] und ihre drei Geschützdecks den späteren Dreideckern bereits nahe kamen. Der Stadtschreiber Detlef Dreyer äußerte sich um 1600 über die Adler von Lübeck und die gleichzeitig auf der Lastadie gebaute und für dänische Rechnung fertiggestellte Fortuna, dass er noch nie zwei so „wohlgestophierte Schiffe“ gesehen hätte.[2][A. 12] Trotz fehlender konkreter Belege ist anzunehmen, dass die Adler in einer damals üblichen Methode der Skelettbauweise hergestellt wurde, bei der die Spanten nicht in einem Stück gefertigt und montiert werden, sondern mit der Beplankung des Rumpfes mitwachsen.[9]

Die Masten wurden zusammengesetzt aus Untermast, Marsstenge, Bramstenge und Flaggenstock besaß der Großmast eine Gesamtlänge von 62,15 m (108 Ellen) über dem Kiel. Die große Rah war mit 34,0 m (57 Ellen) um einiges breiter als das Schiff selbst. Der ebenfalls zusammengesetzte Fockmast und der Großmast waren rahgetakelt, während die aus einem Stück gefertigten achterlichen Besan- und Bonaventuramasten ein Lateinersegel an einer langen, schrägen Rute führten.

Für den Seekrieg verfügte die Große Adler über eine Mannschaft von 350 Seeleuten und über 138 Geschütze verschiedenen Kalibers für das immer wichtiger werdende Artilleriegefecht auf Entfernung. Für den Nah- und Enterkampf konnten zusätzlich 650 Marinesoldaten an Bord genommen werden.[A. 13]

Baumerkmale im Einzelnen

Rumpf und Aufbauten

Die Adler von Lübeck hatte von der Galion bis zur hinteren Galerie eine Länge von rund 64 m, wobei allein die Länge der Kuhl, des mittleren Bereichs des Oberdeckes, etwa 15 m betrug, was für damalige Verhältnisse ein ungewöhnlich großes Schiff ergab. Der Rumpf war vom Kiel bis zur Höhe der Kuhl vollständig kraweel beplankt. Nur im Achterschiff schloss sich darüber an beiden Schiffsseiten ein nach alter Machart hergestellter geklinkerter Bereich an, der sich im fünften Deck (Popp) aber wiederum als kraweele Beplankung fortsetzte. Die Anzahl der geklinkert hergestellten Planken ist nicht genau verbürgt.

Die Adler von Lübeck hatte insgesamt sechs Decks, wobei die obersten, offenen Decks des Vorder- und des Achterkastells als fünftes und sechstes Deck fungierten. Im Achterschiff befanden sich aller Wahrscheinlichkeit nach zwei Gemächer. Eine Eigenart der Adler von Lübeck bestand in der Form ihrer achterlichen Reling, deren Oberkante sich im Achterkastell von der fünften bis zur obersten offenen Decksebene in einem leichten Bogen nach hinten und gleichzeitig nach oben zog, wodurch es an der Vorderkante des sechsten Decks an seitlichem Schutz fehlte.

Eigentümlicherweise besaß der Lübsche Adler nach bisheriger Erkenntnis keinen eigenen Deckaufbau, aus dem heraus der Steuermann das Schiff vor der Unbill des Wetters geschützt hätte lenken können. Allerdings ist aus dem 16. Jahrhundert auch eine Positionierung bekannt, bei der der Mann am Kolderstock unterhalb des Deckes stand und durch eine Gräting nach oben sah, um sich am Stand der Segel zu orientieren und auf Zuruf von oben zu navigieren.

Über die genauen Abmessungen des Schiffs geben die bisher bekannten Quellen unterschiedliche Auskunft. Während der Chronist Peter van der Horst, der den Bauvertrag einsehen konnte, für die Adler von Lübeck eine Länge über alles von 78,30 m angibt (weitere Werte siehe rechte Tabelle), lassen sich einem extra eingelegten Blatt im Artilleriebuch des damaligen Artilleriemeisters Hans Frese teilweise abweichende Werte entnehmen:[3]

  • Länge über alles: 64,43 m (112,0 Ellen)
  • Kiellänge: 35,86 m (62 ⅓ Ellen)
  • Breite: 14,38 m (25,0 Ellen)
  • Ganze Höhe hinten: 20,71 m (36,0 Ellen)
  • Tiefgang: 5,18 m (9,0 Ellen)

Obwohl die Autoren sich auf die gleiche Quelle berufen, weichen ihre Werte trotzdem voneinander ab. Warum ihre Angaben so unterschiedlich sind und welche letztlich zutreffen, konnte bisher nicht geklärt werden.[A. 14]

Masten, Spieren, Stengen und Takelung

Die Adler von Lübeck war ein Viermaster. Die beiden vorderen Masten wiesen eine Volltakelung mit drei Rahsegeln auf, wohingegen die beiden hinteren Lateinersegel trugen.

Die Breite der Großrah, die Höhe des aus Untermast, Mars- und Bramstenge zusammengesetzten Großmastes und die Länge des Flaggenstocks wurden von Peter van der Horst festgehalten (siehe rechte Tabelle Masten, Stengen, Ruten).[1]

Das Artilleriebuch nennt dagegen folgende Abmessungen der Takelage:[3]

  • Großmast: 34,80 m (60,0 Ellen)
  • Stenge: 17,40 m (30,0 Ellen)
  • Breite der Großrah: 34,20 m (59,0 Ellen)

Die Wanten führten als Tauwerk von der Stenge über Jungfern zu den Rüsten; die Kraft wurde dann über die Rüsteisen zur Bordwand geleitet. Anders als bei vielen modernen Schiffsmodellen dargestellt, besaß die Adler in Wirklichkeit noch dreieckige, birnenförmige Jungfern und keine runden, die erst ab ca. 1620 aufkamen.[9]

Die Bugsprietzurrings bestanden aus zwei separaten Zurrings, die wiederum jeweils immer diagonal geführt waren.

Ungewöhnlich für die Zeit des 16. Jahrhunderts waren die gleich sieben Mastkörbe der Adler von Lübeck, die beim Enterkampf mit Schützen besetzt wurden.

Segel

Die Adler von Lübeck besaß mit rund 1800 m² eine für damalige Verhältnisse äußerst große Segelfläche. Die Segelgrößen in der rechten Tabelle fußen auf Hochrechnungen der Dimensionen des Schiffmodells von Karl Heinz Marquardt.[2] Karl Reinhardt weist der Segelfläche in seiner umfassenden Untersuchung 1938 sogar eine Fläche von 2.020 m² zu.

Nach einer anderen Quelle soll allein die Breite des Großsegels 31,3 m (54,0 Ellen) betragen haben, was eine noch größere Segelfläche bedeuten würde.[12]

Der Chronist Dreyer äußerte sich über die Segel bezüglich der Anzahl von Kleden (1 Kled = Segelbahn in einer Breite von 80–90 cm; meist aber schmaler):

  • Großsegel: 36 Kleden (= 28,8 m bis 32,4 m Segelbreite)
  • Fock: 26 Kleden (= 20,8 m bis 23,4 m Segelbreite)
  • Blinde: 17 Kleden (= 13,6 m bis 15,3 m Segelbreite)

Bei den Segeln ist ebenfalls zu erkennen, dass ‚alte’ Elemente vorhanden sind, denn das Schiff verfügte bei mehreren Segeln noch über unten anknüpfbare Bonnets (siehe rechte Tabelle Segelfläche). Diese Bonnets dienten dem einfachen Verkleinern der Segelfläche.[A. 15] Auch das Großsegel ist noch sehr breit und überproportional groß. Die Segel konnten durch Wegfieren auf Deck oder durch Aufsitzen auf der Rah geborgen werden (Fußpferde an den Rahen kamen erst im 17. Jahrhundert auf).

Am Bugspriet der Adler von Lübeck befand sich nur die Blinde an einer Rah und noch keine Oberblinde, während sich am Besanmast höchstwahrscheinlich nur ein einziges Lateinersegel befand, obwohl es auch Darstellungen gibt, die oben ein zweites Lateinersegel zeigen.[13]

Schiffsbemalung und -dekoration

Schiffe des 16. Jahrhundert waren nur verhalten bemalt, da dauerhafte Farben damals teuer waren und die Zweckbestimmung der Schiffe im Vordergrund stand. Der Große Adler besaß im Vorderteil und im geklinkerten Heckbereich einen waagerecht wechselnden Anstrich in rot und weiß, den Stadtfarben Lübecks.[A. 16] Die oberen Seiten der Back und des Achterschiffes zierten Wappenschilder, die im Wechsel rot-weiß gehalten waren oder einen schwarzen, doppelköpfigen Adler auf goldenem Grund zeigten. Auch an den Mastkörben befanden sich diese Wappen, wo sie wechselweise nach hinten zeigten. Das Vorderteil der Galion wurde durch ein von zwei goldenen Engeln eingefaßtes Adlerwappen geschmückt. Die weitere Bemalung des Schiffs ist derzeit noch unklar.

Einige Abbildungen der Adler von Lübeck zeigen an beiden Seiten der Kuhl ein weißes Tuch, auf dem die beiden Wappen abwechselnd abgebildet waren, und das als Sichtschutz diente.[A. 17] Als einigermaßen gesichert kann gelten, dass die Innenseiten der Brüstungen und der Geschützpforten in rot gehalten waren. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass die Adler über ein großes Repertoire an Flaggen, Wimpeln und Flammen verfügte.[14][15] Die Farbe der Segel war vermutlich in einem hellen Braunton gehalten, der durch die damals gebräuchliche Imprägnierung mit Teerölen o. ä. entstand. Das ebenfalls geteerte Unterwasserschiff besaß ein dunkelbraunes bis fast schwarzes Äußeres. Darstellungen der Adler und anderer damaliger Schiffe mit einem weißen Unterwasserschiff dürfen als falsch angesehen werden.[A. 18]

Sonstige Baulichkeiten

Über die sonstigen Baulichkeiten der Adler von Lübeck liegen bisher nur lückenhafte Informationen vor, so dass man sich zur Vervollständigung des Bildes an der Konstruktionsweise anderer Schiffe jener Zeit orientieren muss. Von folgenden Baulichkeiten wird trotz Mangel an konkreten Belegen angenommen, dass sie auf der Adler existierten: Spill, Reservespieren und -rahen, Speigatten, Latrinen, Viehställe, eine Laterne und ein unter Deck befindliches Glockengestell. Ein Kompass befand sich vermutlich unter Deck vor dem Steuermann. Auch Klampen zur Fixierung von Tauen und Belegnägel für das laufende Gut waren auf dem Schiff sicherlich zahlreich vorhanden.

Die offene Reling der Adler von Lübeck zur Kuhl hin bestand noch aus einfach strukturierten viereckigen Hölzern und nicht aus runden, wie es zu der Zeit schon im Mittelmeerraum üblich war. Das Schiff besaß an den seitlichen Bordwänden auch noch keine Treppenstufen, die erst im folgenden Jahrhundert bei den Dreideckern aufkamen. aufkamen. Achtern befand sich nur eine Galerie und noch keine Seitentaschen wie bei späteren Großschiffen. Das Achterschiff hatte einen Spiegel, dessen unterer Teil auf Darstellungen mal mit waagerechten Plankengängen, mal mit diagonaler Beplankung abgebildet ist.

Was die Ausstattung mit Beibooten betrifft, so zeigen zahlreiche Darstellungen der Adler zwar ein größeres Beiboot auf oder an der Gräting in der Kuhl, aber eine derartige Platzierung eines solchen Bootes dürfte der Phantasie des Zeichners entsprungen sein, da so die Bedienung des Spills unmöglich gewesen wäre. Dort befand sich nur die kleinere Gig. Einige Abbildungen zeigen hinter dem Heck des Schiffs ein Segelboot, bei dem es sich der Größe nach zu urteilen um das große Beiboot, die Pinasse, handeln könnte, welches damals unterwegs üblicherweise hinter dem Schiff hergezogen wurde.[14][15]

Obwohl auf einigen Abbildungen ein Wehrgang in der Kuhl an Back- und Steuerbord zu finden ist, besaß die Adler von Lübeck wahrscheinlich gar keine Wehrgänge. Ein Sprietbaumwiderlager besaß das Schiff wohl noch nicht; Fender, mit denen man auch senkrechte Balken an den Außenplanken zwischen den Berkhölzern bezeichnete, waren vermutlich nicht mehr vorhanden.

Bewaffnung

Geschütztypen

Die Adler von Lübeck war eines der am stärksten bewaffneten Schiffe ihrer Zeit. Eine genaue Auflistung der Geschütze und sonstiger Waffen findet sich im Artilleriebuch des damaligen Artilleriemeisters Hans Frese (siehe rechte Tabelle).[3] Demnach verfügte das Kriegsschiff über insgesamt 138 Geschütze.

Ein moderner Autor, der sich auf eine nicht genannte Artillerieliste beruft, listet 148 Bordgeschütze auf:[16]

Hauptbewaffnung:

  • 8 Kartaunen (Bronze) für 40pfündige Eisenkugeln
  • 6 Halbkartaunen (Bronze) für 20pfündige Eisenkugeln
  • 26 Feldschlangen (Bronze) für 8–10pfündige Eisenkugeln

Weiterhin zählten zur Schiffsartillerie 28 offenbar alte Steinbüchsen samt dazugehörigen Kammern, die Steinkugeln zwischen zehn und dreißig Pfund Gewicht verschießen konnten.

Zusätzliche Bewaffnung:

  • 20 kleine Steinbüchsen für dreipfündige Steinkugeln
  • 20 Quartierschlangen für fünfpfündige Steinkugeln
  • 40 Quartierschlangen für einhalbpfündige Steinkugeln

Diese Geschütze waren Hinterlader mit den dazugehörigen Kammern.

Eine weitere moderne Quelle gibt sogar 180 Artillerierohre verschiedenen Kalibers an.[17]

In der Praxis griff man allerdings aus Kostengründen anfangs oft auf die Geschütze zurück, die gerade zur Verfügung standen, so dass sich an Bord die verschiedensten Kaliber zwischen 4 und 55 befinden konnten.

Geschützaufstellung

Die Adler von Lübeck wird als 2½-Decker klassifiziert, womit die Decks gemeint sind, die mit (großen) Geschützen bestückt waren und sich nicht unter freiem Himmel befanden. Das Schiff hatte zwei Decks mit Geschützen über die gesamte Schiffslänge, über denen sich im Vorder- und Hinterkastell weitere Geschütze unter Deck befanden, während die in der Kuhl ungedeckt waren. Bordwände und Aufbauten der Adler waren für die Schiffsgeschütze mit Stückpforten durchsetzt, die auf den beiden unteren Decks verschließbar waren. Die Kartaunen ruhten auf hölzernen Lafetten, wobei unklar ist, ob diese bereits mit Rädern ausgestattet waren, um den Rückstoß beim Feuern abzufangen. Hier sind die Untersuchungen zur Artillerie der 1545 gesunkenen Mary Rose zu beachten.

Im Spiegel des Schiffs befanden sich außerdem vier Heckgeschütze, die ein ‚Entfilieren’ verhindern sollten, also den äußerst gefährlichen Beschuss durch Verfolger. Im Vorderkastell besaß die Adler von Lübeck wiederum für diesen Zweck zwei nach vorne gerichtete Jagdgeschütze.

Auf dem vierten Deck von Vorder- und Achterkastell waren jeweils zwei ‚Deckfeger’ aufgestellt, die auf die Kuhl gerichtet waren, um enternde Feinde wieder vom eigenen Deck vertreiben zu können. Zahlreiche schwenkbare Kleingeschütze befanden sich auch an der Schanz der Kastelle und an den Marsen. Etliche weitere kleine Geschütze waren unter Deck an verschiedenen Schießscharten positioniert.

Zusätzlich zur Geschützbewaffnung hatte man an den Enden von Rahen und Ruten zehn sichelartige Metallteile, sogenannte „Scherhaken“ montiert, mit denen die Takelage des Gegners im Vorbeifahren beschädigt werden sollte, oder die als Enterhaken verwendet werden konnten.[14][15]

Schiffsmodelle

Eine wissenschaftliche fundierte Untersuchung der Adler von Lübeck, die als Basis für ein wirklichkeitsnahes Schiffsmodell dienen könnte, steht bislang aus. Existierende Modelle weichen nicht unerheblich voneinander ab, nicht zuletzt wegen der Neigung der Erbauer, sich unkritisch an älteren Modellen oder an ungesicherten Angaben in der Literatur zu orientieren.

Größere Modelle der Adler von Lübeck (größer als 1:90) befinden sich im Deutschen Museum in München, beim Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, im Ratskeller zu Lübeck, im Holstentor in Lübeck und im Hansa-Park in Sierksdorf. Die Modelle sind zumeist im Verhältnis von 1:20 angefertigt worden.

Die Originaltreue des Schiffsmodelles der Adler von Lübeck, das von der Firma Graupner von den 1960er bis 1990er Jahren vertrieben wurde, muss auch aufgrund neuerer Recherchen der Deutschen Museumswerft bei einer Reihe von Merkmalen angezweifelt werden. Dies wirft auch Fragen auf bzgl. der Realitätsnähe einiger neuerer Gemälde und Zeichnungen, die auf der Graupner-Version basieren.

Ein Modell der Adler im Maßstab 1:50, das den Forschungsstand 2011 wiedergibt, ist im Schwedenspeicher in Stade ausgestellt.[18]

Moderner Nachbau 1:1

Der gemeinnützige Förderverein Deutsche Museumswerft e. V. plant seit 2006 den Aufbau der Deutschen Museumswerft in Lübeck, deren erstes Projekt der Nachbau der Adler von Lübeck im Verhältnis 1 zu 1 sein soll.[6] Ziel der Rekonstruktion ist es, traditionelle Schiffbautechniken wiederzubeleben und für die Nachwelt zu bewahren. Zudem verspricht man sich, durch experimentelle Archäologie wertvolle Erkenntnisse über die Schifffahrt in der Frühneuzeit zu gewinnen. Standort für den Bau der Replik wird ein Bauplatz an der Trave gegenüber der Lübecker Altstadt sein. Arbeitseinleitend sollen zwei große Konstruktivmodelle im Maßstab von 1:10 bis 1:15 hergestellt werden. Zur Zeit führt der Schifffahrtshistoriker Hendrik Busmann erste wissenschaftliche Recherchen zu Bau und Geschichte der Großen Adler durch.

Sonstiges

Nordkorea hat 1983 eine Briefmarke der Adler von Lübeck mit der Wertangabe 50 Chon in den Verkehr gebracht,[19] während in der Republik Togo 2001 eine 1000-Franc-Silbermünze des Hanseschiffs herausgegeben wurde. Von etwa 1976 bis Mitte 2007 war auf den Packungen einer bekannten Tabakfirma aus Bünde ein Abbild eines Schiffes zu sehen, das auf der Adler von Lübeck als Vorlage beruhte – was dem Unternehmen aber nicht bewusst war.

In Lübeck befindet sich über dem Eingang zur Schiffergesellschaft ein restauriertes Wappengemälde der Großen Adler aus dem 17. Jh., während hinter dem Lübecker Rathaus ein Relief des Schiffs im Straßenpflaster eingelassen ist. Eine 1990 vom Künstler Alfred Evers hergestellte Fliese mit dem Abbild der Adler ist im Lübecker Schabbelhaus ausgestellt.

Zeitliche Einordnung

Die Tabelle veranschaulicht die Hauptzeiten der Schiffstypen. Die rote, vertikale Spalte markiert die Dienstzeit der Adler (1567–81), die Elemente der Galeone und Karacke in sich vereinigt, die zu jener Zeit ihre Blütezeit hatten.

Anmerkungen

  1. ↑ a b Dieser Wert ist der, den Peter van der Horst ausdrücklich als Höhe über alles nennt. Ein anderer, leicht abweichender Wert ergibt sich aus der Höhe des Großmasts, die Peter van der Horst mit 62,51 m angibt, wobei die Addition seiner einzelnen Komponenten (Untermast, Marsstenge, Bramstenge und Flaggenstock) sogar eine Höhe des Schiffs von 68,95 m bedeuten würde.
  2. ↑ Alle Zahlen einschließlich der Gesamtsegelfläche gerundet.
  3. ↑ Wurden schriftliche Unterlagen in jener Zeit angefertigt, streuten die Meister häufig bewusst Fehler ein, um ein fremdes Nachbauen zu erschweren.
  4. ↑ So betrug z.B. in Hamburg ein Fuß 28,6 cm, aber laut Kirsch (1988) 29,2 cm in Lübeck.
  5. ↑ Am Standort dieses Werftplatzes, der sich auf der Wallhalbinsel gegenüber der Altstadt befand und zugleich auch Verladestelle war, erinnert noch heute eine Straße namens „Lastadie“.
  6. ↑ Die Engel hatte im Mai 1564 unter dem Befehlshaber Friedrich Knebel zehn Hanseschiffe an Seite der Dänen in den Kampf gegen Schweden geführt, flog aber 1565 bei der Vorbereitung zu weiteren Einsätzen aufgrund Unachtsamkeit im Umgang mit Schießpulver in die Luft.
  7. ↑ Derartige Kriegsschiffe wurden auch als „Fredekoggen“ bezeichnet, also als Schiffe, die den Frieden bewahren oder wiederherstellen sollten.
  8. ↑ Noch als Kriegsschiff hatte die Adler bereits im Jahr 1568 größere Reparaturen benötigt.
  9. ↑ Zudem wurde mindestens eins der Kastelle um ein Deck reduziert.
  10. ↑ Andere Quellen legen diesen Vorgang ins Jahr 1588. Kirsch spricht der Adler sogar eine Lebensdauer von „mehr als 60“ Jahren zu (S.67), womit das Schiff bis ca. 1626 aktiv gewesen wäre, was aber eher unwahrscheinlich ist.
  11. ↑ Das Artilleriebuch gibt eine Länge über alles von 64,43 m an. Frese, Hans (16.Jh.): Artilleriebuch der Adler von Lübeck, Archiv der Hansestadt Lübeck
  12. ↑ Die Fortuna wurde zeitgleich mit der Adler 1565–1566 auf der Wallhalbinsel gebaut und war für Dänemark bestimmt, das mit der Hanse seit 1563 gegen Schweden verbündet war. Über dieses Schiff ist jedoch bisher fast nichts bekannt.
  13. ↑ Nach Marquardt sollen für den Kriegsfall auf der Adler von Lübeck insgesamt 1000 Mann eingeplant gewesen sein, nach Ellacott 1050 Mann und nach Peter van der Horst sogar 1200. Herbert Kloth geht dagegen von insgesamt nur rund 650 Personen im Kriegsfalle aus.
  14. ↑ Kirsch (1988) nennt wiederum abweichende Werte für die Schiffsbreite (14,24 m) und Kiellänge (35,5 m).
  15. ↑ Segel mit Reffbändsel kamen erst später wieder auf.
  16. ↑ Die Anzahl der Streifen ist in beiden Fällen nicht gesichert und weicht in den verschiedenen Darstellungen und Modellen stark voneinander ab, wie es auch Abbildungen mit ganz anderen Bemalungen gibt.
  17. ↑ Andere Quellen berichten allerdings, dass während des Gefechts das Tuch ganz entfernt wurde.
  18. ↑ Dies gilt auch für andere Schiffe jener Zeit. Übrigens ergab auch das später verwendete Bleiweiß nie einen weißen Farbton, wie bei etlichen Schiffsmodellen zu sehen ist.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g h Van der Horst(e), Peter (um 1676): Beschreibung von der Kunst der Schifffahrt – Zum andernmahl auffgeleget und mit einem Anhang vermehret, worin beschrieben wird der Anfang und Fortgang der Schifffahrt, 2. Auflage, Schmalhertzens Erven, Lübeck  (PDF)
  2. ↑ a b c Marquardt, Karl Heinz (ca. 1965): Adler von Lübeck AD 1565, 35 S., 4 Pläne
  3. ↑ a b c d e Frese, Hans (16.Jh.): Artilleriebuch der Adler von Lübeck, Archiv der Hansestadt Lübeck
  4. ↑ Fritze, Krause: Seekriege der Hanse, S. 54
  5. ↑ a b Brennecke nennt 2.000 t Wasserverdrängung (Jochen Brennecke: Geschichte der Seefahrt, Sigloch Edition, Künzelsau, 2000 ISBN 3-89393-176-7, S.163).
  6. ↑ a b Deutsche Museumswerft
  7. ↑ Fritze, Konrad & Krause, Günter (1997): Seekriege der Hanse, Brandenburgisches Verlagshaus/Siegler, Berlin
  8. ↑ Fehling, Emil Ferdinand (1925): „Lübecker Ratslinie Nr. 686 von den Anfängen der Stadt bis auf die Gegenwart“, in: Veröffentlichungen zur Geschichte der Freien und Hansestadt Lübeck, 7, Heft 1, Lübeck [Nachdruck: Lübeck, 1978]
  9. ↑ a b c Laufende Recherchen der Deutsche Museumswerft durch Hendrik Busmann (seit 2006), Köln
  10. ↑ Mondfeld: Schicksale berühmter Segelschiffe, S. 61
  11. ↑ a b Dollinger, Philippe (1998): Die Hanse, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart
  12. ↑ Hagedorn, Bernhard (1914): Die Entwicklung der wichtigsten Schiffstypen bis zum 19. Jahrhundert, Karl Curtius, Berlin
  13. ↑ Ellacott, Samuel Ernest (1954): Komm mit an Bord - Vom Einbaum, von Segelschiffen und Ozeanriesen, Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1. Auflage
  14. ↑ a b c Künstler unbekannt (16.Jh.): Adler von Lübeck, Stich (restauriert: 1608, 1612, 1632)
  15. ↑ a b c Künstler unbekannt (16.Jh.): Adler von Lübeck, Gemälde (restauriert: 1708, 1821, 1901)
  16. ↑ Kirsch, Peter (1988): Die Galeonen. Große Segelschiffe um 1600, Bernard & Gräfe Verlag, Koblenz, S. 67
  17. ↑ Fritze, Konrad & Krause, Günter (1997): Seekriege der Hanse – Das erste Kapitel deutscher Seekriegsgeschichte, Brandenburgisches Verlagshaus/Siegler, Berlin, Erstaufl. 1989, S. 185
  18. ↑ Kenzler, Herwig: „‚Schwedenspeicher Museum‘ erstrahlt in neuem Glanz“, in: Mitgliederzeitschrift des Förderverein Deutsche Museumswerft e.V., Nr. 26 (Juni 2011), S. 18
  19. ↑ Siehe letzte Reihe links bei www.xxx

Literatur

Chronologisch geordnet

Primärquellen

  • Chroniken und Monographien
  • Von Hoeveln, Gotthard (* 1544; † 1609) Lübecker Ratsherr ab 1578, Bürgermeister ab 1589
  • Rehbein, Heinrich (* 1568; † 1619/29) Chronist, in: Hansische Geschichtsblätter (HBG), II 28 (1900), S. 166
  • Dreyer, Detlef (um 1600) Lübecker Chronist
  • Willbrandt, Dr. Johann Peter (* 1719; † 1786) Lübecker Chronist
  • Van der Horst(e), Peter (um 1676): Beschreibung von der Kunst der Schifffahrt – Zum andernmahl auffgeleget und mit einem Anhang vermehret, worin beschrieben wird der Anfang und Fortgang der Schifffahrt, 2. Auflage, Schmalhertzens Erven, Lübeck  (PDF)

Archivunterlagen

  • Frese, Hans (16. Jh.) Artilleriemeister der Adler von Lübeck: Artilleriebuch der Adler von Lübeck, Archiv der Hansestadt Lübeck
  • Autor unbekannt (16. Jh.): Akte Artillerie XIII zur Adler von Lübeck, Archiv der Hansestadt Lübeck
  • Autor unbekannt (1644): Akte Acta Danica IX zur Adler von Lübeck

Gemälde, Zeichnungen und Risse

  • Künstler unbekannt? (16. Jh.): Adler von Lübeck, Stich (restauriert: 1608, 1612, 1632) Backbordseite abgebildet
  • Künstler unbekannt? (16. Jh.): Adler von Lübeck, Gemälde (restauriert: 1708, 1821, 1901) befindet sich im Restaurant der „Schiffergesellschaft zu Lübeck“; Backbordseite abgebildet
  • Künstler unbekannt? (17. Jh.): Adler von Lübeck, Öl auf Kupferblech (restauriert von Josef Andrey Wieczorek: 1976) befindet sich über Eingang der Schiffergesellschaft in Lübeck; Steuerbordseite abgebildet

Sekundärliteratur

Fachartikel und Monographien

  • Pâris, Charles François-Edmond (1883): Le Musée de Marine du Louvre, J. Rothschild, Paris
  • Pâris, Charles François-Edmond (1962): Souvenirs de Marine, Partie 1–5, Hinstorff-Verlag, Rostock [Nachdruck]
  • Nance, Robert Morton und Anderson, Roger Charles (1912): „A Sixteenth Century Ship of Lübeck“, in: The Mariner's Mirror, Society for Nautical Research, London, S. 152–153
  • Arenhold, Lueder, (1913): „The Adler of Lübeck“, in: The Mariner's Mirror, Society for Nautical Research, London, S. 152–153
  • Anderson, Roger Charles (1913): „The Adler of Lübeck – Guns of Adler of Lübeck“, in: The Mariner's Mirror, Society for Nautical Research, London, S. 153, 222, 250, 285, 345
  • Kloth, Herbert: „Lübecks Seekriegswesen in der Zeit des nordischen Siebenjährigen Krieges 1563–1570“, in: Zeitschrift des Vereines für lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 21 (1923), S. 1–51 und 185–256 sowie Bd. 22 (1923–25), S. 121–152 und 325–379 Artikel enthält verstreut Vielzahl von Details zu Bauweise, Einrichtung, Takelage, Ausrüstung und Besatzung der Adler von Lübeck
  • Reinhardt, Karl (1938): „Modellrekonstruktion des Adler von Lübeck“, in: Zeitschrift des Vereines für lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 29, Heft 2, S. 293–332
  • Anderson, Roger Charles (1939): „The Mars and the Adler“, in: The Mariner's Mirror, Society for Nautical Research, London, S. 296–299 [+Bildtafeln]
  • Ulrich Pietsch: Die Lübecker Seeschiffahrt vom Mittelalter bis zur Neuzeit. In: Hefte zur Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. Bd. 5, Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Lübeck 1982, ISBN 3-9800517-1-4 (anlässlich der Ausstellung im St.-Annen-Museum (6. Juni–10. Oktober 1981)).
  • Peter Kirsch: Die Galeonen: grosse Segelschiffe um 1600. Bernard & Graefe, Koblenz 1988, ISBN 3-7637-5470-9, S. 67.
  • Frank Howard: Segel-Kriegsschiffe: 1400–1860. Bernard & Graefe, München 1989, ISBN 3-7637-5239-0, S. 42–88.

Moderne Modellnachbauten in Text und Bild

  • Reinhardt, Karl (1943): „Der Adler von Lübeck“, in: Die Seekiste – Schiffsmodellbau, Dr. M. Matthiesen & Co. Verlag, Berlin, Heft 12 (auch Heft 01/1944)
  • Marquardt, Karl Heinz (ca. 1965): Adler von Lübeck AD 1565, Graupner GmbH & Co. KG, Kirchheim/Teck, 35 S. Beschreibung und vier Pläne zum Schiffsmodell der Firma Graupner
  • Aarhuus, Norbert (1982): „Adler von Lübeck“, in: Modellbauwerft, Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden, Heft 6, S. 496–500 Artikel über das Graupner-Modell
  • Lexow, Detlev (1984): „Adler von Lübeck – MBH-Miniplan 67“, in: Modellbau-heute (MBH), Militärverlag der DDR, Berlin, Heft 7, S. 16–19 Text und Risse
  • Autor unbekannt (1994): „Adler von Lübeck“, in: Modellbauwerft, Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden, Heft 8, S. 27

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Kraweel

Nordeuropa am Ende des Mittelalters aufkam, und wird heute noch als Bezeichnung für die Beplankungsweise mit glatt aneinanderstoßenden Kanten verwendet.

Die Kraweelbauweise stammt aus dem Mittelmeerraum und wurde bereits von den alten Ägyptern angewendet. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts setzte sich in Frankreich, ausgehend vom Nef, die Kraweelbauweise mit nebeneinander liegenden Planken, im Gegensatz zu sich überlappenden Planken der Klinkerbauweise durch. Mitte des 15. Jahrhunderts brachten die Holländer von den bretonischen Schiffbauern diese Technik mit, und im Jahr 1459 wurde in Zierikzee von einem Bretonen das erste „craweelschep“ erbaut.

Im ausgehenden Mittelalter war die portugiesische Karavelle der bekannteste Schiffstyp dieser Bauweise. Über die Handelsbeziehungen der Hanse gelangte der Begriff in den nordeuropäischen Raum und wurde im deutschen Sprachraum übernommen als Bezeichnung der Schiffbautechnik. Durch die Kraweelbauweise wurden größere Rümpfe und durch die glatte Oberfläche auch höhere Geschwindigkeiten und leichtere Reinigung und Instandhaltung ermöglicht.

Im Bereich der Hanse ging die Einführung des Kraweelbaus von 1460 bis 1500 zügig voran. Das Kraweel als Schiffstyp entwickelte sich hier aus dem Holk und war um 1500 in den Hafenunterlagen bereits häufiger zu finden als der Holk. Durch den Kraweelbau wurden die Schiffe größer und seetüchtiger, die Zahl der Masten und die Bewaffnung durch Geschütze erhöhte sich.

Literatur

  • Günter Krause: Holk bzw. Hulk und Kraweel als hansische Schiffsklassen In: Seewirtschaft. Bd. 17. Nr. 3, 1985, S. 147-148
  • Konrad Fritze/Günter Krause: Seekriege der Hanse. Militärverlag der DDR, Berlin 1989, ISBN 3-926642-02-5

 

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Handelskrieg

Als Handelskrieg bezeichnete man ursprünglich die Störung der ökonomischen Nachschubressourcen des Gegners mit kriegerischen Mitteln, heute werden darunter meist aggressive politische Maßnahmen verstanden, die die eigene Volkswirtschaft auf Kosten anderer stärken sollen.

Geschichte

Handelskriege waren vor allem in Seekriegen ein strategisches Mittel, um einem Gegner wirtschaftlich zu schaden. Im Gegensatz zur Piraterie ging es dabei nicht darum, sich unmittelbar an den Gütern gegnerischer Schiffe zu bereichern, sondern diese Güter der feindlichen Nation vorzuenthalten und diese dadurch zu schwächen. In den beiden Weltkriegen wurde darum zum Beispiel vor allem die Versenkung der Schiffe mit der Fracht betrieben. Auch die Belagerung von Städten könnte man als extreme Form des Handelskrieges betrachten.

Konkurrierende Völker und Staaten durch Beraubung ihrer Handelsgüter zu schwächen, war aber oft auch ein willkommener Nebeneffekt von Piraterie. Die Handlungen eines Handelskrieges, Freibeuterei und Piraterie sind in der Vergangenheit darum nicht immer eindeutig unterscheidbar gewesen. Zu Handelskriegen im eigentlichen Sinne kam es aber wohl erst in moderner Zeit.

Ein frühes und wesentliches Beispiel für einen Handelskrieg, der nicht in erster Linie im Rahmen eines Seekrieges stattfand, allerdings auch nicht unmittelbar im Zuge kriegerischer Handlungen, war die Kontinentalsperre von Napoleon Bonaparte gegen Großbritannien 1806.

Der letzte große Handelskrieg zur See fand während der Atlantikschlacht des Zweiten Weltkrieges statt, als England mit einer Seeblockade Deutschland vom Nachschub über See abschnitt und Deutschland versuchte, durch die Versenkung von Frachtschiffen in großem Umfang vor allem mit U-Booten aber auch mit Handelsstörkreuzern, England wirtschaftlich niederzuringen. Die auf deutscher Seite wie auch schon im Ersten Weltkrieg häufig aufgestellte Rechnung, die Seeblockade sei erfolgreich, wenn mehr Schiffsraum (Tonnage) versenkt werde, als zugleich auf Werften gebaut werden könne, führte auch zur gelegentlichen Bezeichnung Tonnagekrieg.

 

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Umlandfahrer

Als Umlandfahrer wurden in der mittelalterlichen Zeit der Hanse die als Wettbewerber in den Ostseeraum eindringenden englischen Merchant Adventurer und niederländischen Kaufleute bezeichnet, die mit ihren Schiffen den Weg von der Nordsee um die Halbinsel Jütland herum in die Ostsee nahmen.

Die Umlandfahrt um Skagen durch das Skagerrak, Kattegat und den Öresund nahm schon ab Mitte des 13. Jahrhunderts stark zu, da dieser Seeweg durch die zunehmend verbesserte schiffbautechnische Qualität der Kogge weniger risikoreich wurde. Die Umlandfahrer werden erstmals 1251 durch König Abel von Dänemark als Gruppe privilegiert. Die Wendischen Städte der Hanse, insbesondere Lübeck und die in den Korporationen der Schonenfahrer zusammengeschlossenen Kaufleute der südlichen Ostseeküste fassten die Umlandfahrt durch Nichthansen als Eingriff in ihre Handelsprivilegien, wie das Stapelrecht, auf.

Eines der wichtigen Ziele der Umlandfahrer der frühen Hansezeit war die Schonische Messe auf der schonischen Halbinsel Falsterbo, die mit den „Städten“ Skanör-Falsterbo das Zentrum von Heringsfang und Handel im Ostseeraum war. Zur Blütezeit und in der Zeit des Niedergangs der Hanse bestand der Wettbewerb in der gesamten Ostsee, also auch in den Hansestädten Danzig, Riga und Reval, womit auch die Interessengegensätze innerhalb der Hanse deutlich werden.

Literatur

  • Philippe Dollinger: Die Hanse. ISBN 3-520-37102-2
  • Antjekathrin Graßmann: Lübeckische Geschichte. ISBN 3-7950-3203-2

 

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Grafenfehde

Die dänische Grafenfehde (dänisch: Grevens fejde) war ein zwischen 1534 und 1536 andauernder Bürgerkrieg in Dänemark und hat seinen Namen von den Grafen Christoph von Oldenburg und Johann von Hoya.

Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte der Grafenfehde gehört die Absetzung des dänischen Königs Christian II. 1523 durch seinen Onkel Friedrich I. Mit Lübecker Unterstützung war Christian II. 1532 endgültig besiegt und in Schloss Sonderburg gefangen gesetzt worden. Lübeck erhielt als Lohn weitreichende Privilegien in Dänemark.

Als 1533 Friedrich I. starb, konnte sich der dänische Reichsrat auf keinen Nachfolger einigen. Von Friedrichs ältestem Sohn, dem der Reformation zugeneigten Herzog Christian (später König Christian III.), befürchteten die katholischen Adeligen die Beschneidung ihrer Macht. Der jüngere Sohn Johann war zwar unter ihrem Einfluss aufgewachsen, doch noch nicht volljährig. Man verschob daher die Königswahl um ein Jahr. Lübeck unter seinem Bürgermeister Jürgen Wullenwever bot Herzog Christian, der bislang nur im Norden des Herzogtums Schleswig regierte, seine Unterstützung an, in der Hoffnung auf Verlängerung der Handelsvorteile. Der Herzog lehnte ab, um die Lande unter der dänischen Krone von der Handelsvormacht der Hanse zu befreien. In dieser Situation bat der Oldenburger Graf Christoph die Lübecker um Kriegshilfe zur Befreiung seines gefangenen Vetters Christian II. Auch der Graf von Hoya sowie die evangelischen Städte Kopenhagen und Malmö unter den Bürgermeistern Ambrosius Bogbinder und Jörgen Kock beteiligten sich an den Kämpfen gegen den noch katholischen dänischen Adel.

Dänemark ohne König in Bedrängnis

Im Frühjahr 1534 brach der Krieg aus. Ohne Kriegserklärung fiel der Lübecker Feldherr Marx Meyer in Holstein ein und verwüstete Trittau, Reinbek, Eutin und Segeberg sowie einige Herrenhäuser der Familie Rantzau. Zur selben Zeit gelang Graf Christoph schnell die Eroberung von Seeland und Fünen. So wurde die Herrschaft über den Sund errungen und Lübeck konnte den Sundzoll für sich beanspruchen. Gleichzeitig erhoben sich die jütischen Bauern unter Skipper Clement.

Angesichts des anscheinend mühelosen Sieges schlossen sich nun auch die Hansestädte Stralsund, Rostock und Wismar sowie die Dithmarscher Bauern und der Mecklenburger Herzog Albrecht VII. dem Bündnis gegen den dänischen König an. Um weitere Unterstützung zu gewinnen, bot Wullenwever die dänische Krone nicht nur dem oldenburgischen Grafen, sondern auch dem englischen König und dem Kurfürsten von Sachsen an. Dem mecklenburgische Herzog, der sich Hoffnungen auf Dänemark gemacht hatte, wurde die schwedische Krone versprochen, denn Wullenwever beabsichtigte nun auch den in seinen Augen undankbaren Gustav Vasa zu stürzen.

Das führte zu Streit und mangelnder Kooperation unter den Verbündeten. Auch schickten die Fürsten lange nicht genügend Truppen und besoldeten diese zudem so schlecht, dass die Kampfmoral nach den ersten Erfolgen sank.

Wende zugunsten Dänemarks

Erst in dieser bedrängten Lage - fast ganz Dänemark war in der Hand der Feinde - ernannte der Reichsrat am 10. August 1534 den Herzog zum König Christian III. - und büßte dafür tatsächlich einen Großteil seines Einflusses ein. Damit wendete sich das Blatt: Nachdem der Frieden von Stockelsdorf im November 1534 den Krieg in Holstein beendet hatte, erstarkten die nun unter einem König vereinten Dänen gegenüber den untereinander zerstrittenen Angreifern. Unterstützung erhielt Christian III. durch Gustav Vasa und seinen Schwager, den preußischen Herzog Albrecht von Brandenburg-Ansbach.

Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes und Graf Christophs Niederlage auf Fünen gegen Johann Rantzau unterlag die Lübecker Flotte im Juni 1535 in den Seeschlachten bei Bornholm und bei Svendborg schließlich gegen eine vereinte dänisch-schwedisch-preußische Flotte unter dem dänischen Admiral Peder Skram.

Im Juli kapitulierte Lübeck. Durch die Niederlage Lübecks wurde die Hanse politisch entscheidend geschwächt. Wullenwever, der im August 1535 in Lübeck abgesetzt worden war, versuchte den Krieg auf eigene Faust fortzuführen. Im November 1535 wurde er südlich von Hamburg festgenommen, als er versuchte, Unterstützungstruppen für das belagerte Kopenhagen zu werben, und 1537 hingerichtet. Marx Meyer hielt bis zum Mai 1536 in der belagerte Festung Varberg aus.

Die Grafenfehde selbst endete erst am 6. August 1536 mit der Kapitulation Kopenhagens nach über einjähriger Belagerung.

Literatur

  • Friedrich von Alten: Graf Christoff von Oldenburg und die Grafenfehde (1534-1536). Perthes-Besser & Mauke, Hamburg 1853 (Digitalisat ).
  • Matthias Asche, Anton Schindling: Dänemark, Norwegen und Schweden im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung. Aschendorff Verlag, 2002, ISBN 3-402-02983-9.

 

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Handfeste

Die Handfeste war allgemein eine zur Sicherung eines Rechts ausgefertigte Urkunde, die dazu bestimmt war, dem Berechtigten ausgehändigt zu werden.

Allgemeine Bedeutung

Der Deutsche Ritterorden z.B. stattete während der von ihm betriebenen Ostkolonisation nach der Eroberung und in Besiedlungswellen zunächst entlang der Weichsel und der Ostseeküste, dann in die Wildnis vorgenommenen Kolonisierung des Prußenlandes sogenannte „Lokatoren“ mit einer Handfeste für jede neu zu gründende Siedlung aus, als er deutsche Siedler zur Sicherung der Eroberungen und zur Besiedlung als Einnahmequelle durch von der Nutzung der „Zinshufen“ zu leistende Abgaben ins Land rufen wollte. In diesen Handfesten für die Gründung der Städte und Dörfer wurden die Rechte der Lokatoren, meist die Verleihung des mit „Freihufen“ verbundenen Schulzenamtes und bestimmte Einnahmen (z. B. ein Drittel der Einnahmen aus der „niederen Gerichtsbarkeit“ – Gerichtsbarkeit ohne die ausschließlich dem Orden vorbehaltene Blut- und Halsgerichtsamkeit), sowie die Hofgrößen, „Freiheiten“ und „Gerechtsame“ (insbesondere Mühlen-, Fischerei- und Bierbraugerechtsamkeit und andere Privilegien) der anzuwerbenden Siedler aus den altdeutschen Gebieten und die von den Neusiedlern an den Orden als Grundherrn als Geld- und Naturalsteuer zu entrichtende Abgaben und Dienste geregelt.

Mit diesen in den Urkunden als Vergünstigungen gegenüber den Zuständen im Altsiedelgebiet verbrieften Rechten warben die Lokatoren meist in ihren Heimatgebieten um nachgeborene Bauersöhne ohne Erbanspruch auf den elterlichen Hof, die sie mit den glänzenden Erwerbsaussichten einer eigenen ökonomischen Vollstelle als Voraussetzung für eine eigene Familiengründung in den erst noch zu kultivierenden Gegenden der Neubesiedlung in die Wildnis des Prußenlandes lockten.

Zudem bezeichnete man das in dieser Urkunde bestimmte Recht selbst auch als Handfeste.

Spezielle Bedeutung

In seiner speziellen Bedeutung war die Handfeste ein Dokument über einen Rentenkauf. Im bremischen Recht gab es bis zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 eine spezielle Hypothek mit Namen Handfeste, in der die Publizität des Rechts nicht durch öffentliche Bücher herbeigeführt wurde, sondern die öffentliche Ausrufung mit der Wirkung des Ausschlusses verlangte. Die Handfeste wurde dort als Inhaberpapier ausgefertigt.

Namen von Dokumenten

Auch historische Dokumente sind unter der Bezeichnung Handfeste bekannt, z. B.

  • die Georgenberger Handfeste, mit welcher 1186 die Zukunft der Steiermark beeinflusst wurde
  • die so genannte Kulmer Handfeste, die erste Urkunde des Deutschen Ordens im Preußenland: Stadtrechtsverleihung für die Städte Kulm und Thorn
  • die auf 1218 datierte, aber wahrscheinlich gefälschte Goldene Handfeste, die Bern zur Freien Reichsstadt machte.
  • die Ottonische Handfeste von 1311, worin Herzog Otto III. von Niederbayern den niederbayerischen Ständen Privilegien und Rechte einräumte. Sie gilt als rechtliche Grundlage für die bayerischen Hofmarken.

 

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Privileg

Ein Privileg (v. lat.: privilegium = Ausnahmegesetz, Vorrecht; Plural: Privilegien) ist ein Vorrecht, das einer einzelnen Person oder einer Personengruppe zugestanden wird.

Begriff

Der lateinische Ausdruck privilegium setzt sich aus den Wörtern lex („Gesetz“, „Rechtsvorschrift“) und privus („einzeln“, „gesondert“) zusammen. Als Privilegien wurden im Römischen Recht ursprünglich rechtliche Entscheidungen bezeichnet, die eine einzelne Person betrafen, also keine Gruppe und auch nicht die Gesamtheit der römischen Bürger. Rechtssystematisch handelte es sich demnach um eine Einzelverfügung. Der Charakter der gesetzlichen Maßnahme blieb dabei zunächst offen. Insbesondere war es ursprünglich unerheblich, ob das Privileg ein Recht oder eine Pflicht beinhaltete. Zur Zeit der Römische Republik wurden als privilegia vielmehr ganz allgemein Rechtsentscheidungen des Gesetzgebers bezeichnet, die keine allgemeinen Gesetze (Allgemeinverfügungen) darstellten, sondern eine Ausnahme von der allgemeinen Regel zum Inhalt hatten.

Erst in späterer Zeit bildete sich daraus die bis heute geltende juristische Definition heraus, wonach ein Privileg das einem Einzelnen (oder einer bestimmten Gruppe) vom Gesetzgeber im Sinne eines Gnadenerweises gewährte Vorrecht bezeichnet. Den Empfänger per se beschwerende Rechtsakte fallen damit nicht mehr unter diesen Begriff (wiewohl ein Privileg durchaus mit Auflagen verbunden oder an Bedingungen geknüpft sein kann). In diesem Sinne wird das Wort privilegium in Justinians Corpus iuris civilis als allgemeine Bezeichnung für ein ius singulare (Recht eines Einzelnen) verwendet[1].

Beispiele für römische privilegia sind etwa das Gesetz zum Imperium des Pompeius oder die Erlaubnis der Rückkehr des Cicero aus der Verbannung.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde der Begriff im Gewerberecht auch im Sinne von Patent oder Konzession verwendet.[2]

In der Soziologie ist hin und wieder auch von einer sogenannten "negativen Privilegierung" die Rede. Dieser Begriff wird insbesondere im Zusammenhang mit Bildungschancen einzelner Milieus verwendet.[3]

In der Erziehung bezeichnet man als Privilegien Vorteile, die ein Kind im Elternhaus genießt, die für sein gesundes Aufwachsen nicht nötig sind, die von den Eltern aber gewährt werden, weil das Kind sie wünscht.

Geschichte

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Die Ausdehnung des Begriffs Privileg auf Gruppen oder ein Grundstück (Realprivileg), die Vererbbarkeit von Privilegien sowie die Beschränkung des Inhalts auf Vorrechte sind Entwicklungen aus der Zeit nach dem Untergang des Römischen Reichs.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde durch die Ausstellung eines Privilegs (in Form einer Urkunde) für Einzelpersonen oder Gruppen neues Recht gesetzt, wodurch die Inhaber der Privilegien einen Vorteil gegenüber anderen erlangten. Zum Wesen des Privilegs gehört, dass es im Gegensatz zum Mandat auf Dauer einen neuen Rechtstatbestand schuf, der auch weitervererbt werden konnte. Nur in Ausnahmefällen (z. B. Fehlverhalten oder Untreue des Begünstigten) konnte die Privilegierung wieder aufgehoben werden. Es gab allerdings bis in die Neuzeit hinein auch immer wieder Privilegien, die der wiederkehrenden (z. B. jährlichen) Bestätigung bedurften.

Privilegien konnten jene Personen erteilen, die Rechte oder Besitz an Untertanen frei weitergeben durften. Dies waren in erster Linie der Kaiser (bzw. König) und die Päpste. Aber auch ein Grundherr konnte einen seiner Untertanen privilegieren, indem er ihn zum Beispiel vom Frondienst befreite.

Gegenstand mittelalterlicher Privilegien waren die unterschiedlichsten Dinge: So zählen Schenkungen an Untergebene, die Erteilung eines Monopols, das Recht, Münzen zu prägen oder ein Wappen zu führen, die Befreiung von Zinsen und Diensten, die Verleihung von Gerichtsbarkeiten oder gar die Gründung von Universitäten zu den Privilegien. Auch die Erteilung des Stadtrechts gehört zu den Privilegien, weil die Angehörigen der Kommune gleich ein ganzes Bündel von Rechten erhielten. Unter anderem waren die Stadtbürger persönlich frei.

Die Summe aller Privilegien, die den Ständen eines ganzen Landes im Laufe der Zeit verliehen wurden, bildeten die Grundlage für die ständischen Verfassungen in der Frühen Neuzeit. Sie definierten das Verhältnis zwischen dem Land und seinem Fürsten, indem sie die Rechte des Landesherrn zu Gunsten der Stände beschränkten. In der Zeit des Absolutismus verloren die ständischen Korporationen viele Privilegien wieder an die Fürsten.

Zu den umfassenden Privilegien kamen zahllose speziell erteilte. In Residenzstädten bewarben sich einzelne Unternehmer um den Titel „Privilegierter Lieferant des Hofes“. In der Druckindustrie wurden zudem Privilegien auf einzelne Druckwerke erteilt – eine Positionierung, die insbesondere große Buchprojekte anstrebte, die mit hohen verlegerischen Investitionen verbunden waren. Der Landesherr, der das Privileg erteilte, drohte im Fall des Raubdrucks mit Ahndung. (Im "normalen" Fall des Raubdrucks blieb es den Buchhändlern überlassen, "schwarze Schafe" unter sich auszumachen und Verstöße mit Sanktionen untereinander zu brandmarken.)

19. und 20. Jahrhundert

Im Sinne der Gleichberechtigung aller Menschen werden Privilegien kritischer gesehen. Birgit Rommelspacher definiert Privilegierung als Gegenspieler der Diskriminierung: Diskriminierung erzeuge Privilegierung, Privilegierung erzeuge Diskriminierung. Insbesondere Privilegien, die mit der Geburt erworben werden, sind im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland durch den Artikel 3 Absatz 3 ausgeschlossen:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Gegenwart

Das Kirchenrecht kennt im Kapitel IV von Buch I bis heute die Möglichkeit, ein Privileg als einen Gnadenerweis zugunsten bestimmter Personen zu erteilen (c. 76 § 1) und unterscheidet anhand der Gültigkeitsdauer das unbefristet gültige Privileg vom Dispens.

Einzelnachweise

  1. ↑ Friedrich Karl von Savigny: System des heutigen römischen Rechts. Bd 1. Berlin 1840 - 1851, Aalen 1981, S.61 (Reprint). ISBN 3-511-04810-9
  2. ↑ vgl. Privilegium in Herders Conversations-Lexikon, 1854 (online ), Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1905 (online ), Brockhaus' Kleines
  3. Konversations-Lexikon, 1911 (online )
  4. ↑ Michael Vester: Die geteilte Bildungsexpansion – Die sozialen Milieus und das segregierende Bildungssystemder Bundesrepublik Deutschland. S. 79

Literatur

  • Barbara Dölemeyer, Heinz Mohnhaupt (Hrsg.): Das Privileg im europäischen Vergleich. 2 Bde. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1997–1999. ISBN 3-465-02899-6, ISBN 3-465-02772-8, (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 93 und 125).
  • Markus Engert: Die historische Entwicklung des Rechtsinstituts Verwaltungsakt. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2002, ISBN 3-631-39690-2, (Europäische Hochschulschriften 2, 3479), (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 2002).
  • Thorsten Lieb: Privileg und Verwaltungsakt. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2004, ISBN 3-631-51390-9, (Rechtshistorische Reihe 280), (Zugleich: Bayreuth, Univ., Diss., 2003).

 

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Burg Krummesse

Die mittelalterliche Burg Krummesse liegt im Lübecker Ortsteil des lauenburgischen Dorfes Krummesse und ist die einzige mittelalterliche Turmhügelburg im heutigen Stadtgebiet der Hansestadt.

Die ehemalige Burg Krummesse ist ein eingetragenes Kulturdenkmal und liegt westlich des Elbe-Lübeck-Kanals auf dem halben Wege zwischen den Hofanlagen des neuzeitlichen Lübecker Stadtgutes Krummesse und der Kanalbrücke. Im Mittelalter kreuzten sich hier, an einem strategisch wichtigen Punkt außerhalb der Lübecker Landwehr, bereits die Landstraße von Lübeck über Trittau nach Hamburg mit dem Stecknitzkanal. Der Burghügel mit einem Durchmesser von ca. 80 m hat sich, wenn auch beschädigt, bis heute erhalten und ist hinter einer Einfamilienhausbebauung noch deutlich erkennbar. Er ist von Gräben und verlandeten Flachgewässern umgeben. Die Burg Krummesse war Sitz der Ritter von Krummesse, die zu den einflussreichsten ritterschaftlichen Familien des Mittelalters im Herzogtum Sachsen-Lauenburg gehörten und nach 1200 wohl aus dem Raum Verden ins Lauenburgische kam. Als mittelalterlicher Adelssitz wird die Burg mit der Müggenburg bei Salem, dem Sitz der lauenburgischen Ritter von Hasenkop verglichen. Die Wasserburg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und durch den frühneuzeitlichen Gutshof westlich davon ersetzt. Der Bergfried soll in Mauerresten im 19. Jahrhundert noch vorhanden gewesen sein.

Die Ritter von Krummesse, die zeitweilig das Amt des Mundschenken der Herzöge von Sachsen-Lauenburg bekleideten, sind durch zahlreiche Urkunden des Mittelalters überliefert, so als Zeugen des Landfriedensvertrages von 1281 und als Vertreter des Herzogs von Sachsen-Lauenburg bei der Kaiserwahl 1308 in Worms. Entsprechend ihrer persönlichen politischen Bedeutung und der geografischen Lage der Burg gehörte die Burganlage zu den größeren nordelbischen Burganlagen des Mittelalters und der zugehörige landwirtschaftliche Grundbesitz bestand neben erheblichen Streuflächen in Lauenburg zeitweilig aus den weiteren Gütern bzw. Dörfern Stochelsdorp und Niemark (1237) und nach 1300 auch Kastorf, der Beidendorfer See, Kronsforde, Bliestorf, Grinau, Schenkenberg, Schretstaken und Petzeke bei Mölln.[1]

Ab dem Jahr 1366 verlor die Familie, wohl durch Erbteilungen geschwächt, an politischem wie wirtschaftlichem Einfluss und gab zunehmend Flächen an die Hansestadt Lübeck und deren Patrizierfamilien Crispin, Darsow und später die von Wickede ab, die so gegen den erbitterten Widerstand die Herrschaft über Krummesse für Lübeck erlangten. Diese wurde erst 1747 im Zuge des Vergleichs über die Möllner Pertinenzien zwischen Lübeck und Kurhannover dauerhaft anerkannt.

Literatur

  • H. Hofmeister: Die Wehranlagen Nordalbingiens, Heft 1, Lübeck 1917
  • Peter von Kobbe: Geschichte und Landesbeschreibung des Herzogtums Lauenburg. Altona 1837, S. 152–167 Der Möllner Prozess. als Digitalisat . ISBN 3777700746
  • Die Krummesser Landstraße, Heft 5/6 der Lübecker Heimathefte, Verlag von Charles Coleman in Lübeck, 1927, S. 57 ff.
  • Werner Neugebauer: Mittelalterliche und jüngere Befestigungsanlagen im Gebiet der Hansestadt Lübeck in: 25 Jahre Archäologie in Lübeck, Lübecker Schriften zur Archäologie und Kulturgeschichte, Band 17, Rudolf Habelt, Bonn 1988, S. 187–190, ISBN 3-7749-2376-0

Einzelnachweise

  1. ↑ Nach Lübecker Heimathefte, Heft 5/6, S. 58.

 

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Lübecker Landgraben

(Weitergeleitet von Lübecker Landwehr)

Der Landgraben und einige Wälle (insbesondere die sogenannte Schwedenschanze im Lauerholz) bilden die mittelalterliche Landwehr, mit der Lübeck wie andere Städte im Mittelalter sein städtisches Vorfeld sicherte.

Geschichte und Verlauf

Bei der Anlage des Landgrabens ab 1303 – wohl nach einem Überfall des lauenburgischen Herzogs Otto im Jahr 1301 – legte man es darauf an, möglichst viele natürliche Gewässer in seinen Lauf einzubeziehen, deren Namen dann im Laufe der Zeit teilweise sogar als Gewässerbezeichnung verloren gingen. Die Fertigstellung erfolgte um 1350.

Die Funktionsweise dieser Landwehr ist nicht vollständig geklärt. Jedenfalls konnte sie wegen ihrer Länge nicht vollständig bemannt werden und auch den Ansturm von Feinden nur aufhalten und nicht verhindern. Wahrscheinlich liegt darin und in der sinnfälligen Markierung von Zollgrenzen die Funktion. An den großen Straßen von Eutin am Tremser Teich, von Segeberg am Steinrader Damm, von Oldesloe am Moislinger Baum, von Hamburg am Krummesser Baum, von Ratzeburg und Mölln am Grönauer Baum und schließlich von Wismar bei Schlutup sind besondere Sicherungen bekannt. In Trems, Schlutup, Brandenbaum sowie am Grönauer und Krummesser Baum haben sogar Türme gestanden. An ihnen sind zum Beispiel 1506 Auseinandersetzungen mit den Mecklenburgern am Schlutuper Turm oder 1509 mit den Dänen am Tremser Turm bezeugt. Die Kontrollposten wurden vom Lübecker Stadtmilitär besetzt. Als letzter der Türme wurde 1809 der Turm am Grönauer Baum abgerissen.

Der Landgraben verläuft im Wesentlichen durch die heutigen Stadtteile St. Jürgen, St. Lorenz, Schlutup und St. Gertrud und zwar von der Wakenitz mit dem Lauf der Strecknitz über den Grönauer Baum bis zum Krummesser Baum, von dort Richtung Norden bis zum Moislinger Baum und weiter Richtung Osten nach Roggenhorst. Jenseits der Bundesautobahn 1 führt er Richtung Norden über den Steinrader Baum, dann als Fackenburger Landgraben, bis zum Tremser Teich. In diesem Bereich verläuft parallel ein Fußweg. Im Norden bildete die Trave bis Schlutup diese Grenze.

Von Schlutup führt der Landgraben durch den Schwarzmühlenteich an den sogenannten Schwedenschanzen mit dem Lauf der Hertogenbeke bis in die Wakenitz.[1] Die Bezeichnung Schwedenschanze hat keinen historischen Hintergrund. In diesem Bereich bildet der Landgraben teilweise auch die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Er hat zwei Fließrichtungen, etwa ab dem Schwarzmühlenteich fließt er sowohl in Richtung Wakenitz nach Süden, wie auch durch den Schlutuper Mühlenteich in Richtung Trave nach Norden.

Literatur

Werner Neugebauer: Die mittelalterliche Landwehr der Hansestadt Lübeck. In: Der Wagen 1969, 74–78

Einzelnachweise

  1. http:/www.xxx

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Pöppendorfer Ringwall

Der Pöppendorfer Ringwall ist ein Burgwall nahe dem Dorf Pöppendorf, einem Teil des Lübecker Ortsteils Kücknitz in Schleswig-Holstein. Er ist einer der besterhaltenen und ansehnlichsten Burgwälle in Ost-Holstein. Darüber hinaus gilt er als Schulbeispiel für slawische Burgwälle.

Der Ringwall wurde auf einer kleinen Anhöhe errichtet, die im Nordosten von einer feuchten Niederung umgeben ist. Er hat einen Durchmesser von etwa 100 m und eine Höhe von 8-12 m über der Umgebung sowie 3-6 m über dem Innenraum. Die Höhe des Ringwalls ist im Nordosten in Richtung der feuchten Niederung niedriger ist als im Südwesten. Nach Nordosten ist auch das Tor ausgerichtet.

Der Ringwall wurde im 8. Jahrhundert durch die Wagrier errichtet und um das Jahr 1000 aufgegeben. Die im Innenraum und bei der westlichen Wallabtragung aufgelesene Keramik ist mittelslawisch. Der Wall wird zur Zeit des Bestehens von Alt Lübeck bzw. beim Einsetzen der Chronistik des 11. und 12. Jahrhunderts nicht mehr genutzt worden sein. Mit ihm sind nach K. Hucke die auf dem „Pöppendorfer Hals" gelegenen slawischen Hügelgräber in Verbindung zu bringen.

Die dem Ringwall zugehörige Siedlung befand sich im Südwesten neben dem Ringwall. Unter der Keramik wurden tiefstichverzierte Scherben aus der Jungsteinzeit erkannt. Dadurch erhielt die Vermutung, dass unter dem Wallinneren eine Megalithanlage verborgen sei Nahrung. Für diese Annahme sprechen große Findlinge, die in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts bei Probestichen vorgefunden wurden.

Der Burgwall steht unter Denkmalschutz. In der Nähe befindet sich das Pöppendorfer Großsteingrab. Beide sind Höhepunkte des Archäologisch-naturkundlichen Wanderwegs im Waldhusener Forst.

Literatur

  • Olaf Klose (Hrsg.): Schleswig-Holstein und Hamburg. 2. verbesserte Auflage. Kröner, Stuttgart 1964, (Handbuch der historischen Stätten Deutschlands 1), (Kröners Taschenausgabe 271).

Quellen

  • Dänischer Museumsreisefüher, Kapitel 14  (PDF-Datei; 1,46 MB)

 

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Dreikronenkrieg

Der Dreikronenkrieg (auch als Nordischer Siebenjähriger Krieg bezeichnet) war Teil der Nordischen Kriege.

Vorgeschichte

Schweden war 1523 aus der Kalmarer Union ausgetreten und unter Gustav I. Wasa ein unabhängiges Königreich geworden. Sein Missfallen darüber machte der dänische König Christian III. deutlich, indem er die schwedischen drei Kronen in sein eigenes Wappen einfügte. Dies wurde von schwedischer Seite als Beweis gesehen, dass Dänemark fortwährend Anspruch auf Schweden erhob.

Trotzdem gab es gemeinsame Bestrebungen mit Dänemark, die Vorherrschaft in der Ostsee zu sichern. Sie waren Verbündete im Livländischen Krieg, um Russlands Drang an die Ostseeküste zu stoppen, und kämpften gemeinsam gegen die Macht der Hanse.

Nach dem Tod von Gustav I. Wasa und Christian III. übernahmen neue ehrgeizige Monarchen die Macht in beiden Ländern – Erik XIV. in Schweden und Friedrich II. in Dänemark. Schweden durchkreuzte mit seinen Feldzügen Dänemarks Pläne, Estland zu gewinnen.

Kriegsbeginn

Unausweichlich wurde der Krieg, als Dänemark im Februar 1563 Gesandte von Erik festhielt, die dieser nach Hessen geschickt hatte, um Heiratsverhandlungen mit der dortigen Prinzessin Kristina aufzunehmen. Etwa gleichzeitig hatte Erik das dänische und das norwegische Wappen in sein Wappen integriert. Die Hansestadt Lübeck, ohne großen Rückhalt in der Hanse, schloss sich im Juni Dänemark an, weil Schweden den Handel mit Russland behinderte. Im Herbst folgte Polen, das sich weiteren Machtgewinn im Ostseeraum erhoffte.

Kriegsverlauf

Die Kämpfe fanden hauptsächlich im Süden Schwedens statt und führten zu einem ständigen Wechsel der Machtverhältnisse in dieser Region. Gekämpft wurde sowohl an Land, als auch und hauptsächlich jedoch auf der Ostsee. Die Seeschlachten bewirkten ein in Europa viel beachtetes maritimes Wettrüsten der Parteien, das zu Neuerungen im Kriegsschiffbau führte. Während zuvor die Konstruktion fast ausschließlich auf den Enterkrieg und Transport von Landsknechten und Söldnertruppen zur Anlandung am Ort eines Landkonfliktes ausgerichtet war, gewann für die Seekriegsführung der Kampf auf Artilleriedistanz an Bedeutung. Die eingesetzten Linienschiffe wurden daher bedeutend größer.

 Nach anfänglichen Verlusten konnte die schwedische Flotte Ende 1565 einige entscheidende Siege erringen und war danach für längere Zeit Herrin im Ostseeraum. Im Jahr 1562 kam es unter dem dänischen Admiral Peder Skram zu keinen größeren Seegefechten. Erst im Folgejahr unter seinem Nachfolger Herluf Trolle kam es am 30. Mai 1563 zu einem ersten Seegefecht in der Mittleren Ostsee bei der Insel Bornholm. Im Folgejahr 1564 kam es wiederum am 30. Mai zur (ersten) Seeschlacht des Krieges zwischen den Inseln Öland und Gotland. Den mit den Dänen verbündeten Lübeckern unter Admiral Friedrich Knebel gelang es, das schwedische Flaggschiff Makelös zu entern und den schwedischen Admiral Jakob Bagge sowie dessen Stellvertreter Arved Trolle gefangen zu nehmen. Die Makelös sank kurz nach dem Entern durch eine Explosion. Dieser Zwischenerfolg erleichterte die Finanzierung und begünstigte das Wettrüsten unter den Parteien.[1] Weitere Seegefechte folgten am 12. Juli vor Warnemünde und am 14. August 1564 erneut zwischen Öland und Gotland, bei dem die Schweden unter dem Befehl ihres Admirals Klas Horn standen. Im Folgejahr 1565 trafen die Parteien nach einem Gefecht vor der Küste Pommerns am 21. Mai erneut am 4. Juni im Seegebiet der Mecklenburger Bucht aufeinander. Der dänische Admiral Herluf Trolle verstarb drei Wochen nach der Schlacht an den Folgen seiner Verletzungen in Kopenhagen. Schon am 7. Juli 1565 kam es zu einer weiteren Seeschlacht im Seegebiet zwischen den Inseln Bornholm und Rügen.

Bartholomeus Tinnappel als Bürgermeister von Lübeck und kommandierender Admiral der Hanseflotte lieferte sich im Juli 1566 mit den Schweden ein Seegefecht zwischen den Inseln Öland und Gotland. Am 19. Juli 1566 sank nach diesem Gefecht eine große Anzahl der Kriegsschiffe der dänisch-lübischen Flotte, weil der Ankerplatz für das Wetter ungünstig war. Dänemark und die Hanse verloren damit einen Großteil ihrer Seemacht. [2]

Landseitig war es bereits am 20. Oktober zur Schlacht bei Axtorna gekommen und am 9. August 1566 trafen die Parteien des Krieges in der Schlacht von Brobacka aufeinander.

1567 fielen schwedische Truppen in Norwegen ein, doch gleichzeitig verfiel Erik XIV. in einen Verwirrungszustand, was die schwedische Kriegsführung einschränkte. Auch die dänische Seite war erschöpft und nach Eriks Absetzung als König ruhten die Kriegshandlungen zeitweilig.

Schon in den ersten Kriegsjahren gab es verschiedene Versuche, den Streit friedlich zu lösen. Unter anderem setzten sich die deutschen Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II. für Verhandlungen ein. Während des Aufstandes von Johann III. gegen seinen Bruder führte er Verhandlungen mit Dänemark, die am 18. November 1568 zum Vertrag von Roskilde führten. Dieser wurde jedoch schon 1569 von schwedischer Seite gebrochen und die Kämpfe begannen erneut.

Kriegsende

Ein erneuter Vermittlungsversuch von Maximilian II. führte schließlich am 13. Dezember 1570 zum Frieden von Stettin. Schweden ließ seinen Anspruch auf Schonen, Halland, Blekinge und Gotland fallen und der Streit um die drei Kronen wurde auf spätere Verhandlungen vertagt. Aufgrund seiner isolierten Stellung und der drohenden Gefahr von russischer Seite musste Schweden auch seine Besitztümer in Livland abgeben und beträchtliche Geldsummen an die deutsche Hanse zahlen.

Literatur

  • Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte. 1989, ISBN 3-7950-3203-2, S. 419–423.
  • Hermann Kirchhoff: Seemacht in der Ostsee. Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 19. Jahrhundert. Nebst einem Anhang über die Vorgeschichte der Ostsee. Band II, Kiel 1908, S. 286-289.

Fußnoten

  1. ↑ Zur Schiffbauentwicklung im Zuge des Wettrüstens: siehe auch: Adler von Lübeck
  2. ↑ Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte. 1989, ISBN 3-7950-3203-2, S. 422.

 

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Frieden von Stettin

Der Frieden von Stettin beendete am 13. Dezember 1570 den so genannten Dreikronenkrieg, der im Rahmen des Livländischen Krieges, des ersten der Nordischen Kriege, zwischen den eigentlich Verbündeten Schweden und Dänemark stattgefunden hatte.

Es gab keine Grenzverschiebungen. Der Status quo blieb erhalten.

Friedrich II. von Dänemark verzichtete auf Ansprüche auf Schweden, womit Dänemark auch formell die Auflösung der Kalmarer Union von 1523 anerkannte. Erik XIV. von Schweden verzichtete auf seine Ansprüche auf Norwegen, Schonen, Gotland und Halland. Für die Rückgabe der von Dänemark 1563 eroberten Festung Älvsborg bei Göteborg zahlte Schweden 150.000 Riksdaler (Reichstaler) an Dänemark.

Der Ort des Friedensschlusses ergab sich aus der Tatsache, dass die Friedensverhandlungen von einer kaiserlichen Kommission vermittelt wurden, der Herzog Johann Friedrich von Pommern vorstand. Dieser hatte aufgrund des Jasenitzer Erbteilungsvertrags von 1569 die Herrschaft in Pommern-Stettin angetreten.

Der Anlass des Krieges, der Streit um die Kronen im dänischen Wappen, wurde vertagt: Beide Parteien behielten die drei Kronen in ihren Wappen und verpflichteten sich, den Konflikt in dieser Frage eigenständig zu lösen; sollte ihnen dies bis zum 1. Januar 1572 nicht gelingen, wurde die Anrufung eines Schiedsgerichts, zusammengesetzt aus dem Rostocker Magistrat und der Rostocker Universität vereinbart.

Der Ostseehandel der hansischen Städte unter der Führung von Lübeck verlor weiter an Bedeutung.

Nebenergebnisse

Die pommerschen Herzöge versuchten die Verhandlungen auch dazu zu nutzen, den noch unverheirateten dänischen König mit einer pommerschen Prinzessin zu verheiraten. Dieser Plan misslang jedoch, nicht zuletzt, weil der sich als Unterhändler anbietende mecklenburgische Herzog Ulrich III. statt die Heirat mit einer pommerschen Prinzessin zu vermitteln seine eigene Tochter Sophia erfolgreich ins Gespräch brachte. (Quelle: Max v. Stojentin: Jacob v. Zitzewitz, ein Pommerscher Staatsmann aus dem Reformations-Zeitalter, in: Baltische Studien NF 1 (1897), S. 143 ff.)

 

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Axel Gyntersberg

Axel Gyntersberg (* um 1525; † 1588 auf Hof Snilstveit in Kvinnherad) war ein norwegischer Adliger, Kommandeur der Festung Steinvikholmen und zuletzt Lehnsherr von Helgeland.

Leben

Familie

Gyntersberg entstammte einem norwegischen Zweig der pommerschen Familie von Güntersberg. Seine Eltern waren Heinrich Güntersberg († 1578) und Kirsten Lavesdatter († 1569). 1556 vermählte er sich mit Kirstine Trondsdatter Benkestok († 1572), mit der er zehn Kinder hatte. Gyntersberg war der Schwiegervater des Magnus Heinason (* 1545; † 1589). Sein einziger Sohn Henrik, der das Erwachsenenalter erreichte, huldigte zwar noch 1582 als Eigentümer von Snilstvet, scheint seinen Vater jedoch nicht überlebt zu haben.

Ein Epitaph mit sechzehn Ahnenwappen von Axel Gyntersberg, seiner Gattin und den gemeinsamen zehn Kindern befand sich in der Kirche in Brønnøy, wurde jedoch 1772 bei einem Kirchenbrand zerstört. Der dänische Historiker Terkel Klevenfeldt (* 1710; † 1777) beschreibt das Epitaph in seiner im Reichsarchiv Kopenhagen lagernden Sammlung.[1]

Nicht auf obigem Epitaph enthalten war seine mutmaßliche Tochter Karen Gyntelberg. Es darf daher davon ausgegangen werden, dass Karen keine Tochter der Kirstine Trondsdatter Benkestok war. Sie soll mit dem aus Schottland stammenden königlich dänischen Admiral Anders Mowatt († 1610/1611) verehelicht gewesen sein.

Werdegang

Durch Heirat war Gytersberg Erbherr auf Meløy, das er jedoch aufgrund wirtschaftlicher Probleme 1584 verpfändete. 1553 erhielt er einen Lehensbrief auf Kloster Rein, das er 1560 vertauschte gegen ein anderes nachreformatorisches, kirchliches Lehen auf Kloster Bakke mit der Bestallung zum Kommandeur auf der Festung Steinviksholm. Die Kommandeursstelle hatte er von 1560 bis 1564 inne. 1564 musste er im Dreikronenkrieg die Festung den Schweden räumen. Daraufhin wurde Gytersberg wegen der Übergabe der Burg gefangen genommen. Die Beschuldigungen der mangelnden Verteidigungsbemühungen bzw. der Kooperation mit den Schweden, also Hochverrat konnten schließlich ausgeräumt werden. Die Einstellung des Prozesses und seine Freilassung waren die Folge. Dennoch verlor Gytersberg sein Lehen über Bakke, erhielt jedoch schon 1665 ein neues Lehen über Torget bei Brønnøy, das er bis 1571/1572 halten konnte, sowie anschließend ein weiteres über Helgeland für die Jahre 1574 bis 1577. 1578 wurde er mit der geistlichen Jurisdiktion im Lehen Stavanger betraut. Seit 1583 wohnte Gytersberg auf seinem Hof Snilstvet in Kvinnherad, wo er auch verstarb.

Literatur

  • Danmarks Adels Aarbog. Kopenhagen 1941, S. 11–22 (dänisch)
  • Dansk biografisk leksikon, Kopenhagen 1892, Bd. 6, S. 411–412  (dänisch)
  • Wilhelmine Brandt: Slægten Benkestok. Oslo 1997, S. 18–19  (norwegisch)

Einzelnachweise

  1. ↑ Rigsarkivet i København, 860. Manuskript samlinger I, Terkel Klevenfeldt (1770–1777), adelsslægter, pakke 26, Cover Gyntersberg

 

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Friedrich Knebel

Friedrich Knebel (* in Wesel; † 27. November 1574 in Lübeck) war Ratsherr der Hansestadt Lübeck und Admiral der Lübecker Flotte im Dreikronenkrieg.

Biografie

Friedrich Knebel wurde 1559 in den Rat der Stadt Lübeck gewählt. Im Jahr 1563 nahm er an der Zusammenkunft in Segeberg teil, auf der das Bündnis mit dem dänischen König Friedrich II. gegen Schweden beschlossen wurde. Er war in den Kriegsjahren 1564 und 1565 kommandierender Admiral der zu Beginn des Krieges aus sechs Orlogschiffen bestehenden und um etliche Hilfsschiffe ergänzten Lübecker Flotte, die, vereint mit der dänischen Flotte unter dem Admiral Herluf Trolle,[1] in der Ostsee in zahlreichen Seeschlachten und -gefechten gegen die Schweden kämpfte. Sein Unteradmiral war der Ratsherr Johann Kampferbeck.[2] Mit seinem 1563 von Stapel gelassenen Flaggschiff Der Engel nahm Knebel am 31. Mai 1564 in der Ersten Seeschlacht vor Gotland[3] das schwedische Flaggschiff Makeloes.[4] Der schwedische Admiral Jakob Bagge[5] und sein Stellvertreter Arved Trolle wurden gefangen genommen. Diese Seeschlacht machte Knebel in Lübeck zum Seehelden und förderte die Bewilligung weiterer Finanzmittel zum Bau neuer Kriegsschiffe wie des neuen Admiralschiffs Morian und des Adler von Lübeck durch den Rat und die Bürgerschaft. Im Lübecker Rathaus erinnert ein historistisches Schlachtengemälde des Malers Hans Bohrdt aus dem Jahr 1911 an die Seeschlacht 1564 vor Gotland. Der Engel ging im 1565 in Vorbereitung auf eine erneute Kampfauseinandersetzung mit den Schweden durch Unachtsamkeit der eigenen Mannschaft im Umgang mit Pulver durch eine Explosion verloren.

1568 war Knebel einer der Gesandten Lübecks bei den vergeblichen Friedensverhandlungen in Roskilde. Auch an den von den Lübecker Bürgermeistern Hieronymus Lüneburg und Christoph Tode geführten Verhandlungen zum Frieden von Stettin im Jahr 1570 nahm er teil.

Er war verheiratet mit einer Tochter des Lübecker Ratsherrn und Gewandschneiders Grammendorp.[6]

Literatur

  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie. Lübeck 1925, Nr. 672
  • Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte, 1989, ISBN 3-7950-3203-2
  • Hermann Kirchhoff: Seemacht in der Ostsee II. Band: Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 19. Jahrhundert. Nebst einem Anhang über die Vorgeschichte der Ostsee. Kiel 1908, S. 286 - 289 Digitalisat

Belege

  1. ↑ en:Herluf Trolle
  2. ↑ Lübeckische Ratslinie Nr. 676: "1565 und 1566 Unteradmiral auf der Flotte."
  3. ↑ en:Action of 30 May 1564
  4. ↑ Auch Mars genannt; siehe sv:HMS Mars (1564)
  5. ↑ sv:Jakob Bagge
  6. ↑ Lübeckische Ratslinie Nr. 630

 

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Hieronymus Lüneburg

Hieronymus Lüneburg (* vor 1530; † 26. Februar 1580 in Lübeck) war Bürgermeister der Hansestadt Lübeck. Er war der vierte Bürgermeister der einflussreichen Familie Lüneburg.

Leben und Wirken

Hieronymus Lüneburg war Sohn des 1529 verstorbenen Ratsherrn Johann Lüneburg. Seit 1558 saß er im Rat und wurde bereits drei Jahre später 1561 zum Bürgermeister gewählt. Sein Wirken bezog sich hauptsächlich auf den Einsatz und die Auswirkungen des Seekrieges gegen Schweden, den letzten Krieg, den die Stadt Lübeck in der Zeit der Hanse führte. Er schloss 1563 in Segeberg das Bündnis mit Dänemark, war 1564 Delegierter bei den Friedensverhandlungen in Rostock und unterzeichnete in Jahr 1570 als Vertreter der Hanse den Friedensvertrag von Stettin.

1580 setzte er sich mit einigen Angehörigen und Ratsmitgliedern der Familie Brömse, Kerkring, von Stiten und seinem Vetter und späteren Bürgermeister Joachim Lüneburg (1512–1588) für die Neugründung der Zirkelgesellschaft ein, um gemeinsam mit diesen Familien wieder mehr Einfluss auf die Politik und damit auch auf die schwindende Macht der Hanse nehmen zu können sowie um den Adelsstand zu erlangen.

Hieronymus Lüneburg war dreimal verheiratet und hatte mehrere Töchter, Er besaß das Gut Moisling, welches mangels männlicher Nachkommen an die Familie von Hoeveln fiel und später zum gleichnamigen Stadtteil Lübecks wurde.

Literatur und Quellen

  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie. Lübeck 1925, Nr. 666
  • Unterlagen Hans-Thorald Michaelis

 

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Daniel Rantzau

Daniel Rantzau (* 1529 auf dem Gut Deutsch-Nienhof; † 11. November 1569 vor Varberg) war königlich-dänischer Feldhauptmann.

Leben

Daniel Rantzau, Herr zu Deutsch-Nienhof (Kreis Rendsburg), zu Woldenhorn (Ahrensburg bei Stormarn) und Troiburg bei Tondern, besuchte in früher Jugend (1544) die Universität Wittenberg, wo er bei Martin Luther studierte. 1547 begleitete er den Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorp an den Hof Kaiser Karls V., unter dessen Fahne er fünf Jahre lang an den Feldzügen in Italien teilnahm.

Um 1556 nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt, wurde er von Herzog Adolf zum Amtmann des verpfändeten hildesheimischen Amtes Peine bestellt und warb dort Söldner zum Kriegszug gegen Dithmarschen. In Peine stiftete er 1559 das bronzene Taufbecken der damals neu errichteten St.-Jakobi-Kirche, das 1561 in der Werkstatt von Hans Pelkinck aus Hildesheim gegossen wurde.[1] Bei der Erstürmung Meldorfs am 3. Juni 1559 in der sogenannten Letzten Fehde führte er eine Hauptfahne und wurde schwer verwundet.

Den größten Ruhm erwarb er sich als Feldhauptmann des dänischen Königs Friedrich II. im siebenjährigen sogenannten Dreikronenkrieg gegen Schweden (1563–1570), der in den damals noch dänischen Provinzen jenseits des Sundes und in den benachbarten schwedischen Landschaften geführt wurde. Seine denkwürdigsten Taten waren die Schlacht auf der Falkenberger Haide am Fluss Svarteraae (Hallands län), wo er am 20. Oktober 1565 mit 4.000 Mann eine große Übermacht von angeblich 24.000 Schweden schlug, und sein Winterfeldzug nach Östergötland 1567–68, wo er beim Ein- und Rückmarsch gefährliche Engpässe zu passieren hatte.

1567 erhielt er die zum säkularisierten Kloster Reinfeld gehörenden Dörfer Woldenhorn (das heutige Ahrensburg), Ahrensfelde, Meilsdorf und Bünningstedt zusammen mit der verfallenen Burg Arnesvelde.

Bei der Belagerung der von den Schweden besetzten Festung Warberg wurde er am 11. November 1569 durch eine Kanonenkugel getötet. An seinem Todesort wurde ihm ein Denkmal errichtet (Rantzauklippan).

Daniel Rantzau war unverheiratet; seine hinterlassene Braut Katharina von Damme heiratete seinen Bruder Peter Rantzau, mit dessen Sohn Daniel 1590 diese Linie erlosch.

Daniel Rantzau wurde in der Catharinenkirche in Westensee beigesetzt. Den lateinisch und deutschen Nachruf auf dem Epitaph dichtete sein Cousin Heinrich Rantzau. Im Dreißigjährigen Krieg wurde dieses Epitaph von schwedischen Soldaten beschädigt. 1917 wurde es rekonstruiert und wieder in der Kirche aufgebaut. Rechts daneben befindet sich die Grabplatte seiner Großeltern Tönnies und Drude Rantzau, die als Besitzer von Gut Westensee Patronen der Kirchen waren.

Literatur

  • Gottfried Heinrich Handelmann: Rantzau, Daniel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 276 f.

Anmerkungen

  • ↑ Ulrike Mathies, Die protestantischen Taufbecken Niedersachsens von der Reformation bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, Schnell & Steiner, Regensburg 1998, S. 59ff.

 

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Calixtus Schein

Calixtus Schein (* 1529 wohl in Dresden; † 4. November 1600 in Lübeck) war Syndicus der Hansestadt Lübeck.

Leben

Calixtus Schein war Sohn des Stadtschreibers Valentin Schein in Meißen. Er besuchte dort die neu gegründete Fürstenschule St. Afra und studierte ab 1545 Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, ab 1549 an der Universität Wittenberg und promovierte zum Dr. jur.. Nach dem Tod seines Vaters 1554 wurde er zunächst dessen Nachfolger in Meißen, gelangte dann aber durch bislang nicht geklärte Umstände nach Kiel, wo er zum Syndikus der Stadt bestellt wurde. 1565 wurde er zunächst befristet, ab 1575 auf Lebenszeit zum Syndicus der Hansestadt Lübeck bestellt und gehörte damit dem Rat der Stadt an. Neben seinem Lübecker Amt vertrat er als Jurist auch die Interessen des Kurfürsten von Sachsen und die Herzöge von Mecklenburg wie von Sachsen-Lauenburg. Calixtus Schein vertrat mit außenpolitischem Talent und großem Verhandlungsgeschick die wirtschaftspolitischen Interessen der Freien Reichsstadt Lübeck im Ostseeraum wie auch gegenüber dem Heiligen Römischen Reich. Gleichzeitig hatte er als Syndicus eine hervorgehobene richterliche Funktion am Oberhof Lübeck und war im Rat auch in der Rechtsetzung des Lübischen Rechts federführend.

Calixtus Schein war zweimal verheiratet und aus beiden Ehen gingen insgesamt vermutlich acht Kinder hervor. Gegen Ende der 1560er Jahre beherbergte er seinen Bruder, den Theologen und Pädagogen Hieronymus Schein, den Vater des späteren Thomaskantors Johann Hermann Schein, bei sich in Lübeck.[1]

Sein Epitaph in der Lübecker Jakobikirche hat sich nicht erhalten. 1593 stiftete er als Syndikus dieser Kirche einen zweiarmigern Wandleuchter aus Messing, der heute auch nicht mehr identifiziert werden kann.[2]

Lübecker Außenpolitik

Der Beginn der Lübecker Tätigkeit Scheins war überschattet durch den laufenden Dreikronenkrieg, in dem Lübeck an der Seite Dänemarks unter König Friedrich II. gegen Schweden für seine Handels- und Seeverkehrsinteressen in der Ostsee und Skandinavien kämpfte. Ein Separatfriede wurde 1568 durch eine Delegation, die auf Lübecker Seite aus dem Bürgermeister Christoph Tode und Syndicus Calixtus Schein bestand, verhandelt und auch von ihnen den Dänen und den schwedischen Unterhändlern paraphiert, aber durch die Schweden wegen Überschreitung der Verhandlungsvollmacht nicht ratifiziert.[3] Erst 1570 mit dem Frieden von Stettin konnte durch Calixtus Schein, wieder gemeinsam mit Bürgermeister Christoph Tode, ein den Krieg beendender diplomatischer Erfolg für Lübeck verbucht werden; die Teilnahme der Stadt an diesem Frieden war Lübecks letzter großer internationaler diplomatischer Erfolg vor ihrem politischen Niedergang als weitgehend eigenständiger Handelsmacht in Nordeuropa.[4]

Auch in den Folgejahren war Schein für Lübeck fast jedes Jahr in Dänemark um die Sicherung der Lübecker Handelsinteressen in Fragen des Sundzoll und um die Aufrechterhaltung der Lübecker Privilegien in Bergen oder auf der Schonischen Messe bemüht.

Ab 1575 war er maßgeblich an den Verhandlungen der Bürgermeister Christoph Tode und Johann Brokes sowie des Ratsherrn Hermann von Dorne über die Rückgabe der an Lübeck verpfändeten Insel Bornholm an Dänemark beteiligt.

Daneben vertrat Schein Lübeck (und die Hanse) mehrfach auf den Reichstagen und beim Kaiser am Hofe von Prag.

Lübecker Rechtspflege

Der aus Sachsen stammende Schein schrieb durchgehend Hochdeutsch, und seine Amtszeit fiel in die Jahre des Übergangs der Verwaltungs- und Rechtssprache in Lübeck vom Niederdeutschen ins Frühneuhochdeutsche.[5] Bekanntestes Beispiel dafür ist die im Auftrag des Lübecker Rats von Bürgermeister Johann Lüdinghusen, Syndikus Calixtus Schein und Ratsherr Gottschalk von Stiten erarbeitete, wenn auch dabei nur unzureichend überarbeitete, hochdeutsche Fassung des Lübischen Rechts: Der Kayserlichen Freyen und des Heiligen Reichs-Stadt Lübeck Statuta und Stadt Recht. Auffs Newe vbersehen/Corrigiret/und aus alter sechsischer Sprach in Hochteudsch gebracht. Gedruckt zu Lübeck/durch Johann Balhorn/im Jar nach Christi Geburt/1586.[6] Es galt bis zum Inkrafttreten des BGB am 1. Januar 1900.

Die von ihm erarbeitete neue Lübecker Insolvenzordnung wurde 1620, also erst 20 Jahre nach seinem Tod in Kraft gesetzt.

Daneben waren einzelne Lübecker Ratsherren, besonders aber die Syndici, auch richterlich auf allen Ebenen der Lübecker Gerichtsbarkeit tätig. Das Archiv der Hansestadt Lübeck verwahrt etwa fünfzig Relationen Scheins sowohl zu zivilrechtlichen wie auch strafrechtlichen Gegenstands aus der Zeit von 1584 bis 1599, die heute noch Aufschluß über die Entscheidungsfindung des Lübecker Oberhofs geben.

Kirchenpolitik

Schein spielte eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des Landesherrlichen Kirchenregiments in Lübeck, das hier vom Rat beansprucht und wahrgenommen wurde. 1575 vertrat er den Rat beim Treffen des Ministerium Tripolitanum von Lübeck, Hamburg und Lüneburg in Mölln, das zu diesem Zeitpunkt Lübecker Pfandbesitz war, und wo wichtige Vorabsprachen zur Konkordienformel getroffen wurden.

Ab 1576 kam es über die Wiederverheiratungspläne von Adelheid Lüdinghusen, der Witwe des Bürgermeisters Anton Lüdinghusen, zu einem öffentlichen Skandal. Sie wollte ihres verstorbenen Mannes Schwester-Tochter-Sohn, ihren Großneffen, den Kaufmann Hermann Büning heiraten, was aber wegen des Verwandtschaftsgrades auf Ablehnung der Lübecker Geistlichkeit traf. Auch die Anrufung des Lübecker Konsistoriums, des für Ehesachen zuständigen Kirchengerichts, und die Einholung von auswärtigen Gutachten blieben erfolglos. Ein Ausschluss der Adelheid Lüdinghusen als Patin bei einer Taufe im Februar 1578 wegen ihrer Hartnäckigkeit führte zu einem Ausfall ihrerseits gegen den Superintendenten Andreas Pouchenius. Eine gemischte Kommission des Rates und des Geistlichen Ministeriums unter der Leitung von Schein, die im Juni 1578 zusammentrat, verpflichtete sie zu einem Entschuldigungs-Revers und zu Hausarrest. 1579 flüchtete sie nach Rostock, wo die Lübecker Bedenken nicht geteilt wurden und die Trauung schließlich stattfand.[7]

Schein nutzte diesen und andere Konflikte um die Kirchenzucht, wie den des Superintendenten Pouchenius mit dem Rektor des Katharineums Pancraz Krüger wegen der Schulaufsicht, um die Position des Rates, seinen Anspruch auf totale Kirchenhoheit[8], zu festigen. In einem vermutlich von Schein verfassten und von ihm verkündeten Ratsdekret vom 3. Januar 1582 wurde dem Superintendeneten und dem Geistlichen Ministerium die Schranken ihrer Befugnisse dargelegt und eine regelrechte Dienstanweisung für die Geistlichen erlassen.[9] Sämtliche Ordnungsfragen im Zusammenhang mit Kasualien wie Taufe, Trauung und Bestattung seien dem Rat zur Entscheidung zu überlassen - eine klare Verlagerung der Kirchenhoheit verglichen mit der weiterhin gültigen Kirchenordnung Johannes Bugenhagens von 1531. 1588 deklarierte der Rat durch Schein, Maßnahmen der Kirchenzucht (konkret ging es um den Ausschluss vom Abendmahl für Pancraz Krüger) dürften nur nach eingehender Rücksprache mit dem Rat verhängt werden. Durch diese Dekrete wurde kirchliche Selbständigkeit so gut wie vollständig aufgehoben.[10]

Schriften

Briefe

  • 20 Briefe an König Friedrich II. von Dänemark aus der Zeit 1569-1579 wiedergegeben in: Andreas Schumacher: Gelehrter Männer Briefe an die Könige in Dännemarck, vom Jahr 1522 bis 1663, Band 3, 1759, S. 258 ff. (Digitalisat)

Literatur

  • Johann Peter Willebrand: Hansische Chronik, 1748, S. 180 ff. (Digitalisat)
  • Johann Ludwig Rüling: Geschichte der Reformation zu Meissen im Jahre 1539 und folgenden Jahren nebst beweisenden und erläuternden Anmerkungen: auch ein Beitrag zur dritten Jubelfeier dieses denkwürdigen Ereignisses, C.F. Klinkicht, 1839, S. 85 ff. (Digitalisat)
  • Jürgen Harder: Calixtus Schein in: Alken Bruns: Lübecker Lebensläufe aus neun Jahrhunderten, Wachholtz, Neumünster 1993, S. 336–339 ISBN 3529027294

Einzelnachweise

  1. ↑ Arthur Prüfer: Zur Familiengeschichte des Leipziger Thomas-Kantors Joh. Herm. Schein. In: Monatshefte für Musik-Geschichte. 30 (1898), S. 141–145, hier S. 143
  2. ↑ Johannes Baltzer, Friedrich Bruns: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck. Herausgegeben von der Baubehörde. Band III: Kirche zu Alt-Lübeck. Dom. Jakobikirche. Ägidienkirche. Verlag von Bernhard Nöhring, Lübeck 1920, S. 414 und 428.
  3. ↑ en:Treaties of Roskilde (1568)
  4. ↑ Vertragstext II siehe „Europäische Friedensverträge der Vormoderne – online“ des Instituts für Europäische Geschichte Mainz mit den Autographen der Beteiligten auf S. 27
  5. ↑ Siehe dazu ausführlich Robert Peters: Die Kanzleisprache Lübecks. In: Albrecht Greule, Jörg Meier, Arne Ziegler: Kanzleisprachenforschung: Ein internationales Handbuch. Berlin: Walter de Gruyter 2012 ISBN 9783110261882, S. 347–366, besonders S. 359
  6. ↑ Digitalisat  des Exemplars der Universität Bielefeld
  7. ↑ Dazu umfassend Hermann Heller: Eine Heirathsgeschichte aus alten Tagen. Ein Beitrag zur Sittengeschichte des 16. Jahrhunderts. In: Die Grenzboten 36 (1877), Teil 3, S. 94–104
  8. ↑ Wolf-Dieter Hauschild: Kirchengeschichte Lübecks. Christentum und Bürgertum in 9 Jahrhunderten. Lübeck: Schmidt-Römhild 1981 ISBN 3-7950-2500-1, S. 280
  9. ↑ Edition bei Emil Sehling (Hrg.): Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. Band 5, Leipzig 1913, Dok. Nr. 67 und 68, S. 369–372
  10. ↑ Wolf-Dieter Hauschild: Zum Verhältnis Staat-Kirche im Lübeck des 17. Jahrhunderts. In: ZVLGA 50 (1970), S. 69–92, auch in Ders.: "Suchet der Stadt Bestes" : neun Jahrhunderte Staat und Kirche in der Hansestadt Lübeck. Hrsg. von Antjekathrin Graßmann und Andreas Kurschat, Lübeck: Schmidt-Römhild 2011 ISBN 978-3-7950-5200-3, S. 169–187, hier S. 171

 

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Peder Skram

Peder Skram (* zwischen 1491 und 1503 in Urup bei Horsens; † 11. Juli 1581 ebenda) war ein dänischer Admiral und Seeheld des 16. Jahrhunderts.

Peder Skram wurde auf dem Gut seiner Familie in Jütland geboren. Er war als Soldat 1518 in den Diensten von König Christian II. von Dänemark im Krieg gegen die Schweden erstmals im Einsatz und nahm 1520 an der Schlacht von Uppsala teil, wo er bereits mit einem Gut in Norwegen für seine Verdienste auf dänischer Seite ausgezeichnet wurde.

Während der Grafenfehde erlangte er als Admiral der Dänischen Flotte den Ruf eines Nationalhelden. Er kam im Auftrage Dänemarks den Schweden unter Gustav I. Wasa, der sich mit König Christian III. von Dänemark verbündet hatte, gegen die Flotte der wendischen Städte der Hanse unter Führung Lübecks zur Hilfe. Die Lübecker hatten sich als Verbündete von König Christian II. gegen Wasa gewandt, weil dieser die Lübecker als seine ursprünglichen Verbündeten in ihrer Erwartung auf schwedische Handelsprivilegien enttäuscht hatte. Peder Skram besiegte zunächst am 9. Juni 1535 mit einer aus 33 Schiffen bestehenden Flotte einen kleinen Hansischen Flottenverband bei der Insel Bornholm und anschließend in den Großteil der Lübecker Flotte bei der Schlacht von Svendborg im Svendborg Sund vor Fünen. Diese Seeschlacht war die eigentliche Entscheidungsschlacht der noch länger andauernden Grafenfehde mit der Christian III. den Sieg über die Hanse unter Lübecker Führung errang.

Im Dreikronenkrieg wurde Peder Skram durch König Friedrich II. von Dänemark noch einmal als Admiral und Oberkommandierender der dänischen Flotte reaktiviert. 1562 traf er bei Gotland auf die überlegene Flotte der Schweden unter deren Admiral Jakob Bagge. Zum Ende des Jahres wurde Skram allerdings durch den Admiral Herluf Trolle abgelöst.

Literatur

  • A. Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte, 1989, ISBN 3-7950-3203-2
  • Hermann Kirchhoff: Seemacht in der Ostsee II. Band: Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 19. Jahrhundert. Nebst einem Anhang über die Vorgeschichte der Ostsee. Kiel 1908, S. 286 - 289 Digitalisat

 

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Bartholomeus TinnappelBartholomeus Tinnappel - Buergermeister von Luebeck

Bartholomeus Tinnappel (* in Reinfeld (Holstein); † 29. Juli 1566 auf See vor Gotland) war ein Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Leben

Tinnappel wurde 1544 in den Rat der Stadt gewählt und nahm dort von 1562 bis 1566 die Funktion des Kämmereiherrn war. 1564 wählte ihn der Rat zu einem der Bürgermeister der Stadt. Er vertrat die Stadt zweimal in den Jahren 1544 und 1549 bei König Christian III. von Dänemark und 1560 auf dem Reichstag des Königs Friedrich II. in Odense. Er war Teilnehmer der Versammlung im Jahr 1563 in Segeberg, die über den Krieg gegen Schweden befand und vertrat die Stadt im gleichen Jahr auf der Friedenskonferenz in Rostock. Er vertrat Lübeck auf den Hansetagen der Jahre 1556, 1559, 1562 und 1564. Als Bürgermeister und kommandierender Admiral der Flotte lieferte er sich im Juli 1566 mit den Schweden im Dreikronenkrieg ein Seegefecht zwischen den Inseln Öland und Gotland. In der Nacht zum 29. Juli 1566 sank sein Schiff mit 14 weiteren Schiffen und 6000 Männern seiner Flotte in einem schweren Sturm auf Reede vor der gotländischen Stadt Visby.[1] Sein Unteradmiral, der Ratsherr Cordt Wolters, konnte hingegen knapp gerettet werden.

Tinnappels von Jost de Laval gemaltes Epitaph hängt in der Marienkirche zu Visby.[2]

Literatur

  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie Lübeck 1925, Nr. 657
  • Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte, 1989, ISBN 3-7950-3203-2
  • Hermann Kirchhoff: Seemacht in der Ostsee II. Band: Ihre Einwirkung auf die Geschichte der Ostseeländer im 19. Jahrhundert. Nebst einem Anhang über die Vorgeschichte der Ostsee. Kiel 1908, S. 286 - 289 Digitalisat
  • G. Svahnström: Das Epitaph des Lübecker Bürgermeisters Bartholomeus Tinnappel in der Visbyer Domkirche in: Werner Paravicini (Hrsg.): Mare balticum Beiträge zur Geschichte des Ostseeraums in Mittelalter und Neuzeit, Kieler Historische Studien, Bd. 36, 1991 ISBN 978-3-7995-7069-5

Einzelnachweise

  1. ↑ Lübeckische Geschichte, S. 422
  2. ↑ Heritage under water mit Abb.

 

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