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England

England ist der größte und am dichtesten besiedelte Landesteil im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland.

Oft wird England fälschlicherweise auch als Synonym für den Staat des Vereinigten Königreichs oder für die gesamte Insel Großbritannien gebraucht. Der Name England stammt vom westgermanischen Volk der Angeln (altengl. Englas) ab.

Geografie

England umfasst den größten Teil des südlichen Abschnitts der Insel Großbritannien, grenzt im Norden an Schottland und im Westen an Wales und die Irische See. Im Osten grenzt England an die Nordsee, im Süden liegt England am Ärmelkanal und der Südwesten Englands liegt am Atlantik.

Politik

Die Regierung des Königreichs hat, ebenso die königliche Familie, ihren Sitz in der britischen Hauptstadt London. England hat - im Gegensatz zu Schottland, Wales oder Nordirland - weder ein Landesparlament noch eine Landesregierung. Deren Aufgaben werden vom Parlament und der Regierung des Vereinigten Königreiches wahrgenommen. Jedoch ist in Planung, England in verschiedene administrative Regionen mit eigener Verwaltung aufzuteilen. Das Vereinigte Königreich ist der einzige Staat in Europa ohne niedergeschriebene Verfassung – daher ist die Frage, ob England „nur“ ein Landesteil oder ein eigenständiger Staat ist, nicht eindeutig zu beantworten.

Sport

Verwaltungsgliederung

Die 39 historischen Grafschaften

Diese 39 historischen Grafschaften (engl. county, counties) bestehen seit dem hohen Mittelalter. In ihrer Funktion als Verwaltungsbezirke sind sie seit Mitte des 20. Jahrhunderts mehrmals neu gegliedert worden, jedoch bestehen die historischen Grafschaften im Bewusstsein der Bevölkerung weithin fort. Größere Städte galten als Teil der Grafschaften, wurden jedoch als Boroughs eigenständig verwaltet.

Die gegenwärtige Verwaltungsgliederung

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Verwaltungsgliederung teilweise den neu entstandenen Ballungsgebieten angepasst. Dadurch veränderten sich auch die Grenzen der oben genannten 39 historischen Countys. So wurde zum Beispiel 1965 die Verwaltungseinheit Greater London eingerichtet. 1974 entstanden sechs metropolitan counties und die so genannten non-metropolitain counties, darunter auch einige kleinere neue Grafschaften wie Avon, Humberside und Cleveland, die jedoch in den 1990er Jahren zum Teil wieder aufgelöst wurden. Die Countys untergliedern sich in Bezirke (Metropolitain Districts bzw. Distrikte), die aufgrund ihrer Aufgabenstellung etwa den Stadtverwaltungen Deutschlands entsprechen. Diese Distrikte bestehen meist aus einer Vielzahl von Städten und kleineren Siedlungen, die jedoch keine eigene Verwaltung haben. Man spricht von einer „zweistufigen Verwaltung“ (1. Stufe Grafschaften; 2. Stufe Distrikte) 1986 wurden die Grafschaftsräte bzw. -verwaltungen der Metropolitain Counties aufgelöst. Ihre Aufgaben wurden an die untergliederten Metropolitain Districts delegiert, so dass diese alle Aufgaben der Grafschaften und der Distrikte erledigen („einstufige Verwaltung“). In ihrer Funktion können die Metropolitain Districts seither als „unitary authorities“ bezeichnet werden. Dennoch wurden die Bezeichnungen der sechs Metropolitain Counties beibehalten und ist seither aber nur noch für die Beschreibung der geographischen Lage bzw. für statistische Zwecke von Bedeutung. Zahlreiche Non-Metropolitan Districts wurden Mitte der 1990er Jahre als Unitary Authorities aus den Grafschaften ausgegliedert. Sie erledigen seither die Verwaltungseinheiten der Grafschaften mit und sind somit den Metropolitain Districts vergleichbar.

Die Grafschaften und unitary authorities Englands sind heute zu neun Regionen zusammen gefasst. Zur Untergliederung der Regionen und Grafschaften siehe Verwaltungsgliederung Englands und Verwaltungsgrafschaften Englands.

Großstädte

In der englischen Sprache wird zwischen city und town unterschieden. Das Recht, als „city“ bezeichnet zu werden, besiegelt eine königliche Ernennungsurkunde, die so genannte Royal Charter. Meist orientierte man sich dabei daran, ob die betreffende Ansiedlung eine Kathedrale besitzt. Während beispielsweise das kleine St Davids in Wales mit weniger als 2.000 Einwohnern eine „City“ darstellt, ist Stockport mit seinen 135.600 Einwohnern nur „Town“. Die Unterscheidung ist damit ähnlich der Unterscheidung zwischen Stadt und Gemeinde in Deutschland.

Die folgende Liste der „Großstädte“ Englands beinhaltet auch die so genannten Metropolitan Boroughs. Manche dieser einzelnen Verwaltungsbezirke bestehen aus mehreren Städten („Town“ oder „City“). So besteht der Metropolitan Borough Salford aus der City of Salford und anderen Städten, die man als „Town“ bezeichnet, während der Metropolitan Borough Manchester lediglich aus der City of Manchester besteht. Diese Metropolitan Boroughs sind einstufige Verwaltungseinheiten, die man mit den deutschen kreisfreien Städten vergleichen kann.

Metropolitan Boroughs fasst man in England zu Metropolitan Countys zusammen, die allerdings als Gebietskörperschaften keine Rolle mehr spielen. (Mehr dazu siehe: Verwaltungsgliederung Englands).

Die zehn größten städtischen Verwaltungsbezirke in England mit mehr als 200.000 Einwohnern (gemäß dem UK Census 2001) sind:

  • London (7.172.000)
  • Birmingham (1.001.200)
  • Sheffield (520.732)
  • Manchester (486.000)
  • Bradford (485.000)
  • Leeds (457.875)
  • Liverpool (447.500)
  • Kirklees (Huddersfield) (394.600)
  • Bristol (393.900)
  • Wakefield (315.000)

Nationale Symbole

Die englische Flagge, bekannt als St.-Georgs-Kreuz, ist ein rotes Kreuz auf einem weißen Hintergrund und wird seit dem 13. Jhdt verwendet.

Ein anderes nationales Symbol ist die Tudor-Rose, die seit den Rosenkriegen verwendet wird und ein Symbol des Friedens sein soll.[1] Die Rose wird z.B. von der Englischen Rugby-Union-Nationalmannschaft als Wappen verwendet.

Die Three Lions (dt. „Drei Löwen“) gehen auf Richard Löwenherz zurück und bilden das Wappen Englands.

England selbst hat keine offizielle Nationalhymne. Bei sportlichen Veranstaltungen, bei denen England als eigenständige Mannschaft auftritt, wird zumeist die britische Nationalhymne God Save the Queen verwendet, seltener auch Jerusalem, z.B. bei Test Cricket.[2]

Einzelnachweise

  1. ↑ national flowers, The National Archives, eingesehen am 29. Juli 2010
  2. ↑ Sing Jerusalem for England!, BBC vom 6. September 2005

 

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Geschichte Englands

Die Geschichte Englands ist die historische Betrachtung des größten und bevölkerungsreichsten Teils des Vereinigten Königreichs. Die Bezeichnung „England“ stammt aus der Zeit nach der Einwanderung der Angelsachsen. Nachdem zunächst Wales mit England vereinigt wurde, aber vor allem nach der Besteigung des englischen Throns durch Jakob VI. von Schottland im Jahr 1603, wird es immer schwieriger, zwischen englischer und britischer Geschichte zu unterscheiden.

Vor-Römisches England

Die Geschichte Englands beginnt im Grunde mit der Entstehung der Insel. In der Mesolithischen Periode, etwa um 8500 v. Chr., stieg der Meeresspiegel während der letzten Eisschmelze an und machte Britannien ca. 7000 v. Chr. zur Insel. In der Jungsteinzeit, die auf der Insel erst um 4000 v. Chr. begann, begannen Ackerbau und Viehzucht. Ob dies auf Einwanderung vom Kontinent oder die Akkulturation einheimischer Jäger und Sammler zurückgeht, ist in der Forschung umstritten. Während der ab 2150 v. Chr. beginnenden Bronzezeit wurde nahe dem viel älteren Steinkreis von Avebury das bekannte Stonehenge fertiggestellt (Megalithstruktur zwischen 2500 v. Chr. und 2000 v. Chr.). Die Eisenzeit beginnt ab 800 v. Chr. Im Süden Englands gibt es viele Überreste von Hügelforts aus dieser Zeit, die als System von konzentrischen Erdhügeln und -wällen überdauert haben: vom großen Maiden Castle in Dorset bis hinunter zu den viel kleineren wie Grimsbury Castle in Berkshire.

Römische Zeit

Die Römer landeten unter der Führung Caesars erstmals 55 und 54 v. Chr. in England, zunächst jedoch nicht als Eroberer. Erst ein knappes Jahrhundert später, 43 n. Chr., wurde England unter Kaiser Claudius von den Römern besetzt und zu einer Provinz gemacht; der bedeutendste Aufstand der keltischen Bevölkerung ereignete sich schließlich 61 unter der Führung von Boudicca. Um sich vor den Plünderungen der Pikten, den Einwohnern Schottlands zu dieser Zeit, zu schützen, wurde unter Kaiser Hadrian in der Höhe des Solway Firth ein Schutzwall von Osten nach Westen errichtet, der Hadrianswall.

Im klassischen römischen Stil bauten die Römer eine hocheffiziente Infrastruktur auf, um ihre militärischen Eroberungen zu festigen, und erschlossen so Britannien, wobei der Grad der Romanisierung sehr unterschiedlich ausgeprägt war: Am stärksten war der römische Einfluss im Süden und Osten, wo auch die Urbanisierung stärker ausgeprägt war. Ab dem 2. Jahrhundert machte in diesen Regionen auch das Christentum die meisten Fortschritte.

Ab dem 4. Jahrhundert wurde Britannien von Usurpationen heimgesucht: Flavius Theodosius stellte in den 360er Jahren noch einmal die Ordnung auf der Insel her, doch wurden nur wenige Jahrzehnte später die meisten Truppen abgezogen: Sie wurden auf dem Festland dringender gebraucht, wo 406/407 die Rheingrenze kollabiert war. Bald darauf erlosch auch die römische Präsenz auf der Insel; die Civitates mussten sich nun so gut wie eben möglich selber schützen, wozu auch germanische Söldner eingesetzt wurden.

Die Sächsische Eroberung

In das entstehende Machtvakuum drangen immer wieder piktische Gruppen nach Süden vor. Da die romano-britische Bevölkerung keine Hilfe vom römischen Imperium erwarten konnte, warben sie sächsische Truppen zu ihrer Verteidigung an. Diese Söldner siedelten sich mit ihren Familien an. Aber nun strömten größere Gruppen von Angeln, Jüten und Sachsen ins Land, um dem Bevölkerungsdruck auf dem Festland auszuweichen.

Die Ankömmlinge siedelten in Ostanglien, den Midlands, dem östlichen Yorkshire und in Lincolnshire und vertrieben dabei teilweise die einheimische keltische (britische) Bevölkerung. Südlich der Themse organisierten die Städte unter Führung einheimischer Magnaten eine entschlossene Verteidigung und nahmen dazu nach römischem Vorbild meist sächsische Föderaten in Dienst. Die Historia Brittonum berichtet, dass ab 430 so auch jütische Gruppen ins Land kamen und sich in Kent niederließen. Unter diesen Föderaten kam es 442/443 zu einer Revolte; nach langwierigen Kämpfen wurde die britische Bevölkerung nach Westen abgedrängt und musste Sussex (Südsachsen), Middlesex (Mittelsachsen) und Essex (Ostsachsen) – die späteren sächsischen Siedlungsgebiete – aufgeben. Ende des 7. Jahrhunderts hatten die Angelsachsen die Insel von Cornwall bis zum Firth of Forth unterworfen. Ausnahmen bildeten die westlichsten Gebiete von Dumnonia und Wales sowie das nördliche Gebiet von Cumbria, und natürlich konnte Schottland seine Unabhängigkeit behaupten.

Die Kleinkönigreiche

Die neuen Siedlungsgebiete waren zunächst gemäß der Stammes- und Gruppenstruktur der kontinentalen Gebiete organisiert. Mit dem Ende des 6. Jahrhunderts begann dann die Entwicklung der Königsherrschaft, und es sind sieben, miteinander konkurrierende angelsächsische Kleinkönigreiche nachweisbar:

  • Nordhumbrien, (aus dem Zusammenschluss von Deira und Bernicia), Ostanglien und Mercien als Gründungen der Angeln
  • Sussex, Wessex und Essex als Gründungen der Sachsen
  • Kent als Gründung der Jüten gilt als das erste konsolidierte Reich, da die Einwanderer die noch intakte römische Verwaltung und die städtische Kultur nutzten. Früher als in anderen Regionen ging man zum Christentum über. Bereits nach 650 findet eine intensive Schreib- und Gesetzgebungstätigkeit statt.

Die politische Vorrangstellung der einzelnen Königreiche dokumentierte sich in der Person eines Oberherrschers, der erst im 9. Jahrhundert als Bretwalda bezeichnet wurde. Er übte jedoch keine Herrschaft über ganz England aus, sondern eher eine besondere Machtposition im Kreis der übrigen Könige. Im 7. Jahrhundert dominierte Northumbria, im 8. Jahrhundert Mercia und schließlich errang Wessex eine politische Vormachtstellung. Ab etwa 750 bestanden nur noch diese drei Königreiche, denn die anderen waren in ihnen aufgegangen.

Die Besiedelung durch die Angelsachsen stellte einen deutlichen Bruch gegenüber der römischen Herrschaft dar. Die Kultur der Eroberer unterschied sich grundlegend von der städtischen Lebensweise der Römer. Die Angelsachsen lebten in ländlichen Haufendörfern und waren in Sippen sowie in Familiengemeinschaften mit Gesinde um einen Hausvater (Lord) organisiert. Das Anwachsen dieser Hausgemeinschaften führte zur Bildung des angelsächsischen Adelssystems mit Gefolgschaften als unmittelbaren Machtzentren eines Adligen. Darüber hinaus bildete sich ein Heerkönigtum, das auf der Wahl des Anführers durch die mächtigsten Mitglieder des Heeres beruhte. Dem wirkte die Bestrebung der Heerkönige entgegen, dieses Amt in der jeweiligen Familie erblich zu machen.

Christianisierung

Die angelsächsischen Völker brachten bei ihrer Eroberung ihre eigene germanische Religion (siehe auch Angelsächsische Religion) mit und drängten die romano-britische Bevölkerung mit dem christlichen Glauben in die walisischen Grenzgebiete.[1]

Vom Kloster auf Iona, das der irische Mönch Columban, irisch Columcille, von Iona 563 gegründet hatte, nahm die iro-schottische Missionierung der Angelsachsen von Norden her ihren Anfang. Dort trat Oswald von Northumbria zum Christentum über und berief als König von Northumbria den Mönch Aidan zum Bischof und Missionar.

Im Süden landete 597 der Benediktiner Augustinus auf der Insel und begann auf Bitten des König Ethelbert von Kent, dessen Frau christlichen Glaubens war, mit der Missionierung der Angelsachsen.

Zwischen den beiden christlichen Strömungen entstanden Differenzen, die vor allem auf den unterschiedlichen Organisationsstrukturen beruhten. Während die iro-schottischen Missionare sich auf Klöster stützten und nur flache Hierarchien kannten, beruhte die römische Mission auf der Bischofshierarchie mit ihren Machtzentren in den städtischen Bischofssitzen. Darüber hinaus führte die unterschiedliche Berechnung des Osterfestes im Alltag der Menschen zu Verwirrung. Auf der Synode von Whitby setzten sich die Vertreter des römischen Ritus durch und die Bindungen an die kontinentale römische Kirche wurden enger.[2]

Das Christentum wurde allgemein zuerst von den Herrscherfamilien angenommen und von dort auf die Untertanen übertragen. Den Adeligen bot der neue Glauben die Möglichkeit, Eigenkirchen zu gründen und damit sakrale Macht auszuüben. Mit den gebildeten Klerikern und Mönchen standen ihnen außerdem fähige Helfer bei der Verwaltung ihrer Territorien zur Verfügung. Den Heerkönigen schließlich bot die Salbung eine Möglichkeit, ihre Macht zusätzlich zur Wahl durch das Gefolge zu rechtfertigen, damit ihre Abhängigkeit von dieser zu verringern und der Erblichkeit der Herrschaft einen Schritt näher zu kommen.

Das christliche Zeitalter brachte Meisterwerke der Kunst hervor wie das Book of Lindisfarne und das Book of Kells. Es war geprägt von so bedeutenden Lehrern wie Beda Venerabilis. Etwa zu Beginn des 9. Jahrhunderts war die Christianisierung Englands abgeschlossen, wenn auch starke heidnische Elemente im Volksglauben weiter wirkten.

Die Wikingerzeit

Erste Angriffe und Entstehung des dänischen Siedlungsgebiets

Beginnend 789 und zum ersten Mal historisch bedeutsam mit dem Raubzug von 793 gegen das Kloster Lindisfarne landeten die dänischen Wikinger in England, dem Beginn der Wikingerzeit. Zunächst führten sie nur blitzartige Raubzüge aus, nach denen sie sich auf das Meer zurückzogen. Dort waren sie sicher, da die englischen Könige kaum über Schiffe verfügten, die in größerer Entfernung von der Küste operieren konnten. Kurz darauf überwinterten jedoch einzelne Wikingergruppen auf der Insel und legten dazu zumindest periodische Siedlungen an. 865 landete ein größeres Wikingerheer in East Anglia mit der offenbaren Absicht, sich dort länger einzurichten. Die Dänen forderten Tributzahlungen von umliegenden angelsächsischen Siedlungen und errichteten eigene Dörfer. Ein Jahr darauf eroberten sie York und setzten dort einen angelsächsischen König ein, der ihnen untergeben war. Sofort begannen die Überfälle auf Mercien auszugreifen, 869 erreichten erste dänische Truppen die Themse, den Grenzfluss zu Wessex, dem dominierenden angelsächsischen Reich.

Entstehung des Königreiches England

Alfred der Große, König von Wessex, trat der dänischen Bedrohung entgegen. Der ständige Kampf gegen die Wikinger, in dem Alfred zunächst keinen durchschlagenden Erfolg erzielte, wirkte als Katalysator zur weitgehenden Einigung Englands unter dem König von Wessex. Er zwang ihn außerdem zur Reorganisierung des Heeres, zum Bau einer schlagkräftigen Flotte, zum Errichten zahlreicher Burgen und zum Anlegen des auf Grafschaften (Shires) beruhenden Systems, das England erstmals seit der römischen Zeit eine mehr oder minder einheitliche Verwaltung gab. 878 schlug Alfred ein großes dänisches Heer bei Eddington. Daraufhin ließ sich der dänische König Guthrum, der bereits zuvor in Kontakt mit dem Christentum gekommen war, mit 30 seiner Männer taufen. Anschließend zogen sie sich in ihr Kerngebiet in East Anglia (Danelag) zurück. Dieser Erfolg führte zur Anerkennung Alfreds als Herrscher auch in Mercien. 886 eroberte er schließlich London und gab dem Reich damit ein Zentrum. In den folgenden Jahren erkannten ihn auch die übrigen angelsächsischen Territorien, auch solche unter dänischer Herrschaft, als ihren Herrscher an (vgl. Entstehung Englands).

Alfreds Nachfolger bauten das von ihm angelegte Verwaltungssystem aus, in dem als Kronbeamte Sheriffs an der Spitze eines Shires standen. Die Shires wurden vor allem für das Gerichtswesen und das Heeresaufgebot wichtig. Zudem entwickelte sich eine frühe Form eines englischen „Nationalbewusstseins“. Alfreds Sohn Eduard fügte den Dänen 910 in der Schlacht von Tettenhall eine weitere schwere Niederlage zu und war danach vor allem in Auseinandersetzungen mit den südlichen dänischen Reichen erfolgreich. 918 erkannten die Könige dieser Reiche ihn als Herren an, später auch die Herrscher Schottlands.

Unterdessen veränderten sich auch die dänischen Gebiete im Osten Englands, die als Danelag bezeichnet wurden. Die einstigen Wikinger gingen immer mehr zu einer bäuerlichen Lebensweise über, bauten Burgen und Ansiedlungen und nahmen das Christentum an.

König Æthelstan vertrieb 936 die Cornish aus Exeter und sicherte den Fluss Tamar als Grenze von Wessex. Er nannte sich Rex totius Britanniae, konnte Wales und Schottland aber nur unter eine lockere Oberhoheit bringen. Dagegen eroberte er Northumbria dauerhaft. Seine Urkunden nach 930 wurden von einer einzigen Kanzlei in Winchester hergestellt, was auf eine Art Hauptstadt seines Königreiches schließen lässt. Auf Æthelstan folgte bis ins späte 10. Jahrhundert eine Phase mit vergleichsweise wenigen kriegerischen Auseinandersetzungen, dafür aber mit politischer und kirchlicher Konsolidierung des Reiches vor allem unter König Edgar.

Um 980 begann eine neue Welle Wikingerangriffe von See aus. Größere Kämpfe blieben jedoch weitgehend aus, da die angelsächsischen Herrscher Tribute zahlten und die Wikinger wieder abzogen. Um diese Tribute aufzubringen, führte König Aethelred auf Anraten des Erzbischofs Sigeric von Canterbury und seiner „Großen“ als erster mittelalterlicher Herrscher eine allgemeine Grundsteuer ein, das Danegeld. Dennoch setzten die Wikinger Ihre Bestrebungen fort, die angelsächsischen Gebiete zu erobern. Nach der verlorenen Schlacht von Maldon 991 zahlte Aethelred 10.000 Pfund (3.732 kg) Silber Tribut, um den Abzug der Wikinger zu erkaufen. Diese Summen steigerten sich mit der Zeit. 994 mussten 7250 kg Silber für den Abzug Olaf Tryggvasons aufgebracht werden, 1012 sogar 22 Tonnen Silber.

1002 heiratete Aethelred die normannische Herzogstochter Emma in Erwartung normannischer Unterstützung gegen die Wikinger. Damit legte er einen Grundstein für die spätere normannische Eroberung Englands. Im gleichen Jahr ließ er sämtliche Dänen in seinem Herrschaftsbereich ermorden, worauf die Dänen mit verstärkten Angriffen reagierten. Aethelred floh 1013 vor Sven Gabelbart in die Normandie und starb 1016.

England im dänischen Großreich

Auf die Flucht des Königs folgten einige Jahre der Kämpfe zwischen Angelsachsen, eingesessenen und seefahrenden Dänen. Neuer König wurde der Däne Knut der Große, der England und Dänemark in Personalunion regierte sowie weite Teile Nordeuropas beherrschte. England war damit Teil eines durch Seefahrt zusammengehaltenen Großreiches. Knut heiratete Emma, die Witwe Aethelreds, und konvertierte zum Christentum. Die Christianisierung in Dänemark und im 1028 von Knut eroberten Norwegen begann mit angelsächsischen Priestern. Neben der Einbeziehung der Kirche in seine Herrschaftsstrukturen bemühte Knut sich um die Integration sowohl der Angelsachsen als auch der sesshaft gewordenen Dänen in seinem Reich. Die Bevölkerungsgruppen wurden vom König weitgehend gleich behandelt, unterschieden sich aber durch die verschiedenen, jeweils für sie geltenden Rechtsordnungen, denen allerdings die Basis des germanischen Stammesrechts gemeinsam war. Wichtigstes rechtliches Werkzeug des Königs war der Königsfriede, mit dem Ansiedlungen, Gutshöfe, Einrichtungen (beispielsweise Kirchen, Straßen oder Brücken) und Personengruppen (etwa die Juden) in den persönlichen Haushalt des Königs übernommen und damit geschützt wurden. Als zusätzliche Verwaltungsebene über den Shires richtete der selten in England anwesende König vier Earldoms (Wessex, Mercia, East Anglia und Northumbria) ein, die jeweils von einem Herzog verwaltet wurden. Bei politischen Entscheidungen holte er in der Regel den Rat der Großen des Landes ein.

Die letzten angelsächsischen Könige

Unter Knuts Söhnen zerbrach das Reich wieder. Mit Eduard dem Bekenner übernahm 1042 wieder ein Angelsachse den englischen Thron. Er war ein Nachkomme Alfreds des Großen, hatte jedoch bis zu seinem 38. Lebensjahr in der Normandie gelebt. Unter ihm kam es zu zwei Entwicklungen, die schnell Konflikte hervorriefen: Einerseits wuchs der Einfluss sowohl des alten angelsächsischen als auch des dänischen Hochadels, insbesondere der Earls der Herzogtümer, andererseits bevorzugte Eduard normannische Adlige an seinem Hof. Dies führte zu einem Konflikt zwischen dem eingesessenen Adel und den Normannen. Eduards Schwiegervater Godwin, Earl of Wessex stellte sich an die Spitze der Oppositionsbewegung gegen die Normannen. Zunächst besiegte Eduard Godwin und schickte ihn in die Verbannung. Nach wenigen Jahren kam Godwin jedoch zurück und setzt sich schnell wieder als mächtigster Adliger des Landes durch. Eduard hatte bis zu diesem Zeitpunkt die neue Herrschaftsorganisation eingeführt, die die normannischen Könige später durchsetzen sollten, insbesondere mit der direkten königlichen Einsetzung von Klerikern auf Verwaltungsposten und Bischofsstühle nach dem Vorbild des ottonischen Reichskirchensystems. Als Godwin nach England zurückkehrte, begann Eduard sich zunehmend aus seinen Regierungsgeschäften zurückzuziehen und sich nur noch um den Bau der Kathedrale von Westminster und seine persönlichen Glaubensübungen zu kümmern.

Harold Godwinson, der Sohn Godwins, erreichte, dass der kinderlose Eduard ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Damit war die Nachfolgefrage jedoch keineswegs geklärt. Harold war zwar die mächtigste politische Figur Englands und besaß nach eigenen Angaben die Zusage Eduards, dass er dessen Nachfolger werden sollte, doch war umstritten, ob diese Zusage wirklich erfolgt und ob sie rechtlich bindend war. Darüber hinaus war Harold nicht mit dem Königshaus verwandt. Auf verwandtschaftliche Legitimation konnten sich ein noch minderjähriger Urenkel Aethelreds, der in Ungarn lebte, und der Norwegerkönig Harald III. als Enkel Knuts des Großen berufen. Wilhelm, Herzog der Normandie war über seine Großtante Emma zumindest entfernt mit dem angelsächsischen Königshaus verwandt. Zudem berief er sich auf einen umstrittenen Eid Harold Godwinsons, den dieser ihm geleistet habe, als er auf einer Reise in normannische Gefangenschaft geraten sei und der Wilhelm die Thronfolge in England zugesichert habe.

Nach dem Tod Eduards 1066 wurde zunächst Harold Godwinson von den Großen des Reiches als neuer König anerkannt. Harald von Norwegen und Wilhelm von der Normandie begannen sofort nach der Wahl mit Vorbereitungen für Feldzüge nach England. Harald erreichte als erster die Insel und landete mit 300 Langschiffen in Yorkshire. Bei der Schlacht von Stamford Bridge am 25. September 1066 schlug Harold diese Invasionsarmee zurück. Am Morgen des 28. September landeten die Normannen im Südwesten bei Pevensey. Harold musste sein von der Schlacht geschwächtes Heer in Eilmärschen dem neuen Angreifer entgegen führen. Am 14. Oktober 1066 unterlagen die englischen Truppen in der Schlacht von Hastings, bei der Harold und seine Brüder fielen. Danach stieß Wilhelm kaum noch auf Widerstand. Am Weihnachtstag 1066 wurde er in Westminster zum englischen König gekrönt.

England im Hochmittelalter

Aufbau der normannischen Herrschaft

Der Sieg Wilhelms führte zur Einführung des effektiven Lehnssystems der Normannen. Eine kleine normannische Oberschicht ersetzte den eingesessenen Adel fast vollständig. Wilhelm befahl die Erstellung des Domesday-Buches, welches Steuern der gesamten Bevölkerung, ihrer Ländereien und Besitztümer erfasste. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern setzte sich mit Wilhelm das englische Königtum als alleiniges Zentrum des Feudalsystems durch. Letztlich befand sich der gesamte Grundbesitz auf der Insel in der Hand des Königs, der ihn an seine Lehnsnehmer weitergab, die wiederum ihnen untergeordnete Lehnsnehmer hatten. Grundherrschaft aus eigener Macht der Fürsten wie etwa im Heiligen Römischen Reich gab es nicht. Auch die Verwaltung Englands wurde von Wilhelm neu geregelt: Mit wenigen Ausnahmen wurden die Counties als neue, kleinere Gebiete eingeführt. An ihrer Spitze standen Earls oder Counts als königliche Lehnsnehmer. Darunter entstand aber eine weitere Schicht von Sheriffs als direkt dem König verantwortliche Beamte. Auch kirchliche Ämter wurden zunehmend von Normannen besetzt. Insgesamt führte die normannische Dominanz in der englischen Führungsschicht dazu, dass Altfranzösisch und Latein zu den dominierenden Sprachen wurden. Angelsächsisch wurde nur noch im einfachen Volk gesprochen. Im Rechtssystem machte sich der normannische Einfluss vor allem durch das neue Element der Geschworenengerichte bemerkbar sowie durch die klare Trennung der weltlichen und geistlichen Gerichtsbarkeit.

Unter Wilhelms I. Söhnen kam es zu Auseinandersetzungen um das Erbe, aus denen schließlich Heinrich I. als Sieger und als Herrscher sowohl über England als auch über die Normandie hervorging. Diese Thronauseinandersetzungen zogen unter anderem Zugeständnisse an den Adel nach sich, die Heinrich zur Absicherung seiner Herrschaft machen musste. Unter ihm wurde außerdem der Investiturstreit zwischen der englischen Krone und der katholischen Kirche ausgefochten, der mit der Regelung endete, dass die Kirche die Bischöfe mit geistlichen Vollmachten ausstatten durfte, sie aber zuvor zu Vasallen des Königs werden mussten. Bis zum Ende seiner Herrschaft richtete Heinrich mit dem Schatzamt (Exchequer), einem Verwaltungsgerichtshof und den Reiserichtern weitere Elemente einer zentralen Königsherrschaft ein. Der Verlust seines Sohnes William 1120 beim Untergang des „weißen Schiffs“ leitete Auseinandersetzungen über die Nachfolge ein, die rund 20 Jahre andauern sollten.

Bürgerkrieg und Dynastie Plantagenet

Die Herrschaft von Stephan I. (1135-1154), einem Neffen Heinrichs, war von zunehmenden Unruhen und dem Verfall der Königsherrschaft zu Gunsten des Adels geprägt. Heinrichs I. Tochter, Matilda, hatte zunächst den deutschen Kaiser Heinrich V. geheiratet und dann Gottfried von Anjou. Zusammen mit ihm und ihrem Halbbruder Robert, Graf von Glocester, sowie einem Invasionsheer kehrte sie im Herbst 1139 auf die Insel zurück. Stephan wurde 1141 gefangen genommen. Matilda erklärte sich zur Königin, stieß aber schnell auf Ablehnung in der Bevölkerung und wurde aus London vertrieben. Aufstände und Bürgerkrieg dauerten an, bis Matilda 1148 nach Frankreich zurückkehrte. Stephan regierte bis zu seinem Tod 1154 weiter, weil er 1153 unter dem Druck einer drohenden Invasion eine Übereinkunft mit Heinrich von Anjou, dem Sohn Matildas und Gottfrieds und späteren Heinrich II. von England, getroffen hatte, die diesem die Nachfolge zusicherte.

Heinrich II. aus dem Haus Anjou-Plantagenet begründete mit seinem Herrschaftsantritt und der Heirat mit Eleonore von Aquitanien das Angevinische Reich, das neben England auch Teile Frankreichs und der Iberischen Halbinsel umfasste. Zugleich stand Heinrich dadurch aber als mächtigster Fürst Frankreichs im direkten Konflikt mit der französischen Krone, in den auch England hineingezogen wurde.

Unter seiner Herrschaft erstarkte das Königtum wieder, was sich vor allem im Ausbau der Rechtsordnung ausdrückte. Alle Freien erhielten das Recht, sich bei juristischen Streitfällen direkt an den König zu wenden, Selbsthilferechte des Adels wurden eingeschränkt. Um diese Neuerungen durchzusetzen, wurden verstärkt Reiserichter und Geschworenengerichte eingesetzt. Durch Burgenbau und das Aufstellen eines Söldnerheeres machte sich der König von seinen Rittern weitgehend unabhängig. Im Verhältnis zur Kirche setzte Heinrich sich nur teilweise durch: Die Konstitutionen von Clarendon wurden 1164 von ihm erlassen. Sie sollten die königliche Gerichtsbarkeit auch auf Kleriker ausdehnen, die Kirchengerichtsbarkeit einschränken und die Appellation englischer Priester an den Papst verbieten. Dies führten zum Widerstand des Kanzlers Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury. 1170 wurde Becket (vermutlich auf „Anraten“ Heinrichs) ermordet. Die sofort einsetzende Märtyrer-Verehrung richtete sich auch gegen den König, der sich darauf öffentlich demütigen und das Appellationsverbot aufheben musste. 1169 rief ein irischer König englische Söldner zur Unterstützung bei internen Kämpfen ins Land und nahm Kontakt zu Heinrich auf. Nachdem die englischen Ritter schnell weite Teile der Nachbarinsel erobert hatten, begab sich Heinrich II. 1171 selbst nach Irland, um zu vermeiden, dass die Ritter dort zu eigenständig wurden. Auf der Synode von Cashel ließ sich Heinrich huldigen, wodurch Irland aus englischer Sicht zu einer der Krone unterworfenen Lordschaft wurde. Unterstützend gewährte die päpstliche Bulle "Laudabiliter" Heinrich das Recht, die Unterwerfung der irischen Kirche unter die römische Oberhoheit durchzusetzen.

Heinrich II. war es allerdings nicht gelungen, eine belastbare Erbregelung für sein Reich aufzustellen. Sein ältester Sohn Richard Löwenherz war bei Heinrichs Tod 1189 mit Feldzügen in Frankreich und dem Dritten Kreuzzug beschäftigt. Bei seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land geriet er in die Gefangenschaft Kaiser Heinrichs VI. Insgesamt verbrachte er in zehn Jahren Herrschaft nur wenige Monate in England. Nachdem für Richards Freilassung 1194 ein hohes Lösegeld gezahlt worden und er in sein Reich zurückgekehrt war, kämpfte er erfolgreich gegen Philipp II. August von Frankreich, doch gelang es ihm nicht, alle Gebiete zurückzuerobern, die in der Zeit seiner Abwesenheit verloren gegangen waren. So begann ein Schrumpfungsprozess des Angevinischen Reiches. In den folgenden Jahren konzentrierte Richard sich auf die Auseinandersetzung mit dem aufständischen Adel in Aquitanien. Bei der Belagerung der Burg Chalus wurde er von einem Armbrustbolzen getroffen. Er starb am 6. April 1199.

Die Herrschaft übernahm sein Bruder Johann. Als dieser in der Schlacht von Bouvines (1214) einen noch weit größeren Teil seiner Festlandsbesitzungen verlor und sich auch in Auseinandersetzungen mit der Kirche nicht durchsetzen konnte, trotzte ihm der Adel eine Reihe von Zugeständnissen ab, die in der Magna Carta von 1215 festgelegt sind. Auf die Regierungspraxis wirkte sich diese Carta freilich erst unter Heinrich III. stärker aus, weil dieser nach der Eroberung Londons durch die Franzosen entscheidende Unterstützung durch den Adel erhalten hatte und diesen daher stärker in seine Regierungsentscheidungen einbezog.

Entstehung des englischen Parlamentarismus

Unter den schwachen Königen nach Heinrich II. zeigte sich die Stabilität des durch ihn geschaffenen Systems. Die Institutionen und der Adel hielten das Königreich England trotz der Abwesenheit des Herrschers und der häufigen Opposition gegen ihn aufrecht. England begann sich schon früh vom Personenverbandsstaat zu einem vergleichsweise modernen Gebilde zu entwickeln. Unter Heinrich III. wuchs die Macht des Adels weiter: Zunächst führte ein Regentschaftsrat mit Vertretern der wichtigsten Adelshäuser die Regierungsgeschäfte für den unmündigen König. Nachdem Heinrich selbst die Herrschaft angetreten hatte, überspannte er schnell seine Kräfte durch Engagements in Sizilien, im Reich und durch den ebenso erfolglosen Versuch, die französischen Gebiete zurückzuerobern. Zudem stieß der wachsende Einfluss französischer Hofadliger auf den Widerwillen des englischen Adels. 1257 berief Heinrich III. eine Versammlung seines Großen Rates, auch Parlament genannt, ein, um finanzielle Unterstützung von den Großen (im englischen Zusammenhang meist Magnaten genannt) seines Reiches zu erhalten. Solche Versammlungen hatte es bereits zuvor gegeben. Neu war aber die Tatsache, dass die Magnaten beanspruchten, dass der König in Zukunft die Zusammensetzung und Einberufung des Parlaments sowie den Aufbau seines ständigen Beraterkreises nicht mehr selbst bestimmen sollte. In den Provisions of Oxford und in den Provisions of Westminster wurde 1258 und 1259 unter anderem festgelegt, dass ein Magnaten-Ausschuss mit 15 Mitgliedern in Zukunft alle Regierungsgeschäfte überwachen sollte und der König verpflichtet war, dreimal im Jahr ein Parlament einzuberufen. 1264 lehnte sich Heinrich III. gegen diese Vereinbarung auf, wurde aber von einem Adelsheer unter seinem Schwager Simon V. de Montfort bei Lewes geschlagen, worauf er die Provisions endgültig anerkennen musste. Simon wurde in den folgenden Jahren zum Anführer der Parlamentsbewegung, in die er auch Vertreter der Städte und des niederen Adels aufnahm. Dies wiederum rief den Widerstand des Hochadels hervor, mit dessen Unterstützung Kronprinz Eduard Simon in der Schlacht von Evesham 1265 schlug.

Eduard wurde bereits vor seinem Herrschaftsantritt 1274 zum wichtigsten Träger der königlichen Herrschaft in England. Er stärkte das Königtum, beließ aber sowohl die Magna Carta als auch die Provisionen von Westminster in Kraft. In Zusammenarbeit mit Parlament und Magnaten setzte er darüber hinaus eine umfassende Rechtsreform durch, die vor allem eine Abkehr vom germanischen Gewohnheitsrecht hin zu kodifizierten und verbindlichen Gesetzen bedeutete. Unter Eduard wurde außerdem Wales, dessen Fürsten sich bereits mehrheitlich in einem Lehnsverhältnis zur englischen Krone befanden, endgültig in das Reich eingegliedert.

Ausdehnung in die benachbarten Territorien

1277 unterwarf Eduard den mächtigsten walisischen Fürsten Llewelyn II. Anschließend leitete er durch Siedlungsgründungen und Burgenbau eine gezielte Anglisierung des Landes ein. Der darauf folgende Widerstand der Waliser wurde 1282/83 militärisch gebrochen. Darauf folgte eine weitere Eingliederungsphase, in der Wales in Grafschaften mit englischen Grafen aufgeteilt und komplett dem englischen Rechtssystem unterworfen wurde. Weitere Aufstände bis zum Ende des 13. Jahrhunderts schlug die englische Krone schnell nieder. In Schottland wurde Eduard zunächst als Schiedsrichter in einem Thronfolgestreit aktiv und versuchte den dortigen Adel über seinen Kandidaten in ein Vasallenverhältnis zur englischen Krone zu drängen. 1296 griff er direkt militärisch im nördlichen Nachbarreich ein, setzte den König ab und beanspruchte selbst die schottische Krone. Es kam zu schottischem Widerstand und bis 1314 folgten mehrere wechselseitige Feldzüge, in denen sich keine Seite durchsetzte. 1314 gelang den Schotten in der Schlacht von Bannockburn ein entscheidender Sieg, worauf Schottland bis 1603 unabhängig blieb. In Irland hatte sich seit dem Ende des 12. Jahrhunderts eine dünne englische Adelsschicht als Herrscher über nahezu das gesamte Territorium ausgebreitet. Die herrschaftlichen Institutionen Englands sowie das fortschrittlichere Wirtschaftssystem waren weitgehend übernommen worden. Allerdings setzte bereits im Hochmittelalter ein gegenläufiger Prozess ein: Die englische Herrscherschicht nahm langsam die gälische Kultur an und vermischte sich mit der verbleibenden einheimischen Adelsschicht. Teilweise wurden niedere Adlige englischer Herkunft und englische Siedlungen sogar gälischen Herren gegenüber tributpflichtig. In den Strukturen des englischen Staatsrechts setzte sich das gälische Zivil- und Strafrecht zunehmend wieder durch. Bis zum Spätmittelalter kann man von einer tatsächlichen englischen Herrschaft nur noch in der Region unmittelbar um Dublin sprechen.

Wirtschaft und Gesellschaft im Hochmittelalter

In der Zeit von der Mitte des 10. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts kam es schätzungsweise zu einer Verdreifachung der englischen Bevölkerung, vermutlich auf bis zu sechs Millionen Menschen. Diese Entwicklung hatte eine Reihe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Folgen: Der Ackerbau wurde mit der Einführung der Dreifelderwirtschaft und der Urbarmachung weiter Flächen intensiviert. Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln gelang jedoch nur in klimatisch günstigen und politisch stabilen Zeiten. Häufig wurde Getreide importiert, ebenso in größeren Mengen Wein und Holz. Wichtigste Exportartikel waren Wolle, Eisen und Zinn. Der Fernhandel lag mehrheitlich in der Hand kontinentaleuropäischer und jüdischer Kaufleute. Es gab kaum englische Handelsschiffe.

Die normannische Eroberung zog eine Veränderung der Dorfstrukturen nach sich, indem sich ländliche Siedlungen zunehmend um die Herrenhäuser des Adels gruppierten und nicht mehr in genossenschaftlich aufgebauten Dörfern nach angelsächsischer Tradition. Vor allem auf wikingische Impulse ging das Wachstum von Städten zurück. Schnell bildeten sich jedoch auch außerhalb des Danelag große Siedlungen, die bald vom König den Status von Boroughs mit Selbstverwaltung und eigener Gerichtsbarkeit erhielten. Mit Ausnahme von London, das im Hochmittelalter rund 50.000 Einwohner hatte, blieben die englischen meist deutlich kleiner als kontinentale Städte. Der Hochadel wird für das Hochmittelalter auf rund 170 Familien geschätzt. Ihnen waren rund 5000 bis 6000 Ritter nachgeordnet, die wiederum die unfreien Bauern als Vasallen hatten. Freie Bauern waren direkte Untertanen des Königs und genossen den Unfreien gegenüber rechtliche Privilegien. Da die Ritter im Verlauf des Mittelalters ihre Vasallendienste zunehmend durch Geldzahlungen ablösten, blieb ihnen zunehmend Zeit zur eigenen Bewirtschaftung eines Teils ihrer Güter, die dann nicht durch die Belehnung unfreier Bauern, sondern durch Landarbeiter auf den Rittergütern erfolgte. Eine Veränderung erlebte die Sozialstruktur, als 1290 alle Juden aus England ausgewiesen wurden.

Geistesleben im Hochmittelalter

Nach der normannischen Eroberung orientierten sich Wissenschaft und Kunst in England an der Entwicklung in Frankreich mit ihren Zentren in Paris und an den nordfranzösischen Kathedralenschulen. Auch in England wurden Schulen zunächst in den Bischofsstädten gegründet, um die Kirche mit Nachwuchs an gebildeten Klerikern zu versorgen. Universitäten begannen kurz vor 1200 in Oxford und ab 1209 in Cambridge zu entstehen, zunächst als lose Zusammenschlüsse von Gelehrten und Studenten, kurz darauf gezielt von König und Kirche gefördert und kontrolliert und ab der Mitte des 13. Jahrhunderts auch mit festen Universitätsgebäuden. Die Universitäten waren um 1220 auch die ersten Zentren des Wirkens der neuen Bettelorden, der Dominikaner und Franziskaner, in England.

Sprachlich hatte die normannische Eroberung zu einer Zweiteilung geführt: Während die Oberschicht Französisch sprach, blieb Englisch die Sprache der Mehrheit. Nachdem die französischen Teile des Angevinischen Reiches verloren gegangen waren, setzten sich zunächst beim Landadel verschiedene mittelenglische Dialekte durch. Später dominierte der Dialekt der Region um London und wurde zum Ursprung der modernen englischen Sprache.

England im Spätmittelalter

Der Hundertjährige Krieg

Das Erstarken des französischen Königtums führte dazu, dass Philipp VI. 1337 die Gascogne konfiszierte, weil der englische König Eduard III. seine Vasallenpflicht ihm gegenüber verletzt hatte. Eduard wollte eine weitere Beschneidung der festländischen Gebiete nicht hinnehmen. Darüber hinaus war die Gascogne für den englischen Wollhandel nach Flandern von großer Bedeutung und hätte Frankreich den direkten Zugriff auf den Ärmelkanal ermöglicht. Eine Rolle spielte auch die Tatsache, dass sich der geflohene schottische König am französischen Hof aufhielt. Im Gegenzug zur Konfiskation erhob Eduard III. Anspruch auf den französischen Thron, was den Hundertjährigen Krieg auslöste. Nach einem Seesieg bei Sluys (1340) landete Eduard mit vier auf breiter Front operierenden Heeren auf dem französischen Festland. Nach dem Sieg in der Schlacht von Crécy-en-Ponthieu (1346) und der Eroberung von Calais durch die Engländer musste der französische König einen Waffenstillstand eingehen. Der neue Beginn der Kämpfe 1355 und ein weiterer englischer Sieg unter der Führung des „Schwarzen Prinzen“ 1356 bei Maupertuis zogen eine tiefe Krise Frankreichs nach sich. Im Frieden von Brétigny sicherte sich Eduard III. 1360 große Gebietsgewinne in Frankreich.

Danach setzte eine Phase militärischer Misserfolge für die Engländer ein. Zudem belastete die gesamte Kriegsführung die Staatskasse immer mehr und auch die katastrophalen Folgen der ersten Pestwelle von 1348 erschütterten die englische Wirtschaft schwer. Die schwierige militärische Lage bei gleichzeitiger Wirtschaftskrise und Kämpfermangel stürzte die Krone in erhebliche Finanzschwierigkeiten. Der Geldmangel konnte nur mit neuen Steuern beseitigt werden, die die Parlamente dem König auch gewährten. Als Gegenleistung erhielten sie ein Bewilligungsrecht für alle zukünftigen Steuererhebungen. Damit bekamen die Parlamente ihr über Jahrhunderte hinweg entscheidendes Machtmittel dem König gegenüber in die Hand. Darüber hinaus setzten sie die Abschaffung der Reiserichter und damit einer Kontrollinstanz durch, die durch die stationären Friedensrichter ersetzt wurden. 1376 setzte das „Gute Parlament“ erstmals in Zusammenarbeit von Commons und Lords eine Umgestaltung des königlichen Beraterkreises durch. 1383 scheiterte ein Feldzug Richards II. nach Flandern. Darauf folgte bis 1415 eine Phase fortgesetzter Waffenstillstände, in denen der Hundertjährige Krieg weitgehend ruhte.

Richard II. hatte in der Spätphase seiner Herrschaft mit Aufständen zu kämpfen. Als er sich auf einem Feldzug gegen den aufständischen späteren Heinrich IV. in Irland befand, formierte sich in Nordengland unter der Führung des Erzbischofs von Canterbury eine bewaffnete Opposition. Nach seiner Rückkehr wurde Richard 1399 in England von Heinrich gefangen gesetzt, im Londoner Tower eingekerkert und zur Abdankung gezwungen. Das Parlament sanktionierte dieses Vorgehen und sprach Heinrich die Krone zu. Damit hatte es eine bis dahin einmalige Machtfülle erreicht.

1415 nutzte der Sohn Heinrichs IV., Heinrich V., Thronfolgeunruhen in Frankreich, um erneut militärisch auf dem Kontinent aktiv zu werden. In der Schlacht von Azincourt erzielte er einen überragenden Sieg, eroberte bis 1419 die gesamte Normandie und schloss ein Bündnis mit Burgund. Nach dem Tod Heinrichs V. 1422 flammte der Krieg erst 1428 wieder auf. Johanna von Orleans entwickelte sich auf französischer Seite zur charismatischen Führungsfigur, zudem zerbrach das englisch-burgundische Bündnis. Es folgte eine Reihe französischer Erfolge, die von der Eroberung Bordeaux’ 1453 gekrönt wurden. England hatte bis auf Calais seine festländischen Besitzungen verloren. Damit war der Hundertjährige Krieg praktisch beendet.

In der Kirchenpolitik lässt sich in der Zeit des Krieges mit Frankreich eine zunehmende Distanzierung der englischen Kirche von dem durch das Schisma geschwächten Papsttum ausmachen. In mehreren Statuten aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errang die Krone die Kontrolle über das Pfründewesen und schränkte die Möglichkeiten zur Appellation nach Rom ein. Schließlich wurden die Kleriker dem König steuerpflichtig. Dennoch verschwand der päpstliche Einfluss nicht ganz. Eine geistliche Herausforderung entstand mit der vorreformatorischen Lollarden-Bewegung des John Wycliff, die ein mystisches Christentum mit allgemeinem Priestertum propagierte. Ab 1380 gewann Wycliff Unterstützer in Parlaments- und Adelskreisen. Darüber hinaus entwickelten sich im Umfeld der Lollarden 1381, 1414 und 1431 Bauernaufstände.

Die Rosenkriege

Die Absetzung Richards II. durch den späteren Heinrich IV. und die Misserfolge im Hundertjährigen Krieg waren die Gründe für den Ausbruch der Rosenkriege. Bei ihnen handelte es sich um einen Machtkampf um die englische Krone, der zwischen dem Haus von Lancaster, dessen Wappen eine rote Rose enthielt, und dem Haus von York, welches eine weiße Rose im Wappen führte, ausgetragen wurde. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe waren das Vorhandensein großer Armeen nach dem Hundertjährigen Krieg, die keine Betätigungsfelder außerhalb Englands mehr hatten, sowie die Folgen der Pest.

Die Usurpation Heinrichs IV. hatte beträchtliche Unsicherheit über die Erbfolge des englischen Throns hinterlassen. Unter Heinrich VI. schwächten Regentschaftsperioden wegen Minderjährigkeit und folgender geistiger Krankheiten die Königsherrschaft weiter. In dieser Lage beanspruchten York und Lancaster, beide mit den Plantagenets verwandt, die Herrschaft. Nach wechselvollen Kämpfen ließ sich Eduard von York 1461 als Eduard IV. krönen. Bis 1471 hatte er sich auch militärisch durchgesetzt, worauf er Heinrich VI. ermorden ließ. Ein erfolgreicher Feldzug nach Frankreich sicherte 1475 Eduards Herrschaft auch finanziell. Die Rosenkriege flammten 1483 noch einmal auf, als Eduards Bruder Richard III. seine Neffen, die Thronerben, gefangensetzen und vermutlich auch ermorden ließ und sich selbst zum König erklärte. Darauf kam es zu Aufständen in England, die sich der nach Frankreich geflohene letzte Lancaster-Erbe Heinrich Tudor zu Nutze machte. In der Schlacht von Bosworth Field 1485, wurde Richard III. erschlagen. Heinrich Tudor wurde als Heinrich VII. zum neuen König, heiratete 1486 Elisabeth von York, die Tochter des toten Eduard des IV und vereinte dadurch die beiden verfeindeten Häuser. Damit leitete er eine Phase der Stabilität der englischen Krone ein.

Die letzte Erhebung der Waliser

Zuvor wurde die endgültige Niederlage der walisischen Aufständischen unter der Führung des Prinzen Owen Glendower 1412 von Prinz Henry (dem späteren Heinrich V.) besiegelt. Dieser Versuch, die englische Herrschaft abzuschütteln, war die letzte größere Erhebung der Waliser. 1497 führte Michael An Gof Rebellen aus Cornwall in einem Marsch auf London. In einem Kampf am Fluss Ravensbourne in der Schlacht von Deptford Bridge, kämpften An Gof und seine Männer am 17. Juni 1497 für die Unabhängigkeit von Cornwall, wurden aber besiegt. Dieser Kampf war die letzte größere Rebellion bis zum Bürgerkrieg.

Wirtschaft und Gesellschaft im Spätmittelalter

Nach der Wachstumsphase des Früh- und Hochmittelalters prägte im Spätmittelalter die Pest die Entwicklung in England. Nach zwei schweren Pestschüben 1348 und 1361/62 kam es zu mehreren kleinen Ausbrüchen der Seuche, die die Bevölkerung in etwa halbierten. Diese Entwicklung zog einen verbreiteten Arbeitskräftemangel nach sich, von dem nach einer anfänglichen schweren Wirtschaftskrise vor allem die überlebende Landbevölkerung profitierte: Landarbeiter erhielten höhere Löhne, freie Bauern kauften das frei gewordene Land und stiegen teilweise zu Großbauern (Yeomen) auf. Die Konkurrenz durch selbst bewirtschaftete Güter der Adligen ging zurück, da diese sich angesichts der steigenden Löhne aus der Landwirtschaft zurückzogen und sich vom Ackerbau ab- und der Schafzucht zuwendeten. Zwar gerieten auch einige kleinere freie Bauern neu in die Abhängigkeit, doch erhielt die Mehrheit der Unfreien von ihren Herren weitergehende Rechte, die zunehmend auch schriftlich fixiert und damit gerichtlich einklagbar wurden. Bis zum Ende des Mittelalters war die Leibeigenschaft dadurch weitgehend verschwunden. Insgesamt wuchs das Standesbewusstsein der Landbevölkerung, was sich am deutlichsten im Bauernaufstand von 1381 um Wat Tyler ausdrückte. Auf den Adel hatte insbesondere die erste, erfolgreiche Phase des Hundertjährigen Krieges grundlegende Auswirkungen. Das klassische Vasallenverhältnis wandelte sich zu Vertragsbeziehungen, bei denen die Krone oder Hochadlige sich mit lebenslangen Unterhaltszahlungen die militärischen Dienste des Landadels erkaufte. Dies steigerte einerseits die Fähigkeit der Krone zu lang anhaltenden Kriegszügen, stellte aber andererseits den Magnaten schlagkräftige Privatarmeen zur Verfügung.

Nachdem die großen Pestzüge vorbei waren, beschleunigte sich die Entwicklung der Städte, allen voran London. Erstmals entstand eine größere Schicht einheimischer Fernkaufleute. London profitierte vor allem von seiner ab dem 13. Jahrhundert feststehenden Funktion als Königssitz. Zur Versorgung des Hofes erhielten Händler- und Handwerkergilden Privilegien. Der Geldbedarf des Königs legte den Grundstein für das Londoner Bankenwesen. Die Eroberungen in der Frühphase des Hundertjährigen Krieges steigerten die in England im Umlauf befindliche Geldmenge, so dass sich die Geldwirtschaft in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts endgültig durchsetzte.

Parallel zum Ausbau der Schafzucht und des Fernhandels wurde die Rohwolle verstärkt im Land zu Tuch weiterverarbeitet, was eine größere Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeitsplätze für die Landbewohner nach sich zog.

Die Tudor-Epoche

Konsolidierung der Tudor-Herrschaft

Spätestens mit der Geburt seines Sohnes Arthur am 19. September 1486 war die Position Heinrichs VII. als König weitgehend stabil. In den folgenden Jahren bemühte er sich vor allem, dasHeinrich VIII. von England, gemalt von Hans Holbein Aufstandpotenzial unter den verbliebenen Anhängern des Hauses York zu bekämpfen und die königlichen Finanzen zu stabilisieren. Dazu schuf er eine Reihe von Ämtern, deren Inhaber Gebühren abzutreten hatten. Besondere Steuern, die ein Parlament hätte bewilligen müssen, nahm er nur selten in Anspruch, um die Abhängigkeit von der Versammlung klein zu halten. Den Einfluss der großen Adelshäuser drängte Heinrich in der Endphase seiner Herrschaft durch die Einrichtung des Council of the North und des Council of Wales zurück. Diese beiden Versammlungen bezogen jeweils unter dem Vorsitz eines Bischofs nicht nur die Magnaten, sondern auch den niederen Landadel in die politischen Entscheidungen über die jeweilige Region ein. Darüber hinaus richtete Heinrich VII. weitere Beratergremien ein, in denen nicht mehr die Magnaten dominierten, sondern zum Teil auch Mitglieder des Bürgertums einflussreich wurden.

Erste Regierungsjahre Heinrichs VIII.

Sein Sohn, König Heinrich VIII., versuchte noch einmal, die Festlandsgebiete zurückzuerobern. Die Feldzüge in Frankreich brachten jedoch keine dauerhaften Erfolge. Lediglich 1513 gelang mit einem überproportionalen militärischen Aufwand die Eroberung von Thérouanne und Tournai. Diesen Feldzug nutzte Jakob IV. von Schottland, um in Nordengland einzufallen. Sein zahlenmäßig überlegenes Heer wurde von den englischen Verteidigern in der Schlacht von Flodden Field geschlagen, bei der auch der König fiel. Sein Sohn Jakob V. war minderjährig und so übernahm seine Mutter Margaret Tudor, eine Schwester Heinrichs VIII., die Regentschaft, was dem englischen König großen Einfluss in Schottland sicherte. Abgesehen von seinen Feldzügen kümmerte sich Heinrich VIII. allerdings wenig um Politik. Dieses Feld überließ er weitgehend seinem Berater Thomas Wolsey. Der Mann von einfacher bürgerlicher Herkunft wurde zu einem der mächtigsten Männer Englands, stürzte aber 1529 über seine gescheiterten Versuche, bei den Auseinandersetzungen zwischen dem Habsburgerreich und Frankreich als Schiedsrichter aufzutreten sowie eine Scheidung der königlichen Ehe zu erreichen.

Im Verlauf der ersten Herrschaftsjahre Heinrichs VIII. rückte die Frage nach der Thronfolge und damit nach der Ehe des Königs in das Zentrum der Politik. Mit Katharina von Aragon, die zuvor mit Heinrichs verstorbenem Bruder verheiratet gewesen war, hatte er nur die 1516 geborene Maria als Kind. Mehrere Fehlgeburten folgten. Ein fehlender Thronerbe hätte aber katastrophale Folgen für das Fortbestehen der Tudor-Dynastie gehabt. In dieser Lage lernte Heinrich Anne Boleyn kennen, die sich aber nicht mit der Position der Mätresse bescheiden wollte, sondern verlangte, dass sie Königin würde. Verhandlungen mit dem Papst über eine Scheidung Heinrichs von Katharina begannen. Sie blieben jedoch weitgehend erfolglos, vor allem auf Betreiben von Kaiser Karl V., einem Neffen Katharinas. Über diesen Misserfolg stürzte Wolsey endgültig. Sein Nachfolger als Kanzler wurde Thomas More, der sich aber weigerte, die Scheidungsverhandlungen weiterzuführen.

Der Bruch mit Rom

Zugleich wurde in dieser Zeit in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche immer größer. Vor allem die Einnahmen der Kleriker aus Pfründen und die oft mangelhafte Seelsorge in den Gemeinden lösten wachsende Empörung aus. Im Herbst 1529 formulierten in einem Parlament vor allem Londoner Kaufleute und Juristen die Kritik an der Kirche in einer bis dahin unbekannten Schärfe. 1530 erhob der König Anklage gegen den gesamten englischen Klerus wegen angeblicher Verstöße gegen das Kirchenrecht. Im Januar 1531 zwang Heinrich VIII. die englische Bischofsversammlung, die Hoheit des Königs über das Kirchenrecht zu akzeptieren. Darüber hinaus forderte der König die Abschaffung des Rechts zur Appellation an den Papst, was ihm nicht nur freie Hand bei seiner Scheidung verschafft, sondern die englische Kirche weitgehend dem Zugriff Roms entzogen hätte. Außerdem sollte der Erzbischof von Canterbury als höchster Kleriker in England anerkannt werden, eine Stellung, die er zuvor gemeinsam mit dem Erzbischof von York innehatte. Den theoretischen Unterbau für diese Ansprüche bildete der in der Forschung so genannte Caesaropapismus, der dem weltlichen Herrscher auch die Hoheit über die Kirche in seinem Territorium zusprach. Diese Machtposition wollte Heinrich VIII. erreichen. Unterstützung bekam er vom Erzbischof von Canterbury, Thomas Cranmer. Im Januar 1533 erklärte Anne Boleyn, dass sie von Heinrich VIII. schwanger sei. Cranmer traute die beiden daraufhin sofort. Im Mai erklärte ein von ihm dominiertes Gericht die Ehe zwischen Heinrich und Katharina für ungültig, was bedeutete, dass die Tochter Maria unehelich und damit nicht erbberechtigt sei. Der Papst annullierte das Urteil und exkommunizierte Cranmer und den König. In dieser Lage kam am 7. September 1533 Elisabeth, die Tochter Heinrichs und Anne Boleyns, zur Welt.

Mit der Suprematsakte legten König und Parlament 1534 endgültig die Unabhängigkeit der englischen Kirche von Rom und die Stellung des Königs als ihr Oberhaupt fest. Darüber hinaus wurden zahlreiche, vor allem juristische, Sonderrechte des Klerus abgeschafft. Dies war die Geburtsstunde der Anglikanischen Kirche. In den folgenden Jahren wurden, vor allem auf Betreiben des Generalvikars Thomas Cromwell, zahlreiche Verordnungen erlassen, die auch in Liturgie und Kirchenlehre eingriffen. Das Vorgehen des Königs löste erheblichen Widerstand aus. So lehnten die Mönchsorden die Lösung von Rom und die Scheidung des Königs ab. Heinrich VIII. ließ darauf bis 1540 sämtliche Ordensniederlassungen auflösen. Die Ländereien der Orden sowie ein Großteil des Landbesitzes der Weltkirche ging in den folgenden Jahren an die Krone und den Adel. Zahlreiche hochrangige Kleriker weigerten sich, die Suprematsakte per Eid anzuerkennen, unter ihnen auch Kanzler Thomas More, der dafür 1535 hingerichtet wurde. 1536 formierte sich in Nordengland die Pilgrimage of Grace, ein bewaffneter Pilgerzug mit schätzungsweise 35.000 Mitgliedern. Heinrich sagte zu, dass er über die Forderungen der Pilger verhandeln werde, die weit über den Protest gegen die königliche Kirchenpolitik hinausgingen. Auf diese Versprechen hin löste sich der Zug auf, worauf der König den Anführern den Prozess machen ließ.

Mit dem kirchenpolitischen Machtgewinn war das drängendste Problem Heinrichs VIII. nicht gelöst: das Fehlen eines männlichen Erbes. Im Mai 1536 ließ er Anne Boleyn hinrichten, offiziell wegen mehrfachen Ehebruchs. Wenige Tage darauf heiratete der König die Hofdame Jane Seymour. Sie brachte am 12. Oktober 1537 den Thronfolger Eduard zur Welt und starb im Kindbett. Bei der Suche nach einer neuen Frau für den König spielte die gesamteuropäische Religionspolitik eine zentrale Rolle. Thomas Cromwell machte sich für ein Bündnis mit den protestantischen Kräften im Reich stark und vermittelte eine Ehe Heinrichs mit Anna von Kleve. Als die Braut in England ankam, war der König angesichts ihrer reizlosen Erscheinung entsetzt, ging aber aus Bündnisgründen die Ehe ein. Allerdings fiel Cromwell dadurch in Ungnade und wurde am 28. Juli 1540 wegen Verrats und Ketzerei hingerichtet. Eine Hofpartei hatte sich bereits zuvor gegen Cromwell für ein Bündnis mit Frankreich eingesetzt. Sie brachte nun entsprechende Verhandlungen auf den Weg und führte Heinrich die attraktive Catherine Howard zu. Die Ehe mit Anna von Kleve wurde umgehend geschieden, und Heinrich heiratete am Tag der Hinrichtung Cromwells Catherine.

Gleichzeitig ging Heinrich VIII. militärisch gegen das mit Frankreich verbündete Schottland vor. Bei Solway Moss schlug 1542 ein englisches Heer die schottischen Truppen vernichtend. Vermutlich aus Schrecken über diese Nachricht starb der schottische König Jakob V. 1543 startete Heinrich von Calais aus einen Feldzug gegen Frankreich, der mit einem großen militärischen Aufgebot lediglich die Eroberung Boulognes zur Folge hatte und damit eine strategische Niederlage war. Am 28. Januar 1547 starb Heinrich VIII.

Die Krise der Tudors

Die Regierungsgeschäfte für den noch unmündigen Eduard VI. übernahm der 16-köpfige Privy Council, in dem sich schnell der Protektor Edward Seymour, der Bruder von Eduards Mutter, eine dominierende Stellung einnahm. Seymour musste sich mit mehreren Problemen auseinandersetzen: Im Krieg gegen Frankreich und Schottland verlangte die öffentliche Meinung von ihm Erfolge, gleichzeitig belasteten die Feldzüge die Staatskasse schwer. Außerdem war der kirchenpolitische Kurs unter den Mitgliedern des Councils und den Magnaten umstritten. Während einige einen Anschluss an die Reformation verlangten, gab es auch zahlreiche Stimmen für eine weitgehende Beibehaltung alter Glaubenspraktiken trotz der Lösung von Rom. Edward Seymour hob angesichts dieser Frage zahlreiche Zensur- und Häresiegesetze auf, so dass sich eine breite Debatte entfaltete und ihn der Notwendigkeit zentraler Regelungen enthob. Mit mehreren Detailgesetzen vor allem zur Liturgie begünstigte der Lord Protector allerdings den Protestantismus. Das Wichtigste war das Uniformitätsgesetz von 1549, das das erste Book of Common Prayer als verbindliche Gottesdienstordnung festschrieb.

Gleichzeitig spitzte sich die soziale Lage zu. Grund dafür waren die hohen Abgaben zur Finanzierung des Krieges, das Bevölkerungswachstum sowie Missernten und die Inflation. Diese Spannungen entluden sich 1549 in Devon und Cornwall in der Western Rebellion. Anlass für die Erhebungen war allerdings die Kirchengesetzgebung. Kleriker, die sich gegen die Beschneidung der kirchlichen Macht und für eine Beibehaltung alter Gottesdienstformen einsetzten, wurden zu Anführern der Rebellion. 1552 folgte ein zweites Book of Common Prayers, mit dem die Anglikanische Kirche sich endgültig dem Protestantismus anschloss.

Ab 1551 verlor Edward Seymour seine Macht zunehmend an John Dudley, 1. Herzog von Northumberland, den Vorsitzenden des Privy Council. Dieser bemühte sich, den Krieg zu beenden und die Massenarmut zu bekämpfen. In dieser Situation erkrankte der wenig robuste Eduard VI. 1553 an Tuberkulose. Da sein Tod absehbar war, rückte eine alternative Thronfolge in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung. Offiziell war Maria I. weiterhin erbberechtigt. Als bekennende Katholikin hätte ihre Regierung erhebliche Umwälzungen und wohl auch die Absetzung und Bestrafung des Protestanten Dudley bedeutet. Dieser versuchte darauf entgegen der Thronfolgeregelung Jane Grey, eine Großnichte Heinrichs VIII., zur neuen Königin aufzubauen. Als Eduard VI. im Juli 1553 starb, beanspruchte Dudley den Königstitel für Grey, während Maria sich gleichzeitig selbst zur Königin ausrief. Ein Versuch Dudleys, Maria gefangen zu nehmen, scheiterte, da seine Truppen desertierten, weil sie, wie die Mehrheit der Bevölkerung, Maria unabhängig von ihrer Konfession als legitime Königin ansahen. Bald unterstützte auch der Council Maria. Dudley wurde hingerichtet.

Die Herrschaft Marias I.

Am Anfang ihrer Herrschaft setzte Maria auf eine integrative Politik. Sie ließ einen Großteil des alten Privy Councils in seiner Machtposition und ergänzte das Gremium durch persönliche,Maria I. von England meist katholische Vertraute. Zunächst machte sich ihre Rekatholisierungspolitik vor allem durch die Absetzung weniger, ausgesprochen protestantischer Bischöfe und die Einsetzung entschiedener Katholiken bemerkbar. 1553 wurde die alte, katholische Liturgie weitgehend wiederhergestellt und die religiöse Zensur wieder verschärft. Jedoch führte erst Marias Heiratspolitik zu einer Verschärfung der konfessionellen Auseinandersetzungen. Durch ihre Heirat mit Philipp II. von Spanien 1554 stellte sie eine Verbindung zur führenden katholischen Macht dar, die von den Magnaten und großen Teilen der englischen Bevölkerung abgelehnt wurde. Zwar machte sie zahlreiche Zugeständnisse, die eine spanische Einflussnahme auf die englische Politik verhindern sollte, dennoch wuchs die Unzufriedenheit mit ihrer Herrschaft. Ebenfalls 1554 wurde die anglikanische Kirche wieder Rom unterstellt. Vorerst erklärten sich die Magnaten und der Hochadel damit einverstanden, weil sie ihre Erwerbungen aus Kirchengut behalten durften. Die im gleichen Jahr wiederhergestellten Ketzergesetze bildeten jedoch die Grundlage für die Verfolgung der Protestanten ab dem folgenden Jahr, in deren Verlauf knapp 300 Menschen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Ein durchschlagender Erfolg der Rekatholisierung blieb jedoch aus, vor allem weil Maria bereits 1558 starb, ohne einen Thronerben geboren zu haben. Lediglich außenpolitisch kam es zu einer Annäherung an Spanien, indem England sich ihm 1557 im Krieg gegen Frankreich anschloss, ein Unternehmen, das sich jedoch zu einem Desaster entwickelte, als am 7. Januar 1558 Englands letzter Brückenkopf auf dem Kontinent, die Hafenstadt Calais, von Frankreich erobert wurde. Abgesehen davon gelang es Maria jedoch, die Krone durch eine Reihe von Reformen auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen und ein Flottenbauprogramm in die Wege zu leiten, das für England in den folgenden Jahrhunderten eine bedeutsame Rolle spielen würde.

Geistesleben im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

Die Sprache des Londoner Umlandes setzte sich zunehmend als gesamtenglische Hochsprache durch, wobei sie zahlreiche Lehnwörter aus dem Französischen übernahm. Nachdem die Literatur im Hochmittelalter fast ausschließlich einen kirchlichen Zusammenhang hatte, traten zum Ende des Mittelalters hin vermehrt Laien als Autoren auf. Das sich herausbildende englische Nationalbewusstsein schlug sich zunehmend auch in der in Landessprache verfassten Literatur nieder. Die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben verbreitete sich zunehmend unter den städtischen Handwerkern und Händlern. 1525 erschien die erste englische Ausgabe des Neuen Testaments, die direkt aus der Vulgata übersetzt worden war. Allerdings machte sich beginnend mit der Renaissance im 15. Jahrhundert eine Rückbesinnung auf die Antike im Zeichen des Humanismus bemerkbar. Ebenfalls in diesem Jahrhundert ist eine Welle von kirchen-unabhängigen Schulgründungen feststellbar. In den Lehrplänen der Universitäten von Oxford und Cambridge wurden im Rahmen der Reformation unter Heinrich VIII. die religiösen Fächer aus ihren dominierenden Stellungen befreit. Ab 1500 stiegen die Zahlen der Studierenden deutlich an. Zunehmend nutzten adlige Söhne die Universitäten, da der Adel insgesamt höheren Wert auf Bildung legte. Ebenfalls als Folge der Reformation löste Englisch Latein als Messsprache ab. Bildende Kunst und Architektur erlebten als Folge der religiösen Umbrüche und der damit verbundenen Kirchenplünderungen im 16. Jahrhundert eine Phase, in der kaum neue Werke entstanden.

Das Elisabethanische Zeitalter

Der Thronfolgeregelung Heinrichs VIII. zufolge und auch nach den Zusicherungen, die Maria I. bei ihrer Heirat den Magnaten gemacht hatte, bestieg Elisabeth I. 1558 den Thron. Die neue,Das Armadaporträt Elisabeths I. wurde 1588 als Reaktion auf den Sieg über die spanische Armada gemalt. protestantische Königin wurde vom Volk begeistert aufgenommen. Vom Beginn ihrer Herrschaft an war eine mögliche Heirat der Königin das bestimmende Thema. Mehrfach forderten Parlamente sie dazu auf, mit dem Ziel, einen männlichen Thronfolger zu erhalten.

Durchsetzung der Reformation

Zunächst wurde Elisabeth aber religionspolitisch für den Protestantismus aktiv. Noch im Jahr ihrer Thronbesteigung hob sie die römische Hoheit über die englische Kirche wieder auf. 1559 ließ sie sämtliche Beamte, darunter alle Geistlichen, einen Eid auf sich als Oberhaupt der Kirche schwören. 17 Bischöfe, die von Maria eingesetzt worden waren, verweigerten diesen Eid und wurden ihrer Ämter enthoben. Die religiöse Konformität der einfachen Bevölkerung wurde im gleichen Jahr mit einer Pflicht zum Gottesdienstbesuch festgeschrieben. Theologisch wurde die Anglikanische Kirche 1563 mit den vom Klerus erstellten 39 Articles endgültig auf den Protestantismus ausgerichtet, die 1571 Gesetzeskraft erhielten. Entschiedene Protestanten, denen dies nicht weit genug ging, sammelten sich in der Bewegung der Puritaner, von denen ein Teil sich ab 1570 unter der Bezeichnung Presbyterianer weiter radikalisierte. Elisabeth ließ gegen diese Strömungen scharf vorgehen, so dass es in der Anglikanischen Kirche ab 1590 praktisch keinen Widerstand gegen die königliche Kirchenpolitik mehr gab. Rom reagierte auf die Hinwendung zum Protestantismus 1570 mit der Exkommunikation Elisabeths und einer gezielten Gegenreformation. Ab 1574 sickerten katholische Geistliche, bald auch Jesuiten, nach England ein. Insgesamt sollen während der Regierungszeit Elisabeths 650 katholische Priester in England gewirkt haben. Sie wurden vor allem verdeckt in den Haushalten von Adel und Gentry aktiv, im einfachen Volk fand der Katholizismus keine Anhänger mehr. Elisabeth reagierte mit scharfen antikatholischen Gesetzen. Ab 1585 wurde die Todesstrafe gegen entdeckte katholische Priester verhängt. Insgesamt ließ Elisabeth 133 Priester und 63 katholische Laien hinrichten.

Wachsender Einfluss auf Schottland

Elisabeths erste außenpolitische Aktivitäten konzentrierten sich auf Schottland. Dort hatte Marie de Guise, die Witwe Jakobs V., sich den massiven Unmut des Adels zugezogen, weil sie mit Hilfe zahlreicher französischer Berater und Soldaten regierte. Elisabeth unterstützte einen 1559 ausbrechenden Aufstand protestantischer schottischer Adliger. Nach dem Tod Marias 1560 wurde der Vertrag von Edinburgh geschlossen, der den englischen Einfluss auf Schottland steigern und den französischen vermindern sollte. Kurz darauf kam jedoch Maria Stuart, die Witwe Franz’ II. von Frankreich, nach Schottland und machte ihre Ansprüche auf den Thron geltend. Da sie erbrechtlich die legitime Thronfolgerin war, akzeptierten auch die protestantischen Adligen zunächst die katholische Königin. Nachdem Maria jedoch 1567 ihren schottischen Gatten töten ließ, brach ein allgemeiner Aufstand gegen sie los, der sie dazu zwang, zu Gunsten ihres einjährigen Sohnes Jakob auf die Krone zu verzichten und einen protestantischen Regenten anzuerkennen. Im Mai 1568 floh Maria Stuart nach England und begab sich unter den Schutz Elisabeths. Diese befand sich damit in einer politischen Zwickmühle: Maria war eindeutig die legitime, durch einen Aufstand vertriebene Königin Schottlands. Hätte Elisabeth diesen Anspruch aber unterstützt, wäre im Nachbarland wieder eine katholische Herrscherin auf den Thron gekommen. Obwohl die Parlamente wiederholt auf die Hinrichtung Maria Stuarts drängten, erfolgte diese erst am 8. Februar 1587.

Konflikt mit Spanien

Unterdessen hatte sich das Verhältnis zwischen England und Spanien verschlechtert. Während Spanien den Katholizismus in England unterstützte, griffen englische Freibeuter mit Billigung Elisabeths spanische Schiffe im Ärmelkanal an und unterstützte England die protestantischen Niederlande bei ihrem Aufstand gegen die spanische Herrschaft. Darauf reagierte Spanien mit Angriffen auf die englisch-niederländischen Handelslinien. 1569 brach im Norden Englands ein von Spanien unterstützter Aufstand los, den Elisabeth nur mit massiver Gewaltanwendung und dank der Unterstützung durch die protestantischen Kräfte Schottlands niederschlagen konnte. Elisabeth intensivierte darauf ihre Unterstützung für die inzwischen organisierten Aufständischen in den Niederlanden um Wilhelm von Oranien. 1574 entspannte sich die Lage vorübergehend, als Philipp II. und Elisabeth I. ein Abkommen schlossen, das ihnen gegenseitig die Unterstützung von Rebellen untersagte und den Handel zwischen beiden Reichen wieder anlaufen ließ. Dennoch wuchsen in England und Spanien jeweils die inneren Ressentiments gegen den anderen Staat. Schließlich beschloss Philipp 1585 eine groß angelegte Invasion Englands, bei der er vom Vatikan finanziell massiv unterstützt wurde.

1588 besiegte die technisch überlegene englische Flotte die Armada in einer Reihe von Seeschlachten im Kanal. Stürme vernichteten die fliehende spanische Flotte endgültig. Damit begann Englands Aufstieg zur See- und Kolonialmacht. Zwar hatte es bereits um 1500 erste englische Expeditionen nach Nordamerika gegeben, doch war zunächst keine gezielte Eroberungspolitik betrieben worden. Überseehandel im größeren Umfang fand erst ab 1550 statt und beruhte vor allem auf den Initiativen einzelner englischer Händler. Im Verlauf der Auseinandersetzung mit den Spaniern unterstützte die Krone zunehmend den Handel und die Freibeuterei im Einflussbereich Spaniens. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Seefahrtnation England mit der Weltumseglung Francis Drakes 1577 bis 1580. In der englischen Öffentlichkeit propagierten mehrere Kampagnen die Kolonisierung und den Überseehandel.

Ab 1600 kam es in Irland, das noch über einen großen katholischen Bevölkerungsanteil verfügte, zu einem von Spanien mit Truppen unterstützten Aufstand gegen die englische Herrschaft. Bis 1607 schlugen die englischen Truppen die Bewegung aber nieder. Nach dieser Entscheidung begann die englische Kolonisierung, die zuvor nur in kleinen Schritten vorangegangen war, die ganze Insel zu umfassen.

Letzte Herrschaftsjahre Elisabeths

Ab 1590 begann der Rückhalt für Elisabeth I. zu schwinden. Wichtigster Grund dafür war die wachsende Steuerlast. Bis zum Sieg gegen die Spanier hatte sie die Bevölkerung nur gering finanziell belastet. So musste sie in den 45 Jahren ihrer Herrschaft die Parlamente, deren Hauptaufgabe die Bewilligung neuer Steuern waren, nur 13 Mal einberufen. Da aber auf die Vernichtung der Armada fortgesetzte Kämpfe mit Spanien folgten, wuchs der Geldbedarf des Staates rasch. Zudem hatte Elisabeth ein System aus Ämtern am Hof, im Justizsystem und der Kirche sowie wirtschaftliche Privilegien geschaffen, mit der sie wichtige Magnaten belohnte. Dieses System verschlang in den Jahren vor ihrem Tod 1603 immer größere Summen und belastete den Haushalt zusätzlich.

Wirtschaft und Gesellschaft im 16. Jahrhundert

Um 1550 war die englische Bevölkerung nach der Pest wieder auf rund drei Millionen angewachsen. Die Landbevölkerung stellte bei weitem die Mehrheit. Allerdings verfügte London um 1500 bereits über 60.000 Einwohner und wuchs bis zum Ende des Jahrhunderts auf rund 215.000 Menschen an. Die um 1500 nächstgrößeren Städte waren deutlich kleiner: Norwich mit 12.000 und Bristol mit 10.000 Einwohnern. In London bildete sich auch eine einflussreiche Fernhändlerschicht, die vor allem die Route London-Antwerpen bediente und sich mit der Gilde der Merchant Adventurers um 1500 erstmals einen institutionellen Rahmen gab. Nicht zuletzt diese von den Königen mit vielen Privilegien versehene Gilde führte zum Aufstieg Londons und zugleich zum Verkümmern des Fernhandels in den übrigen Hafenstädten Englands.

Das starke Bevölkerungswachstum und die endgültige Durchsetzung der Geldwirtschaft in allen Lebensbereichen führte zu einem erheblich wachsenden Bedarf an Münzgeld, der wiederum eine deutliche Verschlechterung des Münzmetalls und eine Inflation nach sich zog. Diese Entwicklung führte zur Verelendung weiter Kreise der Arbeiterschaft, die auf die in Geld ausgezahlten Löhne angewiesen war. Gewinne machten dagegen sowohl adlige als auch bäuerliche Grundbesitzer sowie Lebensmittelhändler und teilweise auch Pächter mit langfristigen Pachtverträgen. Insgesamt stieg die Bedeutung der Lebensmittelproduktion für den Verkauf und nicht mehr nur für den eigenen Unterhalt stark an, insbesondere zur Versorgung der stark wachsenden Metropole London. Dies zog auch technische Neuerungen nach sich, so die Ergänzung der Dreifelderwirtschaft durch bodenverbessernde Futterpflanzen, gezielte Düngung und die zeitweise Beweidung von Ackerland, die die bisherige Brache weitgehend verdrängten. Als weitere Erwerbsquelle in der Winterzeit bildete sich für die Landbevölkerung das Verlagssystem, vor allem in der Textilherstellung, heraus.

Die englische Bauernschaft der frühen Neuzeit teilte sich in drei Gruppen. Am schlechtesten gestellt waren die Leaseholders (um 1500 rund ein Neuntel der Bauern). Sie verfügten über Pachtverträge mit begrenzter Laufzeit, die immer wieder neu ausgehandelt wurden. Sie wurden dadurch von der Inflation am härtesten getroffen. Die Copyholders stellten mehr als die Hälfte der Bauernschaft. Ihre Erbpachtverträge waren praktisch unkündbar und sahen auf sehr lange Frist festgelegte Zahlungen vor. Die Freeholders (etwa ein Fünftel) waren zwar nominell dem Grundherren abgabepflichtig, traten im Prinzip aber als freie Bauern auf.

Durch das gesamte 16. Jahrhundert hindurch gab es immer wieder Auseinandersetzungen um die Privatisierung der Allmenden um die Bauerndörfer herum. Während die Grundbesitzer versuchten, dieses Land in Privatbesitz umzuwandeln (Enclosure), um die ertragreiche Lebensmittelproduktion zu steigern, waren die landlosen Arbeiter angesichts der Inflation zunehmend auf die Nutzung des Gemeinschaftseigentums angewiesen, um sich selbst versorgen zu können. Auch die Regierung erkannte diese Zusammenhänge und versuchte die Privatisierung der Allmende mit Gesetzen zu verhindern, setzte sich damit aber nur teilweise gegen die Interessen der Grundbesitzer durch.

Im 16. Jahrhundert begannen in England, weitaus früher als im übrigen Europa, die gesellschaftlichen Schranken zwischen niederem Adel (Gentry) und Bürgertum zu verschwinden. Einflussreiche, vermögende und gebildete Bürgerliche konnten im Ansehen auf eine Ebene mit dem Adel gelangen. Umgekehrt war es für nicht erbberechtigte jüngere Söhne aus adligen Familien spätestens am Ende des 16. Jahrhunderts nicht ehrenrührig, eine Karriere als Händler zu machen, obwohl bei weitem die Mehrheit sich für eine klerikale oder militärische Laufbahn entschied.

Geistesleben im 16. Jahrhundert

Eng mit der Reformation verbunden und eine Bedingung für den Wirtschaftsaufschwung in dieser Epoche war eine gewandelte Einstellung zu Erwerbsarbeit und Reichtum. In kaum einem anderen Land setzte sich die protestantische Arbeitsethik dermaßen konsequent durch wie in England. Erwerbsarbeit wurde als göttlich aufgegebene Pflicht des Menschen verstanden und der daraus erworbene Reichtum als Gradmesser für die göttliche Gnade. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung zog diese Mentalitätsveränderung eine restriktive Armengesetzgebung nach sich, die öffentliche Unterstützung nur noch den Bedürftigen zukommen ließ, die als nicht arbeitsfähig angesehen wurden. Zum Unterhalt dieser Armen in den jeweiligen kommunalen Gemeinschaften wurden die besitzenden Bürger ab 1563 gesetzlich unter der Androhung von Haftstrafen gezwungen. Auf der anderen Seite wurden arbeitsfähige Arme spätestens ab 1576 auch mit Zwangsmaßnahmen zur Arbeit verpflichtet. Daraus entwickelten sich die Arbeitshäuser, bei denen es sich de facto meist um Zwangsarbeitslager handelte, in die Arme eingewiesen wurden, auch ohne eine Straftat begangen zu haben.

Im 16. Jahrhundert, insbesondere in seiner zweiten Hälfte, kam es zu einer deutlichen Nationalisierung der englischen Kultur. Der Nationalcharakter und die Überlegenheit des eigenen Landes wurde in der Literatur hervorgehoben, insbesondere in historischen und heimatgeografischen Werken. Als Projektionsfläche dieses Verständnisses diente häufig auch Elisabeth, was sich insbesondere im Aufschwung der Festkultur in Verbindung mit politischen Ereignissen (Thronjubiläen, Geburtstage, Sieg über die Armada) zeigte.

Geradezu ein „goldenes Zeitalter“ erlebte das Theater, insbesondere mit William Shakespeare an der Wende zum 17. Jahrhundert. Im Schauspiel schlug sich die Renaissance in England am deutlichsten nieder, nicht nur durch die Orientierung an antiken Vorbildern, sondern auch dadurch, dass in dieser Literaturform der selbstbestimmte und handelnde Einzelmensch in den Blickpunkt rückte. In dieser Entwicklung drückten sich mentalitätsgeschichtliche Prozesse der Auflösung des mittelalterlichen Menschenbildes aus. Ab 1570 wurden große, öffentliche Theaterhäuser errichtet, wodurch die neuen Dramen eine große Breitenwirkung entfalteten. Als weitere bedeutende Literaturform kam das Sonett auf.

Darüber hinaus war das elisabethanische Zeitalter auch musikalisch äußerst aktiv. Sowohl am Königshof als auch an den Höfen mächtiger Adliger und in den großen Städten bildeten sich Instrumental- und Chorensembles, in bürgerlichen Haushalten wurde ebenfalls musiziert. Besonders beliebt waren Lauten und frühe Tasteninstrumente. Bei den Kompositionen mischten sich italienische Einflüsse mit volkstümlicher englischer Musik, insbesondere in Tänzen und Madrigalen.

Die Stuart-Epoche

Jakob I. – Der erfolglose Reformer

Elisabeths Nachfolge trat Jakob I. an, der Sohn Maria Stuarts. Der 37-Jährige hatte bereits Herrschaftserfahrung als König von Schottland gesammelt und vertrat eine für seine ZeitJakob I., Sohn von Maria Stuart ungewöhnlich liberale Haltung in religiösen Fragen, aber ein bereits absolutistisches Herrschaftsverständnis auf der Grundlage des Gottesgnadentums des Herrschers. Beim Parlament, das sich ohnehin in seiner Zeit zunehmend von der Krone emanzipierte, stieß er damit auf Ablehnung. Ab 1621 setzte das Parlament ein neues Mittel im Machtkampf ein: das Impeachment. Dabei handelte es sich um ein gelegentlich schon im Mittelalter verwendetes Anklageinstrument, mit dem beide Parlamentskammern in Kooperation einen außergerichtlichen Prozess gegen königliche Beamte führen konnten. Im gleichen Jahr versuchte das Parlament auch, ein grundsätzliches Recht zu Beratungen über alle Staat und Kirche betreffenden Themen durchzusetzen, konnte sich damit jedoch nicht gegen den König behaupten. Einstweilen blieb die Versammlung von der Vorgabe von Themen durch den König abhängig. Zusätzliche Macht wuchs dem Parlament zu, weil sich verschiedene Hofparteien je nach momentaner Interessenlage mit ihm verbündeten.

In der Bevölkerung war Jakob als „Schotte“ ebenfalls wenig beliebt. Dass er im Gegensatz zu Elisabeth eine aufwändige und teure Hofhaltung pflegte und sich mit Katholiken und Spaniern umgab, machte ihn noch unpopulärer. Verschiedene Projekte, wie die Vereinigung Englands und Schottlands, scheiterten am massiven Widerstand in beiden Ländern.

Ähnlich gering war sein Erfolg in der Religionspolitik. Auf der Hampton Court Conference 1604 kam es zu keiner grundlegenden Einigung mit der puritanischen Bewegung. Jakob trat aber erfolgreich Forderungen nach einer erneuten Katholikenverfolgung nach dem Gunpowder Plot von 1605 entgegen. Einzelne Vertreter des aufkommenden Arminianismus förderte Jakob, ebenso verfuhr er mit kooperationsbereiten Puritanern. Die Schulden, die Elisabeth hinterlassen hatte, wuchsen durch Jakobs prunkvolle Hofhaltung, die Inflation und zunehmende Steuerhinterziehung deutlich an. Bemühungen Jakobs um eine Reform des Steuerwesens und damit eine Verstetigung der Einnahmen scheiterten am Parlament. Die Finanzkrise konnte er nur dadurch mildern, dass er verstärkt Adelstitel verkaufte.

Gestaltungsspielraum eröffnete sich in Irland. 1607, nach dem Ende des von Spanien unterstützten Aufstands, waren mehrere gälische Adlige ins Exil geflohen, darunter auch mehrere Grafen. Im gleichen Jahr zog Jakob I. sechs der neun Grafschaften Ulsters ein und begann das Land an Auswanderer aus England und Schottland neu zu verteilen. Flankiert wurde diese Bevölkerungsverschiebungen mit dem Ausbau von Wirtschaft, Kirchenstruktur und eines protestantischen Schulsystems. Dennoch kam es häufig auch zur Übernahme gälischer Lebensweise durch die Siedler. Auch das irische Parlament wurde neu gegliedert und erwies sich im Gegensatz zum englischen in den folgenden Jahrzehnten meist als Unterstützer der Stuart-Könige. Allerdings begann unter Jakob bereits der Entfremdungsprozess zwischen der Stuart-Dynastie und ihrem Ursprungsland Schottland. Die Abwesenheit des in Westminster residierenden Königs führte dazu, dass sich sowohl die Versammlung der Clanführer als auch das gerade erst gebildete schottische Parlament verselbstständigten. Zudem konnte der König über die presbyterianische und damit „von unten“, also von der Gemeindeebene, organisierte schottische Kirche kaum Einfluss auf das Land ausüben.

Unmittelbar nach seinem Herrschaftsantritt beendete Jakob den Krieg gegen Spanien. Anschließend versuchte er durch Heiratsverhandlungen über seine Tochter Elisabeth auch auf dem europäischen Kontinent mäßigend in die Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen einzugreifen. Nachdem Elisabeth aber mit Friedrich V. von der Pfalz verheiratet worden war, drohte Jakob nach der umstrittenen Königswahl seines Schwiegersohns selbst in den ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg hineingezogen zu werden. Letztendlich beschränkte er sich aber auf diplomatische Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts. Ebenfalls ab 1604 führte Jakob Heiratsverhandlungen für den Thronfolger Karl. Nachdem Elisabeth mit einem Protestanten verheiratet war, konzentrierten sich die Heiratsverhandlungen für Karl schnell auf die katholische Hegemonialmacht Spanien, die auch wegen ihres Reichtums für England interessant war. Jedoch lehnte das Parlament eine Bindung an Spanien ab, weil es eine Stärkung des Katholizismus' in England fürchtete. Die Verhandlungen zogen sich über Jahre hin. Nach einer Reise Karls nach Spanien 1622 wurden die Verhandlungen offiziell beendet und der Thronfolger trat für einen erneuten Krieg gegen Spanien ein. Jakob willigte schließlich in einen Feldzug gegen die von Spanien besetzte Pfalz ein. In dieser außenpolitisch schwierigen Lage, die durch einen Heiratsvertrag mit Frankreich weiter verkompliziert wurde, starb Jakob I. 1625.

Karl I. – Ringen mit den Parlamenten

Karl I. ähnelte in mancher Hinsicht seinem Vater: Auch er war an Kunst und Wissenschaft interessiert und betrieb eine prunkvolle Hofhaltung. Unmittelbar nach seiner ThronbesteigungKarl I. von England  auf einem Dreiseitenbildnis begann das von ihm zuvor propagierte Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg auf protestantischer Seite, die jedoch mit einer verheerenden Niederlage der Expedition in die Pfalz schnell scheiterte. Ebenfalls noch 1625 wurde die Ehe mit der französischen Prinzessin Henrietta Maria, der Tochter Heinrichs IV., geschlossen.

Der militärische Misserfolg in der Pfalz hatte erhebliche Kosten verursacht, die Karl mit Steuern zu decken versuchte, die das Parlament, das ja ebenfalls den Kriegseintritt gefordert hatte, bewilligen sollte. Die Versammlung verweigerte dies jedoch und schränkte sogar die königliche Verfügung über die Zolleinnahmen weiter ein. Darüber hinaus leitete es 1626 ein Impeachment gegen George Villiers ein. Der Günstling des Königs war als Kommandeur einer Flotte bei einem Angriff auf Cádiz gescheitert. Karl löste darauf das Parlament auf, musste es aber 1628 wieder einberufen, weil alternative Versuche der Staatsfinanzierung durch Zwangsanleihen kaum Ertrag gebracht hatten. Das Parlament gewährte dem König zwar letztendlich die Steuern, ließ sich jedoch mit einem beträchtlichen Ausbau seiner Macht vergelten: Mit der Petition of Right setzte es erstmals ein Initiativrecht für Gesetze durch; zuvor hatte es lediglich königlichen Gesetzen zugestimmt oder sie abgelehnt. Die Petition selbst enthielt eine Reihe von Anschuldigungen gegen den König, dass er seine Befugnisse gegenüber hergebrachtem englischen Gewohnheitsrecht und der Magna Carta überschritten habe. Karl sagte mit seiner Zustimmung zur Petition zu, dass er ein solches Vorgehen in Zukunft unterlassen werde. Im folgenden Jahr gab es Auseinandersetzungen um die Interpretation des Gesetzes, in deren Verlauf der König das Parlament für elf Jahre auflöste. Dies änderte jedoch nichts am Machtgewinn des Parlaments auf Kosten der Krone.

Ohne ein Parlament und damit ohne bewilligte Steuern war nicht nur der finanzielle Spielraum Karls I. beschränkt, sondern auch seine Möglichkeiten zum außenpolitischen Agieren. Deshalb schloss Karl schnell Frieden mit Frankreich und Spanien. In den folgenden Jahren verschärften sich die innenpolitischen Spannungen weiter. Der König erschien vielen Untertanen wie sein Vater als absolutistischer Herrscher. In den Augen der Bevölkerung war die Legitimität der königlichen Herrschaft ohne das Parlament fraglich. Vor allem die in vielen Fällen tatsächlich willkürliche Erhebung von zusätzlichen Abgaben, die Karl zum Regieren ohne Steuern dringend benötigte, führte zu wachsendem Widerstand, ebenso Verwaltungsreformen und die Begünstigung der Arminianer durch den König. Darüber hinaus entstand auf Grund des Ehevertrags mit Henrietta Maria erneut eine starke katholische Partei am Hof. Positiv aus Sicht des Königs entwickelte sich vor allem Irland. Unter der harten Regentschaft von Thomas Wentworth gedieh das Land wirtschaftlich. 1641 flammte allerdings der gälische Widerstand wieder auf und entglitt schnell der Kontrolle seiner Anführer, rund 12.000 protestantische Siedler kamen in ihrem Verlauf um. In Schottland hatte Karl I. bereits bei seinem Regierungsantritt Unmut unter den Adligen ausgelöst, als er zahlreiche Privilegien aufzuheben versuchte. Versuche der Einflussnahme auf die schottische Kirche riefen ab 1637 eine breite Protestbewegung hervor, die den König zur Einberufung einer großen Kirchenversammlung zwang. Diese erklärte sämtliche Bischöfe für abgesetzt und stellte ein eigenes Heer auf, das 1640 sogar in Nordengland einfiel.

Mit dem Krieg gegen die Schotten begann eine schwere Krise der englischen Monarchie. Um den Kampf im Norden finanzieren zu können, musste Karl I. wieder ein Parlament einberufen. Dessen Mitglieder waren aber wegen ihrer vorangegangenen elfjährigen Ausschaltung zu keinen Zugeständnissen bereit. Nach nur einem Monat löste Karl das Parlament im Mai 1640 wieder auf. Im Sommer konnte der König die schottische Invasion nur beenden, indem er einer Zahlung von 850 Pfund täglich bis zu einem endgültigen Frieden zustimmte. Damit brachen die Staatsfinanzen endgültig zusammen. Am 3. November 1640 trat das Long Parliament zusammen, das bis 1660 bestehen sollte. Unter dem Wortführer John Pym setzte das Parlament die Absetzung und teilweise Hinrichtung königlicher Berater durch. Zahlreiche königliche Privilegien wurden abgeschafft. Vor allem aber erkämpfte sich das Parlament das Recht, nicht mehr ohne die eigene Zustimmung aufgelöst werden zu dürfen. Bald kam es aber über allzu radikale Forderungen zur Spaltung des Parlaments. Eine royalistische Gruppe bildete sich heraus, die grundsätzlich Karl I. gegenüber verhandlungsbereit war. Zudem spielte die öffentliche Meinung, vor allem die der Londoner Stadtbevölkerung, eine immer größere Rolle in der Auseinandersetzung zwischen König und Parlament. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, nach denen Karl im Januar 1642 London verließ.

Der Bürgerkrieg

In dieser Bürgerkriegsstimmung riss das Parlament die Aushebung von Milizen an sich, was Karl wiederum damit beantwortete, dass er über ein altes königliches Recht seinerseits Truppen aufstellen ließ. Ende August 1642 brach der Bürgerkrieg offen aus. Neben der Auseinandersetzung zwischen Monarchie und aufkeimendem Parlamentarismus lassen sich die Fronten auch anhand religiöser, wirtschaftlicher und Generationsunterschiede ausmachen. Unter harten Kämpfen stieß die königliche Armee im Herbst 1642 bis auf London vor. Auf eine Belagerung oder einen Sturm verzichtete Karl, sondern strebte Verhandlungen an und unterbrach im Winter lediglich die Kohlezufuhr. Als die Verhandlungen keine Ergebnisse erbrachten, erließ das Parlament unter Pym weitgehende Zwangsmaßnahmen zur Kriegsfinanzierung. Dennoch brachte das Jahr 1643 weitere Siege der königlichen Truppen. Auch in dieser Lage blieben Verhandlungen ergebnislos. 1644 wendete sich das Blatt: Schottische Truppen unterstützten das Parlament und vertrieben die königlichen Einheiten aus Nordengland. Gleichzeitig zerschlugen Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell ein aus Irland übergesetztes königliches Heer. Dann folgten Auseinandersetzungen innerhalb des parlamentarischen Lagers, zunächst über die zukünftige Struktur der Kirche Englands, dann über die Heeresorganisation (New Model Army). Am 14. Juni 1645 wurde Karl I. bei Naseby vernichtend geschlagen und begab sich in die Gefangenschaft der Parlamentstruppen. In dieser Situation tat sich eine neue Spaltung auf: Die Parlamentsarmee begann über gewählte Sprecher als eigenständiges politisches Gebilde mit eigener, auf dem Puritanismus aufbauender Ideologie zu agieren und sich dem Parlament zu widersetzen. Schließlich marschierte die New Model Army 1647 auf London. Es gab mehrere Verfassungsvorschläge, in denen König, Parlament und Armee jeweils verschiedene Rollen spielen sollte. Eine Einigung gab es nicht. Im November 1647 floh Karl I. auf die Isle of Wight. 1648 kam es zunächst zu einem royalistischen Aufstand gegen das Parlament und dann zu einem erneuten Einfall schottischer Truppen, diesmal allerdings mit dem Ziel, den König wieder einzusetzen. Bis zum Jahresende gelang es den Parlamentstruppen unter Oliver Cromwell allerdings, den royalistischen Widerstand endgültig zu brechen. Am 8. Dezember 1648 übernahm die Armee endgültig die Macht: Sie ließ nur einen Teil der Parlamentsmitglieder an Sitzungen teilnehmen. Dieses Rumpfparlament löste entsprechend puritanischer Vorstellungen die Kirchenorganisation oberhalb der Gemeindeebene auf und leitete einen Prozess gegen Karl I. wegen Tyrannei ein. Am 30. Januar 1649 wurde der König in Whitehall hingerichtet.

Commonwealth of England

Nach der Hinrichtung des Königs gab das Rumpfparlament England eine neue Staatsordnung. Das Commonwealth and Free State, wie das Land nun hieß, besaß das Parlament als LegislativDer Lordprotektor Englands, Oliver Cromwell, auf einer Miniatur von Samuel Coopere und den Staatsrat mit seinem Vorsitzenden Oliver Cromwell als Exekutive. Die versprochenen Wahlen schob das Parlament immer weiter hinaus, um den Royalisten keine Gelegenheit zum Erstarken zu geben. Cromwell wurde nach Irland geschickt, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen, was er bis 1650 in einem blutigen, religiös begründeten Feldzug tat. Unterdessen hatten die Schotten Karl II., Sohn von Karl I., zum König gewählt, der mit dem Sammeln von Truppen zur Rückeroberung des englischen Throns begann. Nachdem Cromwell das Heer Karls bei Dunbar besiegt, Edinburgh besetzt und den nach Nordengland einfallenden König bei Worcester endgültig geschlagen hatte, brach der Widerstand in Schottland schnell zusammen. Karl II. floh nach Frankreich. Unterdessen waren einige der 1648 ausgeschlossenen Parlamentarier wieder in das Rumpfparlament zurückgekehrt. Eine Regelung der religiösen Fragen blieb aber aus. Zwar wurden einige puritanisch beeinflusste Verordnungen erlassen, doch setzten letztendlich die einzelnen Gemeinden ihre eigenen Regeln fest. Mit der Navigationsakte bekundete das Parlament 1651 den Seemachtsanspruch Englands und löste den Ersten Englisch-Niederländischen Seekrieg aus. 1653 brachen die Konflikte zwischen dem Rumpfparlament und der aus Irland zurückgekehrten Armee wieder aus. Am 20. April löste Oliver Cromwell schließlich das Parlament auf. Darauf bildete er das Parliament of Saints, das vor allem aus Kirchenvertretern mit puritanischer Ausrichtung und Vertretern der radikalen Levellers-Bewegung bestand. Über Fragen des Kirchenzehnten spaltete sich das Parlament und es kam zu Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Cromwell im Dezember 1653 das Parlamentsgebäude gewaltsam räumen ließ.

Nach diesem Misserfolg entwarf Oliver Cromwell eine Verfassung, die das unruhige Land stabilisieren sollte. Neben einem Parlament mit verbrieften Rechten und erstmals mit Abgeordneten aus England, Irland und Schottland war das neu geschaffene Amt des Lordprotektors, das Cromwell selbst übernahm, das Machtzentrum dieser Verfassung. Die fortgesetzten religiösen Auseinandersetzungen versuchte Cromwell durch das weitgehende Abschaffen einer weisungsbefugten staatlichen Kirche zu beenden, was de facto sogar eine Art Religionsfreiheit für Katholiken und Juden zur Folge hatte. Doch auch das neue Parlament geriet rasch in Konflikt mit der Armee und wurde bald wieder aufgelöst. Als 1655 ein erneuter Krieg mit Spanien ausbrach, musste Cromwell zur Steuerbewilligung wieder ein Parlament einberufen, das eine Einschränkung der religiösen Toleranz forderte, zugleich Cromwell aber die Königskrone anbot. Dieser lehnte zwar ab, in der folgenden Zeit entstanden aber durch die bessere Zusammenarbeit zwischen Oliver Cromwell und dem Parlament aber eine Reihe von Gesetzen, die dem Land wieder feste politische Strukturen gaben.

Als Oliver Cromwell am 3. September 1658 starb, wurde sein Sohn Richard Cromwell sein Nachfolger, den die Armee jedoch schnell wieder absetzte. Anschließend beriefen die dominierenden Generäle das Rumpfparlament wieder ein, lösten es dann aber nach erneuten Spannungen zwischen Parlament und Armee wieder auf. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, gewann die Idee einer Monarchie Anhänger. Die Generäle George Monck und Thomas Fairfax übernahmen mit ihren loyalen Truppen die militärische Kontrolle über das Land. Monck zog 1660 im Triumphzug in London ein. Dort trat das Rumpfparlament erneut zusammen und nahm alle 1640 ausgeschlossenen Mitglieder wieder auf. Dieses Parlament schrieb für März 1660 Wahlen zu einer Übergangsversammlung aus, die dadurch neu legitimiert wurde. Parallel wurden Verhandlungen mit Karl II. geführt. Nachdem dieser eine Straffreiheit für alle während des Commonwealth begangenen Verbrechen sowie die Religionsfreiheit verkündete, wurde er mit Jubel als neuer König empfangen.

Wiederherstellung und neue Krise der Monarchie

Karl II. betrieb mit Hilfe des Parlaments und der Anglikanischen Kirche eine Restaurationspolitik. Mit mehreren Gesetzen wurden in Karls ersten Herrschaftsjahren die meistenKarl II., engl. Charles II., König von England presbyterianischen Geistlichen aus ihren Ämtern vertrieben. Nach der relativen religiösen Liberalität des Commonwealth setzte wieder eine Phase der rigiden Kirchenpolitik ein. Grundsätzlich wurden alle Gesetze widerrufen, denen Karl I. nicht mehr zugestimmt hatte. Insbesondere wurde das Parlamentswahlrecht wieder auf den Stand vor dem Commonwealth zurückversetzt und an den Besitz gebunden. Die Macht des Königs wurde noch über dieses Maß hinaus gesteigert, indem er die Einnahmen aus verschiedenen Steuern fest zugesprochen erhielt, also ohne Notwendigkeit der wiederholten Bewilligung durch das Parlament. Irland und Schottland erhielten wieder eigene Parlamente, wobei das schottische kaum noch einberufen wurde und Irland insgesamt nahezu auf den Status einer Kolonie herabsank.

Ab 1665 verschlechterte sich die Stimmung in England zusehends. Die Große Pest (1665), der Große Brand von London (1666) und der erfolglose Krieg gegen die Niederlande (1665–1667) führte zu steigender Unzufriedenheit mit dem König. Auch dass Karl im Devolutionskrieg die Seiten wechselte und nach einer engen außenpolitischen Bindung an Frankreich die Haltung gegenüber den englischen Katholiken lockerte, löste Ablehnung im Parlament aus. Im Rahmen einer allgemeinen Katholikenfurcht erließ das Parlament mehrere Gesetze gegen diese Glaubensgruppe, worauf Karl II. 1678 das Parlament auflöste. Die drei danach in kurzer Folge neu gewählten Parlamente waren allerdings noch deutlich stärker oppositionell zum König eingestellt. Schließlich berief der König überhaupt kein Parlament mehr ein. In der Auseinandersetzung um einen geforderten Ausschluss von Karls katholischem Bruder Jakob II. von der Thronfolge bildeten sich in dieser Zeit die politischen Gruppen der Whigs und Tories, die sich massiv bekämpften und England bis 1680 an den Rand eines Bürgerkriegs brachten.

Unterdessen war Karl II. zunehmend senil geworden und Jakob II. spielte eine immer größere Rolle in der englischen Politik. Karl II. starb am 6. Februar 1685. Auf dem Sterbebett war er gemäß einem Geheimvertrag mit Ludwig XIV. zum Katholizismus übergetreten.

„Glorreiche Revolution“

Die Glorreiche Revolution führte zur Abschaffung des königlichen Absolutismus und der Gründung des modernen parlamentarische Regierungssystems auf der Grundlage der Bill of Rights. Seit dieser Revolution ist das englische Parlament Träger der Staatssouveränität. Nach dem Sturz des katholischen Monarchen Jakob II., bestiegen seine protestantische Tochter Maria II. und ihr Ehemann Wilhelm von Oranien gemeinsam den englischen Thron.

Die Vorgeschichte

Jakob II. berief wieder ein Parlament ein, geriet aber mit ihm und der Anglikanischen Kirche bald in scharfen Konflikt, weil er seine katholischen Glaubensbrüder in staatlichen und kirchlichen Ämtern förderte. Zudem erließ er 1687 mit der Declaration of Indulgence eine fast unbegrenzte Religionsfreiheit und löste im Herbst des Jahres das protestierende Parlament auf. Es folgte eine Säuberungswelle, die zahlreiche Katholiken und Dissenters in öffentliche Ämter brachte. Unmut löste auch die Tatsache aus, dass England schon seit Karl II. praktisch keine eigene Außenpolitik mehr betrieb, sondern sich absolut an Frankreich anlehnte. Als 1688 ein Thronfolger geboren wurde, drohte der Beginn einer katholischen Dynastie auf dem englischen Thron.

In dieser Lage forderte eine Gruppe englischer Lords Wilhelm von Oranien, den Ehemann von Maria II., Jakobs Tochter aus erster (protestantischer) Ehe, zu einer Invasion Englands auf. Jakob unterschätzte die Bedrohung und zögerte einen Kampf hinaus, nachdem sein Schwiegersohn am 5. November 1688 im Südwesten Englands gelandet war. Wilhelm gewann schnell die Sympathie der Bevölkerung, in Jakobs zunächst weit überlegenen Heer kam es zu Desertionen, worauf Jakob panisch die Flucht nach Frankreich ergriff. Mitte Dezember zog Wilhelm kampflos und umjubelt in London ein.

Die Revolution

Wilhelm von Oranien wurde, nachdem er die Bill of Rights unterschrieben hatte, vom Parlament legitimiert, die Regierungsgeschäfte zu führen. Der König war also nicht mehr wie in anderenWilhelm von Oranien, William_III_of_England europäischen Staaten von Gottes Gnaden legitimiert, sondern direkt vom „Volk“. Der Begriff „Glorreiche Revolution“ rührt daher, dass der vorherige Systemwechsel durch Cromwell (Enthauptung Karls I. 1649) blutig gewesen war. In den folgenden Jahren wurden weitere Gesetze erlassen, die die Stellung des Parlaments stärkten, Neuwahlen spätestens alle drei Jahre vorschrieben und die Richter weitgehend unabhängig vom König werden ließen.

Wilhelm von Oranien konzentrierte sich in den ersten Herrschaftsjahren vor allem auf den Krieg gegen Frankreich, das den geflohenen katholischen König unterstützte. 1690 besiegte er Jakob II., der in Irland einmarschiert und dort auf breite Unterstützung gestoßen war, in der Schlacht am Boyne. Die mit dem Krieg verbundene Aufrüstung brachte den Staatshaushalt schnell in Bedrängnis. Deshalb und weil Wilhelm immer mehr Ämter verlieh, an die ein Parlamentssitz gebunden war, kam es schon ab 1690 zu neuen Konflikten mit dem Parlament. Dessen eingesessene Mitglieder befürchteten, dass der König über die ihm loyalen Neumitglieder Einfluss auf die Versammlung nehmen wolle. Nach dem Frieden von Rijswijk drängte das Parlament massiv auf eine Reduzierung der Armee und gewährte dem König im Gegenzug einen festen Betrag zur Finanzierung seines Hofes, der nicht immer wieder bewilligt werden musste. Auf religionspolitischer Ebene kam es wieder zu einer Liberalisierung. 1689 wurde die Pflicht zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch aufgehoben und den Dissenters gestattet, eigene Gottesdienste abzuhalten, was zu einem Aufblühen dieser protestantischen Strömungen führte. In der Anglikanischen Kirche folgte auf die neuen Rahmenbedingungen eine umfassende Reform vor allem der Gemeindegliederung, die bis dahin noch weitgehend mittelalterlich gewesen war. Zahlreiche neue Gemeinden, vor allem in den Großstädten, wurden gegründet. Auf Katholiken und Unitarier erstreckte sich diese Toleranz allerdings nicht. 1695 wurde schließlich die Pressezensur aufgehoben.

Wilhelm III. starb 1702 mitten in den Vorbereitungen eines neuen Krieges gegen Frankreich. Die Herrschaft übernahm seine Schwägerin Anne. Sie erklärte sofort den unter Wilhelm vorbereiteten Krieg gegen Frankreich und Spanien. Unter John Churchill, 1. Duke of Marlborough, gelangen den englischen Truppen entscheidende Siege, was unter anderem zur Übernahme Gibraltars führte. 1712 wurde Ludwig XIV. schließlich gezwungen, von seiner Unterstützung der Nachkommen Jakobs II. abzurücken und eine vom englischen Parlament vorgelegte Thronfolgeregelung für England und Schottland zu akzeptieren. Darüber hinaus erhielt England einige koloniale Gebiete und Handelsprivilegien zugesprochen, was es endgültig zu einer der stärksten Kolonialmächte machte. Die Religionspolitik blieb unterdessen das entscheidende innenpolitische Thema. In der Anglikanischen Kirche bildete sich die Unterscheidung zwischen der High Church, die den royalistischen Tories nahe stand, und der Low Church auf Seiten der dem Landadel nahestehenden Whigs heraus. Die Auseinandersetzungen zwischen den sich immer mehr in Richtung moderner politischer Parteien entwickelnden Whigs und Tories bestimmten ab 1700 die politische Landschaft in England.

Ab 1706 drängte das englische Parlament Schottland massiv zu einer vollständigen politische Union mit England. Die Angst vor schlechteren, vor allem ökonomischen, Bedingungen im Fall der Weigerung führte zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden schließlich gemäß dem Act of Union 1707 zum Königreich Großbritannien vereinigt. Anne wurde erste „britische“ Königin, das Haus Hannover als gemeinsame Herrscherdynastie festgeschrieben, das Parlament Englands wurde in das Parlament Großbritanniens umgewandelt. Das Unterhaus wurde um 45 schottische Abgeordnete erweitert, das Oberhaus um 16. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Zölle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland übertragen und einige schottische Institutionen nicht mit ihrem englischen Gegenstück fusioniert; dazu zählen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

Wirtschaft und Gesellschaft im 17. Jahrhundert

Bis 1650 setzte sich das stetige Wachstum der englischen Bevölkerung fort. Von 4,1 Millionen Menschen 1600 wuchs sie auf 5,2 im Jahr 1650, anschließend ging sie vor allem durch Pest, Typhus und Pocken leicht zurück und erreichte erst 1714 wieder die Marke von 5,2 Millionen. Darüber hinaus gab es starke Wanderungsbewegungen, wobei sich die Auswanderung (vor allem nach Irland) und die Zuwanderung vom europäischen Kontinent in der Summe ausglichen. Ein wichtiger Grund für das Bevölkerungswachstum war die ungewöhnliche Tatsache, dass es zwischen 1597 und 1646 ungewöhnlich lange keine Missernte gab. Zusammen mit dem Anstieg der Bevölkerung setzte sich auch die starke Teuerung bei Nahrungsmitteln aus dem 16. Jahrhundert fort. Durch das Überangebot an Arbeitskräften sanken zugleich die Löhne, was die Verelendung breiter Schichten zur Folge hatte. Erst ab etwa 1650 sanken die Preise für Getreide langsam. Gleichzeitig stiegen durch den Arbeitskräftemangel wegen der sinkenden Bevölkerung die Löhne deutlich. Betrachtet man einzelne Städte, so machte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nur London das rasante Wachstum mit und verdoppelte bis 1650 seine Einwohnerzahl auf rund 400.000, was eine stärkere Bebauung der zentralen Stadtviertel und das Entstehen großer Elendssiedlungen im Osten der Stadt zur Folge hatte.

Die Landwirtschaft blieb weiterhin der wichtigste Wirtschaftszweig. Ihre Modernisierung wurde vor allem von Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden vorangetrieben. Sie brachten Techniken wie den Anbau lukrativer Ölfrüchte, die Gründüngung und das Trockenlegen von Anbaugebieten mit. In Nordengland begann ab 1600 der Aufstieg des Kohleabbaus. Die bereits im Mittelalter stark dezimierten Wälder konnten den mit der Bevölkerung stark steigenden Bedarf an Brennmaterial zum Heizen und für die Wirtschaft nicht mehr decken. In dieser Situation zeigte sich der Vorteil der englischen Verkehrsinfrastruktur: Über die Küstengewässer und die Flüsse konnten die Städte bequem mit Kohle und anderen Rohstoffen beliefert sowie Fertigprodukte abtransportiert werden.

Der Einbruch der Wollpreise ab 1650 versetzt der bis dahin den Export dominierenden Tuchindustrie einen schweren Schlag. Sie verschwand aus der Fläche des Landes und konzentrierte sich in einigen Regionen. An ihre Stelle trat der Getreideexport. England belieferte nicht nur das von Krisen geschüttelte Kontinentaleuropa, sondern zunehmend auch die überseeischen Kolonien. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts löste der Überseehandel den Kanalhandel als wichtigsten Exportweg ab. Insgesamt verdoppelte sich das Handelsvolumen in der Zeit von 1660 bis 1714. In dieser Zeit entstand auch der Dreieckshandel mit englischen Fertigprodukten nach Afrika, Sklaven von dort nach Amerika und exotischen Rohstoffen zurück nach England. Als Finanzgeber für dieses rapide ansteigende Handelsvolumen stieg die Londoner City spätestens mit der Gründung der Bank of England 1694 zum bedeutendsten Bankenstandort der Welt auf. Zudem entwickelten sich die ab 1620 von englischen Religionsflüchtlingen gegründeten Siedlungskolonien in Nordamerika wirtschaftlich äußerst erfolgreich und trugen ab etwa 1650 spürbar zum Handel mit der Neuen Welt bei. Die 1664 gegründete Kapkolonie war in Afrika ähnlich erfolgreich. Oliver Cromwell erließ 1651 den Navigation Act, ein Amerika-Handelsmonopol für englische Schiffe, das die Seefahrt und den Schiffbau beträchtlich förderte.

Die Entwicklung zur wissenschaftlichen Rationalität nach der Glorreichen Revolution wirkte sich auch auf das Wirtschaftsleben aus. Man begann Produktionsprozesse und Warenströme wissenschaftlich zu analysieren und zu verbessern.

Geistesleben im 17. Jahrhundert

Unter Jakob I. begann sich eine eigene höfische Kultur zu entwickeln. Nachdem Elisabeth in ihrem Umfeld eine Kultur gefördert hatte, die weitgehend der der städtischen Oberschichten Londons entsprach, schirmte Jakob den Hof entschieden ab. Die volkstümlichen Belustigungen spielten eine immer geringere Rolle, eine verfeinerte höfische Kultur, die sich vor allem in Maskenspielen ausdrückte, eine immer größere. Auch hatten in seinem Umfeld Gebildete eine wichtigere Stellung als Kriegshelden oder erfolgreiche Seefahrer, mit denen Elisabeth sich umgeben hatte. Die Zunahme an höfischem Prunk wurde bald sowohl von den Mitgliedern des höheren als auch des niederen Adels kopiert. Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung in der veränderten Architektur der Herrenhäuser. Sie entwickelten sich von burgenähnlichen Wehrbauten zu repräsentativen Landsitzen. Prägend war der königliche Architekt Inigo Jones, der den Architekturstil des Palladianismus anstieß. Auch die Malerei, insbesondere die Porträtmalerei, erhielt nach der bilderfeindlichen Zeit des beginnenden Protestantismus einen Aufschwung, an dem zahlreiche ausländische Maler beteiligt waren. Die englische Literatur verdankt der Stuart-Epoche vor allem eine rege poetische Produktion, zunächst auf kirchlichem Feld, später vor allem mit höfischer Dichtung.

Im Commonwealth erfuhr die höfische Kultur und mit ihr Musik sowie bildende Künste einen jähen Rückschlag. Insgesamt führte der um sich greifende Puritanismus zu einem Rückgang der künstlerischen Produktion. Dafür kam es zu einem Anschub der Naturwissenschaften durch die neuen, bürgerlichen und niederadligen Eliten unter der Herrschaft Cromwells. 1660 wurde in London die Royal Society gegründet. Insgesamt kam es in der Bürgerkriegszeit zu zahlreichen Schulgründungen mit teilweise experimentellen pädagogischen Ansätzen. In der englischen Literatur dieser Zeit fallen zahlreiche Tagebücher und Autobiographien auf. Mit dem Abklingen der religiösen Auseinandersetzungen nach der Glorreichen Revolution erfuhren Rationalität und Wissenschaften einen Aufschwung. Man versuchte natur- und gesellschaftswissenschaftliche sowie wirtschaftliche Phänomene nicht mehr durch das Wirken Gottes zu erklären, sondern suchte rational nach weltlichen Gründen.

Nach dem Ende des Commonwealth erlebten unterhaltende Kunstformen wie die Komödie geradezu einen Boom. Die Wiederbelebung der Musik ging nur zögernd voran und drückte sich vor allem in der Entdeckung der neuen Form der Oper aus, vorangetrieben insbesondere durch Henry Purcell. In der Architektur begann sich der neue Rationalismus durchzusetzen, indem pragmatische Lösungen für technische und gestalterische Probleme gesucht wurden. Bedeutendstes Bauwerk der Epoche ist die Saint Paul’s Cathedral. Die religiösen Auseinandersetzungen, die Parteibildung um Whigs und Tories sowie der Licensing Act von 1695 ließen ein aktives Zeitungswesen entstehen.

Fußnoten

  1. ↑ Kluxen, Geschichte, S.13
  2. ↑ Kluxen, England, S.14 - in den Klöstern hielt sich die irische Tradition.
  3. Nach der Vereinigung der Königreiche von England, Wales und Schottland 1707 wird die historische Betrachtung unter der Geschichte des Königreiches Großbritannien fortgesetzt.

Literatur (in Auswahl)

  • The Oxford History of England, hrsg. von George Clark, 15 Bände, Oxford 1934–1966.
  • The New History of England, hrsg. A. G. Dickens, Norman Gash, London 1977 ff.
  • The New Oxford History of England, hrsg. von J. N. Roberts, Oxford 1989 ff.
  • Davies, Norman: The Isles, Oxford University Press 1999, ISBN 0-19-513442-7
  • Hoppit, Julian: A land of liberty? : England 1689–1727, Oxford u. a.: Clarendon Press 2000, 580 S., (=The new Oxford history of England), ISBN 0-19-822842-2
  • Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 1976 ISBN 3-520-37402-1
  • Krieger, Karl Friedrich: Geschichte Englands, Bd. I und II.; München 1990.
  • Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands, Stuttgart, 2002, ISBN 3-15-009616-2

 

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Großbritannien in prähistorischer Zeit

Dieser Artikel behandelt die Geschichte Britanniens von der ersten Besiedlung in prähistorischer Zeit bis zur Invasion der Römer im Jahre 43 n. Chr.

Einleitung

Großbritannien wurde vor etwa zehntausend Jahren dauerhaft von Menschen besiedelt. In vorrömischer Zeit wurde keine Schrift entwickelt, so dass Kultur und Lebensweise der Bewohner durch archäologische Funde rekonstruiert werden.

Da Großbritannien am Rande Europas lag, wurden neue Technologien und kulturelle Errungenschaften später als auf dem Kontinent eingeführt, insbesondere nachdem vor etwa 7000 Jahren die bis dahin bestehende Landverbindung durch den nacheiszeitlichen Meeresanstieg unterbrochen wurde. Die Geschichte Großbritanniens wurde früher als eine Abfolge von Einwanderungswellen betrachtet. Neuere archäologische Theorien hinterfragen diese Interpretation und gehen von einer komplexeren Beziehung zwischen der Insel und dem Kontinent aus. Viele Veränderungen in der Gesellschaft gelten als Übernahme der Technologien durch die Einheimischen. Früher ging man davon aus, dass neue Technologien von Invasoren aufgedrängt worden seien.[1] Die erste schriftliche Erwähnung von Großbritannien und dessen Bewohner erfolgte durch den griechischen Seefahrer Pytheas, der um 325 v. Chr. die Küsten Großbritanniens erkundete. Handels- und kulturelle Beziehungen mit Europa bestanden jedoch bereits seit der Jungsteinzeit, vor allem das reichlich vorhandene Zinn wurde exportiert.

Altsteinzeit

Die Altsteinzeit umfasst die Periode zwischen 750.000 bis 10.000 Jahren vor unserer Zeit. Während dieser langen Zeitspanne geschahen viele Veränderungen der Umwelt, darunter mehrere Eis- und Warmzeiten, die das Leben der Menschen beeinflussten. Genaue Daten aus diesem Zeitalter zu finden, gestaltet sich als schwierig. Die Menschen jener Zeit waren Jäger und Sammler, die stets den Herden wilder Tiere folgten.

Mit Funden von Knochen und Werkzeugen aus Feuerstein, die bei Happisburgh in Norfolk gefunden wurden, geht hervor, dass Homo erectus vor 700.000 Jahren in Großbritannien lebte. Zu dieser Zeit bestand eine Landbrücke zum europäischen Festland, die ungehinderte Wanderungen ermöglichte. Der Ärmelkanal war zu jener Zeit ein breiter Fluss. Aus dessen Nebenflüssen sollten sich später die Themse und die Seine bilden. Großbritannien war damals also eine vorgelagerte Halbinsel.

Verschiedene Funde, z. B. bei Boxgrove in Sussex beweisen die Einwanderung des Homo heidelbergensis vor 500.000 Jahren. Diese Angehörigen der Acheuléen-Kultur stellten Werkzeug aus Sandstein (Quarzit) her und jagten die damals einheimischen Säugetiere. Sie trieben Elefanten, Nilpferde und Nashörner über Klippen oder in Moore, um sie einfacher erlegen zu können.

Die extreme Kälte der nachfolgenden Elstereiszeit trieb sämtliche Bewohner Großbritanniens in wärmere Gebiete. Erst in der nachfolgenden Warmzeit kehrten die Menschen wieder zurück. Diese Periode war vor 420.000 bis 360.000 Jahren. Bei Barnfield Hill in Kent wurden Werkzeuge aus dieser Zeit gefunden.

Während der Saaleeiszeit, die vor 240.000 bis 180.000 Jahren stattfand, wurden verbesserte Sandsteinwerkzeuge der Levallois-Kultur eingeführt, wahrscheinlich von Einwanderern aus Afrika. Diese neuen Werkzeuge ermöglichten effizienteres Jagen und erlaubten auch während der Eiszeit eine Besiedlung. Aus der nächsten Warmzeit (vor 180.000 bis 70.000 Jahren) sind allerdings nur wenige Spuren gefunden worden. Zum ersten Mal war Großbritannien vom Kontinent getrennt, was eine Erklärung für die fehlende Besiedlungsaktivität sein dürfte.

Vor rund 60.000 Jahren besiedelten die Neandertaler den südlichen, unvergletscherten Teil von Großbritannien. Funde lassen darauf schließen, dass sich diese Gruppe selbständig entwickelt hatte und nicht eingewandert war. Die bedeutendsten Funde dieser Epoche wurden bei Oldbury in Kent und bei Kents Cavern in Devon gemacht.

Die Zeit der Neandertaler endete vor rund 30.000 Jahren mit der Einwanderung des modernen Homo sapiens. Der besterhaltene Fund aus dieser Zeit ist die Red Lady of Paviland aus Wales, ein mit rotem Ocker bemaltes Skelett. Die Würmeiszeit vertrieb die Menschen erneut und Großbritannien war vor 18.000 bis 13.000 Jahren unbewohnt. Die Landschaft während der letzten Eiszeit war eine baumlose Tundra. Vor rund 10.000 Jahren kehrten die Menschen über eine Landbrücke wieder zurück.

Mittelsteinzeit

Das zunehmend wärmere Klima begünstigte das Wachstum von Kiefern-, Birken- und Erlenwäldern. Die großen Rentier- und Pferdeherden wurden durch Elche, Hirsche und Auerochsen verdrängt. Die Bewohner Großbritanniens mussten ihre Jagdmethoden ändern und neue Werkzeuge entwickeln. Gleichzeitig wurden erstmals Widerhaken beim Fischfang verwendet. Die Menschen wanderten in dieser Zeitepoche bis in den Norden Schottlands. Früher dachte man, die Bewohner Großbritanniens während der späten Altsteinzeit seien Nomaden gewesen. Heute geht man davon aus, dass sie sich saisonal niederließen oder sogar ständige Behausungen errichteten, wenn die Bedingungen günstig waren. Aus dieser Zeit stammen Funde u. a. aus Star Carr in Yorkshire und die Muschelhaufen von Oronsay (Hebriden). In Howick in Northumberland wurden 9600 Jahre alte Überreste eines runden Gebäudes von 6m Durchmesser gefunden. Die Ausgräber gehen von einer massiven Holzkonstruktion aus.

Die vermehrte Jagd (Overkill-These) oder die Veränderung der Umwelt führte zum Aussterben zahlreicher Tierarten. Bei Poulton-le-Fylde in Lancashire wurde in einem Moor ein altsteinzeitlicher Elch gefunden, der von Jägern verwundet wurde und entkommen war. Die Landwirtschaft und die Nutztierzucht hielten um das Jahr 4700 v. Chr. Einzug, weil neue Menschen auf die Insel kamen. Etwa zur selben Zeit wurden wegen des erneut wärmeren Klimas die Kiefernwälder durch Laubwälder ersetzt.

Jungsteinzeit

Der Übergang zur Jungsteinzeit fand um 3900 v. Chr. statt, ob durch Einwanderung oder Übernahme von Kulturelementen vom Festland ist umstritten.

1997 wurde am Skelett eines mittelsteinzeitlichen Mannes, das in der Cheddar Gorge von Somerset gefunden worden war, eine DNA-Analyse durchgeführt. Als man die Resultate mit der DNA der Einheimischen verglich, fand man heraus, dass einer der Einwohner von Cheddar Grove ein direkter Nachkomme des 9000 Jahre alten Mannes war. Diese Erkenntnis erschütterte die traditionelle Ansicht, dass nacheinander mehrere Masseneinwanderungen stattgefunden hatten, die die jeweils ansässigen Völker auslöschte.

In der Jungsteinzeit begannen die Menschen, Erdwerke anzulegen. Befestigte Wege sind in Irland bereits seit dem Mesolithikum bekannt. In Großbritannien stammen die ersten aus dem Neolithikum. Ein hölzerner Steg über ein Moor in Somerset (Sweet track, Somerset Levels) datiert aus dem Jahre 3807 v. Chr. Um Platz für Landwirtschaft und Viehhaltung zu schaffen, wurden vermehrt Wälder gerodet.

Das gesicherte Nahrungsmittelaufkommen führte zu weiterem Bevölkerungswachstum. Es gab genug Arbeitskräfte, um Monumente (z. B. Silbury Hill) und Grabhügel (West Kennet Long Barrow) zu errichten. Es wurden Langhäuser aus Holz errichtet (Claish, Balbridie), in Bergwerken wie Cissbury, Blackpatch und Harrow Hill in West Sussex, später auch in Grimes Graves in Norfolk wurde Feuerstein abgebaut.

Bronzezeit

Um etwa 2500 v. Chr. hielt die so genannte Glockenbecherkultur, die erste metallverarbeitende Kultur der Insel, in Großbritannien Einzug. Zuerst stellten sie Werkzeuge aus Kupfer her, doch um ca. 2150 v. Chr. ging man zur Herstellung von Bronze über. Durch die Beigabe von etwas Zinn wurde das Kupfer viel härter. So begann die Bronzezeit in Großbritannien. Im Laufe der nächsten tausend Jahre wurden die Steinwerkzeuge und Waffen nach und nach durch solche aus Bronze ersetzt.

Großbritannien hatte reiche Zinnvorkommen, vor allem in Cornwall und Devon wurde das Zinn in Minen ausgebeutet. Um 1600 v. Chr. war britisches Zinn durch Handel in ganz Europa verbreitet. Die Glockenbecherleute (engl. "Beaker") waren auch geschickte Goldschmiede. Goldschmuck wurde auch in Gräbern der Wessex-Kultur in Südengland entdeckt.

Die Briten der frühen Bronzezeit bestatteten ihre Toten in Grabhügeln, oft mit Grabbeigaben der Glockenbecherkultur. Später ging man dazu über, die Toten zu kremieren und die Asche in Urnen aufzubewahren. Die Menschen jener Zeit errichteten berühmte Bauwerke wie Stonehenge.

Es wurde nachgewiesen, dass im 12. Jahrhundert v. Chr. eine Invasion oder eine Masseneinwanderung in Südengland stattgefunden haben muss. Die Auswirkungen waren weit über Großbritannien hinaus zu spüren. Das Ausbleiben des britischen Zinns führte sogar im Nahen Osten zum Zusammenbruch mehrerer Reiche.

Eisenzeit

Um 750 v. Chr. erreichte die Eisenverarbeitung von Südeuropa aus Großbritannien. Eisen war stärker und häufiger vorhanden als Bronze und dessen Einführung bildet den Beginn der Eisenzeit. Die Eisenverarbeitung revolutionierte zahlreiche Lebensbereiche, am meisten wohl in der Landwirtschaft. Pflüge aus Eisen konnten das Land viel besser umgraben als solche aus Holz oder Bronze, und Eisenäxte konnten Bäume viel effizienter fällen.

Um 900 v. Chr. begann die Einwanderung keltischer Stämme. Bis 500 v. Chr. hatten sie sich über die gesamten Britischen Inseln verbreitet. Die Kelten waren geschickte Handwerker und Schmiede. Sie fertigten kunstvoll verzierten Goldschmuck sowie Waffen aus Bronze und Eisen. Die Kelten lebten in organisierten Stämmen, die von einem Häuptling angeführt wurden.

Als die Bevölkerung immer mehr zunahm, fingen die Stämme an, sich gegenseitig zu bekämpfen. Dies führte zum Bau von Hügelfestungen. Große Bauernhöfe produzierten Nahrungsmittel in schon fast industriellem Ausmaß. Römische Quellen berichten, dass die Kelten Jagdhunde, Tierhäute und Sklaven exportierten. Um 175 v. Chr. zogen viele Menschen aus Gallien und Belgien (Belgae) nach Großbritannien und ließen sich in Kent, Hertfordshire und Essex nieder. Deren Töpferkünste waren weiter fortgeschritten als alles, was die Bewohner Großbritanniens bisher kannten.

Um 100 v. Chr. wurden Eisenbarren als Währung verwendet, der Handel mit Europa florierte (vor allem dank des Exports von Metallen). Bald darauf wurden die ersten Münzen geprägt. Diese basierten auf jenen vom Kontinent, trugen aber die Namen lokaler Herrscher. Als das Römische Reich sich nach Norden ausdehnte, begannen sich die Römer für Großbritannien zu interessieren. Vor allem die reichen Metallvorkommen versprachen reiche Beute.

Eisenzeitliche Stämme auf den Britischen Inseln

Vor der Eroberung von England und Wales durch die Römer lebten folgende Stämme in Großbritannien und Irland:

  • Airgialla in Irland
  • Ailech in Irland
  • Ancalites (Hampshire und Wiltshire, England)
  • Atecotti (Schottland oder Irland)
  • Atrebates (Hampshire und Berkshire, England)
  • Autini (Irland)
  • Belgae (Wiltshire und Hampshire)
  • Bibroci (Berkshire, England)
  • Briganten in Nordengland/Irland?
  • Caereni (Sutherland?)
  • Caledonii (Invernessshire?)
  • Cantiaci (Kent)
  • Carnonacae (Western Highlands Schottland)
  • Carvetii (Cumberland)
  • Cassi (England)
  • die Catuvellaunen (Hertfordshire) waren ein Nachbarstamm der Iceni und schlossen sich dem Boudicca-Aufstand an
  • Cauci (Irland)
  • Corieltauvi (Leicestershire)
  • Coriondi (Irland)
  • Corionototae (Northumberland)
  • Cornovii (Caithness) (Cheshire) (Cornwall)
  • Creones (Argyllshire)
  • Damnonii (Strathclyde)
  • Darini (Irland)
  • Deceangli (Flintshire)
  • Decantae (Easter Ross?)
  • Demetae (Dyfed)
  • die Dobunni in den Cotswolds-Hügeln und am Fluss Severn (Gloucestershire)
  • die Dumnonii in Devon, Cornwall und Somerset
  • Durotriges (Dorset)
  • Eblani (Irland)
  • Epidii (Kintyre)
  • Gangani (Irland) (Lleyn Peninsula)
  • Herpeditani (Irland)
  • Iberni (Irland)
  • die Iceni in East Anglia, die sich später unter Boudicca gegen die römische Herrschaft erheben sollten
  • Lugi (Eastern Sutherland?)
  • Magnate (Irland)
  • Manapii (Irland)
  • Novantae (Galloway)
  • die Ordovices in Nordwales (Gwynedd)
  • Parisii (East Riding)
  • die Pikten und Skoten in Schottland
  • Regini (Sussex)
  • Robogdii (Irland)
  • Segontiaci (England)
  • Selgovae (upper Tweed basin)
  • Setantii (Lancashire)
  • die Silurer in Südwales (Gwent)
  • Smertae (Southern Sutherland?)
  • Taxali (Aberdeenshire)
  • die Trinovanten (Essex) waren ein Nachbarstamm der Iceni und schlossen sich dem Aufstand an
  • die Ulidia in Irland
  • Vacomagi (Banffshire?)
  • Velabri (Irland)
  • Venicones (Strathmore?)
  • Vennicnii (Irland)
  • Vodie (Irland)
  • Votadini (Lothian)

Literatur

  • Rodney Castleden, The Stonehenge people: an exploration of life in neolithic Britain, 4700-2000 B.C. London: Routledge & Kegan Paul 1987. ISBN 0-415-04065-5.
  • Nicola Barber, Andy Langley, British history encyclopedia: from early man to present day. Parragon, Bath 1999. ISBN 0-7525-3222-7

Einzelthemen

Clive Waddington, Geoff Bailey, Ian Boomer, Nicky Milner, Kristian Pederson, Robert Shiel und Tony Stevenson, A Mesolithic Settlement at Howick, Northumberland. Antiquity 295, 2003.

Einzelnachweise

  1. ↑ Julian Thomas: Current debates on the Mesolithic-Neolithic transition in Britain and Ireland.

 

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Großbritannien in römischer Zeit

Großbritannien, in der Antike als Britannien bekannt (das heißt die Gebiete des heutigen England bis zum Hadrianswall und Wales), stand von 43 bis ca. 440 n. Chr. unter römischer Herrschaft.

Vorrömisches Britannien

Bereits vor den Kelten gab es in Britannien Megalith-Kulturen, die unter anderem imposante Steinmonumente errichteten, wie zum Beispiel in Wiltshire. Über die Zeit des vorrömischen keltischen Britanniens ist ansonsten nur wenig bekannt. Römische Geschichtsschreiber berichten, dass vor Caesars (mehr oder weniger gescheiterten) Feldzügen nach Britannien angeblich nur einige Kaufleute regelmäßig die Überfahrt von Gallien nach Britannien über den Ärmelkanal wagten. In Tacitus’ Werk Agricola werden die römischen Feldzüge in Britannien von ihm zum Teil scharf kritisiert.

Erster Feldzug Caesars 55 v. Chr.

Während des Feldzugs in Gallien (Gallischer Krieg) war offensichtlich geworden, dass die Gallier im Kampf gegen die Römer auch Unterstützung von verwandten Stämmen aus Britannien erhielten. Caesar musste sich daher mehr und zuverlässigere Informationen über die Verhältnisse auf der Insel beschaffen, zumal die Gallier und auch die Händler in dieser Hinsicht wenig hilfreich waren. Zuerst sandte er einen Offizier namens Gaius Volusenus mit einem Kriegsschiff voraus, um die britische Kanalküste zu erkunden, während er in der Zwischenzeit eine Flotte zusammenstellte und nebenbei noch einen Aufstand der gallischen Moriner unterdrücken musste. Daraufhin wurden britische Gesandte bei ihm vorstellig, die versprachen, Geiseln zu stellen und die Römer zu unterstützen. Er empfing sie wohlwollend und sandte sie schließlich mit dem Atrebaten Commius, von dem er annahm, dass dieser einen gewissen Einfluss bei den Briten hatte, wieder zurück.

Im Jahr 55 v. Chr. stach Julius Caesar mit mehreren Legionen in See. Caesars Flotte bestand aus rund 80 Truppentransportern, 18 Transportschiffen für die Kavallerie und einigen Kriegsschiffen. Die Flotte überquerte den Ärmelkanal, konnte aber zunächst die Truppen nicht anlanden, da britische Stammesaufgebote von den Hügeln an der Küste aus die Strände überwachten und sich auch die Ankunft der römischen Kavallerie weiter verzögerte und diese schließlich wegen eines Sturms wieder nach Gallien zurückkehren musste. Nachdem die Römer einige Stunden vor Anker gewartet hatten, segelten sie schließlich einige Meilen weiter, um einen sichereren Anlegeplatz zu finden.

Die Briten unter der Führung von Cassivelaunus waren indes mit Reitern und Streitwagen Cäsars Flotte entlang der Küste gefolgt und griffen die Römer noch während ihrer Landung an. Zusätzlich dazu waren viele von Cäsars Schiffen bei der Landung beschädigt worden. Trotz dieser anfänglich prekären Situation gelang es den Legionären bald, die Briten mit Hilfe von Brandgeschossen, die von den Kriegsschiffen aus abgefeuert wurden, von der Küste zurückzudrängen. Danach richteten sie ihr Feldlager ein. Cäsar empfing erneut Gesandte, von denen er die Überstellung von Geiseln forderte. Bald traf auch Commius ein, der nach seiner Ankunft in Britannien sofort gefangengenommen worden war.

Die Briten überraschten daraufhin mit einer Reiterattacke Legionäre bei dem Versuch, sich in der Nähe des Lagers Nahrungsmittel zu beschaffen. Die Soldaten konnten jedoch von den übrigen römischen Kräften entsetzt werden, die die Briten wieder vertrieben. Nach einigen Tagen Kampfpause (aufgrund eines Sturms) erhielten die Briten Verstärkung und sammelten sich erneut, wurden aber beim Angriff auf die gut gedrillten Römer ein weiteres Mal zurückgeschlagen und verloren auf ihrem Rückzug eine große Zahl ihrer Krieger. Erneut schickten die Briten Parlamentäre zu Caesar. Dieser verdoppelte die Zahl der geforderten Geiseln, die mit nach Gallien genommen werden sollten, worauf aber nur zwei Stämme eingingen. Kurz vor der Tagundnachtgleiche schifften sich die Römer wieder ein und kehrten nach Gallien zurück.

Zweiter Feldzug Caesars 54 v. Chr.

Im Jahr 54 v. Chr. kehrte Caesar mit einer größeren Armee nach Britannien zurück. Diese Kampagne war auch erfolgreicher als der vorangegangene Feldzug. Aber dieser Feldzug war eher als Bestrafung und nicht als Eroberungsfeldzug gedacht und mit Ende des Sommers zog sich die Armee, nach Zahlung von Tributen und der Stellung von Geiseln, wieder auf den Kontinent zurück – zumal Caesar sich jetzt auf den sich abzeichnenden Konflikt innerhalb des Ersten Triumvirats konzentrieren und zuvor auch die endgültige Eroberung und Unterwerfung Galliens abgeschlossen werden musste. Die Invasion der britischen Insel durch die Römer wurde damit um fast ein Jahrhundert aufgeschoben.

Eroberung Britanniens 43 n. Chr.

Bereits Caesars Erbe Augustus, der Begründer des Prinzipats, soll früh eine Invasion Britanniens geplant haben; sein zweiter Nachfolger Caligula (37 bis 41 n. Chr.) brach eine entsprechende Operation ab, ließ aber einen Leuchtturm am Kanal errichten, um das Übersetzen römischer Truppen zu erleichtern. Die Eroberung Britanniens wurde schließlich im Jahr 43 unter Caligulas Onkel und Nachfolger Claudius in Gang gesetzt. Claudius besaß nur geringes Ansehen und musste sich daher dringend mit militärischen Lorbeeren schmücken, um seine Herrschaft zu sichern. Es bot sich daher an, das alte Projekt einer Eroberung Britanniens wieder aufzunehmen. Mit der Planung und faktischen Durchführung wurde Aulus Plautius beauftragt. Dazu erhielt er den Befehl über insgesamt vier Legionen:

  • Legio II Augusta unter dem Befehl Vespasians (der 25 Jahre später selbst Kaiser werden sollte)
  • Legio IX Hispana
  • Legio XIV Gemina
  • Legio XX Valeria Victrix,

Seine Streitmacht umfasste somit ca. 20.000 Legionäre, dazu etwa die gleiche Anzahl von Hilfstruppen.

Als Landungspunkt der Invasoren gilt ausschließlich Richborough im heutigen Kent im Südosten Englands; einige Archäologen haben dies jedoch in Frage gestellt und nehmen an, dass ein Teil der römischen Streitkräfte auch noch über andere Routen, zum Beispiel über den Fluss Solent, auf die Insel gekommen ist. Die meisten Hinweise sprechen jedoch eindeutig für Richborough, zumal dort auch die Spuren eines großen Feldlagers aus claudischer Zeit entdeckt wurden. Auch Cassius Dios Beschreibung der Landezone passt gut auf die Topographie des östlichen Kent. Dennoch landete vermutlich eine zweite Armee in Hampshire, um dort die verbündeten Briten unter Verica zu unterstützen.

Der britische Widerstand wurde von den Söhnen des Königs Cunobelin (der Cymbeline in dem gleichnamigen Stück William Shakespeares), Togodumnus und Caratacus organisiert. Ein größeres britisches Aufgebot traf an einer nicht näher bestimmten Furt, die heute im Medway in der Nähe von Rochester vermutet wird, auf die Römer. Es folgte eine zweitägige Schlacht (Schlacht von Medway), in der die Briten bis zur Themse zurückgedrängt werden konnten. Die Römer verfolgten sie danach auch über den Fluss, wodurch die Briten weitere Männer in den Marschen von Essex verloren. Ob die Römer dabei eine schon bestehende Brücke nutzten oder selbst eine bauten, ist unsicher. Man weiß nur, dass eine Abteilung batavischer Hilfstruppen durch den Fluss geschwommen ist.

Bei diesem Treffen fiel einer der britischen Anführer, Togodumnus, was die Briten aber nur noch mehr gegen die Römer aufbrachte. Aufgrund dessen sah sich Aulus Plautius schließlich veranlasst, noch mehr Truppen aus Rom anzufordern. Nach einer Reihe weiterer ergebnisloser Kämpfe, die sich zwei Monate lang hinzogen, traf schließlich Claudius selbst in Britannien ein, um sich persönlich an die Spitze der Armee zu stellen. Inzwischen war es Plautius gelungen, den kaiserlichen Truppen eine sehr günstige Angriffsposition zu verschaffen. Es wird berichtet, dass Claudius auch Kriegselefanten und schwere Waffen mitgebracht hatte, die den Widerstand der Briten schon im Keim ersticken sollten. Unter der nominellen Führung von Claudius belagerten und stürmten die Legionäre schließlich Cunobelinus’ Hauptstadt Camulodunum (Colchester), was nach Ansicht des Plautius aber strategisch nachrangig war und nur zur Hebung der Moral der Truppen diente. Zudem war die Plünderung der Stadt natürlich geeignet, Claudius' Ruhm zu mehren.

Nach einer anschließenden vernichtenden Niederlage musste Caratacus in die walisischen Berge fliehen und versuchte, den Kampf von dort aus fortzusetzen. Im Südosten konnten elf Stämme unterworfen werden, und die römische Armee bereitete sich darauf vor, weitere Gebiete im Westen und Norden der Insel zu okkupieren. Verwaltungsmittelpunkt der neuen Provinz, die wohl 49 n. Chr. offiziell eingerichtet wurde, wurde zunächst Camulodunum, wo auch ein Tempel zu Ehren des Kaisers errichtet wurde. Die Stadt wurde zu einer römischen Colonia erhoben. Claudius selbst blieb nur kurz auf der Insel und kehrte rasch wieder nach Rom zurück, um seinen Triumph über die Briten zu feiern. Er hatte sein Hauptziel erreicht und konnte sich als siegreicher Feldherr feiern lassen; er ließ aber auch Plautius, dem wahren Sieger, angemessene Ehrungen zukommen.

Abschluss der Eroberung

Vespasian zog mit einer Armee weiter nach Westen, unterwarf dabei weitere Stämme und eroberte auf seinem Weg einige ihrer Hillforts. Er gelangte dabei bis Exeter, vielleicht sogar bis in die Gegend um Bodmin. Die Legio IX wurde inzwischen nach Norden Richtung Lincoln in Marsch gesetzt. Es ist möglich, dass das gesamte Gebiet südlich der Linie des Humber bis zum Severn innerhalb von vier Jahren unter römische Kontrolle gebracht werden konnte. Auch eine Römerstraße, der sogenannte Fosse Way, entspricht exakt dieser Linie. Dies lässt manchen Historiker vermuten, dass sie in den ersten Jahren der römischen Besatzung als Limes gedient hat. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die Grenze zwischen römischen und keltischen Britannien in dieser Zeit immer wieder starken Schwankungen unterworfen war.

Gegen Ende des Jahres 47 zog der neue Statthalter Britanniens, Publius Ostorius Scapula, gegen die Stämme in Kambrien (heute Wales) und dem Cheshire Gap ins Feld. Die Silurer im südöstlichen Wales verteidigten das walisische Grenzland jedoch erbittert und bereiteten Ostorius dadurch große Probleme. Caratacus wurde in einer Schlacht erneut geschlagen und floh in das Bergland der Pennines zum Stamm der Briganten, die aber bereits unter römischer Klientel standen. Deren Königin Cartimandua war nicht in der Lage (oder nicht willens), Caratacus in Anbetracht des Waffenstillstands mit den Römern zu schützen, und lieferte ihn umgehend an seine Feinde aus. Ostorius starb jedoch bald und wurde durch Aulus Didius Gallus ersetzt, der zwar die walisischen Grenzgebiete unter Kontrolle brachte, danach aber nicht mehr weiter in den Westen und Norden vordrang, vielleicht auch deswegen, weil Rom sich von einem lang hinziehenden Guerillakrieg im unzugänglichen Hochland keinen nennenswerten Gewinn versprach.

Nero, der 54 n. Chr. als Nachfolger des Claudius römischer Kaiser wurde, setzte die Eroberungen in Britannien dennoch fort. Er ernannte Quintus Veranius zum neuen Statthalter, einen Mann, der schon in Asia Erfahrungen im Umgang mit widerspenstigen Bergstämmen gesammelt hatte. Veranius und sein Nachfolger Gaius Suetonius Paulinus führten einen erfolgreichen Feldzug in Wales, bei dem im Jahre 60 das religiöse Zentrum der britischen Druiden, die im Widerstand gegen die Römer immer wieder eine bedeutende Rolle gespielt hatten, auf der Insel Mona gestürmt und zerstört werden konnte. Auch viele der Druiden wurden dabei getötet oder begingen Selbstmord.

Die vollständige Besetzung von Wales musste jedoch vorerst noch aufgeschoben werden, da ein viel gefährlicherer Aufstand der Icener und Trinovanten unter Führung der charismatischen Königin Boudicca losbrach, der die Römer zwang, sich wieder stärker dem schon befriedet geglaubten Südosten der Insel zu widmen. Der Historiker Sueton berichtet, dass die dramatischen Ereignisse des Boudicca-Aufstandes Nero sogar zu der ernsthaften Überlegung veranlasst hätten, sich wieder ganz aus Britannien zurückzuziehen, er dies aber aus Prestigegründen dann doch unterließ. Es gelang Paulinus, die zahlenmäßig wohl weit überlegenen Briten dank der Disziplin seiner Truppen in einer blutigen Entscheidungsschlacht zu besiegen. Die Politik der nachfolgenden Statthalter zielte dann vornehmlich auf eine Versöhnung mit den romfeindlichen Stämmen ab. Eine Beruhigung der Situation war vor allem der ausgleichenden Politik des Statthalters Marcus Trebellius Maximus (63–69) zu verdanken.

Nach der blutigen Niederschlagung der Rebellion Boudiccas und ihrer Verbündeten wurde die Eroberung weiterer Regionen im Norden nach längerer militärischer Zurückhaltung der Römer wieder fortgesetzt, nachdem sich Vespasian im Vierkaiserjahr 69 als neuer Herrscher des Imperiums durchgesetzt hatte. Die Silurer wurden erst nach einem längeren Feldzug unter Führung des Sextus Julius Frontinus im Jahre 76 endgültig unterworfen. Cartimandua sah sich gezwungen, römische Hilfe anzufordern, um so einer Rebellion ihres Ehemannes Venutius zu begegnen. Quintus Petilius Cerialis marschierte daraufhin mit seinen Legionen von Lincoln bis nach Eboracum (York) und schlug 70 n. Chr. die Aufrührer um Venutius bei Stanwick, was die bereits stark romanisierten Stämme der Briganten und Parisier noch enger an das Imperium band.

Neuer Statthalter wurde im Jahr 77 Gnaeus Iulius Agricola, der Schwiegervater des Historikers Tacitus. Dieser schilderte Agricolas Leben in einer Biographie, die wertvolle Informationen über das römische Britannien enthält. Agricola vollendete demnach die Unterwerfung der Ordovicer in Wales und führte seine Truppen danach die Pennines entlang nach Norden. Durch die Anlage neuer Straßen sicherte er das gewonnene Terrain weiter ab, zusätzlich zu diesen Maßnahmen ließ er das Legionslager von Chester errichten. Zu seiner Taktik zählte auch, lokale Stämme zuerst zu terrorisieren, bevor er ihnen Verhandlungen anbot. Im Jahr 80 hatte er den Fluss Tay erreicht, wo er das Kastell Inchtuthil anlegen ließ. Von hier aus stieß er weiter nach Moray vor, wo er einen vernichtenden Sieg über Kaledonische Stämme in der so genannten Schlacht am Mons Graupius errang (ob Tacitus die Bedeutung des Sieges übertreibt, ist umstritten). Des weiteren befahl er der Flotte, die Nordspitze Schottlands zu umsegeln, um endgültig die Insellage Britanniens zu beweisen und die Inselgruppe der Orkneys für das Reich zu beanspruchen.

Agricola wurde schließlich von Domitian wieder nach Rom zurückbeordert und scheint (so zumindest Tacitus) durch eine Reihe von unfähigen Nachfolgern ersetzt worden zu sein, die nicht in der Lage waren, die Unterwerfung des Nordens weiter voranzutreiben, zumal die Legionen nun an anderer Stelle, besonders an der Donau, benötigt wurden. Die Römer mussten sich dabei aber auch sicherlich die Frage stellen, ob die Kosten eines langwierigen Krieges in dieser unwirtlichen Region die ökonomischen oder politischen Vorteile aufwog, oder ob es nicht doch klüger war, sich mit einer de-iure-Unterwerfung der Kaledonier zu begnügen.

Festigung der Nordgrenze

Die Römer versuchten dennoch 142, nach Okkupation der schottischen Lowlands unter Kaiser Antoninus Pius, die Grenze hinter den Flüssen Clyde und Forth zu stabilisieren, indem sie den Antoninuswall erbauten, scheiterten jedoch damit und zogen sich schließlich endgültig hinter den etwas älteren und stärker befestigten Hadrianswall an der Linie Tyne-Solway Firth zurück, der bereits 122 errichtet worden war. Dieses Wallsystem wehrte nicht nur relativ wirksam die Einfälle der Nordstämme ab, sondern erleichterte auch wesentlich die Kontrolle über den Handel mit den dahinter liegenden Gebieten. Unter Kaiser Marcus Aurelius musste man heftige Angriffe der Pikten abwehren, wobei sich der Offizier Lucius Artorius Castus besonders auszeichnete.

193 wurde der britannische Statthalter Clodius Albinus im Zuge der chaotischen Ereignisse nach dem zweiten Vierkaiserjahr von seinen Truppen offenbar als Imperator akklamiert; er konnte sich zunächst mit seinem Rivalen Septimius Severus verständigen, doch 196 kam es zum offenen Konflikt, in dem Albinus 197 unterlag. Diese Vorgänge waren offenbar der Anlass, die Provinz zu teilen, damit dort fortan nicht mehr drei Legionen dem Kommando eines einzigen Statthalters unterstanden. Römische Truppen drangen danach mehrfach in den Norden des heutigen Schottland vor, darunter im Jahr 209, als Septimius Severus in einem verlustreichen Feldzug eine kaledonische Konföderation schlug und ihre Unterwerfung annahm; der Kaiser starb 211 in Eboracum (York). Nach der Usurpation des Postumus, 260, gehörte Britannien für einige Jahre dem sog. Imperium Galliarum an, bevor es Kaiser Aurelian 274 wieder der Zentralgewalt in Rom unterwarf.

Romanisierung

Pragmatisch wie die Römer waren, bauten sie in Britannien in relativ kurzer Zeit eine hoch effiziente Infrastruktur auf, um ihre militärische Eroberungen noch weiter abzusichern und was ihnen dabei am wichtigsten war, die Steuererträge erheblich zu steigern. Sie erschlossen so schließlich ihren Herrschaftsbereich in Britannien (bis auf einige Ausnahmen im Westen der Insel) recht gut, wobei jedoch der Grad der Romanisierung in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Am stärksten wirkte sich der römische Einfluss im Süden und Osten aus, wo der kulturelle Einfluss vom Kontinent am spürbarsten und auch die Urbanisierung am stärksten fortgeschritten war. Hier setzte sich die lateinische Sprache bis in die unteren Bevölkerungsschichten durch. Ab dem 2. Jahrhundert konnte in diesen Regionen auch das Christentum die tiefsten Wurzeln schlagen. Die genauen Mechanismen der Romanisierung sind in der jüngeren Forschung aber umstritten.

In welchem Grad die Römer auf die politischen oder ökonomischen Vorgänge im benachbarten Hibernia (Irland) Einfluss nahmen, ist bis heute nicht genau geklärt.

Spätantike

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts war Britannien militärisch erneut zu einem Machtfaktor innerhalb des Römischen Reiches geworden. Im Jahr 287 gelang es Carausius, einem romanisierten Gallier aus der Provinz Belgica, sich mit Hilfe seiner Armee in Britannien zum Gegenkaiser gegen Diokletian ausrufen zu lassen. Carausius beanspruchte ein Sonderreich, bestehend aus Britannien und dem an den Kanal angrenzenden Teil Galliens. Britannien war vom Kontinent aus nur schwer zu erobern, zumal man der Bedrohung durch seit etwa 250 von See her einfallende germanische Völker mit teilweise neu errichteten, stark befestigten Kastellen an der Sachsenküste Herr zu werden versucht hatte. Diese strategisch wichtigen Festungen und Flottenstationen, wohl bemannt mit Carausius’ loyalsten Offizieren und Soldaten, konnten nun genauso gut auch römische Invasoren vom Kontinent abwehren. Constantius Chlorus, der nach der Teilung des Reiches durch Diokletian Caesar (Unterkaiser) und Adoptivsohn des westlichen Kaisers Maximian geworden war, erhielt im Jahre 293 im Rahmen der Tetrarchie Britannien und Gallien als Zuständigkeitsbereich zugeteilt. Sofort schickte er sich an, mit Hilfe einer neuen Flotte die nordgallischen und die britannischen Provinzen zurückzugewinnen. Nach der Rückeroberung Gesoriacums, des heutigen Boulogne, durch Constantius wurde Carausius von Allectus ermordet. Dieser machte sich selbst zum Nachfolger des Usurpators und zog sich mit seinen fränkischen und sächsischen Truppen nach Britannien zurück, wo er von Constantius Chlorus und dessen Feldherrn, dem Prätorianerpräfekten Asclepiodotus, nach ihrer Landung im Jahre 296 sofort in die Zange genommen und vernichtend geschlagen wurde. Constantius zog daraufhin in Londinium (London), der Hauptstadt der Britannia Superior ein, dessen Bevölkerung, die endlich Frieden wünschte, sich ihm widerstandslos unterwarf. Die Rückgewinnung Britanniens wurde auf Münzen gefeiert.

Die anschließende Verwaltungsreform des Kaisers Diokletian brachte eine weitere Aufteilung der Provinzen auf dem Gebiet Britanniens mit sich, die wahrscheinlich von Constantius Chlorus bei seinem Aufenthalt in Britannien eingeleitet wurde. Möglicherweise wurde zuerst eine Teilung der Provinz Britannia Superior in die Teile Britannia Prima und Maxima Caesariensis durchgeführt, Britannia Inferior wurde dadurch zu Britannia Secunda. Bald darauf dürfte jedoch die Provinz Britannia Caesariensis, welche ihren Beinamen vom Caesar Constantius Chlorus selbst erhalten hatte, nochmals geteilt worden sein. Jedenfalls verzeichnen spätere Listen neben Britannia Prima und Britannia Secunda spätestens ab 314 auch noch die Provinzen Maxima Caesariensis und Flavia Caesariensis, welche vielleicht nach Diokletians Kollegen Maximian und zweifellos nach seinem Caesar Constantius Chlorus, der eigentlich Flavius Valerius Constantius hieß, benannt worden waren.

Im Sommer 306 kam es in York erneut zu einer Usurpation: Konstantin der Große, der Sohn des Constantius, ließ sich nach dem Tod seines Vaters widerrechtlich zum Kaiser ausrufen. Es gelang ihm allerdings, nachträglich vom neuen Oberkaiser Galerius als Caesar anerkannt zu werden. Auch im weiteren 4. Jahrhundert wurde Britannien, das nun zusammen mit Gallien und Hispanien einem Prätorianerpräfekten unterstand, dem in spätrömischer Zeit höchsten Zivilbeamten, von Usurpationen heimgesucht. Grund dafür war einerseits die exponierte, weit von jeder Zentrale entfernte Lage der Provinzen und andererseits die noch immer recht hohe Truppenkonzentration. Da der archäologische Befund widersprüchlich ist, ist in der Forschung umstritten, wie es um die ökonomische Situation der Insel in diesen Jahren bestellt war. Besonders Flavius Theodosius stellte dann in den 360er Jahren noch einmal erfolgreich die Ordnung in Britannien her, wobei er es 367/68 mit einer „barbarischen Verschwörung“ von Pikten, Skoten und Angelsachsen zu tun hatte, die die beiden militärischen Anführer der römischen Truppen auf der Insel getötet hatten.

In der Spätantike wurde im ganzen Reich die militärische Führung von der zivilen getrennt und das Heer in Bewegungsheer (Comitatenses) und Grenztruppen (Limitanei) aufgeteilt. Den Oberbefehl über die Grenztruppen an der britischen Nordgrenze mit dem Hadrianswall hatte der Dux Britanniarum. Die Grenztruppen an der stark befestigten südlichen Sachsenküste befehligte zunächst ein Comes Maritimi Tractus, der auch die Grenztruppen an der Nordküste Galliens befehligte. Ende des 4. Jahrhunderts wurde die Zuständigkeit beidseitig des Ärmelkanals aufgeteilt und ein Comes litoris Saxonici per Britanniam erhielt das Oberkommando über die Grenztruppen an den südlichen Küsten Britanniens. Den Oberbefehl über das Feldheer für ganz Britannien hatte in der Spätantike der Comes Britanniarum. Dieser hatte gestützt auf die auf der Insel stationierte Elite des römischen Feldheeres eine herausragende Stellung im spätantiken römischen Militär.

Der Comes Britanniarum Magnus Maximus nahm 383 im Rahmen seiner Usurpation einen großen Teil der römischen Truppen mit nach Gallien, wo viele gemeinsam mit ihm den Tod fanden – nach Ansicht einiger Historiker (zum Beispiel Guy Halsall) war er es, der zuvor die ersten angelsächsischen Föderaten auf der Insel ansiedelte, doch ist dies umstritten. Einige Zeit später wurden noch einmal neue römische Truppen nach Britannien verlegt. Der Dichter Claudian bezeugt dann, dass der weströmische magister militum Stilicho noch 398/99 eine Offensive gegen Pikten und Skoten durchführen ließ, bevor man 401/02 erneut zahlreiche Einheiten des britannischen Feldheeres abzog, um Italien gegen die Westgoten zu sichern.

Die archäologischen Belege aus den letzten Jahren römischer Herrschaft zeigen nunmehr unzweideutige Zeichen des Niedergangs bzw. der Rückkehr zu vorrömischen Lebensweisen, die auf der Insel ohnehin nie verschwunden waren. Das Leben in den römischen Städten und Villen entwickelte sich seit dem letzten Viertel des 4. Jahrhunderts weniger stark, Tonscherben aus der Zeit nach 400 gibt es dort kaum, römische Münzen aus der Zeit nach 402 sind auf der Insel selten und nach 407 praktisch nicht mehr vorhanden. Als sich schließlich der Comes Britanniarum Konstantin III. 407 als Nachfolger des Usurpators Gratian (dem wiederum war schon die Usurpation des Marcus vorausgegangen) zum Kaiser aufschwang und den Ärmelkanal mit dem größten Teil der noch verbliebenen Truppen überquerte, hatte die römische Militärpräsenz in Britannien wohl faktisch ihr Ende gefunden. Die britische Provinzarmee war dabei schon lange nicht mehr in den klassischen Legionen der frühen und mittleren Kaiserzeit organisiert. Die "Römische Armee", die auf Befehl des Usurpators aus Britannien abgezogen wurde, war wohl eher eine unruhige Söldnertruppe, die sich von der weströmischen Zentralregierung im Stich gelassen fühlte, auf Konstantins Person eingeschworen war und ihm die Treue hielt, solange er seine Männer und ihre Familien mit dem Nötigsten versorgen konnte. Dennoch wird der Usurpator, der ja in einen Bürgerkrieg zog, zweifellos gerade die loyalsten und kampfstärksten Einheiten mit nach Gallien genommen haben; wenn Truppen in Britannien zurück blieben, dann wohl Grenzsoldaten (limitanei). Wie dem auch sei: Bereits 409 sagten sich die britannischen Provinzen von Konstantin III. los, vermutlich kam es zu einem Aufstand. Traditionell gelten die Jahre zwischen 409/10 als der Zeitpunkt, an dem die letzten regulären Truppen die Insel verließen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dies, wie oben erwähnt, vor allem das mobile Feldheer betraf, während ein Teil der Grenztruppen im Land geblieben sein dürften. Dennoch galt zumindest in der älteren Forschung das Jahr 410 als das "Ende" des römischen Britanniens. Erst in jüngerer Zeit misst man diesem Datum weniger praktische Bedeutung bei als früher.

Dunkles Zeitalter

Sehr wenige Quellen stehen für die Zeit nach 410, das "Dunkle Zeitalter", zur Verfügung: Gildas schrieb im späteren 6. Jahrhundert einen Bericht über die Eroberung Britanniens durch die Angelsachsen, doch ist selbst dieser nicht immer zuverlässig und zudem nur begrenzt informativ. Die anonyme Chronica Gallica von 452 stellt lediglich knapp fest, 441 sei die Insel, die seit einer Weile von Unheil heimgesucht worden sei, für die Römer verloren gegangen und an die Sachsen gefallen: Britanniae usque ad hoc tempus variis cladibus eventibusque latae in dicionem Saxonum rediguntur (Chron. Gall. a CCCCLII, ad ann. 441). 511 vermeldet dann ein weiterer namenloser Chronist, 440 sei Britannien von den Römern aufgegeben worden und unter sächsische Herrschaft gelangt (Britanniae a Romanis amissae in dicionem Saxonum cedunt; Chron. Gall. a DXI, ad ann. 440).

Die nächsten Quellen sind erst wieder aus dem Früh- und Hochmittelalter überliefert, wie Beda Venerabilis im frühen 8. Jahrhundert, die Anglo-Saxon Chronicle und die Historia Britonum aus dem 9. Jahrhundert sowie die um 1136 von Geoffrey von Monmouth verfasste Historia Regum Britanniae. Der über das bei Gildas Berichtete hinausgehende Inhalt dieser Quellen zum 5. und 6. Jahrhundert in Britannien wird heute als größtenteils unhistorisch oder legendär eingeschätzt.

Nach Ansicht der meisten Forscher lassen die archäologischen und literarischen Quellen lediglich eine grobe Rekonstruktion zu: Bald nach dem Abzug der römischen Truppen brach offenbar die nördliche Grenzbefestigung zusammen. Britische Städte wurden von Skoten und Pikten geplündert, angeblich die Bevölkerung ganzer Ortschaften ermordet. Kaiser Honorius wies die um Hilfe nachsuchenden civitates von Britannia laut Zosimos im Jahr 410 an, die Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen, wobei es sich bei den meisten civitates aber wohl nur um kleine Ortschaften handelte. Nach Ansicht von Forschern wie David Mattingly unterlief Zosimos hier allerdings ein Irrtum – der Kaiser habe sich nicht an Britannia, sondern an Bruttium in Italien gewandt. Die meisten Historiker nehmen an, dass die römische Gesellschaft 410 nicht schlagartig kollabierte, sondern man spricht von einem "sub-römischen Britannien", in dem man etwa 30 Jahre lang versucht habe, die vertraute Lebensweise zu wahren. Während der ersten Generation nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen konnten sich die römischen civitates auf der Insel mit Hilfe germanischer Föderaten (s. u.) offenbar einigermaßen behaupten. Anscheinend schwang sich damals ein lokaler Aristokrat, den die spätere Überlieferung als Vortigern in Erinnerung behielt, zum Herrscher der Provinzialen auf. Gildas bezeichnet diesen Mann als tyrannus, was im spätantiken Latein einen Usurpator bezeichnete. Ob Vortigern wie die Usurpatoren in Britannien zuvor auch kaiserliche Würden beanspruchte und wie weit seine Herrschaft reichte, ist allerdings unklar.

Fest steht: Bald rückten Angeln, Sachsen und Friesen in die von den römischen Truppen verlassenen Provinzen ein, wobei man sich darunter jedoch keine Völkerwanderung in einem großen Zug vorstellen darf; vielmehr gelangten die meisten Germanen in kleinen Gruppen von Kriegern auf die Insel. Genetische Analysen legen nahe, dass die Gesamtzahl der Zuwanderer nicht sehr groß gewesen sein dürfte. Wahrscheinlich hatten die römisch-britischen Bewohner Britanniens die Angelsachsen ursprünglich als foederati angeheuert, die nach Abzug der kaiserlichen Verbände die Verteidigung gegen die Pikten und Skoten im Norden übernehmen sollten. Einzelne germanische Verbände waren möglicherweise auch schon als Truppen der römischen Armee auf die Insel gekommen. Gildas macht den erwähnten tyrannus für die Anwerbung der Angelsachsen verantwortlich, Beda Venerabilis nennt diesen Mann dann erstmals Vortigern.

Offenbar kam es dann um 440/441 zu einem Ereignis, das für die Zeitgenossen das Ende des römischen Britanniens markierte, wie die erwähnten gallischen Chroniken belegen. Wahrscheinlich war dies der Zeitpunkt, zu dem sich die Angelsachsen erhoben. Der Rebellion der foederati konnten die Provinzialen zumal im Osten der Insel wenig entgegensetzen. Viele liefen wohl zu den Germanen über oder unterwarfen sich, während sich andere nach Norden und Westen zurückzogen. DNA-Analysen von "angelsächsisch" bestatteten Menschen aus diesen Jahren haben vor einiger Zeit gezeigt, dass es sich oft um Kelto-Romanen handelte, die offenbar übergelaufen waren und die Lebensweise der Sieger angenommen hatten.

Bei Gildas wird von einem Hilferuf der romanisierten Briten an den weströmischen Heermeister Aëtius um 446 berichtet (was zu den Angaben der beiden gallischen Chroniken passen würde), doch sah sich Westrom damals längst mit größeren Problemen konfrontiert; Britannien war zu einem peripheren (und nur mehr formalen) Bestandteil des Imperiums geworden, aus dem längst keine Steuereinnahmen mehr nach Rom flossen. Dennoch gibt es Belege für fortbestehende Kontakte zwischen dem südlichen Britannien und dem damals noch römisch kontrollierten nördlichen Gallien. Es kam zudem zu einer Auswanderungswelle von Briten in das heute Bretagne genannte Gebiet.

Um 470 unterstützte ein Riothamus genannter römisch-britischer Warlord in Gallien vergeblich den weströmischen Kaiser Anthemius gegen die rebellierenden Westgoten, worüber mehrere zeitgenössische gallische Quellen berichten. Wie Gildas berichtet, gelang es dann den Briten unter Führung von Ambrosius Aurelianus um das Jahr 500, das Vordringen der Angelsachsen noch für einige Jahrzehnte aufzuhalten. Erst für die siebziger Jahren des 6. Jahrhunderts berichtet die Angelsächsische Chronik, dass König Ceawlin die Gebiete der Angelsachsen verbinden und die römisch-britischen Herrschaftsbereiche auf Wales und Cornwall zurückdrängen konnte.

Dort konnten sich die „römischen“ Briten noch längere Zeit halten, wobei aber der römische Charakter ihrer Zivilisation nebst der lateinischen Sprache bald endgültig verloren ging. Dies bedeutete das Ende der Spätantike für Britannien (im übrigen Europa sollte sie noch länger andauern) und war mit einem enormen materiellen Niedergang verbunden. Die römische Kultur verschwand fast spurlos (auch wenn in Wales noch im 6. Jahrhundert vereinzelt lateinische Inschriften mit korrekter Consulatsdatierung gesetzt wurden), und auch das Christentum scheint in den von Angelsachsen beherrschten Gebieten zurückgedrängt worden zu sein. Die Römer gaben den Anspruch auf Britannien allerdings de iure nie auf – noch um das Jahr 540 scheint Kaiser Justinian I. die Insel als prinzipiell zum Imperium gehörig betrachtet zu haben.

Wirtschaft

Wirtschaftlich waren die Römer vor allem an Zinn und Gold aus Britannien interessiert. Darüber hinaus machten sie eine neue, im Wollertrag leistungsfähigere Schafrasse aus Kleinasien auf der Insel heimisch und legten damit einen wichtigen Grundstein für die britische Wollproduktion. Wirtschaftliches Zentrum Britanniens war auch damals schon Londinium. Über die wirtschaftliche Stärke der Insel herrscht in der Forschung, wie bereits angedeutet, keine Einigkeit, zumal einige antike Autoren klagen, Britannien koste das Imperium mehr, als es ihm einbringe. Im 3. und 4. Jahrhundert war die Insel wohl für die Versorgung der römischen Truppen am Rhein zuständig und dürfte daher teilweise prosperiert haben, doch gibt es angesichts widersprüchlicher Befunde – etwa was die römischen civitates Britanniens angeht – unterschiedliche Positionen in der Forschung.

Provinzen und Verwaltung

Britannien war anfangs nur in einer einzigen Provinz organisiert, deren Hauptstadt Camulodunum war. Nach den Vorgängen im Zuge des Aufstandes der Boudicca in dieser Stadt ging diese Funktion auf Londinium über.

Bald nach 197 n. Chr. – nach dem Sieg über Clodius Albinus – erfolgte unter Kaiser Septimius Severus die Zweiteilung der Provinz:

  • Britannia Superior mit der Hauptstadt Londinium und
  • Britannia Inferior mit der Hauptstadt Eboracum.

Eine weitere Aufteilung der Provinzen erfolgte im Zuge der Reichsreform unter Diokletian:

  • Britannia Secunda im Norden mit der Hauptstadt Eboracum, die
  • Flavia Caesariensis im Südwesten mit der Hauptstadt Lindum Colonia
  • Britannia Prima im Südwesten, mit der Hauptstadt Corinium Dobunnorum, und die
  • Maxima Caesariensis im Südosten mit der alten Metropole Londinium.

369, nach der erneuten Befriedung der Insel durch Flavius Theodosius, kam unter Kaiser Valentinian I. schließlich noch eine fünfte Provinz, Valentia, im Norden hinzu, ihre Hauptstadt wurde Luguvallium (Carlisle).

Britannien wurde, wie die meisten Provinzen, unterhalb der Provinzialadministration des Statthalters für gewöhnlich von den civitates aus verwaltet. Daneben gab es noch die Grenzregionen, die direkt vom Militär organisiert und überwacht wurden, und zumindest bis 212 auch die Gebiete, die einer der Veteranenkolonien Britanniens unterstanden.

Bekannte Civitates Britanniens

  • Dumnonii (Hauptstadt: Isca Dumnoniorum)
  • Durotriges (Hauptstadt: Durnovaria); Teilung der Civitas im zweiten Jahrhundert, neue Hauptstadt: Lindinis
  • Belgae (Hauptstadt: Venta Belgarum)
  • Regni/Regnenses
  • Cantiaci (Hauptstadt: Durovernum Cantiacorum)
  • Atrebaten (Hauptstadt: Calleva Atrebatum)
  • Dobunni (Hauptstadt: Corinium Dobunnorum)
  • Silurer (Hauptstadt: Venta Silurum)
  • Demetae (Hauptstadt: Camarthen)
  • Catuvellaunen (Hauptstadt: Verulamium)
  • Trinovanten (Hauptstadt: Camulodunum)
  • Icener (Hauptstadt: Venta Icenorum)
  • Cornavii (Hauptstadt: Viroconium)
  • Corieltavi (Hauptstadt: Ratae Corieltavorum)
  • Parisi (Hauptstadt: Brough ?)
  • Briganten (Hauptstadt: Eboracum)

Zu den Bürgerkolonien zählten die Städte

  • Camulodunum,
  • Glevum und
  • Lindum Colonia.

Gebiete unter Militärverwaltung waren große Teile des heutigen Wales und der Nordwesten der Provinz (Hadrianswall).

Zeittafel

  • 55 v. Chr. – Cäsars 1. Feldzug nach Britannien
  • 54 v. Chr. – Caesars 2. Feldzug nach Britannien
  • 43 n. Chr. – Britannienfeldzug des Aulus Plautius: 20.000 Soldaten setzen im Auftrag des römischen Kaisers Claudius nach Britannien über. Britannien wird zu einer römischen Provinz. Camulodunum (Colchester) wird gegründet und Sitz der Verwaltung, muss diesen jedoch einige Jahre später an London (Londinium) abgeben.
  • 44 – Aulus Plautius versucht den Rest der Insel zu unterwerfen. (Er hatte nur ungenaue Vorstellungen von der Größe der Insel.)
  • 47 – Publius Ostorius Scapula folgt Aulus Plautius als Statthalter nach.
  • 60 – Gnaeus Iulius Agricola erhält sein erstes Kommando in Britannien.
  • 60/61 – Boudicca, Witwe eines keltischen Klientelkönigs, wagt den Aufstand gegen die Römer, nachdem diese vertragswidrig militärisch gegen ihre Töchter vorgegangen waren. Sie zerstört und plündert Camulodunum, Londinium und Verulamium, nach Tacitus werden dabei über 70.000 Römer erschlagen. Als sie die entscheidende Schlacht bei Mancetter verliert, begeht sie Selbstmord.
  • 62–69 – Fortschritt der Romanisierung Südbritanniens unter den Statthaltern Petronius Turpilianus und Trebellius Maximus.
  • zwischen 78–84, Statthalterschaft des Agricolas.
  • 78 – Agricola führt im Norden der Provinz einige Feldzüge durch.
  • 117 – Hadrian ordnet bei einem Besuch auf der Insel den Bau des vallum Hadriani an, "...um die Barbaren von den Römern zu trennen". Unter seinem Nachfolger Antoninus Pius wird die Grenze um 150 weiter nach Norden verschoben und mit einem Holz-Erde Wall befestigt (Antoninuswall). Dieser wird aber nach nur wenigen Jahren wieder aufgegeben und die Grenze wieder (diesmal endgültig) an den Hadrianswall zurückverlegt.
  • 193, der britannische Statthalter Clodius Albinus erhebt Anspruch auf den Kaiserthron, wird aber 197 in der Schlacht von Lugdunum von den Legionen des Septimius Severus geschlagen und auf der Flucht getötet.
  • 211, Kaiser Septimius Severus stirbt während eines Feldzuges gegen die Nordstämme in Eboracum.
  • um 211 – Die römischen Garnisonen am Hadrianswall bestehen nun großteils aus einheimischen Soldaten.
  • ab 250 – sächsische Piraten suchen erstmals Britanniens Küsten heim.
  • 260 – Britannien fällt zeitweilig an den Usurpator Postumus.
  • 287 – Carausius revoltiert gegen den Augustus des Westens, Maximian, und ruft sich mit Hilfe der Classis Britannica und der Franken zum Herrscher über Britannien aus. Dem Caesar Constantius Chlorus gelingt es die Insel 293 wieder zurückzuerobern.
  • 306 – der Augustus des Westens Constantius Chlorus stirbt in Eboracum (York), sein Sohn Konstantin der Große wird von seiner Armee zum Nachfolger ausgerufen.
  • 383 – Usurpation des Magnus Maximus.
  • 407 – Abzug der meisten Comitatenses unter dem Usurpator Konstantin III..
  • 409 – Britannien rebelliert gegen Konstantin III und sagt sich von ihm los.
  • 410 – Der weströmische Kaiser Honorius verweigert (so die traditionelle Lesart) militärische Hilfe und teilt den britischen Magistraten in einem Schreiben mit, dass sie sich in Zukunft selbst verteidigen müssten. Während der folgenden Jahrzehnte löst sich die römische Verwaltungsorganisation auf der Insel größtenteils auf, auch der Münzumlauf kommt zum Erliegen.
  • um 440 – Der weströmische magister militum Aëtius unterhält zwar noch Kontakte zu den Magistraten der Städte in Britannien, lehnt aber ebenfalls jegliche militärische Hilfe ab. Um diese Zeit rebellieren Angelsachsen, die die verbliebenen civitates als foederati ins Land gerufen hatten, und bringen in den folgenden zwei Jahrhunderten das Gebiet des heutigen England schrittweise unter ihre Herrschaft.

Literatur

Quellen

(in Auswahl)

  • Caesar, De Bello Gallico, übers. v. E. Siebhorn, Göttingen ²2001. ISBN 3-525-71627-3
  • Tacitus, Annalen, übers. v. E. Heller, Zürich u. a. ³1997. ISBN 3-7608-1645-2
  • Tacitus, Historien, übers. v. J. Borst, München 1959.
  • Tacitus, Agricola, übers. v. K. Büchner, Stuttgart ³1985. ISBN 3-520-22503-4

Sekundärliteratur

  • Wichtige Beiträge finden sich in der nur diesem Thema gewidmeten Fachzeitschrift Britannia.
  • Anthony R. Birley: The Roman Government of Britain. Oxford 2005, ISBN 0-19-925237-8.
  • Kai Brodersen: Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte. Darmstadt 1998. ISBN 3-89678-080-8 (Quellensammlung)
  • Robin George Collingwood: The Archaeology of Roman Britain. London 1930. ISBN 0-09-185045-2
  • Leonard Cottrell: The Great Invasion. New York 1962. ISBN 0-330-13037-4
  • John Creighton: Britannia. The Creation of a Roman Province. Oxford 2005.
  • Ken Dark: Britain and the End of the Roman Empire. Stroud 2002. ISBN 0-7524-2532-3
  • Michael E. Jones: The End of Roman Britain. London u. a. 1996. ISBN 0-8014-8530-4
  • John Manley: AD 43. The Roman Invasion of Britain. Tempus 2002. ISBN 0-7524-1959-5
  • David Mattingly: An Imperial Possession. Britain in the Roman Empire. London 2006. ISBN 978-0-14-014822-0
  • Peter Salway: Roman Britain. Oxford 2000. ISBN 0-19-285404-6

 

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Angelsachsen

Die Angelsachsen waren ein germanisches Sammelvolk, hauptsächlich bestehend aus Sachsen und Angeln. Als Verband treten diese Stämme, mit aus Jüten, Friesen und Niederfranken bestehenden Gruppen, ab dem 5. Jahrhundert auf.

Aus diesem Völkerverbund, später ergänzt um Skandinavier, Dänen und im 11. Jahrhundert frankophone Normannen, bildete sich zuerst eine angelsächsische Kultur heraus, um im Verlauf der Zeit und Entwicklung durch die genannten anderen ethnisch-kulturellen Einflüsse die englische Kultur herauszubilden (mit auch keltischen Erbgütern).

Manchmal wird heute der Begriff im übertragenen Sinn in Bezug auf die Bewohner der Britischen Inseln und auf die englischen Sprachvölker in Nordamerika und Ozeanien angewendet.[1]

Herkunft der Angelsachsen

Die Angelsachsen sind im Wesentlichen die Nachkommen zweier kontinentalgermanischer Stämme. Die Angeln wurden schon während der hohen römischen Kaiserzeit bei Tacitus 98 n. Chr. als Anglii und später bei Ptolemaeus (2. Jahrhundert) als Αγγειλοι schriftlich erwähnt und siedelten im Norden des heutigen Bundeslandes Schleswig-Holstein. Ptolemaeus erwähnt auch die Sachsen als Σαξονες. Prokop (6. Jahrhundert) erwähnt die Friesen in seinem Werk über die Gotenkriege Justinians und nennt sie Φρισσονες.

Die antiken Sachsen sind nicht zu verwechseln mit den späteren Sachsen des Hochmittelalters und den heutigen Niedersachsen.

Die Altsachsen der beginnenden Völkerwanderungszeit waren sprachlich sehr viel enger mit den Friesen verwandt. Tacitus erwähnt in seiner „Germania“ die Sachsen nicht, aber er zählt den Stamm der Chauken auf, die an der unterelbischen Nordseeküste siedelten und die auch Plinius kennt, während Ptolemaeus die eigentlichen Sachsen „…im Nacken der kimbrischen Halbinsel“ (wohl das heutige Holstein) lokalisiert. Bis zum 3. Jahrhundert war die Vereinigung beider Völker zum nun größeren Stammesverband der Sachsen vollzogen.[2]

Der Wandel trat mit der Vereinigung zum großen sächsischen Stammes- und Volksverband mit der Assimilierung kleiner Stämme und Überreste einstiger bedeutender Stämme ein, wie der Cherusker im 3.–4. Jahrhundert. Die sächsischen Gruppen, die den Teil der Angelsachsen bildeten, trennten sich vor diesen Entwicklungen hin zur Bildung des Großvolks der frühmittelalterlichen Sachsen durch die Übersiedlung nach Britannien ab.[3]

Die Angeln werden von Tacitus in dessen Beschreibung der historisch-geografischen Verhältnisse Nordgermaniens mit anderen Stämmen zusammen aufgezählt. Stämme, die auf den dänischen Inseln, an der Ostseeküste und an der unteren Elbe zu lokalisieren sind und zusammen eine nördliche politisch-kultische Gruppe im Suebenverband bildeten, bei Ptolemaeus eben als Συηβοι οί Άγγειλοί.

Angeln und Sachsen waren wahrscheinlich eng miteinander verwandt, da sie der gleichen kontinentalgermanischen Kultgruppe der Ingväonen angehörten oder entstammten, trotz bestehender kultureller Unterschiede wie unter anderem bei den Bestattungsriten.[4] Der genaue Verlauf der angelsächsischen Ethnogenese ist wie bei allen germanischen gentes der Völkerwanderungszeit Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher Diskussion.

Die Siedlergruppe der Jüten waren zur damaligen Zeit von der Sprache und vom Kultus her offenbar den westgermanischen Stämmen zugehörig. Die heutigen Jüten, auf dänisch Jyder, sind nordgermanischen Ursprungs und mit diesen Jüten nicht zu verwechseln. Die Friesen sind aus ihrer angestammten Heimat wohl nur mit Kleinstgruppen an der Bildung der Angelsachsen beteiligt gewesen. Besonders die Ortsnamenforschung hat Siedlungsräume dieser friesischen Siedlergruppen fixiert.

Ein fränkischer Anteil wird nur vermutet, unter anderem auf Basis unsicherer Ableitungen von Ortsnamen und der Analyse altenglischer Literatur und daran festgemachter Indizien - wie zum Beispiel im Beowulf-Epos. Diese fränkischen Siedler kamen aber vermutlich erst mit der letzten Einwanderungswelle gegen Ende des 5. Jahrhundert auf die britische Insel.[5]

Der Name

Die Herkunft beziehungsweise die Entwicklung hin zur Namensbildung „Angelsachsen“ ist heute nicht mehr nachvollziehbar, dennoch lassen die vorhandenen Quellen Rückschlüsse zu, die daraus abgeleitete Annahmen plausibel machen. Grundsätzlich scheint bei den Kolonisten, besonders bei den Jüten und Angeln, die Bindung zu den kontinentalen Verwandten recht schnell Lockerungen unterworfen gewesen zu sein - bis hin zum Abbruch.

Beda lokalisierte die Jüten nach der Wanderung in Kent und gab sie in der Namensform Iutae wieder, die nicht aus heimischer angelsächsischer Überlieferung stammt. Die angelsächsische Form wäre *Eotas, oder *Eotan, wobei diese aber nirgends überliefert ist. Beda kannte also den korrekten Namen nicht mehr. Um 700 dürften nur noch schwache Erinnerungen an den Namen und die damit in Verbindung stehende "Urheimat" existiert haben. Alfred der Große gab in seiner Übersetzung von Bedas Kirchengeschichte dann Iutae mit Geatas wieder, dem Namen der Gauten aus Schweden.

Die häufige angelsächsische Form Ongle für Angle gab Alfred statt mit der korrekten Form Angli mit dem Namen der Landschaft wieder, Angel. Auch er kannte somit selbst nicht mehr die Namen für die alten Stämme.

Die Sachsen in Britannien behielten dagegen Kontakte zum Festland im Zusammenhang mit der dominanten kontinentalen Ausbreitung des Stammesverbandes. Die Sachsen der Insel nannten zur Unterscheidung des englischen Zweiges diese Eald-seaxan, Altsachsen.

Beda war nicht mehr klar, dass Angeln und Sachsen unterschiedliche Stämme waren. Er bezeichnete sie als Angli sive (vel) Saxones, als seien sie ein und dieselben unter verschiedenen Namen. Alfred berichtigte Beda hierin durch ein ond beziehungsweise durch ein "oder". Bedas Grundlage für seine Wiedergaben und Annahmen mögen tradierte Sprüche und Merkreime in der Form des Stabreims gewesen sein.

  • „of Englum ond Eotum (Iutum) ond of Ealdseaxum“
  • „von den Angeln und den Jüten und den Altsachsen stammen die Angelsachsen“
  • – Beda Hist. ecc. gen. Ang. I,15

Dieser Typus eines Dreiklangs passt zu dem alten Muster germanischer Abstammungssagen wie beispielsweise der Stammbaum des Mannus in Tacitus Germania, Kapitel 2.

Der Name der Angeln dominierte schließlich den der Sachsen als vereinheitlichten Namen für alle Germanen auf der britischen Insel, vielleicht zur besseren Unterscheidung von den kontinentalen Sachsen (denn jene Angeln, die nicht nach Britannien gezogen waren, waren von anderen Stämmen assimiliert worden, so dass keine Verwechslungsgefahr bestand). Die angelsächsischen Könige nannten sich rex Anglorum, oder rex Anglorum Saxones. Papst Gregor I. nannte den König Ethelbert von Kent – selbst jütischer Abstammung – in einem Brief von 601 rex Anglorum. Um 1000 verdrängte der aus dem altnordischen und von den Wikingern eingeführte Begriff für Land und Volk, Englar und Englaland dann die älteren einheimischen Bezeichnungen wie unter anderem Āngelþeod („Angelvolk“). Diese neue Form tritt sowohl in den altnordischen Texten als auch in den angelsächsischen auf und führte schließlich zur Herausbildung der Kurzform England.

Die romanisierten Kelten haben die eindringenden Germanen dagegen insgesamt nach den Sachsen benannt, kymrisch Sais („Engländer“) für die Menschen und saesneg für die Sprache. Ebenfalls haben die lateinischen Schreiber des Kontinents anfänglich die Begriffe Saxones und lingua Saxonica verwendet.

Ein Hauptgrund für die Durchsetzung des Angelnamens mag ein politisch-kulturelles Übergewicht der Angeln in den ersten Jahrhunderten gewesen sein. Um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, wurde auch durch die Außenwahrnehmung sehr früh der Begriff Angelsachsen gebildet – bei Beda noch nicht direkt und klar, bei Paulus Diaconus um 775 Angli Saxones in der Bedeutung von „Die englischen Sachsen“, um eine Unterscheidung zu den festländischen Sachsen darzustellen. Letztlich ist die Bildung des Namens Angelsachsen ein Produkt aus mehreren zusammenfließenden Faktoren: Zuerst ist es eine gelehrte lateinische Form, zum Teil bedingt durch den Verlust zu den angestammten kontinentalen Wurzeln, das Vergessen der ursprünglich klaren Stammesidentität und die Außenwahrnehmung.[6]

Anfänge bis zur Besiedlung der britischen Insel

Erste kriegerische Invasionen von sächsischen Gruppen ins römische Britannien fanden nachweisbar in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts statt.[7] Sächsische Gefolgschaften (neben fränkischen Gruppen) auf Beutezug und Piraten landeten auf beiden Seiten der Kanalküste (siehe auch Sachsenküste).[8] Einfälle von iro-schottischen Stämmen zwangen die römische Militärverwaltung zur Reform der militärischen Infrastruktur, des Verteidigungs- und Befestigungswesens. Dieses führte nach Ansicht vieler Forscher unter anderem dazu, dass Befehls- und strategische Verantwortlichkeiten auf sächsische Führer übertragen wurden; diese dienten demnach unter dem comes litores Saxonici (Befehlshaber der sächsischen Küste) als Föderaten. Der Schluss liegt nahe, dass zumindest seit dem späten 4. Jahrhundert germanische Verteidiger in römischen Diensten samt ihren Familien in Südbritannien siedelten, also vor dem eigentlichen Hauptstrom der germanischen Besiedlung, respektive Eroberung, Mitte des 5. Jahrhunderts. Diese siedelten südlich entlang der Themse im heutigen Großraum London, in Essex, Kent und waren an der Ostküste stationiert.[9] Andere Forscher dagegen gehen davon aus, dass die "Sachsenküste" der Abwehr sächsischer Angriffe diente und daher nicht mit sächsischen foederati besetzt gewesen sei, nehmen aber ebenfalls an, dass erste sächsische Söldner schon im späten 4. Jahrhundert in Britannien dienten.

Der Verfall der weströmischen Macht und damit einhergehend der militärischen Disziplin in den Truppen und der zeitweilige Zusammenbruch der römischen Rheingrenze im Jahre 406/407 n. Chr. durch den Übertritt einiger germanischer Völker führte unter den Kaisern Honorius bzw. Konstantin (III.) zum Abzug der römischen Truppen aus Britannien um das Jahr 407. Das entstandene Machtvakuum und die ungeregelten politischen Verhältnisse boten den idealen Raum und Möglichkeiten für die germanische Einwanderung.

Ab Beginn des 5. Jahrhunderts gab es zunehmend Übersiedlungen auf die britischen Inseln von der norddeutschen-niederrheinischen Tiefebene aus, die sich im Laufe der Zeit verstärkten und ab etwa 450 zum Hauptstrom der Auswanderung nach Britannien entwickelten. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt (im Anschluss an den Bericht des Gildas), dass die römisch-keltische Zivilbevölkerung der Insel nach 410 angelsächsische Söldner anwarb, um sie gegen die Pikten und Skoten zu verteidigen. Vielleicht hat dabei der "Tyrann" Vortigern eine Rolle gespielt, der gemäß späterer Tradition zwei sächsische Anführer namens Hengist und Horsa ("Hengst" und "Pferd") ins Land gerufen haben soll. Um 440 scheint es dann zu einem Aufstand der Sachsen gekommen zu sein, die nun rasch Zuzug vom Kontinent erhielten und die Romano-Kelten zurückdrängten.

Die Briten hatten lang unter römischem Kultureinfluss gelebt und wurden ab dem Jahr 300 n. Chr. schrittweise römische Christen. Sie waren aber nicht in dem hohen Maße romanisiert wie etwa die gallischen Kelten. Zudem gab es in Britannien auch große soziale und geografische Unterschiede in der Annahme der römischen Sprache und Zivilisation. Die Angeln und Sachsen waren in ihrer ethnischen Struktur weniger vermischt als die keltischen Briten oder auch im Vergleich zu den romanisierten Germanen der rheinischen Germania Inferior. Die Briten waren für die anlandenden und siedelnden Germanen demzufolge richtiggehende Fremdvölker (ags. wealh, nhd. Welsch – daher auch der Name von Wales). Für viele christliche Briten wiederum waren die Angelsachsen Barbaren. Es kam zu einer teilweisen Verdrängung durch die vorrückenden Angelsachsen, aber auch einem freiwilligen Zurückweichen der keltischstämmigen Bevölkerung im Südosten. Ein Teil wich in die Bretagne aus oder zog sich in die Höhen- und Erdbefestigungen zurück (Wansdyke, Bokerly Dyke). Teile der Briten wurden versklavt (ags. Wealas), eine große Zahl scheint auch übergelaufen zu sein und die Sitten der Eindringlinge übernommen zu haben. Es ist auch zu Blutbädern unter der britischen Stadtbevölkerung gekommen (unter anderem in Chester im Jahre 491), aber auch zu militärischen Rückschlägen für die germanischen Eroberer, beispielsweise in der mythenumwobenen Schlacht von Mons Badonicus. Nach der entscheidenden Schlacht von Deorham 577 wurden die Gebiete der cornischen und der walisischen Kelten durch die Angelsachsen aufgespalten. In Städten wie London, York und Lincoln blieb die romano-keltische Bevölkerung teilweise sesshaft, da die Angelsachsen diese anfangs mieden. Die Orte wurden später von den Briten geräumt, die römischen Villen hingegen wurden von den nachrückenden Germanen kaum weitergenutzt.[10]

Im 8. Jahrhundert profilierte sich Mercia als Vormacht, König Offa von Mercia gilt als erster König von England.

Siedlungsgeschichte in England

Die Germanen besiedelten anfangs ein geschlossenes und nahezu verlassenes Land. Nach linguistischen (unter anderem die Ortsnamenforschung) und archäologischen Befunden blieb nur ein geringer Rest der romanokeltischen Bevölkerung ansässig. Als Einfallstore gelten die Themse, der Humber, der Wash und entlang der alten Römerstraße des Icknield-Way. Am Anfang des 6. Jahrhundert wird das rein germanische Gebiet des Südostens durch die heutigen Grafschaften Hampshire, das östliche Berkshire, das südliche Buckinghamshire, das nordöstliche Bedfordshire und Huntingdonshire umgrenzt. Westlich dieser Linie lag keltisch besiedeltes Land, und die weitere Ausweitung der angelsächsischen Machtsphäre auf jene westlichen und in der Folge auf weitere Gebiete bezieht dann die keltische Bevölkerung in die sich herausbildenden germanischen Staaten oder angelsächsischen Königreiche mit ein.

Angelsächsische Stämme

Nach Beda[11] siedelten die Stämme ethnisch getrennt. Die Angeln primär nördlich der Themse in East Anglia, das Gebiet der Mittelangeln, Mercia und an der Ostküste bis südlich von Edinburgh. Die Sachsen gründeten Essex, Wessex und Sussex im Tal der Themse und südlich bis zum Ärmelkanal. Die Jüten siedelten vornehmlich in Kent und auf der Isle of Wight. Diese strikte ethnische Aufteilung ist umstritten, da man eher von einer ethnisch vermischten Siedelung bzw. Eroberung unter Führung von Gefolgschaften ausgehen muss und dies dem gewöhnlichen germanischen Brauch und Vorgehensweise entspricht.[12]

Siedlungswesen- und Formen

In den Gebieten waren die Germanen aus den oben geschilderten Umständen auf eine eher mobile Siedlungsweise in Siedlungen von weilerartigem Typus angewiesen. In diesen Siedlungen herrschten von der Art und Anzahl her das Grubenhaus und das Hallenhaus vor. Die Grubenhäuser dienten vermutlich mehrheitlich als Lagerräume bzw. als Webhäuser und seltener als Wohnraum. Zu den größten Siedlungen des 4. − 5. Jahrhunderts gehört der Fundort Mucking in Essex mit 200 Grubenhäusern und 30 Hallenhäusern. Die „mobile“ Anlage der Gebäude zeigt sich besonders daran, dass die repräsentativeren als Pfostenbauten errichteten Hallenhäuser von der Größe nicht mit den kontinentalen sächsisch-niedergermanischen Wohnstallhäusern vergleichbar sind.[13] Diese anfänglichen Siedlungen, die später zum Teil städtisches Wesen erlangten, wurden oft neben alten zerstörten und verödeten Römerstädten angelegt.[14]

Die Landwirtschaft wurde in derselben Weise wie auf dem Kontinent betrieben, archäologisch nachgewiesen ist der Anbau von Gerste, Hafer und Flachs sowie Waid als Grundstoff für das Färben von Leinen und anderen Bekleidungsstoffen. Die Viehhaltung umfasste Schweine, Schafe und Rinder sowie Pferde, Ziegen und Haushühner. Katzen und Hunde wurden als zusätzliche Haustiere gehalten. Die Feldarbeit wurde durch einscharige Pflüge bestellt, geerntet wurde mit Sicheln, Hippen und Sensen.

Aus dem 5. Jahrhundert sind zahlreiche Keramiken gefunden worden, die reichhaltig an ornamentalen Verzierungen sind, aber ohne Nutzung einer Töpferscheibe hergestellt wurden. Bedeutend ist hierbei die auf einem Standfuss stehende Buckelkeramik. Diese Form fand besonders in den Midlands und im Themsegebiet die größte Verbreitung und wird in der Regel den Sachsen zugewiesen. Die Möglichkeit, aus den sich unterscheidenen regional eingeschränkten Keramikformen den jeweiligen Teilvölkern wie den Angeln und Jüten und deren Siedlungsräume zuzuweisen, ist nur bedingt nachweisbar. Nachweisbar ist aber ein reger Austausch und enge Beziehungen mit dem Festland anhand der Gefässformen in Ostengland und aus dem Elbe-Weser-Gebiet des 5. Jahrhunderts. Anglische Formen finden sich hingegen im nordöstlichen England.[15]

Die an den Keramiken erkennbaren regionalen Unterschiede setzten sich in der Kleidung und kunsthandwerklichem Schmuck fort, besonders die deutliche Stilisierung der Kleidung als Tracht durch die unterschiedliche Verwendung und Anzahl der verwendeten Fibeln. Im nördlichen anglischen Bereich wurde eine „Drei-Fibel-Tracht“ getragen, gegenüber einer „Zwei-Fibel-Tracht“ im südlichen sächsischen Siedlungsgebiet. Die daraus abgeleitete Grenze, die sogenannte Anglo-Saxon-Line, die grob zwischen Angeln und Sachsen trennte, ist erst nach den Phasen der Landnahme anzusetzen. Erst die spätere kontrollierte Einnahme der Ländereien führte zu einer deutlich erkennbaren Trennung zwischen mehrheitlich sächsisch oder anglisch besiedelten Regionen.[12]

Die Toten wurden im sächsischen Raum wie auf dem Festland unverbrannt in ihrer Tracht beigesetzt. In den anglischen Siedlungsräumen und auch in Wessex wurde teilweise die Totenverbrennung durchgeführt, und in Kent wurden die Toten in Hügelgräbern beigesetzt.

Wikingerzeit

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts nahmen die gewaltsamen Einfälle und Raubzüge der Wikinger zu, die Epoche der Wikingerzeit in den angelsächsischen Reichen begann. Im Norden etablierten sich die Dänen im Danelag. Die angelsächsische Sprache wurde deshalb auch durch das Dänische beeinflusst. Im Jahre 1066 wurde das Gebiet der Angelsachsen von den Normannen erobert. Gleichwohl hielten sich angelsächsische Kultur und Sprache noch längere Zeit, bis eine Vermischung mit der französischen Sprache der Normannen eintrat. Ein Beispiel für die Auseinandersetzung zwischen Angelsachsen und Normannen ist die Legendenfigur Robin Hood, der die Angelsachsen im Widerstand gegen die Normannenherrschaft symbolisierte.

Kultur der Angelsachsen

Die Kulturfrage der Angelsachsen ist untrennbar verbunden mit der Entstehung des frühen Englands, dem christlichen England. Durch das Primat des Christentums wurde die Staatsorganisation nach römischen Vorbild vom Adel, wie vergleichbar zuvor bei den merowingischen Franken, angenommen; ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Baustein für die angelsächsischen Kleinkönigreiche. Das aufblühende klerikale Schrifttum, die Mission, die auch immer staatspolitische Berührungen und daher streckenweise symbiotische Züge aufwies, bildet den Abschluss der heidnischen angelsächsischen Zeit der Besiedlung und Konsolidierung und begleitet und fördert die Bildung dessen, was als englisch identifiziert und verstanden wurde.

Waren die ersten germanischen Übersiedler nach den Föderaten in ihrer Kultur nicht zu unterscheiden von den kontinentalen Stammesmitgliedern, so setzte gerade die Konsolidierung des 6.– 7. Jahrhunderts im Gleichklang mit der iro-keltischen christlichen Mission die Schritte der kulturellen Entfremdung hin zur eigenständigen christlichen Kultur germanischer Prägung.[16] Zur selben Zeit, als die Inselangeln- und -sachsen neue Wege beschritten, verblieben die kontinentalen Verwandten in ihrem tradierten und gewohnten Kultus. Die eintretende Entfremdung war die natürliche Folge. An den Keramikfunden des 6. Jahrhundert wird deutlich, wie sich mit der Form, insbesondere die sich verändernde Ornamentik bis zum Verlust sämtlicher Verzierungen bei Funden in Kent, die Menschen wandelten.[17] Die sakrale Architektur und Formgebung, die bildlichen Darstellungen prägten und formten die Vorstellungen und den Sinn der Menschen für die Beherrschung der neuen christlichen Form mit dem unverkennbaren germanischen Erbe.[18] Hinzu kommt der starke monastische Einfluss aus den Klostern heraus auf die Alltagskultur der ländlichen Bevölkerung, beispielsweise in der qualitativen Verbesserung der landwirtschaftlichen Anbautechniken.

Sprache und Schrift

Die heutige englische Sprache gehört zum anglo-friesischen Zweig der westgermanischen Sprachgruppe. Die drei ethnischen Hauptteile der Angelsachsen sind sprachlich deshalb eng verwandt, da sie der kontinentalgermanischen ingväonischenen Kultgruppe angehörten oder entstammten.[19]

Die angelsächsische Sprache, die der altsächsischen Sprache ähnlich ist, stellt demnach eine wesentliche Wurzel der englischen Sprache dar. Noch heute, trotz 1500-jähriger unterschiedlicher Entwicklung, sind Gemeinsamkeiten zwischen der englischen Sprache und der niedersächsischen Sprache zu erkennen, die sich ebenfalls aus der altsächsischen Sprache entwickelt hat.

Heidnische Religion

Die heidnische Periode der Germanen in Britannien dauerte etwa 150 Jahre (ab Mitte des 5. Jahrhunderts betrachtet). Im Wesentlichen führten die ersten Siedler ihren gewohnten religiösen Ritus wie in der alten Heimat fort. Der Ortsnamenforschung zufolge wurden als Hauptgottheiten dieselben verehrt, wie sie für die kontinentalen Sachsen (niedergermanische Stämme) im sächsischen Taufgelöbnis der karolingischen Zeit aufgezählt wurden; Tíw, Þunor und Wóden. Ebenfalls wurde der Kult und die Verehrung von Muttergottheiten, vergleichbar den Matronen der römischen Niederrhein-Region, praktiziert. Kultisch-magische Orte wie Quellen, markante Steine/Felsen und Bäume wurden für öffentliche wie private Opferriten genutzt und Orte mit ehemaliger keltischer Nutzung übernommen. In Verbindung mit dem religiös-kultischen Ritus stehen auch die Vorstellungen von Dämonen/Geisterglauben, Wesen der niederen Mythologie wie Feen, Riesen und anderen. Fragmente beziehungsweise nur spärliche Hinweise aus späterer christlicher Dichtung lassen Rückschlüsse auf die örtlichen heidnischen Vorstellungen zu.

Mythische Sagen als solche sind nicht überliefert, abgesehen vom Epos Beowulf, und sind, wenn es sie gegeben hat, verlorengegangen. Lediglich die Abstammungssage (siehe Origo gentis) der Angelsachsen ist durch Beda erhalten. Er berichtet, das die Sachsen vom britischen König Vortigern gerufen worden und mit drei Schiffen unter dem mythischen Brüderpaar Hengist und Horsa an der Küste Britanniens anlandeten.[11] Diese Art von Herkunftssagen sind auch bei den Goten oder Langobarden verbreitet, Tacitus berichtete in der Germania (Kap. 2) von der mythischen Abstammung der Germanen.

Christianisierung

Die Christianisierung begann um 597 mit der Entsendung von 40 Missionaren durch Papst Gregor den Großen und dem Ausbau bzw. der Reorganisation der englischen Kirche durch Erzbischof Theodor von Canterbury, sie war Ende des 7. Jahrhunderts – im Gegensatz zum Festland – weitgehend abgeschlossen. Sie bildet den eigentlichen Abschluss der angelsächsischen Phase in Bezug auf die kontinentale und pagane Herkunft in Verbindung mit dem Entstehen der frühenglischen Gesellschaft beziehungsweise einer beginnenden englischen Identität. Die Angelsachsen bildeten mehrere Königreiche. Die Hinwendung zum Christentum war wie anderen Ortes im germanischen Kulturraum auch und immer eine Frage der machtpolitischen Opportunität der herrschenden angelsächsischen Adelsschicht.[20] Im Volk erhielten sich die heidnischen Brauchtümer und wurden von klerikaler Seite aus geduldet und teilweise bei empfundener Kompatibilität im kirchlichen Kultus übernommen. Wie überall im germanischen Kontext wurden ebenfalls ehemalige pagane Kultorte in christliche umgewandelt durch die Errichtung von Kapellen und die organisatorische Einsetzung von Kirchspielen um diese Orte.

Literatur

  • Peter Hunter Blair: An Introduction to Anglo-Saxon England. Cambridge University Press, Cambridge 2003.
  • Nicholas Brooks: Anglo-Saxon myths. State and church, 400–1066. Hambledon Press, London u. a. 2000, ISBN 1-85285-154-6.
  • Sam Lucy: Anglo-Saxon Way of Death, Burial Rites in Early England. Verlag Stroud, Sutton 2000.
  • Cristian Capelli: A Y-Chromosome Census of the British Isles. In: Current Biology. Nr. 13, Elsevier Science Ltd., 2003.
  • Mark G. Thomas, Michael P. H. Stumpf, Heinrich Härke: Evidence for an Apartheid-like Social Structure in Early Anglo-Saxon England. In: Proceedings of the Royal Society B. 2006 (PDF).
  • Rudolf Much, Herbert Jankuhn, Wolfgang Lange: Die Germania des Tacitus. Carl Winter, Heidelberg 1967.
  • Ernst Alfred Philippson: Germanisches Heidentum bei den Angelsachsen (Kölner anglistische Arbeiten Bd. 4). Verlag Bernh. Tauchnitz, Leipzig 1929.
  • Bruno Krüger (Hrsg.): Die Germanen. Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. Handbuch in 2 Bänden. 4. Auflage. Akademie-Verlag, Berlin 1983. (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR, Bd. 4).
  • Heinrich Beck, Herbert Jankuhn, Hans Kuhn, Kurt Ranke, Reinhard Wenskus (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde(RGA). Bd.1 Aachen - Bajuwaren, de Gruyter, Berlin – New York 1973, ISBN 3-11-004489-7.
  • Torsten Capelle: Archäologie der Angelsachsen – Eigenständigkeit und kontinentale Bindung vom 5. bis 9. Jahrhundert. WBG, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-10049-2.

Einzelnachweise

  1. ↑ Unter anderen Begrifflichkeiten wie White Anglo-Saxon Protestant.
  2. ↑ Krüger: Bd. 2, S. 449, 450 f.
  3. ↑ Philippson: S. 29, 30.
  4. ↑ Philipsson: S. 30, 31, 32, 34.
  5. ↑ Philipsson: S. 35–37. Krüger: Bd. 2, S. 478.
  6. ↑ RGA: S. 303 – 305.
  7. ↑ Eutrop, 9, 21: „Franken und Sachsen, die die See unsicher machten“, um das Jahr 285, 286.
  8. ↑ Krüger: Bd. 2, S. 444.
  9. ↑ Krüger: Bd.2 S. 476, 478. Archäologische Grabungsbefunde der 1970er Jahre aus Dorchester (Oxfordshire) u. Croydon südlich der Londoner City, Mucking in Essex, Milton Right in Kent.
  10. ↑ Krüger: Bd. 2 S. 481; Für das 5. und 6. Jahrhundert ist eine germanische Besiedlung nur für Dorchester und Canterbury nachgewiesen.
  11. ↑ a b Beda: Historia Ecclesiastica Gentis Anglorum − Die Kirchengeschichte des englischen Volks 1,15.
  12. ↑ a b Krüger: Bd.2 S. 477.
  13. ↑ Krüger: Bd.2. S. 480, 481
  14. ↑ Unter anderen folgende Orte: Anderida (Pevensey), Calleva Atrebatum (Silchester), Deva (Leicester)), Vriconium (Wroxeter), Durovernia (Canterbury).
  15. ↑ Krüger: Bd.2 S. 481; Formen, Fundorte und Kartenverzeichnis in Schleswig S. 454, 455.
  16. ↑ Deutlich erkennbar an der Konkurrenzsituation der späteren kontinentalen Heidenmission, zwischen den fränkischen und angelsächsischen Missionaren des 8.– 9. Jahrhunderts.
  17. ↑ Krüger: Bd.2, S. 481
  18. ↑ Jan de Vries: Die geistige Welt der Germanen. Darmstadt 1964, Kap.7.
  19. ↑ Philipsson: S. 30.
  20. ↑ Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Ullstein, Berlin 1999. S. 386 ff.

 

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Normannische Eroberung Englands

Die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 war die Invasion des Königreichs England durch Herzog Wilhelm I. der Normandie, die nach der Schlacht bei Hastings zur normannischen Kontrolle über England führte. Sie ist ein wesentlicher Meilenstein in der Geschichte Englands, da sie

  • England stärker an das kontinentale Europa heranführte
  • den skandinavischen Einfluss auf der Insel zurückdrängte
  • die Bühne für den englisch-französischen Konflikt bereitete, der bis ins 19. Jahrhundert hinein andauern sollte
  • die Grundlagen für eine der mächtigsten Monarchien Europas schuf
  • den Beginn der Entwicklung des Common Law darstellt
  • das höchstentwickelte Verwaltungssystem Westeuropas vorbereitete, sowie
  • die englische Sprache und Kultur grundlegend veränderte.

Die normannische Eroberung Englands war die letzte erfolgreiche Invasion der Insel.

Vorgeschichte

Die Normandie ist eine Landschaft in Nordwestfrankreich, die in den 155 Jahren zuvor eine intensive Besiedlung durch die Wikinger erfuhr. Im Jahr 911 hatte der westfränkische König Karl der Einfältige einer Gruppe unter ihrem Anführer Jarl Rollo erlaubt, sich in Nordfrankreich niederzulassen, mit dem Gedanken, dadurch die Küste vor weiteren Überfällen zu schützen. Der Gedanke erwies sich als richtig, aus den Wikingern der Region wurden die Normannen (Nordmänner), aus dem Landstrich die Normandie. Die Normannen übernahmen schnell die Kultur der einheimischen Bevölkerung und ließen sich taufen; sie heirateten in die Bevölkerung ein und mischten die Langue d'oïl des Landes mit altnordischen Elementen, wodurch ihre normannische Sprache entstand. Das ihnen überlassene Gebiet erweiterten sie nach Westen durch Annexion des Bessin, des Cotentin und der Kanalinseln.

In England hingegen nahmen die Wikingerüberfälle in dieser Zeit zu. Im Jahr 991 willigte der angelsächsische König Aethelred II. in die Ehe mit Emma ein, der Tochter des Herzogs Richards I., um mittels dynastischer Verbindungen Unterstützung im Kampf gegen die Eindringlinge zu erhalten. Die Angriffe der Wikinger wurden jedoch so stark, dass Aethelred 1013 in die Normandie fliehen musste, wo die angelsächsischen Könige dann die nächsten 30 Jahre verbrachten.

Als Aethelreds und Emmas Sohn, der angelsächsische König Eduard der Bekenner am 5. Januar 1066 kinderlos starb und somit kein direkter Thronerbe vorhanden war, führte dieses Machtvakuum zum Auftreten von drei Bewerbern um den englischen Thron.

Der erste war Harald III. von Norwegen, der seine Ansprüche als Nachfolger Knuts des Großen erhob, der England von 1016 bis 1035 regiert hatte. Der zweite war Herzog Wilhelm II. von Normandie, der sich auf seine Blutsverwandtschaft mit Aethelred berief. Der dritte Anwärter schließlich war der angelsächsische Earl Harald Godwinson von Wessex, der Schwager des verstorbenen Königs, der nach Aethelreds Tod auf traditionelle Weise vom angelsächsischen Witan gewählt wurde, wodurch eine Auseinandersetzung zwischen den drei Bewerbern unvermeidlich geworden war.[1]

Eroberung Englands

König Harald III. von Norwegen fiel im September 1066 in Nordengland ein, was Harald Godwinson nur wenig Zeit ließ, seine Armee aufzustellen. Mit ihr marschierte er dann von London aus nach Norden und überraschte die Skandinavier am 25. September etwa zwölf Kilometer östlich von York in der Schlacht von Stamford Bridge. Harald Godwinsons Sieg war fast vollkommen: Harald III. fiel, die Norweger wurden aus England vertrieben und kehrten nie wieder zurück. Fast vollkommen war der Sieg deshalb, weil die angelsächsische Armee geschwächt aus dem Kampf hervorging.

In der Zwischenzeit hatte Wilhelm eine Invasionsflotte von 600 Schiffen und 7000 Soldaten zusammengestellt – wesentlich mehr, als Wilhelm alleine aus der Normandie rekrutieren konnte: Seine Männer kamen aus allen Gegenden Nordfrankreichs, aber auch aus den Niederlanden und Deutschland. Viele seiner Soldaten waren nachgeborene Söhne, die nach dem Recht der Primogenitur keine Aussicht auf ein Erbe hatten, mit dem sie ihren Lebensunterhalt sichern konnten. Wilhelm versprach ihnen Land und Titel aus seinen Eroberungen, falls sie Pferd, Waffen und Rüstung selbst stellten.

Nachdem er durch schlechtes Wetter und ungünstigen Wind einige Wochen aufgehalten worden war, erreichte er die englische Südküste bei Pevensey in Sussex am 28. September 1066, gerade drei Tage nach Harald Godwinsons Sieg über die Norweger – eine Verzögerung, die für Wilhelm entscheidend werden sollte: Wäre er im August gelandet, wie ursprünglich geplant, hätte er sich einer frischen und zahlenmäßig überlegenen angelsächsischen Armee gegenüber gesehen.

Wilhelm begann sofort mit der Verwüstung des Landes. Harald nötigte seiner Armee einen zweiten Gewaltmarsch auf, machte auch keinen Halt in London, um seinen Männern eine Pause zu gönnen und das Eintreffen von Verstärkungen abzuwarten.

Die Entscheidungsschlacht, die Schlacht bei Hastings, fand am 14. Oktober statt. Die Kämpfe blieben lange unentschieden, bis Harald II. am Abend einem normannischen Reiterangriff zum Opfer fiel. Die angelsächsischen Truppen flohen daraufhin vom Schlachtfeld und Wilhelm war nun der einzige Bewerber um die Krone Englands.

Nach seinem Sieg bei Hastings marschierte Wilhelm durch Kent Richtung London, wo er in Southwark auf erbitterten Widerstand traf. Er zog weiter über die Stane Street, eine der alten Römerstraßen, um sich auf dem Pilgrims’ Way bei Dorking (Surrey) mit einer weiteren normannischen Armee zu vereinigen.

Das vereinigte Heer umging die Stadt London, zog das Themse-Tal hinauf bis zur befestigten angelsächsischen Stadt Wallingford (Oxfordshire), deren Befehlshaber Wigod bereits auf Wilhelms Seite stand, und der seine Tochter mit Robert D’Oyley von Lisieux aus Wilhelms engster Umgebung verheiratete. Hier nahm er dann auch die Unterwerfung von Stigand, dem Erzbischof von Canterbury entgegen. Wilhelm zog anschließend entlang der Chiltern Hills nach Nordosten weiter nach Berkhamstead in Hertfordshire, wo er die Unterwerfung Londons abwartete und auch die Huldigung der verbliebenen angelsächsischen Adligen entgegennahm. Etwa Ende Oktober wurde er zum König proklamiert und am 25. Dezember 1066 in der Westminster Abbey gekrönt.

Während der Süden Englands sich schnell der normannischen Herrschaft fügte, hielt sich vor allem im Norden der Widerstand noch sechs Jahre, bis 1072, als Wilhelm nordwärts zog und auf seinem Weg normannische Herren einsetzte. Andererseits schloss er aber auch, und das vor allem in Yorkshire Vereinbarungen mit den örtlichen angelsächsischen Machthabern, die ihr Land unter der Oberhoheit normannischer Lords behielten, die wiederum lediglich aus der Ferne regierten, wodurch er langwierige Auseinandersetzungen vermeiden konnte.

Hereward the Wake führte 1070 in den Fens einen Aufstand, bei dem Peterborough geplündert wurde. Harald Godwinsons Söhne versuchten einen Einfall in den Südwesten Englands. Aufstände gab es auch in den Welsh Marches an der Grenze zwischen England und Wales und in Stafford. Am gefährlichsten waren jedoch die Versuche der Dänen und Schotten, das Land zu besetzen. Wilhelms Siege über diese Versuche führten zur Verwüstung Northumbrias, um dem Gegner die Versorgung unmöglich zu machen, ein Vorgang, der in die Geschichte Englands als The Harrying of the North, die Plünderung des Nordens einging.

Kontrolle über England

Nachdem England erobert worden war, sahen sich die Normannen einer Reihe von Herausforderungen gegenüber, um die Herrschaft auch zu sichern. Die anglonormannisch sprechende neue Oberschicht waren der englischen Bevölkerung an Zahl bei weitem unterlegen, ihre Zahl wird auf etwa 5000 Personen geschätzt.[2] Die angelsächsischen Herren waren an eine völlige Unabhängigkeit von der Zentralregierung gewöhnt, während die Normannen ein zentralisiertes System hatten, an dem die Angelsachsen sich störten.

Revolten unter Führung von Verwandten Haralds oder enttäuschten angelsächsischen Adligen brachen aus, denen Wilhelm auf unterschiedliche Weise entgegen trat. Die normannischen Herren bauten eine Vielzahl von Motten und Burgen, um Volksaufständen oder den jetzt seltenen Wikingerüberfällen vorzubeugen und die nahen Städte oder die Umgebung zu dominieren. Jedem angelsächsischen Adligen, der die Legitimität von Wilhelms Thronbesteigung anzweifelte oder in eine der Revolten verwickelt war, wurden Land und Titel weggenommen und an Normannen weitergegeben. Wenn ein angelsächsischer Adliger ohne Nachkommen starb, wurde ein Normanne sein Nachfolger.

Den normannischen Adel als Gruppe zusammenzuhalten war um so wichtiger, als jede Störung der angelsächsisch sprechenden Bevölkerung Gelegenheit geben konnte, die normannisch sprechende herrschende Minderheit zu spalten und vielleicht auch wieder loszuwerden. Dieser Gefahr trat Wilhelm dadurch entgegen, dass er Land nur in kleinen Stücken abgab, so dass jeder normannische Adlige typischerweise Eigentum über das ganze Land verstreut, in England sowohl als auch in der Normandie, hatte, wodurch, sollte der Adlige versuchen, sich von seinem König zu lösen, er lediglich einen kleinen Teil seines Besitzes verteidigen konnte – die Versuchung, zu rebellieren, war dadurch stark reduziert, die Loyalität zum König wesentlich höher.

Andererseits erleichterte diese Politik Kontakte innerhalb des Adels über das gesamte Königreich hinweg und führte dazu, dass dieser sich wie eine soziale Klasse organisierte und handelte, anders als in den übrigen Feudalstaaten, in denen mehr die regionale Basis ausschlaggebend war. Des Weiteren ermutigte die Existenz einer stark zentralistischen Monarchie den Adel dazu, sich mit dem städtischen Bürgertum zu verbünden, was die Entwicklung des englischen Parlaments und somit den Aufstieg des englischen Parlamentarismus beeinflusste.

Wirkung

Die normannische Eroberung Englands hatte Auswirkungen nicht nur auf der Insel, sondern in ganz Europa.

Eine der offensichtlichsten Änderungen war die Einführung der lateinisch basierten anglonormannischen Sprache als Sprache der herrschenden Klasse in England, die die westgermanisch basierte angelsächsische Sprache ablöste. Anglonormannisch behielt den Status als Führungssprache für nahezu 300 Jahre und hatte einen signifikanten Einfluss auf den Wortschatz des modernen Englisch, ohne gleichzeitig den westgermanisch strukturierten Satzbau der Sprache in gleicher Weise zu berühren.

Eine weitere direkte Konsequenz der Invasion war das fast völlige Verschwinden der angelsächsischen Aristokratie und des angelsächsischen Einflusses auf die Kirche in England (bereits im Jahr 1070 ersetzte Wilhelm den bisherigen Erzbischof von Canterbury, Stigand, durch den italienischstämmigen Lanfrank von Bec). Die normannische Landpolitik führte dazu, dass im Domesday Book aus dem Jahr 1086 nur noch zwei angelsächsische Grundeigentümer verzeichnet sind. 1096 wurden alle Diözesen von Normannen gehalten.

Keine andere mittelalterliche Eroberung hatte derart katastrophale Konsequenzen für die unterlegene herrschende Schicht. Wilhelms Ansehen unter seinen Gefolgsleuten kannte fast keine Grenzen mehr, da er in der Lage war, ihnen große Ländereien zu überlassen, ohne selbst dafür die Kosten tragen zu müssen. Seine Verleihungen steigerten darüber hinaus seine Machtposition im Land, da jede Land- oder Titelvergabe den neuen Herrn verpflichtete, eine Burg zu bauen und die Einwohner zu unterwerfen. Dadurch vervollständigte sich die Eroberung von selbst.

Verwaltungssysteme

Auch die Angelsachsen hatten in der Zeit, bevor die Normannen kamen, eine der fortgeschrittensten Verwaltungen Westeuropas aufgebaut. England war in administrative Einheiten, den Shires aufgeteilt, die in etwa gleich groß waren und von jeweils einer Person regiert wurden, die offiziell als shire reeve bezeichnet wurden (daher der Begriff Sheriff). Die Shires waren weitgehend autonom ohne wirksame zentrale Steuerung. Auch arbeiteten sie wesentlich mehr schriftlich als damals in Westeuropa üblich, waren also weniger auf die mündliche Weitergabe von Informationen angewiesen.

Darüber hinaus etablierten sie eine dauerhafte Präsenz der Verwaltung vor Ort – die meisten mittelalterlichen Regierungen waren ständig unterwegs, und hielten Hof im Wesentlichen in Abhängigkeit vom Wetter, von den Verpflegungsmöglichkeiten und ähnlichem. Diese Praxis beschränkte die Möglichkeiten der Verwaltung auf das, was auf Pferd und Wagen geladen werden konnte, Staatsschatz und Staatsarchiv eingeschlossen. Die Angelsachsen hatten ihren Staatsschatz dauerhaft in Winchester in Hampshire, von wo aus ein ständiger Regierungsapparat sich zu entwickeln begann.

Die Normannen übernahmen diese Verwaltungsform und bauten sie aus. Sie zentralisierten das autonome System der Shires. Das Domesday Book ist ein Beispiel für die schriftliche Dokumentation, die die normannische Assimilation der eroberten Gebiete durch einen zentralen Zensus ermöglichte. Es war der erste reichsweit vorgenommene Zensus in Europa seit dem Römischen Reich und verbesserte deutlich die Besteuerungsmöglichkeiten im neuen Machtbereich der Normannen.

Anglonormannische Beziehungen zu Frankreich

Die politischen Beziehungen zwischen den Anglonormannen und Frankreich wurden nach der Invasion schwierig und teilweise sogar feindselig. Die Normannen behielten die Macht in der Normandie, wo sie weiterhin Vasallen des französischen Königs waren. Gleichzeitig waren sie ihm als englischer König gleichgestellt. Einerseits schuldeten sie dem König von Frankreich die Lehenstreue, andererseits nicht, da sie Pair oder Peers waren. In den 1150er Jahren, nach der Schaffung des Angevinischen Reichs, kontrollierten sie halb Frankreich und ganz England, und waren dennoch rechtlich gesehen französische Vasallen. Zur Krise kam es 1204, als der französische König Philipp II. August den gesamten englischen Besitz in Frankreich mit Ausnahme lediglich der Gascogne besetzte. Dies führte später zum Hundertjährigen Krieg, als die englischen Könige versuchten, ihren Besitz in Frankreich zurückzuerlangen.

Kulturelle Entwicklung in England

Eine Bewertung führt an, dass England durch die Invasion kulturell und wirtschaftlich für fast 150 Jahre ins Abseits geriet. Nur wenige Könige residierten tatsächlich in England für längere Zeit, sie zogen es vor, in den Städten der Normandie zu sein, zum Beispiel Rouen und sich auf die wirtschaftlich bedeutenderen französischen Besitzungen zu konzentrieren. Tatsächlich verließ Wilhelm kaum vier Monate nach Hastings das Land, übergab die Regierung seinem Schwager, und kehrte in die Normandie zurück – das Land blieb ein unwichtiger Anhang der Normandie und später des Angevinischen Reichs Heinrichs II. und nicht umgekehrt.

Eine andere Bewertung sagt, dass die normannischen König-Herzöge ihre kontinentalen Territorien vernachlässigten, wo sie theoretisch dem französischen König lehnspflichtig waren, um lieber ihre Macht in England zu konsolidieren. Die Ressourcen strömten in den Bau von Kathedralen, Burgen und in die Verwaltung statt in die Verteidigung der Normandie, zersplitterten so die Energie, nährten so den lokalen Adel und schwächten die normannische Kontrolle der Grenzen, während die Macht des französischen Königs in der gleichen Zeit wuchs.

Hinterlassenschaft

Das Ausmaß, in dem die Eroberer ethnisch von der Bevölkerung getrennt blieben, unterscheidet sich regional und entlang der Klassengrenzen. Erst im 12. Jahrhundert wird von ehelichen Verbindungen in spürbarer Zahl zwischen Angelsachsen und Normannen berichtet. Über die Jahrhunderte hinweg, vor allem nach 1348, als der Schwarze Tod den englischen Adel deutlich dezimierte, vermischten sich die Gruppen derart, dass sie kaum noch unterscheidbar waren.

Die normannische Eroberung war die letzte erfolgreiche Invasion Englands, auch wenn einige Historiker die Glorious Revolution von 1688 ebenso als Invasion ansehen. Der letzte vollgültige Versuch war der der Spanischen Armada von 1588, die zur See von der englischen Flotte und dem Wetter geschlagen wurde. Napoléon Bonaparte und Adolf Hitler bereiteten Invasionen Großbritanniens vor, die aber nie gestartet wurden (siehe: Unternehmen Seelöwe). Andererseits waren einige kleinere militärische Operationen innerhalb ihres begrenzten Rahmens durchaus erfolgreich, wie die kleine spanische Aktion gegen Cornwall 1595, die Raubzüge arabischer Sklavenhändler ebenfalls in Cornwall im 17. und 18. Jahrhundert, sowie der amerikanische Überfall auf Whitehaven während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs.

Literatur

  • Marjorie Chibnall: Debate on the Norman Conquest. Manchester University Press, Manchester 2003, ISBN 0-7190-4912-1.
  • David C. Douglas: Wilhelm der Eroberer. Herzog der Normandie, König von England; 1028–1087 (William the Conqueror). Diederichs, München 2004, ISBN 3-424-01228-9.
  • David Howarth: 1066. The year of the conquest. Penguin Books, London 2002, ISBN 0-14-139105-7.
  • Richard Humble: The fall of Saxon England. Barnes & Noble, New York 1992, ISBN 0-88029-987-8.
  • Hugh M. Thomas: The Norman Conquest: England after William the Conqueror. Lanham 2008, ISBN 978-0-7425-3839-9.
  • Anne Savage: The Anglo-Saxon Chronicles. CLB, Godalming 1997, ISBN 1-85833-478-0.
  • Peter Rex: The English Resistance. The Underground War Against the Normans. Tempus Publishing, Stroud 2004, ISBN 0-7524-2827-6.
  • Kristin Weber: 1066. Die Normannische Eroberung Englands. Matthias-Schäfer-Verlag, Eschwege 2009, ISBN 3-939482-05-6.

Einzelnachweise

  1. ↑ Ein oft vergessener vierter Thronanwärter war Edgar Etheling, ein Großneffe Eduards des Bekenners, Enkel des Königs Edmund Ironside und Sohn von Eduard Etheling. Nach der Rückkehr seines Vaters und dessen Tod 1057 wurde er von Eduard dem Bekenner als Thronfolger benannt, daher der Namenszusatz Ætheling oder angelsächsisch Æþeling, die damalige Bezeichnung für den potenziellen Thronerben. Unglücklicherweise war Edgar im Jahr 1066 erst 13 oder 14 Jahre alt, so dass sein Anspruch vom Witan übergangen wurde.
  2. ↑ A. L. Rowse: The Story of Britain, Artus 1979, ISBN 0-297-83311-1.

 

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Hundertjähriger Krieg  - Der englisch-französische Konflikt

Als Hundertjähriger Krieg (französisch Guerre de Cent Ans, englisch Hundred Years’ War) werden der englisch-französische Konflikt und der französische Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons zwischen 1337 und 1453 bezeichnet. Den Hintergrund bildete erstens der Streit um die Thronfolge in Frankreich zwischen dem englischen König Edward III. und Philipp von Valois, zweitens ein innerfranzösischer Konflikt um Macht und Einfluss zwischen den Parteien der Bourguignons und der Armagnacs und drittens ein lehnsrechtlicher Streit um die Besitzungen der englischen Könige als Herzöge von Aquitanien im Königreich Frankreich. Der Krieg endete mit einem Sieg der Valois. Er hat entscheidend zur Herausbildung eines Nationalbewusstseins der Franzosen und Engländer beigetragen.

Begriffsgeschichte

Der Begriff „Hundertjähriger Krieg“ wurde von Historikern a posteriori eingeführt und bezeichnet traditionell die Zeit von 1337 bis 1453, in der englische Könige versuchten, ihre Ansprüche auf den französischen Thron mit Waffengewalt durchzusetzen. Dennoch bestand dieser Konflikt aus mehreren Phasen und einzelnen Kriegen, die erst später als ein einziger Komplex verstanden wurden.

Bereits zeitgenössische französische Chronisten datierten die Kriege jener Zeit zurück bis ins Jahr 1328 und deuteten somit die größeren Zusammenhänge an. So schrieb zum Beispiel Eustache Deschamps um das Jahr 1389 in einem Gedicht von gegenwärtigen Kämpfen, die seit cinquante deux ans (52 Jahre) andauerten. Auch im 16. Jahrhundert erkannte man einen Zusammenhang zwischen den einzelnen Kampfhandlungen. So bemerkte J. Meyer in seinem Commentaria sive Annales Rerum Flandicarum, dass der Krieg zwischen England und Frankreich in seinen Intervallen über hundert Jahre dauerte.[1] Doch erst Jean de Montreuil ging in seinem 1643 erschienenem Buch Histoire de France explizit von einem einzigen Krieg aus, der von 1337 bis 1497 angedauert habe. Darin folgten ihm später auch englische Historiker wie David Hume in seiner History of England (1762) und Henry Hallam in seinem View of the State of Europe During the Middle Ages (1818), auch wenn sie in Bezug auf die Dauer des Konfliktes abwichen.[2]

In Frankreich machte Professor François Guizot diese Herangehensweise ab 1828 bekannt, auch wenn der konkrete Begriff „guerre de cent ans“ bereits einige Jahre älter war. Zum ersten Mal verwendete ihn C. Desmichels im Jahre 1823 in Tableau chronologique de l'Histoire du Moyan Age. Das erste Buch, welches diesen Begriff als Titel trug, erschien 1852 von Théodore Bachelet.[3] Kurz darauf, im Jahre 1855, machte der Historiker Henri Martin den Begriff und ein umfassendes Konzept dazu in seiner populären Histoire de France bekannt. Begriff und Konzept setzten sich in Frankreich schnell durch. Bereits 1864 verwendete ihn Henri Wallon und später auch François Guizot selbst in seiner Histoire de France (1873). Im englischsprachigen Raum setzte sich Edward Freeman seit 1869 für eine Übernahme des französischen Begriffes ein. John Richard Green folgte diesem Rat in seiner Short History of the English People (1874) und in den folgenden Jahren erschienen in Großbritannien zahlreiche Monographien unter diesem Titel. Die Encyclopædia Britannica verzeichnete ihn erstmals in ihrer Ausgabe von 1879.[4]

Im 20. Jahrhundert wurde dieses Konzept mehrfach kritisiert. Man wies darauf hin, dass es lediglich die dynastischen Aspekte und eine bestimmte Phase der englisch-französischen Beziehungen hervorhob, die sich nicht wesentlich von der vorangegangenen Entwicklung seit der normannischen Eroberung Englands (1066) unterschied. Andere Historiker vertraten die Ansicht, dass die verschiedenen Phasen und Kriege des Konfliktes zu unterschiedlich wären, als dass sie zusammengefasst werden könnten. Auch stellte es einen Kritikpunkt dar, dass die Festlegung des Kriegsendes auf 1453 willkürlich sei, denn dem Fall von Bordeaux folgte kein Friedensschluss und auch danach kam es 1474, 1488 und 1492 zu englischen Invasionen, die in der Tradition des vorangegangenen Konfliktes lagen. Weiterhin hielt die englische Krone die Stadt Calais bis zum Jahr 1558, während sie ihre Ansprüche auf den französischen Thron bis zum Jahr 1802 behauptete. So unterschiedlich die Kritik ausfiel, so unterschiedlich sehen bis heute die verschiedenen Konzepte aus, die daraus resultierten. Gemeinsam ist ihnen lediglich eine allgemeine Abkehr von der nationalen Herangehensweise des 19. Jahrhunderts. Wie der Historiker Kenneth Fowler betonte, betrachtet man die Geschichte des Krieges inzwischen als anglo-französisch statt englisch und französisch. Dies sei notwendig, weil es ein „England“ oder „Frankreich“ in unserem heutigen Verständnis vor 1337 nicht gab und beide vorstaatlichen Gebilde eng ineinander verwoben waren. Ihre Loslösung voneinander ergab sich erst im Laufe des Konfliktes selbst.[5]

Vorgeschichte

1328 starb der letzte männliche Kapetinger und französische König Karl IV. Er hinterließ keinen direkten Nachkommen, der nach ihm die Krone von Frankreich übernehmen konnte. Ihm folgte daher nach dem geltend gemachten salischen Erbrecht, welches Thronansprüche über weibliche Nachkommen ausschloss, sein Cousin Philipp von Valois als Philipp VI. aus der nächsten Nebenlinie der Kapetinger, dem Haus Valois.

Aufgrund seiner Abstammung erhob aber auch König Edward III. von England Ansprüche auf die Krone. Seine Mutter Isabella war die Tochter Philipp IV. gewesen.

Durch ihre Abstammung vom französischen und normannischen Adel hatten die englischen Könige aus dem Haus Plantagenet über große Festlandbesitze in Frankreich verfügt und waren in dieser Position auch Lehensmänner der französischen Könige gewesen. Einen Großteil des Festlandbesitzes hatte England jedoch im Laufe des 13. Jahrhunderts verloren.

Die Unterstützung Frankreichs für den schottischen König David II. und die Aufnahme Roberts von Artois, eines Gegenspielers von König Philipp VI., durch Edward III. führten zum Ausbruch offener Kriegshandlungen. Durch die nach wie vor rechtlich heikle Stellung des englischen Königs als Lehensträger Frankreichs hatten die Plantagenets erhebliches Interesse, ihre Kontinentalbesitzungen zu erhalten beziehungsweise wiederzuerlangen. Um diese Probleme zu lösen, forderte Edward, mit Unterstützung niederländisch-flämischer und deutscher Fürsten, die französische Krone. Philipp besetzte daraufhin den letzten übriggebliebenen Festlandbesitz Englands, die Guyenne. Der Hundertjährige Krieg begann.

Erste Phase 1337–1386

Im Januar 1340 ernannte sich Edward III. selbst zum französischen König und fiel mit seinen Truppen in Frankreich ein. Sein Heer war den Franzosen zwar zahlenmäßig weit unterlegen, dennoch schlug er in der Schlacht von Crécy (1346) die Franzosen vernichtend, denn er führte etwa 8000 walisische Langbogenschützen mit sich; diese ließen die Franzosen erst gar nicht nahe genug herankommen. Im Jahr darauf konnte Calais nach elf Monaten Belagerung eingenommen werden.

1355 flammte der Krieg erneut auf, als der Sohn Edwards III., Edward, Prince of Wales, bei Bordeaux landete. Im September 1356 errangen die Engländer unter dem „Schwarzen Prinzen“ bei Maupertuis in der Nähe von Poitiers ihren zweiten großen Sieg und nahmen König Johann II. gefangen, der 1350 Philipp VI. auf den Thron gefolgt war.

1360 beendete der Friede von Brétigny die erste Phase des Krieges. Edward III. erklärte seinen Verzicht auf die französischen Thronansprüche gegen ein hohes Lösegeld für Johann und die Abtretung von Guyenne, Gascogne, Poitou und Limousin, die er in voller Souveränität, ohne Lehnsabhängigkeit von der französischen Krone, in Besitz nehmen wollte.

Doch ab 1369 begannen unter Karl V., dem Weisen, die Kriegshandlungen von neuem. In wenigen Jahren eroberten die Franzosen einen großen Teil der verlorengegangenen Gebiete zurück. Sie besiegten 1372 mit Hilfe der Kastilier die englische Flotte bei La Rochelle, eroberten unter Bertrand du Guesclin große Teile der Gascogne zurück und vertrieben die englischen Besatzungen aus der Normandie und der Bretagne.

Der frühe Tod des Thronfolgers Edward of Woodstock 1376 und der seines Vaters Edward III. im darauffolgenden Jahr brachten die englischen Aktionen vorerst zum Erliegen. Nachdem Frankreich die meisten besetzten Gebiete zurückerobert hatte, wurden 1386 die Kampfhandlungen beendet, womit sich beide Seiten eine 28-jährige Pause verschafften; ein offizieller Friedensvertrag wurde jedoch erst 1396 unterzeichnet.

Zweite Phase 1415–1435

Auf den letzten Plantagenet folgten in England zwei fähige Lancasters. Nach Konsolidierung der Macht und der Versöhnung zwischen Krone und Parlament rückten die Expansionsgelüste wieder in das zentrale Interesse Englands. Ihr Ziel waren die reichen Städte Flanderns und die weiten Güter Aquitaniens.

Frankreichs durch Karl V. kurzzeitig wiedergewonnene Stärke zerrann unter seinem geistesschwachen Nachfolger Karl VI., dem plötzlichen Tod des Dauphins Ludwig und den erbitterten Kämpfen der Hofparteien des Herzogs von Orléans (Armagnacs) und des Herzogs von Burgund (Bourguignons). Die Ermordung beider Parteiführer trieb die Burgunder 1414 in ein Bündnis mit England (siehe Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons).

1413 folgte Heinrich V., Urenkel Edwards III. aus dem Haus Lancaster, seinem Vater als englischer König und erneuerte den Anspruch auf den französischen Thron. Er nutzte die politische Lage in Frankreich aus, belagerte 1415 mit seinen Truppen Harfleur und wollte die Normandie erobern. Als Charles d’Albret mit französischen Truppen nahte, zog sich Heinrich in Richtung Calais zurück, wurde aber nach geschickter Umgehung aufgehalten und zum Kampf gezwungen.

Nach starkem Regen kam es am Morgen des 25. Oktober 1415 zur Schlacht von Azincourt. Die Engländer waren dabei zahlenmäßig unterlegen (nach dem sich hierzu entwickelnden patriotischen britischen Mythos im Verhältnis 1:4, nach neueren Erkenntnissen nur im Verhältnis 2:3), da Heinrich V. bereits einen Großteil seines Heeres bei der Belagerung durch Seuchen verloren hatte. Aber eine schlechte Schlachtaufstellung der französischen Armbrustschützen und der vom Regen aufgeweichte Boden ließen die übermütigen schweren französischen Ritter und die Artillerie im Schlamm stecken bleiben. So wurde der französische Gegenangriff zurückgeschlagen. Die Franzosen gerieten in Unordnung und Panik und wurden schließlich von den englischen Langbogenschützen niedergestreckt. Um genügend Männer für den letzten halbherzigen Angriff versprengter Franzosen bereit zu haben, ließ Heinrich den Großteil der in der Zwischenzeit gefangenen Franzosen kurzerhand töten. Die Schlacht endete für Frankreich in einer Katastrophe: 5000 Mann des französischen Adels und der Ritterschaft waren gefallen, weitere 1000 gefangengenommen. Die Engländer hatten nur etwa 100 Mann Verluste zu beklagen.

Heinrich V. setzte 1417 seinen Eroberungsfeldzug fort, bei dem er weite Teile Nordfrankreichs unter englische Herrschaft brachte. In Paris fielen die Burgunder ein und übernahmen die Herrschaft über die Stadt. Nachdem sich König Karl VI. und seine Gattin Isabeau 1418 in der Gewalt der Burgunder befanden, floh der erst 16 Jahre alte letzte Thronerbe, der spätere Karl VII., aus der Stadt nach Südfrankreich und verband sich dort mit den Armagnacs.

Im Vertrag von Troyes erklärte 1420 Isabeau für Karl VI. schließlich ihren Sohn, Karl den Dauphin, für illegitim und schloss ihn damit von der Thronfolge aus. Als Erbe wurde Heinrich V. eingesetzt. Dieser starb überraschend 1422. Karl VI. folgte ihm kurz darauf ins Grab. Die Franzosen erkannten den Vertrag daraufhin nicht mehr an und riefen den Dauphin als Karl VII. zum König von Frankreich aus. Der englische Regent John of Lancaster war bestrebt, die Anerkennung des Vertrages von Troyes im gesamten Königreich für den einjährigen Heinrich VI. durchzusetzen.

Die Engländer eroberten Nordfrankreich bis zur Loire-Linie und begannen 1428 mit der Belagerung von Orléans, dem Schlüssel zu Südfrankreich und dem Dauphin in Bourges. In dieser verzweifelten Lage schöpften die Franzosen durch das Auftauchen eines jungen Mädchens wieder neuen Mut – Johanna von Orléans. Von ihren göttlichen Visionen geleitet, überzeugte sie den Dauphin, dass sie die Franzosen zum Sieg führen würde. Ihr Einsatz führte zum Ende der Belagerung von Orléans durch die Engländer.

1429 wurde Karl VII. in Reims zum König von Frankreich gekrönt. Es wurden bald darauf, unter dem Einfluss der Friedenspartei am Hofe, Friedensverträge mit Philipp dem Guten von Burgund geschlossen. Diese nutzte Philipp jedoch dazu, Verstärkung nach Paris zu schaffen. Als der Angriff auf Paris letztendlich erfolgte, wurden die Franzosen unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Karl und seinen Ratgebern wurde klar, dass die englisch-burgundische Allianz zu stark war und gebrochen werden musste.

Karl VII. untersagte Johanna von Orleans jede weitere militärische Aktion, um die fortschreitenden Verhandlungen mit den Burgundern nicht weiter zu gefährden. Johanna zog daraufhin auf eigene Faust gegen die Besatzer. Karl entledigte sich ihrer durch Verrat bei Compiègne; sie wurde von den Burgundern gefangengenommen und für stattliche 10.000 Franken an die Engländer verkauft. In dem folgenden Inquisitionsprozess wurde Johanna ein Pakt mit dem Teufel, das Tragen von Männerkleidung und ein kurzer Haarschnitt vorgeworfen. Am Ende wurde sie der Ketzerei für schuldig befunden und am 30. Mai 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Schließlich erreichte Karl VII. durch die Vermittlung von Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel im Vertrag von Arras (1435) eine Verständigung und die Lösung Burgunds von England.

Dritte Phase 1436–1453

Doch selbst mit dem Tod von Johanna konnten die Engländer die Niederlage im Hundertjährigen Krieg nicht mehr abwenden. Heinrich VI. wurde zwar noch im selben Jahr in Paris zum französischen König gekrönt, doch hatte dies nicht annähernd die gleiche politische Wirkung wie die Krönung Karls in Reims.

Nachdem 1435 der Herzog von Burgund das Bündnis mit England aufgegeben hatte, waren die Franzosen auf dem Vormarsch. Der seit 1436 mündige, aber leicht beeinflussbare Heinrich VI. von England vermochte dem nichts entgegenzusetzen. 1436 bis 1441 erfolgte die Rückeroberung der Île-de-France, trotz des französischen Adelsaufstandes der Praguerie unter einem der wichtigsten französischen Feldherrn und Diplomaten, Jean de Dunois. 1437 zog Karl VII. – der Siegreiche – in die Hauptstadt Paris ein. Darauf folgten französische Vorstöße nach Südwestfrankreich (1442) und in die Normandie (1443), die nach dem Waffenstillstand von 1444 in den Jahren 1449/50 endgültig an Frankreich verloren ging.

Die Handlungsunfähigkeit der Engländer resultierte aus der Verbannung und Ermordung des wichtigsten Ratgebers des Königs durch das Parlament, den Aufstand 1451 und dem 1452 versuchten Staatsstreich des Herzogs von York. 1453 folgte der gesundheitliche Zusammenbruch des Königs. Die um ihren Brückenkopf Calais besorgten Engländer eröffneten eine Gegenoffensive, die aber mit Niederlage und Tod des englischen Heerführers John Talbot bei Castillon endete. Bordeaux unterwarf sich endgültig der französischen Krone (1453).

Mit diesem Sieg fielen fast alle von Engländern beherrschten Territorien auf dem Festland – Calais erst 1559 – an Frankreich zurück. Das Ende des Hundertjährigen Krieges hatte eine große Zahl beschäftigungsloser Söldner nach England zurückgeführt, welches in den folgenden 31 Jahren in den Rosenkriegen zwischen den Häusern Lancaster und York versank. Bis 1815 nannten sich die englischen Monarchen auf offiziellen Dokumenten Könige von Frankreich, 1820 wurde der Anspruch dann endgültig aufgegeben.

Einzelnachweise

  1. ↑ Für einige Beispiele siehe Philippe Contamine: La guerre de Cent ans. Paris 1968, S. 5f
  2. ↑ Kenneth Fowler: The Age of Plantagenet and Valois – The Struggle for Supremacy 1328–1498, Bergamo 1967, S.13
  3. ↑ Philippe Contamine: La guerre de Cent ans, Pais 1968, S.5, Fn. 1
  4. ↑ Kenneth Fowler: The age of Plantagenet and Valois – The struggle for supremacy 1328–1498, Bergamo 1967, S.13f
  5. ↑ Kenneth Fowler: The age of Plantagenet and Valois – The struggle for supremacy 1328–1498, Bergamo 1967, S.14

Quellen

  • Jean Froissart: Chroniques de France, d'Angleterre, d'Ecosse, de Bretagne, de Gascogne, de Flandre et lieux circonvoisinsan. Entstanden um 1370–1405.

Literatur

  • Christopher T. Allmand: The Hundred Years War. England and France at War c. 1300–1450. Cambridge 1988.
  • C. A. J. Armstrong: England, France and Burgundy in the Fifteenth Century. London 1982.
  • Philippe Contamine: Hundertjähriger Krieg. In: Lexikon des Mittelalters. Band 5. München und Zürich 1991, Sp. 215–218.
  • Philippe Contamine: La guerre de cent ans. 3. Auflage. Paris 1977.
  • Philippe Contamine: La vie quotidienne pendant la guerre de cent ans. France e Angleterre (XIVe siècle). Paris 1976.
  • Philippe Contamine u.a. (Hrsg.): Guerre et société en France, en Angleterre et en Bourgogne, XIVe et XVe siècle. Lille 1991.
  • Anne Curry: The Hundred Years War. Basingstoke 1993.
  • Anne Curry und Michael Hughes (Hrsg.): Arms, Armies and Fortifications in the Hundred Years War. Woodbridge 1994.
  • Joachim Ehlers: Der Hundertjährige Krieg. Beck. München 2009, ISBN 978-3-406-56275-4.
  • Jean Favier: La guerre de cent ans. Paris 1981.
  • Kenneth Fowler: The age of Plantagenet and Valois – The struggle for supremacy 1328–1498. Elek, Bergamo 1967.
  • Gerald Harriss: Shaping the Nation; England 1360–1461. Oxford 2005.
  • Wolfgang Schmale: Geschichte Frankreichs. Stuttgart 2000.
  • Desmond Seward: The Hundred Years War: The English in France 1337–1453. London, New York 1999.
  • Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Band 1: Trial by Battle. London 1990. Band 2: Trial by Fire. London 1999.
  • Jean Verdon: Les Francaises pendant la guerre de cent ans (début du XIVe siècle-milieu du XVe siècle). Paris 1991.

 

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Englischer Bürgerkrieg

Der Englische Bürgerkrieg (engl.: English Civil War) wurde von 1642 bis 1649 zwischen den Anhängern König Karls I. und jenen des Parlaments ausgetragen. In ihm entluden sich nicht nur die Spannungen zwischen dem absolutistisch gesinnten König und dem Unterhaus, sondern auch die Gegensätze zwischen Anglikanern, Puritanern, Presbyterianern und Katholiken. Der Krieg endete mit der Hinrichtung des Königs, der zeitweiligen Abschaffung der Monarchie und der Errichtung einer Republik in England.

Ursachen des Bürgerkriegs

Religiöse und dynastische Entwicklungen

Unter König Heinrich VIII. hatte sich England im Jahre 1534 durch die Gründung der Anglikanischen Staatskirche von der Katholischen Kirche getrennt. Nachdem Königin Maria I. mit dem Versuch einer Rekatholisierung des Landes gescheitert war, kam es unter ihrer Nachfolgerin Elisabeth I. zu einer Festigung der Anglikanischen Staatskirche. Da sich deren Lehre in den Augen vieler Engländer jedoch kaum vom Katholizismus unterschied, erfuhren in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die radikal-calvinistischen Puritaner starken Zulauf.

Nach dem Tod der kinderlosen Elisabeth fiel die englische Krone durch Erbschaft an König Jakob VI. von Schottland. Als Jakob I. vereinte er 1603 beide Länder in Personalunion und bezeichnete sich seit 1604 als König von Großbritannien. Anders als seine katholische Mutter, die 1587 auf Betreiben beider Häuser des Parlamentes wegen wiederholter Verschwörungen gegen Elisabeth I. hingerichtete Maria Stuart, war Jakob ein überzeugter Protestant, der stark vom in Schottland vorherrschenden Calvinismus geprägt war. Zugleich war er ein überzeugter Anhänger der Idee des divine right, des göttlichen Rechts der Könige, alleine zu herrschen. Diese Überzeugung brachte das Stuartkönigtum von Beginn an in einen Gegensatz zum englischen Regierungssystem, das damals bereits seit etwa 300 Jahren eine begrenzte Mitwirkung des Parlaments an den Staatsgeschäften kannte.

England unter Jakob I.

Jakob I. stützte sich als König Englands auf die anglikanische Staatskirche, deren Bischöfe mehrheitlich ebenfalls vom Gottesgnadentum der Könige überzeugt waren. Zugleich lehnte sie die puritanische Lehre ab, die dem König das Recht absprach, seine Untertanen in Gewissensfragen einem Zwang auszusetzen.

Als die anglikanische Bischofskonferenz 1604 sowohl den puritanischen, als auch den katholischen Glauben verdammte, verschärften sich die religiösen Spannungen in England. Im November 1605 planten katholische Edelleute um Guy Fawkes in der so genannten Pulververschwörung die Ermordung Jakobs I. und sämtlicher Parlamentarier. Der Anschlag wurde nur durch einen Zufall vereitelt. Dies führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen König und Parlament. Langfristig erwiesen sich die absolutistischen Tendenzen Jakobs I. als folgenreicher. Entscheidend ist jedoch, dass der Katholizismus fortan meist als suspekt dargestellt und damit politisch bedeutungslos wurde.

Die Vorstellung von einem göttlich legitimierten Königtum, das keiner irdischen Macht und somit auch nicht dem Parlament verpflichtet sei, prägte Jakobs Politik. So ermöglichte er den Kauf von Titeln, was auf die Schwächung des niederen Adels abzielte. Die friedliche Haltung Jakobs I. gegenüber Spanien ließ sein Ansehen weiter sinken. Im Parlament formierte sich eine Opposition gegen den König, die vor allem aus Angehörigen der Gentry (Landadel) und des Bürgertums bestand und auf die Wahrung der parlamentarischen Rechte bedacht war. Als folgenschwer erwies sich auch die massive Ansiedlung von englischen und schottischen Siedlern unter Jakob I. im irischen Ulster. Obwohl sich Irland seit dem späten 12. Jahrhundert unter englischer Oberhoheit befand und seit 1542 offiziell der englischen Krone unterstellt war, hielt sich dort der katholische Glaube. Der Neunjährige Krieg in Irland (1594–1603) zeigte, dass auch in diesem Teil der englischen Machtsphäre ein großes Konfliktpotential herrschte.

England unter Karl I.

Als Jakob I. 1625 starb, folgte ihm sein zweitältester Sohn als Karl I. auf den englischen und schottischen Thron. Die noch im selben Jahr erfolgte Vermählung Karls I. mit Henrietta Maria de Bourbon machte ihn insbesondere bei den Puritanern unbeliebt, da es sich bei ihr um die katholische Tochter des französischen Königs Heinrich IV. handelte. Karl I. pochte noch mehr als sein Vater auf die Existenz göttlicher Königsrechte und strebte eine Aussöhnung mit der katholischen Kirche an. Er setzte sich mehrfach im Zuge seiner Restaurationspolitik über das Parlament hinweg, indem er ohne dessen Zustimmung Steuern erhob. Karls absolutistische Herrschaftsausübung provozierte den energischen Widerstand des Parlaments, in dem zahlreiche Puritaner vertreten waren. Als entscheidend sollte sich die 1628 erfolgte Wahl Oliver Cromwells in das Unterhaus des Parlaments herausstellen. Dieser gehörte der Gentry an und war ein Puritaner, welcher der radikalen Strömung der Independents angehörte. Im selben Jahr legte das Parlament dem König die Petition of Right vor, welche er unter finanziellem Druck akzeptierte. Die Petition of Right forderte unter anderem den Verzicht des Königs auf Steuererhebungen und den Schutz vor willkürlichen Verhaftungen. Es war vor allem die Beteiligung Englands am Dreißigjährigen Krieg, welche den Haushalt der Krone angriff und so die Steuerpolitik Karls I. mit erforderlich machte.

Im darauf folgenden Jahr ordnete Karl I. jedoch die Auflösung des Parlaments an und regierte bis 1640 de facto als absolutistischer Herrscher, wobei er sich auf Berater wie den Earl of Strafford und Erzbischof William Laud stützte. Thomas Wentworth, später Earl of Strafford, ehemaliger Abgeordneter des Unterhauses, wurde 1632 zum Lord Deputy in Irland ernannt, wo er mit einer harten, zugleich pro-katholischen Politik die Lage beruhigte. In dieser Phase seiner Regentschaft ließ Karl I. seine politischen und religiösen Gegner verfolgen, wovon vor allem die Puritaner betroffen waren. Erzbischof Laud erstrebte die Durchsetzung des anglikanischen Glaubens im überwiegend presbyterianischen Schottland, was den heftigen Widerstand der Schotten zur Folge hatte.

Der Weg zum Bürgerkrieg

Die presbyterianischen Schotten, die sich im „Covenant with God“ („Bund mit Gott“) sahen, begannen 1638 einen Aufstand. Wentworth wurde 1639 nach England zurückbeordert, zum Lord von Strafford ernannt und gegen die Aufständischen eingesetzt. Die englischen Feldzüge zur Niederschlagung des Aufstands scheiterten, während die Kosten dieser so genannten „Bischofskriege“ stark anstiegen. Vor diesem Hintergrund sah sich Karl I. 1640 dazu gezwungen, zur Bewilligung weiterer Finanzmittel das Parlament einzuberufen. Da die Parlamentarier Karls Herrschaft im Allgemeinen und sein militärisches Vorgehen gegen Schottland im Besonderen kritisierten, ließ der König das Parlament nach wenigen Wochen wieder auflösen, weshalb man auch vom Kurzen Parlament spricht. Weitere englische Misserfolge im Kampf gegen die aufständischen Schotten zwangen Karl I. noch im selben Jahr dazu, das Parlament ein weiteres Mal neu einzuberufen, welches in Abgrenzung zum Kurzen Parlament auch als Langes Parlament bekannt wurde. Es wurde von den Puritanern unter der Führung von John Pym dominiert. Das Lange Parlament legte 1641 einen Beschwerdekatalog vor und erzwang Zugeständnisse vom König. Dem königlichen Berater Lord Strafford wurde der Prozess gemacht und seine Hinrichtung angeordnet. In Irland befürchtete man, nach der den irischen Katholiken entgegen kommenden Politik von Strafford, eine gewaltsame Anglikanisierung, weshalb es 1641 zur offenen Rebellion kam, der zahlreiche englische und schottische Siedler zum Opfer fielen. In parlamentarischen Kreisen kursierten Gerüchte, denen zufolge Karl I. in diese Vorfälle verwickelt sei. Karl I. wollte sich jedoch an die Spitze eines Feldzugs gegen die rebellischen Iren setzen, was ihm die Mehrheit des Parlaments verweigerte. Als Reaktion darauf formierte sich aus gemäßigten Abgeordneten eine königstreue Partei. Im Januar 1642 ordnete Karl I. die Verhaftung mehrerer oppositioneller Parlamentarier an, zu denen John Pym, John Hampden und Arthur Haselrig gehörten, die jedoch unter Begleitschutz fliehen konnten. Karl I. verließ daraufhin London und rüstete zum Kampf. Das Parlament leitete die Aufstellung einer Armee in die Wege, um den royalistischen Kräften begegnen zu können. Während der Dreißigjährige Krieg auf dem europäischen Festland langsam seinem Ende entgegenwütete, versank England nun in Bürgerkriegswirren.

Kriegsverlauf

Royalistische Anfangserfolge

Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs ergriff man in großen Teilen von Wales, in Cornwall und im Nordosten Englands Partei für den König. Während man die königstreuen Engländer als „Cavaliers“ („Reiter“) bezeichnete, wurden die Anhänger des Parlaments als „Roundheads“ (aufgrund ihres meist kurzen Haarschnitts) bekannt. Einige Regionen versuchten zunächst, sich neutral zu verhalten, was jedoch nicht dauerhaft gelang. Zur ersten größeren Kampfhandlung des Englischen Bürgerkriegs kam es mit der Belagerung von Kingston upon Hull durch den royalistischen Earl of Newcastle, die am 11. Oktober 1642 abgebrochen werden musste. Das im Nordosten gelegene Hull wurde fortan von den Parlamentariern als möglicher Ausgangspunkt für die Eroberung von Yorkshire in Betracht gezogen. Am 23. Oktober kam es bei Edgehill zu einer Feldschlacht zwischen den Konfliktparteien. Der unklare Ausgang der Schlacht hatte keinen Einfluss auf den weiteren Vormarsch der royalistischen Cavaliers, denen bald darauf die Einnahme Oxfords gelang. Es bestand nun für die parlamentarischen Roundheads die unmittelbare Gefahr eines Vormarsches der königstreuen Truppen gegen London. Der in parlamentarischen Diensten stehende General Skippon stellte ein Heer mit einer Stärke von über 20.000 Mann auf und ließ London befestigen. Skippons Truppen stellten sich den Cavaliers am 13. November 1642 entgegen, doch zogen Letztere ab, ohne dass es zu nennenswerten Kampfhandlungen gekommen wäre.

Im Jahre 1643 ergriffen die Schotten Partei für die Roundheads, während die Cavaliers von Cornwall ausgehend militärisch deutlich aktiver wurden. Unter Sir Ralph Hopton eroberten royalistische Truppen Devon, Dorset und Somerset. Hoptons Truppen vereinten sich im Juli mit denen des königlichen Reitergenerals Ruprecht von der Pfalz, einem Sohn Friedrichs V.. Gemeinsam unternahmen sie einen Angriff auf Bristol, der am 26. Juli begann und nach hohen Verlusten mit der Einnahme der Stadt endete. Am 9. August begannen die Cavaliers mit der Belagerung von Gloucester, welches sich inmitten von royalistisch kontrolliertem Gebiet befand. Als ein Entsatzheer unter dem Earl of Essex eintraf, zogen sich die Royalisten am 5. September zurück. Am 20. September kam es schließlich bei Newbury zu einer Schlacht zwischen den beiden Heeren, die keinen klaren Sieger hervorbrachte.

Die entscheidende Kriegsphase

Das Kriegsjahr 1644 begann mit der Belagerung von Nantwich durch irische Truppen unter dem royalistischen General Byron, die jedoch am 25. Januar durch parlamentarische Truppen unter Sir Thomas Fairfax beendet wurde. Um das von den Roundheads belagerte York zu entlasten, traf Ruprecht vor der Stadt ein und zwang die Parlamentarier und ihre schottischen Verbündeten am 2. Juli zu einer offenen Feldschlacht bei Marston Moor. Die Schlacht endete mit einer schweren Niederlage für die Royalisten, welche die Kontrolle über Nordengland verloren. Auf dem südwestlichen Kriegsschauplatz unternahm der Earl of Essex einen tiefen Vorstoß in royalistisches Gebiet, bis er am 1. September bei Lostwithiel in Cornwall in einen Hinterhalt gelockt und besiegt wurde. Die Schlacht bei Lostwithiel stellte den letzten größeren Erfolg der Royalisten dar. Anstatt den Ausgang der Schlacht zu weiteren militärischen Unternehmungen zu nutzen, zog sich Karl I. mit seinen Truppen nach Oxford zurück.

Entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf wurde die Aufstellung der New Model Army unter Fairfax und Cromwell, die im Winter 1644 begann und bis zum Januar 1645 abgeschlossen war. Oliver Cromwell hatte 1643 eine Kavallerieeinheit aufgestellt, die überwiegend aus fanatischen Puritanern bestand und deren Mitglieder als „Ironsides“ bekannt wurden. Cromwell übernahm in der ebenfalls überwiegend aus radikalen Puritanern bestehenden New Model Army den Oberbefehl über die Reiterei. Die für damalige Verhältnisse modern ausgerüstete und kämpfende Armee fügte den Truppen Karls I. am 14. Juni 1645 in der Schlacht von Naseby eine schwere Niederlage zu. Am 10. Juli folgte eine weitere Niederlage der Cavaliers in der Schlacht bei Langport. Bis zum Herbst eroberten die Roundheads wichtige Stützpunkte wie etwa Bristol zurück. Dabei kam es beim Basing House in Hampshire zu einem besonders grausamen Vorfall. Das auch als „Loyalty House“ bekannte, von Royalisten verteidigte Anwesen hatte mit seinen provisorisch errichteten Bastionen 1643 und 1644 mehreren Belagerungen standgehalten. Es bot zahlreichen auf parlamentarischer Seite verhassten Menschen Zuflucht, wie etwa Katholiken und Angehörigen des Hochadels. Am 14. Oktober 1645 schossen die Roundheads das Basing House sturmreif. Ein puritanischer Prediger bezeichnete die Verteidiger des Anwesens als „gotteslästerliches Ungeziefer“ und forderte ihre Vernichtung. Tatsächlich wurden nur wenige Menschen bei der Erstürmung des Basing House durch die siegreichen Roundheads verschont.

Zu Beginn des Jahres 1646 befanden sich die Royalisten eindeutig in der Defensive. Parlamentarische und schottische Truppen begannen mit der Belagerung von Newark-on-Trent, der letzten von Royalisten gehaltenen Stadt in Nordengland. Am 8. Mai ergab sich die Garnison der Stadt. Im selben Monat begann die Belagerung Oxfords durch die Roundheads, wohin sich Karl I. nach der Schlacht von Naseby zurückgezogen hatte. Bevor sich der Belagerungsring um Oxford geschlossen hatte, gelang ihm die Flucht. Er begab sich nach Newcastle, wo ihm schottische Truppen Schutz gewährten. Von dort aus erging am 16. Juni 1646 sein Befehl an alle noch existenten royalistischen Garnisonen, ihre Waffen niederzulegen.

Der „zweite“ Bürgerkrieg

Die Schotten lieferten Karl I. 1647 an das englische Parlament aus. Spannungen zwischen der Armee und dem Parlament nutzte Karl nach wenigen Monaten in Gefangenschaft aus, um die Schotten vom Übertritt auf seine Seite zu überzeugen. Im Juli 1648 kam es in England zu royalistischen Aufständen, während schottische Kämpfer in englisches Territorium einfielen. Unter Oliver Cromwell wurden die Schotten bei Preston entscheidend geschlagen, während royalistische Ortschaften wieder unter Kontrolle des Parlaments gebracht werden konnten. Der Englische Bürgerkrieg wurde somit beendet. Lediglich in Irland leisteten Aufständische unter dem Earl of Ormonde weiterhin Widerstand gegen die Roundheads. Durch seine militärischen Erfolge und Unterstützung durch das finanziell gut ausgestattete Bürgertum war Cromwells Einfluss inzwischen stark gewachsen. Er beauftragte die Armee mit der Festnahme diverser presbyterianischer und königstreuer Abgeordneter. Zudem wurde vielen Abgeordneten der Zutritt zum Parlament verweigert (das sog. „Pride's Purge“). Das so entstandene „Rumpfparlament“ ordnete auf Betreiben Cromwells einen Prozess gegen Karl I. an. Am 30. Januar 1649 wurde Karl I. enthauptet.

Folgen des Krieges

Der Englische Bürgerkrieg hatte die Abschaffung der Monarchie und die Errichtung der englischen Republik zur Folge, das so genannte Commonwealth. Die Republik wurde ohne Oberhaus vom Rumpfparlament regiert. Der Puritanismus war von einer zeitweilig unterdrückten zur dominierenden Religionsbewegung in England geworden, was sich insbesondere für die Katholiken nachteilig auswirkte. Unter Cromwell wurden brutal geführte Strafzüge gegen Irland und Schottland unternommen und die Bodenenteignung irischer Grundbesitzer angeordnet. Die Republik hatte nur bis 1653 Bestand und wurde von einer puritanischen Militärdiktatur unter Cromwell als Lordprotektor abgelöst. Nach dem Tode Cromwells im Jahre 1658 und der Abdankung seines inkompetenten Sohnes Richard wurde 1660 die Monarchie unter Karl II., dem Sohn Karls I., wiederhergestellt. Trotzdem hatte der Englische Bürgerkrieg langfristig die Festigung des Parlamentarismus und die Herausbildung einer parlamentarischen Demokratie in England zur Folge.

Die Strafzüge Cromwells

Die Unterwerfung Irlands

Rückeroberung Irlands

In direktem Zusammenhang mit den Ereignissen des Englischen Bürgerkriegs stehen die Strafzüge Cromwells gegen Irland und Schottland, die er nach der Hinrichtung Karls I. unternahm. Richtete sich der 1641 ausgebrochene Aufstand der irischen Katholiken zunächst gegen sämtliche englische Siedler, verbündeten sie sich im weiteren Verlauf des Kriegs notgedrungen mit den englischen Royalisten und seit dem „zweiten“ Bürgerkrieg zusätzlich mit den presbyterianischen Schotten. Nach dem Sieg des Parlaments über die Krone wollte Cromwell die Herrschaft der englischen Republik auch in Irland durchsetzen und dabei ein Exempel an den Aufständischen statuieren. Bis 1649 war es dem royalistischen Earl of Ormonde gelungen, mit irischer Hilfe die Parlamentarier auf wenige Stützpunkte zurückzudrängen. Nur die Region Ulster und Dublin konnten für die englische Republik gehalten werden. Die aufständischen Iren waren jedoch schlecht ausgerüstet und meist schwach organisiert. Kompensiert wurde dies teilweise durch das militärische Wissen, das sich zahlreiche Iren als Söldner auf dem europäischen Festland angeeignet hatten. Auch im Errichten von Befestigungsanlagen waren die Iren ihren Gegnern mindestens ebenbürtig. Jedoch fehlte es ihnen an Schießpulver, weshalb sie aus den verwesenden Leichen getöteter englischer Siedler Salpeter gewannen.

Als im August Oliver Cromwell mit seinen Truppen in Irland eintraf, änderte sich die Lage äußerst schnell. Die Belagerung Dublins durch Iren und Royalisten wurde gewaltsam beendet, während Cromwells Truppen am 9. September mit dem Angriff auf Drogheda an der irischen Ostküste begannen. Am 11. September gelang ihnen die Einnahme der Stadt, worauf ein Blutbad folgte. Sämtliche Bewohner Droghedas wurden umgebracht oder deportiert. Danach zog Cromwells Heer weiter nach Süden, bis es am 11. Oktober die Küstenstadt Wexford eroberte und dort ebenfalls die Bevölkerung tötete oder verschleppte. Vor dem Hintergrund dieses brutal geführten Feldzugs schlugen sich Städte wie Cork und Youghal auf die parlamentarische Seite, um ihrer Zerstörung zu entgehen. Der Angriff auf Kilkenny blieb erfolglos und forderte zahlreiche Todesopfer, so dass Cromwell mit der Garnison Verhandlungen aufnahm und ihr am 28. März 1650 freien Abzug gewährte. Im Mai unternahmen Cromwells Truppen mehrere erfolglose Sturmangriffe auf die Belagerung von Clonmel, das von irischen Aufständischen unter Hugh Dubh O'Neill verteidigt wurde. Als die Iren ihre gesamte Munition verschossen hatten, verließen sie im Schutz der Nacht die Stadt, so dass die Roundheads am nächsten Tag einrücken konnten. Aufgrund der Lage in Schottland verließ Cromwell kurze Zeit später Irland und ließ ein größeres Truppenkontingent unter dem Kommando seines Schwiegersohns Henry Ireton zurück. Diese Truppen brachen den restlichen irischen Widerstand. Am 21. Juni wurden die aufständischen Iren bei der Schlacht von Scarrifholis geschlagen und am 10. August die Kapitulation ihres Stützpunktes in Waterford erzwungen. Der Feldzug wurde 1651 fortgeführt und gegen Limerick gerichtet. Die von O'Neill verteidigte Stadt kapitulierte am 27. Oktober nach der Zusicherung des freien Abzugs. Bis 1652 leisteten die Iren noch vereinzelt Widerstand, doch befand sich Irland zu diesem Zeitpunkt größtenteils unter der Kontrolle der englischen Republik.

Der Feldzug gegen Schottland

Die seit 1648 mit den Royalisten verbündeten Schotten hatten zwar bei Preston eine schwere Niederlage hinnehmen müssen, doch wurde der schottische Widerstand durch diese Schlacht nicht gebrochen. Deshalb kehrte Cromwell 1650 aus Irland zurück und organisierte einen Feldzug gegen Schottland. Dieser begann mit einem Sieg der parlamentarischen Truppen unter Cromwell und General Monck bei Dunbar. Mit mittelalterlichen Befestigungsanlagen versehene, schottische Stützpunkte wie Edinburgh Castle und Stirling Castle gerieten schnell unter parlamentarische Kontrolle. In der Folgezeit wurden in schottischen Ortschaften wie Ayr, Perth und Leith Zitadellen erbaut, um die Herrschaft der englischen Republik durchzusetzen. Zu weiteren Konflikten kam es, als der 1650 in Schottland gelandete Karl II., Sohn Karls I., mit schottischen Truppen in England einfiel. Unter Cromwell stellten sich ihnen die parlamentarischen Truppen am 3. September bei Worcester, wo sie in einer offenen Feldschlacht über die Schotten siegten. Damit war auch die Beseitigung des schottischen Widerstands erreicht.

Charakter des Krieges

Ausrüstung und Taktik

Die im Englischen Bürgerkrieg kämpfenden Heere unterschieden sich in ihrer Bewaffnung und Kampfweise kaum von denen des europäischen Festlands. Die Infanterie bestand zu über zwei Dritteln aus Musketenschützen, während es sich bei den restlichen Infanteristen um Pikeniere handelte. Die Reiterei bestand unter anderem aus Kürassieren und Arkebusierreitern. Hinzu kamen Dragoner, Infanteristen, die auf leichten Pferden ritten. In der Infanterie trugen lediglich einige Pikeniere eine Rüstung, die meist aus einem visierlosen Helm und einem Brust- und Rückenpanzer bestand. Eine derartige Rüstung wurde als „harquebus armour“ auch von der Reiterei verwendet, doch trugen manche Kürassiere eine Plattenrüstung, die bis zu den Knien reichte. Ein Kuriosum stellte die Kürassiereinheit von Sir Arthur Haselrig dar, deren Mitglieder ausnahmslos vollständige, rot gefärbte Plattenrüstungen trugen und die deshalb als „London Lobsters“ („Londoner Hummer“) bekannt waren. Seine Rüstung rettete Haselrig in einer Schlacht von 1643 das Leben. Gebräuchlich war zudem ein verstärktes, aber zugleich flexibles Ledergewand („buff coat“), das manche Soldaten unter oder anstatt einer Rüstung trugen. Ein solches Gewand war deutlich teurer als ein Brustpanzer, weshalb die alleinige Verwendung eines Brustpanzers häufiger war. Der Kopf wurde meist durch eine schlichte, englische Variante der so genannten Zischägge geschützt, die als „pot“ bezeichnet wurde. Das Tragen von Uniformen war noch nicht allgemein üblich, auch wenn für die New Model Army eine durchgängige, rote Uniformierung vorgesehen war. Aus logistischen Gründen ließ sich dies aber nicht realisieren, so dass sich viele parlamentarische Soldaten zur Erkennung im Gefecht ein rotes Stück Stoff umbanden. Die Royalisten wurden vor allem vom katholischen Frankreich mit Waffen beliefert, die über den Kanal nach Cornwall geschickt wurden. Die Niederlande produzierten in großem Umfang Waffen und Rüstungen, mit denen sie sowohl im Dreißigjährigen Krieg als auch im Englischen Bürgerkrieg sämtliche Kriegsparteien belieferten. Im Englischen Bürgerkrieg wurde vereinzelt der Langbogen zum letzten Mal von Engländern eingesetzt.

Die Gefechtsordnung in den Schlachten des Englischen Bürgerkriegs wies keine nennenswerte Unterschiede zu der in der Spätphase des Dreißigjährigen Kriegs üblichen Anordnung auf. Die Infanterieformationen wurden immer dünner und breiter, während zugleich der Anteil der im Zentrum postierten Pikeniere abnahm. Die Reiterei postierte sich an den Flanken des Heeres, das sich meist in bis zu drei Linien über das Schlachtfeld ausbreitete. Eine Besonderheit stellte die Tatsache dar, dass in den Feldschlachten des Englischen Bürgerkriegs kaum Gebrauch von Kanonen gemacht wurde. Trotzdem erzeugten die zahlreichen Musketen einen starken Pulverdampf, der oftmals im Kampfgetümmel für Verwirrung sorgte. Besonders gefürchtet war der von den schottischen Highlandern durchgeführte „Scottish Charge“ („Schottischer Angriff“). Dabei feuerten die Highlander eine Salve ab, warfen dann ihre Musketen weg und zückten eine Nahkampfwaffe und einen Schild („Targe“) zur Abwehr von Bajonetten. Durch den Pulverdampf ihrer Salve vor feindlicher Sicht geschützt, nahmen sie eine Keilformation ein und durchbrachen an einer Stelle die gegnerische Linie. Bei den meisten Kampfhandlungen des Englischen Bürgerkriegs handelte es sich um Belagerungen.

Literatur

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  • Stanley D. M. Carpenter: Military Leadership in the British Civil Wars 1642–1651 – „The Genius of this Age“ , Abingdon 2005. ISBN 0-7146-5544-9
  • David Cressy: England on Edge: Crisis and Authority, 1640-1642. New York 2006, ISBN 978-0-19-928090-2
  • Trevor Royle: Civil War – The Wars of the Three Kingdoms 1638–1660, London 2004. ISBN 0-316-86125-1
  • Lawrence Stone: The causes of the English Revolution 1529–1642, London 2002. ISBN 0-415-26673-4
  • Mark Stoyle: Soldiers and Strangers – An ethnic History of the English Civil War, New Haven (Conn.) 2005. ISBN 0-300-10700-5
  • Malcolm Wanklyn / Frank Jones: A Military History of the English Civil War 1642–1646, Harlow 2005. ISBN 0-582-77281-8
  • James Scott Wheeler: The Irish and British Wars 1637–1654 – Triumph, Tragedy and Failure, London 2002. ISBN 0-415-22131-5
  • Austin Woolrych: Britain in revolution 1625–1660, Oxford 2002. ISBN 0-19-820081-1

 

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Glorious Revolution

In der Glorious Revolution – der Glorreichen Revolution – von 1688/89 entschieden die Gegner des königlichen Absolutismus in England den seit Beginn des 17. Jahrhunderts geführten Machtkampf mit dem Stuartkönigtum endgültig zu ihren Gunsten. Sie schufen mit der Durchsetzung der Bill of Rights die Grundlage für das heutige parlamentarische Regierungssystem im Vereinigten Königreich. Seit der Revolution ist das Parlament, nicht mehr der König, Träger der Staatssouveränität.

Mit der Revolution endete aber auch die Politik religiöser Toleranz, die König Jakob II. von England gegenüber Katholiken und protestantischen Dissenters betrieben hatte. Nach dem Sturz des katholischen Monarchen bestiegen seine protestantische Tochter Maria II. und ihr Ehemann Wilhelm III. von Oranien gemeinsam den englischen Thron.

Bereits die Zeitgenossen verwendeten die Bezeichnung Glorreiche Revolution in bewusstem Gegensatz zu den Wirren des Englischen Bürgerkriegs, der mit der Hinrichtung König Karls I. und der Errichtung einer Republik unter Oliver Cromwell geendet hatte. Man war der Auffassung, dass der vergleichsweise unblutige Umsturz von 1688/89 auch deshalb von Erfolg gekrönt war, weil ihn die „Gloriole“ eines neuen Königtums umstrahlt habe.

Überblick

Bereits Jakobs Bruder Karl II., der England von 1660 bis 1685 regierte, stand in seinen persönlichen Glaubensüberzeugungen dem Katholizismus nahe. Um seine erst 1660 restaurierte Herrschaft nicht zu gefährden, schützte er jedoch die verfassungsmäßigen Rechte der anglikanischen Staatskirche und erließ Gesetze gegen Katholiken und Nonkonformisten. Diese Politik wurde von großen Teilen der Bevölkerung, der Gentry und des Hochadels sowie von Parlament und Kirche unterstützt. Erst auf dem Totenbett konvertierte Karl II. zum Katholizismus.

Jakob hatte diesen Schritt bereits Ende der 1660er Jahre getan. So entstand 1685 die Situation, dass ein Katholik König von England und Oberhaupt der Anglikanischen Kirche wurde. Zudem war er Befürworter einer absolutistischen Monarchie nach französischem und spanischem Vorbild. Bald nach seiner Thronbesteigung am 23. April 1685 ging Jakob auf Konfrontationskurs mit den Whigs, der „Partei“, die besonders für die Rechte des Parlaments eintrat. Er leitete eine Rekatholisierung der englischen Verwaltung und Armee – ja sogar der anglikanischen Kirche selbst – ein und verstieß damit gegen fundamentale Gesetze wie die Testakte. Dazu glaubte er sich aufgrund seines absolutistischen Herrschaftsverständnisses berechtigt. Gleichzeitig übte er aber auch Toleranz gegenüber protestantischen Nonkonformisten wie den Quäkern.

Da Jakob keinen männlichen Erben hatte und seine beiden aus erster Ehe stammenden erbberechtigten Töchter Maria und Anna protestantisch erzogen waren, nahmen große Teile der englischen Bevölkerung und Teile der anglikanischen Kirche seine Politik zunächst hin. Es bestand die begründete Aussicht, dass die Politik des bereits über 50-jährigen Königs nach seinem Tod rasch revidiert werden könnte. Insbesondere die anglikanische Hochkirche, die seit jeher das gottgegebene Herrschaftsrecht der Könige (Divine Right) verteidigt hatte, argumentierte, man dürfe auch einer katholischen Obrigkeit nicht den Gehorsam verweigern oder ihr gar Widerstand entgegensetzen. Dies änderte sich erst, als Jakob die anglikanischen Bischöfe zwingen wollte, eine Toleranzerklärung gegenüber dem Katholizismus von den Kanzeln verlesen zu lassen. Mit der Weigerung der Bischöfe gaben sie das Prinzip der non resistance auf, das sie von jeher zur stärksten Stütze des Königtums gemacht hatte.

Der letzte Anstoß zur Einigung aller politischen und religiösen Gegner des Königs aus Parlament, Adel und Kirche erfolgte jedoch aus dynastischen Gründen: Als dem König und seiner zweiten Frau, der streng katholischen Maria Beatrix von Modena im Sommer 1688 ein Sohn geboren wurde, drohte die dauerhafte Etablierung einer katholischen Dynastie. Auch die anglikanischen Bischöfe stimmten nun mehrheitlich zu, die protestantische Tochter des Königs, Maria, und ihren calvinistischen Ehemann, Wilhelm von Oranien, den Generalstatthalter der Niederlande, ins Land zu rufen und ihnen gemeinsam die Krone anzutragen. Dieser folgte dem Ruf vor allem aus bündnispolitischen Erwägungen. Wilhelm sah die Chance, England für das Lager der Gegner König Ludwigs XIV. von Frankreich zu gewinnen.

Nach der Einladung durch eine Gruppe von Adligen, die Immortal Seven, setzte Wilhelm von Oranien im Herbst 1688 mit einer starken Söldnerarmee nach England über, um dem „bedrängten englischen Volk“ zu Hilfe zu eilen. Seine Landung war die einzige erfolgreiche Invasion Englands seit 1066. Jakob II. sah sich auf Grund des Überlaufens zahlreicher Adliger zu Wilhelm außerstande, diesem militärisch zu begegnen und floh nach Frankreich. Das Staatssiegel warf er auf seiner Flucht in die Themse. Dies wurde von seinen Gegnern als Abdankung interpretiert, so dass seine Tochter und sein Schwiegersohn als Maria II. und Wilhelm III. den vakanten Thron besteigen konnten.

Trotz mehrerer Versuche einer gewaltsamen Rückeroberung gelang es Jakob II. und seinen Erben nicht, ihre Ansprüche auf die Krone erneut geltend zu machen. Der frühere König starb am 16. September 1701 im französischen Exil. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts kam es aber immer wieder zu Aufständen ihrer Anhänger, der Jakobiten. Wilhelm gelang es, seine Herrschaft in England zu stabilisieren. Er stärkte durch seine Gesetzgebung maßgeblich den englischen Parlamentarismus, übte religiöse Toleranz nur gegenüber den protestantischen Dissenters und konnte sicherstellen, dass selbst nach seinem Tod im Jahr 1702 und der Thronbesteigung Annas, einer weiteren Tochter Jakobs II., keine Annäherung Englands an Frankreich mehr stattfand.

Vorgeschichte

Die Glorreiche Revolution war ein vor allem auf religiösen Motiven basierender Vorgang, der durch politische Erwägungen aller Beteiligter zusätzlich verschärft wurde. Eine wichtige Rolle spielte hierbei die Kirche von England, die durch Heinrich VIII. von Rom abgespalten worden war. In den seiner Entstehung folgenden Jahren stabilisierte sich der zwar „katholisch“ (episkopal) verfasste, aber in der Lehre vorherrschend calvinistische Anglikanismus, und auch die Versuche Maria Tudors, England wieder zu katholisieren, blieben erfolglos.

Durch das Elisabethan Settlement von 1559 wurde der König von England zugleich auch zum „Supreme Governor of the Church“ ernannt und somit die Trennung von Rom untermauert. Die Einführung des Book of Common Prayer wiederum spaltete die Reformationsbewegung und führte zur Gründung der puritanischen Bewegung, die in den folgenden Jahren immer stärkeren Zulauf erhielt und neben einer strengen Sittenlehre die Unabhängigkeit der Kirche vom Königtum forderte. Gleichzeitig radikalisierten sich die Bevölkerung und die Geistlichkeit zu einem strikten Anti-Katholizismus, verstärkt durch die Exkommunikation Königin Elisabeths 1570, das Vorgehen der spanischen Armada gegen England 1588, den Gunpowder Plot von 1605 (eine katholische Verschwörung gegen Jakob I. und das Parlament), die Furcht vor einer katholischen Invasion in den 1620er Jahren, und den Ausbruch der Irischen Rebellion von 1641. Antipapismus (Anti-Popery) wurde so zu einem unabdingbaren Grundfaktor der englischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, und zwar nicht nur auf nationaler, sondern auch auf lokaler Ebene.

Im starken Gegensatz dazu stand die Politik der Krone, die mit einer Annäherung erst an das katholische Spanien und später an das ebenfalls katholische Frankreich im diametralen Gegensatz zu den Erwartungen des Volkes und eines großen Teils des Adels handelte. Auch die von Karl I. maßgeblich geförderte arminianische Kirchenpolitik, die eine stärkere Formalisierung der Kirchenliturgie vorsah und zentrale Elemente der calvinistischen Kirchenreformen rückgängig zu machen suchte (z. B. in der Kleiderordnung, der Rolle des Presbyteriums und der Abendmahlsliturgie), schürte das Misstrauen gegen die Krone. Immer stärker begann sich die Überzeugung durchzusetzen, dass ein „in katholische Verschwörungen verwickelter König das Anrecht auf Gehorsam verwirkt“ hatte. 1637 kam es über diesen Konflikt zum organisierten Widerstand in Schottland, den Karl im Jahr 1640 mit einem Einmarsch seiner Truppen (Bischofskrieg) beantwortete. Ein Parlament, das er hierzu einberufen lassen hatte, das seine finanziellen Forderungen jedoch nicht unterstützte, wurde von ihm bereits nach drei Wochen entlassen (Kurzes Parlament). Nachdem die englische Armee Ende August jedoch von schottischen Truppen geschlagen worden war und sich diese in Nordengland festsetzten, sah sich der König gezwungen, ein neues Parlament (Langes Parlament) einzuberufen und einen Waffenstillstandsvertrag zu unterschreiben.

Das Lange Parlament konnte von Beginn an einen Teil der königlichen Souveränität an sich reißen, indem es die Friedensverhandlungen mit Schottland und die Bezahlung der Armee zu handhaben verlangte. Gleichzeitig richtete sich sein Handeln gegen die unmittelbare Umgebung des Königs, vor allem gegen den königlichen Berater und Katholiken Thomas Wentworth, 1. Earl of Strafford, gegen den ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet wurde. Ebenfalls angeklagt wurde Erzbischof Laud, was die faktische Entmachtung der kirchlichen Gerichte und damit den Kollaps der staatlich-kirchlichen Zensur zur Folge hatte.

Verschärft wurde der Konflikt zwischen Parlament und König im Mai 1641, als ruchbar wurde, dass Karl ernsthaft erwog, die Reste seiner Armee für eine Befreiung Straffords aus dem Tower einzusetzen (Army Plot). Das Unterhaus sprach daraufhin ein Todesurteil gegen Strafford aus. Öffentliche Proteste und Demonstrationen vor dem Oberhaus und dem königlichen Palast sorgten schließlich dafür, dass der König seinen früheren engen Berater fallen ließ. Das Parlament verschärfte in der Folge seinen Kurs gegen den König, beschnitt dessen Recht zur Auflösung des Parlaments, schaffte wesentliche durch den König eingeführte Steuern und Abgaben ab und löste besondere Regierungsorgane (Gerichtshöfe) auf, die dem König direkt unterstanden. Auch die Grand Remonstrance war als Angriff auf den König zu verstehen, listete sie doch alle Fehlleistungen und Rechtsverstöße der königlichen Politik seit den 1620er Jahren auf und forderte, die Verantwortlichen zu bestrafen und aus dem Umfeld des Königs zu entfernen.

Durch den Aufstand der Iren, den die Gegner Karls als erneute Verschwörung des Königs gegen das Parlament verurteilten, eskalierte die Lage vollends: Nachdem das Parlament angesichts der prekären Lage eine Kontrolle über die zur Niederschlagung des Aufstandes benötigte Armee forderte (Militia Ordinance), reagierte der König mit einer Hochverratsklage gegen mehrere Mitglieder des Unterhauses und versuchte einen Tag später, die Angeklagten unter Verletzung ihrer Immunität verhaften zu lassen. Erschreckt von den daraufhin einsetzenden Protesten der Londoner Bevölkerung verließ König Karl die Hauptstadt.

Der Englische Bürgerkrieg

Der Englische Bürgerkrieg begann am 23. Oktober 1642 und dauerte, mit einigen Unterbrechungen, bis 1649. Anfangs gelang es den königstreuen Truppen, die Armee des Parlaments zurückzudrängen; von 1645 an konnte diese sich jedoch reorganisieren und mit Unterstützung der schottischen Armee, die durch religiöse Konzessionen erneut den Norden Englands besetzte, einen Umschwung im Konflikt erreichen. 1646 ergab sich Karl I. der schottischen Armee (die ihn jedoch binnen Jahresfrist an die Parlamentsarmee auslieferte). Im Juni 1646 wurden die Kampfhandlungen daraufhin eingestellt, und eine starke Gruppierung im Parlament (Friedenspartei) versuchte, getrieben von der Angst eines zu starken Einflusses radikaler Kräfte in Parlament und Armee, die stehende Truppe schnellstmöglich aufzulösen. Diese wiederum sahen darin einen Versuch, die Interessen des Volkes einem billigen Kompromiss mit dem König zu opfern, und Ende Mai und Anfang Juni 1647 kam es zu Meutereien gegen das Parlament. Am 3. Juni übernahm die so in Opposition zur Friedenspartei getretene und religiös radikalisierte Armee endgültig die Bewachung des gefangenen Königs und wurde somit zur politisch dominierenden Macht im Staate.

Die Friedensverhandlungen fanden mit der Flucht Karls I. an Weihnachten 1647 und dessen militärischer Allianz mit den schottischen Streitkräften (im Gegenzug für die Einführung einer presbyterialen Kirchenverfassung in England für die Dauer von vorerst drei Jahren) ein abruptes Ende, und im April brach der Zweite Bürgerkrieg aus. Er war, abgesehen von der Invasion einer schottisch-royalistischen Armee im Nordwesten, vor allem ein Aufstand einzelner Grafschaften und Regionen (v.a. Wales, Kent, Essex) gegen die verhasste Revolutionsregierung. Militärisch dominierte die Parlamentsarmee jedoch das Geschehen und setzte den König schon im Herbst 1648 mit der Eroberung Schottlands wieder gefangen. Erneut wurden Verhandlungen mit Karl aufgenommen, und eine Einigung und die Wiedereinsetzung des Königs schien in den folgenden Monaten denkbar, denn ein nicht unerheblicher Teil der Abgeordneten schien eine Restauration des Monarchen als geringeres Übel gegenüber einer weiteren Militärherrschaft zu betrachten. Da verweigerte die Armee, einen Ausverkauf ihrer Interessen fürchtend, den gemäßigten Abgeordneten den Zutritt zum Unterhaus und erzwang das so genannte Rumpfparlament. Weitere Verhandlungen mit dem König wurden somit unterbunden, und am 30. Januar 1649 wurde Karl gemäß dem Willen der führenden Offiziere und nach einem kurzen Prozess hingerichtet: England wurde zur Republik.

Die Herrschaft Cromwells

Die folgende Dekade brachte England eine republikanische Grundordnung: Bereits im Februar beschloss das verbliebene Rumpfparlament die Auflösung des Oberhauses und nur kurze Zeit später die Abschaffung der Monarchie. Auf Frieden wartete das englische Volk jedoch vorerst vergebens. Nach dem Tod Karls I. folgte ihm sein Sohn Karl II. auf den schottischen Thron. Mit der Anerkennung der schottischen Kirchenverfassung sicherte er sich die Loyalität der Bevölkerung und stieß mit einer Armee nach England vor. Oliver Cromwell gelang es jedoch, die Truppen des Königs zu besiegen, so dass dieser ins französische Exil fliehen musste (Schottland wurde als Folge in eine Union mit England gezwungen). Auch in Irland setzte Cromwell die englischen Interessen mit Gewalt durch und unterwarf das Land mit großer Brutalität. Unmittelbar daran schloss sich der Englisch-Niederländische Seekrieg (1652-1654) an, mit dem die Niederlande auf die Versuche des Rumpfparlaments reagierten, sie aus dem englischen Seehandel zu vertreiben.

1653 wurde das Rumpfparlament selbst aufgelöst und Cromwell das quasi-monarchische Amt eines Lord Protectors angetragen, das dieser zögernd annahm. Die unter ihm gewährte Religionsfreiheit wiederum sollte sich als erneuter Stein des Anstoßes in der englischen Geschichte erweisen. Mit dem Aufkommen und dem Wachstum neuer religiöser Richtungen wuchs die Angst in der englischen Gesellschaft vor Sekten und vor einer kirchlichen und gesellschaftlichen Desintegration. Der Tod Cromwells am 3. September 1658 führte binnen kurzer Zeit zu einer Rückkehr des Königs am 25. Mai 1660.

Restauration und Herrschaft Karls II.

Karls Regentschaft erwies sich als durchaus wechselhaft. Zum einen versuchte er sich in einem Bündnis mit der französischen Krone, gipfelnd im Jahr 1670 im geheimen Vertrag von Dover (in dem der König im Gegenzug für französische Zahlungen sogar zusagte, zum katholischen Glauben zu konvertieren, wenn ihm dies innenpolitisch möglich werde), andererseits musste Karl der antifranzösischen Stimmung im eigenen Land Rechnung tragen und ließ die Verheiratung Maria Stuarts, der ältesten Tochter seines Bruders Jakob, Herzog von York, mit Wilhelm III. von Oranien und somit einem Feind Frankreichs zu. Eine erneute Spaltung der Bevölkerung und der politischen Akteure verstand es Karl indes zu vermeiden, indem er 1660 mit dem Act of Indemnity and Oblivion Republikanern und Anhängern Cromwells Straffreiheit und königliche Gnade zusicherte. Auch eine versprochene (jedoch nie eingelöste) Religionsfreiheit für „tender consciences“ tat ihren Teil dazu, den Übergang zum restaurierten System zu erleichtern. Trotzdem traten Konflikte mit früheren Republikanern und religiösen Minderheiten (vor allem die Quäker (Quaker Act) und die Presbyterianer (Uniformitätsakte)) in der Praxis durchaus auf und schließlich führte das großzügige Vorgehen des Königs in religiösen Fragen zu einer erneuten Furcht vor Sekten und Papisten, die 1673 auch zum Erlass der Testakte führte, die Katholiken von sämtlichen zivilen und militärischen Staatsämtern ausschloss.

Genährt wurde die antikatholische Stimmung 1678 durch die Aufdeckung einer angeblichen „Papisten-Verschwörung“, die eine Einführung des Katholizismus in England plane, um anschließend den König zu ermorden und London niederzubrennen. Obwohl frei erfunden, sorgte diese Geschichte von Titus Oates für eine Hysterie unter der Bevölkerung und trug zum Ausbruch der sogenannten Exklusionskrise bei. In ihr versuchte die politische Opposition der Whigs, den sich offen zum Katholizismus bekennenden Jakob per Gesetz von der Thronfolge auszuschließen (Exclusion Bill). Er war auch bereits vorher das wohl prominenteste Opfer der Testakte geworden, bei deren Verabschiedung er das Amt des Lord High Admiral hatte abgeben müssen.

Die Reaktion des Königs erfolgte in Form der Auflösung des Parlaments und einer scharfen Verfolgung der Nonkonformisten, die durch die Aufdeckung des Rye House Plots, einer nach dem Leben des Königs und des Herzog von York trachtenden Verschwörung, zusätzlich verschärft wurde. Das Verhältnis zwischen Hof/Regierung und den Dissenters blieb auch über den Tod Karls II. hinaus gespannt, und als der Herzog von Monmouth, ein illegitimer, im Volk aber sehr populärer Sohn Karls II., Jakob II. mit einer Invasion und einem militärischen Aufstand im Jahr 1685 den Thron streitig machen wollte, befanden sich unter den Rebellen auch viele Whigs. Karl II. starb am 6. Februar 1685, nachdem er noch auf dem Sterbebett zum Katholizismus übergetreten war.

Der Kampf um die Krone

Die Herrschaft Jakobs II.

Anders als sein Bruder hielt Jakob II. nichts von Zurückhaltung im Konfessionsstreit. Der überzeugte Katholik setzte sich von Beginn seiner Amtszeit für eine weitgehende Toleranz gegenüber dem Katholizismus in England ein. Dabei dominierte ihn die Vorstellung, dass sich die katholische Kirche bei einer solchen Tolerierung ganz natürlich gegen die anglikanische Kirche und die zahlreichen sektiererischen Abspaltungen durchsetzen werde und auf diesem Wege eine vollständige Restauration im Land erreicht werden könnte. Jakobs Toleranzpolitik erstreckte sich aber auch auf radikale protestantische Denominationen wie die Quäker.

Zuerst einmal galt es jedoch, die Monmouth-Rebellion niederzuschlagen. Dies fiel dem durch Adel und Parlament gestützten Monarchen zu diesem Zeitpunkt indes nicht schwer und obwohl Monmouth beliebt war und seine Invasionstruppen Verstärkung durch zahlreiche Dissenters aus dem Volk erhielten, konnte ihn Jakob am 5. Juli 1685 bei Sedgemoor vernichtend schlagen. Monmouth und etliche seiner Anhänger wurden hingerichtet (Bloody Assizes).

Anschließend wandte sich Jakob erneut dem Versuch zu, die ihm verhassten Whigs zu schwächen und gleichzeitig die Rechte der katholischen Minderheit zu stärken. Eine Reform der Wahlbezirke (Chartered Boroughs) brachte den Tories in den Parlamentswahlen des gleichen Jahres (1685) eine starke Mehrheit und Jakob damit ein Parlament nach seinen Wünschen. Nachdem bereits eine im Januar 1685 erlassene, allgemeine königliche Gefangenenamnestie die Katholiken besonders begünstigt hatte, wandte sich Jakob vom Sommer 1686 an der Aufgabe zu, katholischen Untertanen den Staatsdienst unter Umgehung der 1673 eingeführten Test-Akte (Suprematseid und Testeid) zu öffnen. Sowohl im Kronrat als auch in der Armee und der ländlichen Verwaltung (d. h. in den Reihen der Friedensrichter) positionierte der König Glaubensbrüder; als der Bischof von London, Henry Compton, hiergegen aufbegehrte, wurde im Sommer 1686 der Court of Ecclesiastical Commission eingerichtet, ein Prärogativgericht zur Kontrolle der Kirche. Dieses rechtlich sehr umstrittene Konstrukt (König und Parlament hatten eine entsprechende Einrichtung 1641 und 1660 noch abgelehnt) nutzte Jakob nicht zuletzt dafür, die beiden Universitäten des Landes (Oxford und Cambridge) zu einer Aufnahme von Katholiken in den Lehrkörper zu zwingen.

Auch unter den Tories sorgte der königliche Kurs für Misstrauen, das durch die Versuche Jakobs, auch über die Niederschlagung des gegen ihn gerichteten Aufstands hinaus ein stehendes Heer zu unterhalten, noch verstärkt wurde. Wenig kompromissbereit zeigten sich die Abgeordneten deshalb auch bei Jakobs Ansinnen, die Test-Akte aufheben zu lassen und die Öffnung des Staatsdienstes und kirchlicher Institutionen für Katholiken somit zu legitimieren. Als der König damit scheiterte, entschied er sich zwischen November 1686 und März 1687 für eine radikale Wende in seiner Politik, in der er eine Reihe einflussreicher Tories aus ihren Ämtern entließ und sich seinen bisherigen Gegnern, den Whigs und mit ihnen den Dissenters, zuzuwenden begann. Jakobs neues Ziel war es nun, die Whigs für seine Toleranzpolitik zu gewinnen, um mit diesen dann in einem neu gewählten Parlament entsprechende Gesetzesänderungen zu erreichen.

Um sich die politische Unterstützung sowohl der Whigs als auch der Dissenters zu sichern, erließ der König am 4. April 1687 eine Toleranzerklärung (Declaration of Indulgence), die den bisher unterdrückten Sekten und Katholiken eine Reihe von Freiheiten (z. B. Recht auf Versammlung, Ende des 3-Meilen-Banns, etc.) zugestand, und entließ drei Monate später das Parlament. Die mit der Toleranzerklärung verknüpfte Hoffnung Jakobs auf eine weitere Zersplitterung der reformierten Kirche erfüllte sich indes nicht: Statt dessen entfachte der Schritt des Königs eine lebhafte Diskussion darüber, ob die Krone einseitig ein mit dem Parlament gemeinsam verabschiedetes Gesetz außer Kraft setzen dürfe.

Nachdem Jakob bereits zahlreiche Friedensrichterpositionen mit katholischen Anhängern hatte besetzen lassen, folgte im Oktober 1687 eine weitere Entlassungswelle all der „Justices of Peace“, die auf Anfrage eine Aufhebung des Clarendon Codes wie der Test-Akte pauschal abgelehnt hatten. Trotz dieses Vorgehens blieben die Ziele Jakob II. zu dieser Zeit noch darauf beschränkt, die Stellung der katholischen Bevölkerung zu verbessern und seiner Religion eine langfristige Tolerierung zu ermöglichen. Begründet lag dies nicht zuletzt in dem Wissen, dass wegen seiner Kinderlosigkeit die Krone nach seinem Tode an seine mit Wilhelm von Oranien vermählte Tochter Maria fallen würde und zu weit gehende Rechte der Katholiken nach dem Thronwechsel voraussichtlich rückgängig gemacht werden würden. Dies änderte sich schlagartig, als im November 1687 deutlich wurde, dass Jakob erneut Vater werden würde und somit die Möglichkeit eines katholischen Thronfolgers bestand. Von da an verfolgte der König seine Toleranzpolitik gegenüber den Dissenters und seine Versuche, durch ein von den Whigs dominiertes Parlament Unterstützung für seinen religionspolitischen Kurs zu erhalten, mit sehr viel mehr Nachdruck. Dabei schreckte Jakob auch vor illegitimen Mitteln, wie etwa Wahlbetrug im lokalen Rahmen, nicht zurück.

Je stärker der König diesen Kurs jedoch verfolgte, desto stärker rückten die früheren Feinde, Dissenters und Anglikanische Kirche, zusammen, verband sie doch gleichermaßen das Interesse an einem protestantischen Thronfolger. Die Geburt des Kronprinzen am 10. Juni 1688, die von großen Teilen der Bevölkerung als Betrug abgetan wurde, schweißte diese Gruppen noch enger zusammen.

Die Revolution von 1688/89

Die Revolution von 1688/1689 war keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz des Handelns Jakobs II., sondern bedurfte verschiedener Impulse auch auf europäischer Ebene. Trotz des starken Widerstandes gegen seine Toleranzpolitik war 1688 nämlich noch keineswegs sicher, dass es in der Bevölkerung, in der Kirche und beim Adel zu einer starken und gegen das Königshaus gerichteten Reaktion kommen würde. Zu frisch waren noch die Erinnerungen an die Herrschaft Cromwells und die Schrecken des Bürgerkriegs. Erst Jakobs katastrophales Agieren nach der Geburt seines Sohnes ließ die Situation endgültig eskalieren.

Im Mai 1688 erließ der König eine zweite Toleranzerklärung, die zwar wenig Neuerungen gegenüber der ein Jahr zuvor verkündeten Erklärung aufwies, dieses Mal jedoch in zwei Lesungen in den Gottesdiensten des ganzen Landes verkündet werden sollte. Die anglikanische Geistlichkeit wurde damit einem enormen Gewissensdruck ausgesetzt, da eine Weigerung eine Amtsenthebung durch den Court of Ecclesiastical Commission zur Folge haben würde, sich die Erklärung andererseits aber direkt gegen die Rechte der Anglikanischen Kirche richtete. In dieser Situation fassten sich im Mai 1688, kurz vor dem ersten angesetzten Termin der Verkündung, sieben Bischöfe ein Herz und verweigerten in einer Petition an den König die Kanzelverlesung der Deklaration. Jakob entschied sich daraufhin, den Widerständlern den Prozess vor dem Kirchengerichtshof zu machen und ließ sie in den Tower sperren. Dieser Prozess der sieben Bischöfe erwies sich jedoch als fatal. In der Bevölkerung und der Kirche wurden die Sieben wie Märtyrer gefeiert, große Menschenmengen pilgerten zu ihrer Unterstützung zum Tower, Wachleute ließen sich von ihnen segnen und die Verlesung des königlichen Edikts scheiterte desaströs. Auch der Prozess selbst ging für die Krone verloren, denn das Gericht wagte es, die Bischöfe von der Anklage der „aufrührerischen Verleumdung“ freizusprechen.

Das Verfahren sorgte zudem für einen außerordentlich bedeutsamen Stimmungsumschwung unter den Tories und den Anhängern der Staatskirche: Die 1662 zum Gesetz erhobene und von den Anhängern der Krone bislang widerspruchslos akzeptierte Non Resistance Idee (die Ablehnung jeglichen Widerstands gegen den König) erschien nun nicht mehr unumstritten, da selbst in der hohen Geistlichkeit nicht sakrosankt. Der Prozess sorgte somit für ein endgültiges Zusammenrücken der oppositionellen Kräfte sowohl der Whigs und Dissenters als auch der Tories und Anglikaner.

Von da an mehrten sich die Zeichen, dass die Regierung an verschiedenen Orten die politische Kontrolle über das lokale Geschehen zu verlieren begann. Katholische Lord Lieutenants und Friedensrichter beklagten sich in wachsendem Maße darüber, dass die protestantischen Untertanen ihnen den Gehorsam verweigerten. An anderen Orten wurden Gerichtsverfahren gegen Katholiken vorgenommen, die im Widerspruch zu bestehenden Gesetzen staatliche Ämter bekleideten. Gleichzeitig nahm die Zahl gegen das Königshaus gerichteter politischer Flugschriften stark zu, während immer häufiger der Ruf nach einer Unterstützung durch den Schwiegersohn des Königs, Wilhelm von Oranien, laut wurde.

Wilhelm selbst plante bereits seit längerem ein Eingreifen in England, da er durch die pro-französische Politik Jakobs ein weiteres Erstarken der katholischen Kräfte in Europa befürchtete und im vom englischen König forcierten Aufbau eines stehenden Heeres eine unmittelbare Gefahr für seine Interessen sah. Dabei war ihm daran gelegen, den Eindruck einer feindlichen Invasion nicht entstehen zu lassen. Im April 1688 bat er eine Gruppe einflussreicher Angehöriger des Ober- und Unterhauses, unter ihnen auch Compton, ihm eine förmliche Einladung zukommen zu lassen. Gleichzeitig versicherte er sich der Unterstützung des Kaisers Leopold I. und der deutschen Fürsten für sein Unternehmen. Nachdem im Juni der gesunde Thronfolger zur Welt gekommen war, fielen letzte Bedenken und die sogenannten Immortal Seven kamen Wilhelms Aufforderung schließlich nach. Wilhelm konnte nun die Invasion vorbereiten, indem er die niederländische Generalstände überzeugte, ihm Geld und Truppen zur Verfügung zu stellen. Hierbei spielte ihm der im September ausgebrochene Pfälzische Erbfolgekrieg in die Hände, der das geplante Unternehmen als Präventivmaßnahme gegen eine Erneuerung des anglo-französischen Bündnisses, das 1672 beinahe zum Untergang der niederländischen Republik geführt hätte, erscheinen ließ. Viele englische Adlige und Militärs, darunter der spätere Herzog von Marlborough, sagten Wilhelm im Voraus ihre Unterstützung zu.

Im November 1688 landeten Wilhelms Truppen bei Torbay in Südwestengland und wurden dort von der Bevölkerung begeistert aufgenommen. Die ihm entgegen gesandten Truppen Jakobs II., die durch irische Kämpfer verstärkt worden waren, leisteten den Invasoren wenig Widerstand und Wilhelms kluges Vorgehen sowie eine freundliche Haltung gegenüber der Zivilbevölkerung sorgten für ein Überlaufen zahlreicher englischer Offiziere und Soldaten. Zusätzlich schwächte sich Jakob selbst, indem er die Königin und seinen Sohn nach Frankreich bringen ließ und selbst zu fliehen versuchte. Erst nach dem zweiten Versuch gelang ihm dies im späten Dezember 1688, nicht ohne das Große Staatssiegel in der Themse zu versenken und den Aufständischen Vergeltung anzudrohen. Der Weg für eine Thronbesteigung Wilhelms war geebnet.

Thronbesteigung Wilhelms III.

Im Januar 1689 trat das in aller Eile neu gewählte Convention Parliament zusammen und setzte Wilhelm III. von Oranien und Maria II. mit dem Argument in die Thronfolge ein, der Thron sei vakant geworden. Damit wurde ein weiterer Streit um das Widerstandsrecht umgangen, dessen Befürworter sich nicht auf einen Konflikt mit den wieder gestärkten Tories einlassen wollten, und die Schuld am Bruch in der Thronfolge dem letzten Stuartkönig zugeschrieben. Die verfassungspolitische Regelung der Thronfolge, nach der Marias jüngere Schwester Anna Wilhelm und Maria auf den Thron folgen sollte, wurde im Frühjahr 1689 in der Declaration of Rights vorgenommen. Außerdem reservierte sich das Parlament für alle Zukunft das Recht, gemeinsam mit den königlichen Gerichtshöfen den Inhalt und insbesondere die Grenzen der königlichen Prärogative zu bestimmen. Der Krone wurde ferner das Recht bestritten, missliebige Richter in Zukunft einfach des Amtes zu entheben, gemeinsame Beschlüsse des Parlaments und der Krone einseitig außer Kraft zu setzen und schließlich eine Stellung außerhalb des Gesetzes einzunehmen. Durch die Zustimmung der Krone wurde die Declaration of Rights im Dezember 1689 in entschärfter Form zur Bill of Rights und vervollständigte damit auf der Verfassungsebene das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit. Allerdings wäre es falsch, hierin die Begründung einer konstitutionellen Monarchie in England zu sehen. Diese basierte vielmehr auf Konzessionen, die nicht 1689, sondern erst im Zuge der nächsten zwölf Jahre erkämpft wurden.

Ende 1689 nahm das Parlament auch noch ein zweites Anliegen auf, das durch die Vorkommnisse in den vorhergegangenen Jahren unausweichlich geworden war: Mit der Toleranz-Akte wurde eine Regelung der Religionsfrage vorgenommen, die den Dissenters nun endlich gewisse Rechte und Freiheiten der Ausübung ihrer Religion zugestand, diese jedoch sowohl an den Huldigungs- als auch den Suprematseid knüpfte. Katholiken, Juden und Anti-Trinitaristen blieben von der Regelung jedoch weiterhin ausgeschlossen.

Während Wilhelms Thronbesteigung in England überwiegend positiv aufgenommen wurde, traf er in den schottischen Highlands auf massiven Widerstand der Anhänger Jakobs (Jakobiten). Eine erste Erhebung unter Führung von „Bonnie Dundee“ erfolgte bereits während der Tagung des Convention Parliaments und konnte erst im Mai 1690 niedergeschlagen werden. Das harte und kompromisslose Vorgehen seiner schottischen Vertreter (z. B. beim Massaker von Glencoe (1692)) und seine antifranzösische Politik bescherten dem König zusätzlich viel Misstrauen bei seinen nördlichen Untertanen.

Noch problematischer erwies sich die Situation in Irland, in dem Jakob mit einem französischen Heer am 12. März 1689 bei Kinsale gelandet war. Unterstützt von der katholischen Bevölkerung zog er erst nach Dublin und dann nach City of Londonderry, einer protestantischen Hochburg, die er erfolglos belagerte. Am 12. Juli des Folgejahres konnte Wilhelm Jakob in der Schlacht am Boyne entscheidend besiegen und in der Folge bis 1691 die gesamte Insel zurückerobern. Jakob zog sich erneut in sein französisches Exil zurück, aus dem er nie wiederkehrte. Die Bewegung der Jakobiten, die erst Jakob, dann seinen Sohn James (the Old Pretender) und schließlich dessen Sohn Charles (Bonnie Prince Charlie) als Thronfolger einsetzen wollten, blieb bis 1746 eine Bedrohung für die Nachfolger Wilhelms.

Krönungszeremonie

Wilhelm von Oranien und Maria wurden am 11. April 1689 in London in der ersten und bis heute einzigen Doppelkrönung gemeinsam gekrönt. Durch diese Doppelkrönung erhoffte man sich eine Legitimitätsteigerung von Wilhelm von Oranien, da im strengen Sinne seine Frau Thronfolgerin war. Bei der Krönungszeremonie wurden ein paar wesentliche Neuerungen eingeführt. Das House of Commons nahm an der Zeremonie teil. Sie konnten von ihrer erhöhten Tribüne das Geschehen gleichsam überwachen. Der Krönungseid wurde so verändert, dass er die Monarchen an das Parlament band. Mit der neuen Eidformel versprachen sie „… to govern the people of this kingdom of England … according to the statutes in parliament agreed on, and the laws and customs of the same“. Schließlich wurde die Krönung nicht vom Erzbischof von Canterbury vollzogen – dieser weigerte sich, da er immer noch Jakob II. als legitimen König betrachtete –, sondern vom Bischof von London.

Settlement und Politik nach 1689

Wilhelm III. zog England in das Kriegsgeschehen Kontinentaleuropas hinein und legte mit seiner Politik den Grundstein für die Entwicklung des Staates zur europäischen Großmacht und später zur Weltmacht. Mit seinem Coup stieg Wilhelm außerdem zu einem der Führer des protestantischen Widerstands gegen die Hegemonialbestrebungen des französischen Königs auf und fügte diesem im Frieden von Rijswijk eine empfindliche Niederlage bei. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg erwies sich England als eine treibende Kraft die es verstand, die französische Koalition zurückzudrängen.

Die militärischen Unternehmungen Wilhelms III. hatten zudem einen, aus Sicht der Nachwelt, erheblichen Nebeneffekt: Die hohen Kosten der Kriegsführung machten eine gute Zusammenarbeit mit dem Parlament, dem die Bewilligung der Steuern und Einnahmen oblag, zwingend notwendig und dieses wiederum ließ sich dafür von der Krone zahlreiche Konzessionen bewilligen. Den Auftakt machte 1694 die Erneuerung des Triennial Act, die eine Einberufung des Parlaments im Drei-Jahres-Rhythmus und auch eine maximale Dauer des jeweiligen Parlaments von drei Jahren vorschrieb. Am Vorabend des spanischen Erbfolgekrieges folgte mit dem Act of Settlement eine Festlegung des Parlaments auf eine protestantische Erbfolge, mit dem dieses erstmals das Recht der Regelung einer Erbfolge erstritt (ein Recht, das 1707 mit dem Regency Act bestätigt wurde). Außerdem verfügte der Act of Settlement erneut die Unabhängigkeit der Gerichte des Landes von der Regierung und trug so zur Entstehung der konstitutionellen Monarchie bei. Parallel förderte das Parlament die Entstehung einer breiten politischen Öffentlichkeit dadurch, dass es das bestehende System der Pressezensur 1695 nicht erneuerte, und die Zahl der Wahlberechtigten stieg, trotz der Erhöhung der Qualifikationen für eine Wahlberechtigung durch die Tories, stetig (wenngleich nicht sprunghaft) an.

Langfristige Bedeutung

Langfristig erwies sich der Umsturz als bedeutend nicht nur für die Geschichte Englands, sondern für die Entwicklung des Parlamentarismus weltweit. Da sich seit dem 18. Jahrhundert immer mehr Staaten das englische Regierungssystem zum Vorbild nahmen, prägten die in der Glorious Revolution wie die zuvor schon im Englischen Bürgerkrieg aufgeworfenen Verfassungsfragen die politische Theorie weit über Großbritannien hinaus. Ähnlich langfristig waren die Auswirkungen der Glorious Revolution auf das britische Finanzsystem. Die britische Krone hatte im Vergleich zu anderen europäischen Monarchien deutlich weniger Landbesitz. Mit der Glorious Revolution verstärkte sich die unmittelbare Kontrolle des Parlaments über die Ausgaben des britischen Königshauses. Sie führte letztlich 1717 zur Einführung des Goldstandards, was dem Lord Treasurer die Möglichkeit nahm, durch einen verringerten Edelmetallgehalt der Münzen eine versteckte Abwertung der britischen Währung vorzunehmen. Eine verstärkte Professionalisierung erfolgte auch bei der Besetzung öffentlicher Ämter. Ämter wie etwa die des Steuereintreibers wurden auf Gehaltsbasis vergeben und nicht wie in Frankreich versteigert, was zu einer größeren Steuergerechtigkeit führte. In der Mitte des 18. Jahrhunderts verfügte London auf Grund dieser soliden Form der Staatswirtschaft über eine funktionierende Börse, auf denen vor allem Anleihen der britischen Regierung gehandelt wurden. Der Wertpapierhandel zog auch ausländische Investoren an. So investierten vor allem Niederländer in britische Staatspapiere. Großbritannien unterschied sich damit auch in seinem Wirtschaftssystem signifikant von europäischen Monarchien und legte damit die Basis für eine wirtschaftliche und politische Entwicklung, die sehr viel ruhiger als auf dem europäischen Festland verlief.[1] Bis heute machen sich die Folgen der Revolution aber auch im Nordirland-Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten bemerkbar.

Belege

Einzelnachweise

  1. ↑ Niall Ferguson: The Ascent of Money – A Financial History of the World, Penguin Books Ltd, London 2009, ISBN 978-0-14-103548-2, S. 76 und S. 77

Literatur

  • Günter Barudio: Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung 1648-1779. 11. Aufl. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-596-60025-1 (Fischer-Weltgeschichte; Band 25)
  • Kaspar von Greyerz: England im Jahrhundert der Revolution 1603-1714. Ulmer Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1791-4.
  • Eckhart Hellmuth: Die glorreiche Revolution 1688/89. In: Peter Wende (Hrsg.): Große Revolutionen. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46703-2.
  • Thomas Babington Macaulay: Die Glorreiche Revolution. Geschichte Englands 1688/89. Manesse Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-7175-8240-2 (Klassiker des 19. Jahrhunderts aus England)
  • Hans-Christoph Schröder: Die Revolutionen Englands im 17. Jahrhundert. 3. Aufl. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1994, ISBN 3-518-11279-1 (edition suhrkamp; 1279).

 

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Geschichte des Königreichs Großbritannien

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Vorhergehende Geschichte Großbritanniens: Geschichte Englands und Geschichte Schottlands

Die Geschichte des Königreichs Großbritannien umfasst die Geschichte der seit dem Act of Union von 1707 unter der englischen Krone zusammengefassten Territorien England und Schottland. Mit dem Act of Union von 1800 kam das bis dahin staatsrechtlich eigenständige Irland in diesen Verband. In diesen Jahrhundert ebbten die Widerstände gegen die englisch-schottische Union ab, die innenpolitischen Auseinandersetzungen entfalteten sich zwischen den nun konsolidierten Parteien der Whigs und Tories. Nach außen baute das Königreich seine Kolonien aus, wenn auch die nordamerikanischen Niederlassungen unabhängig wurden und damit verloren gingen. Die wirtschaftliche Entwicklung ließ das restliche Europa hinter sich und mündete schließlich in die Industrielle Revolution.

Konsolidierung unter dem Haus Hannover

Entstehung des Königreichs Großbritannien

Wilhelm III. starb 1702 mitten in den Vorbereitungen eines neuen Krieges gegen Frankreich. Die Herrschaft übernahm seine Schwägerin Anna. Sie erklärte sofort den unter Wilhelm vorbereiteten Krieg gegen Frankreich und Spanien und wurde damit in den Spanischen Erbfolgekrieg hineingezogen. 1712 wurde Ludwig XIV. schließlich gezwungen, von seiner Unterstützung der Nachkommen Jakobs II. abzurücken und eine vom englischen Parlament vorgelegte Thronfolgeregelung für England und Schottland zu akzeptieren. Darüber hinaus erhielt England einige koloniale Gebiete und Handelsprivilegien zugesprochen, was es endgültig zu einer der stärksten Kolonialmächte machte. Die Religionspolitik blieb unterdessen das entscheidende innenpolitische Thema. In der Anglikanischen Kirche bildete sich die Unterscheidung zwischen der High Church, die den royalistischen Tories nahe stand, und der Low Church auf Seiten der dem Landadel nahestehenden Whigs heraus. Die Auseinandersetzungen zwischen den sich immer mehr in Richtung moderner politischer Parteien entwickelnden Whigs und Tories bestimmten ab 1700 die politische Landschaft in England.

Ab 1706 drängte das englische Parlament Schottland massiv zu einer vollständigen politischen Union mit England. Die Angst vor schlechteren, vor allem ökonomischen Bedingungen im Fall der Weigerung, sowie massive Bestechung, führte zur Annahme des Angebots durch das schottische Parlament. England und Schottland wurden schließlich gemäß dem Act of Union 1707 zum Königreich Großbritannien vereinigt. Anna wurde erste "britische" Königin, das Haus Hannover als gemeinsame Herrscherdynastie festgeschrieben. Das Parlament Englands wurde in das Parlament Großbritanniens umgewandelt. Das Unterhaus wurde um 45 schottische Abgeordnete erweitert, das Oberhaus um 16. An der Grenze zwischen den beiden Staaten wurden keine Zölle mehr erhoben. Allerdings wurde das englische Recht nicht auf Schottland übertragen und einige schottische Institutionen nicht mit ihrem englischen Gegenstück fusioniert; dazu zählen die Bank of Scotland und die Church of Scotland.

Die Whig-Epoche

Durch den Act of Settlement war 1701 die protestantische Thronfolge festgelegt worden, so dass nach Annes Tod die Krone 1714 an Georg I. aus dem Haus Hannover (Welfen) fiel. Georg stützte sich auf die Whigs, die im Gegensatz zu den Tories bedingungslos an der protestantischen Erbfolge festgehalten hatten. Sowohl durch die Amtsvergabepraxis des neuen Königs als auch durch die Parlamentswahl 1715 besetzten die Whigs den Großteil der politischen Schlüsselpositionen Großbritanniens. Nach einem jakobitischen Aufstand in Schottland und Teilen Nordenglands im gleichen Jahr wurden verschiedene politische Rechte eingeschränkt und die Wahlperiode des Parlaments von drei auf sieben Jahre heraufgesetzt, was die Dominanz der Whigs auf lange Zeit zementierte. Spannungen spielten sich hauptsächlich innerhalb der dominanten Partei ab: Nachdem Großbritannien sich in der Tripel-Allianz mit Frankreich und den Niederlanden verbündet und in den Großen nordischen Krieg eingegriffen hatte, spaltete sich ein Teil der Whigs ab und trat im Parlament in Opposition zur Regierung. 1720 setzte sich Robert Walpole als starker Mann der Whigs durch, der als Chancellor of the Exchequer eine Finanzmarktkrise beendete und zum ersten Premierminister Großbritanniens wurde. Walpole sicherte seine Stellung vor allem durch seine überragenden finanzpolitischen Fähigkeiten. Mit dem sinking fund schuf er ein System, das den britischen Staatsanleihen ein bis dahin nicht gekanntes Maß an Stabilität und damit dem Staat eine gewaltige Kreditwürdigkeit verschaffte. Seine merkantilistische Handelspolitik förderte den Export und belegte den Import nach Großbritannien mit hohen Abgaben. In den folgenden 20 Jahren kontrollierte Walpole die Vergabe nahezu aller staatlicher Ämter und Bischofsstühle und das Stimmverhalten der schottischen Whig-Abgeordneten im Oberhaus praktisch vollkommen. Auf das Unterhaus übte er großen Einfluss durch seine Finanzmittel aus: Da die Wahlkreiseinteilung noch auf der Struktur des Mittelalters beruhte, existierten viele ländliche Wahlkreise, die sich durch Zahlungen an wenige Wahlberechtigte kaufen ließen. Vergleichsweise moderne politische Wahlkämpfe fanden dagegen in den städtischen Wahlkreisen statt.

Widerstand rief vor allem Walpoles Außenpolitik hervor. Während er durch Verträge den Frieden mit Frankreich und Spanien zu sichern versuchte, formierte sich innerhalb der Whigs eine Kriegspartei, die im Verlauf mehrerer Handelsauseinandersetzungen vor allem mit Spanien in der Karibik immer größer wurde. Walpole scheint den Wandel der Meinung gegen sein außenpolitisches Konzept erkannt zu haben und trat nach einer für ihn ungünstig verlaufenen Unterhauswahl 1742 während der Regierungszeit Georgs II. 1727-1760) zurück.

Das Verhältnis zwischen England und Schottland blieb in dieser Zeit weiter gespannt. 1715 war eine Verschwörung gegen Georg I. zu Gunsten eines Stuart-Königs aufgedeckt worden, an der sich auch englische Parlamentsangehörige beteiligt hatten. Kurz darauf brach in Schottland ein bewaffneter Aufstand aus, den ein zahlenmäßig weit unterlegenes englisches Heer in der Schlacht von Sheriffmuir niederschlug. Im Januar 1716 landete jedoch James Francis Edward Stuart in Schottland und rief sich dort unter dem Namen Jakob VII. zum König aus, floh aber nach wenigen Tagen wieder. In den folgenden Jahrzehnten wurde die schottische Bevölkerung systematisch entwaffnet und Straßen in die unwegsamen Gebiete des Landes gebaut. 1745 landete Charles Edward Stuart, bekannt als Bonnie Prince Charlie, unerkannt in Schottland und behauptete, dass er ein Militärbündnis mit Frankreich geschlossen habe. Dadurch ermutigt, schloss sich ihm eine kleine aufständische Streitmacht an, der Anfangserfolge gegen die Engländer gelangen. Als sich nach Operationen in Nordengland kein allgemeiner Aufstand entwickelte, musste der Prätendent zugeben, dass er in Wirklichkeit keine französische Waffenhilfe zu erwarten hatte. Ein Teil seines Heeres löste sich daraufhin auf. Mit dem Rest wurde er am 16. April 1746 bei Culloden vernichtend geschlagen. Es folgte eine blutige Säuberungswelle in den Highlands, nach der Schottland endgültig unterworfen war. Gleichzeitig begannen aber auch viele schottische Adlige Karriere im englischen Heer zu machen, was die Integration in das Königreich Großbritannien vorantrieb. Auch wirtschaftlich begann sich Schottland an England zu binden, vor allem durch die Produktion von Schlachttieren, die in den wachsenden Städten des Südens begehrt waren, und zunehmend mit dem Abbau von Kohle.

Das Ende der Whig-Dominanz

Der für Großbritannien ungünstige Verlauf des Österreichischen Erbfolgekriegs zwang Georg II. ab etwa 1745 wieder Regierungsämter mit Tories zu besetzen, um seiner angeschlagenen Herrschaft eine breite politische Basis zu verschaffen. 1747 zog sich Großbritannien aus dem Erbfolgekrieg zurück, vor allem wegen der starken Belastung für die Staatsfinanzen. Unter Premierminister Henry Pelham schloss sich eine Konsolidierungsphase an, auf die wiederum eine Phase mit schnell wechselnden und kaum handlungsfähigen Regierungen folgte. Eine starke Gestalt hatte die britische Politik erst wieder ab 1756 mit William Pitt dem Älteren. Unter ihm, der nur Secretary of the State war, aber wie ein Premierminister agierte, griff Großbritannien in den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) ein. Vorangegangen waren wiederholte Zusammenstöße mit französischen Truppen und Schiffen vor allem in den Kolonien auf verschiedenen Kontinenten. Nach nur geringen Erfolgen in den ersten Kriegsjahren erzielten die britischen Truppen 1759 eine Reihe von Siegen. Als Folge des Krieges gewann Großbritannien sämtliche französischen Kolonien in Nordamerika sowie Territorien in Afrika und Indien. Auf dem mitteleuropäischen Kriegsschauplatz taten sich die britischen Truppen schwer, vor allem aber erfüllte Friedrich der Große, der von Großbritannien vor allem finanziell unterstützt wurde, nicht die militärischen Erwartungen. Wegen der hohen Kriegsausgaben wuchs der Unmut gegen Pitt. Allerdings begann sich die britische Politik erst nach dem Tod Georgs II. aktiv für ein Ende des Krieges einzusetzen, weil sein Nachfolger Georg III. zum Verzicht auf das Stammland Hannover bereit war.

Die Church of England erlebte im 18. Jahrhundert sowohl eine Phase von Abspaltungen (Methodismus) und abweichenden Meinungen (Unitarier, Deismus), als auch eine Konsolidierung in ihrem Hauptstrom, der mit einer engen Bindung an den Staat sowie den Adel verbunden war. So entwickelte sich ein neues Pfründenwesen, in dem kirchliche Ämter von der Krone oder vom Adel vergeben wurden. Die abweichenden Strömungen der Dissenters wurden in der Phase der Dominanz der Whigs zunehmend toleriert und bündelten sich zu einer überschaubaren Anzahl von Unterformen. Der Katholizismus wurde weiter staatlich bekämpft und ging deutlich zurück.

Wirtschaft und Gesellschaft im frühen 18. Jahrhundert

Zwar senkten medizinische und hygienische Fortschritte den Einfluss von Krankheiten auf die Bevölkerungsentwicklung, doch begrenzten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehrere Missernten und Epidemien wie Typhus, Ruhr und Pocken das Bevölkerungswachstum. 1761 lebten in England und Wales rund 6,7 Million Menschen, in Schottland rund eine Million. Eine Explosion der Einwohnerzahl setzte erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein. Langsam begann sich eine breite Schicht eines mittleren Bürgertums zu bilden. Die ärmsten Bevölkerungsteile sahen sich ab etwa 1700 mit einer noch einmal verschärften Armengesetzgebung konfrontiert.

Die Landwirtschaft als bei weitem wichtigster Wirtschaftszweig erlebte eine neue Intensivierungswelle, was die Produktion deutlich steigen ließ. Mit der vorerst noch langsamen Zunahme der industriellen Produktion wuchs der Bedarf an Verkehrsverbindungen, auf den man mit einem verstärkten Kanalbau reagierte. Der Außenhandel erlebte einen deutlichen Aufschwung, in dessen Verlauf seit dem späten 17. Jahrhundert viele Monopolgesellschaften wie die Merchant Adventurers an Bedeutung verloren. Immer mehr Handelslinien wurden für private Kaufleute freigegeben, wobei der Amerika- und der Levantehandel in den Händen von privilegierten Gesellschaften blieben. Der Boom des Seehandels zog unter anderem die Entwicklung des Versicherungswesens und ein starkes Wachstum der Werften nach sich.

Geistesleben im frühen 18. Jahrhundert

Nach den unruhigen Zeiten des Bürgerkriegs, des Commonwealth und der Glorreichen Revolution schlug sich in Kultur und Wissenschaft der Wunsch nach Stabilität nieder. Dies drückte sich im Aufkommen des Klassizismus in verschiedenen künstlerischen Disziplinen sowie im Rationalismus der Wissenschaften aus. Der Klassizismus wurde auch durch die außenpolitischen und militärischen Erfolge bestärkt, nach denen Großbritannien sich als Nachfolger des Römischen Reiches ansehen konnte. In der Wissenschaftstheorie setzte sich vor allem mit John Locke und David Hume, den Hauptvertretern der britischen Aufklärung ein strenger Empirismus durch.

Am deutlichsten schlug sich der Klassizismus in der Architektur nieder. Richard Boyle setzte diesen Stil mit Bezug auf den römischen Architekten Vitruv durch. Stilbildend für ganz Europa wurde Großbritannien durch die Entwicklung des Englischen Gartens. In der Malerei führte vor allem Joshua Reynolds das "classical age" ein. Er bemühte sich neben der alleine vorherrschenden Gattung der Portraitmalerei auch die Historienmalerei einzuführen. In der Gestalt von William Hogarth entwickelte sich außerdem eine frühe Form des Realismus, die bereits sozialkritische Akzente setzte. Die Musik der Epoche war geprägt von Georg Friedrich Händel und dem von ihm gestimmten Übergang von der Oper zum Oratorium. In der Prosaliteratur setzte sich der Roman als dominierende Form durch, während die Poesie allgemein höheres Ansehen genoss und sich zunehmend in Richtung Naturpoesie entwickelte. Als neue dramatische Form gewann das Bürgerliche Trauerspiel an Bedeutung.

Koloniale Expansion und imperiale Krise

Reformversuche und steigende Unzufriedenheit

Das britische Kolonialreich entwickelte sich aus mehreren Ansätzen: An den afrikanischen und indischen Küsten waren Handelsstützpunkte von geringer Flächenausdehnung entstanden, viele karibische Inseln waren großflächig erschlossen worden, um dort Plantagen anzulegen, in Nordamerika hatten sich Auswanderer, oft von ihrer abweichenden religiösen oder politischen Meinung zu diesem Schritt bewogen, niedergelassen und Gemeinwesen gebildet. Die Kolonien wurden im 17. und frühen 18. Jahrhundert politisch kaum wahrgenommen. Darüber hinaus spielten die nordamerikanischen Siedlungskolonien zunächst auch wirtschaftlich eine geringe Rolle, was sich aber mit dem starken Bevölkerungswachstum dort (1700: rund 250.000 Einwohner, 1774: rund zwei Millionen) bald änderte. Das politische Interesse an den Kolonien begann mit dem zunehmenden Engagement auch der anderen europäischen Mächte in diesen Gebieten zu wachsen. So spielten sich die Auseinandersetzungen des Siebenjährigen Krieges zwischen Großbritannien und Frankreich nicht zuletzt auch um die Kolonialreiche beider Nationen ab. Der Friede von Paris 1763 zog ein Wachstum der britischen Besitzungen in Nordamerika und Indien auf Kosten Frankreichs nach sich.

Mit der Thronbesteigung Georgs III. 1760 formierte sich auch die politische Führungsschicht um. Der neue König berief Parlamentsmitglieder in wichtige Ämter, die weder durch ihre Bindung an Whigs oder Tories gebunden waren, dafür aber durch die wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Wahlkreise und durch ihre persönliche Loyalität zum König. Mit dieser Führungsgruppe ging er zunächst vor allem die Beendigung des Siebenjährigen Krieges und die Konsolidierung des durch den Krieg schwer geschädigten Staatshaushaltes an. Im Rahmen dieser Bemühungen wurden auch Steuern über die nordamerikanischen Kolonien verhängt, was dort zu entschiedenem Widerstand, Angriffen auf königliche Beamte und einem Boykott britischer Waren führte.

Auch in Großbritannien kam es zu Ausbrüchen von Unzufriedenheit gegen die Krone. Der Verleger John Wilkes erlangte hohe Popularität, nachdem er bis dahin beispiellos kritische Artikel gegen den König veröffentlicht hatte und deshalb juristisch verfolgt wurde. Nach mehreren öffentlichen Auftritten wurde er 1768 in das Unterhaus gewählt und trat die verhängte Haftstrafe an, was Demonstrationen für seine Freilassung zur Folge hatte. Mehrfach schrieb die Regierung Neuwahlen für Wilkes' Wahlbezirk aus und erkannte ihm trotz wiederholter Siege schließlich sein Mandat ab. Dieses willkürliche Vorgehen führte zu immer lauteren Forderungen nach einer Verfassungsreform. 1769 formierte sich die Gesellschaft der Supporters of the Bill of Rights, die sich eine Wahlrechtsreform auf die Fahnen schrieb. Vor allem ging es darum, die Schieflage zwischen den seit dem Mittelalter bestehenden ländlichen Wahlkreisen mit geringer Bevölkerung und den dicht besiedelten städtischen Wahlkreisen auszugleichen. Der bis dahin fehlende Ausgleich hatte zur Folge, dass städtische Wählerstimmen nur ein Bruchteil des Gewichts von ländlichen Stimmen hatten. In den 1770er Jahren bildeten sich mehrere Bewegungen und Interessengruppen, die im Sinn der Aufklärung eine durch Vernunft gegliederte politische Ordnung forderten, was unter anderem eine Ausweitung des Wahlrechts auf die gesamte männliche Bevölkerung und eine Verringerung der Macht des Königs umfasste. Das Aufruhrpotenzial in der Londoner Bevölkerung zeigte sich 1780, als nach Gesetzesvorschlägen zur Katholikenemanzipation die Gordon Riots ausbrachen, in deren Verlauf katholische Gesandtschaftskapellen verwüstet und entdeckte Katholiken misshandelt wurden.

Der Verlust Nordamerikas und die Nationalbewegung in Irland

Die Steuerauseinandersetzungen der frühen 1760er Jahre hatten die öffentliche Meinung in den 13 nordamerikanischen Kolonien gegen das Mutterland beeinflusst. Als 1773 die East India Company das Monopol auf den Teeimport in die Kolonien erhielt und damit der Schmuggel sowie die Steuerhinterziehung unterbunden wurden, kam es zum Widerstand in Form der Boston Tea Party am 16. Dezember 1773. Im April des Folgejahres trat der Erste Kontinentalkongress der Kolonien zusammen, womit sie sich erstmals eine feste Organisation gaben und ein gemeinsames Heer aufstellten. Darauf reagierte Großbritannien mit dem Ausschluss der Kolonien vom Außenhandel. Kurz darauf brachen die ersten Kämpfe des Unabhängigkeitskrieges aus. Zunächst blieb der Konflikt von niedriger Intensität, weil die Kolonien ihr Heer erst aufbauen und die britischen Truppen über den Atlantik herbeigeschafft werden mussten. Am 4. Juli 1776 erließen die Rebellen die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Die erste größere Niederlage für die Briten war die Kapitulation von General Burgoyne am 17. Oktober 1777 in Saratoga. 1778 trat Frankreich, 1779 Spanien auf der Seite der Rebellen in den Krieg ein und weiteten ihn auf den europäischen und indischen Schauplatz aus. Mit der Kapitulation von Yorktown am 19. Oktober 1781 war der Krieg für Georg III. militärisch verloren. Politisch stellte ein Parlamentsentschluss vom 27. Februar 1782, der ein Ende des Krieges forderte und eine Regierungskrise auslöste, die Entscheidung dar. Der Frieden von Paris beendete 1783 den Unabhängigkeitskrieg offiziell und erkannte die Vereinigten Staaten von Amerika als souveränen Staat an.

Irland wurde im 18. Jahrhundert von einer dünnen protestantischen Herrenschicht beherrscht. Die Katholiken wurden unterdrückt. Allerdings hatte sich ein insbesondere aus Händlern bestehendes wohlhabendes katholisches Bürgertum gebildet. Aus dieser Gruppe wurden Forderungen nach Gleichberechtigung immer lauter, die zunehmend von den katholischen Volksmassen aufgegriffen wurden und durch die Ereignisse in Amerika zusätzlichen Auftrieb bekamen. Auf der anderen Seite bildeten sich Freiwilligenregimenter zur Verteidigung gegen eine französische Invasion, als die Krone Truppen aus Irland nach Amerika verlegte. Diese Loyalität wurde 1778 mit dem ersten Catholic Relief Act belohnt, das Katholiken vor allem in Grundbesitzfragen besser stellte. 1780 folgte eine Gleichstellung mit Großbritannien im Kolonialhandel, 1782 eine Aufwertung des irischen Parlaments, von der allerdings nur die protestantische Oberschicht profitierte. 1789, auch angeregt durch die Französische Revolution, bildeten sich die United Irishmen, die eine irische Nation mit Gleichberechtigung beider Konfessionen anstrebten. Damit hatte die irische Nationalbewegung erstmals im größeren Umfang protestantische Fürsprecher. 1793 erhielten Katholiken den Zugang zu Justizämtern, das aktive Wahlrecht und das Recht, Waffen zu tragen. Trotz dieser Zugeständnisse verhandelte die irische Nationalbewegung mit den Franzosen und bewog sie 1796 zu einem Invasionsversuch, der aber scheiterte. Vor allem auf dem Land kam es zur Bildung von nationalistischen Geheimgesellschaften, die in ihrer Mehrheit nicht den integrativen Nationalismus der städtischen Intellektuellen teilte, sondern ein katholisches Irland anstrebte. Deren Vorgehen führte 1798 zu einem übermäßig harten britischen Militäreinsatz, der wiederum offene Aufstände herausforderte. Insgesamt starben während dieser Auseinandersetzungen rund 30.000 Menschen.

Die Ära Pitts des Jüngeren

Unter Premierminister Charles Watson-Wentworth, 2. Marquess of Rockingham setzten sich ab 1782 die liberalen Forderungen bis in die Staatsführung durch. Er beendete nicht nur den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und begann mit der Konsolidierung des Staatshaushalts, sondern trieb auch die Entflechtung von Parlamentsmandaten und Verbindungen zum Hof voran.

Unter der Regierung von William Pitt dem Jüngeren setzten ab 1783 die Reformen verstärkt ein. Zur Finanzsanierung griff er auf das Mittel der sinking funds zurück, strich die meisten staatlichen Pensionen und senkte die Zölle, was den Schmuggel uninteressant machte und dadurch in der Summe die Zolleinnahmen erhöhte. Das gewonnene Geld nutzte er teilweise zum Aufrüsten der Marine. In einer ersten schweren Phase der Geisteskrankheit von Georg III. von Oktober 1788 bis Februar 1789 gelang es Pitt, den Thronfolger, den späteren Georg IV. weitgehend von der Regentschaft fernzuhalten.

Mit dem Sturm auf die Bastille in Frankreich wurden auch in Großbritannien die Stimmen immer lauter, die ein allgemeines Wahlrecht für alle Männer forderten. Die politischen Auseinandersetzungen griffen erstmals seit der Bürgerkriegszeit auf breite Kreise des Bürgertums und der Unterschichten über. Im Rahmen der politischen Diskussion entwickelte sich ein umfangreiches politisches Schrifttum, insbesondere von Edmund Burke und Thomas Paine. Als die britischen Radikalen 1794 und 1795 Kontakt mit den französischen Revolutionären aufnahm, hob die Regierung zahlreiche Freiheitsrechte auf, worauf die Reformbewegung in den Untergrund ging.

Außenpolitisch reagierte die Regierung unter Pitt zunächst zurückhaltend auf die Französische Revolution und hielt sich aus den Revolutionskriegen heraus. Auch nachdem das revolutionäre Frankreich Großbritannien am 1. Februar 1793 den Krieg erklärt hatte, engagierte sich die britische Regierung zunächst vor allem mit Unterstützungszahlungen für die kriegführenden Monarchien auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Militärisch waren die Briten vor allem in den französischen und holländischen Kolonien in der Karibik, später auf Ceylon und im späteren Südafrika aktiv. Nachdem die monarchische Front in Europa mit dem Frieden von Basel 1795 und dem österreichisch-französischen Friedensschluss 1797 zu bröckeln begann, standen Russland und Großbritannien dem revolutionären Frankreich alleine gegenüber. Die Briten verfügten über die größte Flotte der Zeit, jedoch über kein auf dem Kontinent handlungsfähiges Heer. Gleichzeitig war Großbritannien durch eine Wirtschaftskrise geschwächt, die erstmals die Erhebung einer allgemeinen Einkommensteuer nach sich zog. Nicht zuletzt wegen dieser massiven finanziellen Belastung war ein Friedensschluss mit Frankreich in der Bevölkerung populär, der schließlich 1802 mit dem Frieden von Amiens unter Pitts Nachfolger Henry Addington erfolgte.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im späten 18. Jahrhundert

Bereits im 18. Jahrhundert begann sich die Industrielle Revolution in Großbritannien zu entfalten. Ihre vollen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen zeigten sich jedoch erst im 19. Jahrhundert.

Dass dieser Prozess auf den Britischen Inseln begann, hat mehrere Gründe. So hatte sich nicht zuletzt nach den religiösen Auseinandersetzungen des Bürgerkriegs eine weitgehend rationale, an Vernunft und Naturwissenschaften ausgerichtete Weltanschauung durchgesetzt, was technische Erfindungen und die effektive Organisation der Arbeitsprozesse begünstigte. Auch gab es keine Leibeigenschaft, was das Abwandern der Landbevölkerung in die Städte und damit die Bildung eines Proletariats förderte. Das bis 1760 geringe Bevölkerungswachstum begünstigte die Entwicklung von Maschinen, um die teure menschliche Arbeitskraft zu ersetzen. Kohle war als Energiequelle reichlich vorhanden und über die Kanäle, sog. Narrowboat-Kanäle, sowie die Küstengewässer schnell und billig zu transportieren.

Zentrales Element der Industriellen Revolution war die Mechanisierung, zunächst in der Textilindustrie: 1765 wurde die Spinnmaschine Spinning Jenny entwickelt. 1788 waren bereits 20.000 dieser Anlagen in Betrieb. Parallel entstanden weitere Maschinen für verschiedene Arbeitsgänge dieses Wirtschaftszweiges. Der nächste Schritt waren Verbesserungen in der Eisenverhüttung und Stahlherstellung, was wiederum den Bau von Maschinen erleichterte und verbilligte. Als dritte Entwicklung kamen Dampfmaschinen hinzu, die ab ihrer entscheidenden Verbesserung durch James Watt in den 1770er und 80er Jahren immer weiter verbreitet wurden.

Die technischen Neuerungen veränderten auch den Arbeitsprozess. An die Stelle selbständiger Handwerks- oder Heimarbeit im Verlagssystem trat die Fabrikarbeit mit ihren zentralen Arbeitsorten, festen Zeiten und zunehmender Kinderarbeit. Die Arbeiter hatten sich im 18. Jahrhundert zunächst in Combinations, gewissermaßen Handwerkszünften, vereinigt. Diese wurden zunächst verboten. Im beginnenden 19. Jahrhundert setzten sich die verschiedenen Formen arbeiterschaftlicher Organisation jedoch langsam durch.

Durch Thomas Malthus' Schrift Essay on the Principle of Population von 1798 entstand erstmals eine wissenschaftliche und politische Diskussion um die demographische Entwicklung. 1801 gab es die erste moderne Volkszählung in Großbritannien. In diese Zeit fällt auch ein massiver Bevölkerungsanstieg in ganz Großbritannien von etwas über 8 Millionen 1794 auf über 13 Millionen im Jahr 1831. Parallel zum Wachstum gab es auch eine regionale Konzentration der Einwohner in den Industrieregionen im Norden und Westen Englands, in Wales, in den Lowlands in Südschottland und in London, das um 1800 die Marke von einer Million Einwohnern überstieg.

Das Vereinigte Königreich

Als Folge der Aufstände beschloss die Regierung unter William Pitt dem Jüngeren, die formelle Unabhängigkeit Irlands endgültig zu beenden. So wurde Irland mit dem Act of Union 1800 dem Königreich Großbritannien angeschlossen, was einerseits den Verlust des irischen Parlaments, andererseits die rechtliche Einheit und damit die formelle Gleichstellung von Großbritannien und Irland zum 1. Januar 1801 nach sich zog. Es entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Irland entsandte rund 100 Abgeordnete in das House of Commons und 28 Peers in das House of Lords. Die von Pitt ebenfalls angestrebte staatsbürgerliche Gleichstellung der Katholiken scheiterte am Widerstand Georges III, worauf der Premierminister zurücktrat.

Im 19. Jahrhundert erlebte Großbritannien nach dem Krieg gegen Napoléon Bonaparte im Viktorianischen Zeitalter sowohl eine wirtschaftliche Blüte als fortschrittlichste Industrienation der Welt als auch eine machtpolitische Hochphase seines ausgedehnten Kolonialreiches, die mit dem Ersten Weltkrieg endete.

Literatur (Auswahl)

  • Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 2001.
  • Maurer, Michael: Kleine Geschichte Englands. Stuttgart 2002, ISBN 3-15-009616-2.

 

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Britisches Weltreich

Das Britische Weltreich (auch Britisches Empire genannt; engl. British Empire) war die größte Kolonialmacht der Geschichte. Es umfasste Dominions, Kronkolonien, Protektorate, Mandatsgebiete und sonstige abhängige Gebiete, die unter der Herrschaft des Vereinigten Königreiches standen und aus den englischen Überseegebieten und Handelsposten hervorgegangen waren. 1922 hatte das Britische Weltreich eine Bevölkerung von 458 Millionen (ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung)[1] und hatte eine Fläche von über 33,67 Millionen km² (etwa ein Viertel der Landmasse der Erde).[2] Daraus ergab sich ein weit verbreitetes politisches, juristisches, sprachliches und kulturelles Erbe, das bis heute in vielen Teilen der Welt nachwirkt. Das Weltreich wurde, wie schon zuvor das spanische Kolonialreich, als Reich bezeichnet, „in dem die Sonne nie untergeht“.

Während des Zeitalters der Entdeckungen im 15. und 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal die Pioniere der europäischen Erforschung der Welt und bildeten riesige Kolonialreiche. Angespornt durch die Reichtümer, welche diese Reiche einbrachten, begannen auch England, Frankreich und die Niederlande eigene Kolonien und Handelsnetzwerke in Amerika und Asien aufzubauen.[3] Nach mehreren Kriegen im 17. und 18. Jahrhundert gegen Frankreich und die Niederlande etablierte sich England (nach dem Act of Union 1707 mit Schottland das Königreich Großbritannien) als führende Kolonialmacht in Amerika und Indien. Die Abspaltung der Dreizehn Kolonien nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bedeutete zwar den Verlust der bevölkerungsreichsten Kolonien, doch wandte sich Großbritannien bald Afrika, Asien und Ozeanien zu. Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege 1815 übte Großbritannien ein Jahrhundert lang eine fast unwidersprochene Dominanz aus. Mehrere Siedlerkolonien erhielten mit der Zeit mehr Autonomie und wurden zu Dominions erhoben.

Durch den wachsenden Einfluss des Deutschen Reiches und der Vereinigten Staaten büßte Großbritannien um 1900 zunehmend die wirtschaftliche Vormachtstellung ein. Wirtschaftliche und militärische Spannungen mit dem Deutschen Reich gehören zu den wichtigsten Ursachen des Ersten Weltkriegs, wobei Großbritannien in hohem Maße auf die Unterstützung durch seine Kolonien angewiesen war. Zwar erreichte das Weltreich nach Kriegsende seine größte Ausdehnung, doch markierten finanzielle Probleme und zunehmende Autonomiebestrebungen den Beginn seines Niedergangs. Während des Zweiten Weltkriegs besetzte Japan die Kolonien in Südostasien, was Großbritanniens Prestige schmälerte und trotz des Sieges den Niedergang beschleunigte. So erlangte die bevölkerungsreichste Kolonie Indien bereits zwei Jahre nach Kriegsende die Unabhängigkeit.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die meisten Territorien des Britischen Weltreichs im Zuge der Dekolonisation unabhängige Staaten. Dieser Prozess war 1997 mit der Rückgabe Hongkongs an die Volksrepublik China weitgehend abgeschlossen. Nach der Unabhängigkeit traten die meisten ehemaligen Kolonien dem Commonwealth of Nations bei, einer losen Verbindung souveräner Staaten. 16 Commonwealth-Staaten haben als Commonwealth Realms bis heute ein gemeinsames Staatsoberhaupt, den britischen Monarchen. Darüber hinaus gibt es 14 Überseegebiete, die weiterhin unter britischer Souveränität stehen.

Grundlagen (bis 1583)

Der Grundstein zum Weltreich wurde gelegt, als England und Schottland noch voneinander getrennte Königreiche waren. Das Königshaus Plantagenet herrschte in der zweiten Hälfte des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts über England und den gesamten Westen Frankreichs (das so genannte Angevinische Reich). Der englische Besitz auf dem europäischen Festland ging bis 1453 im Hundertjährigen Krieg fast ganz verloren, als letztes fiel 1558 die Hafenstadt Calais ebenfalls an Frankreich.

Von weitaus größerer Bedeutung war die Ausdehnung des englischen Machtbereichs auf den Britischen Inseln selbst. Sie begann 1171 mit der Invasion Irlands und der Ausrufung der Lordschaft Irland, wenngleich sich die direkte englische Herrschaft zunächst auf kleine Gebiete an der Ostküste beschränkte, insbesondere den Pale um Dublin. Erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts konnte England mit den Plantations seinen Einfluss auf die gesamte Insel ausdehnen.[4] Nach mehr als zwei Jahrhunderten kriegerischer Auseinandersetzungen wurde Wales im Jahr 1283 endgültig unterworfen. Schottland kam 1296 ebenfalls unter englische Herrschaft, befreite sich jedoch nach den Unabhängigkeitskriegen wieder.

Nach den Erfolgen der spanischen und portugiesischen Entdeckungsreisen in der „Neuen Welt“ beauftragte König Henry VII. den italienischen Seefahrer Giovanni Caboto (zu John Cabot anglifiziert), dem Beispiel von Christoph Kolumbus zu folgen und im Nordatlantik nach einem Seeweg nach Asien zu suchen. Cabots Expedition brach 1497 auf und landete an der Küste Neufundlands im heutigen Kanada. Im darauf folgenden Jahr führte Cabot eine zweite Expedition an, die jedoch verschollen ist.[5] Henry VII. trieb die Entwicklung in der Seefahrt gezielt voran und ließ 1495 in Portsmouth das erste Trockendock der Welt errichten. Auch reformierte er die noch kleine englische Flotte, aus der sich die Royal Navy entwickelte.

Bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während der Herrschaft von Königin Elizabeth I., gab es keine Anstrengungen mehr, in Amerika englische Kolonien zu gründen.[6] Die Reformation hatte England und das katholische Spanien zu Feinden gemacht. Ab 1562 unterstützte die englische Krone Freibeuter wie John Hawkins und Francis Drake bei ihren Bestrebungen, durch Überfälle auf westafrikanische Küstenstädte und portugiesische Schiffe im lukrativen Sklavenhandel über den Atlantik Fuß zu fassen, was zunächst nur wenig erfolgreich war. Als die Spannungen mit Spanien sich intensivierten, gab Elisabeth ihre Zustimmung, spanische Städte auf dem amerikanischen Kontinent zu plündern und die aus der Neuen Welt zurückkehrenden, mit Schätzen beladenen Galeonen zu überfallen.[7] Einflussreiche Gelehrte wie Richard Hakluyt und John Dee (der als erster den Begriff „British Empire“ gebrauchte[8]), begannen die Errichtung eines englischen Weltreiches zu fordern, das mit dem spanischen und dem portugiesischen rivalisieren sollte.

Erstes Britisches Weltreich (1583–1783)

Von 1577 bis 1580 gelang Francis Drake die zweite Weltumseglung der Geschichte. 1578 stattete Königin Elisabeth I. den Abenteurer Humphrey Gilbert mit offiziellen Privilegien für Entdeckungen und Erkundungen in Übersee aus. Gilbert segelte in die Karibik, mit dem Ziel, Piraterie zu betreiben und in Nordamerika eine Kolonie zu gründen. Doch die Expedition musste aufgegeben werden, noch bevor sie den Atlantik überquert hatte.[9] 1583 unternahm er einen zweiten Versuch und gelangte nach Neufundland. Er nahm die Insel formell in englischen Besitz und übernahm das Kommando über die lokale Fischereiflotte, der Versuch einer dauerhaften Ansiedlung blieb jedoch aus. Gilbert starb auf der Rückkehr nach England. 1584 erhielt dessen Halbbruder Walter Raleigh eigene Privilegien und gründete vor der Küste North Carolinas die Kolonie Roanoke, die jedoch aus Mangel an Versorgungsgütern scheiterte.[10]

1603 gelangte der schottische König James VI. auf den englischen Thron, womit die beiden Staaten in Personalunion verbunden waren. Im darauf folgenden Jahr beendete er die Feindseligkeiten mit Spanien. Aufgrund des nun herrschenden Friedens mit dem Hauptrivalen verlagerte sich das englische Interesse von Beutezügen in Kolonien anderer Staaten hin zum systematischen Aufbau eines eigenen Kolonialreiches.[11] Das Britische Weltreich nahm seinen Anfang im frühen 17. Jahrhundert mit der Besiedlung Nordamerikas und kleinerer karibischer Inseln sowie der Gründung einer privaten Handelsgesellschaft, der Ostindien-Kompanie, um Handel mit Asien zu treiben. Die folgende Zeitepoche bis zum Verlust der Dreizehn Kolonien nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird als „Erstes Britisches Weltreich“ (First British Empire) bezeichnet.[12]

Amerika, Afrika und der Sklavenhandel

Die wichtigsten und lukrativsten englischen Kolonien lagen zunächst in der Karibik, aber erst nachdem einige Kolonialisierungsversuche gescheitert waren. Die 1604 gegründete Kolonie Britisch-Guayana hielt sich nur zwei Jahre, und ihr Hauptziel – die Suche nach Goldvorkommen – wurde nicht erreicht.[13] Die ersten Kolonien auf den Inseln St. Lucia (1605) und Grenada (1609) mussten ebenfalls bald wieder aufgegeben werden. Von Anfang an erfolgreich waren hingegen die Anstrengungen auf St. Kitts (1624), Barbados (1627) und Nevis (1628).[14] Die Kolonien übernahmen bald das System von Zuckerrohr-Plantagen, das die Portugiesen in Brasilien erfolgreich eingeführt hatten. Voraussetzung dafür war jedoch die Arbeit von Sklaven und – zumindest zu Beginn – die Unterstützung durch niederländische Schiffe, welche die Sklaven verkauften und den Zucker kauften. Um sicherzustellen, dass die steigenden Profite nicht ins Ausland abflossen, beschloss das Parlament im Jahr 1651 die Navigationsakte, das nur englischen Schiffen den Handel in englischen Kolonien erlaubte. Dieser Schritt führte zu Feindseligkeiten mit der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. In den nachfolgenden englisch-niederländischen Seekriegen konnte England seinen Einfluss in Amerika auf Kosten der Niederländer ausweiten. 1655 eroberten die Engländer Jamaika von den Spaniern und 1666 gelang die Kolonialisierung der Bahamas.

Die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika war das 1607 gegründete und von der Virginia Company of London verwaltete Jamestown in Virginia. Die Gründung der Kolonie Bermuda geht auf Schiffbrüchige zurück, die 1609 auf dem Weg nach Jamestown dort gestrandet waren. Die Virginia Company verlor 1624 ihre Privilegien und Virginia wurde zu einer Kronkolonie.[15] Die Gründung der London and Bristol Company (besser bekannt als Newfoundland Company) erfolgte im Jahr 1610. Ihr Ziel war es, auf Neufundland eine dauerhafte Siedlung zu gründen, was jedoch misslang. Die Pilgerväter, eine streng puritanische Glaubensgemeinschaft, gründeten 1620 die Kolonie Plymouth in Massachusetts.[16] Sie waren die ersten, die sich durch die beschwerliche Überfahrt nach Nordamerika der religiös motivierten Verfolgung entzogen. Maryland (1634) war eine Zufluchtsstätte für Katholiken, Rhode Island (1636) war gegenüber allen Konfessionen tolerant und Kongregationalisten zog es nach Connecticut (1639). Im Jahr 1663 wurde die Provinz Carolina gegründet. 1664 eroberte England im zweiten englisch-niederländischen Seekrieg die Kolonie Nieuw Amsterdam und benannte sie in New York um. 1681 gründete William Penn die Kolonie Pennsylvania. Die Kolonien auf dem amerikanischen Festland waren finanziell weniger erfolgreich als jene in der Karibik, verfügten jedoch über weite Gebiete mit gutem Ackerland und zogen weitaus mehr englische Emigranten an, welche das kühlere Klima bevorzugten.[17]

1670 gewährte König Charles II. der Hudson’s Bay Company (HBC) eine Royal Charter, mit der sie ein Monopol auf den Pelzhandel in dem damals als Ruperts Land bekannten Gebiet erhielt; ein weitläufiges Territorium, das heute einem großen Teil von Kanada entspricht. Die durch die HBC errichteten Forts und Handelsposten waren wiederholt Angriffen durch die Franzosen ausgesetzt, die im benachbarten Neufrankreich eine eigene Pelzhandelskolonie gegründet hatten.

Die 1672 gegründete Royal African Company erhielt von Charles II. das Monopol über die Versorgung der britischen Kolonien mit afrikanischen Sklaven. Von Anfang an bildete die Sklaverei die Grundlage der Kolonien in der Karibik. Bis zum Verbot des Sklavenhandels im Jahr 1807 waren die Briten für die Verschleppung von 3,5 Millionen afrikanischen Sklaven verantwortlich, was einem Drittel aller über den Atlantik transportierten Sklaven entspricht.[18] Um diesen Handel zu erleichtern, wurden an der Küste Westafrikas Forts errichtet, beispielsweise James Island oder Bunce Island. Zwischen 1650 und 1780 stieg der Anteil der afrikanischen Sklavenbevölkerung in den karibischen Kolonien von 25 auf 80 Prozent, in den Dreizehn Kolonien von 10 auf 40 Prozent (wobei sie in den südlichen Kolonien die Mehrheit stellten).[19] Für Städte im Westen Englands wie Bristol und Liverpool, die eine der drei Seiten im atlantischen Dreieckshandel bildeten, war der Sklavenhandel ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Unhygienische Verhältnisse auf den Schiffen und schlechte Ernährung führten dazu, dass jeder siebte Sklave auf der Überfahrt starb.[20]

Auch Schottland strebte danach, in Amerika Kolonien aufzubauen. 1621 wurde Nova Scotia in Besitz genommen, ging jedoch zehn Jahre später an Frankreich verloren. Das 1695 vom schottischen Parlament genehmigte Darién-Projekt sah die Errichtung einer Kolonie auf dem Isthmus von Panama vor, um den Handel zwischen Schottland und dem Fernen Osten anzukurbeln. Das Vorhaben scheiterte kläglich und zerrüttete die Staatsfinanzen. Die Konsequenzen waren derart schwerwiegend – ein Viertel des schottischen Kapitals ging verloren[21] –, dass England und Schottland sich dazu entschlossen, beide Staaten zu vereinen. Mit dem Act of Union 1707 entstand das Königreich Großbritannien und die Engländer übernahmen die schottischen Schulden.

Rivalität mit den Niederlanden in Asien

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts begannen England und die Niederlande, das Monopol Portugals auf den Handel mit Asien in Frage zu stellen. Es entstanden private Aktiengesellschaften, um die Handelsreisen zu finanzieren – die Englische Ostindien-Kompanie (später Britische Ostindien-Kompanie) und die Niederländische Ostindien-Kompanie wurden 1600 bzw. 1602 gegründet. Hauptziel dieser Gesellschaften war es, einen möglichst großen Anteil am lukrativen Gewürzhandel zu sichern. Die relative Nähe der Hauptstädte London und Amsterdam und die Rivalität beider Länder führten zu Konflikten zwischen den Gesellschaften. Die Niederländer sicherten sich eine Vormachtstellung auf den Molukken (zuvor eine portugiesische Hochburg), während die Engländer in Indien Fuß fassten.

Obwohl die Engländer die Niederländer später als Kolonialmacht übertrafen, errangen letztere im 17. Jahrhundert vorübergehend eine Vormachtstellung in Asien, aufgrund eines besser entwickelten Finanzsystems und der Auswirkungen der englisch-niederländischen Seekriege. Die Feindseligkeiten endeten 1688 nach der Glorious Revolution, als der Niederländer Wilhelm von Oranien den englischen Thron bestieg. Ein Vertrag zwischen beiden Staaten überließ den Niederlanden den Gewürzhandel im indonesischen Archipel und England den Textilienhandel in Indien. Der Handel mit Textilien war bald profitabler als jener mit Gewürzen und um 1720 hatte die britische Gesellschaft die niederländische übertroffen.[22] Die Britische Ostindien-Kompanie richtete ihren Fokus nun nicht mehr auf Surat, ein Zentrum des Gewürzhandels, sondern auf Fort St. George (das spätere Madras bzw. Chennai), Bombay (heute Mumbai, 1661 von den Portugiesen als Mitgift für Katharina von Braganza überlassen) und Sutanuti, eines von drei Dörfern, aus denen die Stadt Kalkutta (heute Kolkata) entstand.

Auseinandersetzungen mit Frankreich

Der Frieden zwischen England und den Niederlanden im Jahr 1688 hatte zur Folge, dass beide Länder im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) verbündet waren. Allerdings konnte England einen großen Teil seiner militärischen Ausgaben auf den gleichzeitig stattfindenden King William’s War konzentrieren, während die Niederländer gezwungen waren, sich auf dem europäischen Festland gegen die Franzosen zur Wehr zu setzen und ihre koloniale Expansion dadurch ins Stocken geriet.[23] Im 18. Jahrhundert stieg Großbritannien zur weltweit führenden Kolonialmacht auf, wodurch Frankreich zum Hauptrivalen wurde.

Der Tod des spanischen Königs Karl II. und der Erbanspruch von Philipp von Anjou, einem Enkel des französischen Königs Ludwig XIV., ergab die Möglichkeit der Vereinigung Spaniens und Frankreichs mitsamt ihrer Kolonien, was für die übrigen europäischen Großmächte inakzeptabel war.[24] Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) verbündeten sich Großbritannien, Portugal, die Niederlande und das Heilige Römische Reich gegen Spanien und Frankreich. Ein paralleler Kriegsschauplatz zwischen Großbritannien und Frankreich war in Nordamerika der Queen Anne’s War. Im Frieden von Utrecht verzichtete Philipp von Anjou auf seinen Anspruch auf den französischen Thron und Spanien verlor seine Besitzungen in Europa.[25] Am meisten profitierte Großbritannien. Von Frankreich erhielt es Neufundland und Akadien, von Spanien Gibraltar und Menorca. Gibraltar, das heute noch in britischem Besitz ist, wurde zu einem strategisch wichtigen Marinebasis und ermöglichte es den Briten, den Zugang vom Atlantik ins Mittelmeer zu kontrollieren. Die Briten gaben Menorca 1802 im Frieden von Amiens zurück. Spanien erteilte Großbritannien außerdem das Recht am lukrativen Asiento de Negros, also die Erlaubnis, in Lateinamerika Sklaven zu verkaufen.[25]

Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) war der erste Krieg mit weltweiten Auswirkungen. Kriegsschauplätze waren Europa, Indien, Nordamerika, die Karibik, die Philippinen und die Küstengebiete Afrikas. In Nordamerika ist der Konflikt unter dem Namen Franzosen- und Indianerkrieg bekannt. Die Unterzeichnung des Pariser Friedens hatte große Auswirkungen auf die Zukunft des Britischen Weltreiches. Die Kolonialherrschaft Frankreichs in Nordamerika endete mit der Anerkennung der britischen Ansprüche auf Ruperts Land und der Abtretung von Neufrankreich an Großbritannien. Spanien erhielt von Frankreich Louisiana zugesprochen und überließ dafür Florida den Briten. Nach dem dritten Karnataka-Krieg behielt Frankreich in Indien zwar die Kontrolle über einige Enklaven, musste jedoch militärische Einschränkungen dulden und sich verpflichten, die britischen Vasallenstaaten zu unterstützen. Somit war Großbritannien nach dem Siebenjährigen Krieg die führende Kolonialmacht.

Aufstieg des Zweiten Britischen Weltreichs (1783–1815)

Herrschaft in Indien

Die Britische Ostindien-Kompanie (BEIC) konzentrierte sich im ersten Jahrhundert ihres Bestehens auf den Handel in Indien, da sie nicht in der Lage war, das mächtige Mogulreich herauszufordern, das 1617 den Engländern Handelsrechte gewährt hatte.[26] Dies änderte sich im 18. Jahrhundert, als die Macht der Mogule unter der Herrschaft von Aurangzeb und insbesondere dessen Nachkommen allmählich zu schwinden begann. In den Karnatischen Kriegen der 1740er und 1750er Jahre gewann die BEIC die Oberhand über die konkurrierende Französische Ostindienkompanie. Der Sieg in der Schlacht bei Plassey über den Nawab Siraj-ud-Daula im Jahr 1757 hatte die uneingeschränkte Herrschaft der BEIC in der wirtschaftlich bedeutenden Provinz Bengalen zur Folge. Die Kompanie etablierte sich als führende militärische und politische Macht Indiens.[16]

In den folgenden Jahrzehnten konnte sie das von ihr beherrschte Territorium allmählich ausweiten. Nach dem Dritten Marathenkrieg (1817/18) herrschte sie über weite Teile Südindiens, entweder direkt oder über Vasallen in den indischen Fürstenstaaten, die unter strenger Kontrolle standen. Die lokalen Herrscher mussten die Vorherrschaft Großbritanniens anerkennen und wurden im Falle einer Weigerung abgesetzt. Die Truppen der BEIC setzten sich überwiegend aus Sepoys zusammen.[27] Weitere Eroberungen waren Rohilkhand (1801), Delhi (1803), Sindh (1843), Punjab und Nordwestliche Grenzprovinz (beide 1849), Berar (1854) und Oudh (1856).

Verlust der Dreizehn Kolonien

In den 1760er und 1770er Jahren verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Großbritannien und den Dreizehn Kolonien in Nordamerika zusehends, insbesondere weil das britische Parlament versuchte, Steuern einzuführen, ohne dass die Siedler angemessen im Parlament vertreten waren[28], was in der Parole „No taxation without representation“ beispielhaft zum Ausdruck kam. Auf die Boston Tea Party und weitere gewalttätige Ausschreitungen reagierten die Briten mit den Intolerable Acts, was 1775 zum Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs führte. 1776 erließen die Kolonisten die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Nach dem entscheidenden Sieg der Aufständischen in der Schlacht von Yorktown 1781 musste Großbritannien zwei Jahre später im Frieden von Paris die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anerkennen.

Der Verlust eines bedeutenden Teils von Britisch Nordamerika, damals das bevölkerungsreichste britische Überseeterritorium, wird von Historikern als Übergang zwischen dem „ersten“ und dem „zweiten Weltreich“ bezeichnet; die Aufmerksamkeit Großbritanniens richtete sich kaum noch auf Nordamerika, sondern vielmehr auf Asien, den Pazifik und später auch das Innere Afrikas.[29] In seinem 1776 erschienenen Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen bezeichnete der schottische Ökonom Adam Smith Kolonien als überflüssig und forderte den Ersatz der alten merkantilistischen Wirtschaftspolitik durch den Freihandel.[30] Der zunehmende Handel mit den unabhängig gewordenen Vereinigten Staaten nach 1783 schien Smiths Theorie zu bestätigen, dass politische Kontrolle keine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg ist.[31] Spannungen zwischen beiden Staaten eskalierten während der Koalitionskriege, als Großbritannien versuchte, den amerikanischen Handel mit Frankreich zu blockieren und amerikanische Seeleute zum Dienst in der Royal Navy zwangsrekrutierte. Im Britisch-Amerikanischen Krieg (1812–1814) konnte keine Seite einen entscheidenden Vorteil erringen und der Friede von Gent stellte im Wesentlichen den Vorkriegszustand wieder her.

Die Ereignisse in Nordamerika beeinflussten die britische Politik in Kanada, wo sich nach dem Unabhängigkeitskrieg mehrere Zehntausend Loyalisten niedergelassen hatten. Die 14.000 Loyalisten, die zum Saint John River zogen, fühlten sich zu isoliert von der Kolonialregierung in Halifax, so dass die britische Regierung 1784 von Nova Scotia die neue Kolonie New Brunswick abtrennte.[32] Das Verfassungsgesetz von 1791 schuf die Provinzen Oberkanada und Niederkanada; erstere war mehrheitlich englischsprachig, letztere mehrheitlich französischsprachig. Dadurch sollten die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen abgebaut werden. Ein weiteres Ziel war es, die Herrschaft der Zentralregierung zu stärken und nicht jene Art der Selbstverwaltung zuzulassen, die aus Sicht der Briten zur Amerikanischen Revolution geführt hatte.[33]

Expansion im Pazifik

Seit 1718 war die Deportation nach Amerika die Strafe für zahlreiche kriminelle Vergehen in Großbritannien. Jährlich wurden rund 1.000 Verurteilte über den Atlantik transportiert.[34] Nach dem Verlust der Dreizehn Kolonien sah sich die britische Regierung gezwungen, ein neues Ziel für Deportationen zu finden, wofür sich Australien anbot. 1770 entdeckte James Cook auf seiner wissenschaftlichen Expedition im Südpazifik die Ostküste Australiens und nahm den Kontinent für Großbritannien in Besitz. Joseph Banks, Cooks Botaniker auf dieser Reise, überzeugte 1778 die Regierung davon, dass die Botany Bay als Standort einer Sträflingskolonie geeignet sei. Die erste Flotte mit Strafgefangenen, die First Fleet, legte 1787 in Portsmouth ab und erreichte ein Jahr später Australien.[35] Die erste Siedlung wurde nicht in der Botany Bay errichtet, sondern in der nahen Sydney Cove, aus der die spätere Millionenstadt Sydney entstand. Die Deportationen in die Kolonie New South Wales wurden bis 1840 fortgesetzt. Damals zählte sie 56.000 Einwohner, von denen die Mehrheit Sträflinge, Freigelassene und deren Nachkommen waren. Australien entwickelte sich zu einem profitablen Exporteur von Wolle und Gold.[36]

Während seiner Reise gelangte Cook auch nach Neuseeland. 1769 nahm er die Nordinsel in Besitz, 1770 die Südinsel. Zunächst beschränkte sich der Kontakt zwischen Māori und Europäern auf den Austausch von Handelsgütern. Insbesondere im Norden entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Walfangstationen. 1839 gab die New Zealand Company bekannt, sie werde in Neuseeland große Landstriche erwerben und Kolonien gründen. 1840 unterzeichneten Kapitän William Hobson und rund 40 Māori-Repräsentanten den Vertrag von Waitangi.[37] Dieser Vertrag gilt als Gründungsdokument Neuseelands, doch unterschiedliche Interpretationen der englischen und Māori-Versionen sorgen bis heute für juristische Auseinandersetzungen. In den Neuseelandkriegen (1845–1872) konnten die Briten ihre Herrschaft über ganz Neuseeland durchsetzen.

Napoleonische Kriege und Abschaffung der Sklaverei

Während der Herrschaft Napoléon Bonapartes wurde Großbritannien erneut durch Frankreich herausgefordert. Im Gegensatz zu früher handelte es sich nicht nur um eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Staaten, sondern auch zwischen Ideologien.[38] Nicht nur die britische Vormachtstellung in der Welt war gefährdet; Napoléon drohte auch damit, Großbritannien selbst zu erobern, wie zahlreiche andere Staaten auf dem europäischen Festland. Die Briten investierten viele Ressourcen und große Geldsummen, um den Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Die Royal Navy blockierte französische Häfen und errang 1805 in der Schlacht von Trafalgar einen entscheidenden Sieg über die französisch-spanische Flotte. Frankreich wurde schließlich 1815 durch eine Koalition europäischer Armeen besiegt. Wieder war Großbritannien der größte Nutznießer von Friedensverträgen. Frankreich musste gemäß den am Wiener Kongress ausgehandelten Bedingungen die Ionischen Inseln, Malta, die Seychellen, Mauritius, St. Lucia und Tobago abtreten. Von Spanien erhielten die Briten Trinidad, von den Niederlanden Guayana und die Kapkolonie. Im Gegenzug gaben die Briten Guadeloupe, Martinique, Gorée, Französisch-Guayana und Réunion an Frankreich sowie Java und Suriname an die Niederlande zurück – Territorien, die sie während der Koalitionskriege besetzt hatten.

Die britische Regierung geriet unter zunehmendem Druck der Abolitionismus-Bewegung, woraufhin das Parlament 1807 den Slave Trade Act erließ, das den Sklavenhandel im gesamten Britischen Empire verbot. Sierra Leone wurde 1808 als offizielle britische Kolonie für befreite Sklaven gegründet.[39] Der 1833 vom Parlament erlassene Slavery Abolition Act machte nicht nur den Sklavenhandel illegal, sondern die Sklaverei an sich. Am 1. August 1834 erhielten sämtliche Sklaven im Britischen Empire die Freiheit.[40]

Großbritanniens „imperiales Jahrhundert“ (1815–1914)

Der Zeitraum zwischen 1815 und 1914 wird von einigen Historikern als „imperiales Jahrhundert“ bezeichnet.[41][42] Nach dem Sieg über Frankreich hatte Großbritannien keine ernstzunehmende Rivalen mehr, mit Ausnahme des Russischen Reiches in Zentralasien.[43] Die auf See uneingeschränkt dominierenden Briten übernahmen die Rolle eines „Weltpolizisten“, eine später als „Pax Britannica“ bezeichnete Staatsdoktrin.[44] Die Außenpolitik war vom Prinzip der „splendid isolation“ geprägt: Andere Mächte waren durch Konflikte in Europa gebunden, während die Briten sich heraushielten und durch die Konzentration auf den Handel ihre Vormachtstellung noch weiter ausbauten.[45] Großbritannien übte nicht nur die Kontrolle über die eigenen Kolonien aus, sondern beeinflusste dank der führenden Position in der Weltwirtschaft auch die Innenpolitik zahlreicher nominell unabhängiger Staaten. Dazu gehörten China, Argentinien und Siam, die auch „informelles Empire“ genannt werden.[46]

Neue Technologien, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, stützten die imperiale Macht Großbritanniens. Dazu gehörten das Dampfschiff und die Telegrafie, welche die Kontrolle und Verteidigung des Empire erleichterten. Bis 1902 waren sämtliche Kolonien durch ein Netz von Telegrafenkabeln miteinander verbunden, die All Red Line.[47]

Die Ostindien-Kompanie in Asien

Die britische Asienpolitik im 19. Jahrhundert war hauptsächlich auf die Absicherung und Ausdehnung der Herrschaft in Indien ausgerichtet, da es die wichtigste Kolonie war und als Schlüssel zum übrigen Asien galt.[48] Die Britische Ostindien-Kompanie trieb die Expansion des Empire in Asien voran. Die Armee der Kompanie hatte erstmals im Siebenjährigen Krieg mit der Royal Navy zusammengearbeitet. Sie kooperierten auch außerhalb Indiens, beispielsweise bei der Vertreibung der Franzosen aus Ägypten (1799), der vorübergehenden Eroberung Javas von den Niederländern (1811), beim Erwerb von Singapur (1819) und Malakka (1824) sowie der Eroberung Burmas. (1826).[43]

Von ihrer indischen Basis aus war die Kompanie seit den 1730er Jahren auch im zunehmend profitablen Opiumhandel mit China involviert. Dieser Handel, den Kaiser Yongzheng 1729 für illegal erklärt hatte, trug dazu bei, dass die negative britische Handelsbilanz, die sich aus dem Import von Tee und Seide ergab, umgekehrt werden konnte. Der damit verbundene Devisenabfluss nach China, der zu einer spürbaren Verknappung der Silberreserven geführt hatte, konnte gestoppt werden. Als die chinesischen Behörden 1839 in Guangzhou über 20.000 Kisten Opium konfiszierten, führte dies zum Ersten Opiumkrieg. 1841 eroberten die Briten Hongkong, damals eine kleine Siedlung.[49]

Der Anfang vom Ende der Britischen Ostindien-Kompanie war eine Meuterei der Sepoys gegen ihre britischen Kommandanten, zum Teil ausgelöst durch die Spannungen, welche die Briten mit der versuchten Verwestlichung Indiens aufgebaut hatten.[50] Die Briten benötigten für die Niederschlagung des Sepoy-Aufstandes von 1857 ein halbes Jahr, der Konflikt forderte auf beiden Seiten viele Tote. Daraufhin führte die britische Regierung die direkte Herrschaft über Britisch-Indien ein und ein ernannter Generalgouverneur im Range eines Vizekönigs verwaltete die Kronkolonie. Königin Victoria wurde 1877 zur Kaiserin von Indien gekrönt. Die Ostindien-Kompanie stellte 1858 ihre Geschäftstätigkeit ein und wurde schließlich 1873 aufgelöst.[51]

Im 19. Jahrhundert gab es in Indien eine Reihe von Missernten, die folgenden Hungersnöte forderten rund 10 Millionen Tote. Während ihrer Herrschaft hatte es die Ostindien-Kompanie unterlassen, irgendwelche koordinierte Maßnahmen gegen Hungersnöte zu treffen. Dies änderte sich erst unter direkter britischer Verwaltung. Nach jeder Hungersnot wurden Kommissionen eingesetzt, um die Ursachen zu untersuchen und Maßnahmen einzuleiten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigten sich erste Auswirkungen.[52]

„The Great Game“

Während des 19. Jahrhunderts strebten Großbritannien und Russland danach, das Machtvakuum in Zentralasien aufzufüllen, das durch die Schwächung des Osmanischen Reiches, der persischen Kadscharen-Dynastie und der chinesischen Qing-Dynastie entstanden war. Diese Rivalität ist als The Great Game („Das Große Spiel“) bekannt.[48] Aus britischer Sicht waren die errungenen Siege im Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) und im Russisch-Türkischen Krieg (1828–1829) ein klares Zeichen für die imperialen Ambitionen und Möglichkeiten der Russen, sie weckten auch die Angst vor einer Invasion Indiens auf dem Landweg. 1839 versuchte Großbritannien, diesem Ziel mit der Eroberung Afghanistans zuvorzukommen, was jedoch drei Jahre später in einem Desaster endete.[53] Auch in den beiden anderen Anglo-Afghanischen Kriegen (1878–1880, 1919) scheiterten die Briten mit ihren Versuchen, das Land zu unterwerfen.

Als Russland 1853 den türkisch beherrschten Teil des Balkans besetzte, fürchteten sowohl Großbritannien als auch Frankreich die drohende russische Dominanz im Mittelmeerraum und im Nahen Osten. Sie entsandten ihre Armeen auf die Krimhalbinsel, um die russische Flotte zu zerstören. Im Krimkrieg, der bis 1856 dauerte, kamen zahlreiche neue Methoden der modernen Kriegsführung zur Anwendung. Dieser Krieg war der einzige gegen eine andere Kolonialmacht während der Pax Britannica und endete mit einer empfindlichen Niederlage Russlands.[53] In den nächsten zwei Jahrzehnten blieb die Situation in Zentralasien weiterhin angespannt. Während die Briten 1876 Belutschistan annektierten, eroberten die Russen Kirgisistan, Kasachstan und Turkmenistan.

1878 verpachtete das Osmanische Reich Zypern an Großbritannien und erhielt im Gegenzug die Zusicherung, bei einem erneuten Vorstoß der Russen Unterstützung zu erhalten. Im selben Jahr einigten sich aber Großbritannien und Russland auf Einflusssphären, womit der Konflikt entschärft werden konnte. Den letzten Versuch, ihren Einfluss in Zentralasien auszudehnen, unternahmen die Briten 1903/04 mit dem erfolglosen Tibetfeldzug. Die Vernichtung der russischen Flotte im Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) verringerte gleichwohl die Bedrohung für Großbritannien.

Wettlauf um Afrika

Die Niederländische Ostindien-Kompanie hatte 1652 an der Südspitze Afrikas die Kapkolonie gegründet, als Zwischenstation für ihre Schiffe auf dem Weg zu den Kolonien in Asien. Großbritannien besetzte die Kolonie 1795, um sie nach der Eroberung der Niederlande vor dem Zugriff der Franzosen zu bewahren. 1806 annektierte Großbritannien die Kapkolonie formell.[54] Nach 1820 gelangten immer mehr britische Einwanderer hierher und verdrängten die Buren, welche die britische Herrschaft ablehnten. Tausende von Buren zogen in den 1830er und 1840er Jahren im Großen Treck nordostwärts und gründeten kurzlebige Burenrepubliken.

1843 annektierten die Briten Natal. 1879 drangen britische Truppen von Natal aus in das benachbarte Reich der Zulu ein und unterwarfen es im Zulukrieg. Die Voortrekker gerieten wiederholt in bewaffnete Konflikte mit den Briten, die im südlichen Afrika ihre eigenen Ziele verfolgten. Schließlich gründeten die Buren zwei Republiken, die sich längere Zeit halten konnten, die Südafrikanische Republik und den Oranje-Freistaat. Im Zweiten Burenkrieg (1899–1902) eroberten die Briten, die es vor allem auf die großen Goldvorkommen abgesehen hatten, beide Republiken. Den unterlegenen Buren gewährten sie aber großzügige Friedensbedingungen.

1869 wurde in Ägypten der unter französischer Leitung errichtete Sueskanal eröffnet, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer und dem Indischen Ozean verband. Die Briten lehnten den Bau des Kanals zunächst ab; als er jedoch offen war, erkannten sie rasch seinen strategischen Wert.[55] 1875 erwarb die britische Regierung für vier Millionen Pfund den 44%-Anteil des verschuldeten ägyptischen Herrschers Ismail Pascha an der Kanalgesellschaft. Zwar erlangten die Briten dadurch nicht die vollständige Kontrolle über den Wasserweg, konnten aber großen Einfluss ausüben. Die gemeinsame britisch-französische Finanzkontrolle Ägyptens endete 1882 mit der britischen Okkupation des Landes nach der Niederschlagung des Urabi-Aufstands.[56] Die Franzosen blieben Mehrheitsaktionäre und versuchten, die britische Position zu schwächen. Die Streitfragen konnten 1888 durch Verhandlungen geklärt werden. Der daraus resultierende Vertrag trat 1904 in Kraft und machte den Kanal zu einem neutralen Territorium. De facto übten die Briten aber bis 1954 die Kontrolle aus.

1874 zwangen die Briten dem Ashantireich den Vertrag von Fomena auf. Die Ashanti mussten auf alle ihre Rechte an der Küste verzichten und den Sklavenhandel, einst ihre Haupteinnahmequelle, für illegal erklären. Die Gebiete an der Küste wurden in die britische Kolonie Goldküste eingegliedert, der Rest des Ashantireiches bis 1902 ebenfalls unterworfen. Als die Aktivitäten Frankreichs, Belgiens und Portugals im Mündungsbereich des Kongo die Gefahr eines Krieges heraufbeschworen, beschlossen die europäischen Kolonialmächte an der Kongokonferenz in Berlin (1884/85) Regeln für die Aufteilung Afrikas. Sie definierten die „effektive Okkupation“ als Kriterium für die internationale Anerkennung eines Anspruchs in diesem „Wettlauf um Afrika“ (scramble for Africa).[57]

Im Sudan kam es 1881 zum Mahdi-Aufstand, der sich gegen die ägyptische Besetzung richtete. 1885 eroberten die Aufständischen Khartum, ein britisches Expeditionsheer erreichte die Stadt zu spät und musste wieder abziehen. Erst 1896 wurde ein britisch-ägyptisches Expeditionskorps in Marsch gesetzt, das die Mahdisten zwei Jahre später in der Schlacht von Omdurman besiegte. Ebenfalls 1898 hatte Frankreich von Süden her Teile des Sudan besetzt; die daraus resultierende Faschoda-Krise konnte jedoch mit dem Rückzug der französischen Truppen und dem Sudanvertrag beigelegt werden. 1899 wurde der Sudan als anglo-ägyptisches Kondominium konstituiert.

Die britischen Eroberungen in Süd- und Ostafrika bewogen Cecil Rhodes dazu, ein Reich vom „Kap nach Kairo“ anzustreben und eine transkontinentale Eisenbahn von Süd nach Nord zu bauen (Kap-Kairo-Plan). Die Britische Südafrika Gesellschaft, deren Vorsitzender Rhodes war, annektierte 1888 die nach ihm Rhodesien benannten Territorien. Einem ununterbrochenen, von Kapstadt nach Kairo reichenden britischen Herrschaftsgebiet stand jedoch die Kolonie Deutsch-Ostafrika im Wege. Im Helgoland-Sansibar-Vertrag verzichtete das Deutsche Reich 1890 auf seine Ansprüche auf Sansibar und erhielt im Gegenzug das zuvor britische Helgoland zugesprochen.

Neuer Status der Siedlerkolonien

Der Weg zur Unabhängigkeit der Siedlerkolonien des Britischen Weltreichs nahm 1839 seinen Anfang mit dem Bericht von Lord Durham über die Lage in Britisch Nordamerika. Darin schlug er die Vereinigung und Selbstverwaltung von Oberkanada und Niederkanada vor, als Reaktion auf die niedergeschlagenen Rebellionen von 1837. Mit dem Act of Union 1840 wurde die Provinz Kanada geschaffen. Als erste Kolonie erhielt Nova Scotia 1848 eine eigenverantwortliche Regierung, bald darauf folgten die weiteren Kolonien in Britisch Nordamerika. 1867 schlossen sich Ober- und Niederkanada, New Brunswick und Nova Scotia zum Bundesstaat Kanada zusammen, der mit Ausnahme der Außenpolitik in allen Bereichen politisch eigenständig war.[58]

Weitere Gebiete erhielten zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen ähnlichen Grad an Selbstbestimmung zugesprochen: Die australischen Kolonien 1901 durch Zusammenschluss zu einem Bundesstaat, Neuseeland und Neufundland sechs Jahre später.[59] Im Rahmen der Reichskonferenz von 1907 wurde der Begriff Dominion für diese Gebiete offiziell eingeführt. 1910 erhielt auch die Südafrikanische Union, die durch den Zusammenschluss von Kapkolonie, Natal, Transvaal und Oranje-Freistaat entstand, diesen Status.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es immer häufiger Kampagnen für die Selbstverwaltung Irlands (Home Rule). Nach der Rebellion von 1798 war Irland mit dem Act of Union 1800 dem Vereinigten Königreich einverleibt worden. Die Große Hungersnot von 1845–1849 forderte bis zu einer Million Tote. Premierminister William Ewart Gladstone unterstützte das Prinzip des Home Rule, weil er hoffte, Irland würde dem Beispiel Kanadas folgen und ein Dominion werden. Das Parlament lehnte jedoch 1886 ein entsprechendes Gesetz ab. Viele Abgeordnete fürchteten, ein teilweise unabhängiges Irland sei ein Sicherheitsrisiko für Großbritannien und werde zum Auseinanderbrechen des Empire führen. Ein ähnliches Gesetz wurde 1893 ebenfalls abgelehnt.[60] Der dritte Anlauf im Jahr 1914 war schließlich erfolgreich, konnte aber wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs nicht umgesetzt werden, was 1916 zum Osteraufstand führte.

Weltkriege (1914–1945)

Um die Jahrhundertwende nahmen die Befürchtungen zu, Großbritannien werde nicht mehr in der Lage sein, das gesamte Empire zu verteidigen und gleichzeitig die „splendid isolation“ bewahren zu können. Das Deutsche Reich hatte einen rasanten Aufstieg hinter sich, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich, und galt nun als wahrscheinlichster Gegner in einem zukünftigen Krieg. Großbritannien schloss neue Allianzen, 1902 mit Japan, 1904 bzw. 1907 mit den ehemaligen Erzfeinden Frankreich (entente cordiale) und Russland (Vertrag von Sankt Petersburg).[61]

Erster Weltkrieg

Die Kriegserklärung Großbritanniens und ihrer Alliierten an das Deutsche Reich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog auch die Kolonien und Dominions in den Konflikt hinein, die umfangreiche militärische, finanzielle und materielle Unterstützung leisteten. Mehr als 2,5 Millionen Soldaten dienten in den Armeen der Dominions, hinzu kamen Tausende von Freiwilligen aus den Kronkolonien. Die meisten deutschen Besitzungen in Afrika werden rasch eingenommen, während Australien und Neuseeland die deutschen Besitzungen im Pazifik, Deutsch-Neuguinea und Samoa, besetzten. Der Beitrag der Truppen dieser Dominions während der Schlacht von Gallipoli gegen das Osmanische Reich hatte einen großen Einfluss auf ihr Bewusstsein als Nation. Beide Länder gedenken am ANZAC Day noch heute dieses Ereignisses. Im Falle Kanada hatte die Schlacht von Vimy an der Westfront ähnliche Auswirkungen. Premierminister David Lloyd George honorierte diesen wichtigen Beitrag, indem er 1917 mit den Premierministern der Dominions das Reichskriegskabinett (Imperial War Cabinet) bildete, um die gemeinsamen Anstrengungen zu koordinieren.[62]

Gemäß den Bestimmungen des 1919 unterzeichneten Friedensvertrages von Versailles wuchs die Fläche des Empire um 4,662 Millionen km², die Zahl der Untertanen um 13 Millionen, womit die größte Ausdehnung erreicht war.[63] Die Kolonien des Deutschen Reiches und Teile des Osmanischen Reiches wurden als Mandatsgebiete des Völkerbundes unter den Alliierten aufgeteilt. Großbritannien erhielt die Kontrolle über Palästina und Jordanien, den Irak, Teile Kameruns, Togo und Tanganjika. Auch die Dominions erhielten Mandatsgebiete zugesprochen: Südwestafrika (das heutige Namibia) gelangte an die Südafrikanische Union, Deutsch-Neuguinea an Australien und Samoa an Neuseeland. Nauru war ein gemeinsames Mandat der Briten und der beiden pazifischen Dominions.[64]

Zwischenkriegszeit

Die neue Weltordnung, die der Krieg hervorgebracht hatte, insbesondere der Bedeutungswachstum Japans und der Vereinigten Staaten als Seemächte sowie Unabhängigkeitsbewegungen in Indien und Irland, hatten eine grundlegende Neuausrichtung der britischen imperialen Politik zur Folge. Großbritannien entschied sich, die Allianz mit Japan nicht zu erneuern und unterzeichnete 1922 stattdessen das Washingtoner Marineabkommen, das die Größe der britischen und amerikanischen Flotten gleichsetzte.[65] Diese Entscheidung löste in den 1930er Jahren zahlreiche Debatten aus, da als Folge der Weltwirtschaftskrise in Deutschland und Japan militaristische Regierungen die Macht an sich rissen.[66] In Regierungskreisen befürchtete man, das Empire werde einem gleichzeitigen Angriff beider Länder nicht standhalten können.[65] Darüber hinaus wurde das Empire für die Wirtschaft Großbritanniens immer wichtiger. Während der Zwischenkriegszeit wuchs der Anteil der Exporte in die Dominions und Kolonien von 32 auf 39 Prozent, der Anteil der Importe von 24 auf 37 Prozent.[67]

Enttäuschung über die Verzögerungen des Home Rule in Irland bewegten im Jahr 1919 Mitglieder von Sinn Féin, die über die Mehrheit der irischen Sitze im Parlament verfügten, dazu, in Dublin ein eigenes Parlament zu bilden. Dieser Dáil Éireann rief daraufhin die Unabhängigkeit Irlands aus, gleichzeitig begann die Irish Republican Army einen Guerillakrieg gegen die britischen Besatzer.[68] Der Anglo-Irische Krieg endete 1921 in einer Pattsituation und mit der Unterzeichnung des Anglo-Irischen Vertrages, der den Irischen Freistaat schuf – ein weitgehend unabhängiges Dominion innerhalb des Empire, das aber verfassungsrechtlich noch mit der britischen Krone verbunden war. Das mehrheitlich protestantische Nordirland löste die im Government of Ireland Act vorgesehene Option sofort ein und verblieb im Vereinigten Königreich.[69]

Eine ähnliche Auseinandersetzung begann 1919 in Indien, als mit dem Government of India Act die Forderungen nach Unabhängigkeit nicht erfüllt wurden.[70] Aus Furcht vor kommunistischer und ausländischer Infiltration wurden mit dem Rowlatt Act die Sicherheitsbestimmungen der Kriegszeit auf unbestimmte Zeit verlängert. Dies hatte vor allem im Punjab Ausschreitungen zur Folge, die im Massaker von Amritsar gipfelten. Die britische Öffentlichkeit war gespalten; die einen glaubten, Indien sei vor der Anarchie bewahrt worden, während andere das Massaker als abscheulich empfanden.[71] Die Inder beendeten 1922 nach dem Zwischenfall im Dorf Chandi Chaura die Kampagne der Nichtkooperation, die Unzufriedenheit gärte in den folgenden 25 Jahren weiter.

1922 erhielt Ägypten, das nach Beginn des Ersten Weltkriegs zum Protektorat erklärt worden war, die formelle Unabhängigkeit, blieb aber bis 1954 faktisch ein britischer Vasallenstaat. Britische Truppen blieben bis zur Unterzeichnung des Anglo-Ägyptischen Abkommens von 1936 im Land stationiert. Es wurde aber vereinbart, dass sie weiterhin die Zone um den Sueskanal verteidigten. Im Gegenzug erhielt Ägypten Unterstützung beim Beitritt zum Völkerbund.[72] Der Irak, seit 1919 ein britisches Mandatsgebiet, wurde nach Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1932 ebenfalls in den Völkerbund aufgenommen.[73]

An der Reichskonferenz von 1923 setzten die Dominions durch, dass sie ihre Außenpolitik selbständig betreiben durften. Kanada und Südafrika hatten ein Jahr zuvor während der Chanakkrise ihre militärische Unterstützung verweigert, außerdem fühlte sich Kanada nicht an den 1923 geschlossenen Vertrag von Lausanne gebunden. Auf Druck Irlands und Südafrikas beschloss die Reichskonferenz von 1926 die Balfour-Deklaration. Diese erklärte die Dominions zu „autonomen Gemeinschaften innerhalb des Britischen Empire“, die dem Vereinigten Königreich gleichgestellt, mit diesem im Commonwealth of Nations aber lose verbunden waren.[74] Diese Deklaration erhielt 1931 mit den Statut von Westminster rechtliche Substanz. Die Parlamente Kanadas, Neuseelands, der Südafrikanischen Union, des Irischen Freistaates und Neufundlands waren nun gesetzgeberisch völlig unabhängig. Neufundland, das aufgrund der Weltwirtschaftskrise unter massiven finanziellen Schwierigkeiten litt, wurde 1933 wieder zu einer Kronkolonie.[75] Der Irische Freistaat distanzierte sich 1937 durch die Annahme einer neuen Verfassung weiter von Großbritannien, wobei der genaue konstitutionelle Status ungeklärt blieb (bis zur Ausrufung der Republik Irland im Jahr 1949).

Zweiter Weltkrieg

Großbritanniens Kriegserklärung an das Deutsche Reich im September 1939 schloss die Kronkolonien und Indien mit ein, jedoch nicht automatisch die Dominions. Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland erklärten den Krieg eigenständig, während der Irische Freistaat sich dazu entschloss, während des Zweiten Weltkriegs neutral zu bleiben.[76] Nach dem Westfeldzug im Jahr 1940 standen Großbritannien und das Empire dem Deutschen Reich alleine gegenüber, bis zum Kriegseintritt der Sowjetunion 1941. Die Vereinigten Staaten waren noch nicht bereit dazu, in den Krieg einzutreten, gewährten den Briten aber Unterstützung (Leih- und Pachtgesetz). Premierminister Winston Churchill und Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichneten im August 1941 die Atlantik-Charta. Diese enthielt unter anderem die Vereinbarung, dass „das Recht sämtlicher Völker, jene Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen“, respektiert werden sollte. Der Wortlaut war zweideutig, denn er konnte sowohl auf die von den Deutschen besetzten europäischen Staaten zutreffen als auch auf die durch die Europäer kolonialisierten Völker. Briten, Amerikaner und nationalistische Bewegungen interpretierten die Vereinbarung später deshalb jeweils in ihrem Sinne.[77]

Im Dezember 1941 griff Japan kurz nacheinander Britisch-Malaya, den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor und die Kronkolonie Hongkong an. Seit dem Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg (1894–1895) war die Macht Japans im Fernen Osten stetig angewachsen[78], Fernziel der Japaner war eine von ihnen dominierte „Großostasiatische Wohlstandssphäre“. Der von Churchill herbeigesehnte Kriegseintritt der Vereinigten Staaten war nun Realität geworden und der Sieg Großbritanniens schien nun möglich zu sein, doch die schnellen Kapitulationen in Ostasien schädigten das Prestige als Kolonialmacht nachhaltig.[79] Am verheerendsten wirkte sich der Fall Singapurs aus, das als uneinnahmbare Festung gegolten hatte. Die Erkenntnis, dass Großbritannien nicht in der Lage war, das gesamte Empire zu verteidigen, führte zu einer engeren Kooperation Australiens und Neuseelands mit den Vereinigten Staaten und schließlich 1951 zur Unterzeichnung des ANZUS-Abkommens.[80]

Dekolonisation (1945–1997)

Obwohl Großbritannien und das Empire 1945 siegreich aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgingen, hatte der Konflikt tiefgreifende Auswirkungen. Europa, ein Kontinent, der die Welt mehrere Jahrhunderte lang dominiert hatte, lag buchstäblich in Trümmern und war von Truppen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besetzt. Diese beiden Staaten stiegen folglich zu globalen Supermächten auf. Großbritannien wiederum hatte riesige Schulden angehäuft und entging 1946 nur knapp dem Staatsbankrott, nicht zuletzt dank einer amerikanischen Anleihe in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar.[81]

Zur selben Zeit gewannen antikolonialistische Bewegungen an Bedeutung. Die Situation wurde durch die wachsenden Spannungen im Kalten Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion weiter verkompliziert. Beide Staaten lehnten den europäischen Kolonialismus ab, wenngleich bei den Amerikanern der Antikommunismus weitaus stärker ausgeprägt war als der Antiimperialismus und die Briten deshalb weiterhin Unterstützung erhielten.[81] Das Ende des Britischen Weltreichs war absehbar und Großbritannien verfolgte eine Politik des friedlichen Rückzugs aus den Kolonien, sobald stabile nichtkommunistische Regierungen verfügbar waren, an welche die Staatsgewalt übertragen werden konnte. Diese Vorgehensweise stand in Kontrast zu anderen europäischen Mächten wie Frankreich oder Portugal, die kostspielige und letztlich erfolglose Kriege führten, um ihre Kolonialreiche zu retten. Zwischen 1945 und 1965 nahm die Zahl der Menschen, die außerhalb des Vereinigten Königreichs unter britischer Herrschaft standen, von 700 Millionen auf fünf Millionen ab (davon drei Millionen in Hongkong).[81]

Erste Auflösungstendenzen

Die von Clement Attlee angeführte Labour Party, die bei den Unterhauswahlen 1945 an die Macht gelangt war, nahm sich rasch des drängendsten Problems an, jenes der indischen Unabhängigkeit.[82] Der Indische Nationalkongress und die Muslimliga hatten sich seit Jahrzehnten für die Unabhängigkeit eingesetzt, waren sich aber über die Umsetzung uneinig. Erstere befürworteten einen gesamtindischen Staat, letztere einen separaten Staat in Gebieten mit muslimischer Mehrheit. Angesichts von Unruhen und eines drohenden Bürgerkriegs erklärte Lord Mountbatten, der letzte britische Vizekönig, das mehrheitlich hinduistische Indien und das mehrheitlich muslimische Pakistan am 15. August 1947 recht überhastet für unabhängig.[83] Die durch Großbritannien festgelegte Grenzziehung machte Dutzende Millionen Menschen zu Angehörigen einer religiösen Minderheit. Die einsetzenden Flüchtlingsströme führten zu Gewalt zwischen beiden Gruppen und zu Hunderttausenden von Toten.[84] Burma und Ceylon erlangten ihre Unabhängigkeit 1948. Im Gegensatz zu Indien, Pakistan und Ceylon trat Burma nicht dem Commonwealth of Nations bei.[85]

Das britische Völkerbundsmandat für Palästina, wo eine arabische Mehrheit mit einer jüdischen Minderheit zusammenlebte, erwies sich für Großbritannien als ähnliches Problem wie Indien. Es wurde zusätzlich verschärft durch die große Anzahl jüdischer Flüchtlinge, die sich nach der Unterdrückung und dem Genozid durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs in Palästina niederlaßen wollten. Anstatt sich mit der Angelegenheit zu befassen, erklärte die britische Regierung 1947, dass sie im folgenden Jahr ihre Truppen zurückziehen und die Problemlösung den Vereinten Nationen überlassen werde.[86] Sie versuchte dies durch die Ausarbeitung eines Teilungsplans, konnte aber nicht den Palästinakrieg verhindern, der die einseitige Proklamation des Staates Israels zur Folge hatte.

Nach der japanischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg richteten die malaiischen Widerstandsbewegungen ihre Aufmerksamkeit auf die Briten, welche die Kontrolle über die Kolonie rasch wiedererlangt hatten. Die Tatsache, dass die Rebellen überwiegend chinesischstämmige Kommunisten waren, bewog die muslimische Mehrheit dazu, die Briten bei der Niederschlagung zu unterstützen – mit der späteren Unabhängigkeit des Landes als Gegenleistung.[87] Dieser „Malaiische Notstand“ (Malayan Emergency) dauerte von 1948 bis 1960, doch schon 1957 fühlten sich die Briten sicher genug, die Föderation Malaya als Teil des Commonwealth in die Unabhängigkeit zu entlassen. 1963 schlossen sich die Föderation, Singapur, Sarawak und Britisch-Nordborneo zum Staat Malaysia zusammen, musste im Anschluss jedoch von britischen Truppen gegen Angriffe Indonesiens verteidigt werden, welches die Konfrontasi begann. Nach Spannungen zwischen den malaiischen und chinesischen Bevölkerungsgruppen trat Singapur 1965 wieder aus Malaysia aus.[88] Das Sultanat Brunei, das seit 1888 ein britisches Protektorat gewesen war, behielt seinen Status bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1984.[89]

Die Sueskrise und ihre Folgen

1951 übernahm die Conservative Party unter Winston Churchill wieder die Regierung. Die Konservativen waren davon überzeugt, dass Großbritanniens Status als Weltmacht vom Weiterbestehen des Empire abhing. Dabei spielte der Sueskanal trotz des Verlusts von Indien eine Schlüsselrolle. Gamal Abdel Nasser, der 1952 in Ägypten an die Macht gelangt war, handelte das Suez-Abkommen aus, das bis 1956 den Abzug britischer Truppen aus der Kanalzone vorsah.[90]

1956 verstaatliche Nasser unvermittelt den Sueskanal. Als Reaktion darauf führte der neue Premierminister Anthony Eden Verhandlungen mit den Regierungen Frankreichs und Israels. Ein israelischer Angriff auf Ägypten sollte den Briten und Franzosen als Vorwand dienen, die Sueskanalzone zu zurückzuerobern. Der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower war nicht in die Pläne eingeweiht worden und verweigerte aus Verärgerung jegliche Unterstützung. Eisenhower fürchtete auch einen Krieg gegen die Sowjetunion, da Nikita Chruschtschow gedroht hatte, den Ägyptern zu Hilfe zu eilen. Die Amerikaner übten Druck aus, indem sie den Verkauf ihrer Pfund-Reserven androhten, was zum Zusammenbruch der britischen Währung geführt hätte.[91] Obwohl die Invasion militärisch erfolgreich war, wurden die Briten auf Druck der Vereinigten Staaten zu einem demütigenden Rückzug ihrer Truppen gezwungen und Eden trat zurück.[92]

Die Sueskrise zeigte klar die Grenzen britischer Macht auf und leitete den endgültigen Niedergang des Empire ein. Ohne Einwilligung oder gar Unterstützung der Vereinigten Staaten war Großbritannien nicht mehr länger alleine handlungsfähig. Zwar war die britische Machtposition im Nahen Osten nach der Sueskrise erheblich geschwächt, sie brach jedoch nicht zusammen. Großbritannien entsendete bald wieder Truppen in die Region und intervenierte in Oman (1957), Jordanien (1958) und Kuwait (1961), wenn auch mit amerikanischer Billigung.[93] Die britische Präsenz im Nahen Osten endete mit dem geordneten Rückzug aus Aden (1967) und Bahrain (1971).

„Wind der Veränderung“

Premierminister Harold Macmillan hielt im Februar 1960 in Kapstadt eine Rede und sprach dabei vom „Wind der Veränderung“ (wind of change), der durch Afrika wehe.[94] Er wollte Unabhängigkeitskriege wie beispielsweise den Algerienkrieg, in dem Frankreich verwickelt war, vermeiden und trieb die Dekolonisation rasch voran. Ein Jahr vor Macmillans Amtsantritt war Sudan unabhängig geworden. Die verbliebenen britischen Kolonien – mit Ausnahme Südrhodesiens – folgten bis 1968 (siehe Karte). Der britische Rückzug aus dem östlichen und südlichen Teil Afrikas verursachte wegen der weißen Siedlerminderheiten Probleme, insbesondere in Südrhodesien, wo Premierminister Ian Smith 1965 einseitig die Unabhängigkeit von Großbritannien ausrief. Daraufhin herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände zwischen dem schwarzen und weißen Bevölkerungsteil, bis zur Unterzeichnung des Lancaster-House-Abkommens im Jahr 1979. Südrhodesien wurde vorübergehend wieder zu einer Kolonie, bis unter britischer Aufsicht Wahlen durchgeführt werden konnten. Diese wurden von Robert Mugabe gewonnen, der 1980 Premierminister des neuen unabhängigen Staates Simbabwe wurde.[95]

Auf Zypern kämpfte die Widerstandsorganisation EOKA seit 1955 für die Selbstbestimmung und den Anschluss an Griechenland. Das Land wurde 1960 unabhängig, durfte sich jedoch aus Rücksicht auf die türkische Minderheit nicht Griechenland anschließen. Außerdem blieben die Briten mit den Militärbasen Akrotiri und Dekelia, die bis heute britisches Hoheitsgebiet sind, präsent. Seit dem Einmarsch türkischer Truppen im Jahr 1974 und der einseitigen Ausrufung der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern ist die Insel geteilt. Die Unabhängigkeit Maltas im Jahr 1964 verursachte hingegen keine Probleme.

1958 wurde die Westindische Föderation gegründet. Großbritannien versuchte dadurch, in elf Kolonien in der Karibik die Forderung nach Unabhängigkeit gleichzeitig zu erfüllen und die Inseln unter einer Regierung zu vereinen. Dieser Bundesstaat brach jedoch auseinander, als zuerst 1961 Jamaika und dann 1962 Trinidad und Tobago, die beiden größten Provinzen, austraten.[96] Barbados und Guyana wurden 1966 unabhängig, weitere Kolonien im karibischen Raum folgten in den 1970er und 1980er Jahren. Hingegen verblieben Anguilla, die Turks- und Caicosinseln, die Britischen Jungferninseln, die Kaimaninseln und Montserrat Teil Großbritanniens. Britisch-Honduras, die letzte verbliebene Kolonie auf dem amerikanischen Festland, erhielt 1964 das Recht zur Selbstverwaltung, benannte sich 1973 in Belize um und erlangte 1981 die vollständige Unabhängigkeit.

Die britischen Kolonien im Pazifik wurden zwischen 1970 (Fidschi) und 1980 (Vanuatu) in die Unabhängigkeit entlassen. Im Falle Vanuatus verzögerte sich dieser Prozess aufgrund politischer Auseinandersetzungen zwischen dem englisch- und französischsprachigen Bevölkerungsteil (die Inselgruppe war zuvor ein gemeinsam mit Frankreich verwaltetes Kondominium gewesen).

Das Ende des Weltreichs

Zu Beginn der 1980er Jahre war die Dekolonisation weitgehend abgeschlossen. Großbritannien verfügte nur noch über einige über die ganze Welt verstreute Gebiete. Die einzige Neuerwerbung war 1955 Rockall gewesen, ein unbewohnter Felsen im Nordatlantik; dadurch sollte die sowjetische Marine daran gehindert werden, Raketentests auf den Hebriden zu beobachten. 1982 besetzte Argentinien die Falklandinseln und berief sich dabei auf Ansprüche aus der spanischen Kolonialzeit. Im anschließenden Falklandkrieg konnten die anfänglich überraschten Briten die Inselgruppe zurückerobern; die Niederlage Argentiniens führte dort zum Sturz der Militärdiktatur.[97] Im selben Jahr wurde Kanada durch das vom britischen Parlament erlassene Kanada-Gesetz 1982 verfassungsrechtlich vollständig vom Mutterland getrennt. Entsprechende Gesetze für Australien und Neuseeland folgten 1986.[98]

Im September 1982 verhandelte Premierministerin Margaret Thatcher mit der Regierung der Volksrepublik China über die Zukunft der letzten bedeutenden und bevölkerungsreichsten britischen Kolonie Hongkong. Gemäß den Bestimmungen des Vertrags von Nanking von 1842 hatten die Chinesen Hong Kong Island „auf ewig“ abgetreten. Doch der überwiegende Teil der Kolonie bestand aus den New Territories, die für 99 Jahre gepachtet worden waren; dieser Pachtvertrag würde 1997 auslaufen.[99] Thatcher wollte an Hongkong festhalten und schlug eine britische Verwaltung unter chinesischer Souveränität vor, was die Chinesen jedoch ablehnten. 1984 vereinbarten beide Regierungen die Sino-British Joint Declaration, welche die Einrichtung einer Sonderverwaltungszone unter dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ vorsah. Viele Beobachter, darunter der anwesende Prinz Charles, bezeichneten die Übergabezeremonie am 30. Juni 1997 als das „Ende des Empire“.[100]

Nachwirkung

Großbritannien übt außerhalb der Britischen Inseln die Souveränität über 14 Gebiete aus, die seit 2002 als Britische Überseegebiete bezeichnet werden. Einige sind mit Ausnahme von militärischem oder wissenschaftlichem Personal unbewohnt, die übrigen verwalten sich in unterschiedlichem Maße selbst und sind in den Bereichen Außenpolitik und Verteidigung von Großbritannien abhängig. Die britische Regierung hat jedem Überseegebiet seine Unterstützung zugesagt, falls es die Unabhängigkeit anstreben will.[101] Die britische Souveränität über verschiedene Überseegebiete wird von benachbarten Staaten in Frage gestellt: Spanien erhebt Anspruch auf Gibraltar, Argentinien auf die Falklandinseln und Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, die Seychellen und Mauritius auf das Britische Territorium im Indischen Ozean. Das Britische Antarktis-Territorium überlappt mit Ansprüchen Argentiniens und Chiles, während zahlreiche andere Staaten überhaupt keine territorialen Ansprüche in der Antarktis anerkennen.

Die meisten ehemaligen britischen Kolonien sind Mitglied des Commonwealth of Nations, ein freiwilliger, unpolitischer Zusammenschluss gleichberechtigter Staaten, in welchem Großbritannien kein privilegierter Status zusteht. Fünfzehn Staaten des Commonwealth, die so genannten Commonwealth Realms, teilen sich mit Großbritannien das Staatsoberhaupt, den britischen Monarchen.

Jahrzehnte-, in manchen Fällen jahrhundertelange britische Herrschaft und Auswanderung haben in den Staaten, die aus dem Britischen Weltreich entstanden sind, ihre Spuren hinterlassen. Die englische Sprache ist die Hauptsprache von über 300 Millionen Menschen und die Zweitsprache von mehr als 400 Millionen. Ursache ist zum Teil der kulturelle Einfluss der Vereinigten Staaten, die ihrerseits aus dem Empire hervorgegangen sind. Das englische parlamentarische System (Westminster-System) und die englische Rechtsprechung (common law) dienten vielen ehemaligen Kolonien als Vorbild bei der Gestaltung ihres Staatswesens.[102] Das Justizkomitee des britischen Privy Council ist heute noch das oberste Appellationsgericht einiger früherer Kolonien in der Karibik und im Pazifik. Protestantische britische Missionare verbreiteten die anglikanische Konfession in alle Kontinente. Beispiele britischer Kolonialarchitektur wie Kirchen, Bahnhöfe und Regierungsgebäude prägen bis heute Städte, die einst Teil des Empires waren.[103] In Großbritannien entwickelte Ballspiele – Fußball, Cricket, Rugby, Tennis und Golf – haben sich über die ganze Welt verbreitet. Einige Länder haben das britische Maßsystem und den Linksverkehr beibehalten.

Die durch die Briten gezogenen politischen Grenzen entsprachen oft nicht ethnischen oder religiösen Kriterien und führten zu Konflikten, beispielsweise in Kaschmir, Palästina, Sudan, Nigeria und Sri Lanka. Das Britische Weltreich war auch für große Migrationsströme verantwortlich. Millionen von Menschen verließen die Britischen Inseln und bildeten die Grundlage von Siedlerstaaten wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland. Spannungen zwischen der weißen Bevölkerungsmehrheit dieser Staaten und ihrer indigenen Bevölkerungsminderheit sowie zwischen den weißen Minderheiten und den indigenen Mehrheiten in Südafrika und Simbabwe bleiben bis heute bestehen. Die britische Besiedlung Irlands hatte in Nordirland eine tiefe Kluft zwischen Katholiken und Protestanten zur Folge. Millionen von Menschen wanderten zwischen verschiedenen britischen Kolonien, insbesondere Inder und Chinesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich durch die Einwanderung aus ehemaligen Kolonien auch die Zusammensetzung der Bevölkerung Großbritanniens.[104]

Literatur

  • Nicholas Canny: The Origins of Empire. In: The Oxford History of the British Empire. Band I, Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0199246769.
  • PJ Marshall: The Eighteenth Century. In: The Oxford History of the British Empire. Band II, Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0199246777.
  • Andrew Porter: The Nineteenth Century. In: The Oxford History of the British Empire. Band III, Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0199246785.
  • Judith Brown: The Twentieth Century. In: The Oxford History of the British Empire. Band IV, Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0199246793.
  • Niall Ferguson: Colossus: The Price of America's Empire. Penguin Books, London 2004, ISBN 1594200130.
  • Niall Ferguson: Empire: The Rise and Demise of the British World Order and the Lessons for Global Power. Basic Books, New York 2004, ISBN 0465023290.
  • James Olson: Historical Dictionary of the British Empire. Greenwood Publishing Group, Santa Barbara 1996, ISBN 031329366X.
  • Simon Smith: British Imperialism 1750-1970. Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 052159930X.
  • Lawrence James: The Rise and Fall of the British Empire. St. Martin's Griffin, New York 1997, ISBN 031216985X.
  • Nigel Dalziel: The Penguin Historical Atlas of the British Empire. Penguin Books, London 2006, ISBN 0141018445.
  • Trevor Owen Lloyd: The British Empire 1558-1995. Oxford University Press, Oxford 1996, ISBN 0198731345.
  • Roger Louis: Ends of British Imperialism: The Scramble for Empire, Suez and Decolonization. I. B. Tauris, New York 2006, ISBN 1845113470.
  • PJ Marshall: The Cambridge Illustrated History of the British Empire. Cambridge University Press, Cambridge 1996, ISBN 0521002540.
  • Claudia Schnurmann: Vom Inselreich zur Weltmacht. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 317016192X.
  • Peter Wende: Das Britische Empire, Geschichte eines Weltreichs. C. H. Beck, München 2008, ISBN 9783406570735.

Einzelnachweise

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  2. ↑ Ferguson, Colossus, S. 15
  3. ↑ Ferguson, Colossus, S. 2
  4. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 7
  5. ↑ John Cabot. In: Dictionary of Canadian Biography. Toronto 1979ff. ISBN 0-8020-3142-0 (englisch, französisch)
  6. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 35
  7. ↑ Ferguson, Colossus, S. 7
  8. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 62
  9. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 63
  10. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 63–64
  11. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 70
  12. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 34
  13. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 71
  14. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 221
  15. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 600
  16. ↑ a b Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 897
  17. ↑ Ferguson, Empire, S. 72–73
  18. ↑ Ferguson, Empire, S. 62
  19. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 228
  20. ↑ Marshall, the Eigthteenth Century, S. 440–464
  21. ↑ Magnus Magnusson: Scotland: The Story of a Nation. Grove Press, New York 2003, ISBN 0802139329, S. 531.
  22. ↑ Ferguson, Empire, S. 19
  23. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 441
  24. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 1045
  25. ↑ a b Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 1121–1122
  26. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 93
  27. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 995
  28. ↑ Ferguson, Empire, S. 73
  29. ↑ Canny, The Origins of Empire, S. 92
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  88. ↑ Lloyd, The British Empire, S. 364
  89. ↑ Lloyd, The British Empire, S. 396
  90. ↑ Brown, The Twentieth Century, S. 339–340
  91. ↑ Ferguson, Empire, S. 355–356
  92. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 398
  93. ↑ James, The Rise and Fall of the British Empire, S. 586
  94. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 1165
  95. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 715
  96. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 1155
  97. ↑ James, The Rise and Fall of the British Empire, S. 629
  98. ↑ Brown, The Twentieth Century, S. 689
  99. ↑ Olson, Historical Dictionary of the British Empire, S. 553
  100. ↑ Charles' diary lays thoughts bare. BBC News, 22. Februar 2006, abgerufen am 24. Dezember 2009 (englisch).
  101. ↑ House of Commons Foreign Affairs Committee (Hrsg.): HC Paper 147-II, Overseas Territories. Band II, The Stationery Office, London 2008, ISBN 0215521501, S. S. 146, 153.
  102. ↑ Ferguson, Empire, S. 307
  103. ↑ Marshall, Cambridge Illustrated History of the British Empire, S. 238–240
  104. ↑ Dalziel, Historical Atlas of the British Empire, S. 135

 

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Antwerpen

Antwerpen (veraltet deutsch: Antorf oder Antorff, franz.: Anvers) ist eine Hafenstadt in Belgien und Hauptstadt der Provinz Antwerpen. Die Stadt liegt im Norden Belgiens in der Region Flandern und ist mit 472.071 Einwohnern (2008) die größte Stadtgemeinde des Landes. Die Stadtregion Antwerpen ist nach der Region Brüssel die größte in Belgien.

Von großer internationaler Bedeutung ist Antwerpen durch seinen Seehafen, den zweitgrößten Europas, sowie als weltweit wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten.

Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas und als bedeutendes kulturelles Zentrum Wirkungsstätte von Künstlern wie Rubens. Antwerpen war Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1920 und Kulturhauptstadt Europas 1993. Das Druckereimuseum Plantin-Moretus und der Turm der Liebfrauenkathedrale gehören zum UNESCO-Welterbe.

Geographie

Lage

Antwerpen liegt an der Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee. Der Fluss weitet sich im Stadtgebiet zu einer breiten, von Seeschiffen befahrbaren Trichtermündung auf, die über den Meeresarm Westerschelde zur Nordsee führt. Um die Schifffahrt nicht zu behindern, gibt es in Antwerpen keine Brücken über die Schelde, sondern zahlreiche Tunnel. Die letzte Brücke befindet sich etwa 20 km stromaufwärts in Temse.

Das Stadtgebiet reicht im Norden bis an die Grenze zu den Niederlanden, dort befindet sich auch der Grenzpunkt zwischen der belgischen Provinz Antwerpen und den niederländischen Provinzen Seeland und Nordbrabant.

Die Hauptstadt Brüssel liegt etwa 40 km südlich, die Hafenstadt Rotterdam 75 km nördlich von Antwerpen. Die Stadt liegt damit auf einer wichtigen europäischen Verkehrsachse, die von Amsterdam über Antwerpen und Brüssel nach Paris führt. Die Großstadtregionen Antwerpen und Brüssel gehen baulich direkt ineinander über, zumal die auf halbem Wege gelegene Domstadt Mechelen mit über 80.000 Einwohnern ein Bindeglied bildet. Die beiden Großstädte sind durch zwei Autobahnen und eine der meistbefahrenen Eisenbahnstrecken Europas miteinander verbunden.

Das etwa 140 km östlich gelegene Ruhrgebiet ist von großer Bedeutung für den Antwerpener Hafen und deshalb über eine eigene Güterfernbahn („Eiserner Rhein“) mit diesem verbunden, da der echte Rhein vom Ruhrgebiet zum an seiner Mündung gelegenen konkurrierenden Seehafen Rotterdam führt.

Ballungsraum

Zusammen mit dem nur etwa 40 km südlich gelegenen Brüssel und der drittgrößten belgischen Stadtregion um Gent (50 km südwestlich) und weiteren Städten wie Löwen, Mechelen, Sint-Niklaas und Aalst bildet die Region Antwerpen die Metropolregion Vlaamse Ruit („Flämische Raute“, auch „Flämischer Diamant“), die mit rund 5 Millionen Einwohnern zu den großen Agglomerationen Europas gehört.

Stadtgliederung

Die Gemeinde Antwerpen besteht aus den Distrikten Antwerpen, Berchem, Berendrecht-Zandvliet-Lillo, Borgerhout, Deurne, Ekeren, Hoboken, Merksem, und Wilrijk. Die Eingemeindung der genannten ehemaligen Nachbargemeinden wurde in zwei Schritten, 1958 und 1983, vollzogen.

Geschichte

Auf dem Boden der Stadt Antwerpen lässt sich bereits ein gallo-römischer vicus nachweisen. Das belegen Funde von Ton- und Glasscherben aus dem 2. und 3. Jahrhundert n. Chr., die 1952–1961 bei Grabungen nahe der Schelde ans Licht kamen.

Im 7. Jahrhundert begann die Christianisierung. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt erstmals 726. Im Jahr 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. Ende des 11. Jahrhunderts kam Antwerpen zum Herzogtum Brabant im Ostfrankenreich bzw. dem daraus erwachsenen Heiligen Römischen Reich. Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. Antwerpen fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg.

1556 setzte sich nach heftigen Kämpfen die Reformation wie in den gesamten spanischen Niederlanden durch. Im 16. Jahrhundert war die Stadt reichste Handelsstadt Europas. Durch die darauffolgenden Konflikte zwischen den Habsburgern und den vom Reich losgelösten Niederlanden folgte der Niedergang. 1585 eroberte der spanische Statthalter Alessandro Farnese Antwerpen. Alle protestantischen Einwohner mussten die Stadt verlassen. Ein weiterer Grund war eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648, dass die Schelde nicht mehr als Schifffahrtsweg genutzt werden durfte, was für den Handel der Stadt schwerwiegende Beeinträchtigungen brachte.

Seit 1863 erlebte Antwerpen – jetzt zum neuen Staat Belgien gehörend – einen erneuten Aufschwung als belgischer Hafen, das Schifffahrtsverbot fiel endgültig. Es wird militärisch zur Festung Antwerpen mit zwei Gürteln von Forts ausgebaut. Davon existieren heute noch einige Bauwerke.

In Antwerpen fanden 1903 die ersten Gymnastik-Weltmeisterschaften statt.

Im Ersten Weltkrieg zog sich das belgische Heer zur Festung Antwerpen zurück; die Stadt Antwerpen selbst wurde von den belagernden deutschen Truppen am 8. Oktober 1914 bombardiert und am 10. Oktober eingenommen (→ Belagerung von Antwerpen (1914)), nachdem die britische und belgische Besatzung von Antwerpen geflohen war. Es folgte die Proklamation einer Militärverwaltung durch den deutschen General Hans von Beseler. Erst Ende 1918 wurde Antwerpen durch die militärische Niederlage Deutschlands befreit.

1920 war Antwerpen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele.

Während des Zweiten Weltkriegs war Belgien wie im Ersten Weltkrieg Durchzugsgebiet zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Im Mai 1940 wurde die Stadt von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Im Verlauf der nächsten Jahre wurde sie mehrmals Ziel alliierter Luftangriffe; so am 5. April 1943, als bei einem Bombardement der Industriegebiete über 2000 Menschen ums Leben kamen. Im September 1944 wurde Antwerpen von vorrückenden britischen Truppen befreit. Die Stadt war mit ihren intakt gebliebenen Hafenanlagen die Haupt-Nachschubbasis für die alliierten Streitkräfte und wurde deswegen neben London zu einem weiteren Hauptziel von V1-Flugbomben und V2-Raketen (7. Oktober 1944 bis 30. März 1945) sowie das Ziel der Ardennenoffensive (Dezember 1944 bis Februar 1945). Von den über 1600 auf die Stadt und Umgebung abgefeuerten V-Waffen erreichten 1200[1] ihr Ziel. Der Hafen wurde wegen der Zielungenauigkeit von V1 und V2 jedoch kaum bis gar nicht zerstört. Umso mehr hatte die Zivilbevölkerung Tote (je nach Quelle 3700 bis 7000) und Verletzte zu beklagen (ca. 6000). Die V-Waffen und die Ardennenoffensive verzögerten den Vormarsch der Alliierten und als ergänzender Ausweichhafen wurde Gent ausgewählt. Der Terror, die Zerstörungen und die Massaker (unter anderem Einschläge von V2-Raketen auf belebte Kreuzungen, in der Innenstadt oder im „Rex"-Kino, wo am 16. Dezember 1944 allein 567 Menschen umkamen) blieben der Bevölkerung in bleibender Erinnerung. Die alliierten Medien durften bis Frühjahr 1945 nichts darüber berichten, während die NS-Propaganda jede abgeschossene V-Waffe gegen London und Antwerpen als Argument für einen Endsieg propagierte. Im März 1945 bezeichnete das amerikanische Time Magazin Antwerpen als „The City of Sudden Death“ (Stadt des plötzlichen Todes). Trotz der Zerstörungen blieb das historische Stadtbild jedoch weitgehend erhalten.

Die große jüdische Minderheit der Stadt wurde durch den Holocaust besonders schwer getroffen. Unter den ermordeten Antwerpener Juden war auch Mala Zimetbaum, die 1942 deportiert wurde und 1944 als Widerstandskämpferin in Auschwitz umgebracht wurde. Heute ist die Stadt wieder ein großes Zentrum des orthodoxen Judentums in Europa.

1993 war Antwerpen Kulturhauptstadt Europas.

Herkunft des Stadtnamens

Der Name Andauerpa verweist auf die aufgeworfenen Ufer an der Bucht (Scheldebucht). Der Name stammt wahrscheinlich von „an de warp“ (an der Warft). Die ersten Siedler haben auf Warften gelebt, später hat man mangels Platz auf höher gelegenen Flächen „an der Warft“ gesiedelt.

Dass der Name Antwerpen sinngemäß „Hand werfen“ bedeutet und auf die Brabo-Legende zurückgeht, ist eine später im 15. Jahrhundert erfundene Geschichte. Eine lokale Spezialität, kleine Schokoladenhände namens Antwerpse Handjes, erinnert an diese Legende.

Das durch den heiligen Amandus benannte Caloes soll ein früherer Name von Antwerpen gewesen sein. Später wurde der südlich von Caloes gelegene Stadtteil, in dem sich die durch Norbert von Xanten 1124 gestiftete Sankt-Michiels-Abtei befindet, unter dem Namen Kiel bekannt.

Der Name Antorf war ein beispielsweise von Albrecht Dürer verwendetes, aber nun veraltetes Exonym.

Sehenswürdigkeiten

Antwerpen gehört zu den wenigen zentraleuropäischen Großstädten mit weitgehend erhaltenem historischen Stadtkern. Aufgrund der vielen noch vorhandenen Bau- und Kunstdenkmale aus der Blütezeit der Stadt (Spätmittelalter, Renaissance und Barock) sowie aus der Zeit des Jugendstils gilt Antwerpen als eine sehr sehenswerte Großstadt und ist ein wichtiges Ziel im Städtetourismus.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören:

  • Onze Lieve Vrouwekathedraal (Liebfrauenkathedrale)
  • Grote Markt (Marktplatz)
  • Brabobrunnen
  • Hafenrundfahrt (Abfahrt bei Kattendijkdok-Zuidkaai an der Zugbrücke)
  • Museum aan de Stroom (MAS)
  • Plantin-Moretus-Museum, Weltkulturerbe
  • Rubenshaus (Wapper), Wohnhaus und Werkstatt von Peter Paul Rubens, heute Museum
  • Steen (alte Burg, heute ein Schifffahrtsmuseum)
  • Beginenhof Antwerpen
  • Stadtfestsaal Antwerpen
  • Hauptbahnhof („Eisenbahnkathedrale“)
  • Cogels-Osylei (Prachtstraße)
  • Diamantmuseum
  • Jüdisches Viertel
  • Königliches Museum der Schönen Künste
  • Vogelmarkt
  • Zoo Antwerpen

Kunst und Lebenskunst

Die Stadt hat viele bekannte Künstler hervorgebracht, darunter die Maler Rubens, van Dyck, Jacob Jordaens, Jan Brueghel den Älteren und seinen Sohn Jan Brueghel den Jüngeren sowie den sehr bedeutenden Buchdrucker und Verleger Christoph Plantin (16. Jahrhundert), dessen Haus in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde und das Plantin-Moretus-Museum beinhaltet. In Antwerpen befinden sich zahlreiche kulturelle Einrichtungen, etwa die Oper oder das Rubensmuseum. Antwerpen ist für seine Lebenskunst bekannt. Durch seine historische Hafenlage entwickelte sich eine außerordentliche metropolische Vielseitigkeit der Gastronomie mit internationalen Einflüssen.

Besonders im Viertel Zuid findet man Kultur auf engstem Raum konzentriert. Dieses Ambiente hat dafür gesorgt, dass sich hier inzwischen eine reiche, talentierte Modekultur entwickelt hat, deren Mittelpunkt die Modeabteilung der Königlichen Akademie der Schönen Künste, um die sich neben vielen Schriftstellern und Künstlern auch viele gemütliche Bars angesiedelt haben, bildet. Das besterhaltene Ensemble des Jugendstils in Antwerpen ist zweifellos das Viertel Zurenborg.

Von 1966 bis 1976 war die Galerie Wide White Space eine der führenden Avantgarde-Galerien in Europa; sie arbeitete eng mit bekannten Künstlern wie Joseph Beuys, Marcel Broodthaers und Panamarenko zusammen. Neben Panamarenko ist Jan Fabre ein bedeutender zeitgenössischer Künstler der in Antwerpen lebt und arbeitet.

Religion

Die große Mehrheit der Antwerpener ist römisch-katholisch. Als Seehafen und Handelsmetropole ist Antwerpen seit Jahrhunderten aber auch eine sehr internationale Stadt. Dies drückt sich auch durch eine große Vielfalt der ansässigen Religionen aus.[2]

Antwerpen ist wie ganz Belgien aufgrund der früheren Zugehörigkeit zu den Spanischen Niederlanden überwiegend vom römisch-katholischen Christentum geprägt. Der Liebfrauendom gehört als Stadtkrone der historischen Altstadt zu den größten Kirchenbauwerken Europas, er ist Kathedrale des Bistums Antwerpen. Die Stadt und die Vorortgemeinde Stabroek bilden innerhalb des Bistums das Dekanat Antwerpen. Da auch viele der in Antwerpen lebenden Einwanderer römisch-katholische oder uniert-katholische Christen sind, nutzen auch zahlreiche fremdsprachige Gemeinschaften die katholischen Kirchen der Stadt. So gibt es mehrere afrikanische und lateinamerikanische Gemeinden, aber auch eine chaldäische der hiesigen irakischen Christen.

Die Unierte Protestantische Kirche in Belgien und die mit ihr im ARPEE zusammengeschlossenen evangelikalen Christen haben in Antwerpen etwa 15 Gemeinden. Die Anglikanische Kirche hat ebenfalls eine Gemeinde in der Stadt, sie gehört zum Archidiakonat Nordwesteuropa im Bistum Gibraltar in Europa. Auch die protestantische Konfessionsfamilie hat zahlreiche weitere ausländische und fremdsprachige Gemeinden, darunter die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde.

Es gibt fünf byzantinisch-orthodoxe Gemeinden. Davon unterstehen zwei dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel (eine griechisch- und eine russischsprachige), eine der Russisch-Orthodoxen Kirche, eine der Georgischen Orthodoxen Apostelkirche und eine der Rumänisch-Orthodoxen Kirche.

Antwerpen hat eine der größten jüdischen Gemeinschaften Europas, daher prägen orthodoxe Juden in einigen Vierteln das Stadtbild. Die Antwerpener Juden dominieren besonders den Diamantenhandel, deswegen ist das Viertel der Diamantenschleifer am Hauptbahnhof auch ein wichtiges Wohngebiet der jüdischen Antwerpener. Es gibt 22 Synagogen, die zu drei verschiedenen Gemeinden gehören.

Durch die große Zahl marrokanischer und türkischer Einwanderer ist auch der Islam in Antwerpen stark vertreten, es gibt knapp 30 Gemeinden der unterschiedlichen Strömungen und Rechtsschulen, ganz überwiegend sunnitischer Richtung, aber auch der Ahmadiyya oder des Sufismus.

Es gibt acht hinduistische und acht buddhistische Gemeinden sowie eine der Baha'i und des Jainismus.

Wirtschaft und Bildung

Diamanten

Traditionell gilt die Stadt als wichtigster Diamantenhandelsplatz der Welt. Neben vier Diamantenbörsen (die älteste und größte ist die Beurs voor Diamanthandel) haben sich etwa 1.600 Diamantenfirmen und ein Diamantenmuseum angesiedelt.

Waren es vor kurzem noch über 80 Prozent, so werden heute noch rund 60 Prozent aller Rohdiamanten in Antwerpen gehandelt, ein halbes Jahrtausend lang traditionell vor allem von jüdischen Händlern. In den letzten Jahren hat sich eine gewaltige Veränderung des Diamantenhandels ergeben. Jainistische Inder beherrschen 55 Prozent des weltweiten Diamantengeschäfts. Sie handeln zunehmend auch an anderen Orten, zum Beispiel in Dubai, wo der Handel steuerfrei ist. Dies fordern die Händler mittlerweile auch in Antwerpen, und die belgische Regierung plant eine Steueramnestie, mit der sie die für das Land so wichtigen Händler – Handel und Industrie des Diamantensektors beschäftigen immerhin 27.000 Menschen in der Stadt – davon abbringen will, die Stadt als Handelsplatz ganz zu verlassen.

Wissenschaft

In Antwerpen befinden sich die aus drei kleineren Universitäten hervorgegangene Universität Antwerpen und mehrere Hochschulen beziehungsweise wissenschaftliche Institute (zum Beispiel das Institut für Tropenmedizin).

Industrie

Im Hafengebiet unweit des Churchilldocks war an der Straße „Noorderlaan" auf einem 90 Hektar großen Gelände ein Automobilwerk von General Motors Belgium NV, in dem 2500 Beschäftigte Pkws für Opel produzierten. Am 21. Januar 2010 wurde bekanntgegeben, dass der Betrieb geschlossen werden soll[3] Im Dezember 2010 wurde das letzte Fahrzeug produziert und danach die Produktionsanlagen abgebaut.[4]

Ferner befinden sich in Antwerpen verschiedene Industriezweige, u. a. Fahrzeugbau und Erdölindustrie.

Verkehr

Seehafen

Der Hafen der Stadt ist einer der größten der Welt und nach Rotterdam der zweitgrößte Europas. Wie viele große Seehäfen in Nordeuropa (z. B. London, Rotterdam, Bremen, Hamburg, Stettin) liegt er nicht am offenen Meer, sondern an einer dorthin führenden Flussmündung. Über den Meeresarm Westerschelde erreichen die Schiffe die offene Nordsee.

Wie die anderen genannten Seehäfen hat auch Antwerpen einen Vorhafen an der unmittelbaren Mündung. Dieser (Vlissingen) liegt jedoch auf niederländischem Gebiet und ist deshalb, anders als etwa Bremerhaven zu Bremen, kein ergänzender, sondern eher ein konkurrierender Standort. Auch die Westerschelde als Hafenzufahrt ist ein niederländisches Gewässer, was angesichts der Konkurrenz zum nahen niederländischen Hafen Rotterdam zu vielen bürokratischen Behinderungen und in der Vergangenheit sogar zu militärischen Auseinandersetzungen führte. Auch das Flächenwachstum des Hafengebiets wird durch die Grenzlage behindert, da es im Norden bereits bis unmittelbar an die niederländische Grenze reicht.

Eine ähnliche Situation besteht beim benachbarten belgischen Seehafen Gent, der nur über einen Kanal durch niederländisches Gebiet und den dortigen Vorhafen Terneuzen die Westerschelde erreicht. Nur in den Häfen Zeebrügge und Ostende hat Belgien einen unmittelbaren Zugang zum Meer.

Über den Albert-Kanal besteht für die Binnenschifffahrt eine Verbindung von Antwerpen zum Binnenhafen von Lüttich an der Maas.

Fernverkehr

Antwerpen liegt an der europäischen Nord-Süd-Hauptverkehrsachse von Amsterdam, d.h. der Metropolregion Randstad Holland, über Brüssel und Lille nach Paris. In diesem Korridor verlaufen mehrere Autobahnen (auf belgischem Gebiet die A1 und A12), die gemeinsam die Europastraße 19 bilden, sowie die Schnellfahrstrecke Schiphol–Antwerpen für die Hochgeschwindigkeitszüge Thalys.

Die über Antwerpen verlaufenden Ost-West-Routen sind von untergeordneter Bedeutung, da Antwerpen hier im Schatten der Nachbar-Großstadt Brüssel steht. Die wichtigsten sind die A14/E17, die über Gent nach Lille führt und dort auf die Route Brüssel-Paris trifft, und die Europastraße 34 (Belgien: A21, Niederlande: A67, Deutschland: A40/Ruhrschnellweg), die über Eindhoven nach Duisburg/Oberhausen führt.

Der Hauptbahnhof, ursprünglich ein Kopfbahnhof, wurde nach langandauernden Umbauarbeiten 2007 wiedereröffnet. Im Rahmen der Anbindung Antwerpens an das europäische Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsnetz wurde der Bahnhof untertunnelt und vergrößert. Das historische Empfangsgebäude aus dem 19. Jahrhundert blieb dabei erhalten und wurde mit den neuen Bereichen verbunden. Täglich wird der Bahnhof von circa 540 Zügen frequentiert. Internationale Hochgeschwindigkeitsverbindungen bestehen mehrmals täglich in das nördliche Nachbarland Niederlande (mit Thalys und NS Highspeed) und nach Paris in Frankreich (mit Thalys). Ebenso existiert mit Thalys eine regelmäßige Express-Verbindung mit der Hauptstadt Brüssel.

Den Eisenbahngüterverkehr des Hafens mit dem weit über Belgien hinausreichenden Hinterland vermittelt der Rangierbahnhof Antwerpen-Noord, einer der größten in Europa.

Der Flughafen Antwerpen hat nur eine geringe internationale Bedeutung. Die Stadt kann mit einer stündlichen verkehrenden direkten Zugsverbindung vom Flughafen Amsterdam (Dauer unter 2 Stunden) oder mit einer stündlich verkehrenden direkten Busverbindung vom Flughafen Brüssel-Zaventem erreicht werden (Dauer 45 Minuten).

Regional- und Nahverkehr

Antwerpen besitzt ein großes Straßenbahnnetz mit 10 Linien. Im Innenstadtbereich gibt es zwei Tunnelstrecken mit 11 Tunnelstationen, auch die Schelde wird unterirdisch gekreuzt. Die Strecke aufs linke Scheldeufer reicht bis ins ostflämische Zwijndrecht.

Die wichtigste Stadtautobahn ist der Antwerpener Ring (R1), der die von Norden kommenden Autobahnen A1 (Utrecht) und A12 (Rotterdam) vereinigt, in einem Halbkreis östlich um die Innenstadt herumführt, im Süden der Stadt im Kennedytunnel die Schelde kreuzt und sich im Südwesten in die Autobahnen A11 (Hafen von Gent/Brügge) und A14 (Gent) verzweigt. Im Westen mündet außerdem die A13 (Hasselt/Lüttich) ein, von der wenige Kilometer östlich die A13 (Eindhoven) abzweigt, im Süden wiederum die beiden nach Brüssel führenden Autobahnen A1 und A12.

Wesentlich weiter außerhalb als der Ring R1 verläuft der Große Ring, der allerdings bisher nur ein 13 km langes Teilstück im Nordwesten darstellt. Dieses unterquert allerdings mithilfe von drei Unterwassertunneln das gesamte Hafengebiet und bindet dieses sehr gut an die Verkehre nach Norden (Rotterdam) und Westen (Gent) an.

Im Innenstadtbereich gibt es außerdem zwei sehr alte Scheldetunnel, nämlich den Waaslandtunnel, durch den die Nationalstraße N49a verläuft, und den Radfahrer- und Fußgängertunnel Sint-Annatunnel, die beide bereits 1933 eröffnet wurden. Etwas südlich davon liegt der von den Straßenbahnen benutzte Brabotunnel (1990). Ein weiterer Tunnel ist der Craeybeckxtunnel, dieser führt die Autobahn 1 unterhalb eines Parkgebiets hindurch.

Städtepartnerschaften

  • Mülhausen, Frankreich seit 1954
  • Marseille, Frankreich seit 1958
  • Sankt-Petersburg, Russland seit 1958
  • Rostock, Deutschland, seit 1963
  • Shanghai, Volksrepublik China seit 1984
  • Akhisar, Türkei seit 1988
  • Haifa, Israel seit 1995
  • Kapstadt, Südafrika seit 1996
  • Barcelona, Spanien seit 1997
  • Ludwigshafen am Rhein, Deutschland seit 1998
  • Zusätzlich bestehen nicht besiegelte Partnerschaften mit:
  • Paramaribo, Suriname
  • Durban, Südafrika

Einzelnachweise

  1. ↑ www.xxx
  2. ↑ Quelle für die Angaben in diesem Abschnitt: Stadt Antwerpen: Gids voor levensbeschouwelijk Antwerpen (Weltanschauungen in Antwerpen), November 2006 (PDF)
  3. ↑ Opel bestätigt: Aus für Antwerpen - n-tv.de
  4. ↑ xxx.de, abgerufen am 29. Dezember 2010
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Hafen von Antwerpen

Der Hafen von Antwerpen ist der größte Hafen Belgiens. Gemessen am Frachtaufkommen in Tonnen ist er der zweitgrößte Hafen Europas (hinter Rotterdam) und der elftgrößte weltweit. Für Stückgut ist Antwerpen der größte Hafen der Welt. Weiterhin beherbergt der Hafen von Antwerpen den nach Houston zweitgrößten Chemieindustriepark der Welt.[1]

Der Hafen liegt am Ästuarium der Schelde. Durch dieses Ästuarium fahren Schiffe von über 100.000 Tonnen über 80 Kilometer Inland. Seine Lage im Festland, die den Restabstand der Ware per Zug- oder Straßenverkehr maßgeblich verringert, ist vorteilhaft für den Containerverkehr und die Umwelt.

Mit entscheidend für seine Größe ist die zentrale Lage des Hafens in Europa, so liegen in einem Radius von 250 Kilometern um den Hafen fünf Hauptstädte und in einem Radius von 500 km sind 60 Prozent der Kaufkraft der Europäischen Union angesiedelt.

Geschichte

Im Mittelalter war der Hafen von Antwerpen wie heute von großer Bedeutung. Als jedoch Stadt und Hafen im Rahmen des Niederländischen Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1585 von den Spaniern erobert wurden, blockierten die Niederländer, die die nördlich gelegene Scheldemündung kontrollierten, den Antwerpener Hafen. Diese Scheldeblockade wurde über Jahrhunderte aufrechterhalten und führte zur wirtschaftlichen Stagnation des Hafens, während die Konkurrenzhäfen in den nördlichen Niederlanden, insbesondere Amsterdam, aufblühten. Nach der Gründung des Vereinigten Königreichs der Niederlande 1815 wurde die Scheldeblockade aufgehoben und der Antwerpener Hafen nahm einen großen Aufschwung. Nach der Abspaltung Belgiens 1831 wurde die unter niederländischer Herrschaft verbliebene Scheldemündung zwar nicht wieder geschlossen, die Niederländer erhoben jedoch einen Scheldezoll, der die Entwicklung der Schifffahrt nach Antwerpen deutlich behinderte. Erst 1863 konnten sich die Belgier für 36 Millionen belgische Franken (von denen zwei Drittel durch andere Seefahrernationen übernommen wurden) vom niederländischen Scheldezoll freikaufen.

Bis ins 19. Jahrhundert befand sich der Hafen am rechten Ufer der Schelde am Eingang der Stadt. Der Hafen wurde im 19. Jahrhundert durch das Anlegen des Napoleondocks erweitert. Napoléon Bonaparte wollte den Hafen unter der französischen Besetzung in einen Militärhafen umwandeln, um Großbritannien angreifen zu können.

1879 wurde mit dem „Eisernen Rhein“ eine Schienenverbindung für den Güterverkehr vom und ins Ruhrgebiet eröffnet und der Hafen danach deutlich erweitert.

In den 1950er und 60er Jahren begann der Ausbau zum Containerhafen, verbunden mit der Ausdehnung des Hafens nach Norden bis an die niederländische Grenze. Der Containerverkehr macht heute rund die Hälfte der umgeschlagenen Tonnage aus.

Hafengestaltung

Der Hafen von Antwerpen erstreckt sich auf einer Fläche von 13.057 ha, wovon 7239 ha auf das rechte Ufer und 5818 ha auf das linke Ufer der Schelde entfallen. Er erstreckt sich auf einer Wasseroberfläche von 2200 ha. 400 km Straßen und 1113 Kilometer Bahnstrecken sichern die sicheren Ankünfte und Abfahrten der zu transportierenden Güter. Jeder Anlegeplatz ist dabei mit zwei bis fünf Gleisen ausgerüstet. Auch haben die meisten Hallen und Lager in Docknähe einen direkten Gleisanschluss.

Rechtes Ufer

Die Eröffnung der Berendrecht-Schleuse im Jahre 1989 war ein krönendes Ereignis für die Entwicklung des rechten Dockes. Sie ist mit einer Länge von 500 Metern, einer Breite von 68,5 Metern, einer Tiefe von 17,5 Metern die weltweit größte ihrer Art. Sie erlaubt einen maximalen Tiefgang von 11,85 Metern bei einem Tidenhub von fast 5 m.[2]

Seit 1989 wurde auch außerhalb des direkten Dockkomplexes erweitert. So entstanden zwei neue Containerterminale. Der erste, das Europa-Terminal, wurde 1990 eröffnet und der zweite, das Nordsee-Terminal, öffnete 1997 seine Tore. Zurzeit werden große Teile des Areals modernisiert, so dass das Amerika Dock, das Albert Dock und das Third Harbour Dock für Panamax-Schiffe mit einem maximalen Tiefgang von 13 Metern zugänglich sind. Auch das Delwaide Dock wird zurzeit so modernisiert, dass heutige Containerschiffe anlegen können.

Das MSC Home Terminal ist eine Partnerschaft zwischen PSA Hesse-Noord Natie und MSC. Es umfasst eine Länge von zwei Kilometern, so dass mehrere Schiffe auf einmal anlegen können, und ist im nördlichen Teil anzusehen. Das Terminal ist das europäische Zentrum für die Dienstleistungen der Mediterranean Shipping Company (MSC). Ende 2006 hatte dieses eine jährliche Kapazität von 3,6 Mill. TEU.

Linkes Ufer

Das linke Ufer befindet sich im Moment voll in Entwicklung. In der ersten Phase entsteht ein 4360 ha großer Bereich mit den Schwerpunkten Hafen und Industrie. Zusätzlich ist eine weitere Expansion in einer Größenordnung von 1440 ha geplant.

Der Motor all dieser Entwicklung war das 4,5 Kilometer lange Vrasene Dock, deren Terminale sich auf Holzprodukte, Fruchtsaftkonzentrate und Autos spezialisiert haben. Da fast alles durch dieses Dock besetzt war, wurde 1986 mit dem Bau des 5 Kilometer langen Verrebroek Dock begonnen, von denen schon 3,1 Kilometer fertiggestellt wurden. Auch hier existieren moderne Abfertigungsstätten.

Umschlag

  • Jahr Containerumschlag in TEU Gesamtumschlag [t]
  • 2000 4,082 Mio. 130,531 Mio.
  • 2001 4,218 Mio. 130,050 Mio.
  • 2002 4,777 Mio. 131,629 Mio.
  • 2003 5,445 Mio. 142,875 Mio.
  • 2004 6,064 Mio. 152,327 Mio.
  • 2005 6,482 Mio. 160,054 Mio.
  • 2006 7,019 Mio. 167,372 Mio.
  • 2007 8,177 Mio. 182,897 Mio.
  • 2008 8,663 Mio. 189,389 Mio.
  • 2009 7,310 Mio. 157,806 Mio.

Literatur

  • Anvers Port de Mer. Description du port et des établissements maritime d'Anvers. D'apès les documents les plus récents. Brüssel, Guyot 1885.

Einzelnachweise

  1. ↑ Bundesagentur für Außenwirtschaft: Chemische Industrie, Belgien (2008)
  2. ↑ Port of Antwerp aus der Website des Sozial- und Wirtschaftsrates Flandern (SERV)

 

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Gulden

Der Gulden (von mhd. guldin (pfenni(n)c/florin) ‚Goldmünze‘) ist eine historische Münze und Währungseinheit mehrerer Staaten. Die reguläre Abkürzung ist fl. oder f. für Fiorino, lat. florenus aureus, französisch Florin, ungarisch Forint. Sie leitet sich vom Florentiner Fiorino d'Oro ab, der im 13. bis 16. Jahrhundert tatsächlich als Goldmünze geprägt wurde. Seine Nachahmungen in anderen Ländern Europas waren zunächst auch Goldmünzen. Später wurden die Bezeichnungen „Gulden“ und „Florin“ auch für Silbermünzen übernommen, etwa im 19. Jahrhundert in England.

Es gab Gulden in Gold und ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend als Silberäquivalent (zum Beispiel als Joachimsthaler Guldengroschen, dem späteren Taler). Guldengroschen oder Guldiner wurden mit unterschiedlichen Gewichten in ganz Europa geprägt. Im deutschen Sprachraum kannte man den Gulden nach der Einführung der Goldmark im Jahre 1871 in Österreich-Ungarn noch bis 1900. Besondere Bedeutung errangen neben dem Reichsgulden der niederländische Gulden, der ungarische Forint sowie der polnische Gulden, der heute noch mit dem Złoty fortbesteht. Man unterschied im 17. bis frühen 19. Jahrhundert genau zwischen dem eigentlichen Goldgulden, dem (rheinischen und süddt.) Silbergulden, dem Taler und dem (virtuellen) Rechnungsgulden. Ein sprachliches Paradoxon bestand etwa im Sachsen des 18. Jahrhunderts, wo der Conventionstaler gleich zwei Gulden (halbe Taler) galt, obwohl beide Bezeichnungen historisch eigentlich vom (Gold-)gulden abstammten. Der Goldgulden unterlag im Gegensatz zum Dukat ab der frühen Neuzeit der Münzverschlechterung, was seine Beliebtheit einschränkte.

Die Bezeichnung ‚Goldgulden‘ ist keine Tautologie, sondern dient zur numismatischen Unterscheidung vom in der Neuzeit dominierenden Silbergulden sowie zur Abgrenzung gegenüber dem Gulden als Rechnungsmünze.

Gulden und Dukaten

Mit dem rheinischen Goldgulden wurde der Standard reiner Goldmünzen verlassen, wie ihn der venezianische Dukat und der Florentiner Florin darstellten. Als Folge einer ständigen Münzverschlechterung wurde der Feingehalt mehrmals herabgesetzt. Er wurde durch Reichssatzungen oder Münzverträge festgestellt. Über deren Einhaltung wachten die Wardeine des Reiches oder die Vertragspartner eines Münzvereins wie des Rheinischen Münzvereins. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde deswegen im Geldverkehr zwischen den ursprünglich wertgleichen Dukaten und Goldgulden unterschieden. Als Dukaten wurden Münzen aus Feingold (23 2/3 Karat) und 3,5 g Gewicht bezeichnet. Anders als bei den Dukaten waren im Fall des Goldgulden neben Kupfer Silberzusätze erlaubt. Dukaten sahen in der Folge rötlicher aus, Goldgulden zeigten einen eher hellgelben Glanz. Ende des 15. Jahrhunderts bestanden die Goldgulden aus 18 Karat 6 Grän Gold, drei Karat sechs Grän Silber und zwei Karat Kupfer. Gold-Gulden wurden bis ins 19. Jahrhundert geprägt.

Silber

Teilweise war die Silberbeimischung so stark, dass sie sichtbar den Goldton zurückdrängte. Mit zusätzlichen Beimischungen von Silber ließ sich der Schlagschatz zugunsten des Münzherren und Münzmeisters erhöhen. Goldgulden mit einem hohen Silberanteil wurden auch blaue Gulden genannt.

Später wurden auch regelrecht Silbergulden geprägt, die nur noch in der Namensherkunft Gold enthielten.

Ursprünge in Italien

Seit Karl der Große in seiner Münzreform von 794 den Silberpfennig (Denar) als einzige Münze in seinem Reich zugelassen hatte, kursierten in West- und Mitteleuropa als reguläres Zahlungsmittel nur Münzen aus Silber oder weniger edlem Metall. Der spätantike goldene Solidus geriet zur Rechnungsmünze. Goldmünzen stellten in Europa eine Ware dar, da ihr Kurs gegenüber den Silbermünzen zunächst nicht fix, sondern vom Wertverhältnis der beiden Edelmetalle abhängig war.

Die ersten neuen europäischen Goldmünzen in Europa wurden an Orten herausgegeben, die intensive Kontakte zur Arabischen Welt hatten. Einen Anfang der Goldprägung machte der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II., als er seit 1231 in Brindisi und Messina den Augustalis schlagen ließ.

Der Fiorino d'Oro, Goldgulden aus Florenz seit 1252, der Dukat (Zecchine) Venedigs seit 1284 und der Genovino[1] aus Genua entstanden aus dem Handel mit Nordafrika (Maghreb). Dort konnten die Kaufleute mit europäischem Silber günstig afrikanisches Gold kaufen. Um das im Silberhandel oder dem noch lukrativeren Salzhandel erworbene Gold mit Gewinn wieder abzusetzen, waren Goldmünzen das geeignete Medium. Gold hatte in Europa gegenüber Silber einen erheblich besseren Kurs (1:10 bis 1:12 in Europa, 1:6 bis 1:8 im Maghreb). Auf diese Weise wurden gute Gewinne gemacht, und zugleich gelangte auch ein wertstabiles Zahlungsmittel auf den Markt.

Ausbreitung im Heiligen Römischen Reich

Der Goldgulden geriet durch den Handel in den deutschsprachigen Raum. Die beiden großen Wirtschaftskreise, der mittelmeerische und der hansische, begegneten sich in den Niederlanden und schufen dort ein neues Zentrum, das auch auf Deutschland einwirkte. Mit der Intensivierung des Fernhandels entstand das Bedürfnis nach einem größeren Silber-Nominal oder bzw. Gold-Nominal. Der seit über fünf Jahrhunderten allein geprägte Denar oder Pfennig genügte diesen Anforderungen nicht mehr. Die als Ersatz im Großhandel gebräuchlichen Barren waren dem Fiorino unterlegen, denn größere Geschäfte ließen sich mittels europäisch gängiger Großmünzen mit geringeren Verlusten des Geldwechsels abwickeln.

Weil der Floren nördlich der Alpen so begehrt war und nachgeahmt wurde, bot Papst Johannes XXII. im Jahr 1332 den Florentinern an, alle Nachahmer zu exkommunizieren, falls ihm selbst die Ausgabe von Florenen gestattet würde. Geprägt wurden diese in Avignon.

Böhmen

Der Beginn einer eigenen Goldprägung im Heiligen Römischen Reich außerhalb Reichsitaliens fällt in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts. Als erster ließ Johann von Böhmen 1325 in Prag Goldmünzen schlagen. Die Bezeichnung Floren galt nur für die ersten Prägungen mit unverändertem Münzbild, anschließend entstand die Bezeichnung Gulden.

Lübeck

Seit 1339 versuchte Lübeck, sich aus dem Münzregal von 1226 zu lösen. In Verhandlungen unter der Führung des Reichsgrafen Berthold von Henneberg gelang es der Stadt, den Kaiser Ludwig IV. der Bayer (1282 bis 1347) zu einer Ausweitung des Münzregals zu bewegen. Mit der Landshuter Urkunde vom 25. März 1340 wurde die Prägung eines Guldens nach florentiner Aussehen beschlossen. Bis 1342 wurden in der Folge in Lübeck 30.000 Goldgulden (mit einem Rohgewicht von 3,53 g) unter dem Münzmeister Johannes Salenbem, den der Münzherr und spätere Lübecker Bürgermeister Tidemann von Güstrow aus Flandern angeworben hatte, geprägt. Lübeck prägte bis 1675 Gulden in drei verschiedenen Typen.

Rheinland (Rheinischer Münzverein)

Der Rheinische Goldgulden (florenus Rheni) entstand, nachdem die Kurfürsten von Köln, Trier und Mainz ihre Unterstützung bei der Wahl Karls IV. sich mit einem Goldmünzprivileg (das Recht leitete sich aus der Goldenen Bulle Karls IV. ab) belohnen ließen. Trier erhielt das Privileg am 25. November 1346, Köln am 26. November 1346 und Mainz am 22. Januar 1354.

Der Rheinische Goldgulden war bis in die Neuzeit von zentraler Bedeutung für das deutsche Geldwesen. Er entwickelte sich zur verbreitetsten Fernhandelsmünze in Böhmen, Ungarn, Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Nicht nur Gold-, sondern auch Silbermünzen wurden in ihrem Wert nach rheinischen Gulden bewertet und damit ihr Kurs (Zahlwert) festgesetzt.

Österreichische Erblande

In österreichischen Urkunden beginnen sich ab etwa 1330 Geschäftsabschlüsse mit Florentiner und Ungarischen Goldgulden zu mehren.

Die ersten Goldgulden in den damaligen habsburgischen Erblanden wurden von Herzog Albrecht II. (1330–1358) um 1350 im steirischen Judenburg geprägt, das sich im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu einem bedeutenden innerösterreichischen Wirtschaftszentrum entwickelte und vor allem für den venezianischen Handel bedeutsam war. Das Gold für die Judenburger Guldenprägung kam aus den Hohen Tauern, wo die Salzburger Erzbischöfe die Bergrechte besaßen, diese jedoch meist an private Gesellschaften verpachtet hatten.

Unter Albrechts Nachfolger, Herzog Rudolf IV. (1358–1365), sank die Zahl der geprägten Gulden deutlich. Rudolf führte den Florentiner Typus vorerst unverändert weiter, stellte dann jedoch bei seiner zweiten Emission die Anfangsbuchstaben seines Namens neben die Figur des Täufers; ein typologisches Detail, das wohl aus der parallel laufenden Pfennigprägung in Wien und Graz übernommen wurde. Unter Albrecht III. (1365–1395) erfolgte schließlich die Umstellung der österreichischen Gulden mit einer Darstellung der Wappen Österreichs (gemeint: das heutige Nieder- und Oberösterreich) und der Steiermark auf dem Avers.

Die Guldenprägung Albrechts III. erreichte nur einen sehr bescheidenen Umfang und musste, vermutlich wegen mangelnder Rentabilität der Goldbergwerke, eingestellt werden. Seine Gulden mussten mit den auf Grund rentablerer Goldvorkommen hochwertigen ungarischen Goldgulden konkurrieren.

Grafschaft Görz

Die Prägung von Goldgulden der Görzer Grafen in Lienz (im heutigen Osttirol) begann vermutlich um 1350 unter den Grafen Heinrich III. von Görz (1338–1363) und Meinhard VII. von Görz (1338–1385). Der älteste Görzer Guldentypus ist ein Florentiner Typus und führt neben der Lilie nur die allgemeine Umschrift COMES GORICIE. Das Rosenwappen der Münzstätte Lienz ist in die Averslegende integriert. Ab 1363/64 erfolgte auch in Lienz die Umstellung auf den Wappentyp.

Erzbistum Salzburg

Der Salzburger Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim (1365–1396) ließ Goldgulden in seiner Salzburger Münzstätte prägen, nachdem er unmittelbar nach Amtsantritt 1366 von Kaiser Karl IV. das Recht erwirkt hatte, Goldgulden mit eigenem Zeichen zu schlagen. (Salzburg war bis 1805 nicht Teil der habsburgischen Erblande, sondern bis 1803 selbstständiges geistliches Reichsfürstentum.)

Reichsmünzen vor 1559

Der Reichserbkämmerer König Sigismunds (1410–1437), Konrad von Weinsberg, begann 1418 eine umfangreiche Prägung von Goldgulden in den königlichen Münzstätten Frankfurt, Dortmund, Nördlingen und Basel. Das Revers zeigte einen Reichsapfel, deswegen wurden die Reichs-Goldgulden auch als Apfelgulden bezeichnet.

Tirol

Der Tiroler Landesherr Sigismund von Tirol (1427–1496), österreichischer Erzherzog, auch „der Münzreiche“ genannt, verlegte die Tiroler Münze von Meran im heutigen Südtirol nach Hall nahe der Landeshauptstadt Innsbruck und ließ dort ab 1478 eigene Goldgulden prägen, die so genannten Guldiner.

Reichswährungen ab 1559

Der Goldgulden wird in der Geschichtsschreibung mit dem Bevorstehen der Neuzeit in Verbindung gebracht, ebenso wie die Talerprägung, die Zahlkraft und Geldwert der Goldmünzen in den Bereich der Silbermünzen übertrug. Erste Silbergulden wurden als Äquivalente 1486 geprägt und kamen dem Bedürfnis nach einer international handelbaren Großsilbermünze entgegen.

Die Reichsmünzordnung von 1559 schuf neben dem Taler zu 72 Kreuzern auch den Reichsguldiner bzw. Gulden-Taler zu 60 Kreuzern bei einem Metallgewicht von 24,63 g, einem Feingehalt von 930/1000, und einem Silbergewicht von 22,9 g. Das reguläre Erscheinungsbild wurde der Reichsadler mit Reichsapfel auf der Vorder- und die Angabe 60 (für 60 Kreuzer) auf der in der Gestaltung freieren Rückseite. Zur Reichsmünze ließ sich der Gulden der Regelung zum Trotz nicht erheben: Die nördlichen Länder des Reichs beharrten auf dem im Wert höheren Taler. In der Folge zerfiel das Reichsgebiet monetär in Gulden- und Taler-Länder, was mit dem Reichsmünzedikt von 1566 fixiert wurde.

Der Taler wurde auf 90 Kreuzer gesetzt, so dass der Gulden 2/3 eines Talers entsprach. In Norddeutschland wurden in der Tat 2/3-Taler geprägt. Um 1700 besaß ein Gulden etwa die Kaufkraft, die heute 40–50 Euro entspräche. 1747 musste beispielsweise in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen für einen Gulden ein Meister zwei Tage, ein Geselle etwa 2½ und ein Tagelöhner drei Tage zu jeweils 13,5 Arbeitsstunden an den herrschaftlichen Bauten arbeiten.

Nach der monetären Katastrophe der „Kipper- und Wipperzeit“ genannten Münzverschlechterung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges festigte sich im Reich das folgende Schema, nach dem im frühen 18. Jahrhundert vier Reichsgulden einen Golddukaten machten, zwei Reichsgulden einem gemünzten oder Species-Taler entsprachen, 1½ Reichsgulden einem Reichstaler der reinen Recheneinheit und ein Reichsgulden schließlich drei Mark Lübisch entsprach:

  • Reichs-Ducat          Speciestaler         Reichstaler          Reichsgulden         Marck Lübisch          Kreuzer
  •                   1                         2                 2 2/3                           4                             8               240
  •                                              1                 1 1/3                           2                             4               120
  •                                                                      1                       1 ½                             3                 90
  •                                                                                                   1                             2                 60
  •                                                                                                                                  1                 30

Diese stabile Phase endete 1750 mit der Einführung des Konventionstalers, der sich insbesondere in Österreich und Süddeutschland aufgrund des Konventionsfußes durchsetzte und ursprünglich zwei Reichsgulden entsprach. Aufgrund des geringeren Feingehaltes der Kleinmünzen wurde der Gulden, den es als Münze damals nicht gab, in der Folge jedoch als Rechnungsgulden abgewertet. Ein Konventionsgulden entsprach demnach einem Rechnungsgulden und 12 Kreuzern. Seit 1760 wurde der Münzfuß auf 24 (statt 20) Gulden aus einer feinen Mark Silber festgelegt.

Deutscher Bund

Seit dem Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806 blieben Silbergulden in Süddeutschland und Österreich in Gebrauch, während in Norddeutschland weiterhin in Talern gerechnet wurde. Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins wurde im Münchener Münzvertrag von 1837 der Vereinstaler als Standard festgelegt. Die süddeutschen Staaten prägten nun sowohl Gulden als auch Taler. Dabei entsprachen 2 Vereinstaler dem Wert von dreieinhalb süddeutschen Gulden und 24 ½ Gulden entsprachen einem Silbergewicht von einer feinen Mark. Mit der Umstellung auf das metrische System wurde dann der Münzfuß 1857 auf 52 ½ Gulden aus einem Pfund Feinsilber angepasst. Doppelgulden, Gulden und Teilstücke wurden noch bis 1870 geprägt. Ab 1876 war der Gulden nicht mehr als Zahlungsmittel im Deutschen Reich zugelassen.

1857 wurde versucht, auch den Gulden des Kaisertums Österreich fest an den Vereinstaler zu binden. Inflation in Österreich und das Zerbrechen des Deutschen Bundes im Deutschen Krieg von 1866 beendeten diese Verbindung.

Gulden anderer Staaten

Großbritannien

In Großbritannien gab es zu zwei verschiedenen Zeiten Münzen mit dem Namen Florin:

Edward III. ließ im Jahre 1344 Goldflorins (die aber nach wenigen Monaten aus dem Verkehr gezogen werden mussten, da ihr Goldwert über dem Nennwert von 6 Schilling lag) und eine Silbermünze namens Florin im Wert von 2 Schilling prägen.

Von 1849 bis zur Dezimalisierung im Jahre 1982 trug eine Silbermünze im Wert von 2 Shilling die Bezeichnung Florin.

Schweiz                    

In der Schweiz war der Gulden im Mittelalter als Zahlungsmittel weit verbreitet. Einige Städte und Landesherren prägten eigene Gulden, die regional als Zahlungsmittel verbreitet waren, z. B. der Churer Gulden (romanisch Rensch) im heutigen Graubünden oder der Landgulden im 15. Jahrhundert. Zwischen 1803 und 1850 verwendeten die Kantone Graubünden, Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich, Uri und St. Gallen den Gulden als kantonale Währung. Die Unterteilung sowie der Wechselkurs schwankte dabei beträchtlich.

  • Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich: 1 Gulden – 40 Schilling
  • Graubünden: 1 Gulden – 60 Kreuzer – 70 Bluzger
  • Uri: 1 Gulden – 40 Schillinge – 240 Angster                            

1850 wurde in der Schweiz der Schweizer Franken als Einheitswährung eingeführt. Er wurde trotz heftigen Widerstands der Guldenanhänger der Ostschweiz nach dem Frankensystem gestaltet, das vor allem in der Westschweiz verbreitet war.

Polen

In Polen war die Münzbezeichnung Złoty, gleichbedeutend mit Gulden, seit der Renaissance bis 1831 gebräuchlich. Von der Wiedergründung 1918 bis 1926 war die Währungseinheit die Marka Polska (polnische Mark). Ab 1926 hieß die polnische Währung dann wieder Złoty.

Niederlande

In den Niederlanden wurden seit 1601 Gulden geprägt. Der Niederländische Gulden wurde als Rechnungseinheit 1999, als Bargeld 2002 durch den Euro abgelöst. Lediglich die niederländische Landeszentralbank (oder Dienstleister wie GFC) wechseln noch bis 2012 Gulden in Euro. In Form des Niederländischen Guldens verbreitete sich der Gulden bis nach Asien und Südamerika. Surinames Gulden wurde 2003 vom Suriname-Dollar abgelöst. Es überlebten der Antillen-Gulden auf den ehemaligen Niederländischen Antillen und der Aruba-Florin. Der Antillen-Gulden wird auf den BES-Inseln am 1. Januar 2011 durch den US-Dollar abgelöst und ist dann nur mehr auf Curaçao und Sint Maarten gültig. Am 1. Januar 2012 soll er durch den Karibischen Gulden ersetzt werden.

Kaisertum Österreich

Der Taler war bis zum 31. Oktober 1858 gesetzliches Zahlungsmittel im Kaisertum Österreich. Ab 1. November wurde die Österreichische Währung im Dezimalsystem eingeführt. Deren Gulden umfasste 100 Kreuzer.[2] Auslöser waren die Vereinbarungen im Wiener Münzvertrag von 1857, die zur Abschaffung des seit 1750 geprägten Konventionstalers führten. Der Maria-Theresien-Taler als sein bekanntester Vertreter behielt seinen guten Ruf lange darüber hinaus.

Der Gulden war von 1858 bis 1892 (im Umlauf bis 1900) in Österreich die Silberwährung. Es gab von 1870 bis 1892 8- und 4-Gulden-Stücke als Goldmünzen, 2- (ab 1859), 1- (ab 1857 bzw. schon früher) und ¼-Gulden-Stücke als Silbermünzen. Ab 1857 wurden im Unterschied zu den anderen deutschen Staaten aus 500 g Silber 45 Gulden geprägt (45-Gulden-Fuß).

Österreich-Ungarn

Die 1867 erfolgte Umgliederung des bisherigen Einheitsstaates in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn räumte Ungarn das Recht auf eine eigene Währung ein. Österreich und Ungarn vereinbarten jedoch, die gemeinsame Währung beizubehalten; sie wurde von 1878 an von der österreichisch-ungarischen Bank administriert. Für die Länder der ungarischen Krone wurden ab 1868 Guldenmünzen mit der Bezeichnung Forint geprägt. 1892 wurde auf die Kronenwährung umgestellt; der Gulden / Forint war aber parallel noch bis 1900 im Umlauf. Ein Gulden wurde in zwei Kronen umgerechnet.

Wert 2009

Ein Konventionstaler bzw. ein österreichischer Gulden (fl.) entsprach 2009 etwa folgendem aktuellen Geldwert:[3] [4]

  • fl. Conventions-Münze 1819–1850, fl. 1869: 6,24 €
  • fl. 1873, 1894: 5,93 €

Ungarn

1946 wurde der ungarisch Forint genannte Gulden, bis 1892 / 1900 Währung Ungarns, wieder als Landeswährung eingeführt.

Danzig

1923 bis 1939 war der Danziger Gulden die Währung der Freien Stadt Danzig. 1931 wurde sein Wert dem polnischen Złoty angeglichen.

Werte verschiedener Gulden

Während der Reichstaler als Währungseinheit von ¾ des gemünzten Reichstalers eine europäische Karriere machte, entwickelte sich der Gulden in Europas Währungssystemen uneinheitlich. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick für das frühe 18. Jahrhundert:

Bewertungen konkurrierender Gulden gegenüber dem Reichsgulden

  • 3 Reichsgulden = 5 Niederländische Gulden
  • 2 Reichsgulden = 1 Polnischer Gulden
  • 6 Reichsgulden = 43 Genfer Gulden

Erscheinungsbild

Die Umschrift bestimmt, welches die Vorderseite oder die Rückseite ist. Die Vorderseite ist zumeist dem Prägeherrn vorbehalten. Auf der Vorderseite des Floren war ursprünglich eine Lilie abgebildet, die Florentiner Lilie, das Stadtsymbol von Florenz, auf der Rückseite der heilige St. Johannes der Täufer. Als die Münze später in den Deutschen Landen eingeführt war, entwickelte sich der heilige St. Johannes zur Vorderseite. Es gibt keinen Zweifel, dass für den mittelalterlichen Menschen einem Heiligen ein weit höherer Rang zukommt als einer Lilie oder einem Wappen.

Um Prägungen verschiedener Territorien zu unterscheiden, entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Münzbildnisse. St. Johannes wurde in Mainz 1365 durch einen Bischof ersetzt, die Lilie durch ein Wappen. Darstellungen der Heiligen Petrus, Christus, St. Laurentius, St. Andreas, St. Martin, Madonna und sogar eines Ritters oder stehenden Pfalzgrafen kamen noch im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzu. Erst im 16. Jahrhundert wurden die Heiligen durch Herrscherbildnisse ersetzt.

Heiligenbildnisse auf Goldgulden:

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer ist der erste Heilige, der auf den Goldgulden abgebildet wurde.

  • CNA E1 – Um 1350
  • Felke 129 – 1366 bis 1368

Heiliger Johannes mit Kreuzzepter, die Linke zum Segen erhoben mit Wollmantel.

Apostel Petrus

  • Felke 349 – Petrus mit Kreuzstab und schwebendem Schlüssel
  • Muntoni 19 – Petrus in Boot, Netz auswerfend

St. Laurentius

Der Heilige Laurentius als Symbol für die Nürnberger Goldgulden.

  • Kellner 2 – St. Laurentius mit Feuerrost über rechter Schulter
  • Kellner 10 – Entwurf unter Mitwirkung von Albrecht Dürer

Der Entwurf zu dem heiligen St.Laurentius auf dem Goldgulden[5] entstand unter Mitwirkung Albrecht Dürers. Geprägt hat der verantwortliche Münzmeister Dietherr.

Literatur

  • John Stewart Davenport: German Silver Gulden 1559–1763. Frankfurt a. M.: Schulten, 1982. ISBN 3-921302-35-8.
  • Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert. Regenstauf: Battenberg Verlag, 2007. ISBN 3-86646-025-2.
  • Joachim Weschke: Die Reichsgoldprägung Deutschlands im Spätmittelalter bis 1450. Dissertation Humboldt-Universität Berlin, Liegnitz 1955.

Rheinland

  • Günter Felke: Die Goldprägungen der rheinischen Kurfürsten 1346–1478; Mainz, Trier, Köln, Pfalz. Köln: Münz-Zentrum, 1989. ISBN 3-9800233-7-0.

Trier

  • Karl Weisenstein: Das Kurtrierische Münz- und Geldwesen vom Beginn des 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts – Auch ein Beitrag zur Geschichte des Rheinischen Münzvereins. Koblenz: Numismatischer Verlag Gerd Forneck, 1995. ISBN 3-923708-08-4.

Kurmainz

  • Albert Schlegel: Die kurmainzische Münzstätte Höchst 1377 bis 1461/63. Frankfurt: Verlag Waldemar Kramer, 1991. ISBN 3-7829-0363-3.

Lübeck

  • Rolf Hammel-Kiesow unter Mitarbeit von Dieter Dummler und Michael North: Silber, Gold und Hansehandel – Lübecks Geldgeschichte und der große Münzschatz von 1533/37. Lübeck: Archiv der Hansestadt Lübeck, 2003. ISBN 3-7950-1254-6.

Nürnberg

  • Christoph Andreas ImHof: Sammlung eines Nürnbergischen Münz-Cabinets welches mit vieler Mühe so vollstaendig, als moeglich, in wenig Jahren zusammengetragen, und sodann auf das genaueste beschrieben. Nürnberg: Paul Jonathan Felßecker, 1780.
  • Herbert J. Erlanger: Die Reichsmünzstätte in Nürnberg, Nürnberger Forschungen 22. Nürnberg 1979
  • Hans-Jörg Kellner: Die Münzen der Reichsstadt Nürnberg. 2. Auflage. Stuttgart 1991. ISBN 3-9802706-0-2.

Wendischer Münzverein

  • Wilhelm Jesse: Der Wendische Münzverein. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann, 1927. Neudruck: Klinkhardt & Biermann, Braunschweig: 1967.

Schweiz

  • Joseph Albrecht: Mittheilungen zur Geschichte der Reichsmünzstätten zu Frankfurt am Mayn, Nördlingen und Basel, in dem zweiten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts, insbesondere während ihrer Verwaltung unter Conrad von Weinsberg, dem Reichs-Erbkämmerer. Heilbronn, 1835.
  • Albert Sattler: Geschichte und Goldgulden der Reichsmünzstätte zu Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, 2 & 9). Bulle 1882,
  • Albert Sattler: Die Guldenthaler von Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Jg. 4 (1885) Nr. 5/5. Fribourg: Henseler, 1885.
  • Christian Winterstein: Die Goldgulden von Basel. Basel: Schweizer Bankverein, 1977.
  • Martin Körner: Luzerner Staatsfinanzen 1415–1798: Strukturen, Wachstum, Konjunkturen, S. 44–99. Luzern; Stuttgart: Rex-Verlag, 1981. ISBN 3-7252-0398-9.
  • Edwin Tobler: Die schweizerische Münzreform von 1850. In: Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit: die numismatische Sammlung des Kantons Aargau; S. 100–107. Lenzburg: Historisches Museum Aargau, 1997. ISBN 3-9520146-0-5.

Allgemein

  • Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. Berlin: de Gruyter, 1930; 2. unveränd. Aufl. 1970; S. 245–247
  • Michel Amandry (Hrsg.): Dictionnaire de numismatique. Paris: Larousse, 2001; S. 228. ISBN 2-03-505076-6.

Einzelnachweise

  1. ↑ vergl. Genovino, ital. Wikipedia
  2. ↑ Archiv für Geschichte der Soziologie in Österreich: Große Chronik von Gramatneusiedl, Marienthal und Neu-Reisenberg 1850 bis 1859, abgefragt am 30. Oktober 2010
  3. ↑ Erste österreichische Spar-Casse (Hrsg.): Wien, am Graben 21. 150 Jahre Erste österreichische Spar-Casse, 150 Jahre österreichische Geschichte, Wien 1969
  4. ↑ Verbraucherpreisindex 1966
  5. ↑ (Literatur: Kellner, S. 10)

 

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Blauer Gulden

Blauer Gulden, Niederländisch "blauwe guldens", ist ein Sammelbegriff für unterwertige Goldmünzen aus den Niederlanden. Der 12-karätige Goldgulden unter Herzog Rainald von Geldern (1401-1423) erreichte nur zwei Drittel des Feingehalts des Rheinischen Goldguldens von 19-Karat. Die Verspottung ging danach auf die Postulatsgoldgulden, Hoornsgulden und Knappkuchen (Knappkoek) über, die nur noch die Hälfte des Feingehaltes des Rheinischen Goldguldens erreichten. Das Wort Blaue Gulden kommt vom niederländischen "blauwe guldens", im abwertenden Sinne von "iets blauw laten" etwas auf sich beruhen lassen, blauen Dunst vormachen oder blau machen.

 

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Schoss (Steuer) / Schossregister

Beim Schoss handelt es sich um die niederdeutsch und mitteldeutsche Bezeichnung für direkte Steuern; das mhd. schoz, mnd., mndl. schot geht auf das germanische Wort sceutan („schießen“) zurück. In den Wörtern „Vorschuss“, „Zuschuss“ oder „etwas dazuschießen“ hat es sich bis heute erhalten. Der Schoss wurde durch den Schösser eingetrieben.

In Städten wie Lübeck, Stendal, Quedlinburg oder Köln wurde ähnlich wie in anderen Städten die fixe Abgabe des Vorschoss (Kopfsteuer) von der proportionalen Vermögensteuer, dem Hauptschoss oder Schwörschoss, unterschieden. Notiert wurden diese Abgaben in den Schossregistern.

Schossregister sind städtische Steuerregister. Auf dem Lande wurden Erbregister geführt, die außer dem Schoß, auch Erb- und/oder Burggeschoß genannt, noch weitere Abgaben wie den Erbzins und die dem Grundherrn zustehenden Frondienste nennen. Diese Verzeichnisse sind eine sehr wichtige Quelle der Bevölkerungs- und Sozialgeschichte im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit.

 

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Schösser (Beruf)

Die Aufgabe des Schössers oder Amtsschössers war im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit das Eintreiben der Schosses (Steuer). Seine Aufgabe war es auch, das Schossregister zu führen.

Amtsschösser und Amtmann wurden in kleineren Ämtern oft in Personalunion geführt.

In Johann Sebastian Bachs Bauernkantate findet man zum Schösser:

  • Der Herr ist gut: Allein der Schösser,
  • Das ist ein Schwefelsmann,
  • Der wie ein Blitz ein neu Schock strafen kann,
  • Wenn man den Finger kaum ins kalte Wasser steckt.
  • Ach, Herr Schösser, geht nicht gar zu schlimm
  • Mit uns armen Bauersleuten üm!
  • Schont nur unsrer Haut;
  • Fresst ihr gleich das Kraut
  • Wie die Raupen bis zum kahlen Strunk,
  • Habt nur genung!

 

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Generalhufenschoß

Generalhufenschoß war eine durch König Friedrich Wilhelm I. in Ostpreußen eingeführte Abgabe.

Die Abgabe wurde anstelle der vielen ständischen Steuern eingeführt, wobei diese zu einer einzigen Grundsteuer zusammengefasst wurden. Dabei wurde der adlige Grundbesitz wesentlich stärker belastet, der mittlere und kleinere aber entlastet.

Durch Friedrich den Großen wurde der Generalhufenschoß auch in Westpreußen eingeführt.

 

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Köln

Köln (bis 1919 auch Cöln, unter den Römern erst oppidum ubiorum, dann CCAA, Colonia Claudia Ara Agrippinensium, im Mittelalter auf Latein meist Colonia Agrippina und Deutsch Coellen und im Kölner Dialekt Kölle genannt) ist nach Einwohnern die viertgrößte, flächenmäßig die drittgrößte Großstadt Deutschlands sowie die größte Stadt Nordrhein-Westfalens.[2] Die Stadt ist für ihre 2000-jährige Geschichte, ihr kulturelles und architektonisches Erbe sowie für ihre international bedeutenden Veranstaltungen bekannt.

Neben ihrer Eigenschaft als Sitz weltlicher und kirchlicher Macht trug zur Bedeutung Kölns auch die Lage am Rhein sowie am Schnittpunkt bedeutender West-Ost-Handelsstraßen bei. Die Stadt wurde so zu einem wichtigen Handelsstandort und ist heute der Verkehrsknotenpunkt mit dem höchsten Eisenbahnverkehrsaufkommen und mit dem größten Container- und Umschlagbahnhof Deutschlands, dem Umschlagbahnhof Köln Eifeltor. Die Rheinhäfen zählen zu den wichtigsten Binnenhäfen Europas.

Köln besitzt als Wirtschafts- und Kulturmetropole internationale Bedeutung und gilt als eines der führenden Zentren für den weltweiten Kunsthandel. Die Karnevalshochburg ist außerdem Sitz vieler Verbände und Medienunternehmen mit zahlreichen Fernsehsendern, Plattenfirmen und Verlagshäusern.

Die Stadt hat mit der Universität zu Köln, an der mehr als 44.000 Studenten eingeschrieben sind, eine der größten Universitäten und mit 16.500 Studenten an der Fachhochschule Köln die größte Fachhochschule Deutschlands und ist Sitz zahlreicher weiterer Hochschulen (siehe auch Hochschulen in Köln).

Geographie

Geographische Lage und Klima

Das Stadtgebiet erstreckt sich über 405,15 km² (linksrheinisch 230,25 km², rechtsrheinisch 174,87 km²). Damit ist Köln flächenmäßig die sechstgrößte Stadt und drittgrößte Großstadt Deutschlands.

Köln liegt 50° 56′ 33″ nördlicher Breite und 6° 57′ 32″ östlicher Länge. Der höchste Punkt liegt 118,04 Meter (der Monte Troodelöh im Königsforst), der niedrigste 37,5 Meter (im Worringer Bruch) über dem Meeresspiegel.

Köln befindet sich in der Kölner Bucht, wie die Tallandschaft zwischen den Stufen des Bergischen Landes und der Eifel unmittelbar nach Austritt des Rheins aus dem Rheinischen Schiefergebirge genannt wird. Diese günstige Lage verschafft Köln ein Klima, das sich durch mehrere Besonderheiten auszeichnet:

  • Durch die Eifelbarriere liegt die Stadt, insbesondere deren linksrheinischer Teil, im Schutz und Regenschatten von Westwinden, die außerdem einen Föhneffekt bewirken können.
  • Gleichzeitig wird eine Lufterwärmung durch geringen Luftaustausch mit dem Umland begünstigt. Die Innenstadt von Köln, in der zusätzlich innerstädtische Überwärmung auftritt, gilt als der wärmste Ort Deutschlands, noch vor Freiburg im Breisgau.
  • Damit verbunden ist aufgrund der Verdunstung des Rheinwassers bei geringem Luftaustausch regelmäßig eine hohe Luftfeuchtigkeit, die insbesondere im Sommer für belastendes, schwüles Wetter sorgt und für zahlreiche Gewitter verantwortlich ist.

Köln liegt im Großraum der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima mit milden Wintern (Januarmittel: 2,4 °C) und mäßig warmen Sommern (Julimittel: 18,3 °C). Die mittleren Jahresniederschläge betragen 798 Millimeter und liegen damit im Deutschlandmittel, aber wesentlich höher als im westlich angrenzenden Rhein-Erft-Kreis (Erftstadt-Bliesheim: 631) oder der Zülpicher Börde (Zülpich: 582), was bei Pendlern den Eindruck eines „Regenlochs“ erweckt.[3] Laut Eurostat[4] war Köln mit 263 Regentagen (Bezugsjahr 2004) die europäische Stadt mit den zweitmeisten Regentagen, 2001 dagegen lag Köln mit 206 im Mittelfeld von 40 deutschen Städten (Durchschnitt: 194 Regentage).[4][5] Nach derselben Statistik waren 2004 Mönchengladbach, Moers und Trier dagegen mit 107 Regentagen die regenärmsten Städte Deutschlands.

Geologie

Köln liegt am Südrand der Niederrheinischen Bucht zum größten Teil im Bereich der Niederterrassen, die vom Rhein aus terrassenartig leicht ansteigen. Der geologische Unterbau wird im Stadtgebiet aus bis zu 35 Meter mächtigen Ablagerungen des Eiszeitalters (Quartär) gebildet. Sie bestehen aus Kiesen und Sanden des Rhein-Maas-Systems. Ausläufer des Rheinischen Braunkohlereviers reichen bis Köln-Kalk: Um 1860 wurde das Bergwerk Gewerkschaft Neu-Deutz gegründet. Auf dem Gelände befindet sich heute die Brauerei der Gebrüder Sünner, die das in den Stollen eindringende Grundwasser verwenden konnte.[6] Im tieferen Untergrund folgen Schichten des Tertiärs und des Devons.

Die Bodenbeschaffenheit ist geprägt durch die fruchtbaren Böden der Schwemmland-Ebene am Rhein. In den westlichen Stadtteilen werden sie von Löss überdeckt, der zu ertragreichen, ackerbaulich genutzten Lehmböden (Parabraunerden) verwittert ist. Sie sind oft mit fruchtbaren Kolluvien vergesellschaftet, die in Senken aus abgeschwemmtem Bodenmaterial entstanden. In der östlich anschließenden Rheinebene, die durch verlandete Altarme gegliedert wird, lagerte der Rhein zum Ende der letzten Eiszeit sandige bis lehmige Sedimente ab. Daraus bildeten sich ertragreiche Parabraunerden und Braunerden, die ebenfalls ackerbaulich genutzt werden. In der Rheinaue entstanden durch periodische Überflutungen aus angeschwemmtem Bodenmaterial fruchtbare Braune Auenböden. Der äußerste Osten des Stadtgebietes zählt bereits zum Sockel des rheinischen Schiefergebirges. Hier sind geologisch ältere Terrassensande und Flugsande verbreitet, aus denen meist ärmere Braunerden, saure Podsol-Braunerden und bei dichtem Untergrund auch staunasse Pseudogleye hervorgingen. Diese eher minderwertigen Böden werden als Heiden beziehungsweise waldwirtschaftlich genutzt. An Bachläufen und in Rinnen bildeten sich dort ebenso wie in der Rheinaue Grundwasser beeinflusste Gleye. Die Verschiedenheiten in Mikroklima und Bodenbeschaffenheit sind durch die große Fläche der Stadt erklärbar.

Durch tektonische Bewegungen des Rheingraben-Bruchs[7] entstanden um Köln ausgeprägte Geländekanten, wie etwa die Ville bei Frechen. Unmittelbar westlich davon schließt sich Deutschlands aktivste Erdbebenzone an, deren Epizentrum im Kreis Düren liegt. Zur Erdbebenvorsorge wurde 2006 von der Abteilung Erdbebengeologie der Universität zu Köln ein Messnetz mit 19 „Strong-motion“-Stationen zwischen Aachen, Bensberg, Meckenheim und Viersen installiert.[8] Mehrmals im Monat ereignen sich in der Kölner Bucht Mikroerdbeben, die nicht wahrnehmbar sind, zum Beispiel am 3. März 2010 um 16:45 Uhr (Stärke 1,6 nach der Richterskala) in zehn Kilometer Tiefe bei Mützenich in der Eifel.[9]

Köln und der Rhein

Der Rhein, nach dem Austritt aus dem südlich von Köln gelegenen Schiefergebirge als Niederrhein bezeichnet, tritt bei Godorf in die Stadt ein und verlässt sie bei Worringen. Das Gefälle des Rheins beträgt etwa 0,2 Promille. Sein aktueller Pegel lässt sich an der Pegeluhr des Pegel Köln ablesen. Der Normalpegel beträgt 3,48 Meter.

Mehrfach war Köln von Hochwassern des Rhein betroffen. Das schlimmste aufgezeichnete Hochwasser ereignete sich im Februar 1784, als nach dem extrem langen und kalten Winter 1783/84 ein Temperatursprung einsetzte. Der Rhein war zu diesem Zeitpunkt fest zugefroren und die Schneeschmelze sowie das aufbrechende Eis sorgten für einen Rekordpegel von 13,55 Meter. Die Fluten, auf denen schwere Eisschollen trieben, verwüsteten weite Teile der Uferbebauung und alle Schiffe. Einzelne Gebäude, darunter auch Befestigungsbauten, stürzten aufgrund des Schollengangs ein. 65 Tote waren zu beklagen. Die rechtsrheinisch gelegene bergische Kreisstadt Mülheim am Rhein, heute ein Kölner Stadtteil, wurde vollständig zerstört.

Im 20. Jahrhundert erreichten die drei Jahrhunderthochwasser von 1926, 1993 und 1995 Pegelstände von bis zu 10,69 Meter. Seit 2005 wird ein Hochwasserschutzkonzept umgesetzt, das durch feste oder mobile Wände die Stadt bis zu einem Pegelstand von 11,90 Metern schützt. Mehrfach führte der Rhein aber auch Niedrigwasser. Am 20. September 2003 um 8 Uhr erreichte der Rhein am Pegel Köln die Marke von 0,80 Meter. Damit wurde der niedrigste aufgezeichnete Wert aus dem Jahr 1947 unterschritten. Jedoch bedeutet der Pegel 0,00 Meter, dass die 150 Meter breite Fahrrinne in der Mitte des Flusses noch 1 Meter Wassertiefe hat. Die Binnenschifffahrt musste starke Einschränkungen hinnehmen, wurde aber nicht wie auf der Elbe ganz eingestellt.

Welche Wassermengen sich je nach Pegelstand durch die Stadt bewegen, macht folgende Aufstellung deutlich: 0,80 m (niedrigster Wasserstand): 630 m³/s; 3,48 m (Normalwasserstand): 2.000 m³/s; 6,20 m (Hochwassermarke I): 4.700 m³/s; 8,30 m (Hochwassermarke II): 7.200 m³/s; 10,0 m (Hochwasserschutz in Altstadt, Rodenkirchen und Zündorf): 9,700 m³/s; 10,69 m (Hochwasser im Januar 1995): 11.500 m³/s.

Nachbargemeinden

Köln ist Zentrum eines Ballungsraums, der etwa zwei Millionen Einwohner umfasst. In dem geschlossenen Siedlungsraum grenzen folgende Städte im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, unmittelbar an das Stadtgebiet an.

Leverkusen (kreisfreie Stadt), Bergisch Gladbach und Rösrath (Rheinisch-Bergischer Kreis), Troisdorf und Niederkassel (Rhein-Sieg-Kreis), Wesseling, Brühl, Hürth, Frechen und Pulheim (alle Rhein-Erft-Kreis), Dormagen (Rhein-Kreis Neuss) und Monheim (Kreis Mettmann).

Die Stadt Wesseling war zum 1. Januar 1975 nach Köln eingemeindet worden, erhielt aber nach einem Gerichtsentscheid bereits am 1. Juli 1976 ihre Selbständigkeit zurück.

Stadtgliederung

Die Stadt Köln gliedert sich in 86 Stadtteile, die zu neun Stadtbezirken zusammengefasst sind. Die Stadt Köln nummeriert die Stadtbezirke von 1 - 9 und die Stadtteile von 101 - 105, 201 - 213, 301 - 309, 401 - 406, 501 - 507, 601 - 612, 701 - 716, 801 - 809 und von 901 - 909, wobei der Hunderter der Nummer des Stadtbezirks entspricht.

Innerhalb der Stadtteile unterscheiden die Kölner in der Regel noch zwischen verschiedenen „Veedeln“ (Kölsch für Stadtviertel), deren Bewohner häufig an dörfliche Gemeinschaften erinnernde soziale Bindungen und Kontakte pflegen. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hat für Köln 365 Stadtviertel definiert, die Grenzen und Benennungen der Viertel schwanken jedoch je nach Sichtweise der Einwohner teils erheblich.

Innenstadt (Stadtbezirk 1)

    Altstadt-Süd 101, Neustadt-Süd 102, Altstadt-Nord 103, Neustadt-Nord 104, Deutz 105

Rodenkirchen (Stadtbezirk 2)

    Bayenthal 201, Marienburg 202, Raderberg 203, Raderthal 204, Zollstock 205, Rondorf 206, Hahnwald 207, Rodenkirchen 208, Weiß 209, Sürth 210, Godorf 211, Immendorf 212, Meschenich 213

Lindenthal (Stadtbezirk 3)

    Klettenberg 301, Sülz 302, Lindenthal 303, Braunsfeld 304, Müngersdorf 305, Junkersdorf 306, Weiden 307, Lövenich 308, Widdersdorf 309

Ehrenfeld (Stadtbezirk 4)

    Ehrenfeld 401, Neuehrenfeld 402, Bickendorf 403, Vogelsang 404, Bocklemünd/Mengenich 405, Ossendorf 406

Nippes (Stadtbezirk 5)

    Nippes 501, Mauenheim 502, Riehl 503, Niehl 504, Weidenpesch 505, Longerich 506, Bilderstöckchen 507

Chorweiler (Stadtbezirk 6)

    Merkenich 601, Fühlingen 602, Seeberg 603, Heimersdorf 604, Lindweiler 605, Pesch 606, Esch/Auweiler 607, Volkhoven/Weiler 608, Chorweiler 609, Blumenberg 610, Roggendorf/Thenhoven 611, Worringen 612

Porz (Stadtbezirk 7)

    Poll 701, Westhoven 702, Ensen 703, Gremberghoven 704, Eil 705, Porz 706, Urbach 707, Elsdorf 708, Grengel 709, Wahnheide 710, Wahn 711, Lind 712, Libur 713, Zündorf 714, Langel 715, Finkenberg 716,

Kalk (Stadtbezirk 8)

    Humboldt/Gremberg 801, Kalk 802, Vingst 803, Höhenberg 804, Ostheim 805, Merheim 806, Brück 807, Rath/Heumar 808, Neubrück 809

Mülheim (Stadtbezirk 9)

    Mülheim 901, Buchforst 902, Buchheim 903, Holweide 904, Dellbrück 905, Höhenhaus 906, Dünnwald 907, Stammheim 908, Flittard 909

63,4 Prozent aller Einwohner der Stadt Köln wohnen linksrheinisch (Stand: 2006).[10]

Flora und Fauna

Köln verfügt über ausgedehnte Grünflächen, die im städtischen Bereich als Parks gestaltet, in den Außenbezirken zumeist bewirtschaftete Forste sind. Daneben existieren in Köln 22 Naturschutzgebiete, beispielsweise der Worringer Bruch im äußersten linksrheinischen Norden Kölns, ein ehemaliger, heute verlandeter Seitenarm des Rheins. Er bietet eine Heimat für seltene Tier- und Pflanzenarten und eine charakteristische Auen- und Waldlandschaft. Rechtsrheinisch finden sich hauptsächlich offene Wald- und Heidelandschaften wie beispielsweise die Wahner Heide, das Naturschutzgebiet Königsforst und der Dünnwalder Wald.

Die Fauna weist eine sehr hohe Zahl an Kulturfolgern auf. Neben Tauben, Mäusen und Ratten, die allgegenwärtig sind und lokal bereits als Plage wahrgenommen werden, sind auch Rotfüchse in bedeutender Zahl in das Stadtgebiet eingewandert. Sie sind mittlerweile selbst in der Innenstadt zu finden, wo sie Kleingärten und Parks als Revier nutzen.

In den Kölner Grünanlagen haben sich, begünstigt durch das milde Klima, diverse nicht einheimische Tiere angesiedelt. Größere Populationen von Halsbandsittichen und dem Großen Alexandersittich leben, unter anderem, auf dem Melaten-Friedhof und dem Gelände der Riehler Heimstätten. Ursprünglich aus asiatischen Bergregionen (Indien, Afghanistan) für die Zoo- und Wohnungshaltung nach Deutschland eingeführt, haben sich diese Papageien/Sittiche als Neozoen etabliert. Die Angaben über die Größe der Populationen reichen von einigen 100 Exemplaren bis zu über 1000 Individuen. Die Volkshochschule und einige ornithologische Vereine bieten gelegentlich Führungen zu Bäumen mit Papageienkolonien an. Die Existenz der „Einwanderer“ ist indes nicht unumstritten, da diese als Konkurrenz der „einheimischen“ Tierwelt bezüglich des Nahrungsangebotes und der Nistmöglichkeiten angesehen werden.

Geschichte

Der Name Köln, zur Römerzeit Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), geht auf die römische Kaiserin Agrippina zurück. Die Gattin von Claudius war am Rhein geboren und ließ das Oppidum Ubiorum (Ubiersiedlung) im Jahre 50 n. Chr. zur Stadt erheben.[11] In der Römerzeit war es Statthaltersitz der Provinz Germania Inferior. Um 80 n. Chr. erhielt Köln mit der Eifelwasserleitung einen der längsten römischen Aquädukte überhaupt. Aus dem lateinischen Colonia, das in den meisten romanischen und einer größeren Zahl anderer Sprachen weiterhin als Name für Köln fungiert (beispielsweise italienisch und spanisch Colonia, portugiesisch Colônia, katalanisch Colònia, polnisch Kolonia, türkisch Kolonya, arabisch كولونيا beziehungsweise Kulunia; niederländisch Keulen) entwickelte sich über Coellen, Cöllen, Cölln und Cöln der heutige Name Köln (siehe Abschnitt französische und preußische Herrschaft).

Frühmittelalter

Auch im Frühmittelalter war Köln eine bedeutende Stadt. Um das Jahr 455 eroberten die Franken die zuvor römische Stadt. Bis Anfang des 6. Jahrhunderts war Köln Hauptort eines selbständigen fränkischen Teilkönigreiches, ging anschließend im Reich Chlodwigs I. auf, bewahrte sich aber starke Eigenständigkeit im Gebiet der Ripuarier. Die romanische Bevölkerung lebte lange Zeit parallel zu den fränkischen Eroberern in der Stadt. Im Laufe des 6. bis 8. Jahrhunderts kam es zu einer vollständigen Akkulturation zwischen den beiden Bevölkerungsteilen. Die wechselseitige Beeinflussung der fränkischen und lateinischen Dialekte ist anhand von Quellen nachweisbar. Die Franken übernahmen rasch kulturelle Errungenschaften der römischen Stadtbevölkerung, zum Beispiel im Bereich der Bautechnik oder der Glasherstellung. Gegen Ende der Merowingerzeit war Köln Residenzstadt. Spätestens ab karolingischer Zeit war der Bischof beziehungsweise Erzbischof von Köln eine der bedeutendsten Personen im Reich.

Unter den Ottonen spielte Köln eine wichtige Rolle bei der Annäherung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation an das Byzantinische Reich, seit die Kaiserin Theophanu, gebürtige Griechin und Gattin Ottos II., dort als Reichsverweserin residierte. Ab dem 10. Jahrhundert setzte eine Serie von Stiftsgründungen ein, die den romanischen Kirchenbau einläuteten. In der Folge errang Köln unter der Führung bedeutender, auch politisch versierter Erzbischöfe einen unangefochtenen Rang als geistliches Zentrum. Der Erzbischof von Köln war auch Kurfürst des Mitte des 10. Jahrhunderts gegründeten Erzstiftes und Kurfürstentums Köln. Die Überführung der Gebeine der Heiligen drei Könige (siehe Dreikönigenschrein) von Mailand nach Köln durch den Erzbischof Rainald von Dassel im Jahr 1164 machte die Stadt zu einem wichtigen Ziel für Pilger.

Größte Stadt im mittelalterlichen Deutschland

Köln wurde im Hochmittelalter größte Stadt Deutschlands, so dass die Stadtbefestigungen mehrfach erweitert werden mussten: Ab dem Jahre 1180 (Urkunden vom 27. Juli und 18. August 1180) wurde die damals weiträumigste Stadtmauer Deutschlands mit 12 Toren und 52 Mauertürmen in der Ringmauer und mehr als 16 Toren und Pforten in der Rheinmauer gebaut und etwa 1225 fertig gestellt. Sie war gewaltiger als die fast zur gleichen Zeit errichtete Mauer König Philipps II. Augustus in Paris. Die zwölf Tore (sieben gewaltige Doppelturmtorburgen, davon erhalten Eigelsteintor und Hahnentor, drei riesige Turmtorburgen, davon erhalten das Severinstor, und zwei kleinere Doppelturmpforten, siehe Ulrepforte) – in die halbkreisförmige Stadtmauer integriert – sollten an das himmlische Jerusalem erinnern.

Seit dem 12. Jahrhundert führte Köln neben Jerusalem, Konstantinopel und Rom die Bezeichnung Sancta im Stadtnamen: Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia – Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter. Der Name Dat hillige Coellen oder die hillige Stat van Coellen war ein Begriff dieser Zeit. Es wurde beschlossen, ein unerreicht großes und beeindruckendes Gotteshaus zu errichten, um den Reliquien einen angemessenen Rahmen zu geben. Die Grundsteinlegung des Kölner Domes erfolgte 1248.

Spätmittelalterliches Köln

Am 7. Mai 1259 erhielt Köln das Stapelrecht, das den Kölner Bürgern ein Vorkaufsrecht aller auf dem Rhein transportierten Waren sicherte und so zum Wohlstand der Kölner Bürgerschaft beitrug. Die jahrelangen Kämpfe der Kölner Erzbischöfe mit den Patriziern endeten 1288 vorläufig durch die Schlacht von Worringen, bei der das Heer des Erzbischofs gegen das des Grafen Adolf V. von Berg und der Kölner Bürger unterlag. Fortan gehörte die Stadt nicht mehr zum Erzstift, und der Erzbischof durfte sie nur noch zu religiösen Handlungen betreten. Die offizielle Erhebung zur Freien Reichsstadt dauerte allerdings noch bis 1475. Die Auseinandersetzungen zwischen dem patrizischen Rat und den nicht im Rat vertretenen Zünften führte am 20. November 1371 zum blutigen Kölner Weberaufstand.

1396 wurde durch eine unblutige Revolution die Patrizierherrschaft in Köln endgültig beendet. An ihre Stelle trat eine ständische Verfassung, die sich auf die Organisation der Gaffeln stützt. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung innerhalb des kölnischen Patriziats, bei dem die Partei der Greifen mit ihrem Führer Hilger Quattermart von der Partei der Freunde des Konstantin von Lyskirchen entmachtet wurde. Hilger Quattermarts Verwandter Heinrich von Stave wurde am 11. Januar 1396 auf dem Neumarkt hingerichtet, viele der Greifen wurden zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt.

Am 18. Juni 1396 versuchte Konstantin von Lyskirchen, alte patrizische Rechte wiederherzustellen. Die dagegen protestierenden Handwerker- und Kaufleutezünfte wurden von ihm „vom hohen Ross herab“ nach Hause geschickt. Daraufhin nahmen die Zünfte die Freunde in ihrem Versammlungsraum gefangen. Die Greifen wurden befreit. Am 24. Juni 1396 trat ein 48-köpfiger, provisorischer Rat aus Kaufleuten, Grundbesitzern und Handwerkern zusammen.

Der Stadtschreiber Gerlach von Hauwe formulierte daraufhin den so genannten Verbundbrief, der am 14. September 1396 von den 22 so genannten Gaffeln unterzeichnet und in Kraft gesetzt wurde. Die Gaffeln sind heterogen zusammengesetzt, in ihnen sind die entmachteten Patrizier, Ämter, Zünfte und Einzelpersonen zusammengefasst, nicht aber die zahlenmäßig sehr starke Geistlichkeit; jeder kölnische Bürger musste einer der Gaffeln beitreten. Der Verbundbrief konstituierte einen 49-köpfigen Rat, mit 36 Ratsherren aus den Gaffeln und 13 Gebrechtsherren, die berufen wurden. Der Verbundbrief blieb bis zum Ende der Freien Reichsstadt 1794 in Kraft.

Frühe Neuzeit

Ab 1500 gehörte Köln zum neu geschaffenen Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis, ab 1512 zum neu geschaffenen Kurrheinischen Reichskreis. 1582 sagte der Kölner Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg sich von der katholischen Kirche los und heiratete die protestantische Stiftsdame Agnes von Mansfeld. Er wurde daraufhin von Papst Gregor XIII. exkommuniziert und der verlässliche katholische Ernst von Bayern wurde zu seinem Nachfolger bestimmt – unter anderen, weil ein protestantischer Kölner Erzbischof die katholische Mehrheit im Kurfürstenkollegium gekippt hätte. Es kam zum Truchsessischen Krieg (auch Kölner Krieg), der von 1583 bis 1588 dauerte und in dessen Verlauf Deutz, Bonn und Neuss verwüstet wurden. Der Krieg gab in seiner Zerstörungskraft einen Vorgeschmack auf die kommenden konfessionellen Auseinandersetzungen in Deutschland.

Der Dreißigjährige Krieg ließ die Stadt aber unversehrt. Dies lag zum Teil daran, dass sich die Stadt durch Geldzahlungen an heranziehende Truppen von Belagerungen und Eroberungen freikaufte. Köln verdiente an dem Krieg durch Waffenproduktion und -handel prächtig.

Französische und preußische Herrschaft

Mit dem Einzug der französischen Truppen am 6. Oktober 1794 während der Koalitionskriege endete die Geschichte der freien Reichsstadt. Die Stadt, die versucht hatte, neutral zu bleiben, wurde kampflos an den Befehlshaber des linken Flügels der Rheinarmee, Jean-Étienne Championnet übergeben.[12] Wie das gesamte linksrheinische Gebiet wurde die Stadt Bestandteil der französischen Republik und 1798 in das Département de la Roer eingegliedert, dessen Hauptstadt nicht Köln sondern Aachen wurde. Köln wurde nur Sitz eines Unterpräfekten des Arrondissement de Cologne. Viele Kölner Bürger begrüßten die französischen Revolutionstruppen als Befreier, am Neumarkt wurde ein Freiheitsbaum errichtet. Die bis dahin benachteiligten Juden und protestantischen Christen wurden gleichgestellt. Trotz der oft drückenden Kontributionen blieben die Bürger loyal zum Kaiserreich Napoleons. Bei seinem Besuch der Stadt als eine der „bonnes villes“ Deutschlands am 13. September 1804 wurde er begeistert empfangen. Nach den Befreiungskriegen wurde die Stadt Köln und das Rheinland in Folge des Wiener Kongresses 1815 Teil des Königreichs Preußen.

Mit der Angliederung an Preußen gewann nationalistisches Denken zunehmend an Bedeutung. Die liberalen Französischen Gesetze wie der Code civil blieben jedoch in Kraft. Der Name der Stadt wurde aber sofort „germanisiert“. Der preußische Innenminister bestimmte aber 1900 durch einen Erlass, hinter dem der König und Deutsche Kaiser Wilhelm II. stand, dass die Stadt fortan nur mit C geschrieben werden durfte. Die liberalen Zeitungen, wie die Kölnische Zeitung, hielten sich allerdings nicht daran. Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 verkündete das Städtische Nachrichtenamt unter dem Oberbürgermeister Konrad Adenauer am 1. Februar 1919: „Der Städtenamen Köln wird von jetzt an im Bereich der städtischen Verwaltung wieder mit K geschrieben“.[13]

Köln wurde nicht zuletzt wegen des Engagements der Kölner Bankhäuser im Laufe der folgenden Jahrzehnte nach Berlin zur wichtigsten Stadt in Preußen. Im Jahre 1880 wurde nach 632 Jahren auf Betreiben des Königs von Preußen und deutschen Kaisers der Bau des Kölner Doms abgeschlossen – zumindest vorübergehend, denn auch heute noch sind Reparaturarbeiten wegen der Schäden in Folge des Zweiten Weltkrieg und Umwelteinflüssen erforderlich. Weil diese Arbeiten vermutlich nie abgeschlossen sein werden, wird der Dom auch als die „ewige Baustelle“ bezeichnet, was Heinrich Heine schon 1844 persiflierte: „Er ward nicht vollendet – und das ist gut. – Denn eben die Nichtvollendung – Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft – Und protestantischer Sendung.“

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt durch Kauf und Schleifung der Stadtmauer, Wälle und Bastionen in den Festungsrayon erweitert. Begrenzt wurde die Stadt durch den Festungsring Köln. Die Besiedlung der Neustadt (Köln-Neustadt-Nord, Köln-Neustadt-Süd) stellte den Kontakt zu den schnell wachsenden Umlandgemeinden her und schuf die Voraussetzung für deren Eingemeindungen. Vom Abriss der alten Stadtmauer blieben nur wenige exemplarische Bauwerke aufgrund einer Intervention des preußischen Kulturministeriums verschont.

20. Jahrhundert

Am 28. September 1917 wurde Konrad Adenauer erstmals zum Kölner Oberbürgermeister gewählt. In seine Amtszeit fallen unter anderem am 5. Oktober 1925 die Anerkennung der größten Musikhochschule Deutschlands oder am 18. Oktober 1929 die Ansiedlung der Ford-Werke als größtem Kölner Arbeitgeber. Adenauer musste nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Köln am 13. März 1933 verlassen.

Köln in der Zeit des Nationalsozialismus

Im Zweiten Weltkrieg fielen am 18. Juni 1940 auf Köln die ersten Bomben, ab 1942 wurde das Bombardement durch die britische Luftwaffe intensiviert. Am 29. Juni 1943 wurde die Stadt durch britische (nachts) und amerikanische (tagsüber) Flächenbombardements zu über 90 Prozent zerstört; dabei wurde der Kölner Dom schwer beschädigt. Die Bombardements dauerten bis zum 2. März 1945 (siehe auch Operation Millennium). Die Einwohnerzahl sank von ehemals 800.000 bis zum Kriegsende auf rund 104.000 Einwohner (42.000 linksrheinisch am 4. April 1945, 62.000 rechtsrheinisch am 5. Mai 1945; 490.000 bei der ersten Volkszählung nach dem Krieg am 29. Oktober 1946), die nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen am 4. März 1945 registriert wurden.[14] Von Januar bis März 1945 wurden in Köln 1800 in- und ausländische Widerstandskämpfer im Zuge der Endphaseverbrechen von den Nationalsozialisten ermordet.

Köln nach dem Krieg

Erst 1959 erlangte Köln wieder die Einwohnerzahl der Vorkriegszeit.

Im Jahr 1975 überschritt Köln durch eine Gebietsreform, das Köln-Gesetz, für einige Zeit die Einwohnerzahl von einer Million und war neben Berlin, Hamburg und München die vierte Millionenstadt Deutschlands. Seit der Ausgliederung Wesselings 1976 liegt die Einwohnerzahl jedoch wieder unter der Millionengrenze.

Bis auf Deutz gehörten die rechtsrheinischen Stadtbezirke Kölns bis 1802 zum Herzogtum Berg; sie waren daher überwiegend reformierter Konfession. Die heutige Altstadt bildete die freie Reichsstadt Köln, die übrigen Stadtbezirke waren Teil des Kurfürstlichen Erzstifts Köln. Beide blieben katholisch.

Religionen

Historisch ist Köln wie das gesamte Rheinland, abgesehen vom Bergischen Land, katholisch geprägt; so sind circa 41,6 Prozent der Einwohner katholisch, 17,5 Prozent evangelisch, 10 Prozent muslimisch, die restlichen knapp 30 Prozent Anhänger anderer oder ohne Religion.

Christentum

Spätestens seit dem Jahr 313 ist Köln Bischofssitz (Erzbistum Köln). Die Bischofskirche dieser Zeit ist nicht bekannt. Der Kölner Dom gilt erst seit der Gotik als das prägende Wahrzeichen der Stadt. Die romanische Kirche des Benediktinerklosters Groß St. Martin und der Rathausturm bestimmten bis zur Fertigstellung des Domes im deutschen Kaiserreich die Silhouette der Stadt maßgeblich mit.

Köln hatte nach der Überführung der mutmaßlichen Gebeine der Heiligen Drei Könige (der Weisen aus dem Morgenland) am 23. Juli 1164 schnell den Rang als einer der wichtigsten Wallfahrtsorte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation inne. Die erste Reise der frisch gekrönten Kaiser und Könige führte von Aachen an den Schrein der Heiligen Drei Könige. Die Pilgermassen brachten viel Geld mit in die Stadt, was zu einer verstärkten Ansiedlung und einem sprunghaften Anstieg der Stadtbevölkerung führte.

Der Erzbischof Philipp I. von Heinsberg ließ einen kostbaren vergoldeten Schrein für die Gebeine anfertigen. Seine Nachfolger ließen ab 1248 einen neuen Dom bauen, dessen Errichtung aufgrund von Streitigkeiten mit dem Stadtrat und der darauf folgenden Vertreibung des Fürstbischofs aus Köln immer langsamer voran ging und schließlich völlig zum Erliegen kam (siehe auch Kölner Dom).

In Köln entwickelte sich im Mittelalter zu einem Zentrum des Reliquienhandels, da die mittelalterlichen Menschen hofften, durch den Besitz eines heiligen Gegenstandes oder Knochen einer oder eines Heiligen der Erlösung näher zu kommen. Diese Bedeutung der Stadt brachte ihr den Namen „heiliges Köln“ ein.

Die Bedeutung der Religion zeigt sich auch im Stadtwappen, auf dem die drei Kronen der Heiligen Drei Könige und die elf Flammen der heiligen Ursula von Köln und ihrer Gefährtinnen, die in Köln den Märtyrertod erlitten haben sollen, dargestellt sind.

Einer der zahlreichen Höhepunkte des „heiligen Kölns“ in der jahrtausendelangen christlichen beziehungsweise katholischen Geschichte Kölns war der 20. Weltjugendtag vom 15. August bis 21. August 2005. Rund 26.000 Freiwillige aus 160 Staaten begrüßten Gäste aus 196 Staaten in den Städten Köln, Bonn und Düsseldorf. Zu diesem Großereignis der „jungen katholischen Kirche“ waren bis zur Abschlussmesse auf dem Marienfeld, einem stillgelegten Tagebau nahe dem Vorort Frechen, über 1.000.000 Menschen im Kölner Großraum. Papst Benedikt XVI. unternahm zu diesem Anlass seine erste Pontifikalreise nach seiner Amtseinführung und besuchte die Stadt vom 18. August bis 21. August. Bei dieser Gelegenheit bestätigte er den Titel „heiliges Köln“.

Köln war vom 6. bis 10. Juni 2007 zum zweiten Mal nach 1965 Gastgeberin für den 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag mit etwa 160.000 Teilnehmern. Der Evangelische Kirchenkreis Köln und Region umfasst 299.000 Protestanten gegenüber 420.000 Katholiken allein im Stadtkreis.

Wallfahrtsorte

Für die Stadt Köln haben neben den Heiligen drei Königen und der Heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen auch der heilige Albertus Magnus in St. Andreas und die heilige Edith Stein (Theresia Benedicta a Cruce) eine von den Nationalsozialisten ermordete Philosophin und Ordensfrau, eine Bedeutung für die Wallfahrt. Dazu kommen noch:

  • der selige Adolph Kolping, „Gesellenvater“, in der Minoritenkirche
  • der selige Johannes Duns Scotus, ein wichtiger Philosoph, ebenfalls in der Minoritenkirche
  • die Schwarze Mutter Gottes in der Kirche St. Maria in der Kupfergasse
  • die Märtyrerbrüder Ewaldi in der Basilika St. Kunibert.

Judentum

Die jüdische Gemeinde in Köln ist die älteste nördlich der Alpen.[15] Sie bestand schon 321 zur Zeit von Kaiser Konstantin. Demnach muss es auch eine ältere Kölner Synagoge gegeben haben.

1183 wies der Erzbischof den Juden ein eigenes Gebiet zu, in dem sie einigermaßen in Frieden leben konnten. Dieses Viertel in der Altstadt, das mit eigenen Toren geschlossen werden konnte, war umrissen von der Portalgasse, der Judengasse, Unter Goldschmied und Obenmarspforten. Es war ausschließlich den Juden vorbehalten. Hiermit war das erste Ghetto in Köln geschaffen. Die Mikwe aus dieser Zeit ist unter einer Glaspyramide auf dem Rathausvorplatz in der Altstadt zu besichtigen.

In der Bartholomäusnacht 1349 kam es zu einem Pogrom,[16] der als „Judenschlacht“ in die Stadtgeschichte einging. Ein aufgebrachter Mob drang in das Judenviertel ein und ermordete die meisten Bewohner. In dieser Nacht vergrub eine Familie hier ihr Hab und Gut. Der Münzschatz wurde bei Ausgrabungen 1954 entdeckt und ist im Stadtmuseum ausgestellt. 1424 wurden die Juden „auf alle Ewigkeit“ aus der Stadt verbannt.[16] Zwischen 1424 und dem Ende des 18. Jahrhunderts durfte sich ohne Erlaubnis des Kölner Rats kein Jude in der Stadt aufhalten. Nach dem Einzug der französischen Revolutionsarmee wurden die jüdischen Bürger, wie auch die protestantischen, den katholischen Bürgern gleichgestellt. Erst 1801 entstand unter französischer Verwaltung eine neue jüdische Gemeinde.[17]

Bis 1933 lebten wieder rund 18.000 Juden in Köln. Sie hatten sich unter preußischer Herrschaft wieder ansiedeln dürfen. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die Synagogen in der Glockengasse, in der Roonstraße, auf der Mülheimer Freiheit und in der Körnerstraße sowie ein Betsaal in Deutz in Brand gesteckt. Die bis 1941 in Köln verbliebenen Juden wurden in Sammellagern des Fort IX (eine der ehemaligen preußischen Festungsanlagen im Festungsring Köln im Kölner Grüngürtel) und auf dem Kölner Messegelände eingesperrt und später deportiert. 8000 Kölner Juden wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet.

Die heutige Synagogengemeinde hat wieder über 4857 Mitglieder. Sie besitzt einen Friedhof, eine Grundschule, einen Kindergarten, eine Bibliothek, einen Sportverein (Makkabi), ein koscheres Restaurant, ein Jugendzentrum und ein Altersheim mit Seniorentreff. Die Gemeinde wird von zwei orthodoxen Rabbinern geleitet. Ihre 1959 wieder aufgebaute große Synagoge steht in der Roonstraße am Rathenauplatz. Seit 1996 gibt es außerdem die kleine jüdische liberale Gemeinde Gescher Lamassoret („Brücke zur Tradition“), die zur Union progressiver Juden in Deutschland gehört. Ihre Synagoge liegt im Souterrain der evangelischen Kreuzkapelle in Köln-Riehl.

Islam

Wegen des hohen Anteils von Einwanderern aus der Türkei und ihren Nachkommen sowie wegen der zentralen Lage in der alten Bundesrepublik richteten die wichtigsten islamischen Organisationen Deutschlands ihren Sitz in Köln und Umgebung (Kerpen) ein. Am Hauptsitz der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) soll im Kölner Stadtteil Ehrenfeld die DITIB-Zentralmoschee Köln mit 35 Meter hoher Kuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten samt frei zugänglichem Innenhof entstehen. Nach Protesten und Diskussionen wurde die Planung modifiziert (weniger Geschäfte, weniger Nebenräume), die äußerliche Gestaltung nach dem Plan des Kölner Architekten Paul Böhm bleibt aber erhalten. Der Gebetsraum soll 1.200 Gläubigen Platz bieten. Der Ruf des Muezzins soll lediglich im Inneren der Moschee zu hören sein. Der Bauantrag ist im August 2008 genehmigt worden, als Bauzeit sind vom Bauherrn zwei Jahre geplant.[18]

Einwohnerentwicklung

Köln war in den 1970er-Jahren infolge von Eingemeindungen aufgrund des Köln-Gesetzes kurzzeitig Millionenstadt: im Zuge der letzten Eingemeindungen zum 1. Januar 1975 wurde die Bevölkerungszahl von einer Million erreicht. Nachdem die Stadt Wesseling jedoch zum 1. Juli 1976 durch eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen wieder ausgegliedert werden musste, sank die Einwohnerzahl erneut unter die Millionengrenze. Am 30. Juni 2009 betrug die Einwohnerzahl Kölns nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik 993.509.[19] Bis zum Jahr 2035 wird ein leichter Anstieg auf 1.030.000 Einwohner erwartet.

Politik

In römischer Zeit leitete der Admiral der Rheinflotte die städtische Verwaltung. Später wurde die römische Munizipalverfassung eingeführt. Da die Stadt Sitz eines Erzbistums war, erlangte der Erzbischof später die vollständige Machtausübung in Köln. Doch versuchte die Stadt, sich vom Erzbischof zu lösen, was ihr schließlich im 13. Jahrhundert gelang (ab 1288 de facto Freie Reichsstadt). Bereits ab 1180 ist ein Rat der Stadt nachweisbar. Ab 1396 waren die 22 Gaffeln das politische Rückgrat der Stadtverwaltung. Sie wählten den 36-köpfigen Rat, der wiederum 13 Personen hinzuwählen konnte. Die Zusammensetzung des Rates wechselte halbjährlich, indem die Hälfte der Mitglieder ersetzt wurde. Der Rat wählte jährlich zwei Bürgermeister. Nach der französischen Besatzung 1794 wurde 1798 die Munizipalverfassung eingeführt. Nach dem Übergang an Preußen 1815 wurde Köln 1816 eine kreisfreie Stadt und gleichzeitig Sitz eines Landkreises, der erst bei der Gebietsreform 1975 aufgelöst wurde. An der Spitze der Stadt stand seit 1815 ein Oberbürgermeister, ferner gab es weiterhin einen Rat. 1856 wurde die preußische Städteordnung der Rheinprovinz eingeführt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der britischen Besatzungszone einen neuen Oberbürgermeister ein und führte 1946 die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten „Rat der Stadt“, dessen Mitglieder man als „Stadtverordnete“ bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, der ehrenamtlich tätig war. Des Weiteren wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung.

Im Jahr 1999 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wird seither direkt vom Volk gewählt. Dem Oberbürgermeister stehen drei weitere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zur Seite, die von den stärksten Fraktionen des Rats gestellt werden.

Politische Traditionen und Entwicklungen

Die lange Tradition einer freien Reichsstadt, die lange ausschließlich katholisch geprägte Bevölkerung und der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Kirche und Bürgertum (und innerhalb dessen zwischen Patriziern und Handwerkern) hat in Köln ein eigenes politisches Klima erzeugt. Verschiedene Interessengruppen formieren sich häufig aufgrund gesellschaftlicher Sozialisation und daher über Parteigrenzen hinweg. Das daraus entstandene Beziehungsgeflecht, das Politik, Wirtschaft und Kultur untereinander in einem System gegenseitiger Gefälligkeiten, Verpflichtungen und Abhängigkeiten verbindet, wird auch Kölner Klüngel genannt. Dieser hat häufig zu einer ungewöhnlichen Proporzverteilung in der Stadtverwaltung geführt und artete bisweilen in Korruption aus: Der 1999 aufgedeckte „Müllskandal“ über Bestechungsgelder und unzulässige Parteispenden brachte nicht nur den Unternehmer Hellmut Trienekens in Haft, sondern ließ fast das gesamte Führungspersonal der regierenden SPD stürzen.

War die Stadt aufgrund ihrer katholischen Tradition in Kaiserreich und Weimarer Republik fest dem Zentrum verbunden, wechselte bald nach dem Krieg die politische Mehrheit von der CDU zur SPD. Diese regierte über 40 Jahre lang, teilweise mit absoluter Ratsmehrheit. Aufgrund liberaler Traditionen war Köln auch immer eine Hochburg der FDP, wegen ihres toleranten gesellschaftlichen Klimas auch der Grünen. Beide Parteien machen – mit wechselndem Erfolg – den Volksparteien zunehmend die Mehrheiten streitig.

Rat der Stadt Köln

Im Kölner Stadtrat sitzen 90 Ratsfrauen und Ratsherren. Der direkt gewählte Oberbürgermeister hat Stimmrecht und leitet die Sitzungen.

Anmerkung der u~m~d~h~T: Wir machen darauf aufmerksam, daß politische Passagen im Zuge unserer Statuten stark gekürzt, bzw. nicht übernommen wurden.

Der Oberbürgermeister

Seit 1999 repräsentieren in Nordrhein-Westfalen die OberbürgermeisterInnen ihre Städte und Gemeinden nicht mehr ausschließlich politisch, sondern leiten gleichzeitig die Kommunalverwaltungen.[21]

Anmerkung der u~m~d~h~T: Wir machen darauf aufmerksam, daß politische Passagen im Zuge unserer Statuten stark gekürzt, bzw. nicht übernommen wurden.

Stadt Köln (Stadtverwaltung)

Die Stadtverwaltung Köln besteht aus 7 Dezernaten, die jeweils von einem berufsmäßigen Stadtrat als kommunalem Wahlbeamten geleitet werden und dem Dezernat des Oberbürgermeisters. Bei der Kölner Stadtverwaltung sind rund 17.000 MitarbeiterInnen beschäftigt.

Bezirksvertretungen

Parallel zu den Wahlen des Stadtrats wird in jedem der neun Stadtbezirke nach den Vorgaben der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens je eine Bezirksvertretung gewählt. Diese vertreten die Interessen der Bezirke und der dazu gehörenden Stadtteile gegenüber dem Stadtrat. In Fragen geringerer Bedeutung, die nicht über die Bezirksgrenzen hinaus wirken, haben sie Entscheidungsbefugnis. Näheres regelt die Hauptsatzung der Stadt Köln.

Das Kölner Stadtwappen

Das Wappen der Stadt Köln zeigt den doppelköpfigen Reichsadler, der Schwert und Zepter hält. Er erinnert daran, dass die Stadt im Mittelalter seit 1475 offiziell als Freie Reichsstadt zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Der Adler hat zwei Köpfe, weil der Kaiser zugleich der römisch-deutsche König war.

Der Schild hat die Farben rot und weiß, die Farben der Hanse. Köln gehörte als bedeutende Handelsmetropole nicht nur diesem Bund der Kaufleute und Städte an, sondern war – zusammen mit Lübeck – Mitbegründerin der deutschen Hanse und damit eine der ältesten Hansestädte in Deutschland.

Die drei Kronen sind seit dem 12. Jahrhundert das Hoheitszeichen der Stadt; sie erinnern an die „Heiligen Drei Könige“, deren Reliquien 1164 der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel aus Mailand mitbrachte und die in einem goldenen Schrein hinter dem Hochaltar des Doms aufbewahrt werden.

An den sehr populären Kult der heiligen Ursula erinnern die elf schwarzen „Flammen“, die seit dem 16. Jahrhundert im Kölner Stadtwappen auftauchen. Ursula war der Legende nach eine bretonische Prinzessin, die auf der Rückfahrt von einer Pilgerreise nach Rom mitsamt ihren Gefährtinnen von den Hunnen ermordet wurde, die damals gerade Köln belagerten. Die elf oder 11.000 legendären Jungfrauen werden im Stadtwappen durch die elf tropfenförmigen Hermelinschwänze symbolisiert, die wiederum an das Wappen der Bretagne – der Heimat Ursulas – erinnern könnten, das aus Hermelinfell besteht.

Städtepartnerschaften

Köln gehört zu den sechs europäischen Städten, die 1958 erstmalig eine Ringpartnerschaft ins Leben riefen. Dieser unmittelbar nach Gründung der EWG erfolgte Akt sollte die europäische Verbundenheit unterstreichen, indem je eine Stadt aus jedem damaligen Mitgliedsland mit allen übrigen eine Städtepartnerschaft abschloss. 1993 wurde die Partnerschaft zwischen den beteiligten Städten Köln, Turin, Lüttich, Esch-sur-Alzette, Rotterdam und Lille nochmals bekräftigt. Liverpool (Vereinigtes Königreich), seit 1952

  • Esch-sur-Alzette (Luxemburg), seit 1958
  • Lille (Frankreich), seit 1958
  • Lüttich (Belgien), seit 1958
  • Rotterdam (Niederlande), seit 1958
  • Turin (Italien), seit 1958
  • Kyōto (Japan), seit 1963
  • Tunis (Tunesien), seit 1964
  • Turku (Finnland), seit 1967
  • Bezirk Neukölln von Berlin (Deutschland), seit 1967
  • Klausenburg/Cluj-Napoca (Rumänien), seit 1976
  • Tel Aviv-Jaffa (Israel), seit 1979  Barcelona (Spanien), seit 1984
  • Peking (Volksrepublik China), seit 1987
  • Thessaloniki (Griechenland), seit 1988
  • Cork (Irland), seit 1988
  • Corinto/El Realejo (Nicaragua), seit 1988
  • Indianapolis (Vereinigte Staaten), seit 1988
  • Wolgograd (Russland), seit 1988
  • Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin (Deutschland), seit 1990
  • Kattowitz (Polen), seit 1991
  • Bethlehem (Palästinensische Autonomiegebiete), seit 1996
  • İstanbul (Türkei), seit 1997

Durch die eingemeindeten Städte und Gemeinden übernahm Köln deren partnerschaftliche Beziehungen mit den Städten Benfleet/Castle Point (Vereinigtes Königreich), Igny (Frankreich), Diepenbeek (Belgien), Brive-la-Gaillarde (Frankreich), Dunstable (Vereinigtes Königreich), Eygelshoven (Niederlande) und Hazebrouck (Frankreich).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Im Mittelalter wurde Köln zu einem bedeutenden kirchlichen und zu einem wichtigen künstlerischen und edukativen Zentrum. Der Kölner Dom ist die größte gotische Kirche in Nordeuropa und beherbergt den Dreikönigenschrein, in dem die angeblichen Reliquien der Heiligen Drei Könige aufbewahrt werden, daher die drei Kronen im Stadtwappen. Der Kölner Dom – 1996 zum Weltkulturerbe erklärt – ist das Hauptwahrzeichen der Stadt und dient als inoffizielles Symbol. Köln wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört. Heute ist Köln auch eine kulturelle Metropole mit vielen wichtigen Museen, Galerien, Kunstmessen sowie lebendigen Kunst- und Musikszenen. Darüber hinaus gilt Köln als Hochburg der Schwulen und Lesben. In Köln findet mit der Parade zum Christopher Street Day, Höhepunkt des jährlichen „Cologne Pride“, am ersten Sonntag im Juli Deutschlands größte Veranstaltung von Schwulen und Lesben statt.

Theater

Die Geschichte des Kölner Theaters hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Im heutigen Köln sind zahlreiche Theater ansässig. Die Stadt ist Träger der „Bühnen der Stadt Köln“ mit Schauspielhaus und Oper Köln.

In der Stadt Köln gibt es zudem rund 70 professionelle freie und private Theater als Tourneetheater oder solche mit eigenen Spielstätten. Der Großteil der Theater ist in der „Kölner Theaterkonferenz e.V.“ organisiert, der auch die städtischen Bühnen angehören. Eine Besonderheit in der Kölner Theaterlandschaft ist die Initiative „JuPiTer“ (Junges Publikum ins Theater), in der Kindertheatermacher gemeinsam für die Stärkung des Kinder- und Jugendtheaters arbeiten. Die Kölner Theaterszene bildet das gesamte Spektrum vom Autorentheater über experimentelles Theater, Kabarett, klassisches Sprechtheater, Figurentheater, Märchenspiele, Performance, Tanztheater bis hin zum Volkstheater ab.

Bekannte Bühnen sind das Arkadaş Theater, Artheater, Atelier-Theater, Casamax-Theater, Cassiopeia Theater, Comedia Theater, Drama Köln, Freies Werkstatt-Theater, Galant-Theater, Gloria-Theater, Hänneschen-Theater (Puppenspiele der Stadt Köln), Horizont-Theater, Kölner Künstler-Theater, Klüngelpütz Kabarett-Theater, Millowitsch-Theater, Piccolo Puppenspiele, Senftöpfchen-Theater, Studiobühne Köln, Theater am Dom, Theater am Sachsenring, Theater der Keller, das Theater im Bauturm, Theater im Hof, Theater Tiefrot und  Theaterhaus Köln.

Musik

Sinfonie- und Kammerorchester

In Köln ist eine ganze Reihe renommierter Sinfonie- und Kammerorchester zu Hause. Das Gürzenich-Orchester wurde 1857 anlässlich der Einweihung des gleichnamigen Kölner Konzertsaals als Nachfolgeorganisation der „Musikalischen Gesellschaft“ gegründet. Seit 1888 ist die Stadt Träger des Orchesters. Es spielt in der Oper Köln und gibt zahlreiche Konzerte, zum Beispiel in der Kölner Philharmonie. Bekannte Musikdirektoren des Orchesters waren Conradin Kreutzer, Hermann Abendroth und Günter Wand. Seit 2003 wird das Gürzenich-Orchester von Markus Stenz geleitet.

Das zweite berühmte Sinfonieorchester ist das WDR-Sinfonie-Orchester. Dieses Orchester wurde 1945 als Nachfolgeeinrichtung des 1926 gegründeten Orchesters des Reichssenders Köln gegründet. An Kammerorchestern, teilweise mit hochspezialisiertem Repertoire und internationalem Renommee (Alte Musik), sind zu nennen: Camerata Köln (gegründet 1979), Capella Clementina (gegründet 1964 als Kölner Kammerorchester), Cappella Coloniensis (in Trägerschaft des WDR), Collegium Aureum (gegründet 1964), Concerto Köln (gegründet 1985) und Musica Antiqua Köln (gegründet 1973).

Chöre

Köln verfügt über eine reichhaltige Chorszene. Über ein Dutzend Konzertchöre sind im Arbeitskreis Kölner Chöre organisiert, einer bundesweit einmaligen Lobbyorganisation. Eine Auswahl:

  • Der Philharmonische Chor Köln, gegründet 1947 von Philipp Röhl
  • Die Kartäuserkantorei Köln, gegründet 1970 von Peter Neumann
  • Der Kölner Kammerchor, ebenfalls 1970 gegründet von Peter Neumann
  • Der WDR Rundfunkchor Köln, gegründet 1955
  • Die Kölner Kantorei, gegründet 1968 von Volker Hempfling
  • Der Chor des Bach-Vereins Köln, gegründet 1931 von Heinrich Boell
  • Der Chorus Musicus Köln, gegründet 1985 von Christoph Spering
  • Der Konzertchor Köln unter Eric Ingwersen, gegründet 1983
  • Der Deutz-Chor, gegründet 1946 von acht Mitarbeitern der „Klöckner-Humboldt-Deutz“ AG (KHD).

Anmerkung der u~m~d~h~T: Stand 2010

Rund um den Kölner Dom existiert die Kölner Dommusik, bestehend aus vier Chören (Kölner Domchor (Knabenchor), der Mädchenchor am Kölner Dom, die Domkantorei Köln, das Vokalensemble Kölner Dom). Der Domchor wurde 1863 wiedergegründet. Der Kölner Männer-Gesang-Verein mit seinen rund 190 aktiven Sängern ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Außerdem gibt es in Köln eine sehr vielfältige Szene von „freien“, also nicht als klassischer Konzertchor organisierten oder an Kirchengemeinden gebundenen Chören, die sehr unterschiedliche Hintergründe und Schwerpunkte haben.

Musikschulen

Die Hochschule für Musik und Tanz Köln als Europas größte Musikhochschule trägt zum musikalischen Leben der Stadt erheblich bei. Für Kinder und Jugendliche bietet die Rheinische Musikschule an mehreren Standorten in Köln flächendeckend Musikunterricht an. Unter dem Titel Signale aus Köln finden am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln Begegnungen mit zeitgenössischen Komponisten statt.

Weitere Spielstätten

Eine wichtige Spielstätte für Musik ist die Kölner Philharmonie mit einem breiten Spektrum von klassischer Musik über Musik der Gegenwart bis hin zu Jazz und populärer Musik. Die Lanxess Arena, das E-Werk in Köln-Mülheim, das Palladium und die Live Music Hall sind neben dem Tanzbrunnen im Rheinpark (Freilichtbühne) weitere vielbesuchte Veranstaltungsorte. Auch in den Sendesälen des Westdeutschen Rundfunks und des Deutschlandfunks finden regelmäßig Konzerte statt. Der WDR unterhält nicht nur das oben erwähnte Sinfonieorchester, sondern auch eine Big Band, die als eine der besten Big Bands Europas gilt. Das Jazzhaus im Stadtgarten hat ein reichhaltiges Programm der aktuellen Spielarten des Jazz und der Weltmusik; im Loft wird insbesondere die improvisierte Musik gepflegt. Im alten Ballsaal des mittelalterlichen Köln, dem Gürzenich, wird ebenfalls Musik aufgeführt.

Kölsche Musik

Eine feste Größe in Köln ist die durch den Karneval geprägte Volksmusik. Dabei ist Volksmusik nur bedingt in Anlehnung an allgemeine Volksmusik zu sehen. Sie wird fast durchgängig in Mundart gesungen, also in Kölsch. Dabei variieren die Stilrichtungen von Schlager über Pop und Rock bis hin zu Karnevalslieder. In jüngerer Vergangenheit hat sich auch eine A-cappella-Szene gebildet.

Einige Künstler, die sich um die Kölner Musikszene verdient gemacht haben, waren zum Beispiel Willi Ostermann und Willy Schneider und sind gegenwärtig beispielsweise die Bläck Fööss, die Höhner, BAP, Brings oder die Wise Guys. Köln war auch der Heimatort der 1968 gegründeten Rockband Can, die im Laufe der 1970er-Jahre zu einer der international einflussreichsten deutschen Rockbands wurde.

Elektronische Musik

Köln war seit den frühen 1950er-Jahren auch ein Zentrum moderner elektronischer Musik. Insbesondere das seit seiner Gründung 1951 von Herbert Eimert geleitete „Studio für Elektronische Musik“ war als erstes seiner Art weltweit von internationalem Rang, neben Karlheinz Stockhausen, der das Studio seit 1963 leitete, arbeiteten hier beispielsweise Pierre Boulez, Mauricio Kagel, Pierre Henry und Pierre Schaeffer.

In den 1990er-Jahren blühte in Köln die elektronische Musik erneut auf, diesmal jedoch unter weniger akademischen Vorzeichen. Ausgehend von Techno, Intelligent Dance Music und unter Rückgriff auf populärmusikalische Avantgardegenres wie Industrial, Noise, Ambient, Krautrock, Free Jazz und Free Improv etablierte sich unter dem Stichwort Sound of Cologne ein breitgefächertes Spektrum moderner elektronischer Musik und konnte auch international erfolgreich sein. Musiker und Bands wie Wolfgang Voigt, Whirlpool Productions oder Mouse on Mars waren die bekanntesten Vertreter dieser Strömung, die allerdings stilistisch äußerst uneinheitlich war und eher ein soziales Phänomen war. Bedeutende Labels des Sound of Cologne sind zum Beispiel Kompakt oder A-Musik.

Literatur

Von Goethe über Heine bis Celan haben namhafte Autoren sich von Köln und seinen Eigenarten zu Gedichten und Balladen inspirieren lassen. Zahlreiche deutschsprachige Romane spielen in Köln. Hans Bender und Dieter Wellershoff leben hier, Nobelpreisträger Heinrich Böll und Rolf Dieter Brinkmann gehörten zu den in Köln ansässigen bekannten Autoren. Literaturhaus und lit.cologne laden Schriftsteller aus dem In- und Ausland zu literarischen Veranstaltungen ein, während die heimischen Literaten beispielsweise bei der Lesebühne am Brüsseler Platz oder bei Veranstaltungen in Buchhandlungen, Cafés und Kneipen auftreten. Neben großen Verlagen wie Kiepenheuer & Witsch und DuMont beleben Spezialverlage wie der Musikverlag Dohr und Kleinverlage wie Emons, edition fundamental, Krash Verlag, LUND, parasitenpresse, Supposé Verlag und Tisch 7 das literarische Feld. Literarische Gruppen wie die Kölner Autorenwerkstatt setzen eigene Akzente. Die Stadt vergibt zwei Literaturpreise: den Heinrich-Böll-Preis und das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium.

Das Literaturhaus Köln und der Kölner Stadt-Anzeiger veranstalten jährlich die Aktion Ein Buch für die Stadt.

Die Bürgerstiftung Köln stellt mit dem Projekt Eselsohr Öffentliche Bücherschränke im Stadtgebiet auf und veranstaltet gemeinsam mit Stadtteil-Bürgerstiftungen offene Leserunden.

Museen

Unter den zahlreichen Kölner Museen mit hochkarätigen Sammlungen sind das

  • Museum Ludwig (Moderne und Gegenwartskunst), das
  • Wallraf-Richartz-Museum (Kunst des Mittelalters bis 19. Jahrhundert) sowie das
  • Römisch-Germanische Museum (Kunst-, Schmuck und Alltagsgegenständen aus der römischen und merowingischen Epoche)

hervorzuheben.

Weitere Museen und Ausstellungsinstitute in Köln:

  • artothek Köln – Raum für junge Kunst (Ausleihe und Sonderausstellungen)
  • Agfa-Photo-Historama (Historische Fotografie)
  • Ausstellungsraum Jawne, Ausstellung über das ehemalige jüdische Gymnasium Kölns
  • Deutsches Sport & Olympia Museum
  • Domschatzkammer Köln
  • Duftmuseum im Farina-Haus, Geburtshaus des Eau de Cologne
  • Historisches Archiv der Stadt Köln (durch Einsturz am 3. März 2009 größtenteils zerstört)
  • Erzbischöfliches Diözesanmuseum/Kolumba
  • Geldgeschichtliches Museum
  • Käthe-Kollwitz-Museum
  • Kölner Karnevalsmuseum
  • KünstlerMuseum Beckers°Böll im Kunsthaus Rhenania
  • Kölner Festungsmuseum
  • Kölnischer Kunstverein (Gegenwartskunst)
  • Kölnisches Stadtmuseum Zeughaus (Stadtgeschichte)
  • Mikwe (mittelalterliches jüdisches Kultbad auf dem Rathausvorplatz, Außenstelle des Römisch-Germanischen Museums)
  • Museum für Angewandte Kunst (Köln)
  • Museum für Ostasiatische Kunst (Kunst und Kunsthandwerk aus Japan, China und Korea)
  • Museum Schnütgen (Sakralkunst des Mittelalters)
  • Odysseum (Science-Center)
  • Praetorium (römischer Statthalterpalast, Außenstelle des Römisch-Germanischen Museums)
  • Radiomuseum (Privatmuseum)
  • Rautenstrauch-Joest-Museum – Museum für Völkerkunde (einziges Völkerkundemuseum in Nordrhein-Westfalen)
  • Rheinisches Industriebahn-Museum
  • Schokoladenmuseum (offiziell: Imhoff-Schokoladenmuseum)
  • Skulpturenpark Köln, Außenskulpturen der Gegenwartszeit (ausschließlich Wechselausstellungen)
  • SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn – „Die Photographische Sammlung“ und Tanzmuseum
  • Sammlungen und Museen der Universität zu Köln
  • Theaterwissenschaftliche Sammlung Schloss Wahn (Porz-Wahn)
  • Weinmuseum

Geplant ist folgendes Museum:

  • Haus der Jüdischen Geschichte (in Planung auf dem Platz vor dem historischen Rathaus)

Archive

  • Archiv für Rheinische Musikgeschichte (am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln angeschlossen)
  • Heinrich-Böll-Archiv
  • Historisches Archiv der Stadt Köln
  • Historisches Archiv des Erzbistums Köln
  • Husserl-Archiv der Universität zu Köln
  • Max-Bruch-Archiv des Musikwissenschaftlichen Institutes der Universität zu Köln
  • Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv

Bibliotheken

  • Bibliothek/ Mediathek der Kunsthochschule für Medien (KHM)
  • Deutsche Zentralbibliothek für Medizin
  • Erzbischöfliche Dom- und Diözesanbibliothek
  • Hochschulbibliothek der Fachhochschule Köln
  • Hochschulbibliothek der Katholischen Fachhochschule Köln
  • Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
  • StadtBibliothek Köln, öffentliche Einrichtung der Stadt[22]
  • USB Köln, Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, zentrale Einrichtung der Universität[23]
  • Wirtschaftsbibliothek der Industrie- und Handelskammer zu Köln
  • Zentralbibliothek der Sportwissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln

Architektur

Die Altstadt Kölns und angrenzende Bereiche wurden durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört. Beim Wiederaufbau wurden zwar der Straßenverlauf und die historischen Straßennamen häufig beibehalten, die Bebauung erfolgte jedoch häufig im Stil der 1950er-Jahre. Somit sind weite Teile der Stadt von Nachkriegsarchitektur geprägt; dazwischen befinden sich einzelne Bauten, die erhalten geblieben oder aufgrund ihrer Bedeutung rekonstruiert worden sind.

Römisches Köln

Köln ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Der römische Feldherr Agrippa siedelte 19/18 v. Chr. den Stamm der Ubier am Rhein an und sorgte für eine Infrastruktur nach römischem Vorbild. Das antike Straßennetz hat teilweise noch bis heute Bestand. Aus dem römischen cardo maximus wurde die Hohe Straße und der decumanus maximus ist heute die Schildergasse. Reste römischer Bauwerke finden sich im gesamten Innenstadtbereich. Teilweise sind sie unterirdisch unter dem Kölner Rathaus oder in Parkhäusern und Kellern zugängig. Darunter ist das sogenannte Ubiermonument, das älteste datierte Gebäude aus Stein Deutschlands. Oberirdisch können Reste der römischen Stadtmauer, zum Beispiel der Römerturm, besichtigt werden.

Mittelalterliches Köln

Bedeutende mittelalterliche Profanbauten sind erhalten oder wieder aufgebaut worden: Beispiele sind das Rathaus, das Stapelhaus, der Gürzenich und das Overstolzenhaus, ältestes erhaltenes Wohngebäude der Stadt. Teile der mächtigen mittelalterlichen Stadtmauern sind ebenfalls erhalten, darunter auch mehrere Stadttore wie das Eigelsteintor und die Stadtmauer am Hansaring (neben dem früheren Standort des Stadtgefängnisses Klingelpütz), das Severinstor, das Hahnentor oder die Ulrepforte samt der Stadtmauer am Sachsenring und der „Weckschnapp“. Das malerische Martinsviertel besteht nur noch zum Teil aus mittelalterlicher Bausubstanz. Viele Gebäude wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mehr oder weniger stilgerecht wieder aufgebaut.

Preußisches Köln

Am Römerturm 3 liegt das einzige noch erhaltene klassizistische Wohnhaus. Der Festungsring liegt in den heutigen äußeren Stadtbezirken und diente der Stadtbefestigung der preußischen Zeit. Innerhalb des äußeren Kölner Grüngürtels können noch heute einige der Forts besichtigt werden. Die Neustadt ist eine ringförmig um die historische Altstadt angelegte Stadterweiterung, die sich von der abgebrochenen mittelalterlichen Stadtmauer bis zum inneren Festungsring erstreckt. Sie wurde ab 1880 bis circa 1920 erbaut und war die größte ihrer Zeit in Deutschland. Einst war sie ein geschlossenes Ensemble mit allen Stilrichtungen vom Historismus über Jugendstil bis hin zum Expressionismus, konnte aber nach erheblichen Kriegsschäden und ungezügelter Abrisswut in der Nachkriegszeit nur noch teilweise ihren Charme erhalten. Heute ist sie kein reines Wohngebiet mehr, sondern Zentrum verschiedenster kultureller und geschäftlicher Aktivitäten (Mediapark, Galerien, Kneipenviertel etc.). Die ursprüngliche Gestalt lässt sich in einigen Straßenzügen noch gut nachvollziehen: Hierzu zählen die Südstadt (Ubierring, Alteburger Straße – hauptsächlich Jugendstil), das Universitätsviertel (Zülpicher Straße, Rathenauplatz – hauptsächlich historisierende wilhelminische Häuser) und einzelne Patrizierhäuser im Belgischen Viertel (Aachener Straße, Lütticher Straße). Das Haus Schierenberg entstammt ebenfalls jener Zeit. In der nördlichen Neustadt stellt die Kirche St. Agnes ein gelungenes Beispiel rheinischer Neugotik dar.

1914 investierte die Stadt 5 Millionen Goldmark für die Kölner Werkbundausstellung, bei der führende Werkbundarchitekten exemplarische und zeitgemäße Gebäude errichteten.

Zwischen den Weltkriegen

Unter dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer entstanden in den 1920er-Jahren in Köln einige bedeutende Bauwerke. Das Messegelände mit dem markant hervorstechenden Messeturm ist im Stil des Backstein-Expressionismus errichtet, wobei die Bauten über ein Skelett aus Stahlbeton verfügen und die ornamentale Fassade aus Blendklinkern besteht. Im selben Stil ist das Hansahochhaus am Innenstadtring gebaut worden. Zum Zeitpunkt des Richtfestes 1924 war es das höchste Haus Europas.

Adenauer ernennt 1926 den Künstler Professor Richard Riemerschmid zum Gründungsdirektor der stadtkölnischen Kunsthochschule Kölner Werkschulen, einer Parallelgründung zum Bauhaus in Dessau.

Ein Beispiel für den Baustil der Neuen Sachlichkeit ist das Disch-Haus, die Universität wurde im Stil des Werkbundes bis 1929 errichtet. In den Zwanziger Jahren erlebte der Siedlungsbau in Köln einen Höhepunkt: Ganze Stadtteile wie Zollstock und Höhenhaus wurden von Wohnungsgenossenschaften zumeist nach den städtebaulichen Idealen der Zeit und oft nach den Prinzipien der Gartenstadt errichtet.

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur sollte Köln als Gauhauptstadt einen entsprechenden Rahmen erhalten: Geplant war der Abriss der halben Altstadt und des gesamten Stadtteiles Deutz, um Platz für Aufmarschstraßen und ein gigantisches Gauforum auf der rechten Rheinseite zu schaffen. Das als erhaltenswert eingestufte Altstadtgebiet wurde bis 1939 komplett saniert und eine große Schneise in West-Ost-Richtung durch die Innenstadt geschlagen. Zur Ausführung der Vorhaben kam es durch den Krieg nicht mehr. An der Universität Köln lehrte Wilhelm Börger den „Deutschen Sozialismus“. Die Tanzmariechen durften auf Wunsch von Adolf Hitler keine Männer mehr sein. Stattdessen bekamen Mädchen diese Rolle.

Nachkriegszeit und neue Entwicklungen

Nachdem Köln 1945 nur noch eine Trümmerwüste war, übernahm die amerikanische, später die britische Militärverwaltung erste Schritte zur Wiedererrichtung der Stadt. Der vollständige, autogerechte Neubau der Innenstadt wurde bald zugunsten einer Kompromisslösung aufgegeben, die das Straßennetz mit dem tradierten, schmalen Zuschnitt der Grundstücke beibehielt, aber breite Trassen durch die Innenstadt vorsah. Die Schaffung günstigen Wohnraumes stand im Vordergrund, so dass sich das Stadtbild des Nachkriegs-Köln durch architektonisch belanglose, hastig errichtete Miethäuser häufig sehr gleichförmig darstellte. Gleichwohl ragen aus dieser Zeit einzelne stilbildende und wegweisende Projekte heraus, die Köln in den 1950er-Jahren zum Mekka des modernen Städtebaus machten. Zu erwähnen ist die Gestaltung des Domplatzes mit dem Blau-Gold-Haus, der von Wilhelm Riphahn gestaltete Komplex aus Oper und Schauspielhaus und die West-Ost-Achse, die bereits Ende der Vierziger Jahre mit lichten Pavillons und werksteinverkleideten Geschossbauten ausgestaltet wurde. Der Gebäudekomplex der Gerling-Versicherung war aufgrund seiner Formensprache aus den 1930er-Jahren dagegen sehr umstritten. 1967 wurde die Hohe Straße, eine bekannte Kölner Einkaufsstraße, als erste Straße in Köln in eine Fußgängerzone umgewandelt.

Die 1960er- und 1970er-Jahre bescherten Köln vor allem Architektur aus nacktem Beton, die bisweilen irreparable Schäden am Stadtbild verursachte. Erst in den 1980er-Jahren besannen sich die Kölner langsam wieder auf Qualität: Nach dem Bau des Fernmeldeturmes Colonius wurde verstärkt die Aufwertung der Innenstadt betrieben. Das Museum Ludwig, die Philharmonie und der Rheinufertunnel verbanden die Stadt seit 1986 durch eine ansprechend eingerahmte Uferpromenade wieder mit dem Rhein; gleichzeitig wurde durch die teilweise Verlegung der Stadtbahn in Tunnel der Innenstadtring entlastet und in neuer Gestaltung 1987 eingeweiht. In den Neunziger Jahren folgte der Mediapark auf dem Gelände des Güterbahnhofs sowie die KölnArena (heute Lanxess Arena). Das Wallraf-Richartz-Museum und das Weltstadthaus sind aktuelle Beispiele für eine eher behutsame Umgestaltung der Innenstadt.

In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends entstand mit dem KölnTriangle im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz ein neues Hochhaus mit einer Aussichtsplattform in 103 Metern Höhe.

Bedeutende Sakralbauten

Das alles überragende Kölner Wahrzeichen ist der gotische Dom St. Peter und Maria, der größte Kirchenbau der Gotik überhaupt. Bis zu seiner Vollendung vergingen etwa 600 Jahre; erst in preußischer Zeit wurde er fertig gestellt. Hier sind die Reliquien der Heiligen Drei Könige aufbewahrt, die Köln zu einem Pilgerziel ersten Ranges machten. Sie sind im prunkvoll gestalteten Dreikönigenschrein (spätes 12. Jahrhundert/1. Hälfte 13. Jahrhundert) im Chorraum des Domes aufbewahrt.

Kulturgeschichtlich nicht weniger bedeutsam sind die insgesamt zwölf romanischen Kirchen im Innenstadtbereich: St. Severin, St. Maria Lyskirchen, Basilika St. Andreas, St. Aposteln, St. Gereon, St. Ursula, St. Pantaleon, St. Maria im Kapitol, Groß St. Martin, St. Georg, St. Kunibert und St. Cäcilien. Die meisten von ihnen wurden im Krieg schwer beschädigt; erst 1985 war die Wiedererrichtung abgeschlossen.

In der Innenstadt finden sich außerdem die gotischen Kirchen Minoritenkirche und St. Peter sowie die Barockkirchen St. Mariä Himmelfahrt, St. Maria in der Kupfergasse, St. Maria vom Frieden und die Ursulinenkirche St. Corpus Christi. Die Protestanten durften in Köln erst ab 1802 öffentliche Gottesdienste feiern. Zu diesem Zweck bekamen sie von den Franzosen die gotische Antoniterkirche übereignet. Ähnlich verhält es sich mit der Kartäuserkirche, welche 1923 in evangelischen Besitz überging. Die in der Nähe des Heumarkts befindliche Trinitatiskirche ist die erste als solche errichtete evangelische Kirche im linksrheinischen Köln. Im Stadtteil Mülheim, das damals zum Herzogtum Berg gehörte, wurde allerdings bereits 1786 die Friedenskirche errichtet. Zwei Vorgängerbauten wurden zerstört.

St. Engelbert in Köln-Riehl ist der erste moderne Kirchenbau Kölns.

Zwei Kirchenruinen sind noch im Stadtbild vertreten: Alt St. Alban in der Nähe des Rathauses mit einer von Käthe Kollwitz entworfenen Skulptur im ehemaligen Kirchenschiff und die Reste von St. Kolumba. Hier wurde in den 1950er-Jahren um eine erhalten gebliebene Marienfigur die Kapelle St. Maria in den Trümmern errichtet, die völlig zerstörte Kirche behielt nur provisorisch gesicherte Stümpfe der Umfassungsmauern. 2005 wurde auf diesen Ruinen das neue Diözesanmuseum von Peter Zumthor errichtet, dessen Neubau die Integration der Überreste deutlich betont.

In der Neustadt und den Vororten gibt es noch zahlreiche weitere Sakralbauten, unter anderem mehrere kleine romanische und gotische Kirchen, aber auch Beispiele für den modernen Kirchenbau. Besonders sehenswerte Bauten werden in den Artikeln der jeweiligen Stadtteile beschrieben.

Rheinbrücken

Acht Rheinbrücken überspannen im Kölner Stadtgebiet den Rhein, davon zwei Eisenbahnbrücken und sechs Straßenbrücken:

  • die Hohenzollernbrücke in der Achse des Domes ist die am meisten befahrene Eisenbahnbrücke Europas
  • die Südbrücke entlastet die Hohenzollernbrücke vom Güterverkehr.

Zwei Autobahnbrücken verbinden die links- und rechtsrheinischen Teile des Kölner Autobahnrings:

  • die Rodenkirchener Autobahnbrücke im Süden und
  • die Leverkusener Brücke im Norden zwischen Köln-Merkenich und Leverkusen.

Vier im Kölner Brückengrün gestrichene städtische Straßenbrücken lenken den Verkehr im inneren Stadtgebiet über den Rhein. Die Deutzer Brücke war der erste Brückenneubau der Nachkriegszeit, die Mülheimer Brücke ist der modernisierte Wiederaufbau der ersten Brücke nach Mülheim. Die Severinsbrücke symbolisiert ausdrucksvoll den Aufbruch der Nachkriegszeit und verbindet wie die Zoobrücke die Innenstadt mit dem rechtsrheinischen Autobahnsystem.

Parks und Grünflächen der Stadt

Köln besitzt linksrheinisch zwei Grüngürtel – den inneren und den äußeren. Der Innere Grüngürtel ist sieben Kilometer lang, mehrere 100 Meter breit und hat eine Fläche von 120 Hektar. Die Festungsgürtel der Stadt mussten nach dem Ersten Weltkrieg im Rahmen der Versailler Verträge abgerissen werden, so dass hier diese große städtische Grünanlage entstehen konnte. Durch Aufschüttung von Trümmern des Zweiten Weltkrieges entstand im Inneren Grüngürtel der heute dicht bewachsene 25 Meter hohe Herkulesberg. Der Innere Grüngürtel beherbergt 25 Baumarten, Wiesen und mehrere Wasserflächen.

Der Äußere Grüngürtel ist auf dem Gelände des äußeren Festungsringes entstanden. Die zum Teil baumbestandene größte Kölner Grünanlage sollte ursprünglich fast die gesamte Stadt umschließen, was aus wirtschaftlichen Gründen nie realisiert wurde. Dennoch entstanden in den 1920er-Jahren 800 Hektar Grünfläche, unter anderem der Beethovenpark. Auch die Festungsanlagen auf der rechten Rheinseite wurden, wo möglich, in Grünanlagen umgewandelt.

Der fünf Hektar (ursprünglich: 11 ha) große Stadtgarten ist der älteste Park in Köln. Die 175 Jahre alte Anlage wurde als Landschaftspark angelegt und besitzt seit über 100 Jahren ein Restaurant mit Biergarten. Dort ist heute auch ein Jazzclub zu finden.

Im über 100 Jahre alten Volksgarten der Südstadt finden in der warmen Jahreszeit nächtelange Grill-Happenings statt, zu denen sich oft Trommler und andere Instrumentalisten einfinden. Auch Klein- und Straßenkünstler sind hier zu finden. Der Park ist außerdem Ort für viele kulturelle Veranstaltungen, so werden beispielsweise in der Orangerie Theaterstücke aufgeführt.

Die auf einer Anhöhe gelegene Grünfläche am Aachener Weiher ist insbesondere bei Studenten ein beliebter Treffpunkt. Der sanfte Hügel entstand ebenfalls durch Aufschüttung von Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Seit dem 7. August 2004 erinnert ein neuer Name an die Opfer des Krieges: Hiroshima-Nagasaki-Park. Köln ist seit 1985 Mitglied des internationalen Städtebündnisses gegen Atomwaffen, des so genannten „Hiroshima-Nagasaki-Bündnisses“.

Der Blücherpark im Stadtteil Bilderstöckchen und der Vorgebirgspark in Raderthal wurden beide, obwohl sehr unterschiedlich gestaltet, Anfang des 20. Jahrhunderts nach den Plänen des Gartenarchitekten Fritz Encke angelegt. Der Klettenbergpark in Köln-Klettenberg wurde zwischen 1905 und 1908 in einer ehemaligen Kiesgrube als Höhenpark angelegt. Der Fritz-Encke-Volkspark in Köln-Raderthal ist trotz der Verluste (teilweise Bebauung in den 1950er-Jahren) eine der bedeutendsten Anlagen der 1920er-Jahre.

Die mit der Stadterweiterung nach 1881 angelegte Ringstraße auf den ehemaligen Bollwerken vor der mittelalterlichen Stadtmauer war mit zahlreichen parkähnlichen Anlagen ausgestattet, so am Sachsenring, Kaiser-Wilhelm-Ring, Hansaring, Ebertplatz und Theodor-Heuss-Ring. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen verändert oder weitgehend entfernt, und nur der westliche Teil des Parks am Theodor-Heuss-Ring mit Weiher befindet sich noch fast im ursprünglichen Zustand.

Auf der rechten Rheinseite liegt der Rheinpark, das weitläufige Gelände der Bundesgartenschau 1957 und 1971 in Köln-Deutz, das durch die Rheinseilbahn mit den linksrheinischen Anlagen Zoo und Flora verbunden ist. Etwas weiter entfernt liegen die Groov in Köln-Zündorf sowie der Thurner Hof.

Im Kölner Norden befindet sich das Naherholungs- und Sportgebiet Fühlinger See. Es besteht aus sieben miteinander verbundenen Seen und einer Regattastrecke. Das Areal bietet sich zum Baden, Schwimmen, Tauchen, Angeln, Windsurfen, Kanufahren und Rudern an. Die u-förmig um die Regattastrecke verlaufende Straße wird häufig von Inline-Skatern genutzt.

Die Naherholungsgrünzonen am Rande Kölns werden durch einen Rundwanderweg, den Kölnpfad, dessen Etappen durch öffentliche Verkehrsmittel erreichbar sind, erschlossen und verbunden.

Der nahe gelegene Naturpark Rheinland jenseits der Ville kann als dritter Kölner Grüngürtel angesehen werden. Auch er dient der Stadtbevölkerung als Erholungsgebiet. Die Stadt gehört zu den Trägern des Naturparks.

Zoo und Botanische Gärten

Der Kölner Zoo wurde 1859 erbaut, ist etwa 20 ha groß und beherbergt 700 Tierarten mit zirka 7000 Tieren. Besonders bekannt ist er für die vielen in den Jahren 2006 und 2007 geborenen Elefanten. Das neue Heim der Elefanten, der Elefantenpark, wurde 2005 mit Hilfe privater Spenden erbaut und hat etwa 15 Millionen Euro gekostet.

Der Botanische Garten Kölns wird Flora genannt. Er ist in das European Garden Heritage Network eingebunden und 2004/2005 als herausragend in die Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas aufgenommen wurde. Im Äußeren Grüngürtel im Stadtteil Rodenkirchen liegt der Forstbotanische Garten mit seiner Landschaftsparkerweiterung, dem Friedenswald.

Sport

Sportstätten

Überregional bekannt sind vor allem der Müngersdorfer Sportpark mit dem RheinEnergieStadion und die Lanxess Arena (KölnArena) in Deutz, eine der größten Mehrzweckhallen Europas, in der Eishockey-, Handball- und Basketballspiele ausgetragen werden. Daneben verfügt die Stadt über eine Radrennbahn, eine Pferderennbahn, eine Regattastrecke und zahlreiche weitere Sporteinrichtungen. Köln ist aufgrund seiner Infrastruktur regelmäßig Austragungsort von in Deutschland stattfindenden internationalen Sportveranstaltungen.

Die Deutsche Sporthochschule Köln ist die einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland.

Vereine und Traditionsveranstaltungen

In Köln werden 775 Sportvereine durch die Stadt finanziell gefördert. Der Vereinssport umfasst alle wichtigen Breitensportarten; die bekanntesten Fußballvereine sind der 1. FC Köln, der SC Fortuna Köln und der SCB Viktoria Köln. Sehr erfolgreich sind zudem die Kölner Haie im Eishockey und die Cologne Falcons im American Football. Im Basketball hatte Köln eine sehr erfolgreiche Zeit mit dem BSC Saturn Köln. Von 1999 bis zur Insolvenz 2009 war die Stadt mit den Köln 99ers in der Bundesliga vertreten. Der Amateurverein Sportgemeinschaft Köln99ers ist weiterhin der deutsche Basketballverein mit den meisten Mitgliedern.

Seit 1997 findet jedes Jahr im Herbst der Köln-Marathon statt, und der Radsportklassiker Rund um Köln wird bereits seit 1908 jährlich durchgeführt. Seit 1984 wird der Köln-Triathlon veranstaltet.

Nachtleben

Vor allem am Wochenende tummeln sich in der Innenstadt Einheimische und Touristen, Jugendliche und Studenten in zahlreichen Diskotheken, Clubs, Bars und Lounges.

Hauptanlaufpunkte sind dabei die Altstadt, das Studentenviertel Kwartier Latäng um die Zülpicher und die Luxemburger Straße, das Friesenviertel in der Nähe des Friesenplatzes, das belgische Viertel und die Ringe zwischen Kaiser-Wilhelm-Ring und Rudolfplatz, sowie die Südstadt zwischen Chlodwigplatz und der Alteburger Straße.

Karneval

Der Kölner Karneval – die „fünfte Jahreszeit“ – beginnt am 11. November um 11:11 Uhr auf dem Alter Markt (derzeit auf dem Heumarkt, da der Alter Markt aufgrund der Großbaustelle wegen der Nord-Süd-Stadtbahn nur eingeschränkt zugänglich ist). Nach einem kurzen, aber heftigen Auftakt legt der Karneval bis Neujahr eine Pause ein. Dann beginnt die eigentliche „Session“, die bis zum Aschermittwoch mit dem traditionellen Fischessen dauert. Dieser Abschied vom bunten Karnevalstreiben wird durch die sogenannte Nubbelverbrennung um Mitternacht von Karnevalsdienstag auf Aschermittwoch eingeläutet.

Während der Karnevalssession finden Sitzungen und Bälle mit ausgelassenem Karnevalsprogramm und -treiben statt. Der „offizielle“ Sitzungskarneval findet seine Anhängerschaft überwiegend im älteren und konservativeren Publikum. Vor allem zu den „Prunk“-Sitzungen findet sich die lokale Polit- und Geldprominenz ein.

In den letzten Jahrzehnten etablierte sich eine Gegenbewegung zum überwiegend vom „Festkomitee Kölner Karneval“ kontrollierten traditionellen Sitzungskarneval. Ihr Aushängeschild ist die Stunksitzung, mittlerweile die umsatzstärkste Veranstaltung des Kölner Karnevals mit über 40 Veranstaltungstagen in der Kölner Veranstaltungshalle „E-Werk“. Dazu kommt noch die schwul-lesbische Rosa Sitzung, ihre verschiedenen Sprösslinge und die Kneipen-Bewegung „Loss mer singe“, die jedes Jahr schon vor Karneval Tausende von Menschen beim „Einsingen“ auf die neuen Lieder der Session einstimmt.

Die Session gipfelt im Straßen- und Kneipenkarneval. Dieser beginnt an Weiberfastnacht, also dem Donnerstag vor Rosenmontag und versetzt die Stadt am Rhein für die nächsten sechs Tage in eine Art Ausnahmezustand, in dem das öffentliche Leben (Behörden, Schulen, Geschäfte) zu einem großen Teil zum Erliegen kommt. In dieser Zeit finden auch die zahlreichen Karnevalszüge in den einzelnen Stadtvierteln statt, deren größter der Rosenmontagszug in der Innenstadt ist.

Eine Besonderheit ist der Geisterzug: Im Jahr 1991, als wegen des Zweiten Golfkriegs der offizielle Straßenkarneval und mit ihm auch der Rosenmontagszug ausfiel, lebte die alte Tradition des Geisterzugs wieder auf. So folgen nichtorganisierte Gruppen dem Ääzebär, der die kalte Jahreszeit vertreiben soll. Seitdem fand jeden Karnevalssamstag der Kölner Geisterzug statt, der nachts durch verschiedene Viertel der Stadt zog. Wo es die Sicherheit erlaubte, wurde hierfür von der Stadt die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Der Geisterzug 2006 wurde zunächst wegen Geldmangel abgesagt, fand aber, nach diversen Aufrufen zu „wilden Umzügen“ im Internet, doch statt.

Regelmäßige Veranstaltungen

Die größte öffentliche Veranstaltung in Köln ist der Karneval, zu dessen Sessionen und Umzügen in der Karnevalswoche jährlich etwa zwei Millionen Gäste erwartet werden. Auf dem zweiten Platz folgt mit regelmäßig über einer Million Besuchern Cologne Pride, nach dem Christopher Street Day auch „CSD-Parade“ genannt, die größte Lesben- und Schwulen-Parade in Deutschland. Diese findet immer am ersten Wochenende im Juli statt und wird von einem zweiwöchigen Rahmenprogramm ergänzt. Im Juli finden auch die Kölner Lichter, ein Musik- und Feuerwerksspektakel am Rhein hunderttausende Zuschauer.

Das Ringfest, eine große Musikveranstaltung an den Kölner Ringen mit freiem Eintritt, findet seit 2006 wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht mehr statt.[24] Seit dem Wegzug der Musikmesse Popkomm nach Berlin ist hier ein bundesweit Maßstäbe setzendes Großevent fortgefallen. Mit der c/o pop (Cologne On Pop), einem Festival für elektronische Popkultur, versucht die Stadt ein kleiner und spezieller dimensioniertes Musikfest zu etablieren. Steigende Besucherzahlen und gute Kritiken scheinen diese Strategie zu belohnen. Weitere Musikveranstaltungen sind die MusikTriennale Köln, ein Festival mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, der Summerjam, größtes Reggae-Festival Europas am ersten Juli-Wochenende sowie die Orgelfeierstunden, international besetzte Orgelkonzerte im Kölner Dom.

Weitere Veranstaltungen sind die seit 2000 mit zunehmendem Erfolg und stetig wachsendem Publikum stattfindende Lit.Cologne, ein mittlerweile fünftägiges Literaturfestival, das Internationale Köln Comedy Festival mit 120 Veranstaltungen, die Lesebühne am Brüsseler Platz, die Jüdischen Kulturtage im Rheinland, an denen die Stadt regelmäßig teilnimmt. Es gibt zwei große Jahrmärkte, die Frühjahrs- und die Herbstkirmes am Deutzer Rheinufer. Die Bierbörse, ein internationales Bierfestival, findet auch in Köln statt.

Jährlich findet in Köln und Umgebung der „KulturSonntag“ des Kölner Stadt-Anzeigers statt, der erwachsen ist aus der Bewerbung der Stadt Köln zur Kulturhauptstadt Europas 2010, die dann an das Ruhrgebiet vergeben wurde. 2010 fand der KulturSonntag zum siebten Mal statt.

Jährlich findet (meist im Juni) ganztägig der „Tag der Forts“ statt, bei dem die meist denkmalgeschützten Relikte der Kölner Stadtbefestigungen kostenfrei der Öffentlichkeit mit zahlreichen Veranstaltungen (rund 50 Vorträge und Führungen an mehr als 30 Lokalitäten im gesamten Stadtgebiet) zugänglich gemacht werden. Dabei stehen die preußischen Militäranlagen im Mittelpunkt. Berücksichtigt werden dabei auch neue Nutzungsmöglichkeiten sowie die ökologische Integration.

Küche

Köln ist geprägt von einer langen kulinarischen Tradition, die mit importierten, teils exotischen Elementen bereichert wurde. Wegen der herausragenden Position im internationalen Handel wurden in der Küche bereits in früher Zeit Hering, Muscheln, aber auch viele Gewürze verwendet. Im Mittelalter, als der Lachs noch reichlich im Rhein vorhanden war, galt dieser Fisch als Arme-Leute-Essen, während der Hering in der bürgerlichen Küche sehr beliebt war. Der rheinische Heringsstipp mit Äpfeln, Zwiebeln und Sahne zeugt noch heute davon. Auch Muscheln rheinische Art sind heute noch Teil der Gastronomie.

Wie im Rheinland üblich, wird Süßes und Herzhaftes häufig kombiniert. Der gute Boden und das Klima sorgen zudem für eine große Rolle von Gemüse in der Kölner Küche. Ein süß-saures Gericht der Kölner Küche sind der Rheinische Sauerbraten, welcher ursprünglich mit Pferdefleisch zubereitet wurde und das einfachere Himmel un Ääd, vermengtes Kartoffel- und Apfelmus, zu dem gebratene Blutwurst (Flönz) gereicht wird. Wirsing und Spargel werden häufig als Saisongemüse angeboten.

Eine besondere Rolle in Köln spielen die Brauhäuser. Diese dienten ursprünglich zur Bierausgabe der Kölner Brauereien, haben sich aber zum Hauptanbieter bürgerlicher Küche in Köln entwickelt. Neben den erwähnten Gerichten sind hier deftige Mahlzeiten wie Krüstchen, Eisbein (Hämchen), Hachse und Reibekuchen (Rievkooche) zu erhalten. Aufgrund des Herstellungsaufwandes werden letztere häufig nur an bestimmten Tagen gereicht. Beliebt zum Kölsch, das in den Brauhäusern direkt aus dem Fass gezapft wird, sind Tatar, Flönz oder Halver Hahn.

Gebäckspezialitäten sind Mutze, Mutzemandeln und Krapfen sowie eine Vielzahl an gedeckten und ungedeckten Torten, die hauptsächlich mit Äpfeln und Pflaumen garniert werden. Gesüßt wird bisweilen mit Zuckerrübensirup (Rübenkraut), das auch als Brotaufstrich benutzt wird.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Kölns ist geprägt durch die Lebensmittelindustrie, den Automobilbau, die Chemische Industrie und die Medien. Aber auch der tertiäre Sektor mit Forschung, Verwaltung, Messe, Versicherungen, Banken und den Zentralen von großen Industriebetrieben ist bedeutend in der und für die Stadt. Dazu kommt der Tourismus. Die Geschichte der Wirtschaft Kölns und der Region wird dokumentiert und aufbereitet im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv (RWWA).

Messen

Die bekanntesten Messen im Rahmen der Koelnmesse sind:

  • die Anuga, eine Fachmesse der Ernährungswirtschaft und Nahrungsmittelindustrie
  • die gamescom, eine Messe für interaktive Unterhaltungselektronik
  • die Photokina, eine Fachmesse der Foto-Industrie
  • die Art Cologne, eine Fachmesse für Moderne Kunst
  • die imm cologne, eine Fachmesse für Möbel und Einrichtung
  • die intermot, Internationale Motorrad- und Rollermesse
  • die spogagafa, Fachmesse für Sportartikel, Campingbedarf und Gartenmöbel
  • die Modellbahn, eine Fachmesse für Modellbahnfans

Verkehr

Schienenverkehr

Der Kölner Hauptbahnhof ist die westliche Drehscheibe Deutschlands des internationalen Schienenfernverkehrs. Von hier führen Bahnlinien in alle Richtungen:

  • Euskirchen–Trier (Eifelstrecke)
  • Düren–Aachen (Ausbaustrecke Köln–Aachen), Paris
  • Mönchengladbach
  • Neuss über Bergheim (Erftbahn)
  • Neuss–Krefeld über Dormagen (linksrheinisch)
  • Düsseldorf–Duisburg–Ruhrgebiet (rechtsrheinisch)
  • Opladen–Gruiten–Wuppertal
  • Bergisch Gladbach
  • Gummersbach–Marienheide (Aggertalbahn)
  • Siegburg–Siegen (Siegstrecke)
  • Frankfurt am Main (Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main)
  • Troisdorf–Neuwied–Koblenz (Rechte Rheinstrecke)
  • Bonn–Koblenz (Linke Rheinstrecke)

Luftverkehr

Im Südosten des Stadtgebiets, im Stadtbezirk Porz, befindet sich der Flughafen Köln/Bonn. Er ist einer der umschlagsstärksten deutschen Frachtflughäfen (über 650.000 Tonnen im Jahr 2005), das Europa-Drehkreuz von UPS Airlines und ein wichtiges Drehkreuz für Billigflieger (9,4 Mio. Passagiere 2005). Auf dem militärischen Teil sind die Flugzeuge und die Führung der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung stationiert. Seit 1994 trägt er den Namen Konrad-Adenauer-Flughafen. Der Flughafen Köln/Bonn gehört mit den Flughäfen Leipzig/Halle und Nürnberg zu den deutschen Flughäfen ohne Nachtflugbeschränkung. Es werden 139 Flugziele in 38 Ländern angeboten.

Straßenverkehr

Der Straßenverkehr in Köln ist von hoher Bedeutung. Die wichtigsten Fernverkehrsstraßen bilden die Autobahnen 3 und 4, die im Osten Kölns den Kölner Autobahnring bilden. Hier wurde die zweithöchste Verkehrsdichte nach dem Autobahndreieck Funkturm in Berlin gemessen. Eine weitere wichtige Verkehrsader ist die Autobahn 1, die im Westen von Köln im Kölner Ring verläuft.

Im Süden von Köln bildet die Autobahn 59 einen Teil der „Flughafenautobahn“, die über den Flughafen Köln/Bonn verläuft. Neben den Autobahnen bilden Bundesstraßen in Köln die so genannten Inneren Ringe. Trotz der guten Verkehrsanbindungen bilden sich besonders im Kölner Osten viele Verkehrsstauungen. Hier befindet sich eine Großbaustelle auf der Autobahn 3. Eine weitere wichtige Autobahn ist die Autobahn 57, die von der Kölner Stadtmitte über Neuss nach Krefeld verläuft.

In der Folge der aufgegebenen Planungen für die Kölner Stadtautobahn existieren mit der B 55a und der A 559 zwei autobahnartig ausgebaute Ein- und Ausfallstraßen. Im linksrheinischen Köln ist das Hauptstraßennetz innerhalb des Autobahnrings geprägt durch vier Ringstraßen, die dem Verlauf früherer Stadtbefestigungen folgen. An der innersten Ringstraße beginnt eine Vielzahl von Radialstraßen, die alle nach Orten benannt sind, in deren Richtung sie von Köln aus führen.

Schiffsverkehr

In Köln gibt es mehrere Rheinfähren, deren Bedeutung durch Brücken zwar stark zurückging, die aber nach wie vor nicht nur touristische Bedeutung haben. Die weiße Flotte der KD (Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft) befördert Personen auf dem gesamten Rhein und in geringem Umfang auch anderswo.

Für den Güterverkehr auf dem Rhein war Köln durch das Stapelrecht im gesamten Mittelalter Drehkreuz zwischen den „niederen Landen“ und dem höher gelegenen Deutschland. Köln hat zahlreiche Häfen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Bedeutung der Innenstadthäfen allmählich zurück, wurden aber zugleich mit der Stadterweiterung im Norden umfangreiche neue Hafenanlagen möglich.

Nahverkehr

Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen S-Bahn-Linien, die Stadtbahn- und Buslinien der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sowie Buslinien anderer Verkehrsgesellschaften. Alle Verkehrsmittel in Köln sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) benutzbar. Dieser ist mit dem benachbarten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) verzahnt. Siehe auch Nord-Süd-Stadtbahn (im Bau).

Ungefähr 2000 Kölner Taxifahrer in ihren rund 1200 zugelassenen Fahrzeugen[25] stehen rund um die Uhr zur Verfügung.

Eine Besonderheit ist die Rheinseilbahn, sie war bis 2010, vor Bau der Rheinseilbahn zur Bundesgartenschau 2011 in Koblenz, die einzige in Betrieb befindliche Seilbahn zur Überquerung eines Flusses in Deutschland. Angelegt wurde sie anlässlich der Bundesgartenschau 1957.

Öffentliche Einrichtungen

Köln ist Sitz zahlreicher Körperschaften des öffentlichen Rechts. Neben einer Vielzahl von Bundes- und Landesbehörden haben auch kirchliche Organisationen, Verbände und Vereine ihren Hauptsitz in Köln. Allgemeine Gerichte sind bis zur Ebene der Oberlandesgerichte in Köln ansässig, auch die Finanz-, Sozial-, Verwaltungs- und Arbeitsgerichtsbarkeit ist dort vertreten.

Bundesoberbehörden mit Sitz in Köln sind der Militärischen Abschirmdienst, das Bundesamt für Güterverkehr, das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundesamt für den Zivildienst, die Germany Trade and Invest, das Bundesverwaltungsamt, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, das Zollkriminalamt und das DIMDI.

Die Bundeswehr hat in Köln eine Reihe von Schlüsselbehörden eingerichtet; hier sitzen unter anderem das Heeresamt, das Luftwaffenamt und das Luftwaffenführungskommando, die Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ), das Personalamt, die Stammdienststelle der Bundeswehr und eine Sportfördergruppe.

Landesbehörden wie das hbz und übergeordnete kommunale Einrichtungen wie der Deutsche Städtetag, die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände, der Landschaftsverband Rheinland und die deutsche Sektion des Rat der Gemeinden und Regionen Europas haben ebenfalls ihren Sitz in Köln. Mit der EASA ist auch eine europäische Behörde vertreten.

Wichtige Verbände, Vereine und kirchliche Organisationen mit Sitz in Köln sind unter anderem:

  • Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
  • Bundesverband deutscher Banken
  • Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
  • Deutscher Bühnenverein, der Bundesverband deutscher Theater
  • Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland (GEZ)
  • Die Heilsarmee in Deutschland
  • Kirchliche Zusatzversorgungskasse des Verbandes der Diözesen Deutschlands
  • Kolpingwerk Deutschland, Kolpingwerk Europa und Kolpingwerk International
  • Malteser Hilfsdienst
  • PKV – Verband der privaten Krankenversicherung

Hochschulen

Derzeit gibt es elf staatliche und private Hochschulen in Köln mit zahlreichen unterschiedlichen Studienrichtungen. Sie prägen das Bild der Stadt Köln, neben Berlin und München eine der drei größten Hochschulstädte Deutschlands. Den Ruf als multikulturelle Stadt hat Köln auch, weil viele der Einwohner Studenten sind, die nicht nur aus Köln, sondern aus ganz Deutschland und der Welt stammen.

Medien

Köln ist neben Berlin, Hamburg und München mit etwa 30.000 bis 40.000 Beschäftigten in diesem Bereich einer der größten und wichtigsten Medienstandorte in Deutschland. Die Medienlandschaft ist vielseitig; neben den großen Unternehmen und Anstalten der Fernseh- und Hörfunkproduktion und den großen Verlagshäusern hat sich in Köln eine sehr differenzierte Zulieferindustrie entwickelt, die von Agenturen über Produktionsfirmen bis zu technischen Ausstattern ein breites Spektrum umfasst.

Hörfunk, Fernsehen und Musikindustrie

Allein der Westdeutsche Rundfunk (WDR) beschäftigt an seinem Hauptsitz in Köln 3500 Mitarbeiter und betreibt neben dem WDR-Fernsehen fünf Hörfunkprogramme. Auch der Deutschlandfunk hat als öffentlich-rechtlicher Sender hier seinen Sitz, bis zu ihrem Umzug nach Bonn im Jahre 2003 außerdem die Deutsche Welle. Zwischen Januar 1954 und Oktober 1990 war im Kölner Stadtteil Marienburg auch der britische Militärsender BFBS angesiedelt. Der Hörfunk ist in Köln neben den öffentlich-rechtlichen Sendern auch mit der lokalen Welle Radio Köln sowie diversen kleineren Radiosendern vertreten.

Die zur RTL Group gehörenden privaten Fernsehsender RTL Television, Super RTL, VOX und n-tv haben ihren gemeinsamen Hauptsitz in die Rheinhallen im Kölner Stadtzentrum verlegt. Seit Oktober 2005 berichtet der Fernsehsender Center.TV täglich ausschließlich über das Geschehen in und um Köln. In Köln hat zudem die Gebühreneinzugszentrale GEZ ihren Sitz.

Neben EMI Music Germany, die im August 2000 ihren Hauptsitz vom Maarweg im Stadtteil Braunsfeld in den Mediapark verlegte, sind in Köln noch weitere kleinere Plattenlabels und Musikverlage ansässig.

Die GIGA Digital Television GmbH hatte bis zur Einstellung des Sendebetriebs am 13. März 2009 ihre Studios in Köln.

Printmedien

Köln verfügt mit dem Verlag M. DuMont Schauberg über ein Zeitungshaus von deutschlandweiter Bedeutung: Sowohl der Kölner Stadt-Anzeiger als auch die Kölnische Rundschau, deren gemeinsames Verbreitungsgebiet neben Köln und dem unmittelbaren Umland bis weit in die Eifel und das Bergische Land reicht, erscheinen hier. Das im selben Hause produzierte Boulevardblatt Express wird auch im Raum Düsseldorf verbreitet. Als in Köln erscheinende Printmedien sind außerdem die Wirtschaftszeitschriften Capital und Impulse zu nennen. Örtliche Bedeutung haben die monatlich erscheinenden Stadtillustrierten StadtRevue und Kölner. Der Taschen-Verlag ist als international operierender Buchverlag mit thematischen Schwerpunkten in Kunst, Architektur und Erotik bekannt. Mit Kiepenheuer & Witsch und dem DuMont Literaturverlag beherbergt die Stadt bedeutende literarische Verlage. Der 1918 gegründete subreport Verlag Schawe hat seinen Sitz seit seiner Gründung in Köln.

Einrichtungen und Standorte

Wichtige Medien-Einrichtungen in Köln sind beispielsweise die Kunsthochschule für Medien Köln, die Internationale Filmschule Köln und die GAG Academy für Nachwuchs-Comedians. Köln ist Sitz des Filmbüros Nordrhein-Westfalen. Besonders im Belgischen Viertel sind viele kleine Filmproduktionsfirmen angesiedelt, die meist nicht selbst drehen, sondern größere Filmproduktionsfirmen mit einzelnen Dienstleistungen und technischer Ausstattung unterstützen.

Medienstandorte sind in Köln über das ganze Stadtgebiet verteilt. Innerstädtisch gelegen ist neben den Hauptsitzen der großen Sender auch der Mediapark am Hansaring (20 ha, 174.000 m² Bürofläche), der von 1992 bis 2003 auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs Gereon errichtet wurde. In den modernen Gebäuden im Mediapark, darunter der 148 Meter hohe KölnTurm, sind etwa 250 Firmen mit etwa 5000 Beschäftigten angesiedelt, von denen gut 60 Prozent im Medien- und Kommunikationsbereich tätig sind.

Flächenverbrauchende Studios und Filmproduktionsstätten dagegen liegen an der Peripherie, wie etwa die WDR-Studiogelände in Bocklemünd oder das Medienzentrum Mülheim. Auf Teilen eines ehemaligen Fabrikgeländes haben sich dort rund um die große Veranstaltungshalle E-Werk viele Künstler und Agenturen angesiedelt. Auch einige TV-Studios sind dort zu finden, in denen unter anderen für Sat.1 und ProSieben produziert wird.

Außerdem befindet sich im Nordwesten der Stadt (auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens Butzweilerhof) das Coloneum, Europas größter Studiokomplex mit einer Fläche von 35 Hektar und 20 Studios (25.000 m²) mit bis zu 30 Meter Deckenhöhe. Im Südwesten der Stadt zwischen Köln und Hürth wurden große Studiokomplexe für Nobeo und MMC errichtet, in denen viele Shows für Sat.1 und RTL produziert werden, unter anderem von der Produktionsfirma action concept.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Köln hat zwischen 1823 und 2007 24 Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen. Siehe auch: Liste der Ehrenbürger von Köln.

Seit 2002 verleiht, parallel zu der offiziellen Ehrenbürgerschaft, der „Initiativkreis alternative Ehrenbürgerschaft“ die Alternative Kölner Ehrenbürgerschaft.

Söhne und Töchter der Stadt

Bedeutende Persönlichkeiten Kölns sind in der Liste der Söhne und Töchter der Stadt Köln (+ Liste der sonstigen berühmten Kölner) und in der Liste der Erzbischöfe und Bischöfe von Köln zu finden.

Literatur

Bildbände

  • Detlev Arens, Celia Körber-Leupold: Köln. Eine große Stadt in Bildern. Greven, Köln 2006, ISBN 3-7743-0378-9.
  • Patrick Essex und Tobias Bungter: KölnGut. Dabbelju, Köln 2009, ISBN 3-9396-66130.
  • Paul Wietzorek: Das historische Köln. Bilder erzählen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2006, ISBN 978-3-86568-115-7.

Lexika

  • Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Das große Köln-Lexikon. Greven, Köln 2005, ISBN 3-7743-0355-X (rund 1130 Artikel von A bis Z von Autorenkollektiv).
  • Ulrich S. Soénius, Jürgen Wilhelm (Hrsg.): Kölner Personen-Lexikon. Greven, Köln 2007, ISBN 3-7743-0400-9 (rund 1850 Artikel zu verstorbenen Persönlichkeiten der 2000-jährigen Kölner Stadtgeschichte von 50 Autoren).

Städtebücher und Atlanten, Straßen

  • Hansgerd Hellenkemper, Emil Meynen: Stadtmappe Köln. In: Heinz Stoob, Wilfried Ehbrecht, Jürgen Lafrenz und Peter Johannek (Hrsg.): Deutscher Städteatlas. Band 2, Teil 2. Dortmund 1979, ISBN 3-89115-317-1.
  • Dorothea Wiktorin u. a. (Hrsg.): Köln, der historisch- topographische Atlas. Emons, Köln 2001, ISBN 3-89705-229-6.
  • Preußens Städte – Denkschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Städteordnung vom 19. November 1808; hrsg. im Auftrag des Vorstandes des Preußischen Städtetages von Prof. Dr. Heinrich Silbergleit, Berlin 1908.
  • Erich Keyser (Hrsg.): Rheinisches Städtebuch; Band III 3. Teilband aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages. Stuttgart 1956.
  • Helmut Signon/Klaus Schmidt: Alle Straßen führen durch Köln. 3. Auflage. Greven, Köln 2006, ISBN 3-7743-0379-7.
  • Literarisches Köln. Der Dichter und Denker Stadtplan. Ansgar Bach, Jörg Reichwald (Mitarb.), Verlag Jena 1800, Berlin 2002.
  • Uschi Baetz (Text) und Jürgen Schaden-Wargalla (Fotografien): Einfach Köln. 9 Stadttouren in leichter Sprache. Bachem, Köln 2009, ISBN 978-3-7616-2193-6 (Stadtführer in Großdruck).

Monographien

  • Christian Bartz: Köln im Dreißigjährigen Krieg. Die Politik des Rates der Stadt (1618–1635). Vorwiegend anhand der Ratsprotokolle im Historischen Archiv der Stadt Köln. Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631-53434-5 (Militärhistorische Untersuchungen. Band 6). 
  • Verena Berchem: Das Oberlandesgericht Köln in der Weimarer Republik (Rechtsgeschichtliche Schriften Band 17). Böhlau, Köln 2004, Rezension von Thomas Roth in: Geschichte in Köln Band 53, Dezember 2006, SH-Verlag Köln, S. 202–203 „Buchbesprechungen“.
  • Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes. Der Einfluss von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, Dortmund 1997, ISBN 3-929797-36-4.
  • Georg Dehio u. a.: Rheinland. München 2005, ISBN 3-422-03093-X (Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen 1.).
  • Werner Eck: Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum. Greven, Köln 2004, ISBN 3-7743-0357-6 (Geschichte der Stadt Köln in 13 Bänden. Band 1).
  • Hiltrud Kier: Kleine Kunstgeschichte Kölns. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47170-6.
  • Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Emons, Köln 2005, ISBN 3-89705-407-8 (Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Band 12).
  • Christian Schuh: Kölns 85 Stadtteile. Geschichte, Daten, Fakten, Namen. Von A wie Altstadt bis Z wie Zündorf. Emons, Köln 2003, ISBN 3-89705-278-4.
  • Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 11. Auflage. Bachem, Köln 1990, ISBN 3-7616-0973-6 (1. Auflage 1958).
  • Bernhard van Treeck: Street Art Köln. Edition Aragon, Moers 1996, ISBN 3-89535-434-1.
  • Gerta Wolff: Das Römisch-Germanische Köln. Führer zu Museum und Stadt. Bachem, Köln 2000, ISBN 3-7616-1370-9.

Reiseliteratur

  • Maik Kopleck (Hrsg.), Gregory Piatkowski: Von der Colonia Agrippina bis zum „Deutschen Herbst“. PastFinder, Düsseldorf 2008, ISBN 978-988-99780-4-4 (Reihe PastFinder ZikZak.).
  • Köln, Merian-Hefte Dezember 1979 und Juli 1988.
  • Dieter Luippold (Redaktion), Achim Bourmer u.&npsp;a.: Köln. 10. Auflage. Baedeker, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-8297-1131-9 (Reihe Baedeker-Allianz-Reiseführer.).
  • Martin Stankowski Darum ist es am Rhein so schön. Vom Kölner Dom zur Loreley. Der andere Reiseführer. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04107-1.
  • Kirstin Kabasci: Köln'. Reise-Know-How-Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 3-8317-1396-0.

Historisches

Zeitschriften

  • Geschichte in Köln. Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte (erscheint jährlich mit einem Band; 2008 erschien Band 55, SH-Verlag Köln)
  • Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins e. V. (erscheint jährlich mit einem Band, 2008 erschien Jahrbuch 79, SH-Verlag Köln; in unregelmäßigen Abständen erscheinen Beihefte)

Monographien und Sonstiges

  • Carl Dietmar Jung, Werner Jung: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 10. Auflage, Bachem, Köln 2009, ISBN 978-3-7616-2226-1 (Sonderausgabe Historisches Archiv der Stadt Köln.).
  • Sonja Endres: Zwangssterilisation in Köln 1934–1945. Emons, Köln 2009, ISBN 978-3-89705-697-8 (Schriften des NS-Dokumentationszentrums. Band 16).
  • Manfred Groten (Hrsg.): Hermann Weinsberg (1518–1597). Kölner Bürger und Ratsherr. Studien zu Leben und Werk. SH-Verlag, Köln 2006, ISBN 3-89498-152-0 (Geschichte in Köln. Beiheft 1).
  • Alexander Kuffner: Zeitreiseführer Köln 1933–1945. Helios, Aachen 2009, ISBN 978-3-938208-92-2.
  • Horst Matzerath: Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0429-1 (Geschichte der Stadt Köln. Band 12).
  • Klaus Müller: Köln von der französischen zur preussischen Herrschaft, 1794–1815. Greven, Köln 2005, ISBN 3-7743-0375-4 (Geschichte der Stadt Köln. Band 8).
  • Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Emons, Köln 2005, ISBN 3-89705-407-8.
  • Werner Schäfke und Marcus Trier (Hrsg.): Mittelalter in Köln. Eine Auswahl aus den Beständen des Kölnischen Stadtmuseums. Emons, Köln 2009, ISBN 978-3-89705-654-1.
  • Norbert Trippen: Sein Wirken für die Weltkirche und seine letzten Bischofsjahre. Schöningh Verlag, Paderborn u. a. 2005 (Josef Kardinal Frings (1887–1978). Band 2, Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte Reihe B. Band 104, Rezension von Wolfgang Löhr in Geschichte in Köln. Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte. Band 53, Dezember 2006, S. 206–208).
  • Paul Wietzorek: Das historische Köln. Bilder erzählen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2006, ISBN 978-3-86568-115-7.

Architektur und Denkmalpflege

  • Ralf Beines, Walter Geis und Ulrich Krings (Hrsg.): Köln. Das Reiterdenkmal für Friedrich Wilhelm. von Preußen auf dem Heumarkt. Bachem, Köln 2004, ISBN 3-7616-1796-8 (Stadtspuren. Denkmäler in Köln. Band 31).
  • Annerose Berners: St. Aposteln in Köln. Untersuchungen zur Geschichte eines mittelalterlichen Kollegiatsstifts bis ins 15. Jahrhundert. Dissertationsdruck, Bonn 2004 (phil. Dissertation Bonn 2003, 2 Bände).
  • Carl Dietmar, Marcus Trier: Mit der U-Bahn in die Römerzeit. 2. Auflage Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03575-4.
  • Günther A. Menne, Christoph Nötzel (Hrsg.), Helmut Fußbroich, Celia Körber-Leupold: Evangelische Kirchen in Köln und Umgebung. Bachem, Köln 2007, ISBN 978-3-7616-1943-8.
  • Alexander Kierdorf (Hrsg.): Köln. Ein Architekturführer. Architectural Guide to Cologne. Reimer, Berlin 1999, ISBN 3-496-01181-5 (deutsch und englisch).
  • Ulrich Krings, Rainer Will: Das Baptisterium am Dom. Kölns erste Taufort. Greven, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0423-9.
  • Werner Schäfke: Kölns romanische Kirchen. Architektur, Kunst, Geschichte. Emons, Köln 2004, ISBN 3-89705-321-7.
  • Irmgard Schnellbächer: Kölns kleine Kirchen aus romanischer Zeit. Teil 2. Bernardus, 2003, ISBN 3-937634-42-8.
  • Max-Leo Schwering u. a.: Köln. Braunsfeld – Melaten. Kölnisches Stadtmuseum, Köln 2004, ISBN 3-927396-93-1 (Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums. Band 6)

Kunstgeschichte

  • Brigitte Corley: Maler und Stifter des Spätmittelalters in Köln 1300–1500. Ludwig, Kiel 2009, ISBN 978-3-937719-78-8.

Geologie/Geographie

  • Ernst Brunotte, Ralf Immendorf, Reinhold Schlimm: Die Naturlandschaft und ihre Umgestaltung durch den Menschen. Erläuterungen zur Hochschulexkursionskarte Köln und Umgebung. 2. Auflage Geographisches Institut, Köln 1994, ISSN 0454-1294 ( Kölner geographische Arbeiten. Heft 63).
  • Hanns Dieter Hilden (Hrsg.): Geologie am Niederrhein. 4. Auflage. Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, Krefeld 1988.
  • Roland Walter: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9, S. 317 ff.

Sport

  • Sportamt der Stadt Köln, Verein Kölner Sportgeschichte und Stadtsportbund Köln (Hrsg.): Sport für Köln. Gestern, heute, morgen. Köln 2009, ISBN 978-3-00-029016-9.
  • Erich Koprowski: 12 Radtouren rund um Köln. Droste, Düsseldorf 2010, ISBN 978-3-7700-1348-7.

Unterhaltsames über Köln

  • Jürgen Becker: Biotop für Bekloppte. Ein Lesebuch für Immis und Heimathirsche. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02423-X.
  • Friedhelm Biermann: Drei Könige, elftausend Jungfrauen und noch etwas mehr. Ein unterhaltsamer Streifzug durch die Kölner Jahrhunderte. Emons, Köln 2001, ISBN 3-89705-228-8.
  • Stephan Grünewald: Köln auf der Couch. Die Unzerstörbarkeit der Sehnsucht.Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 978-3-462-03814-9 (eine tiefsinnige Analyse der Kölner Lebensart mit viel Humor).
  • Luise Holthausen, Maren Briswalter (Illustrationen): Der rätselhafte Römerfund. Marzellen, Köln, ISBN 978-3-937795-10-2 (Die Kölner Geschichtsdetektive. Band 2; Kinderkrimi).
  • Luise Holthausen, Maren Briswalter (Illustrationen): Raub im Stadtmuseum.Marzellen, Köln 2010, ISBN 978-3-937795-15-7 (Die Kölner Geschichtsdetektive. Band 3; Kinderkrimi).
  • Hanns Dieter Hüsch: Köln. Eulen, Freiburg 1993, ISBN 3-89102-235-2.
  • Bernd Imgrund: Ohne Rhein kein Dom. 33 spannende und ungewöhnliche Gespräche aus dem Kölner Leben. Emons, Köln 2010, ISBN 978-3-89705-713-5.
  • Falko Rademacher: Köln für Imis. Ein Leitfaden durch die seltsamste Stadt der Welt. Emons, Köln 2006, ISBN 3-89705-249-0.
  • Thomas R. P. Mielke: Colonia, Roman einer Stadt. Zweitausend Jahre Kölner Geschichte unterhaltsam erzählt. Lübbe, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-404-14855-X.
  • Stephan Meyer (Redaktion): Kleiner kölscher Kosmos. LUND, Köln 2005, ISBN 3-938486-01-5.
  • Stephan Meyer (Redaktion): Das kölsche Liedbuch. LUND, Köln 2005, ISBN 3-938486-00-7.
  • August Kopisch: Die Heinzelmännchen zu Köln:
  • „Gemütlich auf der faulen Haut liegen, einen erfrischenden Schlaf genießen und wenn man aufsteht, ist die Arbeit getan. Wer träumt nicht auch von solch paradiesischen Zuständen?! In Köln am Rhein waren sie einst Wirklichkeit.“ Die Heinzelmännchen bei gutenberg.spiegel.de, ISBN 3-933070-89-9.

Karneval

  • Carl Dietmar, Marcus Leifeld: Alaaf und Heil Hitler. Karneval im Dritten Reich. Herbig, München 2010, ISBN 978-3-7766-2630-8.
  • Petra Metzger (Hrsg.): Karneval instandbesetzt? 25 Jahre Kölner Stunksitzung. Einem Phänomen auf der Spur. Edition Arge Kulturidee, Köln 2009, ISBN 978-3-00-029202-6.
  • Christine Westermann, Stefan Worring: Karneval. Bilder und Geschichten. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-03818-7.

Medien

  • Rheinhard Zeese: 1900 Jahre befestigtes Köln. LEB, Brühl 2006 (CD-ROM).
  • Rheinhard Zeese: Historische Parks und öffentliche Gärten in Köln 1801 bis 1932.' LEB, Brühl 2007 (CD-ROM).

Religion

  • Wilma Falk-van Rees (Hrsg.): 400 Jahre evangelisch in Mülheim am Rhein 1610–2010. CMZ, Rheinbach 2009, ISBN 978-3-87062-400-2.
  • •udrun Schmidt: Machtvolles Schweigen. Die Männerwallfahrt nach Kalk. Bachem, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2403-6.

Varia/Sonstiges

  • Petra Hartmann, Stephan Schmitz: Die Kölner Feuerwehr. Retten, löschen, bergen, schützen. Schmitz & Hartmann, Köln 2009.
  • Franz Sommerfeld (Hrsg.): Der Moscheestreit. Eine exemplarische Debatte über Einwanderung und Integration. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, ISBN 978-3-462-04010-4.
  • Literatur von und über Köln im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ Information und Technik Nordrhein-Westfalen – Amtliche Bevölkerungszahlen (Hilfe dazu)
  2. ↑ Statistisches Bundesamt – Städte nach Fläche und Bevölkerung
  3. ↑ Deutscher Wetterdienst > Klimadaten Deutschland > Klimadaten ausgewählter deutscher Stationen > Mittelwerte: Download der Mittelwerte des Niederschlags für den Zeitraum 1961–1990 (338 kB)
  4. ↑ a b Urban Audit: How cities rank (englisch)
  5. ↑ Halle ist die regnerischste Stadt Europas. In: Der Spiegel. 23. September 2008, abgerufen am 6. Januar 2010.
  6. ↑ Bahnen im Rheinland, Cologne underground, 1) Das Lehrbergwerk unter der Universität Status: 12. November 2009, abgerufen am 1. März 2010
  7. ↑ Karte der Beben-Stationen in der Niederrheinischen Bucht, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 5. März 2010
  8. ↑ Seismisches Forschungsnetz Niederrheinische Bucht (SeFoNiB), unter anderem finanziert von Deutsche Forschungsgemeinschaft, Hochschulbauförderung (HBFG), abgerufen am 5. März 2010
  9. ↑ Liste der letzten zehn registrierten natürlichen Erdbeben, Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 5. März 2010
  10. ↑ Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
  11. ↑ Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 515–599 (online).
  12. ↑ Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 11. Auflage. Bachem, Köln 1990, ISBN 3-7616-0973-6, S. 233 f.
  13. ↑ Carl Dietmar: Schreiben Sie Coburg mit K. In: Kölner Stadtanzeiger. 21. Dezember 2007, S. 32.
  14. ↑ Carl Dietmar, Werner Jung: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 9. Auflage. Bachem, Köln 2002, ISBN 3-7616-1482-9, S. 271.
  15. ↑ Ernst Weyden: Geschichte der Juden in Köln am Rhein von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Nebst Noten und Urkunden. Köln 1867 (online).
  16. ↑ a b Detlev Arens, Marianne Bongartz, Stephanie Henseler: Köln. DuMont, Ostfildern 2003, ISBN 3-7701-6025-8, S. 19.
  17. ↑ Suska Döpp: Jüdische Jugendbewegung in Köln 1906–1938. LIT, Münster 1997, ISBN 3-8258-3210-4, S. 29.
  18. ↑ Homepage der Zentralmoschee Köln
  19. ↑ IT.NRW: Bevölkerung im Regierungsbezirk Köln
  20. ↑ http://www.xx
  21. ↑ http://www.xx
  22. ↑ Stadtbibliothek Köln, öffentliche Einrichtung der Stadt Köln, abgerufen am 10. Mai 2010
  23. ↑ Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, zentrale bibliothekarische Einrichtung der Universität zu Köln, auch für andere Kundenkreise zugänglich, abgerufen am 10. Mai 2010
  24. ↑ Internetartikel auf www.xx
  25. ↑ Kölnmesse beschenkt Taxi-Fahrer. In: Köln Nachrichten. 12. Januar 2008, abgerufen am 7. Januar 2010.

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Geschichte der Stadt Köln

Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt Köln von der Vorgeschichte bis in die Nachkriegszeit.

Das vorrömische Köln

Erste Belege menschlichen Lebens im Stadtgebiet Köln werden auf die Altsteinzeit geschätzt; darauf lassen Funde eines Kernsteins in Dellbrück sowie eines Faustkeils im Königsforst und Funde aus Köln-Worringen schließen. Hinweise auf eine feste Besiedelung gibt es ab der Zeit um 4500 v.Chr., als der fruchtbare Lössboden der Rheinterrassen und das milde Klima Ackerbauern aus dem Donauraum anzog. Der bedeutende Fund einer Bandkeramik-Siedlung aus der Jungsteinzeit wurde 1929 in Lindenthal gemacht. Das Lindenthaler Dorf, das sich zwischen Hohenlind und Stüttgenhof erstreckt, wurde in der Zeit zwischen Ende des 5. bis Anfang des 4. Jahrtausends mehrfach besiedelt und wieder aufgegeben — Ursache war vermutlich eine extensive Landwirtschaft, die die Ackerbauern von Zeit zu Zeit zwang, ihre Siedlungen zu verlassen, bis sich der ausgelaugte Boden erholt hatte. Überreste einer weiteren bandkeramischen Siedlung wurden auch in Mengenich gefunden.

Zum Ende der Steinzeit gab es im heutigen Stadtgebiet, in Nippes und in der Innenstadt sowie in Merheim und Brück weitere Ackerbau-Siedlungen, die der Michelsberger Kultur zugerechnet werden. Die Glockenbecherkultur, die erste metallverarbeitende Kultur im Rheinland, siedelte nach 2000 v. Chr. in ganz Westeuropa und hinterließ sowohl Stein- als auch Kupferwerkzeuge. Aus der im 12. Jahrhundert v. Chr. bekannten Urnenfelderkultur, die durch einen Wandel in der Bestattungskultur von der Erd- zur Brandbestattung gekennzeichnet ist, wurde im Süden von Köln ein Gräberfeld gefunden. Belege einer wieder anderen, eisenzeitlichen Bestattungskultur — Hügelgräber — wurden vor allem im rechtsrheinischen Dellbrück aber auch linksrheinisch in Lindenthal, Müngersdorf, Riehl, Longerich und Worringen gefunden. 1949 betrug die nachweisbare Anzahl in Dellbrück noch 685, man schätzt das ursprüngliche Gräberfeld auf insgesamt 1200 Grabstätten.

Spuren keltischer Besiedlung während der La-Tène-Zeit finden sich ebenfalls in Köln, die meisten bekannten Beispiele im Linksrheinischen; aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. z. B. auch an der Südseite des Kölner Doms. Von der für die Kelten charakteristischen Handwerkskunst ist in Köln südöstlich der römischen Stadtmauer ein außergewöhnliches Einzelstück gefunden worden, eine etwa handflächengroße, als dreifach gehörnter Kopf geformte Henkelattache (angesetzter Gefäßhenkel). Nach Caesar[1] gehörte das Gebiet von Köln zum Stammesgebiet der keltischen Eburonen.

Das römische Köln

Um 57 v. Chr. hatte Caesar als Statthalter Galliens die Gebiete bis zum Rhein erobert. Ein Aufstand der Eburonen im Jahr 54 v. Chr. wurde ein Jahr später niedergeschlagen und der Stamm, der linksrheinisch zwischen Maas, Rhein und den Ardennen lebte, völlig ausgerottet. Während der Kämpfe traf Caesar auf den rechtsrheinisch siedelnden germanischen Stamm der Ubier, von dem ihm einige Krieger als Kundschafter dienten. Von Caesar als „kultivierter als andere Germanen“ gelobt, wurden sie von ihren rechtsrheinischen Nachbarstämmen jedoch aufgrund ihrer Römerfreundlichkeit bekämpft und zogen sich schließlich auf die nun unbewohnten Gebiete westlich des Rheins zurück. Tacitus berichtet, dass die Ubier sich bald darauf dem Agrippa und somit dem römischen Reich unterwarfen. Andere Berichte sprechen von einem Bündnisvertrag, den die Ubier mit den Römern schlossen, in dem ihnen umfangreiche linksrheinische Gebiete übertragen wurden. In beiden Überlieferungen wird kein genaues Datum angegeben.

Als Gründungsjahr für das Oppidum Ubiorum, die erste städtische Siedlung auf dem Boden des späteren Köln, wird meist das Jahr 38 v. Chr. genannt. Fakt ist, dass Agrippa zweimal in dieser Zeit an den Rhein reiste: in den Jahren 40–38 v. Chr. und um 20/19 v. Chr., so dass mit Sicherheit nur behauptet werden kann, dass die Hauptstadt der Ubier spätestens 19 v. Chr. gegründet wurde. Die Stadtsiedlung lag günstig am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelswege. Sie wurde schon von den Ubiern befestigt, aber auch den Römern diente sie bald als Garnisonsstandort und religiöses Zentrum. Ähnlich wie in Lyon für Gallien wurde auch hier ein Altarbau für die Schutzgöttin Roms errichtet, nach dem die Stadt auch Ara Ubiorum genannt wurde. Dieser Altar konnte noch nicht lokalisiert werden. Erstmals erwähnt wird er im Zusammenhang mit der Varus-Schlacht 9.n.Chr. bei Tacitus.[2]

Als Rom um 17 n. Chr. seine Pläne aufgab, auch das östlich des Rheins liegende Germanien zu erobern, konsolidierte sich die Ubiersiedlung im römischen Grenzgebiet. Bereits im Jahr 15 oder 16 n. Chr. wurde hier Agrippina die Jüngere, die spätere Gattin des römischen Kaisers Claudius und Mutter des Nero, geboren. Durch ihren Einfluss erhielt das Oppidum Ubiorum den Status einer römischen Kolonie und hieß fortan Colonia Claudia Ara Agrippinensium oder kurz CCAA. Der Name der Stadt enthielt sowohl den Namen Agrippinas als auch den des Kaisers Claudius, das Ara bezieht sich auf den römischen Altar in der Stadt. Von den etwa 150 römischen Coloniae ist es allein Köln, das seinen heutigen Namen von dieser Bezeichnung für das höchste römische Stadtrecht herleitet.

Mit dem Bau der im Durchschnitt 2,5 Meter starken und 8 Meter hohen Stadtmauer aus Stein mit 19 Rundtürmen, von denen einer aus dem 3. Jahrhundert bestens erhalten ist, und neun Toren wurde auf der Ostseite schon Ende des 1. Jahrhundert n. Chr. begonnen; die Arbeiten an der Befestigung wurde vermutlich erst im 3. Jahrhundert abgeschlossen. Im Jahr 68, dem Todesjahr Neros und der damit verbundenen Staatskrise in Rom, belagerten die Bataver und mit ihnen verbündete Stämme die Stadt und erreichten zunächst die Aufgabe der Bevölkerung. Die geforderte Niederlegung der Befestigung lehnten die Agrippinenser jedoch ab und schlugen sich bald wieder unter den Schutz der Römer.

Als seit 81 n. Chr. der Militärbezirk rund um Köln zur römischen Provinz Niedergermanien (lateinisch Germania Inferior) erhoben wurde, erhielt das an der römischen Rheintalstraße gelegene CCAA im Jahr 89 den Status einer Provinzhauptstadt. Um diese Zeit wurde die Wasserversorgung der Stadt durch einen der längsten Aquädukte des römischen Reiches, die Eifelwasserleitung, verbessert.

Die Herrschaft Trajans seit dem Jahr 98 kennzeichnet den Beginn einer Blütezeit für das ganze römische Reich; auch in CCAA führte eine 150 Jahre andauernden Periode des Friedens zu einem wirtschaftlichen und architektonischen Aufschwung. So entstand um 180 ein neues Prätorium für die Provinzverwaltung. Die Reste der Grundmauern wurden im Jahr 1953 beim Bau des Spanischen Baus des heutigen Rathauses freigelegt. Manufakturarbeiten aus Köln, vor allem Glas und Keramik, wurden ins gesamte römische Reich und darüber hinaus geliefert.

In den Jahren 259/60 schlug sich der Militärbefehlshaber Postumus nach einem Streit mit Saloninus, dem Sohn des Kaisers Gallienus, auf die Seite von aufständischen Grenztruppen und wurde von diesen zum Kaiser eines Imperium Galliarum ausgerufen. Postumus eroberte CCAA und tötete Saloninus — Köln wurde zur Hauptstadt des neuen Reiches, dem Gallien, zeitweise Spanien und vermutlich auch Britannien angehörten. Erst im Jahr 274 endete dieses „Sonderreich“, das für eine weitere Glanzzeit in CCAA steht, mit der Rückeroberung durch Kaiser Aurelian. Hochwertige Goldmünzen mit dem Bildnis des Postumus wurden zu dieser Zeit in den Münzstätten Kölns geprägt. Im Jahr der Rückeroberung wurde Köln jedoch zum ersten Mal von Germanen überfallen und verwüstet.

Kaiser Konstantin veranlasste daraufhin um 310 zum Schutz der Stadt den Bau des rechtsrheinischen Castellum Divitia (Kastell Deutz), das außerdem durch den Bau der ersten festen Rheinbrücke, einer Holzkonstruktion auf steinernen Strompfeilern, mit der Stadt verbunden wurde.

Die Bevölkerungszahl Kölns wird näherungsweise im dritten und vierten Jahrhundert auf rund 15.000 Menschen zuzüglich der etwa 5.000 im Umland geschätzt. Es herrschte eine Religions- und Kultusvielfalt; so wurden neben den ursprünglichen römischen Gottheiten auch Götter und Göttinnen aus der germanischen und aus anderen Religionen des römischen Reiches übernommen. 1882 wurde beispielsweise eine Isis-Figur in der Nordwand der Ursulakirche gefunden; im Römisch-Germanischen Museum befinden sich weitere Funde, z. B. für die meist in Dreizahl gezeigten Muttergöttinnen (Matronen). Besonders beliebt war in Köln auch der Mithraskult.

Nach der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem und der damit verbundenen Zerstreuung (Diaspora) der Juden finden sich Nachweise einer jüdischen Gemeinde in Köln. Kaiser Konstantin genehmigte im Jahr 321 die Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde mit allen Freiheiten der römischen Bürger. Obwohl nur wenig über die Lage der Gemeinde in Köln bekannt ist — man vermutet die Ansiedlung in der Nähe der Marspforte innerhalb der Stadtmauer — ist die Kölner Gemeinde die älteste in Deutschland nachgewiesene Gemeinde.

Eine Christengemeinde ist ab Beginn des vierten Jahrhunderts in Köln nachgewiesen. Als erster bekannter Kölner Bischof gilt Maternus im Jahr 313; die erste schriftliche Bezeugung einer Kirche stammt aus dem Jahr 355, ihr Standort ist jedoch unbekannt. Ein Saalbau wurde auf dem nördlichen Friedhof errichtet, wo der späteren Legende nach eine Gruppe christlicher Mädchen den letzten Christenverfolgungen zum Opfer gefallen worden sein soll — hier liegen möglicherweise die Ursprünge des späteren Kults um „Ursula und die 11000 Jungfrauen“.

Seit dem Germanenüberfall im Jahr 274 sah sich die Stadt weiteren germanischen Angriffen ausgesetzt; vor allem die Franken drängten über den Rhein. Im Herbst 355 gelang ihnen die Eroberung und Plünderung Kölns. Wenige Monate später wurde die Stadt durch den Caesar (in der Spätantike: Unterkaiser) Julian, der später zum Kaiser (Augustus) erhoben wurde, zurückerobert. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zeichnete sich jedoch das Ende der Römerherrschaft in Gallien und damit auch in Niedergermanien ab: Den Vormarsch der Germanen nach Westen überstand Köln noch relativ unversehrt. Eine kurze Rückeroberung durch den weströmischen Heermeister Flavius Aëtius in der Zeit zwischen 435 bis 446 ging mit einem Sieg gegen den Hunnenkönig Attila einher (der Vorbeimarsch der Hunnen an Köln bot weiteres Legendenmaterial zur Geschichte der Heiligen Ursula). Spätestens als Aëtius jedoch 454 ermordet wurde, bedeutete dies auch das Ende der Römerherrschaft in Köln, die Franken eroberten Köln und machten die Stadt zum Vorposten eines ihrer „Gaue“.

Das fränkische Köln

Zum Beginn der Frankenherrschaft im ehemaligen römischen Gebiet an Rhein und Mosel war der "Stamm" der Franken noch in Untergruppen gegliedert; in Köln herrschte Sigibert, König der "ripuarischen" Franken und Vetter des Merowingers Chlodwig I. Dem "ripuarischen" Königtum wurde von Chlodwig ein Ende gesetzt, indem er Sigiberts Sohn zunächst dazu brachte, seinen Vater ermorden zu lassen, und diesen dann von seinen eigenen Boten erschlagen ließ. Als Chlodwig in Köln einzog, soll er die Verantwortung für die Todesfälle abgelehnt und den Bürgern seinen Schutz angeboten haben — worauf diese ihn in St. Gereon jubelnd zu ihrem Herrscher und damit zum König aller Franken ausgerufen haben sollen. Dies berichtete der Chronist Gregor von Tours in seiner Geschichte der Franken.

In Köln lebte zur Zeit der Franken ein buntes Völkergemisch von Franken, anderen Germanen und "Römern", also der vor Ankunft der Franken ansässigen Bevölkerung, mit den unterschiedlichsten Religionen. Die "romanische" Stadtbevölkerung sprach auch noch im 6. Jahrhundert Latein. Trotz der zunehmenden Christianisierung des Merowingerreiches nach der Taufe Chlodwigs und dem Status Kölns als Bischofssitz gab es noch mindestens bis ins sechste Jahrhundert auch nicht-christliche Kultstätten.

Die Franken, ein Krieger- und Bauernvolk, nutzten in Köln die trotz der Eroberungszüge erhalten gebliebene römische Infrastruktur, vor allem das Prätorium, in dem die Könige residierten, sowie Brücke und Stadtmauer. Auch in Landwirtschaft und Handwerk bauten sie auf römischen Grundlagen auf; so entwickelten sich zum Beispiel aus den zahlreichen römischen Gutshöfen rund um Köln und den Militäreinrichtungen nach und nach fränkische Dörfer und Hofsiedlungen. Obwohl die Bevölkerungszahl in fränkischer Zeit stark zurückgegangen war, befanden sich Handel und Handwerk weiterhin auf hohem Niveau, allerdings war der Exporthandel im sechsten Jahrhundert nicht mehr so ausgeprägt.

Eine Bedrohung der Stadt im Jahr 557 durch die Sachsen, die bis zum Kastell Deutz vordringen konnten, wurde abgewendet. Bei den blutigen Machtkämpfen, die sich die Nachkommen Chlodwigs lieferten, wurde Köln immer wieder involviert. So flüchtete Theudebert nach der Schlacht bei Toul 612 vor seinem Bruder Theuderich von Toul nach Köln. Als dieser ihn in einem weiteren Kampf besiegte, zog Theuderich in Köln ein und wurde von den dort verbliebenen Anhängern Theudeberts zum neuen König ausgerufen.

Die Zwiste in der Königsfamilie führten zu einem Machtzuwachs für die fränkischen Adligen — die Hausmeier —, die ihren Königen die Regierungsarbeit aus der Hand nahmen; 687 zog der Karolinger Pippin der Mittlere alle fränkischen Hausmeierämter an sich. Er hielt sich über längere Zeiträume in Köln auf, seine Residenz befand sich vermutlich in der Nähe der heutigen Kirche St. Maria im Kapitol. Aber auch unter seinen Nachfolgern kehrte keine Ruhe ein: Pippins Stiefsohn Karl Martell zwang schließlich Plektrudis, die Witwe seines Vaters, die in Köln residierte, zur Aufgabe ihrer Macht und zum Gang ins Kloster in die nach hochmittelalterlichen Quellen von ihr gestiftete Kirche St. Maria im Kapitol.

Die endgültige Machtübernahme der Karolinger im Frankenreich durch Martells Sohn Pippin den Jüngeren 751 bedeutete das Ende der Merowingerherrschaft in Franken und für Köln das Ende seiner Rolle als Königssitz (die Karolinger residierten in Aachen).

Eine bedeutende Rolle spielten in der fränkischen Zeit vor allem die Kölner Bischöfe. Als wichtigster unter ihnen gilt der um 625 wirkende Kunibert von Köln, der schon für König Dagobert III. und dessen Sohn Sigibert III. die Regierungsgeschäfte geführt hatte. Der Legende nach weihte Kunibert auch die älteste noch erhaltene Kölner Kirchenglocke, den Saufang. Die Clemenskirche, in der Kunibert nach seinem Tod 663 bestattet wurde, hieß fortan Kunibertskirche.

Das karolingische Köln

Während der Sachsenkriege unter Karl dem Großen gewann Köln sowohl politisch als auch kulturell wieder an Einfluss; als erster karolingischer Bischof gilt Hildegar, der um 753 bei einer Schlacht gegen die Sachsen bei der Iburg getötet wurde. Köln verehrte seit dieser Zeit viele christliche Märtyrer, sammelte deren Reliquien in wertvollen Schreinen und baute für sie viele Kirchen. Im spätmerowingischen Dom wurde eine neue liturgische Einrichtung, eine Schola Cantorum eingebaut.

Papst Zacharias plante, Bonifatius zum Erzbischof Kölns zu ernennen, um von Köln aus die Bekehrung der Sachsen und Friesen voranzutreiben. Der Plan scheiterte zunächst an dem Widerstand der einheimischen Bischöfe und Adligen, und Köln wurde erst 795 Erzbischofssitz. Bereits 787 hatte Karl den Priester Hildebold zum Bischof von Köln eingesetzt, als die Kölner sich nicht selbst auf einen neuen Bischof einigen konnten. 795 wurde Hildebold folgerichtig auch Kölns erster Erzbischof; er amtierte bis zu seinem Tod im Jahr 818, vier Jahre nachdem Karl der Große gestorben war.

Nach dem Tod Karls des Großen entbrannte erneut ein Streit um das Frankenreich. Köln gehörte zunächst zum so genannten Mittelreich zwischen Ost- und Westfranken oder dem Lotharingien von Karls Enkel Lothar II. Dessen Scheidung und Wiederverheiratung, die durch den Kölner Erzbischof Gunthar unterstützt wurde, führte 863 zur Exkommunizierung Gunthars, der aber in Köln bis 866 weiter in seinem Amt blieb. Er protestierte gegen die Herauslösung Bremens aus seinem Metropolitanverband durch die Gründung des Erzbistums Hamburg-Bremen 848. Das führte zunächst zu einem Stillstand. Als aber Gunthar wegen seiner Ehescheidung Lothars II. exkommuniziert wurde, stellte Papst Nikolaus I. am 31. Mai 864 die Gründungsbulle für das Erzbistum Hamburg-Bremen aus. Gunthars Nachfolger Willibert weihte im Jahr 873 die Kirche, die als Alter Dom — Vorläufer des Kölner Doms — gilt. Mit ihrem Bau wurde wahrscheinlich um 850 begonnen, weil aber Gunthar als Bauherr missliebig erschien, schrieb man sie später dem berühmteren Vorgänger zu,weshalb sie lange den Namen Hildebolddom trug.

Nach Lothars Tod fiel Köln 876 an das ostfränkische Reich König Ludwigs des Deutschen. Durch die innerfränkischen Kämpfe wurde das Reich nach außen derart geschwächt, dass im Winter 881/882 die Normannen auf ihren Kriegszügen rheinaufwärts bis Köln und Bonn vordringen konnten. Sie plünderten und brandschatzten die Städte, und in Köln blieben nur der Dom und die Kirchen St. Severin und St. Gereon erhalten, alle anderen Gebäude und Kirchen sowie die Stadtmauer brannten nieder. Allerdings sollen sich die Geistlichen der Stadt vor dem Einfall der Normannen mit den wichtigsten Kirchenschätzen nach Mainz geflüchtet haben.

Bereits einige Jahre nach dem Normannenangriff sollen die Kölner ihre Stadtmauer wieder aufgebaut haben, und im Jahr 891 erhielt Köln unter seinem Erzbischof Hermann von Papst Stephan V. bedeutende Reliquien für die wieder aufgebauten Kirchen.

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts wechselte in Köln ein vorletztes Mal in der Karolingerzeit die Herrschaft: In Ostfranken wurde Konrad I., zum König gewählt, was die lothringischen Fürsten zur Abspaltung veranlasste und in den Einflussbereich des karolingischen Westfrankens brachte. Endgültig beendet wurde diese Phase durch den Sachsen Heinrich I., der mit wenigen Eroberungszügen Lothringen wieder zu Ostfranken brachte. 925 wurde Lothringens — und damit Kölns — Zugehörigkeit zum ostfränkischen Reich von den Fürsten und dem Kölner Erzbischof bestätigt.

Das hochmittelalterliche Köln

Ottonische Zeit

Erzbischof Brun, der Bruder des späteren Kaisers Otto I., war 953 zum geistlichen Oberhaupt von Köln gewählt worden. Nachdem unter seiner Führung ein Aufstand in Lothringen gegen den Bruder des Kaisers niederschlagen wurde, machte Otto I. den Erzbischof auch zum Herzog von ganz Lothringen und damit zum weltlichen Fürsten in Köln. Damit hatte er die Gerichtsbarkeit sowie Markt- und Münzhoheit in der Stadt — dies markierte den Beginn einer Periode erzbischöflicher Macht in Köln, die bis zur Schlacht von Worringen im Jahr 1288 andauerte.

Brun hinterließ bleibende Spuren in der Stadt. So wurden unter seiner Herrschaft der alte Dom erweitert, mehrere Stifte und Klöster (z. B. der Vorläuferbau der heutigen Kirche Groß St. Martin) gegründet und um 950 die Siedlungen der Rheinvorstadt, die bis dahin noch außerhalb der Stadtmauern lagen, in die Stadt eingegliedert (das Gebiet um den heutigen Alter Markt und Heumarkt). Für die Besuche des Kaisers in Köln ließ er in der Nähe des Domes vermutlich eine Pfalz errichten.

Kurz nachdem Otto I. im Jahr 965 mit seiner Familie den Erzbischof in Köln besucht hatte, verstarb Brun im Alter von 40 Jahren auf einer diplomatischen Mission in Reims. Er wurde in der Kölner Klosterkirche von St. Pantaleon beerdigt.

Nach Bruns nur kurz amtierendem Nachfolger Folcmar trat ab 969 vor allem Erzbischof Gero in Erscheinung. Er reiste 971 nach Konstantinopel, um eine Ehefrau für Otto II. zu suchen. Geplant war die Vermählung des Kaisersohns mit der Tochter des oströmischen Kaisers; Gero vermittelte schließlich die Vermählung mit dessen Nichte Theophanu im Jahr 972. Die Kaiserin führte nach dem Tod Ottos II. 983 sechs und ein halbes Jahr für ihren unmündigen Sohn Otto III. die Regentschaft. Sie starb bereits 991; der byzantinische Einfluss auf die deutsche Kunst und Kultur kann jedoch auf sie und ihr großes Gefolge zurückgeführt werden. Nachdem sie wie Brun in St. Pantaleon beigesetzt worden war, siedelten sich ihre Landsleute, Handwerker und Künstler, um diese Kirche an – was sich in Kölner Straßennamen wie Griechenmarkt niederschlug.

Das kunsthistorisch und ikonographisch bedeutende Gerokreuz im alten Dom soll der Überlieferung nach 970 von Gero beauftragt und aufgestellt worden sein. Nach dessen Tod wurde es an seinem Sarkophag im Dom aufgestellt. Von Geros Nachfolger, Erzbischof Everger, der zu Zeiten Geros Domschatzmeister gewesen war, wird in der Chronik Thietmar von Merseburgs berichtet, er habe sowohl Gero als auch dessen Nachfolger Warin scheintot bestatten lassen, um ihr Amt zu übernehmen. Evergers Nachfolger wurde Erzbischof Heribert. Er regierte von 999 bis 1021 und stiftete 1003 die Abtei Deutz. Während seiner Amtszeit hatten die Kölner mit mehreren Hungersnöten und Dürren zu kämpfen. Seine Gebete sollen zum ersehnten Regen geführt haben, so dass er nach seinem Tode 1147 heilig gesprochen wurde.

Salische Zeit

Heriberts Amtsnachfolger Pilgrim trug durch die Königskrönung Heinrichs III. und seiner Mutter Gisela zu dem dauerhaften Anrecht der Kölner Erzbischöfe bei, in Aachen Krönungen vornehmen zu dürfen. Außerdem wurde er 1031 zum Erzkanzler für Italien ernannt, ein Ehrenamt, das nach ihm alle Kölner Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation inne hatten.

Der Kölner Erzbischof erhielt 1039 das Münzrecht und die Kölner Mark begann ihren Siegeszug am Niederrhein. Im folgenden Jahr (1040) wurde die erste Synagoge in Köln errichtet. Die Königin Richeza von Polen wurde 1061 in Köln beigesetzt.

Im Jahre 1074 kam es zu einer Rebellion der Kölner Bürger gegen ihren Lehnsherrn, den Erzbischof Anno II.. Als Anno im Kölner Hafen ein Kaufmannschiff beschlagnahmen ließ, widersetzte sich der Sohn des reichen Kaufmanns der Beschlagnahmung. Anno konnte sich nur knapp vor der mordlustigen Bevölkerung in Sicherheit bringen und aus der Stadt fliehen. Er kehrte wenige Tage später mit bewaffneten Verbänden zurück, die Stadt kapitulierte, die Rädelsführer wurden brutal bestraft.[3]

1096 befand sich in Köln der Sammelplatz für die Kreuzritter vom Niederrhein. Die Kreuzzügler plünderten und brandschatzten das Judenviertel. Im Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. wurden 1106 neue Befestigungsanlagen errichtet. Köln schlägt sich auf die Seite Heinrichs IV. Durch diese zweite Stadterweitung umfassten die Mauern nun ein Gebiet von 203,6 Hektar. Am 25. August 1128 legte ein durch Blitzschlag verursachtes Feuer das rechtsrheinische Deutz in Schutt und Asche. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Das Kölner Rathaus wurde erstmals 1135 urkundlich erwähnt.

Staufische Zeit

Für 1149 ist das große Kölner Stadtsiegel erstmals belegt; seine tatsächliche Entstehungszeit ist umstritten. Gegen 1140 lebten schätzungsweise 20.000 Bürger in der Stadt. Köln wurde 1150 von einem großen Brand und einer Pest-Welle heimgesucht.

Der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel brachte die Gebeine der Heiligen Drei Könige am 23. Juli 1164 nach Köln. Dadurch wurde Köln einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des christlichen Europas und lockte in großer Anzahl Pilger und Könige zur Heiltumsfahrt nach Köln. Auch wegen der 1121 gefundenen und seitdem verehrten Reliquien des Hl. Gereon und seiner Gefährten sowie den im 12. Jhdt. gefundenen Gebeinen der legendären Heiligen Ursula und ihrer laut der Legende 11.000 Begleiterinnen wurde Köln zusammen mit Rom und Santiago de Compostela eine der drei großen Pilgerstätten des Spätmittelalters. Der Reliquienschatz Kölns soll mehr als 800 Heilige enthalten haben.

Im Mai 1169 bestätigte Philipp anlässlich einer Auseinandersetzung zwischen dem Burggrafen und dem Vogt von Köln ein altes Weistum, worin deren amtliche Stellung und der Umfang ihrer Befugnisse und Gerechtsame, so wie die Freiheiten der Kölnischen Bürger aufgezeichnet wurden.[4] 1171 erneuerten die Senatoren der Stadt Köln den Kaufleuten von Dinant die Zoll-Privilegien, die ihnen bereits durch den Erzbischof Friedrich I. (†1131) verbrieft worden waren.[5] 1174 lieh Erzbischof Philipp I. von Heinsberg zum Zweck eines Kriegszuges nach Italien von der Stadt Köln 1000 Mark und verpfändete ihr dafür das Münzrecht.[6]

Am 27. Juli 1180 verglich sich Erzbischof Philipp hinsichtlich der gegen sein Verbot angelegten Stadtbefestigung, dass gegen eine Zahlung von 2000 Mark und einen Grundzins der Status quo in Bezug auf Befestigung, Häuser und Vorbaue bleiben durfte. Damit wurde der Bau der Stadtbefestighung sanktioniert.[7] Der Vertrag wurde am 11. August von Kaiser Friedrich I. bestätigt.[8] Die große mittelalterliche Stadtmauer wurde in den folgenden sechs Jahrzehnten gebaut. Die Fläche der Stadt wuchs von 203,6 ha auf 402,6 ha. Nach der Fertigstellung war die Mauer mit 52 Türmen und 12 Toren das größte Befestigungswerk Europas.[9][10] Das (Leprosorium) von Köln, in Melaten verkehrsgünstig an der Köln-Aachener Straße gelegen, wurde erstmals in der Schreinskarte der Pfarrei St. Aposteln 1180 erwähnt. Das zerstörte Siechenhaus wurde als hoff to Malaten buyten Colne erstmals am 25. April 1243 urkundlich erwähnt.[11]

Der Rat der Stadt Köln erschien erstmals 1216 in den tradierten Urkunden. Der Einzug der künftigen Kaiserin und englischen Prinzessin Isabella von England 1235 auf ihrer Reise zu ihrer Hochzeit in Worms mit Kaiser Friedrich II. wurde eines der "großartigsten gesellschaftlichen Ereignisse des Hochmittallater" [12]. Isabella wurde mit allen Ehren empfangen und blieb sechs Wochen in Köln. Erzbischof Konrad von Hochstaden legte am 15. August 1248 den Grundstein für den Neubau des Kölner Doms. Der Kirchenlehrer Albertus Magnus spielte in seiner Kölner Zeit eine herausragende Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof. Im Kleinen Schied vom 17. April 1252 und im Großen Schied vom 28. Juni 1258 gutachtete er beim Streit zwischen Stadt und Bischof. Mit dem Großen Schied wurde die oberste Gerichtsgewalt und die oberste Macht dem Erzbischof zugesprochen. Gleichzeitig bestätigte der Spruch aber auch das Selbstverwaltungsrecht der Kommune. Die Folge war, dass Konrad von Hochstaden die angestrebte Landeshoheit über Köln nicht durchsetzen kann und sich mit der Oberaufsicht begnügen muss.[13]

Das spätmittelalterliche Köln

Köln trat im Juli 1254 dem Rheinischen Städtebund bei, der 59 Städte und auch Territorialfürsten umfasste und bis 1257 bestand. Motiv für die Gründung war die Unsicherheit im Heiligen Römischen Reich zur Zeit des Interregnums. Der Rheinische Städtebund forderte die Abschaffung der etwa 30 Rheinzölle, welche den Handel stark behinderten. Er wendete sich gegen Fehden und setzt Regelungen für Konfliktfälle fest.

Erzbischof Konrad von Hochstaden verlieh der Stadt Köln am 7. Mai 1259 das Stapelrecht. Danach mussten alle an- und durchreisende Kaufleute ihre Waren zu Köln "stapelt" und zum Verkauf anbieten. Das Stapelrecht war maßgeblich für die Entwicklung Kölns zur europäischen Wirtschaftsmetropole des Spätmittelalters.[14] Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg sicherte den Juden der Stadt 1266 seinen Schutz zu. Im Streit zwischen den Bürgern und dem Erzbischof kam es Oktober 1268 zum Kampf an der Ulrepforte. Der Konflikt wurde in der Reimchronik Gottfried Hagens dargestellt.

Am 15. November 1280 starb Albertus Magnus in Köln. Die Kölner Bürger erkämpften in der Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288 ihre Freiheit von der erzbischöflichen Stadtherrschaft. Bei dem Konflikt zwischen Siegfried von Westerburg, Erzbischof von Köln und Herzog Johann I. von Brabant schlug sich die Stadt Köln auf die Seite des Herzogs. Der Erzbischof geriet in Gefangenschaft. Die Stadt Köln erlangte in der Folge de facto den Status einer Reichsstadt, wenngleich die Anerkennung de jure noch bis 1475 auf sich warten ließ.

Der Chor des neuen gotischen Doms wurde am 27. September 1322 geweiht. Die Reliquien der Heiligen Drei Könige, Anziehungspunkt für zahlreicher Pilger, wurden in den neuen Dom überführt. Um 1324 war Meister Eckhart Leiter des Studium generale in Köln. Er wurde 1325 durch Mitbrüder beim Kölner Erzbischof Heinrich II. von Virneburg, Erzbischof von Köln wegen angeblich häretischer Glaubensaussagen denunziert und starb entweder 1327 oder 1328 hier oder in Avignon.

In einer Eintragung in das Eidbuch des Kölner Rats am 5. März 1341 wurde der Karneval erstmals erwähnt. Im Sommer 1349 forderte die Pest täglich mehr als 100 Opfer. In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1349 kam es zu einem Pestpogrom, bei dem die Kölner Judengemeinde ausgelöscht wurde. Im „Hansasaal“ des Kölner Rathauses tagte am 19. November 1367 eine Versammlung der Hansestädte und bildete die Konföderation gegen den dänischen König Waldemar IV..

Die Auseinandersetzungen zwischen den Patriziern, die den Rat und die Richerzeche dominierten und den aufstrebenden Zünften erreichten im so genannten Kölner Weberaufstand einen ersten Höhepunkt. Es gab in Köln gegen Ende des 14. Jahrhunderts ungefähr 300 Weberwerkstätten mit bis zu 6000 Beschäftigten. Produziert wurden bis zu 20.000 Ballen (1,60 Meter breites Tuch von 25 Meter Länge) im Jahr. Der Kölner Gewandschneider Wilhelm Wavern exportierte zu dieser Zeit 10.000 Paar Hosen p.a. Ein Webergeselle verdiente damals etwa 8 Schilling pro Tag bei folgenden Lebenshaltungskosten: ein Hahn 3 Schilling, 25 Eier 25 Schilling, ein Fisch 2 Schilling, eine Hose 32 Schilling, 1 Paar Schuhe 10 Schilling.[15] Der Weberaufstand sollte dieser immensen wirtschaftlichen Bedeutung der Weberzünfte Rechnung tragen. Er begann Pfingsten 1369 und endete in der blutigen Weberschlacht am 20. November 1371 auf dem Waidmarkt mit einer schweren Niederlage der Weberzunft, die daraufhin hart bestraft wurde. Vorübergehend konnten die patrizischen Familien ihre Macht wiederherstellen. Die Richerzeche wurde restituiert, 1396 aber endgültig abgeschafft.

Im Jahr 1374 kam es zum höchsten bislang in Köln erreichten (eisfreien) Hochwasser. Nach Schneeschmelze und tagelangen Regenfällen in weiten Teilen des Rheineinzugsgebietes wurde am 11. Februar ein Wasserstand von etwa 13,30 m erreicht. Während der Scheitelwelle konnten Boote über die rheinseitige Stadtmauer fahren. Es handelte sich um ein durch zahlreiche zeitgenössische Quellen belegtes, einmaliges Ereignis. Vom April 1375 bis zum Friedensschluss am 16. Februar 1377 kam es im so genannten Schöffenkrieg zu einer schwerwiegenden Machtprobe zwischen der Stadt Köln und Erzbischof Friedrich von Saarwerden. Anlass war ein Kompetenzstreit im Zusammenhang mit den Schöffen, die dem erzbischöflichen Burggrafen beim Hochgericht beisaßen oder ihn vertraten. Im Verlauf des Schöffenkrieges verhängte Kaiser Karl IV. die Reichsacht über Köln, und im Kölner Umland, insbesondere in Deutz, wurden schwere Zerstörungen angerichtet.

Die Alte Kölner Universität wurde am 21. Mai 1388 von der Kölner Bürgerschaft gegründet und vom römischen Papst Urban VI. bewilligt. Die Eröffnung erfolgte am Dreikönigstag 1389. Gründungsrektor war Hartlevus de Marca, der den Lehrbetrieb mit einer Disputation mit dem Theologieprofessor Gerhard Kikpot von Kalkar über Jesaja 60,1 („die Herrlichkeit des Herrn ging strahlend auf über dir“) eröffnete. Die Universität ging hervor aus den Generalstudien der Dominikaner, die Albertus Magnus 1248 eingerichtet hatte. Die Universität zu Köln war die vierte Universitätsgründung im Heiligen Römischen Reich nach der Karls-Universität Prag (1348), der Universität Wien (1365) und der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg (1386). Die Alte Universität wurde 1798 von französischen Besatzern geschlossen.

Am 6. November 1395, dem Freitag nach Fronleichnam, erschütterte morgens um 3 Uhr ein schweres Erdbeben die Stadt Köln, nachdem schon acht Tage vorher Hagelschauer mit Körnern so groß wie Hühnereier die Leute erschreckt hatten.

Der Verbundbrief von 1396

Im Jahr 1396 wurde durch eine unblutige Revolution die Patrizierherrschaft in Köln endgültig beendet. An ihre Stelle trat eine ständische Verfassung, die sich auf die Organisation der Gaffeln stützte. Vorausgegangen waren jahrelange Auseinandersetzungen innerhalb des Rates und des ihn konstituierenden Patriziats.

Am 8. Juli 1391 schaltete Hilger Quattermart, der Führer der patrizischen Greifen-Partei, die Schöffen des Hochgerichts aus. Am 11. August 1391 ging das Recht der Bürgermeisterwahl von der Reichen-Korporation Richerzeche auf den Rat über. Am 17. Juli 1394 beschloss der Rat die „Ewige Verbannung“ Heinrich von Staves, eines Oheims von Hilger Quattermart, wegen dessen Umtrieben in Sachen Deutzer Zoll. Am 26. Dezember 1395 kam es in einer stürmischen Ratssitzung zur Löschung des Verbannungsdekrets Heinrich von Staves durch Hilger Quattermart aus dem Ratsbuch, danach provokatorisches Auftreten Heinrich von Staves in der Stadt. Am 4. Januar 1396 wurde die Partei der „Greifen“ mit ihrem Führer Hilger Quattermart von der Partei der am 3. Januar 1396 gegründeten Partei der „Freunde“ unter Führung von Konstantin von Lyskirchen entmachtet.

Hilger Quattermart floh. Sein Verwandter Heinrich von Stave wurde am 11. Januar 1396 auf dem Neumarkt hingerichtet, viele der „Greifen“ wurden zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Am 18. Juni 1396 versuchte Konstantin von Lyskirchen alte patrizische Rechte wiederherzustellen. Die dagegen protestierenden Handwerker- und Kaufleutezünfte wurden von ihm „vom hohen Ross herab“ nach Hause geschickt. Daraufhin nahmen die Zünfte die „Freunde“ in ihrem Versammlungsraum gefangen. Die „Greifen“ wurden befreit. Am 24. Juni 1396 trat ein 48-köpfiger, provisorischer Rat aus Kaufleuten, Grundbesitzern und Handwerkern zusammen.

Der Stadtschreiber Gerlach von Hauwe formulierte daraufhin den so genannten Verbundbrief[16], der am 14. September 1396 von den 22 so genannten Gaffeln unterzeichnet und in Kraft gesetzt wurde. Die Gaffeln waren heterogen zusammengesetzt, in ihnen waren die entmachteten Patrizier, Ämter, Zünfte und Einzelpersonen zusammengefasst, nicht aber die zahlenmäßig sehr starke Geistlichkeit; jeder kölnische Bürger musste einer der Gaffeln beitreten. Der Verbundbrief konstituierte einen 49-köpfiger Rat, mit 36 Ratsherren aus den Gaffeln und 13 Gebrechsherren, die berufen wurden. Der Verbundbrief blieb bis zum Ende der Freien Reichsstadt 1797 in Kraft. Am 14. April 1397 bestätigt der Rat die Zunftbriefe der Garnmacherinnen, Seidenmacherinnen und Goldspinnerinnen analog zu übrigen Zunftordnungen. Wirtschaftlich erreichten die Kölner Frauen im Spätmittelalter eine Freiheit wie nirgends sonst im Deutschen Reich.[17] Frauen handelten selbständig und waren weitgehend geschäftsfähig.[18]

Die Freie Reichsstadt Köln

Um 1400 lebten schätzungsweise 40.000 Bürger in der Stadt Köln, der zu dieser Zeit größten Stadt des Heiliges Römisches Reichs. Am 6. Januar 1401 erfolgte im Kölner Dom die Krönung von Ruprecht I. zum deutschen König, und am 6. Juli 1402 wurde im Dom die so genannte "Englische Heirat" zwischen Blanca von England, Tochter von Henry IV., und Ludwig III., Kurfürst von der Pfalz, Sohn König Ruprechts von der Pfalz, geschlossen. Sie war unter Vermittlung von Unterhändlern des Kölner Rats zu Stande gekommen.[19] 1403 verbietet der Rat eine jegliche Vermummung an den Fastnachtstagen.[20]

Der Rathausturm wurde 1414 vollendet, er wurde als Archiv, Waffenkammer und Feuerwache genutzt. Im gleichen Jahr begann die Herrschaft von Erzbischof Dietrich II. von Moers (1414-1463), die mit 49 Jahren längste Regierung eines Erzbischofs von Köln. Die Kölner Juden wurden nach ihrer Wiederansiedlung von 1372 im Jahr 1424 endgültig aus der Stadt vertrieben. Die Synagoge wurde zur Ratskapelle "Sankt Maria in Jerusalem" umgebaut, die Kölner Mikwe verfüllt. Damit endete die Tradition einer der ältesten und bedeutendsten Siedlung von Juden auf deutschem Boden.[21]

Die erste Kölner Bettelordnung wird auf 1435 datiert und wurde in die Kölner Statuten von 1437 aufgenommen. Sie schreibt vor, dass Gesunde für ihren Lebensunterhalt arbeiten oder die Stadt verlassen müssen und dass Bettler ihre Wunden und Gebrechen nicht öffentlich zur Schau stellen dürfen, damit die "guten Bürger" nicht belästigt werden. Die Bettelordnung richtete sich zudem gezielt gegen auswärtige Bettler.[22] Stefan Lochner vollendete um 1445 das Altarbild Altar der Stadtpatrone, das das Selbstbewusstsein der Freien Reichsstadt widerspiegelt und heute im Dom ausgestellt ist. Im gleichen Jahr erteilte der Rat am 11. Juni den Befehl, dass alle Ferkel - bis auf die der Bäcker, Brauer und Landwirte - innerhalb der Stadt abzuschaffen seien. Dieser und zahlreiche ähnliche, vermutlich ebenso wenig erfolgreiche Erlasse des Rats werfen ein signifikantes Licht auf die innerstädtischen, hygienischen Zustände. Mit Wilhelm Roggelin und Peter Puckgassen wurden am 16. August 1448 die ersten amtlich bestallten Müllmänner der Stadt bestallt.[23]

Der Gürzenich, das Ball- und Tanzhaus des Rates, wurde von 1441 bis 1447 von Stadtbaumeister Johann van Bueren errichtet. Am 26. Februar 1446 fand der erste, urkundlich belegte Hexenprozess in Köln statt. Nach Schwören der Urfehde wurde die Angeklagte freigelassen.[24] Der Rat der Stadt verbot 1449 die Einfuhr fremden Bieres nach Köln, bei Zuwiderhandlung drohten den Importeuren Gefängnisstrafen. 1466 wurde der erste bekannte Kölner Buchdruck (Liber Johannis Chrysostomi super psalmo quinquagesimo) in der Druckerei von Ulrich Zell publiziert. Zell hatte sein Handwerk wahrscheinlich bei den Mainzer Buchdruckern Peter Schöffer und Johannes Fust gelernt; ein Jahrzehnt später gab es bereits 10 Druckereien in Köln.[25] 1469 verfasste Heinrich van Beeck eine umfassende Geschichte der Stadt Köln, die Agrippina genannte Universalchronik Chronica coloniensis. Darin wurde die Geschichte der Stadt von den Anfängen bis ins Jahr 1419 dargestellt. Neben der Chronik steht in der Handschrift gleichberechtigt ein Urkundenteil.[26]

Kaiser Friedrich III. bestätigte im Verlauf der Kölner Stiftsfehde 1475 offiziell den seit 1288 praktisch bestehenden Status als Freie Reichsstadt; die Hanse unter Führung Kölns erwarb den Stalhof in London als Kontor. Vier Jahre später 1479 erhielt die Universität zu Köln von Kaiser Friedrich III. das Recht, Leichen zu sezieren. 1481/82 scheiterte ein Umsturzversuch der so genannten Kleinen Schickung gegen das Finanzgebaren des Rats, weil sich die Gaffeln mehrheitlich auf dessen Seite schlugen. Ein Sterbender berichtete 1484 von homosexuellen Praktiken in Köln. Eine große Untersuchung ergab, dass wohl über 200 angesehene Bürger darin verwickelt waren, so wurden die Ergebnisse der Untersuchung wieder unter den Teppich gekehrt.[27]

Auf dem Reichstag 1505 zu Köln entschied der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. den Landshuter Erbfolgekrieg: Das Herzogtum Pfalz-Neuburg entstand (so genannter Kölner Spruch). Der Dominikaner Jakob van Hoogstraten (†1527), 1504 in Köln zum Dr. theol. promoviert und seit 1505 Regens der Kölner Ordensschule, wurde 1510 Prior des Kölner Dominikanerklosters und hatte als solcher das Amt des päpstlichen Inquisitors für die Kirchenprovinzen Köln, Mainz und Trier inne.[28] Er lässt in Köln die Bücher Reuchlins verbrennen.

Der Bürgeraufstand von 1512/13, bei dem drei Bürgermeister und sieben Ratsherren getötet wurden, führte zum Beschluss des Transfixbriefs vom 15. Dezember 1513, der Ergänzungen zum Verbundbrief von 1396 enthiel und den jahrzehntelang gewachsenen Spannungen zwischen Rat und Gemeinde Rechnung trug. Im Transfixbrief, der bis 1797 zusammen mit dem Verbundbrief die Kölner Verfassung bildete, werden die Rechte der Gemeinde erweitert und fortgeschrieben, insbesondere die Unverletztlichkeit von Person und Wohnung.[29] Zudem sollten die Macht der Gaffeln gestärkt, die Veruntreuung städtischer Gelder verhindert und die Günstlingswirtschaft des Rates unterbunden werden.[30]

Albrecht Dürer besuchte im Jahr 1520 seinen Vetter Niklas in Köln. Auf dem Domhof wurden die Schriften von Martin Luther verbrannt. Auf Melaten wurden im Jahr 1529 die beiden protestantischen "Ketzer" Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden verbrannt. Die Kölner Börse wurde 1553 gegründet. Bei einem Fährunglück 1559 auf dem Rhein ertranken über 50 Personen. Die Bauarbeiten am Kölner Dom wurden im Jahr 1560 aus finanziellen Gründen eingestellt.

Seit dem Hochmittelalter hatten die Kölner mit Besorgnis beobachtet, dass der Rhein begann, sich am rechten Rheinufer bei Poll ein anderes Flussbett zu suchen. Hochwasser und Eisgänge begünstigten diese Veränderungen. Um zu verhindern, dass es zwischen Poll und Deutz zu einem östlichen Durchbruch des Rheins kam, wollte Köln das Ufer mit den so genannten Poller Köpfen befestigen, doch erst 1557 konnte sich der Rat mit dem Erzbischof über die Maßnahmen einigen. 1560 wird das Großprojekt in Angriff genommen, das über 250 Jahre fortgeführt wurde. Insgesamt wurden drei schwere Uferbefestigungen ("Köpfe") angelegt. Neben Hunderten auf Grund gelegten Schiffen wurden Weidenpflanzungen und Buhnen eingebracht, um Abweichungen des Flussverlaufs zu verhindern. Mit Basaltbrocken beschwert wurden eisenbewehrte Eichenstämme - durch schwere Querbalken verbunden - in den Flussgrund getrieben. Der nördliche Kopf soll eine Länge von 1.500 Metern gehabt haben.[31]

Seit 1577 war Köln mittels eines Abzweigers ab Wöllstein mit dem europäischen Hauptpostkurs, dem Niederländischen Postkurs von Brüssel über Augsburg nach Innsbruck, Trient und Italien verbunden. Zunächst bestand eine Fußbotenpost, die jedoch 1579 vom Postmeister Jacob Henot in eine reitende Post umgewandelt wurde. [32]

Der Kölner Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg sagte sich 1582 von der katholischen Kirche los und heiratete die protestantische Stiftsdame Agnes von Mansfeld, trat aber als Erzbischof nicht zurück. Gebhard Truchsess von Waldburg wurde 1583 exkommuniziert und der verlässlich katholische Ernst von Bayern zu seinem Nachfolger bestimmt u.a. deshalb, weil ein protestantischer Kölner Erzbischof die katholische Mehrheit im Kurfürstenkollegium gekostet hätte. Es kam zum Kölner Krieg (auch Truchsessischer Krieg), der bis 1588 dauerte. Deutz, Bonn und Neuss wurden verwüstet. Der Rat verbot 1609 den Frauen auch zu Karneval das Tragen von Männerkleidung. Der erste Tabakhändler eröffnete 1620 sein Geschäft in Köln.

Auf Melaten wurde Katharina Henot, die Tochter Jacob Henots, im Jahr 1627 als Hexe verbrannt.[33][34] Christina Plum bezichtigte sich erstmals im Frühjahr 1629 der Hexerei und denunzierte bei einem Verhör im April 1629 zunächst zehn angesehene Bürger. Nach weiteren Denunziationen erfolgten mehreren Hinrichtungen, darunter auch Christina Plum am 16. Januar 1630. Erst ab der zweiten Jahreshälfte 1630 wurde die Hexenverfolgung in Köln ausgesetzt.[35] Wegen der Syphilis wurden 1631 die öffentlichen Badehäuser geschlossen. Mit den Wochentlichen Post-Zeitungen erschien 1632 die erste wöchentliche Zeitung in Köln. Der Rat der Stadt verbot 1659 das Rauchen innerhalb der Stadtmauern. 1655 wurde Enn Lennartz als Hexe enthauptet und verbrannt. Sie war das letzte Opfer der Hexenverfolgung in Köln. Insgesamt gab es in der Zeit der Hexenverfolgung (1435 - 1655) 96 aktenkundig gewordene Hexenprozesse, bei denen 37 Beschuldigte hingerichtet wurden.[36]

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) verhielt sich Köln neutral und wurde nicht belagert, wobei der Krieg jedoch die Wirtschaft schädigte. Der Reitergeneral Jan von Werth (†1652) wurde in Köln zum Volkshelden, als er die Festung Ehrenbreitstein von den Franzosen befreite. Von ihm wurde die Sage mit der Magd Griet berühmt. Am 6. September 1680 überreichte Nikolaus Gülich (*1644) eine Klageschrift gegen innerstädtische Missstände. Eine Untersuchungskommission wurde eingesetzt, dann aber nahm man Gülich gefangen. August 1682 wurde er aber auf Druck der Gaffeln wieder entlassen. Immer wieder klagte er gegen Klüngel und Misswirtschaft. Im Sommer 1683 versuchte Gülich, den Rat aufzulösen, aber hauptsächlich wegen wirtschaftlichen Misserfolgs wurde bald der Prozess gegen ihn eröffnet. 1385 wurde er von Kaiser Leopold I. als Landfriedensbrecher vor das kaiserliche Gericht geladen. Am 23. Februar 1686 wurde er zum Tod durch das Schwert verurteilt und hingerichtet. Seine Schandsäule befand sich hundert Jahre lang auf dem eingeebneten Platz seines Hauses.[37]

Köln nahm am letzten Hansetag 1669 in Lübeck teil. Giovanni Battista Farina gründete 1709 die heute älteste Parfumfabrik der Welt. 1716 begann er mit dem Export seines Eau de Cologne. 1714 führte der Rat der Stadt eine Meldepflicht für Protestanten ein. 1734 gründete Jean Ignace Roderique die Gazette de Cologne. Die französischsprachige Zeitung war neben der Gazette d'Amsterdam, der Gazette d'Utrecht und der Gazette de la Haye (Den Haag) im 18. Jahrhundert europaweit verbreitet. Köln war neben Prag, Wien, Antwerpen, Rom und Venedig wegen seiner günstigen Verkehrsverbindungen eine der wichtigsten Städte, wo Nachrichten gesammelt wurden. Die Gazette de Cologne hatte wegen ihrer Aktualität mehrere tausend Bezieher und war an den Höfen in ganz Europa verbreitet. 1735 erhielt die Zeitung kaiserliches Privileg.[38]

Nach der abendlichen Schließung der Stadttore 1736 kam man nun nur noch nach Zahlung einer Torgebühr in die Stadt. Giacomo Casanova besuchte 1760 die Stadt Köln. Nach dem strengen Winter 1783/84 richteten Packeis auf dem Rhein und dadurch verursachtes Hochwasser im Februar 1784 große Schäden an, über 60 Menschen starben. Für Köln war es das schlimmste jemals verzeichnete Hochwasserereignis mit einem Rekordpegel von 13,55 Metern.

Die Besetzung der Stadt durch die französische Revolutionsarmee im Jahr 1794 brachte das Ende der bisherigen Ratsherrschaft. Am 28. Mai 1796 wurde der Rat der Stadt aufgelöst – 400 Jahre nach Inkrafttreten des Verbundbriefs, der alten Kölner Verfassung. An die Stelle des Rates trat eine nach französischem Vorbild eingesetzte Munizipalverwaltung.[39]

Das französische Köln

Am 6. Oktober 1794 besetzten französische Truppen die Reichsstadt Köln, was durch symbolische Übergabe der Stadtschlüssel besiegelt wurde. Zur besseren Orientierung schafften die Franzosen die bis dahin üblichen Namen der Häuser ab und führten 1795 Hausnummern ein – dank der Hausnummer 4711 eine der am meisten zitierten Maßnahmen dieser Zeit, die der Duftmarke ihren Namen gab. In der Folge wurde Köln Teil des 1798 gegründeten Rur-Départements. Im selben Jahr lösten die Franzosen die Universität zu Köln auf, viele Kirchen und Klöster in Köln und dem Rheinland fielen unter die Säkularisation.

Seit 1797 besaßen sowohl Juden als auch Protestanten das Bürgerrecht. 1798 kehrte mit Joseph Isaak der erste Jude seit 1424 in die Stadt zurück.[40] Im gleichen Jahr wurden die Zünfte aufgelöst; von da an herrschte in Köln Gewerbefreiheit. Die wirtschaftlich einschneidendste Maßnahme war aber die Verlegung der französischen Zollgrenze an den Rhein, 1798.[41]

Während der französischen Besetzung wurden zahlreiche Kunstgegenstände geplündert, viel Unersetzliches zerstört, so der von den Kölner Bürgern eroberte Fahnenwagen des besiegten Erzbischofs aus der Schlacht von Worringen 1288. Dem letzte Rektor der alten Universität Ferdinand Franz Wallraf war es zu verdanken, dass der Stadt Köln unersetzliche Kunstgegenstände, Archive und Urkundenbestände erhalten blieben.[42] Im Konkordat von 1801 zwischen Napoleon und der katholischen Kirche wurde das Kölner Erzbistum aufgehoben. An seine Stelle trat Aachen als neues Bistum.[43]

1801 wurden das linke Rheinufer und damit auch Köln gemäß dem Frieden von Lunéville Teil des französischen Staatsgebiets. Alle Kölner Bürger erhielten die französische Staatsbürgerschaft. Kaiser Napoleon und seine Gattin Josephine besuchten die Stadt vom 13. bis 17. September 1804 zum ersten Mal. Köln war eine Station auf einer längeren Reise durch die eroberten linksrheinischen Gebiete, die Napoleon kurz nach seiner Erhebung zum Kaiser am 18. Mai 1804 begann. Am Abend des 13. September war Napoleon in Köln angekommen und unter Kanonendonner und Glockengeläut durch das Eigelsteintor bis zu seiner Unterkunft am Neumarkt gefahren.

In die Franzosenzeit fallen auch die Gründung der IHK zu Köln (1803), der ersten Industrie- und Handelskammer auf deutschem Boden, sowie des Kölsche Hänneschen Theater (1802). 1804 wurden alle Pfarrfriedhöfe geschlossen, sie wurden ersetzt durch einen Zentralfriedhof, der an der Stelle des alten Siechenhauses Melaten angelegt und 1810 eröffnet wurde.

Die Franzosen mussten am 14. Januar 1814 die Stadt wegen der heranrückenden preußischen Truppen verlassen. An die französische Besatzung schloss sich unmittelbar die preußische Besatzung an.

Das preußische Köln

Der Wiener Kongress sah in seiner am 9. Juni 1815 unterzeichneten Schlussakte die Besetzung Kölns durch preußische Truppen vor. Damit fiel die Stadt an Preußen, allerdings behielten die Kölner bis 1848 die französische Währung. Die Stadt wurde Sitz eines Landkreises und selbst eine kreisfreie Stadt. 1819 wurde in Köln der Rheinische Appellationsgerichtshof eingerichtet.[44] 1823 wurde auf Drängen der preußischen Verwaltung das Festkomitee Kölner Karneval als "festordnendes Komitee" gegründet und veranstaltete den ersten kontrollierten Kölner Rosenmontagszug. 1826 wurde die erste Kölner Sparkasse eröffnet. 1837 wurde der Kölner Erzbischof Clemens August Droste zu Vischering wegen der Mischehenfrage verhaftet. 1842 wurde Karl Marx Chefredakteur der Rheinischen Zeitung.

Nach der Wiederentdeckung der Fassadenpläne des Kölner Domes Anfang des 19. Jahrhunderts erwachte das öffentliche Interesse am Fortbau des Domes, der zum Symbol für die deutsche Nationalbewegung wurde. Joseph Görres und Sulpiz Boisserée waren die treibenden Kräfte für die Vollendung, so dass am 4. September 1842 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und den späteren Erzbischof Johannes von Geissel der Grundstein für den Weiterbau des Kölner Doms gelegt werden konnte. 1863 wurde das Innere des Doms vollendet. 1868 wurde der alte Dombaukran, der ein halbes Jahrtausend lang ein Wahrzeichen der Stadt war, abgebrochen. Die Trennwand zwischen dem 1322 geweihten Chor und dem Langhaus wurde nach 560 Jahren eingerissen. Am 15. Oktober 1880 wurde der vollendete Dom nach 632 Jahren Bauzeit mit dem Dombau-Vollendungsfest fertiggestellt.[45] Überschattet wurde das Domfest von den Auswirkungen des Kulturkampfes, die 1874 zur Verhaftung des Kölner Erzbischofs Paulus Melchers durch die preußisch-protestantische Obrigkeit geführt hatte.[46]

Im Jahre 1816 erreichte mit der englischen "Defiance" das erste Dampfschiff die Stadt. 1826 wurde die Preußisch-Rheinische Dampfschiffahrtsgesellschaft (PRDG) in Köln, die spätere Köln Düsseldorfer (KD), gegründet. Mit den Raddampfern "Friedrich Wilhelm" und "Concordia" wurde die erste regelmäßige Dampfschifffahrt zwischen Köln und Mainz aufgenommen. Mit der Rheinschiffahrtsakte von 1831 wird das Kölner Stapelrecht endgültig aufgehoben.[47] 1835 wurde die Rheinische Eisenbahngesellschaft gegründet. 1839 rollte der erste Zug vom Thürmchenswall bis nach Müngersdorf. 1841 war die Strecke bis Aachen fertiggestellt. 1844 begann der Ausbau der Eisenbahnverbindung Rhein-Weser.[48] 1848 kam es in der Stadt im Gefolge der Märzrevolution zu einer Arbeiterdemonstration und zum sogenannten Kölner Fenstersturz. 1849 gründete Adolf Kolping den Kölner Gesellenverein.[49] Von 1855 bis 1859 wurde die erste feste Rheinbrücke seit der Römerzeit, die Dombrücke, errichtet. Der Kölner Hafen wurde Endpunkt der Rhein-Seeschiffahrt.[50] 1859 wurde der Kölner Hauptbahnhof eingeweiht, die linksrheinische Eisenbahnstrecke von Köln nach Bingerbrück wurde fertiggestellt. Am 22.07 1860 wurde auf Betreiben von Dr. Caspar Garthe mit einem Festakt der Kölner Zoo eröffnet.

Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich die übervolle Stadt nach dem Bau des äußeren Festungsrings durch Kauf und Schleifen der Stadtmauer, Wälle und Bastionen in den Rayon erweitern. Der mittelalterliche Mauerring von 1180, der nie überwunden werden konnte, wurde von 1881 bis 1896 bis auf wenige Überreste wie die repräsentativsten Torburgen niedergelegt. Städtebauarchitekt Josef Stübben schuf an ihrer Stelle die heutigen Ringe, Kölns Prachtboulevard.[51][52] Dennoch blieb Köln noch immer Festung: in einem Umkreis von 15 Kilometern wurden neue, moderne Bunkerbauten und detachierte Gürtelforts (Außenforts bzw. Biehler-Forts) errichtet, die die veralteten Festungswerke ersetzen sollten. 1863 erfolgte die Fertigstellung des inneren, 1880 die des äußeren Festungsrings. 1887 wurde eine Rheinstromsperre gebaut.[53]

Die Bevölkerung Kölns stieg in dieser Zeit sprunghaft an. Lebten 1822 noch schätzungsweise 56.000 Bürger in der Stadt, so waren es 1837 über 72.000 Einwohner, 1855 107.000 Einwohner, 1888, nach der Eingemeindung mehrerer Vororte, bereits 250.000. Am 22. Mai 1911 wurde die neue Hohenzollernbrücke in Gegenwart von Kaiser Wilhelm II. feierlich eingeweiht.[54] Bis 1913 wuchs die Einwohnerzahl weiter auf 640.731. 1914 schließlich kamen weitere rechtsrheinische Stadtteile zu Köln.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 erfasste auch Köln ein großer wirtschaftlicher und industrieller Aufschwung. Das Volumen des Güterverkehrs betrug 1885/86 auf der linksrheinischen Eisenbahn 954.728 Tonnen und rechtsrheinisch 413.573 Tonnen. Im Jahr 1886 liefen 4859 beladene Schiffe mit 4.656.561 Zentner den Kölner Hafen an, 3190 beladene Schiffe mit 2.626.841 Zentnern verließen ihn. Außerdem wurden als Flöße 138.742 Zentner talwärts bewegt.[55]

Bis 1894 war in Köln das Fahrradfahren verboten. 1898 wurde der Rheinauhafen in Betrieb genommen. 1900 übernahm die Stadt das Straßenbahnnetz und elektrifizierte es.[56] 1906 wurde zur Dokumentation dieser rasanten Entwicklung für die preußische Rheinprovinz und Westfalen in Köln das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsarchiv gegründet, das seitdem angeschlossen an die IHK Köln besteht. 1906 eröffnete das erste feste Kino.

Die Mobilmachung zum Ersten Weltkrieg 1914 wurde in Köln wie auch in anderen Städten zuerst mit Jubel aufgenommen, doch seit 1916 wurden die Versorgungsprobleme immer schlimmer. Im Frühjahr 1917 musste die Stadt Notgeld ausgeben. Am 18. September 1917 wurde Konrad Adenauer zum Oberbürgermeister gewählt. Am 24. März 1918 fand das erste Bombardement von Köln statt.[57] Entsprechend den Waffenstillstandsbedingungen von Compiègne wurde Köln unmittelbar nach Kriegsende am 6. Dezember 1918 von britischen Truppen besetzt. Die Zugehörigkeit zum preußischen Staat und zum Deutschen Reich waren davon nicht berührt, doch wurden die Ausübung deutscher bzw. preußischer Souveränitätsrechte und die Tätigkeit der preußischen Verwaltung ggf. durch Besatzungsmaßnahmen überlagert. Mit dem Rheinlandabkommen zwischen dem Deutschen Reich und den Siegermächten vom 28. Juni 1919 wurden die Modalitäten der Besatzung näher definiert.

Köln in der Weimarer Republik

Bei den Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919, bei der erstmals auch Frauen teilnehmen konnten, stimmte in Köln die Mehrheit für die Deutsche Zentrumspartei (40,8 % - Reich: 19,7 %) vor der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (38,6 % - Reich: 37,9 %) und der Deutschen Demokratischen Partei (11,0 % - Reich: 18,5 %).[58] Am 1. Februar 1919 endete die vom preußischen Innenministerium seit dem 30. Oktober 1900 aufgezwungene Schreibweise Cöln. Die Universität zu Köln wurde nach 121 Jahren Schließung am 12. Juni 1919 feierlich wiedereröffnet.[59]

Am 1. August wurde das Brückengeld (Maut zur Überquerung der Rheinbrücken) abgeschafft. Gemäß dem Vertrag von Versailles begann man 1921 mit der Schleifung der Festungsringe und legte ab 1922 auf deren Rayons die Grüngürtel an.[60] 1922 erfolgt die Eingemeindung weiterer linksrheinischer Stadtteile im Norden (Details s. Tabelle Eingemeindungen). 1923 wurde das erste Müngersdorfer Stadion fertiggestellt, 1924 der Rohbau des höchsten Wolkenkratzers seiner Zeit in Europa, des späteren Hansahochhauses. Am 11. Mai öffnete die Kölner Messe ihre Tore. Am 30. November wurde mit der St. Petersglocke des Kölner Doms die mit rund 24.000 kg größte freischwingende läutbare Glocke der Welt geweiht. 1925 nahm das Kaufhaus Tietz die erste Rolltreppe Deutschlands in Betrieb.

Die Besatzung endete 1926 mit dem Abzug der britischen Truppen. Im selben Jahr zog der Vorläufer des WDR, die Westdeutschen Funkstunde AG (Wefag), von Münster nach Köln und ging als "Westdeutsche Rundfunk AG" (Werag) auf Sendung. Mit einem Pegelstand von 10,69 m traf im Januar 1926 das schwerste Hochwasser ohne Eisgang die Stadt Köln. Die Stadt investierte 1,6 Mio. Reichsmark in das ehemalige Militärflugfeld Butzweilerhof.[61] Am 26. Juli 1926 begann dort der planmäßige Flugverkehr. Der Butzweilerhof entwickelte sich auf Grund seiner zentralen Lage schnell zum zweitgrößten deutschen Flughafen. Am 10. Oktober 1928 wurde die Rheinlandhalle eröffnet. 1929 legte der Automobilkonzern Ford den Grundstein für das Werk in Köln-Niehl. Die Mülheimer Brücke wurde am 13. Oktober in Betrieb genommen.

Köln war während der Weimarer Republik bedeutende Musikstadt. Bedeutende Dirigenten wie Otto Klemperer wirkten an der Kölner Oper. Seit 1926 verfügte die Stadt über ein Radiorundfunkorchester.[62] In Köln existierten 1929/30 insgesamt 15 Häuser mit dauerhaften oder zeitweisen Varietéprogrammen und Revuen. Mit dem Kaiserhof erhielt Köln im September 1931 ein internationales Varieté.[63] Im Dezember 1929 wurde Konrad Adenauer für weitere 12 Jahre zum Oberbürgermeister gewählt. Die Eröffnung der Kraftwagenstraße Köln-Bonn als erste Reichsautobahnstrecke erfolgte am 6. August 1932.[64]

Politisch spiegelte sich die zunehmende Radikalisierung, besonders seit dem Schwarzen Freitag auch in Köln in immer hemmungsloseren Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten wider, deren Höhepunkt Mitte 1932 erreicht wurde. Zwischen 1930 und 1933 gab es dabei 19 Tote.[65]

Köln in der Zeit des Nationalsozialismus

Bereits 1925 war Köln Hauptstadt des NSDAP-Gaus Köln-Aachen (Name bis 1931: Gau Rheinland-Süd) geworden. Seit 1935 trug die Stadt den Namenszusatz Hansestadt. In der Villa Schröder (Stadtwaldgürtel 35) trafen sich am 4. Januar 1933 Adolf Hitler und Franz von Papen um ein Bündnis zu schmieden, die Regierung Kurt von Schleichers zu stürzen und die Machtübernahme der Nazis vorzubereiten (Treffen Papen mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder). Die Nationalsozialisten gewannen die Kommunalwahlen vom 12. März 1933, am Tag darauf wurde Adenauer beurlaubt, am 17. Juli 1933 als Oberbürgermeister entlassen.[66] Am 17. Mai 1933 kam es vor der Universität zu inszenierten Bücherverbrennungen. Im Sommer begann der Terror durch die Geheime Staatspolizei, die zunächst im Polizeipräsidium, dann in der Zeughausgasse und im EL-DE-Haus (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln) saß.[67]

1936 marschierten deutsche Truppen in das entmilitarisierte Köln ein. Während der Pogrome in der so genannten Reichspogromnacht 1938 wurden in Köln die Synagogen in der Roonstraße, in der Glockengasse und in der Körnerstraße (Ehrenfeld) niedergebrannt, die Synagogen in der St.-Apern-Straße, in Deutz und in Mülheim wurden verwüstet. Der oprganisierte Mob demolierte darüber hinaus zahlloser Wohnungen und Geschäfte von jüdischen Mitbürgern.[68] Die 1938 einsetzenden Ausbürgerungen verzögerten sich zeitweilig durch den "Arbeitseinsatz" der jüdischen Kölner. Seit September 1939 wurden sie in so genannten "Judenhäusern" konzentriert – pro Familie ein Zimmer, von wo aus sie später deportiert werden. Nach dem Sieg über Polen ersetzten billige "Ostarbeiter" die Juden. 1940/41 wurden über 2.000 Sinti und Roma aus Köln deportiert. Im Oktober 1941 begann die Deportation der Kölner Juden, die in Zügen mit jeweils 1.000 Opfern in die Konzentrationslager im Osten verschleppt wurden.[69] Über 7.000 ermordete Juden sind namentlich bekannt, das Schicksal zahlreicher Opfer ist ungeklärt.[70]

Durch Flächenbombardements wurden im Zweiten Weltkrieg weite Teile der Stadt zerstört. Am 12. Mai 1940 fand der erste Luftangriff statt. In der Nacht zum 31. Mai 1942 erlebte die Stadt den ersten Tausend-Bomber-Angriff, der 480 Tote, 5.000 Verletzte und 45.000 Obdachlose zur Folge hatte. Der letzte von insgesamt 262 Luftangriffen am 2. März auf die fast menschenleere Stadt sollte auch den letzten Widerstand vor der Einnahme brechen. Zum Kriegsende waren 95% der Altstadt zerstört.

Am 6. März 1945 sprengten deutsche Pioniere mittags die Hohenzollernbrücke, die letzte intakte Rheinbrücke Kölns. Zuvor hatten sich die letzten deutschen Einheiten auf das rechtsrheinische Ufer zurückgezogen. Am gleichen Tag rückten die amerikanischen Truppen ins Stadtzentrum vor. Es kam nur zu gelegentlichen Schusswechseln. Vor dem Dom wurde ein deutscher Panzer in Brand geschossen, der zuvor einen amerikanischen Panzer zerstört hatte (siehe Bild). Am 11. April 1945 erreichten amerikanische Panzerspitzen, die zuerst in Remagen den Rhein überschritten hatten, die freie Stadt Porz. Am 14. April 1945 wurden die rechtsrheinischen Stadtteile vollständig besetzt. Die US-Army überquerte den Rhein mit Hilfe einer Ponton-Brücke zwischen dem Stadtteil Sürth und dem rechtsrheinischen Zündorf.

Köln nach dem Krieg

Politik

Köln zeigte sich den einrückenden US-amerikanischen Befreiungstruppen als eine tote Ruinenstadt. Am 9. März 1945 wurde die US-amerikanische Militärregierung in Köln etabliert. Am 4. Mai nahm Konrad Adenauer die Amtsgeschäfte als Oberbürgermeister wieder auf. Schon im Frühsommer 1945 kehrten die Kölner in Scharen in die Stadt zurück. Am 21. Juni 1945 wurden die Amerikaner von der britischen Militärregierung abgelöst. Am 6. Oktober wurde Adenauer von dieser entlassen, am 20. November 1945 wurde Dr. Hermann Pünder zum Oberbürgermeister ernannt.[71] Am 10. Oktober spielte das Millowitsch-Theater mit dem Dreiakter "Das Glücksmädel" wieder. Am 10. Dezember wurde die Universität wiedereröffnet.

Am 18. Februar 1946 wurde Erzbischof Joseph Frings von Papst Pius XII. zum Kardinal ernannt. Nach britischem Vorbild wurde am 7. März 1946 die Kölnische Stadtverfassung von 1946 eingeführt, die eine Teilung der Stadtführung zwischen Oberbürgermeister als Ratsvorsitzendem und Oberstadtdirektor als Verwaltungschef vorsah.[72] Die erste freie Stadtratswahl der Nachkriegszeit erfolgte am 13. Oktober (CDU 53,4 %, SPD 34,6 %, KPD 9,3 %). Köln kam zum neu gebildeten Land Nordrhein-Westfalen. Durch das Domfest vom 14. bis 22. August 1948 zur 700jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung wurde Kölns historische Bedeutung wieder in den Fokus gerückt. Seit 1948 kann die provisorisch hergerichtete Hohenzollernbrücke wieder mit Zügen befahren werden; im selben Jahr wurde die neu gebaute Deutzer Brücke eröffnet.

1950 fand in Köln die erste Photokina statt. Am 1./2. Oktober 1955 wurde der Kölner Gürzenich neu eingeweiht. Zum Katholikentag vom 29. August bis zum 2. September 1956 kamen Hunderttausende nach Köln. 1957 eröffnete in Köln der erste SB-Supermarkt mit über 2.000 m² Verkaufsfläche. Im gleichen Jahr war die Stadt erstmals Gastgeber der BUGA. Zum 7. November 1959 erlebte Köln in Anwesenheit von Kardinal Frings und Bundeskanzler Adenauer die Einweihung der Severinbrücke.

Am 31. August 1962 war die Nord-Süd-Fahrt durchgehend, und am 5. September besuchte der französische Staatspräsident Charles de Gaulle die Stadt.[73] 1963 war der amerikanische Präsident John F. Kennedy zu Gast in Köln. 1968 wurde die erste Teilstrecke der neuen U-Bahn (Friesenplatz-Hauptbahnhof) in Betrieb genommen.

Im Deutschen Herbst kidnappte die RAF am 5. September 1977 den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in der Friedrich-Schmidt-Straße am Stadtwald. Am 25. April 1990 wurde in der Mülheimer Stadthalle ein Attentat auf Oskar Lafontaine verübt. 1991 fiel wegen des Golfkriegs der Kölner Rosenmontagszug offiziell aus, die Jecken zogen aber trotzdem im „Geisterzug“ durch die Stadt.

Im November 1980 besuchte Lew Kopelew den Literaturnobelpreisträger und Ehrenbürger (1982) Heinrich Böll in dessen Wohnung. Im gleichen Jahr wurde der 243,3 Meter hohe Fernmeldeturm "Colonius" fertiggestellt. [74] 1980 und 1987 kam Papst Johannes Paul II. in die Stadt; bei seinem zweiten Besuch sprach er im Müngersdorfer Stadion Edith Stein selig. Vom 16. - 21. August 2005 weilte sein Nachfolger Benedikt XVI. im Rahmen des XX. Weltjugendtag in der Stadt. 1999 tagten sowohl der Weltwirtschaftsgipfel der G8 als auch der Europäische Rat in Köln. 2003 wurde in Köln die erste schwarz-grüne Koalition in einer deutschen Großstadt gebildet.

Kultur

Bereits 1945 nahm die Universität wieder ihren Betrieb auf. 1956 wurde anlässlich des Katholikentages der Kölner Dom wiedereröffnet, 1957 das neue Opernhaus eingeweiht, Am 18. Mai 1957 eröffnete das neue Opernhaus. Weiter erfolgte in der Nachkriegszeit eine ganze Reihe von Museumsneugründungen, so etwa 1974 des Römisch-Germanischen Museums, 1977 des Museums für Ostasiatische Kunst, 1986 des Wallraf-Richartz-Museums bzw. des Museum Ludwig und 1993 schließlich des Schokoladenmuseums. 1986 wurde die Philharmonie eröffnet. Köln entwickelte sich als Medienstandort. 1964 erschien die erste Ausgabe des EXPRESS. 1987 schließlich eröffnete RTL seine neue Verwaltung in der Stadt.

Anfang der 1990er Jahre plündeten Unbekannte unersetzliche Stücke aus der Schatzkammer des Kölner Doms. Auf Bitten der Geistlichkeit schaffte die einheimische Unterwelt unter Führung von Schäfers Nas einen Teil der Beute wieder herbei – worauf der Dompropst ihm zu Ehren eine Dankesmesse las.[75]

1992 fand auf dem Chlodwigplatz das große Konzert Arsch huh, Zäng ussenander gegen Rechte Gewalt statt. 2004 erhob die UNESCO Einspruch gegen den geplanten Bau eines 103 Meter hohen Büroturm in Deutz, der aus ihrer Sicht den Blick auf den Dom zerstört. Sie drohte mit dem Entzug des Status als Weltkulturerbe.

Am 3. März 2009 stürzte beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn das Historische Archiv der Stadt Köln ein.

Sport

1952 erschütterte der Skandal um den Boxer Peter Müller ("De Aap") die Stadt. 1962 wurde der 1. FC Köln erstmals Deutscher Fußballmeister, 1964 erster Deutscher Meister in der Bundesligageschichte. 1978 errang der Club gleichzeitig den Titel des Pokalsiegers.[76]

Gebiets- und Einwohnerentwicklung

Durch Eingemeindungen wuchs das Stadtgebiet bis 1975 auf über 40.000 Hektar an, und Köln wurde für 18 Monate zum ersten Mal Millionenstadt. Gleichzeitig wurde der Kreis Köln aufgelöst. Bereits am 1. Juli 1976 wurde Wesseling nach erfolgreicher Verfassungsklage gegen das Köln-Gesetz wieder ausgemeindet und wurde selbstständige Stadt im Erftkreis. Dadurch verlor Köln ca. 50.000 Einwohner. 1980 zählte die Stadt Köln erneut den einmillionsten Bürger.

Eingemeindungen

Ehemals selbständige Städte und Gemeinden bzw. Gemarkungen, die in die Stadt Köln eingegliedert wurden:Jahr Orte Zuwachs in ha Gesamtfläche in ha

  • 1. April 1888
  • Bayenthal, Marienburg, Arnoldshöhe, Raderberg mit Raderthal, Zollstock, Sülz, Klettenberg, Kriel und Lind, Lindenthal, Longerich, Melaten, Braunsfeld, Müngersdorf, Ehrenfeld, Bickendorf, Ossendorf, Bocklemünd, Mengenich, Volkhoven, Nippes, Mauenheim, Merheim/linksrheinisch (nach 1945 umbenannt in Weidenpesch), Riehl, Niehl, Poll und Deutz mit der Humboldtkolonie 10.100 11.135
  • 1. April 1910
  • Kalk mit Vingst und Gremberg 599 11.734
  • 1. April 1914
  • Mülheim am Rhein mit Buchheim und Buchforst, Merheim mit Stammheim, Flittard, Dünnwald, Dellbrück, Wichheim, Rath, Brück und Ostheim 7.968 19.702
  • 1. April 1922
  • Bürgermeisterei Worringen mit Weiler, Merkenich, Langel, Feldkassel, Rheinkassel, Fühlingen, Roggendorf und Thenhoven 5.393 25.095
  • 1. Januar 1975
  • Porz, Wesseling, Rodenkirchen (mit Sürth, Hahnwald, Meschenich, Godorf und Rondorf), Lövenich, Weiden, Pesch, Esch, Auweiler, Widdersdorf, Marsdorf und diverse kleinere Gebiete 17.900 42.995
  • 1. Juli 1976
  • Ausgliederung von Wesseling - 2.480 40.515

Literatur

Quelleneditionen

  • Wolfgang Rosen/Lars Wirtler (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. I: Antike und Mittelalter von den Anfängen bis 1396/97. Köln 1999, ISBN 978-3-7616-1324-5, J.P. Bachem-Verlag.
  • Deeters/Helmrath (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. II: Spätes Mittelalter und frühe Neuzeit (1396-1794). Köln 1996, ISBN 978-3-7616-1285-9, J.P. Bachem Verlag.
  • Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 515-598, online.
  • Gottfried Hagen: Reimchronik der Stadt Köln, hrsg. v. Kurt Gärtner, Andrea Rapp, Désirée Welter, Manfred Groten. Droste, Düsseldorf, 2008. Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 74. ISBN 3-7700-7627-3
  • Annales Colonienses maximi. [Kölner Königschronik] In: Monumenta Germaniae Historica. Georg Heinrich Pertz u. a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 17: Annales aevi Suevici. Hannover 1861, S. 723–847 (Digitalisat)
  • Dat nuwe Boych. Zünfte und Bruderschaften. [Buch Köln 14.Jahrhundert, Köln 1360-1396], in: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Bd. I, Leonard Ennen und Gottfried Eckertz (Hrsg), Köln 1860, S. 422-444; online: Bonner Frühneuhochdeutschkorpus Text 151
  • Die Cronica van der hilliger Stat va Coelle. [Johann Koelhoff: Chronik, Köln 1499], Köln 1499, Druck: Johann Koelhoff d.J. (Reprographischer Nachdruck, Köln 1972); online: Bonner Frühneuhochdeutschkorpus Text 153
  • Das Buch Weinsberg. Aus dem Leben eines Kölner Ratsherrn, hg. Von J.J. Hässlin, Stuttgart 1961; online: Die autobiographischen Aufzeichnungen Hermann Weinsbergs — Digitale Gesamtausgabe
  • Darstellungen

Allgemein

  • Historische Gesellschaft Köln e. V. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Köln. 13 Bde geplant. Köln 2004 ff., ISBN 3-7743-0360-6
    • Bisher erschienen:
    • Band 1 - Werner Eck: Köln in römischer Zeit. Geschichte einer Stadt im Rahmen des Imperium Romanum. H. Stehkämper (Hrsg.). Greven Verlag, Köln 2004, ISBN 3-7743-0357-6.
    • Band 8 - Klaus Müller: Köln von der französischen zur preußischen Herrschaft 1794-1815. Greven Verlag, Köln 2005, ISBN 978-3-7743-0374-4
    • Band 12 - Horst Matzerath: Köln in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945. Greven Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-7743-0429-1
  • Der historische Atlas Köln. 2000 Jahre Stadtgeschichte in Karten und Bildern. Hrsg. v. Jansen,Heiner/Ritter,Gert/Wiktorin,Dorothea/Weiss,Günther/Gohrbandt,Elisabeth. Köln Emons 2003. ISBN 978-3-89705-265-9
  • Geschichte in Köln. Zeitschrift für Stadt- und Regionalgeschichte. SH-Verl., Köln 1.1978,1ff. ISSN 0720-3659
  • Carl Dietmar: Die Chronik Kölns. Chronik Verlag, Dortmund 1991, ISBN 3-611-00193-7
  • Carl Dietmar/Werner Jung: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 2002, ISBN 978-3-7616-1482-2, J.P. Bachem Verlag.
  • Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt. Von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Bachem Köln 1980, ISBN 978-3-7616-0528-8
  • Irene Franken: Frauen in Köln. Der historische Stadtführer. Köln 2008, ISBN 978-3-7616-2029-8, J.P. Bachem Verlag.
  • Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Volks-Ausgabe in einem Bande. Düsseldorf 1880.
  • Elisabeth Mick: Köln im Mittelalter. Greven Verlag, Köln 1990
  • Elisabeth Mick: Mit der Maus durch Köln. 2000 Jahre Stadtgeschichte für Kinder. 2. Aufl. 2006, ISBN 978-3-7616-1914-8, J.P. Bachem Verlag.
  • Irene Franken, Ina Hoener: Hexen. Die Verfolgung von Frauen in Köln. Köln 1987
  • Stefan Pohl/Georg Mölich: Das rechtsrheinische Köln: Seine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Winand Köln 1994
  • Andreas Rutz / Tobias Wulf (Hrsg.): O felix Agrippina nobilis Romanorum Colonia. Neue Studien zur Kölner Geschichte - Festschrift für Manfred Groten zum 60. Geburtstag (Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins 48), Köln 2009. ISBN 978-3-89498-198-3
  • Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Bachem, Köln 1958, 1990 (11. Aufl.), ISBN 3-7616-0973-6

Mittelalter

  • Carl Dietmar: Das mittelalterliche Köln. Köln 2. Auflage 2004: J.P. Bachem Verlag
  • Irsigler,Franz / Lassotta,Arnold: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker. Aussenseiter in einer mittelalterlichen Stadt. Köln 1300-1600. Greven Verlag, Köln 1984
  • Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 1: Von den Anfängen bis 1400. Greven Verlag, Köln 3. Auflage 1999
  • Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 2: Das Bistum Erzbistum Köln im späten Mittelalter (1191-1515), 2 Bde. von Wilhelm Janssen, hg. von Norbert Trippen, Bachem Köln 1995/2003
  • Ulrike Kaltwasser: Heiliges Köln - sündiges Köln: glanzvolles Mittelalter, Köln Greven 1985 ISBN 3-7743-0218-9
  • Yvonne Leiverkus: Köln, Bilder einer spätmittelalterlichen Stadt, Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2005 ISBN 978-3-412-23805-6
  • Anton Legner: Kölner Heilige und Heiligtümer. Ein Jahrtausend europäischer Reliquienkultur. Greven Verlag, Köln 2003, ISBN 978-3-7743-0335-5
  • Matthias Schmandt: Judei, cives et incole. Studien zur jüdischen Geschichte Kölns im Mittelalter, Hannover 2002
  • Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 1: Das Bistum Köln von den Anfängen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts, hg. von Eduard Hegel, 2. Aufl. neu bearbeitet v. Friedrich Wilhelm Oediger, Bachem Köln 1971

Neuzeit

  • Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2: Von 1400 bis zur Gegenwart. Greven Verlag, Köln 2. Auflage 1993.
  • Martin Rüther: Köln im Zweiten Weltkrieg. Alltag und Erfahrungen zwischen 1939 und 1945. Darstellungen - Bilder - Quellen. Mit Beiträgen von Gebhard Aders. Schriften des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln. Bd. 12. Emons, Köln 2005. 960 S., ISBN 3-89705-407-8
  • Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 3: Das Erzbistum Köln im Zeitalter der Glaubenskämpfe 1515-1688, von Norbert Trippen, Hansgeorg Molitor (Hg.), Bachem Köln 2007
  • Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 4: Das Erzbistum Köln zwischen Barock und Aufklärung v. Pfälz. Krieg bis z. Ende d. französ. Zeit, von Eduard Hegel und Norbert Trippen, Bachem Köln 1979
  • Geschichte des Erzbistums Köln. Bd. 5: Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts, von Eduard Hegel und Norbert Trippen, Bachem Köln 1987

Einzelnachweise

  1. ↑ Caesar: De bello gallico, V 24
  2. ↑ Tac. ann. 1. 57,2; erlätert bei: Rosen/Wirtler (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. I. Köln 1999, S.1f.
  3. ↑ Bericht darüber in: Rudolf Buchner (Herausgeber): Lampert von Hersfeld, Annalen. Darmstadt 4. Aufl. 2000
  4. ↑ Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Band 1, Aalen ²1966, S. 302ff Online
  5. ↑ Leonard Ennen und Gottfried Eckertz (Hgg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, 1. Band, Köln 1860, S. 563f Online
  6. ↑ Leonard Ennen und Gottfried Eckertz (Hgg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, 1. Band, Köln 1860, S. 570f Online
  7. ↑ Leonard Ennen und Gottfried Eckertz (Hgg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, 1. Band, Köln 1860, S. 582-585 Online
  8. ↑ Leonard Ennen und Gottfried Eckertz (Hgg.), Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, 1. Band, Köln 1860, S. 585f
  9. ↑ Rosen/Wirtler (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. I. Köln 1999, S.154ff.
  10. ↑ Der zweite Kölner „Festungsring“ oder die mittelalterliche Stadtbefestigung (=Webseite der Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V.)
  11. ↑ G.H.Klöverkorn, Der Aussatz in Köln, Leverkusen 1966
  12. ↑ Quellen zur Geschichte der Stadt Köln, Bd. 1, Nr. 30 (S.163f.)
  13. ↑ Wortlaut bei: Rosen/Wirtler (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. I. Köln 1999, S.173ff.
  14. ↑ Verleihungsurkunde des Stapelrechts bei Rosen/Wirtler (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. I. Köln 1999, S.215ff.
  15. ↑ Kaltwasser, Heiliges Köln, S.70ff.
  16. ↑ Edition mit erläuterndem Text: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln II, hrsg. Joachim Deeters und Johannes Helmrath, Bachem, Köln 1996, Nr. 1, S.10
  17. ↑ Dietmar: Chronik Köln, S. 126
  18. ↑ Kaltwasser, Heiliges Köln, S.32ff. (Die tüchtigen Kölnerinnen., S.72
  19. ↑ Walther Holtzmann: Die englische Heirat Pfalzgraf Ludwigs III., in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins NF 43 (1930), 1-22
  20. ↑ Kaltwasser, Heiliges Köln, S.50
  21. ↑ Matthias Schmandt: Judei, cives et incole: Studien zur jüdischen Geschichte Kölns im Mittelalter, Hannover 2002
  22. ↑ Zu den städtischen Unterschichten in Köln grundlegend: Irsigler, Franz / Lassotta, Arnold: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker. Aussenseiter in einer mittelalterlichen Stadt. Köln 1300-1600. München 9. Aufl. 2001. Zur Bettelordnung S.26f.
  23. ↑ Kaltwasser, Heiliges Köln, S.47f.
  24. ↑ Franken/ Hoerner: Hexen, S. 14
  25. ↑ Johann Jakob Merlo: Beiträge zur Geschichte der kölner Buchdrucker und Buchhändler des 15. und 16. Jahrhunderts, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 19 (1868), S. 59
  26. ↑ Vollständiger Abdruck in: Robert Meier: Heinrich van Beeck und seine "Agrippina". Ein Beitrag zur Kölner Chronistik des 15. Jahrhunderts. Kölner Historische Abhandlungen Band 41. Böhlau Köln 1998
  27. ↑ Bernd-Ulrich Hergemöller: Die "unsprechliche stumme Sünde" in Kölner Akten des ausgehenden Mittelalters, in: Geschichte in Köln, Heft 22 (1987), S. 5-51; ausführliche Online-Dokumentation: Quellen zur Verfolgungs- und Alltagsgeschichte der “Sodomiter” (Homosexuellen) im späten Mittelalter und der reformatorischen Frühzeit
  28. ↑ Friedrich Wilhelm Bautz: Jakob von Hoogstraaten, in: BBKL Band II (1990), Spalten 1042-1045
  29. ↑ Deeters/Helmrath (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. II, S.1ff. und S.238ff.
  30. ↑ Stelzmann,Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11.Aufl.1990
  31. ↑ Niedrigwasser macht`s möglich - Entdeckung am Kölner Rheinufer, in: Monumente online, hg. von Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Mai 2006
  32. ↑ Siehe beispielsweise Ernst-Otto Simon: Der Postkurs von Rheinhausen bis Brüssel im Laufe der Jahrhunderte, in: Archiv für deutsche Postgeschichte 1/1990, S. 34–35.
  33. ↑ Deeters/Helmrath: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. II, S.220ff
  34. ↑ Franken/Hoerner: Hexen, S. 41-48
  35. ↑ Friedrich Wilhelm Siebel: Die Hexenverfolgung in Köln, Dissertation Bonn 1959, S. 64–75, Statistik S. 152–153.
  36. ↑ Franken/Hoerner: Hexen, S. 25f
  37. ↑ Chronik Köln, S198f.
  38. ↑ Deeters/Helmrath: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln Bd. II, S.258ff
  39. ↑ Carl Dietmar, S. 217, 219
  40. ↑ Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.113
  41. ↑ Klara van Eyll: Köln von der französischen Besetzung bis zum Ende des Ersten Weltkriegss (1794 bis 1918), in: Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.106
  42. ↑ Hermann Keussen: Wallraf, Ferdinand Franz, in: ADB Bd. 40, Leipzig 1896
  43. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 240ff
  44. ↑ Klara van Eyll, a.a.O. S.107
  45. ↑ Paul Clemen (Hg.): Der Dom zu Köln (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 6, Teil III). Reprint Düsseldorf Schwann 1980
  46. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 288ff
  47. ↑ Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt, Bachem Köln 1980 S. 59ff, S. 79
  48. ↑ Dietmar, Chronik Köln, 3. Aufl. Gütersloh/München 1997, S. 237
  49. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 279f
  50. ↑ Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt, Bachem Köln 1980 - Hafen: S. 87; Seeschiffahrt: S. 93
  51. ↑ Der dritte Kölner „Festungsring“ oder die neupreußische Stadtbefestigung (=Webseite der Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V.)
  52. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 293
  53. ↑ Der vierte Kölner „Festungsring“ oder die preußische Stadtbefestigung 1871 - 1918 (=Webseite der Arbeitsgemeinschaft Festung Köln e.V.)
  54. ↑ Dietmar, Chronik Köln, 3. Aufl. Gütersloh/München, S. 316f
  55. ↑ Meyers Konversationslexikon Leipzig und Wien, 4. Aufl. 1885-1892, IX S. 948
  56. ↑ Klara van Eyll, a.a.O. S.109
  57. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 240ff
  58. ↑ vgl. dazu: Preußische Landtagswahlen im Wahlkreis Köln-Aachen
  59. ↑ Dietmar, Chronik Köln, 3. Aufl. Gütersloh/München, S. 341f.
  60. ↑ dazu weiterführend: Denkmalwert und Nutzungspotenzial des Stadtgartens in Köln, Bestandsanalyse, Beurteilung, Entwicklungskonzept. Diplomarbeit Heike Müller, TU Dresden, auf: Internetpräsenz "Pro Stadtgarten e.V.
  61. ↑ PDF-Dokument Einblick Historie auf der Downloadseite des Köln Bonn Airports
  62. ↑ Horst Matzerath: Köln in der Weimarer Republik, in: Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.192
  63. ↑ Internetpräsenz der Ausstellung »Willkommen, Bienvenue, Welcome…«. Politische Revue – Kabarett – Varieté in Köln 1928-1938 im NS-Dokumentationszentrum Köln (2008)
  64. ↑ Stelzmann/Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. Köln 11. Aufl. 1990, S. 317
  65. ↑ Horst Matzerath: a.a.O., S.191
  66. ↑ Stelzmann/Frohn: a.a.O. S. 318
  67. ↑ Horst Matzerath: Köln in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.222f.
  68. ↑ Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.238
  69. ↑ Horst Matzerath: a.a.O., S.225ff.
  70. ↑ Internetpräsenz des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
  71. ↑ Stelzmann/Frohn: a.a.O. S. 331
  72. ↑ Internetpräsenz der Stadt Köln: Rat seit 1946
  73. ↑ Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.262ff.
  74. ↑ Peter Fuchs, a.a.O.
  75. ↑ Ist der Probst witzig?, ZEIT-online / DIE ZEIT, 06/1996
  76. ↑ Willy B. Wange: Die Sportstadt Köln, in: Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, S.349ff.
  77.  

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